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Veröffentlicht am 21.10.2024

Ungewöhnliche Frauenschicksale in unruhigen Zeiten

Die Mitford Schwestern
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In ihrem Buch “Die Mitford Schwestern” hat die bekannte amerikanische Autorin Marie Benedict (Frau Einstein, Lady Churchill, Mrs. Agatha Christie) den sechsten Band ihrer Reihe über starke Frauen im Schatten ...

In ihrem Buch “Die Mitford Schwestern” hat die bekannte amerikanische Autorin Marie Benedict (Frau Einstein, Lady Churchill, Mrs. Agatha Christie) den sechsten Band ihrer Reihe über starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte vorgelegt. Auf dem Cover des Buches sehen wir vier der Mitford Schwestern: Die Schriftstellerin Nancy Mitford, die schöne, kühle Faschistin Diana Mitford, Unity Mitford, bereits in ihrer Jugend dem Faschismus und Hitler verfallen und Pamela Mitford, die das Landleben liebte.

Die Familie Mitford gehört dem englischen Hochadel an, der Vater ist Mitglied im House of Lords, zwar durch schlechte wirtschaftliche Verhältnisse und geschäftliche Fehlentscheidungen nicht mehr reich, aber durchaus noch wohlhabend. Das Buch schildert als biografischer Roman, der sich weitgehend an den Lebensläufen der Hauptprotagonistinnen orientiert, die Zeitspanne zwischen den Jahren 1932 und 1941, das Aufkommen des Faschismus und des Nationalsozialismus vor der Kulisse einer politisch zerstrittenen Familie.

Nancy Mitford ist eine der Hauptfiguren des Buches, Schriftstellerin mit persönlich schwierigem Schicksal. Sie erkennt die Gefahr, die von faschistischen Strömungen ausgeht und versucht, diese durch Sarkasmus und Humor in ihren Werken bloßzustellen. Dabei nimmt sie aber immer wieder auf die familiären und politischen Auswirkungen, insbesondere auf ihre Schwester Diana, Rücksicht. Denn Diana ist glühende Faschistin und hat etwas, das Nancy sich sehnlichst wünscht: Kinder. Im Verlauf der Geschichte wird Nancy vor der schwierigen Entscheidung stehen, im Dienste ihres Landes als Denunziantin zu fungieren. Im Buch ist Nancy die Ich-Erzählerin, die Leben der anderen Protagonistinnen werden von Marie Benedict in kurzen Kapiteln in der dritten Person beschrieben.

Diana Mitford, verheiratet mit dem Brauereierben Bryan Guinness und Mutter zweier Söhne, lässt sich entgegen den Konventionen ihrer Zeit scheiden, denn sie ist dem Faschistenführer Mosley, genannt M., verfallen. Geblendet vom Charisma des Mannes und der Erotik der Macht würde Diana alles tun, um seiner faschistischen Bewegung, der BUF, zu Macht und Einfluss zu verhelfen. Durch ihre Obsession für M. nimmt sie auch die Demütigung in Kauf, dass sie nur seine Geliebte ist und M. seine Frau nicht verlassen wird. Als diese verstirbt, muss sich Diana M. noch mit der Schwester der Verstorbenen, die über große finanzielle Mittel und Beziehungen um Faschistenführer Mussolini verfügt, teilen.

Doch Diana ist fest entschlossen, M. für sich zu gewinnen. Dafür baut sie bei ihren zahlreichen Reisen nach Deutschland freundschaftliche Beziehungen zu Hitler auf, durch die sie sich Mittel für die BUF erhofft und schreckt, als der zweite Weltkrieg begonnen hat, auch vor Plänen nicht zurück, die als Kollaboration mit dem Feind betrachtet werden können, denn nunmehr befinden sich auch Deutschland und Großbritannien im Krieg.

Unity Mitford wird als eher linkische und unberechenbare Persönlichkeit beschrieben, die ihre Eltern überreden kann, in Deutschland ein Internat besuchen zu dürfen, während im Gegensatz dazu bisher alle Mitford Mädchen kaum eine Schule besucht, sondern Hausunterricht genossen haben. Durch Geduld und Hartnäckigkeit gelingt es ihr, in den innersten Kreis um Hitler vorzustoßen, den sie über die Maßen verehrt. Für sie ist ein entsetzlicher Schicksalsschlag, dass Deutschland und England zu Feinden werden.

Die übrigen Mitglieder der Familie spielen Nebenrollen, interessant ist aber immer wieder, wie auch die Rolle der Eltern und ihrer politischen Gesinnung thematisiert wird.

Hitlers Part in diesem Roman ist der des Charmeurs, der die beiden Frauen, Diana und Unity, benutzt, um für den Nationalsozialismus Sympathien zu gewinnen, indem er sie auf Reichstagen und bei den olympischen Spielen ins Rampenlicht stellt. Ob er zu Unity nähere persönliche Beziehungen hat, bleibt offen. Besonders interessant ist für ihn in diesem Zusammenhang auch, dass die Mitfords mit der Familie Churchill verwandt sind und zudem zur Familie von Hitlers Lieblingskomponisten, Richard Wagner, Beziehungen pflegen.

Die Gräuel des Faschismus, die Kämpfe in der Zwischenkriegszeit, letztlich das Elend des Weltenbrandes im zweiten Weltkrieg werden nur oberflächlich und beiläufig erwähnt. Über die Rolle der geschundenen Völker erfährt man kaum etwas. Nur als Nancys Rolle thematisiert wird, wird klar, wie politisch auch Privates sein kann.

Mit ihrem Roman “Die Mitford Schwestern” gibt Marie Benedict in leicht lesbarem und lebensnahem Schreibstil Einblick in teils glamouröse, teils traurige Frauenschicksale. Die Mitford Girls waren die Celebrities ihrer Epoche, ihre Einstellungen zu Politik und deren gesellschaftlichen Auswirkungen fanden in der damaligen Presse großen Widerhall. Dieses Buch stellt Frauen in den Mittelpunkt, die zu den interessantesten Personen den dreißiger und vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gehört haben. Damit stellt uns die Autorin eine lesenswerte und gelungene Biografie über außergewöhnliche Frauenschicksale vor.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Menschen in Glanz und Elend: Eine mitreißende und bewegende Familiensaga üder das Leben in einem Luxushotel

Palais Heiligendamm - Ein neuer Anfang
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In ihrem historischen Roman “Palais Heiligendamm-Ein neuer Anfang” führt uns die Spiegel Bestseller-Autorin Michaela Grünig (ua. Die Blankenese Romane) mit ihrer Familiensaga über die Hoteliersfamilie ...

In ihrem historischen Roman “Palais Heiligendamm-Ein neuer Anfang” führt uns die Spiegel Bestseller-Autorin Michaela Grünig (ua. Die Blankenese Romane) mit ihrer Familiensaga über die Hoteliersfamilie Kuhlmann in die 10er Jahre des letzten Jahrhunderts. In Doberan, sechs Kilometer von der Ostsee entfernt, hat Heinrich Kuhlmann das Luxushotel Palais Heiligendamm erbauen lassen, in dem die Gäste mit exquisiten Speisen versorgt und mit zuvorkommenden Service betreut werden. Doch hat die Familie finanzielle Schwierigkeiten, das Hotel wurde mit hohen Schulden errichtet, auch die Konkurrenz des Grand Hotels, das direkt an der See liegt, macht dem Palais zu schaffen.

Heinrich Kuhlmann leitet das Hotel mit seinem Sohn Paul, einem Musiker, der am liebsten Klavier spielt und sich nur der Familie zu Liebe in seine Rolle als Mitdirektor fügt. Ebenso hat von den drei Töchtern der Familie- Johanna, die Älteste, Elisabeth und Louise, die Jüngste- nur Elisabeth Interesse am Hotel. Heimlich verfolgt sie alle geschäftlichen Abläufe und würde gerne die Hotelfachschule in Lausanne besuchen, was ihre Mutter Ottilie verbietet. Ottilie ist verhaftet in den Konventionen ihrer Zeit, eine Frau solle heiraten und Kinder bekommen.

Doch auch Heinrich Kuhlmann ist nicht geschäftstüchtig und als das Hotel vor dem Ruin steht, schaltet sich Elisabeth ein, die vor einiger Zeit Julius Falkenhayn kennengelernt hat, den Sekretär des vermögenden Grafen von Seitz. Dieser rettet das Hotel, macht Falkenhayn zum zweiten Geschäftsführer und Helfer von Elisabeths Plänen. Falkenhayn ist angetan von der geschäftstüchtigen jungen Frau und gibt ihr seine Zuneigung zu verstehen, die Elisabeth lange nicht erwidern kann.

Während Elisabeth sich ihrer Liebe nicht sicher ist, verfällt Paul immer mehr den Avancen des Oberkellners Robert, zu dem er eine tiefe Zuneigung entwickelt, immer geprägt durch die Angst vor der Entdeckung ihrer verbotenen Beziehung.

Nach glanzvollen Zeiten kündigt sich der erste Weltkrieg an, von vielen verblendeten jungen Männern mit vaterländischen Parolen begrüßt. Die von Schrecken und Hilflosigkeit geprägte Zeit verlangt fürchterliche Opfer, nicht nur die Angestellten des Hotels werden Opfer des Wütens, sondern auch Paul kehrt gebrochen und versehrt von der Front zurück.

Auch Elisabeth, die Falkenhayn doch noch ihre Liebe gezeigt hat, wird -wenn auch durch eigene Zögerlichkeit und falsche Rücksichtnahme auf ihren Geliebten,- Entsetzliches durchmachen müssen und vor dem größten Unglück ihres Lebens stehen. Doch bleibt ihr das Hotel…..

Mit “Palais Heiligendamm-Ein neuer Anfang” hat Michaela Grünig nicht nur einen gut recherchierten historischen Roman geschrieben, sondern sie zeigt auch eindrücklich die Rolle der Frau in der damaligen Zeit. Ottilie, die Mutter der Familie, ist streng konservativ und eher bereit, ein Verbrechen zu begehen als gegen die Moralnormen des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts zu verstoßen. Weder die Töchter Johanna, die ihre Erfüllung in der Gründung einer Stiftung für bedürftige Kinder findet, noch Louise, die jung heiratet, um der Enge ihrer Familie zu entkommen, haben die Chance, einen Beruf zu ergreifen. Nur Elisabeth, die nach dem frühen Tod von Heinrich Kuhlmann die Abläufe des Hotels leitet, kann sich dort selbst verwirklichen. Doch auch Elisabeth ist ein Kind ihrer Zeit, auch sie zögert aus Angst vor Schande und vor dem Verlust des Geliebten zu lange, ihrem Leben eine positive Wendung zugeben.

Ebenso beschreibt die Autorin die sozialen Missstande dieser Epoche. Minna, das Stubenmädchen der Kuhlmanns, wird sexuell belästigt, kann sich aber gegen Anschuldigungen, dass sie selbst daran schuld sei, nicht wehren, ihr droht die Entlassung. Erst Falkenhayn, der selbst aus einfachsten Verhältnissen stammt und sich als großmütig und gerecht erweist, kann ihr eine Ausbildungsstelle in der Hotelküche verschaffen. Bewegend beschreibt die Autorin einfache Menschen in Armut und Not, die aber auch das Hotel während des Krieges einholt, als es zu einem Lazarett umfunktioniert wird.

Wer dieses Buch liest, liest einen Aufschrei gegen den Krieg. Die Ängste und Leiden der Soldaten werden so eindrücklich und bildhaft gezeichnet, dass den Lesenden die Sinnlosigkeit des Tötens aus jeder Buchseite entgegen springt. Durch dieses furchtbare Wüten wird nicht nur das Hotel in Mitleidenschaft gezogen, auch die Leiden der Versehrten und ihre furchtbaren Geschichten stehen hinter jedem persönlichen Schicksal.

Mit dem ersten Band der Familiensaga “Palais Heilgendamm- Ein neuer Anfang” hat Michaela Grünig in einer lebendigen Sprache und präzise beschriebenen Szenerie einen Roman geschrieben, dem es nie an Spannung fehlt und in dem die persönlichen Schicksale der Protagonisten die Lesenden zutiefst berühren werden. Von mir eine eindeutige Leseempfehlung und fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Weihnachtswünsche und Weihnachtswunder in der Rosenholzvilla

Weihnachten in der Rosenholzvilla
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In ihrem Weihnachtsroman hat die Bestsellerautorin Tabea Bach (u.a die Reihen “Die Kamelieninsel”, Die Seidenvilla”) ihrer Familien-Saga über die Rosenholzvilla eine sehr gefühlvolle Geschichte hinzugefügt. ...

In ihrem Weihnachtsroman hat die Bestsellerautorin Tabea Bach (u.a die Reihen “Die Kamelieninsel”, Die Seidenvilla”) ihrer Familien-Saga über die Rosenholzvilla eine sehr gefühlvolle Geschichte hinzugefügt. Schon das stimmungsvolle Cover versetzt die Lesenden in Feststimmung, die durch ein weihnachtliches Rezept für eine Tessiner Spezialität, die Weihnachtsleckerei “Stampezie”, noch verstärkt wird, sobald man das liebevoll ausgestattete Buch aufgeschlagen hat.

Die Familiensaga über die Tessiner Instrumentenbauerfamilie Fasetti und Elisa Eschbach, die Enkelin des berühmten und mittlerweile verstorbenen Dirigenten Niklas Eschbach, setzt sich in diesem Roman nahtlos fort. Elisa, früher Cellovirtuosin, hat nach dem Tod ihres Großvaters die Aufgabe übernommen, die Rosenholzvilla zu betreuen. Diese hat ihr Großvater zu einer Stiftung für in schwierigen Verhältnissen lebende erkrankte Musiker gemacht. Doch gleich der erste Gast, ein ehemaliger Konkurrent von Elisa, macht ihr mit seiner überheblichen Art das Leben schwer. Während Elisa mit ihrem Partner Danilo Fasetti versucht, Ruhe in den vorweihnachtlichen Trubel zu bringen, überschlagen sich die Ereignisse. Drei Tage vor Weihnachten kommen weitere Festgäste hinzu, darunter Elisas Mutter, mit der sie kein ganz einfaches Verhältnis hat, sowie ihr Vater Sven, den Elisa noch kaum kennt.

Besonders auf das Weihnachtsfest, das auch gleichzeitig ihr Geburtstag ist, freut sich Mimi, Danilos sechs Jahre alte Nichte. Das aufgeweckte, musikalische Kind wünscht sich eine Campanula, ein Instrument, das Danilo erfunden hat und mittlerweile erfolgreich vertreibt. Noch mehr aber wünscht sich Mimi, dass ihr Vater zur Familie zurückkehrt, die er vor einem dreiviertel Jahr verlassen hat.

Um Mimi eine Freude zu machen, plant Elisa mit ihrer Familie einen Ausflug zu einem Bergkirchlein, denn ein Tessiner Brauch will es, dass vor Weihnachten jeder dort die Glocken läuten darf. Der Ausflug wird nur getrübt durch den schon tagelang anhaltenden Regen. Bei der Kirche angekommen, treffen sie auf eine dort lebende Bauernfamilie, deren Haus akut bedroht ist, denn der darüber liegende Hang hat sich in Bewegung gesetzt und droht abzurutschen….

In ihrem Roman “Weihnachten in der Rosenholzvilla” erzählt uns Tabea Bach eine einfühlsame Geschichte über schwierige Familienmitglieder, die sich aber, wenn sie eine gemeinsame Aufgabe vorfinden, zu einer Einheit zusammenschließen. Elisa ist die besonnene und treibende Kraft, die nicht nur versucht, ihre Familie und Freunde stets gut zu betreuen und zufriedenzustellen, sondern die auch lernt, mit ihrer Vergangenheit abzuschließen. In einem wichtigen Konzert vor vielen Jahren hatte sie beim Cellospiel versagt und danach nie wieder ein Instrument angegriffen. Nunmehr findet sie erneut Freude am Spiel und an der Musik.

Außerdem bringt uns die Autorin Tessiner Weihnachtsbräuche näher, lässt uns am Schmücken des Christbaums teilhaben und an der besinnlichen Weihnachtsfeier der Familie. Diese steht aber nicht nur unter einem guten Stern, denn der Hang über dem Kirchlein ist weiter abgerutscht und die dort lebende Bauernfamilie, die um ihr Hab und Gut bangt, ist auch in der Rosenholzvilla untergekommen. Wird ein Weihnachtswunder geschehen und das Haus der Familie sowie das Kirchlein verschont bleiben?

Neben vielen Spannungselementen und persönlichen Schicksalen versetzt Tabea Bach jeden, der das Weihnachtsfest mag, in festliche Stimmung. Das Buch ist Familiensaga und romantischer Liebesroman in Einem, mit ihrem schwungvollen und authentischen Schreibstil hat die Autorin lebensechte Figuren entworfen, in deren Gefühlslage man sich ohne Schwierigkeiten hineinversetzen kann. Auch klingt die Liebe zur Musik immer wieder durch, denn Tabea Bach hat früher als Operndramaturgin gearbeitet. Die Atmosphäre in der Rosenholzvilla wird so bildhaft beschrieben, dass die Lesenden das Gefühl haben, sich selbst mitten im Geschehen zu befinden.

Vor allem hat Tabea Bach aber einen sehr stimmungsvollen und berührenden Weihnachtsroman geschrieben, der besonders die menschliche Seite des Festes hervorhebt. Eindrücklich beschreibt die Autorin in ihrer fein konstruierten und liebevoll erzählten Geschichte, wie nahe Freude und Leid menschlicher Schicksale bei einander liegen können. Durch die weihnachtliche Atmosphäre entsteht bereits beim Lesen Vorfreude auf Weihnachten, das ein Fest der Versöhnung und manchmal auch der Wunder sein kann. Lassen auch Sie sich durch dieses Buch verzaubern!

Und wenn Sie gerne weiterlesen mögen: Das Buch bietet noch eine Leseprobe aus “Entscheidung in der Rosenholzvilla” und setzt damit den Weihnachtsroman von Tabea Bach fort.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Drei Frauen und ein Todesfall

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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In seinem neuesten Kriminalroman “Mrs Potts` Mordclub und der tote Bürgermeister” hat der englische Drehbuchautor und Schriftsteller Robert Thorogood eine Geschichte mit typisch britischem Humor und feiner ...

In seinem neuesten Kriminalroman “Mrs Potts` Mordclub und der tote Bürgermeister” hat der englische Drehbuchautor und Schriftsteller Robert Thorogood eine Geschichte mit typisch britischem Humor und feiner Ironie geschrieben. Auch das Cover des Buches- es ist der dritte Roman über die Mordclub-Frauen, -ist very british und lädt stimmungsvoll zu einem Besuch im idyllischen Städtchen Marlow ein, das wieder einmal zum Schauplatz eines Verbrechens wird.

Unter den Augen der Mitglieder des städtischen Bauausschusses verstirbt der allseits beliebte Bürgermeister Geoffrey Lushington, nachdem er sich in einer Stadtratssitzung eine Tasse Kaffee gemacht hat. Nur vier Personen waren anwesend: Marcus, Jeremy, Sophia und Debbie, die Schriftführerin. Allerdings sitzt auf der Galerie auch Suzie Harris, ein Mitglied des Mordclubs, der der Polizei schon mehrmals geholfen hat, schwierige Fälle aufzuklären. Und wieder stellt sich die Frage, ob hier ein Mord geschehen ist.

Tatsächlich wurde der Bürgermeister vergiftet, mit Eisenhut, der “Königin der Gifte”. Doch wie hat er das Gift zu sich genommen? Und wer hat es verabreicht? Die Mitglieder des Mordclubs, Judith Potts, Suzie Harris und Becks Starling werden zu zivilen Ermittlerinnen ernannt und versuchen, Licht in den Fall zu bringen.

Alle Ausschussmitglieder hätten ein sehr gutes Motiv, den geschätzten Bürgermeister getötet zu haben, allerdings haben sie scheinbar auch ein Alibi. Sophia ist zusätzlich verdächtig, denn in ihrem Garten wächst blauer Eisenhut. Ebenso wird das Umfeld der Verdächtigen von den drei Damen des Mordclubs mit Verve und Entschlossenheit untersucht. Doch trotz vieler Indizien gelingt es auch dort nicht, einen Täter ausfindig zu machen. Ebenso lässt sich nicht mehr feststellen, wer den Kaffee vorbereitet hat. Und warum ist die Zuckerdose verschwunden?

Mit “Mrs Potts` Mordclub und der tote Bürgermeister” beschreibt uns Robert Thorogood mit leichter Feder und sehr charmant drei Frauen, die über großen kriminalistischen Spürsinn verfügen und mit Nachdruck ihre Ziele verfolgen. Allerdings hat jede der drei selbst eine liebenswerte Marotte. Suzie strebt immer wieder neue Projekte an, die sich dann als undurchführbar herausstellen, außerdem versteckt sie gerne Kekse in Judiths Haus. Als Hundesitterin kennt sie sich jedoch gut in Marlow aus. Judith, eine Dame in den Siebzigern, entwirft hervorragende Kreuzworträtsel und hat ein halbes Zimmer mit alten Zeitungen voll geräumt. Auch spricht sie gerne dem Whisky zu und schwimmt nackt in der Themse. Becks hat gerade ihre ungeliebte Schwiegermutter zu Besuch und flüchtet daher häufig auf das Polizeirevier, um sich durch Akten zu wühlen. Sie ist oft eher zögerlich, während ihre Mitstreiterinnen sehr bestimmt ermitteln, ohne sich manchmal um rechtliche Belange zu kümmern. Jedoch bringt Becks mit Fingerspitzengefühl die Befragten dazu, Dinge zu verraten, die sie vielleicht lieber für sich behalten hätten.

Vor der Auflösung des Falles werden alle Verdächtigen in einem Raum versammelt und mit ihren Verfehlungen und Intrigen konfrontiert. Doch auch eine Rekonstruktion der Abläufe des Mordtages bringt kein Licht in die Geschehnisse. Dieser Fall stellt die drei Frauen lange vor fast unvereinbare Tatsachen und erst Judith gelingt es, die Zusammenhänge zu erkennen. Um zu einer Lösung zu kommen, muss sie allerdings sehr raffiniert, aber auch sehr drastisch vorgehen. Und plötzlich brennt es in ihrem Garten….

Dieses locker geschriebene und wunderbar unterhaltende Buch ist ein Cosy-Crime Roman, den man, ohne Albträume zu bekommen, auch vor dem Einschlafen lesen kann. Phantasievoll werden immer wieder neue Fallstricke für die Verdächtigen ausgeworfen und unerwartete Wendungen machen den Ermittlerinnen das Leben schwer. Viele niedere Beweggründe der sehr lebensnah beschriebenen Figuren kommen ans Tageslicht und komplizieren den Fall zusätzlich. Nicht nur für Fans von Agatha Christie ist dieses Buch ein Muss, sondern auch alle, die die Fernsehserie “Death in Paradise” lieben, deren Schöpfer ebenfalls Robert Thorogood ist, werden dieses Buch mit einem Schmunzeln lesen. Aus diesem Grund auch eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir und fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 19.09.2024

Ein Freund ist das Beste auf der Welt

Der kleine Grimlin und die große Portion Mut - Eine Freundschaftsgeschichte
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Mit “Der kleine Grimlin und die große Portion Mut” hat Kinder- und Jugendbchautorin Barbara Rose eine wunderbare Geschichte über die Bedeutung, die Freude, aber auch die Herausforderungen von Freundschaft ...

Mit “Der kleine Grimlin und die große Portion Mut” hat Kinder- und Jugendbchautorin Barbara Rose eine wunderbare Geschichte über die Bedeutung, die Freude, aber auch die Herausforderungen von Freundschaft geschrieben. Die gelungenen Illustrationen von Laura Bednarski sind fröhlich und phantasievoll, aber nie kitschig.

Schon vom Cover dieses hochwertig ausgestatteten Buches blickt uns freundlich und offen der kleine Grimlin entgegen. Er möchte sich wohl gerade auf den Weg machen, denn er hat eine ganz besondere und schwierige Aufgabe zu erfüllen: Er möchte seinen Freund suchen, der in Gefahr sein könnte.

Bisher hat der kleine Grimlin eigentlich zufrieden in seinem Mooshäuschen unter der großen Kastanie gelebt, auf der er seinen Lieblingsplatz hat. Er ist ein freundlicher Wichtel, dennoch am liebsten allein, denn dann hat man keine Verantwortung für andere. Und Aufregungen mag er gar nicht.

Doch eines Tages sitzt Tirili im Baum, ein bunter Vogel, der ein wunderbares Lied singt und das Herz des kleinen Grimlin berührt. Er gewinnt Tirili als Freund, der bei ihm wohnt und für den er sorgen möchte. Doch plötzlich ist Tirili verschwunden.

Auf der Suche nach Tirili, für die er seinen ganzen Mut zusammen nehmen muss, lernt Grimlin viele Geschöpfe des Zapfenfresserwaldes kennen, die er anfangs bedrohlich findet, die dann aber freundlich und hilfsbereit sind. Und Grimlin erkennt, dass auch er anderen Wesen freundlich und offen begegnen kann. Nach langer Suche steht der kleine Grimlin plötzlich den Zapfenfressern gegenüber. Doch da ist auch Tirili und singt sein wunderschönes Lied….

In “Der kleine Grimlin und die große Portion Mut” lernen die kleinen Zuhörer eine Vorlesegeschichte kennen, die Jungen und Mädchen ab fünf Jahren begeistern wird. Die dem Alter entsprechende liebevolle Sprache, immer wieder mit Lebensweisheiten gespickt, die auch Erwachsene ansprechen werden, bringt den kleinen Zuhörenden eine Welt näher, in der die Bedeutung der Freundschaft hoch gehalten wird. Die Kinder lernen, dass man sich nicht von seinen Ängsten leiten lassen soll und dass Vorurteile oft nicht gerechtfertigt sind. Ganz im Gegenteil, mit Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft kommt man auch in schwierigen Situationen weiter. Durch die kurzen Kapitel eignet sich das Buch auch hervorragend als “Gute Nacht-Geschichte”.

Besonders hervorzuheben ist, wie liebevoll dieses Buch gestaltet wurde : Ein besonders gelungenes Hard-Cover, ein Lesebändchen, am Schluss noch eine Bastelanleitung und Rezepte für Mirabelmus, die Lieblingsspeise des kleinen Grimlin. Begeistert werden die Kinder vom Bilderbogen am Ende des Buches sein. Die Bilder können sie ausschneiden und nach jeden Kapitel auf die Landkarte am Buchanfang kleben, eine tolle Motivation zum weiteren Lesen und Zuhören. Wer nicht aus dem Buch ausschneiden mag, kann sich den Bilderbogen auch herunterladen. Die Freundschaftsgeschichte vom kleinen Grimlin ist ein einfühlsames Buch mit liebenswerten Charakteren, daher von mir eine klare Leseempfehlung und fünf Sterne.


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