Profilbild von Gabiliest

Gabiliest

Lesejury Star
offline

Gabiliest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gabiliest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2025

Mit Witz und Tiefgang: Die Hochzeitswoche

Wedding People (deutsche Ausgabe)
7

Mit ihrem New York Times Bestseller “Wedding People” hat die mit dem Goodreads Choice Award ausgezeichnete Autorin Alison Espach eine humorvolle und mitreißende Geschichte über das Leben vorgelegt, das ...

Mit ihrem New York Times Bestseller “Wedding People” hat die mit dem Goodreads Choice Award ausgezeichnete Autorin Alison Espach eine humorvolle und mitreißende Geschichte über das Leben vorgelegt, das immer wieder anders läuft als geplant. Schon das phantasievolle und heitere Cover zeigt, wie nahe Glück und Untergang einander manchmal sind.

Phoebe, eine Literaturprofessorin mittleren Alters, hat beschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie hat alles verloren, ihren Kater, ihren Mann und ihre Lebensfreude. Denn Phoebe wurde verlassen, sie kann trotz zahlreicher Versuche mit künstlicher Befruchtung keine Kinder bekommen. Nach Jahren tiefer Depression beschließt sie, sich noch einmal Luxus zu gönnen und reist an ihren Glücksort, das Hotel Cornwall Inn. Dort will sie sich umbringen. Doch wurde das ganze Hotel für die Hochzeitswoche von Lila und Gary reserviert und plötzlich findet sich Phoebe mitten in der fröhlich feiernden Gesellschaft. Lila, die Braut, versucht alles, um Phoebe von ihrem Plan abzubringen, damit die von ihr geplante Märchenhochzeit nicht ruiniert wird. Kann Phoebe sich wirklich umbringen, wenn sie von lauter gut gelaunten Menschen umgeben ist?

Der Roman von Alison Espach lebt von Charakteren, die psychologisch gut gezeichnet sind, von skurrilen Situationen und witzigen Dialogen. Trotz allem fehlt es dem Buch nicht an Tiefgang, denn es zeigt, wie eine zufällige Begegnung- Lila und Phoebe treffen einander im Lift- die Pläne eines ganzen Lebens oder auch Sterbens beeinflussen kann.

Lila ist ein reiches Mädchen, dessen Vater kürzlich verstorben ist und die nun mit einer teuren und bis ins Detail durchgeplanten Hochzeit den älteren Arzt Gary heiraten will. Doch so sicher scheint sich Lila ihrer Liebe nicht zu sein, und trotz vieler absurd komischer Situationen entwickelt sich zwischen Lila und Phoebe eine Freundschaft. So ist Phoebe die Einzige, mit der Lila offen über ihre zahlreich angereiste Familie und über ihre Beziehung zu Gary, dessen Tochter Juice und dessen Schwester Marla reden kann. Denn leicht hat es Lila in dieser Familienkonstellation nicht.

Phoebe, die ihren Plan, sich umzubringen, hinterfragt, fühlt sich von der etwas übergriffigen Lila unter Druck gesetzt, aber erklärt sich doch bereit, Teil der Hochzeitsgesellschaft zu werden. Denn sie hegt Sympathie für Gary, mit dem Phoebe reden kann und das Gefühl hat, verstanden zu werden. Nebenbei findet sie Gary attraktiv und hat ihm, ohne zu wissen, dass er der Bräutigam ist, bereits an unmoralisches Angebot gemacht. Denn Phoebe hat beschlossen, nicht mehr die brave, angepasste Frau zu sein sondern klar zu äußern, was sie denkt und fühlt.

Die Figur von Gary erscheint etwas zurückhaltend und eher passiv, er macht in der Hochzeitswoche einfach alles, was Lila vorschlägt. Aber er trauert noch um seine erste Frau Wendy. Ob Lila wirklich die Richtige für ihn ist? Die Charaktere der weiteren Teilnehmer an diesem Spektakel sind sehr gut gezeichnet. Garys Tochter Juice, die den Tod ihrer Mutter noch nicht verwunden hat, wünscht sich eine Seebestattung für ihren verstorbenen Plastikhund. Garys Schwester Marla, die Lila nicht mag, tut alles, um die gute Stimmung in der Hochzeitswoche zu zerstören. Auch Lila hinterfragt ihren Blick auf Gary. Entsteht hier das Bild einer Braut, die sich nicht traut?

Mit Wedding People hat Alison Espach einen gelungenen Roman geschrieben, der von subtil geschilderten Charakteren, unerwarteten Wendungen, humorvollen und manchmal intim übergriffigen Dialogen lebt und dessen skurrile Situationskomik das Buch zu Recht zu einem Bestseller gemacht hat. Auch schwierige Themen wie Kinderlosigkeit und künstliche Befruchtung, Scheidung und Einsamkeit, Selbstmordgedanken und Tod können dem Buch die Leichtigkeit nicht nehmen. Die Dialoge der Protagonisten scheinen zwar manchmal alltäglich, doch hat der Roman auch nachdenklich machende Abschnitte. Da der Gemütszustand der Figuren lebensecht beschrieben wird läuft sofort eine Komödie im Kopfkino. Ich kann daher das Buch wirklich empfehlen und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 10.07.2025

Bitter ans sweet: An deiner Seite

Wohin du auch gehst
0

Mit ihrem Debütroman “Wohin du auch gehst” hat die Autorin Christina Fonthes, die bereits den Writers Award und weitere Preise gewonnen hat, ein bemerkenswertes Buch über die Schicksale von zwei Frauen ...

Mit ihrem Debütroman “Wohin du auch gehst” hat die Autorin Christina Fonthes, die bereits den Writers Award und weitere Preise gewonnen hat, ein bemerkenswertes Buch über die Schicksale von zwei Frauen vorgelegt, die ihre Heimat, die heutige Demokratische Republik Kongo, verlassen haben.

Die Geschichte von Mira beginnt im Jahr 1974 in Gombe und Kinshasa. Mira ist damals neun Jahre alt und wächst als Kind einer zu Reichtum und politischem Einfluss gekommenen Familie auf, doch den Konventionen will sie sich nicht beugen. Als Jugendliche geht sie in Klubs und verliebt sich in einen jungen Musiker. Als sie zur Strafe in das Haus ihrer älteren Schwester Eugenie geschickt wird, um dort den Haushalt zu führen, stellt sich heraus, dass sie schwanger ist. Mira will dieses Kind nicht und die nächsten Lebensjahre verbringt sie unter wechselnden Umständen in Europa. Ihre Berufung findet sie in ihrem Glauben.

Am 3. März 1982 wird Bijoux in Mbandaka geboren. Als Kind wird sie aus ihrem Heimatland nach London gebracht, um bei Tantine Mira zu leben. In der Beziehung dominiert das Unausgesprochene und die Religion. Als Bijoux erklärt, lesbisch zu sein, wird sie durch Mira und die Kirche unter Druck gesetzt, zu heiraten- eine unglückliche Ehe. Doch Bijoux bricht aus der Beziehung aus, sie möchte sich und ihre Freundin nicht mehr verstecken. Wird es ihr gelingen, ein erfülltes Leben mit ihrer Partnerin zu führen und sich mit ihrer Familie auszusöhnen?

Christina Fonthes hat ihren Roman in mehreren Zeitebenen aufgebaut, die zeigen, wie sich die Schicksale der beiden Frauen ineinander verschränken. Die einzelnen Kapitel sind jeweils einer Protagonistin- Mira oder Bijoux- zugeordnet, die die Handlung in Ich-Form erzählen. Die Sprache der Autorin ist lebendig und bildhaft, allerdings ist es notwendig, manchmal zurückzublättern, um die Zusammenhänge besser zu erkennen. Zwischen den beiden Frauen ist Schweigen vorherrschend, und erst spät werden die Lesenden erfahren, worauf sich dieses Schweigen gründet. So bietet das Buch am Ende noch einmal eine völlig neue Sicht auf das Geschehen.

Die Handlung wird authentisch bereichert durch Sätze in Lingala, einer Sprache, die in weiten Teilen der Demokratischen Republik Kongo und in den umliegenden afrikanischen Ländern gesprochen wird. Zum besseren Verständnis ist dem Buch am Ende ein Glossar angeschlossen, das die Ausdrücke erklärt.

Dieser Roman ist keine leichte Lesekost, obwohl er sich angenehm und flüssig liest. Die behandelten Probleme sind vielfältig: Migration und Diskriminierung aufgrund der Herkunft, schwierige Lebensbedingungen in einem Land, das nicht die Heimat ist, frühe Schwangerschaft, Krankheit und Tod. Dazu tragen auch die Wertvorstellungen und Sitten aus dem Herkunftsland bei, die die Sichtweise auf das Verhalten der Protagonistinnen bestimmen. Entgegen allen religiösen Regeln, die das Leben einschränken, wird vor allem das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe behandelt, wobei die beiden Partnerinnen sehr lange Ablehnung erfahren und Vorurteilen sowie falschen Vorstellungen ausgesetzt sind. Wird es Bijoux und ihrer Partnerin Chancey gelingen, ihre Liebe offen zu leben?

“Wohin du auch gehst” ist interessant und lesenswert, vielleicht braucht man ein wenig Zeit, um sich in die Situation der beiden Frauen zu versetzen, doch je mehr die Handlung voranschreitet, desto besser gelingt es. Vor allem Lesende, die anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen sind, werden hier eine interessantes Buch vorfinden. Allerdings hätte ich mir eine klarere Zeitstruktur gewünscht. Ich kann diesen Roman gerne empfehlen und bewerte ihn mit vier Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2025

So macht das Reden und das Präsentieren Spaß

Kleine Redner, große Worte
0

Mit “Kleine Redner, große Worte” haben Ole und Nils König ein Buch vorgelegt, das es Kindern erleichtern soll, bei Reden und Präsentationen zu glänzen. Interessant ist, dass Ole König selbst erst dreizehn ...

Mit “Kleine Redner, große Worte” haben Ole und Nils König ein Buch vorgelegt, das es Kindern erleichtern soll, bei Reden und Präsentationen zu glänzen. Interessant ist, dass Ole König selbst erst dreizehn Jahre alt ist, aber als Co-Autor dieses Leitfadens für Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren genannt wird. Schon am fröhlich bunten Cover wird der Aufbau des Buches sichtbar. Drei Kinder haben unterschiedliche Präsentationen bzw. Reden vorzubereiten. An deren Aufgabenstellung orientiert sich die Systematik des Buches.

Nele bereitet eine Präsentation über das Schnabeltier vor, Mats feilt an seiner Wahlkampfrede zum Klassensprecher und Ava möchte eine Fotoausstellung präsentieren. Durch das ganze Buch ziehen sich hilfreiche praktische Tipps für alle drei Aufgabenstellungen. Sehr gut beschrieben ist, wie ein Thema festgelegt werden kann und worauf bei der Vorbereitung der Präsentation geachtet werden soll. Dazu gibt es auch eine hilfreiche Präsentationskarte. Wenn das Thema gefunden ist, geht es um die Faktenfindung, auch hier finden sich gute Beispiele im Buch, ebenso zur Erstellung einer Mindmap, um eine bessere und strukturierte Übersicht zu bekommen. Ganz wichtig ist es, sich zu überlegen, vor wem man spricht, welches Ziel eine Rede verfolgt und wie sie aufgebaut werden soll. Auch dazu gibt es hilfreiche Ausführungen, alle Themen werden durch gelungene Illustrationen aufgelockert.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig ein zündender Einstieg, aber auch ein guter Schluss jeder Präsentation ist, denn vom Inhalt einer Präsentation bleibt dem Publikum leider nur ein Bruchteil im Gedächtnis. Doch je spannender die Geschichte ist, die man erzählt, umso mehr Aufmerksamkeit wird man erhalten. Ebenso ist es wichtig, über die Erstellung von Präsentationsunterlagen Bescheid zu wissen, das Buch bietet dafür zahlreiche Beispiele. Allerdings würde ich hier eine einheitlichere Gestaltung der Folien empfehlen.

Das Kapitel über Körpersprache, Gestik und Mimik ist ausführlich, allerdings fehlen mir hier ein paar grundlegende praktische Tipps. Doch das fällt in der Gesamtschau des Buches nicht ins Gewicht.

“Kleine Redner, große Worte” bietet vor allem für Eltern, Lehrkräfte und alle Personen, die Kinder unterstützen möchten, eine gelungene Zusammenfassung, wie reden und präsentieren Spaß machen kann.
Vor allem jüngere Kinder werden sich mit der Text- und Stofffülle schwer tun, obwohl die Gestaltung abwechslungsreich ist. Außerdem finden sich im Internet weitere unterstützende Materialien. Auch der Spaß sollte nicht zu kurz kommen, daher empfiehlt das Buch Spiele, die die Phantasie anregen und die Ausdrucksfähigkeit verbessern.

Letztlich sind die Empfehlungen der Autoren auch für ältere Kinder geeignet, die die guten Tipps des Buches schon selbst studieren können.
Das Buch beginnt mit einem Zitat von William Shakespeare: “Die ganze Welt ist eine Bühne”. Daher: Vorhang auf! Ich kann diesen kompakten und praxisnahen Leitfaden gerne empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.07.2025

Liebe und andere Katastrophen

Ja, nein, vielleicht
0

Die vielfach preisgekrönte Autorin Doris Knecht hat mit ihrem Roman “Ja, nein, vielleicht” Bilanz gezogen über das Leben einer Frau, die bereits weit über fünfzig Jahre alt ist. Das bunte Hardcover passt ...

Die vielfach preisgekrönte Autorin Doris Knecht hat mit ihrem Roman “Ja, nein, vielleicht” Bilanz gezogen über das Leben einer Frau, die bereits weit über fünfzig Jahre alt ist. Das bunte Hardcover passt hervorragend zum ländlichen Ambiente, das die Autorin beschreibt, dennoch ist das kein Roman, der einen Rosengarten verspricht. Mit Witz, Charme aber auch Resignation erzählt Doris Knecht, wie Leben verlaufen kann und wie Liebe manchmal - oder auch öfter- schmerzt.

Zuerst gibt es eine Hiobsbotschaft, ein Zahn muss gezogen werden. Eigentlich nicht schlimm, aber doch ein Zeichen für den beginnenden Verfall des Körpers, dafür, dass nicht mehr alles reparabel ist. Dafür, dass Leben endlich ist. Hat man genug geliebt oder bleiben als Saldo der Beziehungen Schmerz und Verrat? Und vor allem- sollte man noch einmal einem Mann eine Chance geben?

Doris Knecht beleuchtet beide Seiten: Die negativen Erfahrungen mit schwierigen Beziehungen der Ich- Erzählerin, den Wunsch, als Ich ein Teil eines Wir zu werden. So freut sie sich, ihren Jugendfreund Friedrich zufällig wieder zu treffen, mit ihm zusammen hat sie das Millennium Feuerwerk in New York fast nicht gesehen - die Beiden waren zu sehr miteinander beschäftigt. Aber das ist fünfundzwanzig Jahre her. Ist Friedrich noch derselbe Mann? Hat sich die Ich- Erzählerin nicht auch verändert?

Doris Knecht thematisiert immer wieder die Rolle der Frau und die Sicht der Gesellschaft auf Alleinerziehende und Alleinstehende. Frauen mit Kindern, aber ohne Partner leiden oft an Überforderung und Geldnot. Wird man als Frau ab einem gewissen Alter nicht mehr gesehen? Ist es ein Makel, allein bei einem Abendessen zu erscheinen, bei dem sonst nur Pärchen teilnehmen? Soll Frau der Liebe noch einmal vertrauen oder hat das Leben sie gelehrt, dass die romantische Liebe nur Einbildung ist, die von der Realität bald eingeholt wird?

Der Verstand der Ich- Erzählerin sagt, sie solle nicht auf die Nachricht eines Mannes warten, nicht mehr erlauben, dass sie von einem Anderen so abhängig wird, ihre Gefühle nicht mehr durch seine Gefühle definieren. Und vor allem sich selbst nicht durch die Augen des Mannes sehen in der Angst, nicht zu genügen. Das Herz versteht leider die Sprache des Verstandes nicht. Wieder ist sie unglücklich und verwirrt, weil Friedrich sich nicht meldet und erst im Moment der Not nimmt sie zur Kenntnis, dass hier schon längst eine rote Flagge weht.

Neben diesem Thema findet sich eine witzige Geschichte, als die Schwester der Ich-Erzählerin, Paula, ihre Wohnung okkupiert, um
ihr Leben neu zu ordnen. Asyl bekommt die Ausgesperrte bei ihrer besten Freundin Therese, die im Begriff ist zu heiraten und die positiven Seiten der späten Liebe verkörpert.

Ein ganz wichtiger Charakter ist der Hund. Der treu begleitet, der für Fitness sorgt, Fremde verbellt und dessen Erziehung besser sein könnte.
Ebenso wichtig sind die mittlerweile erwachsenen Kinder und die vielen Freunde, die wie selbstverständlich zur Stelle sind, als Hochwasser das Haus im Waldviertel bedroht. Alle Charaktere erscheinen lebensecht und könnten direkt aus der Realität ins Buch eingezogen sein. Mit großartiger, leichter und trotzdem nachdenklich machender Schreibweise zieht die Ich- Erzählerin, die leider keinen Namen hat, Bilanz. ”Ja, nein, vielleicht” ist ein absolut gelungenes Beispiel für autofiktionales Schreiben, und wer würde sich anmaßen, zu wissen, was in diesem großartigen Buch Realität ist und was Fiktion?

Mein Fazit:
Ich mag den Schreibstil von Doris Knecht sehr, das leichte, manchmal ironische Beschreiben auch von großen Katastrophen und Gefühlen, dieses Schelmische und Ehrliche, dieses Lebensnahe und Ungeschminkte.
“Ja, nein vielleicht” ist ein kluger Roman, der dazu einlädt, selbst Rückschau zu halten. Gerne würde man mit der Protagonistin die großen und inhaltsschweren Fragen diskutieren, sich bei ihrem Haus im Waldviertel unter einen Baum setzen und die Füße in den kalten Fluss tauchen. So bleibt mir nur, diesen absolut lesenswerten Roman zu empfehlen und ihm die verdienten fünf Sterne zu geben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2025

Tödliche Berührung

Kingdom of the Black Crescent 1: Touch of Perish
0

Die bekannte Spiegel- Bestsellerautorin Lexy v. Golden aka D.C. Odesza hat mit “Kingdom of the black crescent- touch of perish” den ersten Band einer Dilogie vorgelegt, der in düstere Welten entführt. ...

Die bekannte Spiegel- Bestsellerautorin Lexy v. Golden aka D.C. Odesza hat mit “Kingdom of the black crescent- touch of perish” den ersten Band einer Dilogie vorgelegt, der in düstere Welten entführt. Das Buch begeistert sofort durch seine luxuriöse Ausstattung. Ein beeindruckendes Cover, ein Schutzumschlag mit Duftsticker, ein dreiseitiger wunderschöner Motivfarbschnitt und die elegante Goldprägung machen diesen Band zum absoluten Hingucker, den man in der Buchhandlung sofort zur Hand nehmen würde. Ebenso gibt es eine Landkarte der sieben Reiche auf der Rückseite des Buchdeckels.

Hauptcharakter des Buches ist Kaythara, die alles tötet, was sie berührt. Sie lebt mit anderen Mädchen, die ebenfalls außergewöhnliche Gaben haben, abgeschottet im schwarzen Tempel, wo absolute Unterordnung und Gehorsam gefordert werden und wo sie entsetzlichen Behandlungen unterworfen wird, angeblich um ihre Gabe abzuschwächen. Doch als sie ihren Ziehvater heiraten soll, verhelfen ihr unbekannte Wächter zur Flucht.

Aber Kaythara soll nicht befreit werden, sondern einen Vampirprinzen heiraten und gemeinsam mit ihm kämpfen. Im Königreich Mordeyras, in dem ein grausamer König regiert, muss sie gegen ihren Willen ihre Gabe einsetzen. Doch schon auf der Flucht hat sich Kaythara verliebt, erst jetzt erfährt sie, wer die Vampirprinzen Danmor und Mordan wirklich sind. Unter ihrem Schutz wähnt sich Kaythara sicher, doch sie wird wieder entführt. Kann sie das überleben?

Diese in einer düsteren Welt voll Brutalität und Blut angesiedelte Geschichte besticht durch bildhafte Beschreibungen aller Schauplätze und der magischen Wesen. Auch wenn alle Charaktere vernichtende Gaben haben, sind Danmor und Mordan ernsthaft um Kaytharas Wohl besorgt und beschützen sie. Dadurch gewinnen sie sehr rasch an Sympathie, ebenso wie Kaythara, die ein mitfühlender Mensch ist und alles tut, um mit ihrer Gabe niemandem zu schaden. Im Lauf der Zeit entwickelt Kaythara ein starkes Gefühl für beide Brüder, doch wie soll sie sich entscheiden? Als auch die Herkunft Kaytharas klarer wird verbirgt sich gerade darin ein furchtbares Geheimnis.

Lexy v. Golden hat mit “Kingdom of the black crescent- touch of perish” eine düstere new adult Romantasy geschrieben, in der sich neben Grausamkeit und dunkler Szenerie immer wieder witzige Dialoge, echte Gefühle, erotische Spannung und spicy moments finden lassen. Die verborgene Identität von Mordan und Danmor, die Entwicklung von Kaythara und die immer wieder eindringlich beschriebenen Kampfszenen erhalten die Spannung. Am Schluss des Buches darf man aber keine Auflösung der Geschichte erwarten, sondern der Roman endet gerade in einem seiner spannendsten Momente.

Das Buch ist ein Page Turner, niemals langweilig, fast atemlos verfolgt man die bewegende Handlung, überrascht von unerwarteten Wendungen und fasziniert von großen Gefühlen. Jedes Kapitel ist einer Figur gewidmet, die die Geschehnisse in der Ich-Form erzählt. So taucht man beim Lesen ohne Schwierigkeit in den Charakter der jeweiligen Figur ein, um ihr Denken und Handeln nachzuvollziehen. Ebenso sind jeder Figur unterschiedliche Symbole zugeordnet. Da die erste Seite am Kapitelbeginn immer schwarz mit weißer Schrift ist, ist man schnell wieder in den magischen und dunklen Welten.

Junge Erwachsene, die sich einen Roman mit abgründiger, manchmal verstörender und geheimnisvoller Geschichte wünschen, finden hier sicher ein Buch, dass sie lieben werden. Ich kann diesen Roman daher gerne empfehlen und bewerte ihn mit fünf Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere