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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.12.2022

Was Liebe mit uns anstellt

Fang jetzt bloß nicht an zu lieben
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Harriet ist eine begabte Hochzeitsfotografin - und das obwohl sie sich selbst nicht in der Ehe sieht. Umso überraschter ist sie, als ihr Freund Jon ihr vor seiner Familie einen Antrag macht. Harriet ist ...

Harriet ist eine begabte Hochzeitsfotografin - und das obwohl sie sich selbst nicht in der Ehe sieht. Umso überraschter ist sie, als ihr Freund Jon ihr vor seiner Familie einen Antrag macht. Harriet ist gezwungen, ihre Beziehung mit Jon zu beenden und aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Was folgt ist eine Reise in Harriets Vergangenheit, die Wunden, die diese hinterlassen hat und wie sie wieder zu sich selbst findet.

Eine häufige Kritik, die ich zu diesem Buch lese, ist, dass es sehr anders ist als erwartet - und diese Kritik finde ich durchaus gerechtfertigt. Das Cover und der Klappentext lassen hier eine süße Liebesgeschichte erwarten, dabei spielt die eigentliche Romanze hier eine extrem untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es hier um das Verarbeiten von Traumata und das Entfliehen aus toxischen Beziehungen.

Ich finde, wenn man mit den richtigen Erwartungen an das Buch herangeht, hat man es hier mit einem richtig tollen Roman zu tun, der es schafft, das doch recht ernste Thema auf eine eher lockere Art und Weise zu behandeln, die aber nie wirklich deplatziert ist. Die Charaktere sind interessant und sympatisch, der Witz kommt nicht zu kurz und auch ein bisschen Spannung wird gegen Ende gut aufgebaut.

Ich hatte wirklich sehr viel Spaß beim Lesen und war positiv überrascht, wie sehr mir das Buch gefallen hat. Wer Lust auf einen Frauenroman hat, der ein bisschen mehr in die Tiefe geht, ohne total ernst zu werden, wird hier sicher seine Freude haben!

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Veröffentlicht am 18.12.2022

Als die Frauen begannen, sich zu empanzipieren

Weil die Zukunft uns gehört
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Wir schreiben das Jahr 1919. Toni zieht vom bayerischen Land nach München, um ihr Medizinstudium zu beginnen - als eine der ersten Frauen. Unterschlupf findet sie in der Villa Libertas, einer Damenpension ...

Wir schreiben das Jahr 1919. Toni zieht vom bayerischen Land nach München, um ihr Medizinstudium zu beginnen - als eine der ersten Frauen. Unterschlupf findet sie in der Villa Libertas, einer Damenpension voller interessanter Frauen, die sich der gerade aufkeimenden Frauenrechtsbewegung zugehörig fühlen. Zusammen navigieren sie sich durch die patriarchische Zwischenkriegswelt und versuchen, positive Veränderungen zu bewirken.

Dieses Buch hatte so verdammt viele fantastische Denkanstöße zum Feminismus, die auch 100 Jahre später noch interessant sind. Wie war es, als eine der ersten Frauen Medizin zu studieren? Was hat der Einfluss von mehr Frauen in der Medizin gebracht? Kann ich als emanzipierte, feministische Frau mich nach einer Ehe sehnen? Bin ich eine schlechte Feministin, wenn ich mir wünsche Hausfrau zu sein und zurück in die Heimat zu ziehen? Auch eine Männerfigur, die mal Schwächen zeigen durfte, hat mir sehr gut gefallen.

Leider hat die Beschäftigung mit diesen Fragen ab der Hälfte des Buches doch stark abgenommen und ironischerweise standen dann doch immer mehr Männergeschichten im Vordergrund. Auch der Schreibstil konnte mich nie so wirklich überzeugen, er war oft doch recht bedeutungsschwanger und gegen Ende auch ziemlich kitschig. Das Erzähltempo ist ziemlich seltsam, manche Dinge werden über mehrere Seiten detailliert diskutiert, während andere Dinge plötzlich und ohne vernünftige Erklärung einfach passieren. Auch Figurenentwicklungen machen dadurch manchmal nicht so recht Sinn. Gelegentlich wird aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben, die uns Lesern regelmäßig schockierende Wendungen vorwegnimmt, sodass eigentlich überhaupt keine Spannung mehr in der Haupthandlung vorhanden ist.

"Weil die Zukunft uns gehört" hatte so viel Potenzial, was es leider verschenkt hat. Meiner Ansicht nach hätte die Geschichte auch vollkommen ohne romantische Elemente auskommen können, dafür hätten wir dann mehr über die Frauenrechtsbewegung erfahren können, was ich persönlich sowieso viel interessanter finde.

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Wenn Männer Frauenfiguren schreiben

NIGHT – Nacht der Angst
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Es ist 1991. Ein paar schreckliche Wochen liegen hinter Charlie. Ihre beste Freundin Maddy wurde brutal ermordet, der Mörder wurde noch nicht gefasst und Charlie war die letzte, die sie lebendig gesehen ...

Es ist 1991. Ein paar schreckliche Wochen liegen hinter Charlie. Ihre beste Freundin Maddy wurde brutal ermordet, der Mörder wurde noch nicht gefasst und Charlie war die letzte, die sie lebendig gesehen hat. Sie will einfach nur raus aus dem College und kann keinen Tag länger warten - gut, dass sie am schwarzen Brett Josh trifft, der in Richtung ihrer Großmutter fahren will. Nun sitzt sie mit einem wildfremden Mann eine ganze Nacht im Auto, der erschreckend viele Details von Maddies Fall weiß...

Ich glaube, jede Frau, die diese Zusammenfassung liest, hat dabei einen ähnlichen Gedanken: Welche junge Frau steigt bei einem wildfremden Mann für mehrere Stunden ins Auto, wenn ein brutaler Mörder auf freien Fuß ist, vor allem zu einer Zeit, wo Handys noch nicht weit verbreitet waren? Die Frage wird im Laufe des Buches nicht wirklich beantwortet und auch sonst trifft Charlie zwischendurch ein paar extrem schlechte und ziemlich unlogische Entscheidungen. Meiner Meinung nach ist das ein Paradebeispiel dafür, was so alles schieflaufen kann, wenn Männer Frauenfiguren schreiben, ohne sich mal wirklich in die Gefühlswelt einer Frau zu versetzen.

Die gesamte Handlung nimmt vor allem in der zweiten Hälfte enorm an Absurdität an. Je nachdem, was man sich von dem Buch verspricht, wird das einem gefallen oder nicht. Ich persönlich fand es dann doch ziemlich amüsant und durch die verrückten Wendungen konnte eine Spannung aufgebaut werden, die ich im ersten Teil doch vermisst hatte.

Das Buch hatte so einige Baustellen, aber trotzdem konnte ich es kaum aus der Hand legen. Ich denke, wenn man mit den richtigen Erwartungen herangeht, wird man doch viel Freude mit der Geschichte haben, aber ein wirklich guter und realistischer Thriller war es bei weitem nicht.

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Veröffentlicht am 12.12.2022

Ein Blick hinter die Kulissen - im wahrsten Sinne des Wortes

Der Klang von Mut
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In "Der Klang von Mut" bekommen wir sozusagen ein Behind-the-Scenes einer fiktiven Opernweltpremiere der Berliner Staatsoper. Dabei verfolgen wir einige sehr interessante Figuren: Anna, die als junge Frau ...

In "Der Klang von Mut" bekommen wir sozusagen ein Behind-the-Scenes einer fiktiven Opernweltpremiere der Berliner Staatsoper. Dabei verfolgen wir einige sehr interessante Figuren: Anna, die als junge Frau aus der DDR geflüchtet ist und jetzt als gefeierter Opernstar zum ersten Mal nach Berlin zurückkehrt; Kilian, ihr junger Kollege, der den Ersatz für einen sexuell übergriffigen Bass spielt; Lizzie, eine Zehnjährige, die in der Kinderoper ihre Liebe zur Musik entdeckt; und Julie, die beste Freundin von Lizzies Mutter, die sich im Operngebäude auf den ersten Blick in einen gutaussehenden Sänger verliebt.

Was man der Autorin schon auf den ersten Seiten anmerkt, ist ihre Liebe zur klassischen Musik und zur Oper. Sehr eindrücklich werden in dem Buch Aufführungsmomente beschrieben und wir sind hautnah dabei, wie mehrere Figuren ihre Liebe zur Musik entweder entdecken oder gebührend ausleben. Das war absolut die Stärke des Buches, sodass ich wieder Lust bekommen habe, mal wieder in eine Oper zu gehen.

Auch die Geschichte ist sehr schön erzählt, es wird eigentlich nie langweilig und auch humorvolle Momente kommen nicht zu kurz.

Mein einziger Kritikpunkt war, dass ich zwischenzeitlich das Gefühl hatte, dass ich zwei unterschiedliche Bücher gleichzeitig lese. Da war zum einen der doch eher ernste und gesellschaftskritische Handlungsstrang, der sich direkt mit der Oper befasste, wie die Kunstform ins 21. Jahrhundert kommt und wie MeToo auch hier kein Fremdwort ist. Im Gegensatz dazu stand die größtenteils eher lockere Liebesgeschichte, die zwar auch ernstere Seiten anschlug, aber von der Tonalität doch ganz anders blieb. Zwischendurch hatte ich mir fast gewünscht, dass die Liebesgeschichte ein eigener Liebesroman gewesen wäre und die Figuren aus dem anderen Handlungsstrang wirklich nur als Nebencharaktere fungiert hätten (obwohl dann natürlich der gesellschaftskritische Faktor sicherlich rausgefallen und der Anspruch des Buches etwas gefallen wäre).

Trotzdem hatte ich viel Freude mit "Der Klang von Mut" und lege es vor allem allen Opernfans ans Herz.

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Veröffentlicht am 07.12.2022

Neues aus Ali Hazelwoods Wissenschaftswelt

Das irrationale Vorkommnis der Liebe – Die deutsche Ausgabe von »Love on the Brain«
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Für Neurobiologin Bee geht ein Traum in Erfüllung: Sie darf an einem NASA-Projekt arbeiten. Doch die anfängliche Euphorie verschwindet schnell, als sie erfährt, dass auch Levi, ein alter Bekannter aus ...

Für Neurobiologin Bee geht ein Traum in Erfüllung: Sie darf an einem NASA-Projekt arbeiten. Doch die anfängliche Euphorie verschwindet schnell, als sie erfährt, dass auch Levi, ein alter Bekannter aus Doktoranten-Tagen, der sie überhaupt nicht leiden konnte, daran mitarbeitet. Doch Bee beißt in den sauren Apfel und stürzt sich in das Projekt - und merkt irgendwann, dass Levi vielleicht doch nicht schlimm ist, wie sie immer dachte...

Die größte Kritik, die immer wieder bei diesem Buch fällt - und das auch zurecht - ist, dass es extrem ähnlich zu Ali Hazelwoods anderem Hit, The Love Hypothesis ist. Die Charaktere und ihre Dynamiken zueinander sind so ziemlich 1:1 die gleichen und sogar die Handlung folgt einem extrem ähnlichen Muster. Das ist ein definitiv valider Kritikpunkt, der bei einer so gefeierten Autorin auch eigentlich nicht sein dürfte.

Aber ich bin ganz ehrlich - für mich (und scheinbar auch für viele andere) funktioniert dieses Schema einfach. Auch wenn die Handlung extrem vorausschaubar war, habe ich mitgefiebert, mitgeschmachtet und mitgelacht. Auch das Naturwissenschafts-Setting hat mir dieses Mal wieder gut gefallen. Ali Hazelwood weiß einfach, wie sie mich am Faden hält.

Das einzige, was mir wirklich nicht gefallen hat, war eine Entwicklung gegen Ende, die schon ziemlich absurd und überspitzt war.

Kurzum: Wer The Love Hypothesis liebte, wird auch dieses Buch lieben. Und wer mit Ali Hazelwood bisher nicht so richtig warm geworden ist, sollte dann vielleicht auch die Finger hiervon lassen.

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