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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Gehört ab jetzt zu meinen absoluten Favoriten

Am Tag davor
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Was kann ich zu diesem Roman sagen, der mich von vorn bis hinten durchweg überzeugen konnte? Meinst fällt es mir leichter Kritikpunkte aufzuzählen, als zu erläutern, warum ich ein Buch für ein Meisterwerk ...

Was kann ich zu diesem Roman sagen, der mich von vorn bis hinten durchweg überzeugen konnte? Meinst fällt es mir leichter Kritikpunkte aufzuzählen, als zu erläutern, warum ich ein Buch für ein Meisterwerk halte.

Die Handlung des Romans ist im Frankreich von 1974 als auch 2014 bis 2017 angelegt. Alles dreht sich um den Tod des großen Bruders von Michel. Dieser hat 40 Jahre lang daran zu knaubeln, wer die Schuld am Tod seines Bruders trägt. Er kommt nicht vom Thema "Kohleabbau" los und vernarrt sich in dieses. Es bestimmt sein Leben und führt zu einem Rachefeldzug. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn der Plot ist unglaublich klug aufgebaut und stellt der Leserin die ein oder andere Falle. Dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend geschrieben. Jeder Satz sitzt. Dieses Buch kann man nur einsaugen, wie die "frische" Luft, wenn man von unter Tage aus dem Stollen kommt. Auf nur 300 Seiten schafft Chalandon eine unglaubliche psychologische Dichte, ohne dass die Leser daran ersticken. Großartig!

Dieses Buch kann ich einfach nur vorbehaltlos dringend empfehlen für eine tiefgründige Lektüre zum Thema Schuld und Sühne.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Nettes Büchlein, konnte mich jedoch nicht berühren. 2,5 Sterne.

Als hätten sie Land betreten
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Gleich vorweg: Wem "Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff bezüglich Form und Sprache gut gefallen hat, wird mit diesem Büchlein glücklich werden. Aber dazu später mehr.

Claudia Sammer versammelt in diesem ...

Gleich vorweg: Wem "Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff bezüglich Form und Sprache gut gefallen hat, wird mit diesem Büchlein glücklich werden. Aber dazu später mehr.

Claudia Sammer versammelt in diesem Roman sehr viele (meines Erachtens zu viele) Lebensgeschichten verschiedener Frauen aus mehreren Generationen von Oma bis Enkelin. Dass die Handlung in den 1930er/40er Jahren durch die Herrschaft des Nationalsozialismus den dramatischen Drall bekommt, ist tatsächlich für die eigentliche Geschichte zweitrangig. Es geht um Freundschaft und Liebe, sowie verschiedene Lebensentwürfe der Frauenfiguren.

Besonders die ersten Kapitel des Buches machten es mir - durch zu gewollt poetische Formulierungen in der Sprache der Autorin - schwer, im Buch anzukommen. Die Geschichten der Frauen (und auch Männer) konnten nicht so richtig mein Interesse wecken. Zu schnell sprang der Plot zur nächsten Person. Mitunter fragte ich mich, warum jetzt die nächste Vita runtergerasselt wird, wo es doch so viel Interessantes zu schon bekannten Figuren zu vertiefen gegeben hätte. Die Sprache wirkte wirklich zu ausufernd, mitunter schwafelnd. Obwohl das Büchlein so dünn ist und der Plot sowie die Figuren durchaus mehr psychologische Tiefe verdient hätten, wirkten manche Passagen aufgrund der Sprache auf mich sogar langatmig. Leider konnte ich, trotz interessanter Themengebiete, die im Roman angeschnitten werden, nicht berührt werden. Sowohl der Inhalt als auch die Figuren bleiben eine ferne Beobachtung, skizzenhaft. Verluste wirken nicht schlimm, da man nie wirklich nah dran war. Schade.

Hervorheben möchte ich, dass mir die gesamte Buchgestaltung wirklich sehr gefällt und es weiterhin eine Freude ist, das Buch in den Händen zu halten. Und ein Pluspunkt des Buches: Im Nachhinein habe ich beim erneuten Lesen des rück- und innenseitigen Klappentextes festgestellt, dass ich selten einen so präzisen gelesen habe. Auf der Rückseite des Buches wird tatsächlich der gesamte Plot in wenigen Sätzen zusammengefasst und innen kann man einen guten Eindruck der poetischen Sprache des Romans bekommen.

Schlussendlich, da mich Sprache und Form sehr an "Die Unschärfe der Welt" erinnern, gefällt mir persönlich zwar der Roman nicht besonders gut, ist aber trotzdem für Leser:innen, denen das oben genannte Buch gefallen hat, empfehlenswert. Mit viel gutem Willen werden es die 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Mäßiger Einstieg. Zweite Hälfte okay. 2,5 Sterne.

Offene See
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Meine Erwartungen an dieses Buch waren nach der Auszeichnung als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 ehrlich gesagt sehr hoch. So viel vorab: Sie konnten nicht erfüllt werden. Auf der Shortlist befanden ...

Meine Erwartungen an dieses Buch waren nach der Auszeichnung als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 ehrlich gesagt sehr hoch. So viel vorab: Sie konnten nicht erfüllt werden. Auf der Shortlist befanden sich meines Erachtens interessantere Bücher als dieses.

Myers beschreibt in seinem Roman die Wanderschaft eines Jugendlichen Robert kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von Nord- nach Südengland, wobei er auf Dulcie und deren Schäferhund, sowie ein unerwartetes literarisches Vermächtnis stößt.

Besonders die erste Hälfte des Roman konnte mich nicht einfangen. Diese besteht hauptsächlich aus kitschigen Landschaftsbeschreibungen, bei denen gefühlt jedes Substantiv ein bis zwei bedeutungsschwangere Adjektive vorangestellt bekommen hat. Die Beobachtungen wirken schwülstig und zu diesem zeitpunkt für einen Jugendlichen aus dem Bergarbeiter-Arbeiter-Milieu mitunter zu hochtrabend. Die Sprache wird dann ein wenig zurückhaltender, wenn der Ich-Erzähler auf die raue Dulcie und deren Schäferhund trifft. Leider wirft diese Figur gerade zum Ende hin mit unzähligen Plattitüden und Lebensweisheiten um sich. ... Naja und das Ende ist mit sowieso zu rundgelutscht, zu perfekt, zu happy. Probleme sind in diesem Roman dafür da, einfach mal eben im Vorbeigehen gelöst zu werden. Und das Ganze noch mit einer guten Portion Sozialromantik.

Insgesamt kann ich konstatieren, dass das Buch nicht schlecht geschrieben ist, mich aber auch kaum bewegen konnte. Sympathien entstehen noch am meisten für den Schäferhund Butler. Schade, hier hätte ich mir mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Unerwartete Geschichte, fesselnd erzählt.

Quasi
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In diesem Roman bringt Sara Mesa zwei sehr unterschiedliche Personen, unter merkwürdigen Umständen, an einem ungewohnten Ort zusammen. Die "Quasi" Vierzehnjährige und den Mitte 50jährigen "Alten". Eine ...

In diesem Roman bringt Sara Mesa zwei sehr unterschiedliche Personen, unter merkwürdigen Umständen, an einem ungewohnten Ort zusammen. Die "Quasi" Vierzehnjährige und den Mitte 50jährigen "Alten". Eine undefinierbare Beziehung entwickelt sich und der Roman stellt damit die Frage nach Freundschaften, Paarbeziehungen, Bekanntschaften, die sind aber nicht sein dürfen/sollten/können.

Mich konnte der Roman durch seinen ungewöhnlichen Plot und die präzise Sprache, sowie die psychologische Tiefe sehr gut erreichen. Dieses Buch ist eine Abwechslung im aktuellen Literaturkanon. Die personale Erzählstimme bleibt an Quasi dran, aber nur im Park. Wir erfahren allein aus den Gesprächen der beiden sowie den Gedankengängen von Quasi, was hier eigentlich passiert. Sehr gefühlvoll nähert sich die Autorin nicht nur einer Dreizehnjährigen, die zwischen Mädchen- und Frausein verwirrt versucht den Alltag zu meistern, sondern auch einem Mann von Mitte Fünfzig Jahren, der in seiner psychischen Auffälligkeit nicht pathologisiert wird.

Aufgrund des spannenden Plots habe ich dieses Buch eingesogen. Allein in der Form konnten mich ganze Passagen, die in Klammern eingefügt wurden, nicht gänzlich für die 5 Sterne überzeugen. Trotzdem ein definitiv empfehlenswertes Buch, welches in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Anders als erwartet und trotzdem oder gerade deswegen richtig gut.

Alles, was wir geben mussten
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GAIAvor 5 Jahren

An dieses Buch kann man durchaus mit falschen Erwartungen herangehen und trotzdem äußerst positiv überrascht werden. Ich bin von einem hochspannenden Wissenschaftsthriller um das Geschäft ...


GAIAvor 5 Jahren

An dieses Buch kann man durchaus mit falschen Erwartungen herangehen und trotzdem äußerst positiv überrascht werden. Ich bin von einem hochspannenden Wissenschaftsthriller um das Geschäft mit den Organen von Klonen, die als Waisen in einem Heim aufwachsen, ausgegangen. Grundsätzlich beschreibt dies schon die Handlung, nur ist dieses Buch etwas ganz anderes und viel mehr als „nur ein Thriller“. Dass die Ich-Erzählerin Kathy und damit eine der drei Hauptfiguren des Buches, wie auch Ruth und Tommy, in einer Art Internat für sogenannte „Spender“ mit dem Wissen eine solche (Organ-)Spenderin zu sein aufwächst, ist hier nur die Hindergrundgeschichte. Haupthemen des Buches sind vielmehr das Erwachsen werden unter besonderen Bedingungen, die Beziehungsstrukturen zwischen Gleichaltrigen und die Komplexität von Freundschaft und Liebe.

Ishiguro stellte die großen Fragen des Menschseins und dies in meisterhafter Art und Weise. Die Leserin erfährt in Form eines memorierten Berichtes von Kathy von ihrem Aufwachsen als sogenannte „Kollegiatin“ unter Ihresgleichen und nähert sich auch nur in der Geschwindigkeit ihres Erkenntnisprozesses als Kind bis zur jungen Erwachsenen ihrem wahren Zweck in der Welt als geklonte Organspenderin an. Dies kann mitunter ein bisschen langatmig wirken, minderte für mich jedoch abschließend nicht stark die Freude an der Lektüre. Wenn man sich nämlich auf die leisen Zwischentöne konzentriert, mit denen Ishiguro Verhaltenskodizes zeichnet und zwischenmenschliche Beziehungen darlegt, wird dieses Buch zu einem feinen Psychogramm. Zum Ende hin bekommt das Buch dann doch noch einen starken Spannungsbogen, der die zunächst „enttäuschte“ Erwartung an den Wissenschaftsthriller wieder wett macht.

In diesem Buch lernt man nicht viel über Klonverfahren oder Lebendorganspende, dafür aber unglaublich viel über das Miteinander im Aufwachsen und durchaus auch eigene Verhaltensmuster als Kind und Jugendliche. Ein hochklassiges Buch, auf das man sich völlig offen einlassen sollte. Man wird mit dem hochklassigen Werk eines Weltliteraten belohnt.

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