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Veröffentlicht am 17.11.2025

Solide Neuerzählung einer starken, unterschätzten Frau der Mythologie.

The Witch's Heart - Das Verhängnis
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Als großer Fan unterschiedlicher Mythologien und Freundin von frischen Adaptionen kam ich natürlich nicht um „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ herum. Auch die Sage um Angrboda ist für mich keine Unbekannte ...

Als großer Fan unterschiedlicher Mythologien und Freundin von frischen Adaptionen kam ich natürlich nicht um „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ herum. Auch die Sage um Angrboda ist für mich keine Unbekannte und so fiel es mir leicht, mich in den diversen Verstrickungen, Gegebenheiten und Beziehungen zurechtzufinden. Erschwert hat mir das Dranbleiben jedoch Genevieve Gornichecs Stil, der einerseits detailreich und atmosphärisch, andererseits sehr ausschweifend und öfter holprig war. Daran änderte auch nichts der zarte Tonfall und die eindringliche, merklich bemühte Beleuchtung von Angrbodas Innerem.
Zwar kamen die Kulisse und das typisch nordische, harsche Feeling wunderbar zur Geltung, die Handlung selbst verlor sich mMn aber in einer wankelmütigen Erzählweise, in wenig greifbaren Reaktionen wie auch in einem zu einfachen, weichen Ende.
Ebenfalls nicht optimal ist die Gliederung, die keine Kapitel, sondern lediglich drei große Teile umfasst. Zogen sich der erste und letzte Abschnitt aufgrund des Gefühls von Ziellosigkeit und Stillstand, bringt der zweite „Spaß“, Spannung(en) und Offenbarungen, wirft die LeserInnen in ein emotionales Chaos, schockiert mit grausamen Sequenzen und überrascht mehrfach.

Soll nicht heißen, dass die restliche Geschichte ausschließlich einer zähflüssigen, schwermütigen Masse gleichkommt – denn auch hier gab es stellenweise berührende und starke Passagen, eine deutliche Veränderung, ein Umschwung. Es gab Liebe und Verrat, Tragik und Verlust. Eine Mutter, die kämpft. Die sucht. Sich befreit. Abwechslung bringen neben der Kulisse weitere Figuren wie Loki – der in seiner Rolle als Täuscher und Lügner aufgeht, unberechenbar und unterschätzt –, Hel und Skadi, eine getreue, loyale Freundin. Fenrir und Jörmungandr, Ragnarök und die den nordischen Gottheiten angedachte Mentalität – egoistisch, selbstherrlich, machthungrig – wirkten zudem der Authentizität zuträglich.

Alles in allem ist „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ eine gute Interpretation einer der seltener betrachteten Mythen und ein Roman, der von dem Schmerz einer Frau erzählt, die sich weigerte, sich zu fügen, die immer wieder aufgestanden ist, Opfer brachte und bis zum Schluss gegen Unterdrückung und Ausgrenzung kämpfte. Keine Story für zwischendurch, keine, die vom ersten Satz an fesselt, sondern eine, die ihre Tragweite subtil offenbart, mit Höhen, die mitreißen, und Tiefen, die es lohnt, zu überwinden.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Kurzweilige Romantasy

Legenden aus dem Wunderland - Fluch der Herzkönigin
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„Der Fluch der Herzkönigin“ ist die erste Geschichte, die uns in die Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“, in eine Welt aus Magie, Verrat und Intrigen, führt.

Als amtierende Herzkönigin wird Nyxia ...

„Der Fluch der Herzkönigin“ ist die erste Geschichte, die uns in die Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“, in eine Welt aus Magie, Verrat und Intrigen, führt.

Als amtierende Herzkönigin wird Nyxia allseits gefürchtet. Zu grausam regierten ihre Vorfahrinnen. Was kaum einer weiß: seit Jahrhunderten hat Nyxia den Thron nicht verlassen, denn ein Fluch hält sie fest. Gebunden an diesen, ist sie gezwungen, Könige zu wählen und Herzen zu opfern, um die dunkle Hexe zufriedenzustellen und sich nicht in dem Wahnsinn, der in ihr ruht, zu verlieren. Bei der diesjährigen Auswahlprozedur trifft die Regentin der Schlag, denn einer der Kandidaten ist Elion, der Junge, der ihr einst das Leben rettete. Nyxia versucht alles, um ihn loszuwerden, doch das Wunderbiest kämpft – für Nyxia und ihr Herz. Wohl wissend, sein eigenes zu verlieren …

Lasst uns kurz einen Blick auf die Aufmachung der Romantasy werfen: Dieses Buch ist erneut unglaublich schön geworden! Auch stilistisch führt uns B. E. Pfeiffer in dem gewohnt bildreichen Ton durch die Handlung, lässt uns Teil von Nyxias innerem ringen, den bedrohlichen Gesprächen mit der Hexe und der überkochenden Verrücktheit werden. Gerade Letzteres gibt der Handlung Skurrilität und Crazy-Vibes, während Misstrauen durch die Seiten fließt. Denn die Wahl des Königs hält Überraschungen und Angriffe bereit. Nur Elion bildet eine Konstante, die Nyxia hoffen lässt, die sie unerwartet erdet. Trotz der Sticheleien der zischenden Stimme in ihrem Kopf, fasst die baldige Königin vertrauen …

Pfeiffers Protagonistin wankt – zwischen dem, was sie nicht kontrollieren kann, dem, was sich ihrer bemächtigt, einer grausamen Seite, die Leben nimmt, und dem, was sie so dringend will: Freiheit. Elion hingegen scheint voller Zuversicht, akzeptiert Nyxias Dunkelheit ebenso wie sie seinen vermeintlichen Makel. Dass beide noch weitere Geheimnisse voreinander verbergen, könnte ihren Plan zum Scheitern verurteilen und beide alles, gar ihre Leben, kosten … Obgleich ich keine wirkliche Wunderlandnote vernommen habe, das Worldbuilding recht flach war und es mir an Tiefe und Zeit in der Entwicklung der romantischen Komponente fehlte, fand ich „Der Fluch der Herzkönigin“ unterhaltsam, kurzweilig und schön zu lesen. Schade ist, dass wir die Ereignisse nur aus einer Perspektive verfolgen und die Nebenfiguren Schatten bleiben, während ich es positiv bewerte, dass Pfeiffer auf überzogenes Drama und Spice verzichtete. Spannende Sequenzen und Intrigen, schockierende, alles aus den Fugen bringende Wendungen und rollende Köpfe sowie die Schübe aus Wahnsinn und der aus diesen resultierenden Unberechenbarkeit Nyxias entfalten eine Sogwirkung, der es sich kaum entziehen lässt. Das Ende war gefühlvoll und stimmig. Ich werde die Geschichte von der Herzkönigin und dem Wunderbiest auf jeden Fall weiterverfolgen.

„Die Rache der Herzkönigin“ erscheint im Februar als dritter Teil der Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“. Zuvor wartet ein neues Paar darauf, bei ihrer Reise begleitet zu werden.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Ich wollte das Buch wirklich mögen...

Shadow Desire
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Neele Green hebt die Sage um die bekannteste Gorgone in ein modernes, jedoch geteiltes und von drei namhaften Führungskräften kontrolliertes Athen. Während sich Poseidon Hafen und Küste unter den Nagel ...

Neele Green hebt die Sage um die bekannteste Gorgone in ein modernes, jedoch geteiltes und von drei namhaften Führungskräften kontrolliertes Athen. Während sich Poseidon Hafen und Küste unter den Nagel riss, regiert Zeus das Zentrum. Hades, in dessen Einflussbereich Medusa lebt, hat seine Augen und Ohren in der Vorstadt. Die Regeln sind klar: Jeder bleibt in seinem Gebiet. Und so ist Poseidon gezwungen, einen Getreuen nach Petroupolis zu entsenden, um ein Gerücht in die Realität und sich seine Rache zu holen …

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive – so lernen wir die Studentin Medusa kennen, die, mehr oder weniger versteckt, bei ihren beiden Schwestern aufwuchs. Doch Euryale und Stheno sind nur selten anwesend, gehen sie doch im Untergrund fragwürdigen, oft geheimen und gefährlichen Aktivitäten nach, um ihrer jüngsten Schwester ein Zuhause und eine unbescholtene Zukunft zu ermöglichen. Medusas Angst, den letzten Rest Familie zu verlieren, und ihre Schuldgefühle waren ebenso präsent wie ihre Einsamkeit. Denn innige soziale Kontakte, ausführliche Interaktionen – Freundschaften und Beziehungen – sind ihr strengstens untersagt. Dass sich Euryale und Stheno bei ihrem letzten Coup einen Feind gemacht haben, der größer und schwerer abzuhängen ist als gedacht, drängt die beiden dazu, unterzutauchen, wägen sie ihr liebstes Geheimnis doch in Sicherheit. Dabei ist die dritte Gorgonenschwester längst kein Mythos mehr …

Endlich bekommt Perseus die Gelegenheit, sich zu beweisen, in Poseidons Ansehen aufzusteigen und sich einen festen Platz in dessen innerem Kreis zu sichern. Dass er dafür möglichst unauffällig Hades Einflussbereich unterwandern und den seriösen Studenten mimen muss, ist noch der einfache Teil – denn wie soll er ein Mädchen finden, von dem niemand weiß, ob es wirklich existiert?!

Nun, was soll ich sagen? Ich hatte etwas anderes erwartet: eine mythische Story, in der die Figuren mehr mit ihren NamensgeberInnen gemein haben, einen Hauch düstere Fantastik, Mystik, Dunkelheit und Gefahren. Leider konnte mir „𝐒𝐡𝐚𝐝𝐨𝐰 𝐃𝐞𝐬𝐢𝐫𝐞“ kaum etwas davon geben. Insgesamt zieht sich der Verlauf, verliert sich in irrelevanten Ausführungen und wirkt u. A. dadurch monoton und langweilig. Hinzu kommt ein – für mich – nicht mitreißender Stil: Dialoge lasen sich gestellt, Fehler und Wiederholungen schlichen sich in den Text, es mangelte an Spannung und einer greifbaren zwischenmenschlichen Entwicklung – romantische und vertrauensvolle Empfindungen waren einfach da. Binnen Sekunden ist Medusa für ihren Häscher kein Auftrag mehr – spätestens ab hier ging für mich jegliche Glaubhaftigkeit verloren.
Die Aufteilung von Athen und die Regeln der drei Herrscher gaben der Geschichte zumindest unterschwellig etwas Interessantes, schenkten ihr eine Andeutung gefährlicher Mafia-Vibes. Wenn das „Worldbuilding“ wie auch die Nebenfiguren insgesamt eher zu kurz kamen, blitzten hier und da Verzweiflung, etwas Beklemmendes, Schweres auf.

Medusa leidet unter der Verschwiegenheit ihrer Schwestern, unter den Verboten, die einer Gefangenschaft gleichkommen. Dass die junge Frau weder die Gründe für das seltsame Verhalten von Euryale und Stheno kennt, macht die Situation nur schwieriger. Mir fehlte es in ihrem Wesen an Feuer, an Beharrlichkeit, an dem Drang, vehement zu hinterfragen und für sich einzustehen. Zumindest vollzieht Medusa im Verlauf eine deutliche Veränderung, die sie in Abgründe führt, nicht nur in die, die die Stadt tragen, sondern auch in jene ihres eigenen Selbst. Perseus' Vergangenheit tritt nach und nach zutage. Bevor uns Green mit einer Offenbarung überrascht, bekommen wir Einblicke in seine Sorgen und Kämpfe, solche, die ihn Tag für Tag neu herausfordern.
Ob er es wirklich schaffen kann, sich Poseidon und seinen skrupellosen Schergen zu widersetzen und Medusa zu retten? Oder braucht es dazu letztlich keinen Mann?

Abgesehen von den kritischen Kommentaren meinerseits möchte ich erwähnen, dass die Autorin in ihrer seichten Romance wichtige, aktuelle Themen anspricht – bspw. die merklich um sich greifende Armut, Perspektivlosigkeit und Zukunftsängste, die steigende Rate von Kriminalität und Suchterkrankungen sowie die Fesseln einer toxischen Beziehung. Aber auch Familie, Selbstfindung und -akzeptanz haben einen Platz. Das sind Punkte, die sich hervorragend in das zwielichtige und heruntergekommen wirkende Setting schmiegen.

Die Story ist abgeschlossen, jedoch sind weitere Bände geplant. Für mich aber bleibt es bei der Geschichte von „𝐌𝐞𝐝𝐮𝐬𝐚 & 𝐏𝐞𝐫𝐬𝐞𝐮𝐬“.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Absolute, von Herzen kommende Empfehlung

Wenn heute unser Morgen wäre
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♡Du hast „𝐃𝐚𝐬 𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥 𝐢𝐬𝐭 𝐞𝐢𝐧 𝐦𝐢𝐞𝐬𝐞𝐫 𝐕𝐞𝐫𝐫𝐚𝐞𝐭𝐞𝐫“ geliebt?

Dann lies „𝐖𝐞𝐧𝐧 𝐡𝐞𝐮𝐭𝐞 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫 𝐌𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧 𝐰𝐚𝐞𝐫𝐞“!♡



Für Grace McIntyre ist das Musikprojekt mehr als nur eine lästige Pflicht, die es zu bestehen ...

♡Du hast „𝐃𝐚𝐬 𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥 𝐢𝐬𝐭 𝐞𝐢𝐧 𝐦𝐢𝐞𝐬𝐞𝐫 𝐕𝐞𝐫𝐫𝐚𝐞𝐭𝐞𝐫“ geliebt?

Dann lies „𝐖𝐞𝐧𝐧 𝐡𝐞𝐮𝐭𝐞 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫 𝐌𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧 𝐰𝐚𝐞𝐫𝐞“!♡



Für Grace McIntyre ist das Musikprojekt mehr als nur eine lästige Pflicht, die es zu bestehen gilt, um ihr Stipendium zu behalten. Denn die Teenagerin liebt, lebt und fühlt Melodien, Lieder und Klänge. Half ihr die Musik doch selbst durch die dunkelsten Zeiten. Doch ihre Vorfreude wird rigoros getrübt, als sie gerade Callum Hayward – ihren einstigen Konkurrenten, den Jungen, der keinerlei Interesse mehr an „Zeitverschwendungen“, an Freude und Freundschaften hat – als Partner zugeteilt bekommt. Auch der angehende Jurist ist alles andere als begeistert, neun Wochen mit Grace zusammenarbeiten zu müssen. Denn nicht nur geht ihm das optimistische Mädchen unter die Haut, auch hat er seinem Talent, ihrer gemeinsamen Leidenschaft, vor Jahren den Rücken gekehrt. Alles in Callum sträubt sich dagegen, sich erneut für Grace und die Musik zu öffnen …



Sophie Herbst erzählt ihr Own-Voice Jugendbuch in einem altersgerechten, klaren und einfachen Stil, dennoch gehen bildreiche, poetische Empfindungen, die unübersehbare Melancholie, die Tragik nah, berühren tief.

Wir verfolgen das Geschehen aus wechselnder Perspektive, was die 16-Jährigen, ihre individuellen Lebenssituationen und den Wandel, den beide vollziehen, greifbar werden lässt. Während Callums Vater zwar für einen wohlhabenden, privilegierten Lebensstil, aber auch für ein kaltes, einsames Zuhause sorgt, den Jungen mit hohen Anforderungen und Zielen, seinem eigenen Schmerz unter Druck setzt, haben Grace’ Eltern ihre Karrieren auf Eis gelegt und damit das vorher schon knappe Einkommen geschmälert. Und doch fehlt es der begabten Musikerin an nichts, vor allem nicht an Aufmerksamkeit, an Wärme, Wertschätzung und Liebe.

Mr. & Mrs. McIntyre und Gracies FreundInnen sind großartige Menschen, die besten. Wie auch die Teenagerin selbst – ein Mädchen, das zu früh erwachsen werden musste. Das alles versucht, um weder Last, noch zu viel zu sein; das die Musik atmet und aus ihr zehrt. Das für jede/n das größtmögliche Glück erhofft. Auch für Callum, diesen verbitterten Jungen, der gebeugt ist von Selbsthass, Verlust und Erwartungen, die er nicht erfüllen kann. Erst durch die Wochen mit seiner Konkurrentin – die ihn an das erinnert, was er verloren hat – erkennt er, dass jene Zukunft, für die er ununterbrochen ackerte, für die er alles aufgab, vielleicht niemals eintreffen wird. Was abweisend und kalt beginnt, wird zu einer intensiven Zusammenarbeit, die nicht nur einen Song mit Gänsehautgarantie hervor-, sondern die beiden einander näher bringt. Die zeigt, was wirklich wichtig ist: das Heute und das Jetzt.



Abgesehen der Protagonisten, die auf ihre eigene Art gebrochen sind, sich herausfordern und ergänzen, die auf verschiedene Weise und doch gemeinsam erstarken, begegnen wir mit Eric, Val, Will und Lou TeenagerInnen, die beeindrucken. Von denen man sich wünscht, sie selbst zu kennen. Auch Grace' Eltern sind eine Komponente, die zu Tränen rührt, während Mr. Hayward Zeit braucht, um zu verstehen, um endlich wieder hinzusehen.

Die Liebesgeschichte ist sanft, dominiert weder die Handlung noch die Gefühlslage des Buches. Was ich hier besonders schön finde: Die Autorin kreierte eine Greenflag-Beziehung, die sich entwickelt. Eine gesunde Liebe. Eine, die abwägt, die nicht verletzt. Die hält und heilt.



„Wenn heute unser Morgen wäre“ ist ein bittersüßer Coming-of-Age-Roman, den ich allen Altersklassen empfehlen möchte, spricht Herbst doch von dem Mut, der in jedem von uns steckt, von der Angst, die es zu überwinden gilt, manchmal jeden Tag. Von Erfahrungen und Erlebnissen, die uns unwiderruflich verändern. Von Musik, Leidenschaft und von der Vergänglichkeit des Seins. Unglaublich einfühlsam und authentisch gibt die Autorin einer Krankheit Kontur, schafft die dringend benötigte Aufmerksamkeit, ohne in rosarote Töne zu driften. Neben Klischees und Stigmatisierung wird auch Medical Gaslighting angesprochen – etwas, was so selten Beachtung findet, dabei aber alltäglich ist. Wir werden mit schmerzlichen, realen Themen konfrontiert, mit Tod und Verlust, mit Hoffnung und Panik. Mit der Bedeutung, die Familie hat, und mit bedingungsloser Freundschaft, solche, die auch in den dunkelsten Tälern noch Bestand hat. Sophie führt uns vor Augen, was wirklich zählt im Leben, erinnert uns, wofür es sich lohnt zu kämpfen und daran, dass wir manchmal nicht in einem „Danach“ ankommen werden, sondern das „mit“ akzeptieren müssen. Oder das „ohne“.



Dieser Roman ist bedrückend, intensiv und echt. Eine Hommage an das Heute. Das Heute, das nicht zurückkommt, und das es wert ist, in jeder Nuance genossen zu werden.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Sehr gute Romance Suspense

All We Lost Was Everything – Deine Liebe brennt wie Feuer
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Vor neun Monaten ging Rivers Mutter ohne ein Wort.
Als wären dieser Verlust, die quälende Hoffnung und das nagende „Warum?“ nicht schon zerstörerisch genug, implodiert nur acht Wochen später das komplette ...


Vor neun Monaten ging Rivers Mutter ohne ein Wort.
Als wären dieser Verlust, die quälende Hoffnung und das nagende „Warum?“ nicht schon zerstörerisch genug, implodiert nur acht Wochen später das komplette Leben der Musikerin – von ihrer ersten Liebe vor die Tür gesetzt, steht sie jetzt vor einem Haufen Asche, dort, wo einst ihr Zuhause war. Nichts blieb übrig. Auch nicht ihr geliebter Vater …
Um Rechnungen und die Beisetzung zu bezahlen, initiiert Rivs beste Freundin einen Spendenaufruf, der erst nur die nötigen Kosten deckt, sie dann aber plötzlich zur Millionärin macht. Aber River kann sich nicht überwinden, die anonyme Spende anzurühren, zu bitter ist der morbide Beigeschmack. In dieser schweren Zeit verankern sie Tita Anna und Tawny McGill in der Realität, schenken ihr Trost, und ihr Job in Gerties Diner, der sie zwingt, Normalität zu mimen. Wäre da nur nicht Logan Evans, der sie mit seinem abweisenden Verhalten, seiner Gleichgültigkeit und seinem Aussehen in den Wahnsinn treibt … bis die beiden, verbunden in Schmerz, einander näherkommen. Vielleicht zu nah.
Denn das Schicksal ist noch lange nicht fertig mit River Santos.

♡„𝘌𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘶𝘦𝘣𝘳𝘪𝘨 𝘨𝘦𝘣𝘭𝘪𝘦𝘣𝘦𝘯.“

Nach „Everything We Never Said“ hatte ich hohe Erwartungen an „All We Lost Was Everything“ – den zweiten Suspense-Roman von Sloan Harlow.
Obgleich sich die Spannungskomponente eher subtil zeigt, durch fragliche Entwicklungen, Ausschnitte von nie erhaltenen Briefen und Informationen, die die Protagonistin nach und nach ausgräbt, zutage tritt, schafft es die Autorin, kontinuierlich ein mulmiges Gefühl in den Zeilen mitfließen zu lassen und zu eigenen Überlegungen zu animieren.
Erzählt wird vorrangig aus der Sicht der 18-Jährigen, sodass wir eine Verbindung zu ihr aufbauen, Teil der bodenlosen Trauer und Traurigkeit sind und ihre Verzweiflung körperlich fühlen können. Aufgehellt wurden die melancholischen Töne, die dunklen Nuancen von der Wärme, dem Rückhalt und der Fürsorge, die River von ihrer Mitbewohnerin und Tawny erhält. Vor allem Letztere – quirlig, direkt, liebevoll – war stets zur Stelle, wenn Riv drohte, in ihre eigenen Abgründe zu driften. Das Trio, ihr amüsantes Geplänkel und diese wunderschöne Freundschaft, die Mädchengespräche und leichteren Augenblicke gruben sich schnell in mein Herz, im Gegensatz zu den männlichen Figuren der Geschichte.
Scheint Noah für River nur noch eine ziepende Erinnerung zu sein, ein Feigling, der Daddy gefallen will, nimmt Logan nicht nur die zweite, jedoch selten zu Wort kommende Perspektive, sondern auch immer mehr Raum in ihren Gedanken ein. Erobert sich einen Platz in ihrem Leben, bekommt ihr Vertrauen. Ihr Lachen. …

Je tiefer Santos den plötzlich aufploppenden Ungereimtheiten nachspürt, Antworten auf Fragen sucht, die sie nie gedachte, sich stellen zu müssen, umso häufiger sie mit Wahrheiten konfrontiert wird, die alles – ihre Vergangenheit, ihr ganzes Leben und die Menschen, die sie liebt(e) – ins Wanken bringen und drohen, ihr auch noch den letzten Rest Boden unter den Füßen wegzuziehen, umso deutlicher erwacht ein ungewisses Misstrauen. Vergiftet jede Begegnung. Jedes Gespräch.

Harlows Stil ist wunderbar zu lesen, eindringlich und so bildreich, dass sowohl die Kulissen als auch die Charaktere und ihre Empfindungen vorstellbar wurden. Die Storyline ist detailliert, ohne ausschweifend zu sein, abwechslungsreich und durchdacht. Es war so einfach, mitzufühlen, mitzufiebern, die leise Hoffnung zu spüren und den Schmerz. Die kratzende Angst und den knallenden Schock – denn ja: Den Twist hab ich nicht kommen sehen!
„All we Lost was Everything“ ist von Anfang an mitreißend und emotional, voll von Geheimnissen, Lügen und unerwarteten Überraschungen. Neben Trauer und Verlust sind auch Wachstum und Loslassen zugegen, Seite an Seite mit Freundschaft und Liebe. Definitiv eine Empfehlung!

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