Solide Neuerzählung einer starken, unterschätzten Frau der Mythologie.
The Witch's Heart - Das VerhängnisAls großer Fan unterschiedlicher Mythologien und Freundin von frischen Adaptionen kam ich natürlich nicht um „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ herum. Auch die Sage um Angrboda ist für mich keine Unbekannte ...
Als großer Fan unterschiedlicher Mythologien und Freundin von frischen Adaptionen kam ich natürlich nicht um „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ herum. Auch die Sage um Angrboda ist für mich keine Unbekannte und so fiel es mir leicht, mich in den diversen Verstrickungen, Gegebenheiten und Beziehungen zurechtzufinden. Erschwert hat mir das Dranbleiben jedoch Genevieve Gornichecs Stil, der einerseits detailreich und atmosphärisch, andererseits sehr ausschweifend und öfter holprig war. Daran änderte auch nichts der zarte Tonfall und die eindringliche, merklich bemühte Beleuchtung von Angrbodas Innerem.
Zwar kamen die Kulisse und das typisch nordische, harsche Feeling wunderbar zur Geltung, die Handlung selbst verlor sich mMn aber in einer wankelmütigen Erzählweise, in wenig greifbaren Reaktionen wie auch in einem zu einfachen, weichen Ende.
Ebenfalls nicht optimal ist die Gliederung, die keine Kapitel, sondern lediglich drei große Teile umfasst. Zogen sich der erste und letzte Abschnitt aufgrund des Gefühls von Ziellosigkeit und Stillstand, bringt der zweite „Spaß“, Spannung(en) und Offenbarungen, wirft die LeserInnen in ein emotionales Chaos, schockiert mit grausamen Sequenzen und überrascht mehrfach.
Soll nicht heißen, dass die restliche Geschichte ausschließlich einer zähflüssigen, schwermütigen Masse gleichkommt – denn auch hier gab es stellenweise berührende und starke Passagen, eine deutliche Veränderung, ein Umschwung. Es gab Liebe und Verrat, Tragik und Verlust. Eine Mutter, die kämpft. Die sucht. Sich befreit. Abwechslung bringen neben der Kulisse weitere Figuren wie Loki – der in seiner Rolle als Täuscher und Lügner aufgeht, unberechenbar und unterschätzt –, Hel und Skadi, eine getreue, loyale Freundin. Fenrir und Jörmungandr, Ragnarök und die den nordischen Gottheiten angedachte Mentalität – egoistisch, selbstherrlich, machthungrig – wirkten zudem der Authentizität zuträglich.
Alles in allem ist „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ eine gute Interpretation einer der seltener betrachteten Mythen und ein Roman, der von dem Schmerz einer Frau erzählt, die sich weigerte, sich zu fügen, die immer wieder aufgestanden ist, Opfer brachte und bis zum Schluss gegen Unterdrückung und Ausgrenzung kämpfte. Keine Story für zwischendurch, keine, die vom ersten Satz an fesselt, sondern eine, die ihre Tragweite subtil offenbart, mit Höhen, die mitreißen, und Tiefen, die es lohnt, zu überwinden.