Neubeginn, der Mut macht
Dieser Sommer gehört mirDieser rundum warmherzige, ehrliche, humorvolle Read aus der Feder von Claudia Schaumann war für mich ein wunderbar stimmungsvolles Leseerlebnis.
Wir begleiten Charlotte, 43, mitten in einem Umbruch: ...
Dieser rundum warmherzige, ehrliche, humorvolle Read aus der Feder von Claudia Schaumann war für mich ein wunderbar stimmungsvolles Leseerlebnis.
Wir begleiten Charlotte, 43, mitten in einem Umbruch: getrennt, bald geschieden, leeres Haus (aus dem sie beim Braten-Dinner höflich hinauskomplimentiert wird) … und ihre geliebten Kinder gehen mittlerweile eigene Wege.
Charlotte ist definitiv keine perfekte Heldin, handelt manchmal impulsiv, aber genau ihre "Ecken und Kanten" (- auch wenn ich kein Fan dieser Phrase bin, passt sie hier perfekt -) machen sie so herrlich relatable, so menschlich. Einfach echt. Sie ist eine zutiefst liebevolle, reflektierte Mutter, die sich plötzlich fragt: Wer bin ich eigentlich, wenn mich scheinbar niemand mehr 'braucht'? Was macht mich menschlich aus, wenn die Rolle der glücklichen Mutter und Gattin nicht mehr im Vordergrund steht?
Ihr Umgang mit dieser neuen Lebensphase, ihre Zweifel und Ängste (die völlig legitim waren), ihre Gedanken, dieses ständige Hinterfragen, ob sie als Mutter alles richtig gemacht hat … Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, weil all dies so nachvollziehbar beschrieben worden ist. Diese Angst, die Verbindung zu den eigenen Kindern könnte sich verändern… das hab ich dermaßen gefühlt! (Mein kleiner Schatz ist das Licht meines Lebens und ich habe schon jetzt riesengroßen Bammel vor der Teenagerzeit. Ja, ich weiß. Loslassen ist wichtig und richtig, aber … mein Herz … 🥲)
Erzählt wird auf zwei Ebenen, aus Charlottes Perspektive und aus der ihrer 16-jährigen Tochter Leni, die ein Auslandsjahr in England beginnt. Und hier muss ich wirklich ein großes Lob aussprechen: Der Autorin gelingt es fantastisch, die Stimmen in puncto Inhalt und Wortwahl voneinander zu unterscheiden. Leni klingt wirklich wie eine Jugendliche - authentisch, mal trotzig, mal unsicher -, während Charlotte mit ganz anderen Gedanken und Lebensthemen ringt. Auch die Entwicklung zwischen Mutter und Tochter habe ich sehr geliebt. Ihre Wieder-Annäherung, ganz ohne große Dramatik.
Ein weiterer Punkt, der mir richtig gut gefallen hat, war die allgemeine Darstellung von Beziehungen - und zwar nicht nur der schönen. Die toxische Dynamik rund um Stella sowie um ihre Mutter Karo: richtig gut! Was soll ich sagen, der Apfel fällt hier nicht weit vom Stamm. Grrr, was hätte ich diese beiden Figuren immer wieder an die Wand klatschen können! Gerade Karo, die Charlotte in einer ohnehin schwierigen Situation eher kritisiert als unterstützt, zeigt, wie sich vermeintliche Freundschaften als Schönwetter-Oberflächlichkeit entpuppen können. Umso schöner, dass es mit Sam und Ava auch echte, verlässliche Freundinnen gibt.
Ein paar Worte zum Setting … Das Tiny House am See? Ein absoluter Wohlfühlort! Ich habe jede Szene dort geliebt. Genauso wie das authentische Gastro-Flair rund um die Kneipe "Endstation", die Charlotte übernimmt. In diesen Beschreibungen steckt so, so viel Herzblut und reales Leben - ich konnte die Stimmung förmlich greifen.
Auch Lenis Zeit in England las sich interessant. Ihre entzückenden Gasteltern waren so knuffig! Auf mich wirkte ihr Heim total herzlich und ihr Zuhause eher cozy als altbacken - ganz ehrlich, ICH hätte mich dort sofort wohlgefühlt (das Dusch-Erlebnis mal ausgenommen). Und die Cotswolds stehen ohnehin schon lange auf meiner Wunschliste.
Schreibstil: gefühlvoll, lebensnah, flott & modern, angenehm durch und durch.
Die Liebesgeschichten laufen eher nebenbei mit; sie stehen nicht im Vordergrund, drängen sich nicht auf … und das war vollkommen okay. Hier zählt eher das große Ganze. Denn trotzdem gibt es schließlich ganz besondere Momente… Stichwort: "Schnee im Juli" - wow, ganz großes Kino! So romantisch, diese Geste des "feinen Kerls"! (Überhaupt habe ich die Musik, die immer wieder durchklingt und für einige Ohrwürmer gesorgt hat, unheimlich geliebt. Grandiose Auswahl.)
Für mich war es mein erster Roman der Autorin, aber garantiert nicht der letzte.
Fazit:
Klare Empfehlung für alle, die warmherzige Geschichten über Neuanfänge, Familie und das Leben selbst lieben.