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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ich habe mir aufgrund des Covers mehr erhofft

Kein Beileid
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In dieser Sammlung werden sechs Kurzgeschichten zu verschiedensten Themen zusammengefasst, die alle etwas mehr oder weniger mit "Mit-Leid" oder "Bei-Leid" zu tun haben. Dabei treffen wir Psychopathen, ...

In dieser Sammlung werden sechs Kurzgeschichten zu verschiedensten Themen zusammengefasst, die alle etwas mehr oder weniger mit "Mit-Leid" oder "Bei-Leid" zu tun haben. Dabei treffen wir Psychopathen, Tierschützer, Missbrauchsopfer aber auch Hund und Katz an. Die Geschichten rangieren dabei zwischen toternsten Themen, wie Kindesmissbrauch und Gewalt in der Familie, und locker, leichten, wie ein Hund, der à la Crumpy Cat traurig guckt und zum Lächeln gebracht wird. Somit wird thematisch ein sehr weiter Bogen gespannt. Vor allem die Tiergeschichten sind recht kurzweilig und stilistisch am besten.

Insgesamt handelt es sich hierbei jedoch qualitativ eher um durchschnittliche Literatur. Die Sprache ist einfach, manchmal holprig, die Interpunktion lässt verwundern und Spannungsbögen werden vorweg genommen. Dies geschieht durch die Gestaltung des Buches. Jeder Geschichte ist ein Zitat und ein Bild vorangestellt. Prinzipiell schön anzusehen und passend gewählt, verrät leider häufig schon das Zitat, worauf die Geschichte hinausläuft und beraubt den Leser dadurch der Chance, während des Lesens selbst Hypothesen zum Plot aufzustellen und wieder zu verwerfen.
Die Schriftgestaltung ist äußerst "gedehnt" gewählt. Soll heißen: Das Buch ist zwar 130 Seiten "stark", durch großen Zeilenabstand, große Schriftgröße und viel Freiraum, schrumpfen die Geschichten allerdings zusammen. Im kleinen Format des Büchleins, wird so auch das Lesen als solches erschwert.
Die Covergestaltung hingegen ist sehr ansprechend. Der Witz der "Kein Beileid"-Karte passt zum Titel der Sammlung.

Dies ist ein Buch, was man mal fix an einem Nachmittag lesen kann, muss man aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Diese Gespräche sind wirklich äußerst interessant!

Gespräche mit Freunden
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Die junge, irische Autorin Sally Rooney zeichnet in ihrem ersten Roman das Bild einer Einundzwanzigjähigen, Frances, die vielleicht autobiografische Züge aufweist, vielleicht auch nicht. Aber sie ist zumindest ...

Die junge, irische Autorin Sally Rooney zeichnet in ihrem ersten Roman das Bild einer Einundzwanzigjähigen, Frances, die vielleicht autobiografische Züge aufweist, vielleicht auch nicht. Aber sie ist zumindest - ebenso wie Rooney - eine vielversprechende, junge Dichterin, die mit ihrer ersten, aber verflossenen Liebe, der (weiblichen) Bobbie, ein Spoken-Word-Duo bildet, als Freunde nicht als Paar. Frances bisexuell, Bobbie lesbisch. Und in den Topf wird dann noch ein Ehepaar, 10 Jahre älter, mit ihren eigenen Problemchen, geworfen, welches das freundschaftliche und sexuelle Miteinander ganz schön durcheinander würfelt.

Zu Beginn des Romans habe ich mich zunächst an den - auf den ersten Blick - sehr einfachen Schreibstil gewöhnen müssen. Es wird jedoch sehr schnell klar, dass Rooney ihr Fach außerordentlich gut beherrscht, denn nichts ist hier oberflächlich oder gar "einfach". Viele Passagen haben eine meinungsstarke Tiefgründigkeit, welche vielleicht auf den ersten, schnellen Blick gar nicht gleich entdeckt würde. Wer sich einlässt auf die präzisen Schilderungen der Autorin, wird mit einem sehr mitreißenden Roman belohnt. Rooney gelingt es, durch die Wendungen im Roman, die Sympathien für oder gegen so manche Figur mit nur einem Satz wechseln zu lassen. Man vergleicht sich selbst und eigene Einstellungen mit immer anderen Protagonisten aus dem Buch. Keineswegs ist Frances eine reine Sympathieträgerin in ihren Gedanken, Gefühlen und Handlungen. Trotzdem hofft man mit ihr bis zur letzten Seite.

Ich habe den Roman bis zum letzten Satz (ein großartig platzierter letzter Satz übrigens) eingesogen. Das Buch hat mich mit vielen Denkansätzen (im positiven Sinne) zurückgelassen, die noch lange nachhallen werden. Das Buch bekommt von mir eine definitive Leseempfehlung und ich bin schon sehr gespannt auf die deutsche Veröffentlichung Rooneys bereits auf Englisch erschienen, neuen Romans.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sowohl authentisch als auch witzig. Ja, das geht!

Wir von der anderen Seite
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Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, also fange ich jetzt einfach damit an: Ich finde das Buch total klasse!

Anika Decker lässt uns in ihrem ersten Roman eintauchen in die Welt einer "fiktiven" (dazu ...

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, also fange ich jetzt einfach damit an: Ich finde das Buch total klasse!

Anika Decker lässt uns in ihrem ersten Roman eintauchen in die Welt einer "fiktiven" (dazu komme ich später noch) Drehbuchautorin, welche nach einer schweren Uro-Sepsis aus dem Koma wieder erwacht. Mit viel Witz schildert sie die schwere Zeit der Genesung danach.
Drei große Themenbereiche habe ich dabei für mich herausgelesen, die mir wichtig sind zu erwähnen. Zum einen schildert Decker äußerst authentisch die Krankenhaussituation auf den verschiedenen Stationen, in den unterschiedlichen Einrichtungen und mit den ganzen Ärzten und Pflegern. All die Passagen finde ich wirklich sehr gelungen. Auch die Schilderungen aus Sicht der Patientin sind, ich sage es gern nochmal, sehr authentisch. Spätestens bei der Hälfte des Buches wollte ich wissen, ob die Autorin selbst eine vergleichbare gesundheitliche Odyssee durchgemacht hat, weil ich es kaum glauben konnte, dass Recherche so dermaßen gut funktionieren kann. Bei Befragung des allwissenden Internets fand ich heraus, dass Decker (ohne, dass dies in der Autorin-Bio im Umschlagtext benannt wurde) tatsächlich eine Sepsis überlebte. Des Weiteren legt die Autorin mit sehr viel bissigen Witz einige Mechanismen des Filmbusiness frei, von denen ich ihr abnehme, exakt so in der Realität auftreten zu können. Zuletzt wird auch die komplizierte Rollenfindung in der Familie und Partnerschaft während und nach einer schweren Erkrankung sehr realitätsnah und nachvollziehbar dargestellt.
Auch wenn das Buch kein biografischer Text sondern ein Roman ist, denke ich, dass viele Erlebnisse der Autorin darin eingegangen sind. Spätestens wer selbst schon einmal in der ganz bestimmten Reha-Klinik an der Ostsee gewesen ist (der Name soll hier nicht enthüllt werden, Insider erkennen sie sofort im Buch) und den ganz bestimmten Arzt mit Joggingpartner dort erlebt hat, wird die Örtlichkeiten und Akteure problemlos identifizieren.

Zuletzt möchte ich noch ein paar Worte zur Aufmachung des Buches sagen. Mir gefällt sehr, dass sich der Ullstein Verlag dazu entschlossen hat, wie auch schon Hanser bei seiner "Die Nickel Boys"-Veröffentlichung, nicht nur gänzlich auf die Plastikfolie zu versichten, sondern auch noch eine kreative Lösung zur "Verschlussproblematik" zu finden. Aber noch erwähnenswerter ist das schöne Cover des Buches. Das illustrierte Eichhörnchen trifft man natürlich auch im Roman wieder und wie ich bei meinen Internetrecherchen gesehen habe: selbige Illustration scheint ebenso den rechten Unterarm der Autorin zu zieren.

Anika Decker ist aus meiner Sicht ein sehr authentischer, bissig-witziger Roman gelungen, den ich definitiv weiterempfehlen kann und werde.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

"Hellsichtiger Gesellschaftroman"? Wie bitte?!

Freinacht
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Im vom Verlag angekündigten "hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne", dem neuen Buch von Thomas Lang, geht es grundsätzlich um vier Jugendliche, die in ...

Im vom Verlag angekündigten "hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne", dem neuen Buch von Thomas Lang, geht es grundsätzlich um vier Jugendliche, die in einer Feiernacht auf einem verlassenen Bahngelände eine Tat begehen. Zunächst lernen wir im ersten Teil die Protagonisten kennen, hauptsächlich Elle eine Schülerin, um deren 16. Geburstagsfeier es sich handelt. Im zweiten Teil werden die Tat und die unmittelbaren Folgen für die Jugendlichen beschrieben. Und im dritten Teil geht es dann noch einmal ganz kurz um die langfristigen Folgen, indem wir zehn Jahre in die Zukunft springen.

Grundsätzlich ist der Roman schnell und flüssig runtergelesen. Das ist wohl die größte "Stärke" des Buches. Auch die Grundidee ist nicht schlecht, zu zeigen welche Auswirkungen eine Tat unter Alkoholeinfluss auf die Beteiligten Täter haben kann. Leider spielt sich der interessante Teil erst auf den letzten 30 Seiten ab. Ein schlechter Schnitt für ein 335-Seiten-Buch. Die 300 Seiten vorher handelt es sich hauptsächlich um ein Pubertierenden-Roman mit Sätzen wie: "Mela konnte ihr nicht ansehen, wie sie sich fühlte. Ihr Septum schmückte ein Barbell mit Sterncheneinlagen am rechten Ende." ... Mal ganz abgesehen von doch sehr angestrengter Jugendsprache zwischendurch.

Die Figuren bleiben beim Lesen, zumindest der Mitte 30jährigen Leserin, fern. Es kommen keine Sympathien auf. Es werden Entscheidungen getroffen, die nicht nachvollziehbar erscheinen und die Protagonisten durchlaufen Veränderungen (nach dem 10-Jahres-Sprung), die sich nicht herleiten lassen. Beispiele möchte ich hier nicht nennen, um nicht das letzte bisschen Spannung aus dem Buch zu nehmen.

Insgesamt habe ich bei der obigen Verlagsankündigung für ein Buch von einem Bachmann-Preisträger viel mehr erwartet. Im Nachwort wird erwähnt, dass das Buch als Internetprojekt auch mit Schülern entstand. Dies möchte ich nicht kleinreden, aber letztendlich steht der Name des Autoren auf dem Buchcover und von ihm hätte ich einfach mehr erhofft. Das Buch erfüllt nicht meine Ansprüche und kann von mir demnach auch leider nicht weiterempfohlen werden.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Seepferde sind nicht niedlich!

Hippocampus
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In diesem großartigen Roman von Gertraud Klemm trifft eine "alte Emanze" aufgrund einer "toten Emanze" auf einen in sexuellen Stereotypen denken jungen Kerl und erlebt eine Roadstory mit viel Hintersinnigkeit.

Seit ...

In diesem großartigen Roman von Gertraud Klemm trifft eine "alte Emanze" aufgrund einer "toten Emanze" auf einen in sexuellen Stereotypen denken jungen Kerl und erlebt eine Roadstory mit viel Hintersinnigkeit.

Seit diesem Buch bin ich ein Fan von Gertraud Klemm. Ihre Sprache ist messerschaft, nie zurückhalten und häufig Hau-Drauf. So direkt habe ich selten eine Autorin über Feminismus, den Literaturbetrieb und gesellschaftliche Ungegerchtigkeiten als solche schreiben sehen. Der Roman ist mit viel Witz geschrieben. Manche Anspielungen auf österreichische Alternativbewegungen versteht man als deutsche Leserin vielleicht nicht sofort, dies bremst jedoch nicht den Lesespaß aus. Man hat das Gefühl jeden Satz genau und aufmerksam lesen zu müssen, weil man sonst den nächsten Seitenhieb verpassen könnte. Sich selbst als Laienkritiker sollte man dabei nicht zu ernst nehmen, denn auch in diese Richtung wird geschossen.

Ich nehme an Klemm hat nicht vor irgendeinen Buchpreis zu gewinnen, denn sie hat so ziemlich alle demontiert mit ihrem vorliegenden Roman. Verdient hätte sie die Ehrung!
Diesen Roman kann ich jedem empfehlen, der sich etwas tiefgründiger mit den Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern, welche sowohl historisch auftraten als auch noch real existierend sind, beschäftigen möchte. Dies aber nicht auf toternste Weise vor hat.

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