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FreydisNehelenia

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2017

Ein absolut stimmiger Zeitreiseroman, teilweise spannender als Outlander

Semnonenhain
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Auf das Lesen dieses Romans habe ich mich schon sehr gefreut, da die Geschichte der germanischen Stämme mich doch sehr interessiert und ich außerdem Romane mag, in denen die Protagonisten eine Zeitreise ...

Auf das Lesen dieses Romans habe ich mich schon sehr gefreut, da die Geschichte der germanischen Stämme mich doch sehr interessiert und ich außerdem Romane mag, in denen die Protagonisten eine Zeitreise machen. Ich habe dann auch nicht einmal einen Tag dazu benötigt, das Buch durchzulesen, weil ich es ohnehin nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Geschichte ist absolut stimmig, die geschichtlichen Fakten brillant recherchiert, wobei gerade für diese geschichtliche Epoche kaum Aufzeichnungen vorhanden sind, wenn man jetzt mal von Tacitus´ Germania absieht. Allerdings war Tacitus ein überheblicher Zeitgenosse und hat mir die Germanen in einem etwas allzu barbarischen Licht erscheinen lassen, als alles zu glauben, was in der Germania steht.

Die Protagonisten der Geschichte sind wiederum so gut ausgearbeitet, dass man sie entweder in die Arme schließen, sie bemitleiden und manchmal auch einfach nur würgen will, wobei ein Protagonistin ganz besonders dafür prädestiniert ist, ihr den Hals umzudrehen, aber ich will nicht zu viel verraten.

Fazit: Ein wirklich lesenswerter Roman, der die Zeitreiseromane von Diana Gabaldon teilweise an Spannung überholt, obwohl er wesentlich kürzer geraten ist. Wer eine Zeitreise zu den Semnonen unternehmen möchte und auch ein wenige Herzschmerz nicht abgeneigt ist, dem möchte ich Semnonenhain dringend ans Herz legen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schneewittchen mit Dachschaden

Die Luna-Chroniken 4: Wie Schnee so weiß
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Winter ist ein wenig sonderlich. Sie sind im Palast von Luna die Wände bluten, bittet ihre Stiefmutter um totgeweihte Gefangene, um sie im Tiergarten von Luna wie ein Haustier im Käfig zu halten und hegt ...

Winter ist ein wenig sonderlich. Sie sind im Palast von Luna die Wände bluten, bittet ihre Stiefmutter um totgeweihte Gefangene, um sie im Tiergarten von Luna wie ein Haustier im Käfig zu halten und hegt eine Vorliebe für Apfelbonbons. Soviel zum äußeren Schein. In Wahrheit weigert sich Winter seit vielen Jahren standhaft, mit ihrer lunarischen Gabe andere Lunarier zu manipulieren und leidet daher an der Luna-Krankheit, dass heißt, sie wird allmählich verrückt, weil sie ihre "Fähigkeiten" unterdrückt. Der Einzige, der sie versteht ist Jacin Clay, ein Freund aus Kindertagen, für den sie allerdings mehr als Freundschaft hegt. Und als sie Levana darum bittet, die von den Lunariern in Gefangenschaft genommene, gefolterte und dem Tode geweihte Scarlet als Haustier behalten zu dürfen, rettet sie ihr damit ganz bewusst das Leben. Dazu ist Winter auch ganz ohne Zauber und Blendwerk und trotz der ihr von Levana zugefügten Narben im Gesicht der wohl schönste und zugleich beliebteste Mensch von ganz Luna, was ihr den Neid und Hass ihrer Schwiegermutter einbringt. Winter muss weg, ein für alle Mal und so fordert Levana ausgerechnet von Jacin Clay, welcher unglücksseeliger Weise in Ungnade gefallen und seine Loyalität wieder unter Beweis stellen muss, dass dieser Winter töten soll. Wer das Märchen von Schneewittchen kennt, weiß, was an dieser Stelle zwangsläufig kommen muss.


In diesen letzten Band laufen nun die Handlungsstränge aller in den Luna-Chroniken aufgetretenen Protagonisten zusammen. Sie alle stehen felsenfest hinter Cinder, von der wir bereits erfahren haben, dass sie Prinzessin Selene ist und nun um ihren Anspruch auf den Thron von Luna kämpft, um den Erdtrabanten von ihrer wahnsinnigen, machthungrigen Tante zu befreien und nebenbei noch die Erde zu retten, die dank Levana von einer Pest-Epidemie befallen ist und dank mutierter Soldaten aus Levanas Labor mit Terror überzogen wurde. Keine leichte Aufgabe für ein siebzehnjähriges Mädchen. Und das Finale wäre nicht das Finale, wenn es nicht ordentlich knallen würde. Mehrmals werden die Karten in diesem Band neu gemischt, Cinders Freunde und die selbst müssen ganz schön leiden, bis wir endlich auf ein Happy End hoffen dürfen. Das macht den letzten Band der Luna-Chroniken leider stellenweise etwas langatmig. Das Ende hätte ich mir auch stellenweise ein klein wenig anders gewünscht, trotz diesen beiden kleinen Kritikpunkten, lohnt es sich am Ball zu bleiben. Ach was, die ganz Quadrologie muss man gelesen haben. Definitiv keine schnöde Märchen-Adaption muss vorhersehbaren Handlungen, nein, ein Fantasy-Spektakel, dass man auf keinen Fall verpasst haben darf.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine sonderbare Buchhandlung und aufschlussreiche Erkenntnisse

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
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Robin Sloan´s Roman ist sowohl etwas für Nerds, als auch für normale Menschen, die sich im Lebensalter der Technik noch nicht ganz zurecht finden. Er erzählt von dem Spagat zwischen Altbewertem und technischen ...

Robin Sloan´s Roman ist sowohl etwas für Nerds, als auch für normale Menschen, die sich im Lebensalter der Technik noch nicht ganz zurecht finden. Er erzählt von dem Spagat zwischen Altbewertem und technischen Fortschritten und dass beides wichtig ist, um in der heutigen Zeit durch das Leben zu kommen: alte Erfahrungen,gepaart mit neuer Technik.
Ein Meisterwerk,dass ich innerhalb dreier Tage verschlungen habe und nur zu gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 03.12.2017

Katahrina Seck schafft es wieder, zu bezaubern

Tochter des dunklen Waldes
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Stell dir vor, du bekommst dein Leben lang erzählt, dass im nahen Wald etwas Schreckliches lebt, dass man den Wald nicht mehr lebend verlässt, wenn man ihn einmal betreten hat, dass man die Welt, die hinter ...

Stell dir vor, du bekommst dein Leben lang erzählt, dass im nahen Wald etwas Schreckliches lebt, dass man den Wald nicht mehr lebend verlässt, wenn man ihn einmal betreten hat, dass man die Welt, die hinter diesem undurchdringlichen Dickicht aus Bäumen, Büschen und all den anderen Pflanzen liegt, niemals kennenlernen kann, weil die Durchquerung dieses Waldes unmöglich ist. So ergeht es Lilah. Die Leute in ihrem Dorf, Grünweide, erzählen sich schon seit Generationen Gruselgeschichten über den Morgenwald, doch keiner hat ihn je betreten. Lilah sehnt sich allerdings nach mehr, als Tag ein, Tag aus Gruselgeschichten in der Schänke ihres Onkels zu hören. Sie will hinaus, die Welt hinter dem Morgenwald entdecken. Ebenso sehnt sich Dorean danach, mit dem Lilah ein Jahr zuvor den schönsten Sommer ihres Lebens erlebte. Doch da ist noch etwas anderes. Dorean scheint ein finsteres Geheimnis zu hüten. Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Eine junge Frau wird tot am Waldesrand aufgefunden und Dorean ist spurlos verschwunden. Lilah hat nur eine Wahl, um die Wahrheit zu erfahren. Sie muss in den Morgenwald gehen und Dorean dort finden. Wird sie das Wagnis eingehen?

Nachdem ich Katharina Seck letztes Jahr mit ihrem Debüt „Die silberne Königin“ verzaubert hat, war mir klar, dass ich „Tochter des dunklen Waldes“ auf jeden Fall lesen muss. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich bei der Leserunde auf der Website der Lesejury (Bastei Lübbe) teilnehmen durfte.
Die Geschichte über das träumende Mädchen mit dem Eichenherz hat mich sogleich in ihren Bann gezogen, so wie damals die ersten Seiten der silbernen Königin. Das Dorfleben von Grünweide wurde irgendwie sehr passend als trist und grau dargestellt, sodass ich mich mühelos in Lilah´s Lage versetzen konnte und Hawer hat mich stets und ständig an eine unangenehme Person aus einem angeheirateten Teil der Familie erinnert. Dorean weckte mehrmals den Wunsch in mir, ihn einfach nur den Hals umzudrehen. Ein geheimnisvoller Mann ist eine Sache, ein geheimniskrämerischer Mann, den Mann, den man alles, aber auch alles aus der Nase ziehen muss, bringt einen schon ganz schön auf die Palme. Ehrlich, ich hätte die Geduld mit Dorean verloren und wäre ihm nie und nimmer in den Morgenwald gefolgt.
Leider sind am Ende der Geschichte einige Fragen offen geblieben, die ich persönlich gerne beantwortet bekommen hätte, aber dies ist mein subjektives Empfinden. Die Geschichte war auf jeden Fall einzigartig und juhu, es ging zum Glück mal nicht um Elfen. Das hat mir auf jeden Fall gefallen.

Natürlich werde ich weiterhin die Geschichten von Katharina Seck lesen. Sie schaffen es immer wieder, einen zu bezaubern.

Veröffentlicht am 23.10.2017

Wenn ein Buch soviel mehr ist, als eine interessante Geschichte

Ich treffe dich zwischen den Zeilen
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Loveday findet auf dem Weg zur Arbeit ein Buch. Außer ihr scheint sich allerdings keiner dafür zu interessieren, geschweige denn scheint es irgendwem zu gehören. Loveday nimmt es kurzer Hand mit auf Arbeit, ...

Loveday findet auf dem Weg zur Arbeit ein Buch. Außer ihr scheint sich allerdings keiner dafür zu interessieren, geschweige denn scheint es irgendwem zu gehören. Loveday nimmt es kurzer Hand mit auf Arbeit, in ein Antiquariat, und hängt dort einen Aushang ins Schaufenster. Kurz darauf steht Nathan mit seinen unterschiedlichen Stiefeln vor ihr. Und kurz darauf stellt er Loveday´s Leben auf den Kopf.

So beginnt Loveday´s Geschichte und ich dachte, bei „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ handle es sich einfach um ein nettes, leseleichtes Buch über die Liebe über Bücher. Das habe ich aber auch nur gedacht, denn dieser Roman geht sehr viel tiefer.

Loveday ist völlig kaputtgespielt von ihrer Vergangenheit, lässt niemanden wirklich an sich ran, aus Angst, das jemand hinter ihre harte Fassade sehen und erkennen könnte, dass sie eigentlich ein trauriges, verletzliches Wesen ist, deren Leben von einem Tag auf den anderen eine krasse Wendung nahm. Mit Nathan will sie eigentlich nichts zutun haben, ist sie gerade erst knapp einer Beziehung mit dem psychisch instabilen Rob von der Schippe gesprungen. Das einzige, was sie interessiert, sind Bücher. Die tun keinem weh und scheren sich nicht darum, wer man ist und woher man kommt. Dann springt Loveday aber über ihren Schatten und nimmt Nathan´s Einladung zum Poetry Slam an und damit stößt sie eine neue Wende in ihrem Leben an.

„Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ erzählt in drei Phasen die Geschichte des Hauptcharakters Loveday. Es gibt um Loveday´s Erlebnisse als Kind, ihre „Beziehung“ zu Rob und wie sie in der Gegenwart damit umgeht. Es geht um Liebe, Freundschaft, kaputte Familien und eben doch die liebe zu Büchern. Je weiter man liest, desto besser kann man Loveday und Ablehnung gegenüber den Menschen verstehen. Und dann kommt das große, emotionale Finale.

Ein tolles Buch, das so viel mehr ist, als ich von ihm erwartet habe. Eine interessante Geschichte, glaubwürdige, teils verrückte und dennoch (zum Großteil) liebenswerte Charaktere. „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ ist es wert, im Buchladen gefunden und mitgenommen zu werden. Vielleicht lernt man dadurch ebenso interessante Menschen kennen, wie Nathan.