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Veröffentlicht am 08.11.2023

𝚆𝚎𝚒𝚝 𝚠𝚎𝚐 𝚟𝚘𝚗 𝟶𝟾𝟷𝟻 …

Hot Like Clay - Kentucky Love
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Um ihren Traum ein Stückchen näherzukommen, geht Evelyn Tate einen Deal mit ihrem Chef ein, der leicht zu erfüllen sein sollte, zumindest für eine Frau, die weiß, welche Waffen sie trägt. Tja. Nur, dass ...



Um ihren Traum ein Stückchen näherzukommen, geht Evelyn Tate einen Deal mit ihrem Chef ein, der leicht zu erfüllen sein sollte, zumindest für eine Frau, die weiß, welche Waffen sie trägt. Tja. Nur, dass in Kentucky ein Bild von einem Mann wartet, der leider genauso heiß wie standhaft ist und sich weder von langen Beinen noch perfekten Kurven umstimmen geschweige denn dazu hinreißen lässt, seine Meinung zu ändern …

Was als kurzer Auftrag angedacht war, entwickelt sich für die Künstlerin zu einem Aufenthalt, der ihr nicht nur den zauberhaften Kleinstadt-Charme, die Bedeutung von Familie und ungeahnte Facetten des rauen Mechanikers näher, sondern auch ein Stück von sich selbst zurückbringt.

Als ich mit 𝐇𝐨𝐭 𝐥𝐢𝐤𝐞 𝐂𝐥𝐚𝐲 begonnen habe, rechnete ich nicht damit, dass mich dieses Buch derart mitreißen und vollkommen überzeugen kann. Yvonne Westphal schuf eine wunderschöne Kulisse, die durch malerische Beschreibungen aufleuchtete, ein heimeliges Feeling inklusive zahlreicher Charaktere, die alle auf ihre Art eigen sind und eine besondere Gemeinschaft bilden, die trotz Schwierigkeiten Seite an Seite stehen.
Denn in Sweet Springs wartet ein Kampf, der droht, nicht nur die familiäre Einheit samt Traditionen, sondern auch die Natur Kentuckys zu zerstören.

Skurril und verdammt heiß verläuft das Miteinander der Protagonisten, die aus abwechselnder Perspektive erzählen. Verruchte Gedanken und explizite Szenen brachten mich zum Schwitzen, schlagfertige Dialoge, viel Witz und das Feuer beider zum Lachen. Ich genoss die Dynamik, war von Lynn und Clay, ihren Geschichten und Ansichten, ihrer Stärke und der Leidenschaft schier überwältigt. #haf sag ich euch!
Yvonne schreibt authentisch und direkt, intime Momente waren detailreich, jedoch zu keiner Zeit billig, Emotionen und Zweifel kamen in all ihrer Tragweite zur Geltung, mitten ins Herz.
Keine Seite war langweilig, keine Figur bedeutungslos, der abwechslungsreiche Verlauf birgt neben Unterhaltung, Spice und überraschenden Wendungen, neben Familie, Freundschaft und Liebe so viel Wärme.

Wir haben es mit einer Bandbreite von Themen zu tun, die dem Geschehen Aktualität verleihen, zum Nachdenken anregen: von Umwelt- und Naturschutz, dem radikalen Vorgehen von Industrie und Gegendemonstranten bis hin zu den Missständen Amerikas. Ersichtlich ist, dass die Autorin ausgiebig recherchierte, sowohl für Evelyns Arbeit mit Ton als auch für Clays Handwerk und Vision. Auch zum nahenden Tod, zerstörten Familienbanden, dem Glauben an sich selbst und dem aufstehen, wenn man gefallen ist (…) finden sich Szenen und Aussagen, die bewegen.

„Hot like Clay“ ist eine Überraschung gewesen, die mich begeistert zurück- und auf weitere Bücher von Yvonne warten lässt.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Was für eine großartige Story!

A Breath of Winter
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Ich bin so unglaublich … begeistert, gehypt, fasziniert von diesem Buch, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll, außer: lest es. Hört es. Kauft und verschenkt es!

„𝐀 𝐁𝐫𝐞𝐚𝐭𝐡 𝐨𝐟 𝐖𝐢𝐧𝐭𝐞𝐫“ : High-Romantasy ...

Ich bin so unglaublich … begeistert, gehypt, fasziniert von diesem Buch, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll, außer: lest es. Hört es. Kauft und verschenkt es!

„𝐀 𝐁𝐫𝐞𝐚𝐭𝐡 𝐨𝐟 𝐖𝐢𝐧𝐭𝐞𝐫“ : High-Romantasy mit Einflüssen der nordischen Mythologie.

Carina Schnell kreierte eine Welt, die von verschiedensten Wesenheiten bewohnt wird, in der der Glaube an Magie unerschütterlich ist – jedoch auch die Bedrohung durch dunkle Kreaturen real.
In diesem nordischen, rauen Setting steht die Wilde Jagd im Fokus, der sich Smilla unbedingt anschließen will – denn gemeinsam mit dem gefürchteten Kriegertrupp rechnet sich die Hexe die besten Chancen aus, schnell an ihre Rache zu gelangen.
Doch der Gejagte scheint ein Mythos, immer ganz in der Nähe und doch nie nah genug.

„𝑬𝒔 𝒓𝒐𝒄𝒉 𝒏𝒂𝒄𝒉 𝑽𝒆𝒓𝒘𝒆𝒔𝒖𝒏𝒈, 𝑻𝒐𝒅 𝒖𝒏𝒅 𝑵𝒆𝒖𝒂𝒏𝒇𝒂𝒏𝒈 𝒛𝒖𝒈𝒍𝒆𝒊𝒄𝒉.“

Erzählt wird aus den Perspektiven von Gent, dem Oberbefehlshaber der Wilden Jagd, und Smilla. In unregelmäßigem Abstand werden diese Sichtweisen von jener Unheilvollen des Hexenschlächters durchbrochen — eine Gestalt, geboren aus Prophezeiung und Angst. Carinas Stil ist mitreißend und, trotz fantastischer, neuer Gegebenheiten, lässt sich die Geschichte klar lesen, und durch eine detailreiche Ausarbeitung nachvollziehen.
Die dichte Atmosphäre, ausdrucksstark wiedergeben, angefüllt mit malerischen Klängen und Wehmut, lässt Raum für Sarkasmus und Witz. Gefühlvoll, öfter mit einem Hauch Melancholie, durchweg charmant, spannend und aufregend vergeht die Handlung viel zu schnell.
Mehrfach scheint es, als ob die Zeit wegläuft, der letzte Atemzug bereit ist, um ausgehaucht zu werden, scheint ein Kampf, eine Flucht ausweglos —

Beide Protagonisten verstecken einen Teil von sich, verbergen Geheimnisse, sorgen für Überraschungen und geben emotionale Einblicke in ihre Vergangenheit. Von Anfang an war eine gegenseitige Faszination und Bewunderung spürbar und doch ist die Annäherung zart und langsam, passend für die Umstände und die Gefahren, die überall lauern.
Auch die restlichen Mitglieder der Truppe bekamen ausreichend Tiefe, waren interessant und vielschichtig, wenn auch nicht alle sympathisch. Konflikten und Uneinigkeit zum Trotz herrschte ein ergreifender Zusammenhalt. Misstrauen und Argwohn waren stetige Begleiter, genau wie Vorsicht. Denn die Übermacht aus der Luft ist unberechenbar, und nicht das einzige, welches einen plötzlichen Tod bedeuten könnte.

„𝑨𝒖𝒔 𝑹𝒂𝒖𝒄𝒉 𝒈𝒆𝒃𝒐𝒓𝒆𝒏, 𝒂𝒖𝒔 𝑨𝒔𝒄𝒉𝒆 𝒈𝒆𝒇𝒐𝒓𝒎𝒕.“

Das Geschehen ist mit einem Plotttwist gespickt, der so gekonnt und unvorhersehbar über Smilla und mich hereinbrach, dass PriesterInnen, Hexen und deren Schlächter, Trolle und Harpyien kurzzeitig in Vergessenheit gerieten. Hinzu kommen Aussagen, die tiefer gehen – vom nehmen und geben, von dem Hass, der einzig durch Angst geschürt wird. Die Storyline bietet alles, was ein romantischer High Fantasy braucht, ist temporeich, voller Ereignisse und Wendungen, mystisch und magisch. Sinnliche Szenen sind stimmungsvoll eingebracht, die Wirkungsweise der Magie greifbar geschildert — mich haben einzelne Facetten, Hintergründe und Intentionen, die Stärke der Hexe sehr bewegt. Ebenso wie das packende Finale, in dem die Autorin das Tempo erneut steigert, Blut fließen lässt und mit dramatischen Tönen den Höhepunkt inszeniert, um ihren Roman sanft, mit Nuancen aus dem bitter nötigen Weitermachen und hoffnungsvollem Neuanfang, ausklingen zu lassen. Band eins der "Rabenwinter Saga" endet für mich perfekt. Dennoch werde ich Smilla und die Wilde Jagd im Herbst 2024 erneut begleiten.

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Veröffentlicht am 05.11.2023

Perfekt, für einen gemütlichen Leseabend.

Mina Moningham - Das Schulhaus am Ende der Galaxis
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„Das Schulhaus am Ende der Galaxis: Mina Moningham 1“

Stell Dir vor, Du erfährst eines Nachts, dass es all die Jahre, in denen Du auf Dich gestellt warst, irgendwo Verwandtschaft gab, die von Dir wusste. ...

„Das Schulhaus am Ende der Galaxis: Mina Moningham 1“

Stell Dir vor, Du erfährst eines Nachts, dass es all die Jahre, in denen Du auf Dich gestellt warst, irgendwo Verwandtschaft gab, die von Dir wusste. Die jetzt zwar tot ist, Dir aber ein gigantisches Erbe hinterlassen hat – und daran geknüpfte Bedingungen.
Würdest Du alles hinter Dir lassen und solch einem Wagnis entgegentreten?

Für Mina Moningham war dieser frische Wind nach einigem Unglauben und Zögern zumindest eine willkommene Abwechslung. Hätte sie nur vorher geahnt, was da auf sie zukommt …

Jana Paradigi schuf eine ebenso kreative wie gemütliche Story, die mit ulkigen Szenen, Witz und Charme zu einer Tasse Tee einlädt, während wir mit Mina gemeinsam Wunder und Unglaublichkeiten erkunden. Neben der Instandhaltung des „Schulhaus der Galaxie“ und den zahlreichen täglichen Aufgaben ist die junge Frau, deren Charakter eine sympathische Mischung darstellt, für etliche Bewohner und Besucher verantwortlich.
Zusätzlich wollen mehrere Parteien Mina ihr Erbe abspenstig machen, dabei verbirgt sich innerhalb der eigenwilligen Gemäuer eine Friedenszone für allerhand fremde Welten und ganz besondere Magie. …

Geheimnisse und Rätsel, Hintergründe über die Gegebenheiten, neue Galaxien und einige liebenswürdige Figuren, die schnell zu Freunden werden, wie auch ein Hauch Romantik und Wehmut finden sich hinter dem detailreich gestalteten Cover. Neben Mina wuchsen mir einige der Nebenfiguren sehr ans Herz, wie Mischa und Hilde. Es war spaßig, die potenzielle neue Hüterin der Portale an all den Pflichten wachsen zu sehen, mit ihr Haus und Umgebung zu entdecken, in Fauxpas zu stolpern, Probleme zu schaffen und zu bewältigen. Wem zu trauen ist und wem nicht, muss Mina allerdings auf die harte Art erkennen, Misstrauen und Vorsicht blieben bei mir zumindest bestehen.
Stilistisch empfand ich das Gelesene als flott und modern, authentisch und witzig. Jana ließ in ihrer originellen Geschichte Gefühle aufleben, Wunder und Überraschungen, untermalt von einer Atmosphäre, die eine große Portion Gemütlichkeit ausstrahlt.
Erwähnenswert ist die gute, stabile Qualität der Hardcover-Ausgabe, in deren Inneren sich die eine oder andere Illustration befindet. Auch das Hörbuch möchte ich an dieser Stelle empfehlen – wunderbar gesprochen von Sabrina Scherer.

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Veröffentlicht am 28.10.2023

Allumfassend melancholisch, tief bewegend.

How to Make Friends with the Dark
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„How to make friends wird the Dark“ ist der zweite Roman aus der Feder von Kathleen Glasgow, den ich unbedingt lesen musste. Wie bereits in »Girl in Pieces«, beschäftigt sich die Autorin mit Themen, die ...

„How to make friends wird the Dark“ ist der zweite Roman aus der Feder von Kathleen Glasgow, den ich unbedingt lesen musste. Wie bereits in »Girl in Pieces«, beschäftigt sich die Autorin mit Themen, die häufig – zu häufig – unter den Teppich gekehrt werden, erzählt in einem eindringlichen, echten Ton, einem, der zu Herzen geht und Gänsehaut verursacht, von tiefer, bahnbrechender Trauer, von der Unwirklichkeit, die Verlust auszulösen vermag, von Einsamkeit und dem Weitermachen. Trotz Dunkelheit.

Der plötzliche Tod ihrer Mutter reißt Tiger den Boden unter den Füßen weg, wirft sie in einen Abgrund, schafft von einer Sekunde auf die andere eine neue Realität, ohne die Chance auf Abschied. Zurückgelassen mit Schuld, Fragen, die ihr niemand mehr beantworten kann, all den Schritten, die nun zu tun sind – vorwärts. Herzzerreißend hilflos, überfordert, verzweifelt und unglaublich erschöpft — es gab immer nur Tiger und ihre Mum. Jetzt ist es ein löchriges System, welches zum einzigen Auffangnetz für einen mutterlosen Teenager wird.

Kathleen Glasgow schreibt von den Phasen der Trauer, dem emotionalen Chaos, das oft dumpfer Resignation gleicht, den zarten Anläufen Richtung Bewältigung, die noch häufiger nach hinten führen, auf der Stelle halten. Die Autorin erzählt von Tigers zurechtfinden in diesem neuen, leeren Leben, von der traurigen Gewissheit, dass alle weitergehen, nur sie nicht – inmitten Düsternis und Melancholie ergießt sich der Schmerz eines Mädchens, welches weder an- noch zur Ruhe kommen kann, es finden sich Sequenzen über psychische und physische Misshandlung, toxisches Verhalten, unbequeme Realitäten, die ergreifend dargelegt wurden. … Tiger, die von einer Pflegefamilie zur Nächsten gereicht wird, wie ein Gegenstand, während überforderte SozialarbeiterInnen nach unbekannten Verwandten suchen, Versprechen brechen. Zwischen dem Festhalten an Erinnerungen, dem Ertragen eines schier unstemmbaren Alltags, wird Tiger nicht nur erschüttert, sondern auch überrascht — denn manchmal überwindet Trauer selbst Verachtung und Hass, verbindet die unterschiedlichsten Menschen, während FreundInnen gehen.
Das Verhalten der Protagonistin, ihre (Schutz- und Bewältigungs-)Mechanismen, ihre Gedanken, die (Schuld-)Gefühle und die Lethargie wie auch ihre Wesensänderung empfand ich durchweg authentisch, in der grau untermalten Handlung finden sich etliche Empfindungen, ungeahnte Entwicklungen, ebenso wie – realistische, ungeschönte und triste – Einblicke in das amerikanische staatliche System und dessen Vorgehen, welche noch mehr Nuancen, die Schmerz bereiten, im Verlauf verteilen.

Einzelne Kapitel wurden mit Zeitangaben und besonderen Überschriften versehen, die einen Überblick verschaffen, und ich empfehle das sehr persönliche und offene Nachwort nicht außen vor zulassen.

„How to make friends wird the Dark“ nimmt uns mit in eine Finsternis, in eine geraubte Kindheit, die weh tut.

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Veröffentlicht am 23.10.2023

Nett, gute Idee.

Lost in Afterglow
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„Lost in Afterglow“: meet the Rockstar

Kennt ihr das, wenn ein Buch in einem mitreißenden Flow geschrieben ist, euch der Inhalt aber nicht vollständig packen kann? Ehrlich gesagt musste ich mich mehrfach ...

„Lost in Afterglow“: meet the Rockstar

Kennt ihr das, wenn ein Buch in einem mitreißenden Flow geschrieben ist, euch der Inhalt aber nicht vollständig packen kann? Ehrlich gesagt musste ich mich mehrfach zwingen, Jo Jonsons neuesten Roman weiterzulesen – dabei fand ich Idee und Stil gut, die Themenvielfalt überraschend und unglaublich wichtig.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, sodass die LeserInnen nicht nur Samira kennenlernen und ihren Weg aus der Gedächtnislosigkeit begleiten, sondern auch an den Sichtweisen der Bandmitglieder und Laura, die nach ihrer vermissten Freundin sucht, teilhaben können. Getoppt von einem Erzähler, der die Bedrohung anheizt … und näher ist, als geahnt.

Jonson bedient sich ungemütlichen Szenarien, schafft es, Wut, Hilflosigkeit und Verzweiflung einzufangen, ebenso wie die wechselnden Handlungsorte und die oft angespannte Stimmung zwischen den Charakteren. Abgesehen von Samira Sinner und Sem Kramеr, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft und in der jungen Frau schnell mehr sieht, als nur ein Experiment, kamen auch die anderen Musiker ausreichend zur Geltung. Die Konflikte und Diskrepanzen unter den Rockern fand ich interessant, brachten diese doch Abwechslung, Leichtigkeit und Witz mit sich. Klar und einfühlsam erzählt die Autorin davon, wie Samira beginnt, sich neu kennenzulernen, sich den verborgenen Wahrheiten ihres Inneren zu stellen und sich aus der Opferrolle zu befreien, bis sie jenen Platz einnehmen kann, von dem sie so lange träumte … Das, was wir aus ihrer Vergangenheit erfahren – von Trauma, (schädlichen) Verhaltensweisen bis hin zu ihrer unnahbaren Art – war berührend, so echt. Und auch später sind es nicht die zahlreichen Erkenntnisse, sondern Stärke und Mut, die Samira aus den Fesseln befreien …

Alles in allem klingt das positiv, oder?
Aber … obgleich Samira Stück für Stück ihre Erinnerungen zurückbekommt, stand die Handlung öfter aufgrund wiederkehrender, kreisender Gedanken, dem Schweigen statt Reden und der Selbstgeißelung still. Im Fokus stehen zwei erwachsenen Menschen, die sich um ungesagte Worte und Missverständnisse drehen. Hinzu kommt eine für mich nicht realistische (emotionale) „Entwicklung“ inkl. Reaktionen, die unverhältnismäßig scheinen, und Empfindungen, die in meinen Augen übertrieben sind. Stellt euch vor, ihr wacht ohne Erinnerungen, dafür mit Blut besudelt im Nirgendwo auf. Wie vertrauensvoll wärt ihr? Genau …
Auch wurde das »fangirln" anhand von Samiras Obsession der Band, allen voran dem Frontman gegenüber, auf eine ungesunde Stufe erhoben, jedoch ohne kritischen, besorgniserregenden Unterton.

Längen, zu viel hin und her sowie ein überstürztes Zueinanderfinden, welches die Basis für große Gefühle darstellen soll, haben mir mehrfach das Interesse geraubt. Dennoch gelang das Zusammenspiel von Neuanfang, Spannung und dem Verständnis, welches Betroffene zwischen den Seiten finden. Wer sich nach einer romantischen, hoffnungsvollen Geschichte sehnt, in der alltägliche, grauenhafte Schicksale sowie jene guten, seltenen Fügungen einen Platz haben, in der neben Schrecken sanfte Töne und der Wunsch mitschwingen, niemals wieder ein Opfer zu sein ‐ dem kann ich „Lost in Afterglow“ ans Herz legen.

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