Hier lohnt es sich, dranzubleiben.
When Shadows Darken the SunEine High-Fantasy Welt, magische Spiele, die über Macht und Zukunft entscheiden, Rivals-to-Lovers meets Forbidden Love, Schatten gegen Licht – das „The Day and Night Duet“ von Nina Schilling weckte sofort ...
Eine High-Fantasy Welt, magische Spiele, die über Macht und Zukunft entscheiden, Rivals-to-Lovers meets Forbidden Love, Schatten gegen Licht – das „The Day and Night Duet“ von Nina Schilling weckte sofort mein Interesse!
Alle dreißig Jahre entscheidet ein magisches Turnier darüber, wer über den Dritten Hof befehligen darf – das Volk des Tages oder das der Nacht. Von Geburt an werden die ThronerbInnen auf diesen Wettkampf – auf diesen einen Moment – vorbereitet. Werden getriezt, gebrieft, trainiert und einer unbeschwerten Kindheit, Normalität und Leichtigkeit beraubt. Dass nach dem Sieg sogleich eine Hochzeit anberaumt ist, erfüllt zumindest den Primus des Nachthofes eher mit Zuversicht als mit Schrecken.
Während seine Kontrahentin alles dafür tun wird, das Himmelsamulettes endlich zurück in ihre Heimat zu holen, wird Nox nichts unversucht lassen, die Herrschaft über das Dritte Reich zu verteidigen …
Das positive vorweg: Nina Schilling hat ein gutes Worldbuilding geschaffen, in dem wir auf Traditionen, düstere Gefahren und einen mythologischen Hintergrund stoßen. Auch kam das Schattenreich, in dem wir uns bewegen, sehr atmosphärisch zur Geltung. Schnell werden wir mit der hier größten Bedrohung konfrontiert: nebelverhüllten Alpträumen und den perfiden Intrigen des Nachthofes.
Dass Nox sein Augenmerk von Anfang an auf Cass, eine einfache Zofe, legt, eine taffe, kämpferische Kriegerin, die ihn fortan mehrfach überrascht, ihm, einem Mitglied des Adels, die Stirn bietet, amüsiert, beeindruckt und irritiert den unnahbaren Primus gleichermaßen. Denn sein Fokus sollte auf Diana liegen, darauf, ihre Schwächen vor dem Beginn der Spiele auszukundschaften, sie einzuschätzen. Cass stellt sich selbstlos vor die Erbin des Lichthofes, schreckt nicht vor der Schattenarmee zurück und hat nur wenig Sympathie für den gegnerischen Primus übrig. Doch dann zeigt er Seiten, die nicht zu seinem Auftreten, seinem Ruf, seinem Stand passen – und wo Distanz herrschen soll, schleicht sich Neugier ein. Ein Anflug von Vertrauen. Eine prickelnde Anziehung … Aber nichts kann etwas an ihrer Herkunft, an ihrer Pflicht, an ihrem Ziel ändern …
Zwischen Argwohn, Rivalität, Zeitdruck und Trauer baut sich die Romance langsam auf, wird von Geheimnissen überschattet, die letztlich jedes Gefühl von Geborgenheit auszulöschen vermögen. Was sich zwischen Cass und Nox entwickelt sorgt für Unterhaltung, spritziges Geplänkel und funkensprühendes Verlangen. Beide Charaktere erhielten Tiefe, eine berührende, vor Einsamkeit und Verantwortung triefende Vergangenheit und ebenso viele unerwartete Wesenszüge wie Motivationen; zeigen sich stark, nahezu entspannt und sind im Inneren doch so verletzlich. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist spürbar – die Erwartungen eines ganzen Volkes, die bohrenden Blicke von König und Königin.
Deutlich arbeitete die Autorin den weiter wachsenden Zwiespalt, das emotionale Chaos, die Frage, was werden könnte, wenn … heraus. Schafft melancholische Nuancen inmitten der eleganten Dunkelheit.
Toll eingebunden waren die Nebenfiguren nebst der loyalen Freundschaften und die besondere Verbindung zwischen den jeweiligen tierischen Gefährten. Sowohl die Schattenpanther als auch die Lichtwölfe sind ein präsenter Teil des Geschehens und weitaus mehr als bloße Sidekicks.
Weniger überzeugend war der Aufbau – der langatmige Einstieg, die Ereignisse, die erst weg vom angepriesenen Kampf samt der Gründe hierfür führen, zahlreiche Erklärungen und ausführliche Monologe, die beständig Spannungen dämpfen und dem Vorankommen im Wege stehen. Zusätzlich schien es als hätten sich des Öfteren Wiederholungen eingeschlichen; von diesem Punkt abgesehen mochte ich den Stil der Autorin, der gefühlvoll und malerisch, dabei jedoch schnörkellos war.
Weit nach der Hälfte gewinnt das Turnier – inklusive Plottwists – endlich an Relevanz, entfacht Tempo und Euphorie, offenbart grausame Strategin und hält gleichermaßen Action, Emotionen wie ein imposantes, alles veränderndes Finale bereit.
Trotz aller Kritik an „When Shadows Darken the Sun“ werde ich „And Midnight Fades to Dawn“ – dem Finale des eher bedachten „The Day and Night Duets“ – eine Chance geben.