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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2023

Brooklyn in den wilden 70ern

Es war einmal in Brooklyn
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Juliette und David sind seit Kindertagen Nachbarn und beste Freunde. Der Sommer 1977 stellt die Beziehung der beiden aber gehörig auf den Kopf: David ist an Krebs erkrankt und gleichzeitig unsterblich ...

Juliette und David sind seit Kindertagen Nachbarn und beste Freunde. Der Sommer 1977 stellt die Beziehung der beiden aber gehörig auf den Kopf: David ist an Krebs erkrankt und gleichzeitig unsterblich in Juliette verliebt - die wiederum hat aber nur Augen für einen Pizzaboten. Und auch sonst passieren in diesen Tagen einige Dinge, die New York und das Leben der beiden nachhaltig verändern werden.

Ich bin ganz ehrlich: Die Leseprobe hat mich sehr stark an "Morgen, morgen und wieder morgen" erinnert, wovon ich total begeistert war. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zur Geschichte, allen voran die schön gezeichnete Freundschaft der Protagonisten. Gleichzeitig bekommen wir auch die Sichtweisen anderer Personen zu lesen, was ich stets sehr spannend fand. Eine weitere Stärke des Buch ist es, wie gut die Autorin die 70er-Jahre in New York beschreibt, einschließlich der Ereignisse, die diese Zeit und damit auch die Figuren des Buches geprägt haben.

Leider hat das Buch nach einem vielversprechenden Anfang auf den letzten ca. 100 Seiten mich ein bisschen verloren. Meiner Meinung nimmt der Klappentext (und indirekt sogar das Cover) viel zu viel von der Story vorweg. Ein wichtiges Ereignis, das dort erwähnt wird, tritt ziemlich spät ein und hat für die Handlung auch irgendwie nicht so den Einfluss, wie man es vorher erwartet hätte. Auch die Entwicklung der Figuren ging mir etwas zu schnell und so richtig happy war ich mit dem Ende so gar nicht. Tatsächlich hatte ich nach der Lektüre wirklich das Gefühl, dass Syd Atlas hier wirklich die "Vibes" von "Morgen, morgen und wieder morgen" kopieren wollte, das aber vor allem zum Ende hin nicht so ganz geschafft hat.

"Es war einmal in Brooklyn" ist eine schöne Geschichte über Freundschaft, die mir zu Anfang auch richtig gut gefallen hat, aber gegen Ende leider vieles von seinem Potential verspielt hat.

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Veröffentlicht am 23.03.2023

Damit hätte ich nicht gerechnet

Immer am Meer entlang
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Paul und Josi eint, dass sie beide in umgebauten Gefährten für ein Jahr die europäischen Küsten entdecken wollen - doch bis auf diesen Fakt könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Während Josi ...

Paul und Josi eint, dass sie beide in umgebauten Gefährten für ein Jahr die europäischen Küsten entdecken wollen - doch bis auf diesen Fakt könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Während Josi nämlich seit Jahren kontrolliert auf diesen Trip spart und alles genaustens geplant hat, ist für Paul diese Reise eine spontane Reaktion auf eine Quarter-Life-Crisis, die er mit seinem großzügigen Gehalt relativ spontan unternehmen konnte. Immer wieder treffen die beiden aufeinander und obwohl die gegensätzlichen Charaktere sich immer wieder aneinander reiben, sprühen irgendwann die Funken.

Ich bin ganz ehrlich: Als ich mit dieser Lektüre angefangen habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich am Ende so davon begeistert sein würde. Ein Beweis mehr, dass man nicht immer alle Genrebücher über einen Kamm scheren kann und nicht alle Liebesromane nach dem gleichen Schema geschrieben sind.

Die große Stärke des Buches ist sicherlich der Roadtrip-Charakter. Man hat am Ende einfach total Lust, selbst mal wieder an die Küste zu fahren (und das sage ich als jemand, der sonst nicht so der Riesenfan vom Meer ist). Die Reiseziele werden einfach super ausdrücklich beschrieben, gleichzeitig werden aber auch die Nachteile des Vanlifes angebracht. Und während Selbstfindung sicherlich eines der zentralen Themen des Buches ist, hatte ich nie das Gefühl, dass es irgendwie in dieses typische Blabla abdriftet, das bei solchen Geschichten leider öfters auftaucht. Allgemein gefiel mir sehr gut, dass die Liebesbeziehung nicht das einzige war, was die Protagonisten umgetrieben hat und dass manchmal einfach nur die Reise weiterging, ohne zu viel über die Liebe zu schwafeln.

Auch sonst spricht die Autorin zwischenzeitlich ein paar spannende Themen, zum Beispiel die Sicherheit beim Alleinreisen von Frauen an. Interessant fand ich auch, dass die männlichen Figuren hier mal weichere Seiten zeigen durften, allen voran ein alleinerziehender Vater als Nebenfigur, der die Care-Arbeit auch mal wirklich nicht auf irgendwelche weiblichen Familienmitglieder abwälzt.

Natürlich könnte man dem Buch vorwerfen, dass es gerade gegen Ende etwas kitschig wird und dass es auch etwas vorhersehbar ist, aber ich denke, das wäre bei dem Genre irgendwie ungerecht. Von mir bekommt "Immer am Meer entlang" daher wohlverdiente 5 Sterne und eine dicke Empfehlung für die Urlaubslektüre!

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Veröffentlicht am 22.03.2023

Liebe und K-Pop

XOXO – Der Rhythmus unseres Lebens
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In Jennys Leben dreht sich alles ums Cellospielen - schließlich will sie irgendwann einmal professionelle Musikerin werden. Doch als sie in der Karaokebar ihres Onkels auf den mysteriösen Jaewoo trifft, ...

In Jennys Leben dreht sich alles ums Cellospielen - schließlich will sie irgendwann einmal professionelle Musikerin werden. Doch als sie in der Karaokebar ihres Onkels auf den mysteriösen Jaewoo trifft, beschließt sie, ein wenig aus ihrer Komfortzone auszubrechen und verbringt mit ihm einen aufregenden Abend in LAs Koreatown - doch leider verschwindet er danach spurlos. Umso überraschter ist Jenny, als sie ein paar Monate später bei ihrem Umzug nach Korea feststellen muss, dass Jaewoo Teil einer beliebten K-Pop-Gruppe ist... und auf die gleiche Schule geht wie sie.

Dieses Buch stand schon ziemlich lang auf meiner Wunschliste - teilweise auch, weil ich das Cover so unheimlich schön finde. Leider konnte mich das Innere des Buches zu weiten Teilen nicht wirklich überzeugen.

Dabei geht die Geschichte eigentlich super los, gerade der Teil vor dem Umzug gefiel mir noch richtig gut. Besonders gut gefallen haben mir dabei stets die Elemente aus der koreanischen (Pop-)Kultur, die hier immer sehr natürlich eingegliedert werden. Ich mochte sehr, wie die Autorin diese Aspekte integrierte und nicht stets das Bedürfnisse hatte, jedes Detail für den Leser zu erklären, es trotzdem problemlos möglich war, der Handlung zu folgen. Das rechne ich dem Buch wirklich hoch an und ich hoffe, dass es in Zukunft mehr solche YA-Bücher gibt, die ihre Leser solche Einblicke in andere Kulturen geben.

Leider gab es einige Aspekte im Storyaufbau, die das Leseerlebnis für mich ziemlich kaputt gemacht haben. Viele davon sind sicherlich typisch für Jugendbücher, doch ich finde, das ist keine wirkliche Entschuldigung, schließlich gibt es viele Geschichten aus diesem Genre, die es deutlich besser machen.

Allen voran habe ich irgendwie nie Chemie zwischen Jenny und Jaewoo gespürt, weshalb mir deren Beziehung und die dabei später entstehenden Konflikte irgendwie egal waren. Ich war irgendwie immer mehr daran interessiert, wie Jennys Alltag und ihre Eingewöhnung in Korea aussah - und das ist bei einem Romance-Buch ja eigentlich nicht Sinn der Sache. Auch viele der Nebenfiguren fand ich irgendwie sehr flach und eindimensional - dabei kommt mir vor allem ein Charakter in den Sinn, der irgendwie eine laufende Exposition gab und scheinbar nur die Funktion hatte, irgendwelche Dinge zu erklären.

Ich hatte mich wirklich sehr auf dieses Buch gefreut, aber vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch.

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Veröffentlicht am 16.03.2023

Für mich an vielen Stellen zu träge

Draußen die Welt
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In "Draussen die Welt", das im Original schon in den 40ern, jetzt aber erstmal auf Deutsch erschienen ist, lernen wir die Familie Perrault kennen. Sie leben im Nordkalifornien der 1920er-Jahre ein recht ...

In "Draussen die Welt", das im Original schon in den 40ern, jetzt aber erstmal auf Deutsch erschienen ist, lernen wir die Familie Perrault kennen. Sie leben im Nordkalifornien der 1920er-Jahre ein recht beschauliches, aber glückliches Leben, bis einige Schicksalsschläge, allen voran die Weltwirtschaftkrise, Mutter Mary und die restlichen Familienmitgleider trifft.

Ich finde es immer schwer, solch alte Bücher zu bewerten. Natürlich ist der Schreibstil ein anderer und natürlich haben sich die Geschmäcker des Durchschnittslesers verändert. Darauf, dass ich in diesem Buch auf viele detailreiche Beschreibungen treffen würde, hatte ich mich schon eingestellt - doch was dann hier kam hat mich dann doch schon übermannt.

Es wird in diesem Buch einfach jede Situation im absoluten kleinsten Detail beschrieben. Während ich darin oft auch eine gewisse Poesie finden kann, war es mir hier an vielen Stellen einfach nur zu krass. Ich fand die Handlung durchaus interessant und wollte immer gern wissen, wie es weitergeht, jedoch verlor ich immer schnell wieder Interesse, wenn ich mir seitenlange Beschreibungen von einer Landschaft anhören muss. Ich weiß, dass es viele geben wird, denen das gefällt und wahrscheinlich macht auch gerade das den Reiz des Buches aus, aber für mich war das einfach überhaupt nichts.

Dabei spricht das Buch viele interessante Themen an, die sicher auch noch einen Bogen zum Heute schlagen. Welche Rolle hat die Frau in der Familie? Was wollen wir im Leben? Wie gehen wir mit Verlust um? Leider ist das für mich irgendwann einfach nur noch untergegangen. Auch die Figuren blieben für mich oft oberflächlich und ich konnte nicht so recht mit ihn mitfiebern (was bei dem detailverliebten Schreibstil eigentlich erstaunlich ist).

Wie gesagt, ich denke, das einige viel Freude mit dem Buch haben werden, ich denke, man sollte nur mit der richtigen Erwartungshaltung herangehen.

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Veröffentlicht am 11.03.2023

So viel zu erzählen auf nur knapp 200 Seiten

Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen
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Hoodie hat in seinen fünfzehn Lebensjahren bisher kaum Erfahrungen außerhalb seiner jüdisch-orthodoxen Gemeinde gemacht - bis er auf Anne-Marie trifft. Sie entspricht so gar nicht den Vorstellungen seiner ...

Hoodie hat in seinen fünfzehn Lebensjahren bisher kaum Erfahrungen außerhalb seiner jüdisch-orthodoxen Gemeinde gemacht - bis er auf Anne-Marie trifft. Sie entspricht so gar nicht den Vorstellungen seiner Kultur und zu allem Übel ist sie die Tochter der Bürgermeisterin, die sich mit seiner Gemeinde einen harten Kampf um ein Wohnprojekt liefert. Trotzdem verliebt Hoodie sich in sie, was so einige Wellen in seiner Welt auslöst.

"Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen" hat mich wirklich überrascht. Ich hatte mit einem netten Jugendroman gerechnet, der sich vor allem mit Antisemitismus befasst, aber es ist so viel mehr. Auch Generationenkonflikte, das Erwachsenwerden und Traumata werden hier angesprochen - eine Themendichte, die bei knapp 200 Seiten wirklich erstaunlich ist. Dabei bekommt man aber nie das Gefühl, dass die Geschichte überladen ist oder zu viel will.

Besonders gut gefiel mir, was für einen guten Einblick der Autor in die jüdisch-orthodoxe Kultur gibt. Wir lernen Hoodies doch sehr spezielle Welt, deren Bräuche und auch ein paar Vokabeln der jiddischen und hebräischen Sprachen kennen. Dabei merkt man, dass der Autor Respekt vor dieser Lebensweise hat, zeigt aber trotzdem problematische Aspekte in ihr auf - sicherlich ein Spagat, der gar nicht so einfach ist.

Ich denke, gerade die Kürze des Buches kann so manchen Lesemuffel vielleicht zum Griff zu dieser Lektüre überzeugen. Von mir bekommt Hoodie Rosen fünf wohlverdiente Sterne und eine dicke Empfehlung!

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