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Veröffentlicht am 12.02.2026

Zwischen Hoffnung und Erwartung: Was darf der Mansch?

Real Americans
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Die bekannte Autorin Rachel Khong hat mit “Real Americans”, einem New York Times Bestseller, einen eindrücklichen Roman vorgelegt, der das Schicksal dreier Generationen, die Suche nach Zugehörigkeit und ...

Die bekannte Autorin Rachel Khong hat mit “Real Americans”, einem New York Times Bestseller, einen eindrücklichen Roman vorgelegt, der das Schicksal dreier Generationen, die Suche nach Zugehörigkeit und familiären Wurzeln sowie den Wunsch behandelt, durch das Eingreifen von Wissenschaft das Leben zu beeinflussen. Die geschlossene Auster am beeindruckend gestalteten Buchumschlag steht für die Möglichkeit, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und sich für Neues zu öffnen.

Rachel Khong beschreibt drei Generationen einer chinesisch- amerikanischen Familie, ihre Suche nach kultureller Identität und persönlichem Sinn in einem Land, das zunehmend versucht, durch genetische Forschung und Selektion Einfluss auf den Verlauf und die Länge des Lebens zu nehmen. Die drei Teile des Buches spielen auf unterschiedlichen Zeitebenen und sind jeweils einer Hauptperson gewidmet: May, deren Leben im Rückblick vom Jahr 2030 ausgehend beschrieben wird, die aus China geflohen und in die USA eingewandert ist; Lily, ihre Tochter, deren Geschichte 1999 beginnt und die bereits in Amerika geboren ist und Nick, Lilys Sohn, der seine Identität erst mühsam suchen muss. Sein Schicksal wird ab dem Jahr 2021 erzählt.

May, ein Bauernmädchen, in China unter furchtbaren Bedingungen aufgewachsen, erreicht, dass sie an der Universität von Peking Biologie studieren kann. Als das Leben unter Mao unerträglich wird, gelingt ihr mit einem Freund die Flucht nach Amerika. Sie bemüht sich um das Erlernen der Sprache und Integration, als Forscherin sucht sie nach der Möglichkeit, Erbkrankheiten auszuschalten. Als sie eine Versuchsperson braucht, kommt Lily ins Spiel.

Lily hat das Gefühl, ihrer Mutter nicht genügen zu können und nicht geliebt zu werden, da sie sich für Forschung nicht interessiert. Aus einem unbefriedigenden Job flüchtet sie in die Ehe mit Matthew, reich und Erbe eines Pharmaunternehmens. Beide ahnen nicht, dass ihre Familien schon lange bekannt sind und dieselben Forschungsziele verfolgen. Erst nach der Geburt von Nick, der ein Ebenbild von Matthew ist, wird klar, welche Versuche dieser Ähnlichkeit zu Grunde liegen. Matthew muss nun zwischen seiner Familie und den Unternehmensinteressen wählen.

Nick, der mit seiner Mutter auf einer abgelegenen Insel aufwächst, ist introvertiert und stellt immer wieder die Frage nach seinem Vater. Lily gibt jedoch keine Antwort. Doch Nick forscht nach, die Arbeit auf einer Austernfarm verschafft ihm dazu die nötigen Mittel. Erst wenn er seine Wurzeln kennt, kann er sagen, wer er selbst ist.

“Real Americans” ist ein eindrücklicher Roman, der ernste Problemfelder aufzeigt. Die Kernfrage lautet: Was darf der Mensch? Die Lesenden werden immer wieder einbezogen, um zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Was darf Forschung? Ist das Wissen um die Möglichkeiten der Gen- Manipulation Segen oder Fluch? Was ist moralisch vertretbar? Darf man darauf hoffen, die eigenen Wurzeln zu finden und dadurch sich selbst zu definieren, Teil einer Familie zu werden, Heimat in einem fremden Land zu finden? Ist der Sinn des Lebens darin zu suchen, die Welt besser zu machen oder zu lieben?

Rachel Khong hat in ihrem Roman mehrere Genres verbunden. Es ist ein Familienroman ebenso wie ein Entwicklungsroman, eine Liebesgeschichte und ein Wissenschafts- Thriller. Sie weist kritisch auf Missstände und Vorurteile gegenüber Zugewanderten hin, ebenso auf den Wunsch dieser Gruppe, als typische Amerikaner wahrgenommen zu werden. Der Roman bietet die gekonnte Beschreibung ausgeprägter Charaktere, ist empfindsam und zugleich spektakulär, in großen Linien werden gesellschaftliche Vorgänge und Einstellungen beleuchtet. Trotz dieser schwierigen Thematik ist das Buch angenehm und flüssig zu lesen. Nicht alle wesentlichen Fragen werden beantwortet, so bleibt offen, wieso alle drei Generationen eint, dass für sie die Zeit plötzlich stehen bleibt und sich dehnt. Durch diese gekonnte Mischung von Fakten und Fiktion ist hier bemerkenswerte Literatur entstanden, die man gelesen haben sollte.

Mein Fazit:

“Real Americans” ist zu Recht ein New York Times Bestseller, der auch im deutschsprachigen Raum großen Widerhall verdient. Neben spannenden und aktuellen Themen werden anhand der Lebensgeschichten der Protagonisten grundlegende Probleme angesprochen, die die Aufmerksamkeit der Lesenden finden sollten, da sich eine fundierte Auseinandersetzung lohnt.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Mysteriös und gruselig: Tausend Tage

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Die schwedische SPIEGEL Bestseller- Autorin Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” den zweiten Band ihrer Trilogie “Gänsehaut in Hovenäset” vorgelegt. Das geheimnisvolle Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten ...

Die schwedische SPIEGEL Bestseller- Autorin Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” den zweiten Band ihrer Trilogie “Gänsehaut in Hovenäset” vorgelegt. Das geheimnisvolle Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten Buches stimmt auf die gruselige Atmosphäre ein. Nicht nur das abgebildete Mädchen Alva sondern auch die schwarze Katze werden eine wichtige Rolle in diesem im kleinen schwedischen Örtchen Hovenäset angesiedelten Mystery- Krimi spielen.

Alvas Vater ist bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gestorben, das ist bis jetzt beinahe tausend Tage her. Alva trauert immer noch und sie hat sich vorgenommen, herauszufinden, wer an diesem Unfall schuld ist. Das ist allerdings ihr Geheimnis, nicht einmal ihre besten Freunde Heidi und Harry wissen davon. Nun will Alvas Mutter in einer alten Strandhütte ein Café eröffnen, doch mit dieser Hütte stimmt etwas nicht. Eine schwarze Katze taucht plötzlich auf dem Campingplatz auf, auf dem Alva mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Auch eine stumme Frau und ein seltsames Mädchen mit blauem Mantel mieten ein Haus auf dem Campingplatz. Was hat es mit den Beiden auf sich? Wieso kommt die schwarze Katze immer wieder? Welches Geheimnis birgt die Strandhütte, unter der ein seltsames Rohr verläuft? Und wieso hört Alva die Schritte ihres toten Vaters im Wohnwagen?

Alva fragt die Vorbesitzer der Hütte, die kryptische Warnungen vor der Katze aussprechen. Auch mit der Polizei nimmt Alva wieder Kontakt auf. Denn bald sind die tausend Tage um und Alva braucht Gewissheit. Als es den Kindern gelingt, das Geheimnis der Hütte zu enträtseln, sind alle in großer Gefahr. Unheimliche Mächte bedrohen sowohl Alva wie ihre Mutter. Das Grauen scheint seine Finger nach allen Beteiligten auszustrecken. Die Katze, deren Augen immer heller werden, birgt den Schlüssel zu einem schrecklichen Geheimnis, hüte dich!

Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” ein Buch geschrieben, das von Anfang an in eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre entführt. Sie baut meisterhaft Spannung auf, der Gruselfaktor ist hoch und wird sicher für Gänsehaut sorgen. Das Buch wird ab elf Jahren empfohlen. Die Geschichte, die hervorragend auf diese Altersgruppe abgestimmt ist, überzeugt mit eindringlicher Sprache und Bildern, die im Kopf sofort entstehen. So schafft die Autorin eine ungeheuer dichte Atmosphäre. Die Charaktere von Alva, Heidi und Harry sind treffend gezeichnet und machen es den Kindern leicht, sich auf die Lebenswirklichkeit der Figuren einzulassen. Allerdings- was ist Wirklichkeit, was ist übernatürlich? Dieses Rätsel können Alva und ihre Freunde lange nicht lösen, erst spät erkennen sie, welchen Einfluss ein furchtbares Geschehen aus der Vergangenheit auf die mysteriösen Ereignisse der Gegenwart hat.

Mein Fazit:
“Sternengrab” beweist, dass Kristina Ohlsson zu Recht eine der bekanntesten Krimiautorinnen Schwedens ist. In unnachahmlicher Weise zieht sie die Lesenden in den Bann dieser geheimnisvollen und gruseligen Erzählung. In kurzen Kapiteln gelingt es, in eindringlicher Sprache eine gespenstische Szenerie entstehen zu lassen, die es schwierig macht, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen, denn die Spannung bleibt bis zur letzten Seite erhalten. Für Kinder, die düstere Mystery verbunden mit einer wunderbaren Freundschaftsgeschichte und einer starken Heldin lieben, ist dieses Buch eine tolle Lektüre, die ich mit fünf Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Mysteriös und gruselig: Tausend Tage

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Die schwedische SPIEGEL Bestseller- Autorin Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” den zweiten Band ihrer Trilogie “Gänsehaut in Hovenäset” vorgelegt. Das geheimnisvolle Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten ...

Die schwedische SPIEGEL Bestseller- Autorin Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” den zweiten Band ihrer Trilogie “Gänsehaut in Hovenäset” vorgelegt. Das geheimnisvolle Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten Buches stimmt auf die gruselige Atmosphäre ein. Nicht nur das abgebildete Mädchen Alva sondern auch die schwarze Katze werden eine wichtige Rolle in diesem im kleinen schwedischen Örtchen Hovenäset angesiedelten Mystery- Krimi spielen.

Alvas Vater ist bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gestorben, das ist bis jetzt beinahe tausend Tage her. Alva trauert immer noch und sie hat sich vorgenommen, herauszufinden, wer an diesem Unfall schuld ist. Das ist allerdings ihr Geheimnis, nicht einmal ihre besten Freunde Heidi und Harry wissen davon. Nun will Alvas Mutter in einer alten Strandhütte ein Café eröffnen, doch mit dieser Hütte stimmt etwas nicht. Eine schwarze Katze taucht plötzlich auf dem Campingplatz auf, auf dem Alva mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Auch eine stumme Frau und ein seltsames Mädchen mit blauem Mantel mieten ein Haus auf dem Campingplatz. Was hat es mit den Beiden auf sich? Wieso kommt die schwarze Katze immer wieder? Welches Geheimnis birgt die Strandhütte, unter der ein seltsames Rohr verläuft? Und wieso hört Alva die Schritte ihres toten Vaters im Wohnwagen?

Alva fragt die Vorbesitzer der Hütte, die kryptische Warnungen vor der Katze aussprechen. Auch mit der Polizei nimmt Alva wieder Kontakt auf. Denn bald sind die tausend Tage um und Alva braucht Gewissheit. Als es den Kindern gelingt, das Geheimnis der Hütte zu enträtseln, sind alle in großer Gefahr. Unheimliche Mächte bedrohen sowohl Alva wie ihre Mutter. Das Grauen scheint seine Finger nach allen Beteiligten auszustrecken. Die Katze, deren Augen immer heller werden, birgt den Schlüssel zu einem schrecklichen Geheimnis, hüte dich!

Kristina Ohlsson hat mit “Sternengrab” ein Buch geschrieben, das von Anfang an in eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre entführt. Sie baut meisterhaft Spannung auf, der Gruselfaktor ist hoch und wird sicher für Gänsehaut sorgen. Das Buch wird ab elf Jahren empfohlen. Die Geschichte, die hervorragend auf diese Altersgruppe abgestimmt ist, überzeugt mit eindringlicher Sprache und Bildern, die im Kopf sofort entstehen. So schafft die Autorin eine ungeheuer dichte Atmosphäre. Die Charaktere von Alva, Heidi und Harry sind treffend gezeichnet und machen es den Kindern leicht, sich auf die Lebenswirklichkeit der Figuren einzulassen. Allerdings- was ist Wirklichkeit, was ist übernatürlich? Dieses Rätsel können Alva und ihre Freunde lange nicht lösen, erst spät erkennen sie, welchen Einfluss ein furchtbares Geschehen aus der Vergangenheit auf die mysteriösen Ereignisse der Gegenwart hat.

Mein Fazit:
“Sternengrab” beweist, dass Kristina Ohlsson zu Recht eine der bekanntesten Krimiautorinnen Schwedens ist. In unnachahmlicher Weise zieht sie die Lesenden in den Bann dieser geheimnisvollen und gruseligen Erzählung. In kurzen Kapiteln gelingt es, in eindringlicher Sprache eine gespenstische Szenerie entstehen zu lassen, die es schwierig macht, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen, denn die Spannung bleibt bis zur letzten Seite erhalten. Für Kinder, die düstere Mystery verbunden mit einer wunderbaren Freundschaftsgeschichte und einer starken Heldin lieben, ist dieses Buch eine tolle Lektüre, die ich mit fünf Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Ein toller Held rettet die Wiesel

Freiheit für die Waldwiesel
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Die bekannte Autorin Stepha Quitterer hat mit “Freiheit für die Waldwiesel” ein Buch vorgelegt, das neben einer spannenden Geschichte auch ein Plädoyer für Umwelt- und Naturschutz sowie Tierrechte hält. ...


Die bekannte Autorin Stepha Quitterer hat mit “Freiheit für die Waldwiesel” ein Buch vorgelegt, das neben einer spannenden Geschichte auch ein Plädoyer für Umwelt- und Naturschutz sowie Tierrechte hält. Das einprägsame und farblich eindrucksvoll gestaltete Hardcover zeigt schon den Held der Geschichte, Piet Wiesel, auf dem Weg zu seiner Mission, die Befreiung seiner Familie aus der Wieselfabrik. Die phantasievollen Illustrationen, die sich auch im Buch wiederfinden, stammen von Barbara Jung.

Piet hat es nicht leicht. Er lebt mit seiner Mutter und Schwester Cilli im Wald, der Vater ist tot. Piet, der an einem Kletterwettbewerb teilnimmt, um einen Ausbildungsplatz in der Stadt zu gewinnen, verletzt sich dabei schwer. Sein bester Freund ist schuld an seinem Absturz. Ebenso auch daran, dass alle Wiesel eingefangen und in die Stadt zur Wieselfabrik deportiert werden. Nun macht sich Piet auf den Weg, um seine Familie zu retten. Unterstützung erhält er nicht nur von Krähe Achim, sondern auch von einem Siebenschläfer, Hugo, der gerne Opernsänger wäre. Hugos Freunde, die Ratten, die den Gesang von Hugo so lieben, helfen tatkräftig bei der Befreiungsaktion mit.

Piet Wiesel hat mit vielen Schwierigkeiten auf seinem Weg in die große Stadt zu kämpfen, beinahe wäre er in der Wieselfabrik gelandet. Dabei erkennt er auch, dass angebotene Hilfe nicht immer gut gemeint sein muss. Die Stadt erscheint ihm laut, schmutzig und gefährlich. Allerdings erhält er Hilfe von mutigen Freunden. Auch der Einfallsreichtum der Ratten lässt nichts zu wünschen übrig. Die Situation in der Fabrik, in der die Wiesel gefangen gehalten werden, zeugt davon, dass auch Mitglieder der selben Art, also Wiesel, bereit sind, andere Wiesel zu unterdrücken und zu quälen. Doch gibt die Autorin ihrem Buch einen versöhnlichen und positiven Schluss, sodass die schlimmen Ereignisse auch von den Kindern gut eingeordnet werden können. Das Buch wird für Kinder ab elf Jahren empfohlen.

“Freiheit für die Waldwiesel” ist ein Roman, der schwierige Themen kindgerecht anspricht: Die Gefahr, falschen Freunden zu vertrauen; den Wunsch, nach immer mehr Wohlstand zu streben; die Leichtigkeit, mit der Wiesel von Wieseln gequält werden; Drogen, Ausbeutung und letztlich auch kaltblütiger Mord, wenn man dem verbrecherischen Anführer nicht gehorcht. Möglicherweise könnten Kinder damit überfordert sein, daher eignet sich dieses Buch besonders gut dazu, gemeinsam mit Erwachsenen gelesen und besprochen zu werden, vielleicht auch im Unterricht. Erwachsene werden möglicherweise zeitgeschichtliche Prallelen erkennen, auch hier bietet sich ein Dialog mit den Kindern an.

Trotz dieser schwierigen Themen spart das Buch nicht mit humorvollen Szenen, der positive Ausgang der Geschichte soll Kinder ermutigen, zu erkennen, dass Zusammenarbeit, Mut, Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen auch aus schwierigen Situationen heraus helfen können. Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem elf Jahre alten Enkel gelesen, es hat Anlass zu guten Gesprächen geboten und er hat Wiesel Piet sehr gemocht. Kindern, die spannende ebenso wie tiefgründige Geschichten lieben, können wir “Freiheit für die Waldwiesel” empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Verdrängte Schuld

Berchtesgaden
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In ihrem ersten Roman, “Berchtesgaden”, hat sich die bekannte Drehbuchautorin Carolin Otto der unmittelbaren Nachkriegszeit angenommen. Der Krieg ist zu Ende, das Führer- Hauptquartier auf dem Obersalzberg ...

In ihrem ersten Roman, “Berchtesgaden”, hat sich die bekannte Drehbuchautorin Carolin Otto der unmittelbaren Nachkriegszeit angenommen. Der Krieg ist zu Ende, das Führer- Hauptquartier auf dem Obersalzberg verwaist, die amerikanischen Besatzer übernehmen die Macht. Auf dem ausdrucksstarken Cover findet sich das gut gewählte Sujet einer jungen Frau in der Kleidung der damaligen Zeit.

Der Schauplatz des Romans ist Berchtesgaden im südöstlichen Zipfel Oberbayerns. Zwei junge Mädchen, Sophie und Magda, bestaunen das verlassene Haus von Albert Speer, Hitlers Architekten. So viel Wohlstand! Nach einigem Zögern beschließen die Mädchen zu plündern, wie so viele andere auch. Als Sophies geliebter Bruder Max das Beutegut sieht, wirft er der Familie Verrat vor, denn Max ist überzeugter Nationalsozialist und Mitglied der SS. Spät wird Sophie mit den ungeheuerlichen Verbrechen der SS konfrontiert werden, die begangenen abscheulichen Untaten werden von Max lapidar damit gerechtfertigt, dass Krieg war und töten sein Geschäft. Seine Schilderungen werden das, was Sophie bereits als Schreibkraft beim amerikanischen Military Government erfahren hat, an Gräuel weit übertreffen. Max schreckt auch nicht davor zurück, Magda, die ihn bis zur Besessenheit liebt, auszunutzen.

Der Autorin ist es gelungen, ein detailliert recherchiertes Geschichtspanorama darzustellen, ein umfangreiches Quellenverzeichnis findet sich am Ende des Buches. In ihrem Nachwort betont Carolin Otto, dass viele ihrer Charaktere historisch belegt sind, so Dr. Kriss, von den Nazis zum Tode verurteilt, der unter amerikanischer Besatzung Bürgermeister von Berchtesgaden wurde. Mehrere historische Kriegsfotografinnen dienten als Vorbild für die Figur die amerikanischen Reporterin Meg, die erschütternde Bilder macht und in ihr Heimatland sendet, jedoch auch an Raubkunst Interesse hat.

Das Buch beschreibt, wie leicht Schuld verdrängt wird, wie sehr sich die Menschen nach dem Krieg die Normalität zurückwünschten. Sophie ist das Beispiel einer jungen Frau, die sich lange nicht mit dem Kriegsgeschehen auseinander gesetzt hat und die hoffnungsvoll und anfänglich auch naiv in die Zukunft blickt. Sie verliebt sich in den schwarzen GI Sam, der lieber als Sieger in Deutschland bleibt, als die Rassendiskriminierung in Amerika zu erleben. Dennoch verstößt die Beziehung gegen das Fraternisierungsverbot.

Der Halbjude Frank Rosenberg, aus Deutschland geflohen und nun als Besatzer zurückgekehrt, ist für die Verhöre der ehemaligen Nationalsozialisten zuständig. Nur wenige bekennen sich schuldig, die meisten Menschen berufen sich auf Befehlsnotstand. So wie fast alle Familien hat auch Frank eine Tote zu betrauern, allerdings hofft er, dass seine Nichte noch am Leben ist.

Auch die weiteren handelnden Personen sind lebensnah beschrieben. Magda ist mit Mutter und Tante vor den Russen geflohen; Ali, eine Schauspielerin, hat ein Verhältnis und ein Kind mit einem ranghohen deutschen Soldaten; Dr. Kriss versucht, das Leben für die Einwohner von Berchtesgaden zu verbessern.

So findet sich in den parallel laufenden, jedoch auch miteinander verwobenen Handlungssträngen des Buches die Schilderung der damaligen Lebensrealität, die Täter und Opfer, Mitläufer und weiterhin überzeugte Nationalsozialisten zusammenbringt.

Der Schreibstil von Carolin Otto ist beobachtend, erzählend, fast plakativ. Die Stofffülle des Buches und die Vielzahl der handelnden Personen bewirkt jedoch auch, dass die Lesenden zwar einen guten Überblick über die Nachkriegszeit in diesem Lieblingsort des Führers erhalten, allerdings gibt es nur einige Szenen, die tatsächlich berühren. Dennoch ist es die Intention des Romans, aufzuzeigen, wie leicht Unrecht verdrängt wird und wie schwierig die Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse auch heute noch ist. Leider bleiben im Roman viele Handlungsfäden unverknüpft, hier wäre ein zweiter Band wünschenswert.

Carolin Otto hat mit “Berchtesgaden” ein ausgezeichnet recherchiertes Buch geschrieben, das als Plädoyer für die Demokratie verstanden werden soll und das Geschehnisse wieder ins Gedächtnis ruft, über die zu schweigen unerträglich wäre.

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