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Veröffentlicht am 16.02.2020

Düster, dunkel, schwarz und schwärzer

Das neunte Haus
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Alex ist frische Studentin in Yale und gehört dem Hause Lethe an - das Haus, dessen Aufgabe es ist, das magische Tun der acht großen Verbindungshäuser zu überwachen. Als Lehrling von Daniel Arlington - ...

Alex ist frische Studentin in Yale und gehört dem Hause Lethe an - das Haus, dessen Aufgabe es ist, das magische Tun der acht großen Verbindungshäuser zu überwachen. Als Lehrling von Daniel Arlington - Darlington - lernt sie den Umgang mit den Häusern und ihren skurilen Ritualen kennen. Dafür bringt Alex eine ganz besondere Fähigkeit mit: Sie kann die Geister der Toten sehen. Eine Gabe, die eigentlich niemandem ohne der Einnahme einer Droge gelingt.

Doch der Roman beginnt im Winter von Alex' erstem Studienjahr. Darlington ist zu diesem Zeitpunkt verschwunden. Warum, wohin und wie bleibt zunächst ein Rätsel, doch gegangen ist er auf jeden Fall nicht freiwillig. Alex ist also auf sich alleine gestellt beim Überwachen der Häuser. Eines Tages gibt es eine Tote - und Alex stößt auf eine Spur, die ihren Tod mit den Verbindungshäusern in Verbindung bringen könnte. Eine Hetzjagd nach dem oder den Mörder/n beginnt.

Dieses Buch ist nicht nur Fantasy – es ist Thriller, es ist Horror und alles Düstere zusammen. Leigh Bardugo zeigt hier eine sehr dunkle Seite ihrer Fantasie. Fröhliches sucht man hier vergebens. Erst nach Zweidrittel des Buches gibt es für den geduldigen Leser Hoffnung.

In den ersten Zweidrittel des Buchs wechselt die Zeitebene von Kapitel zu Kapitel. Wir befinden uns entweder im Winter (Gegenwart) bei Alex oder wir befinden uns im Herbst (Vergangenheit) bei Darlington. Ein paar Ausflüge in die weiter zurückliegende Vergangenheit der beiden Protagonisten gibt es auch noch.

Ich habe Leigh Bardugo als eine Autorin kennengelernt, die sich sehr viel Zeit für ihre Charaktere nimmt und so richtig in die Tiefe geht. Eigentlich finde ich das total super! Tatsächlich hatte ich nicht gedacht, dass mir das auch einmal zu viel sein könnte. Doch hier war es leider zu viel. Gerade Alex‘ Vergangenheit setzte mir ab und an ziemlich zu. Zum Ende des Buches kann ich nun aber behaupten, diesen Charakter vollends durchlebt zu haben.

Mit den Protagonisten ist es auch so ein Thema. Alex ist eine Protagonistin – keine Frage. Doch irgendwie ist auch Darlington einer – und das, obwohl er meistens mit Abwesenheit glänzt. Was mich seine Berechtigung für seine Prota-Funktion ab und zu infrage stellen lässt. Der zweite Teil lässt hier auf Besserung hoffen.

Ich lege dieses Buch nun also mit sehr gemischten Gefühlen beiseite. Das letzte Drittel des Buches war wirklich spannend, unvorhersehbar. Die ersten Zweidrittel sind zum Teil aber wirklich harte Kost und nichts für Zartbeseitete. Vergewaltigung, Mord, Drogen – hier steckt wirklich alles drin. Darauf muss man sich als Leser gefasst machen. Düster und definitiv kein Jugendroman.

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Veröffentlicht am 02.02.2020

Wie aus anfänglicher Skepsis Begeisterung wird

Night of Crowns, Band 1: Spiel um dein Schicksal
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"Night of Crowns" vereint zunächst alles der typischen Klischee-Urban-Romantasy in sich: Eine junge Frau mit ihren typischen Highschool-Dramen, Schulalltag, Cheerleading, Football und ein Liebes-Dreieck. ...

"Night of Crowns" vereint zunächst alles der typischen Klischee-Urban-Romantasy in sich: Eine junge Frau mit ihren typischen Highschool-Dramen, Schulalltag, Cheerleading, Football und ein Liebes-Dreieck. Genau das ist es auch, was mich Klappentext und Leseprobe haben erwarten lassen. Aber ich wurde auch ein wenig überrascht.

Alice - eigentlich eine Musterschülerin - wird nach einem seltsamen Ereignis in einer Nacht im Wald immer schlechter in der Schule. Um das Jahr nicht wiederholen zu müssen, soll sie in ein Sommercamp auf dem Internat Chesterfield gehen. Doch wie sich bald herausstellt, handelt es sich bei dieser Schule um alles andere als ein normales Internat und ehe Alice sich versieht, steht sie zwischen den Fronten zweier verfeindeter Internate, gefangen in einem Schachspiel in dem Menschen die Spielfiguren sind.

Ich gebe zu, so kurz gefasst klingt die Story ein wenig abstrus. Sie ist jedoch alles andere als das, ich würde sogar sagen, dass die Autorin da eine echt super Idee hatte! Ein Schachspiel mit lebenden Menschen! Unsere Protagonisten sind die Spielfiguren! Und hier schlagen die Figuren sich nicht etwa gegenseitig indem sie sich kurz anticken und sagen "hab dich!" - nein, es wird gekämpft, geblutet und gestorben. Dieses Buch ist damit nichts für schwache Nerven, aber dass so ein menschliches Schach nicht ohne Brutalität daher kommen kann, haben wir ja sogar schon bei Harry Potter gelernt. 

Allerdings muss man bedenken, dass das Buch ein wenig Zeit braucht, um so richtig in Fahrt zu kommen. Und bis dahin musste ich mich an der ein oder anderen Stelle ein wenig quälen. Zunächst ist da Alice. Als Protagonistin eigentlich super, bis auf die Tatsache, dass sie nur selten zu wissen scheint, was sie will, zudem noch naiv und leicht manipulierbar ist. Und dann wäre da noch Vincent, der erste Mann im "Liebes-Dreieck", der mir mit seinem Geschleime mächtig auf den Keks ging. Nach etwa der Hälfte des Buches wollte ich die Autorin schon für diesen Kitsch verfluchen. Doch glückerlicherweise habe ich weitergelesen und wurde extrem überrascht. Da ich bemüht bin, nicht zu spoilern, kann ich nur sagen: Vieles, über das ich mich anfangs aufgeregt habe, hatte am Ende einen Grund - und lag keinesfalls an der schlechten Schreibart der Autorin. Da hat sie mich ziemlich auf den Arm genommen, die gute Stella Tack, denn sie kann ja doch sehr gut Geschichten schreiben.

Mein Lieblingscharakter ist außerdem Jackson - und ich hoffe, die Tatsache, dass er es ist, ist noch kein Spoiler. Nicht so dolle finde ich es allerdings, dass er Raucher sein muss. Man darf nicht vergessen, dass dieses Buch auch ein Jugendroman ist und Rauchen sollte daher meiner Meinung nach nicht verherlicht werden. Und bei Jackson ist es ganz klar ein Zeichen seiner Coolness. Von der Message her daher nicht so super.  

Des Weiteren noch ein wenig kritisieren möchte ich die Tatsache, dass unsere Protagonistin zum Teil ganze Tage verschläft - wirklich in der Tat durchschläft - nur um ... ja, warum eigentlich? Damit ein bisschen mehr Zeit in der Geschichte ins Land geht? Damit die Autorin keine langweiligeren Tage, an denen mal nichts spannendes passiert, schildern muss? Damit wir als Leser auch ja keine Minute aus dem Leben unserer Protagonistin verpassen? Eine eher unschöne Variante des Zeitschindens wie ich finde. Da kommt mir die gute Alice doch eher ungesund vor bei so viel Müdigkeit. 

Nichtsdestotrotz: Ich finde nur sehr wenige kleine Kritikpunkte an dem Buch, wurde nach anfänglicher Skepsis zudem noch total überrascht und sitze nun mit diesem Ende fest. Bis der nächste Band kommt, dauert es immerhin noch 10 Monate und das Ende ist unendlich fies. Chapó, Stella Tack.

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Veröffentlicht am 25.01.2020

Danke, Christelle Dabos, für diese wunderschönen Lesestunden!

Die Spiegelreisende
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Bei "Das Gedächtnis von Babel" handelt es sich um den dritten Teil der Spiegelreisenden-Saga - eine Reihe, bei der es sich definitiv lohnt, ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie von Beginn an ...

Bei "Das Gedächtnis von Babel" handelt es sich um den dritten Teil der Spiegelreisenden-Saga - eine Reihe, bei der es sich definitiv lohnt, ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie von Beginn an zu lesen!

Und auch der dritte Band hat wieder einmal bewiesen, warum diese Reihe sich so sehr lohnt. Ophelia begibt sich durch die Hilfe alter Bekannter auf die Suche nach Thorn, den sie inzwischen seit 3 Jahren nicht mehr gesehen hat. Trotzdem kann sie nicht aufhören an ihn zu denken - und willl es auch gar nicht. Ihre Suche führt sie nach Babel, wo auch das gesamte Buch spielt. Dabos stellt uns hier eine neue Arche vor, die nur so sprüht vor Fantasie und Anima und Pol um weites überbietet an Kuriosität. Es gibt hier so vieles, dass man als Leser zusammen mit Ophelia unbedingt entdecken möchte. Was also ihre Fantasie angeht, hat Dabos in diesem Band noch einmal ordentlich einen drauf gelegt!

Zu dem Schreibstil braucht man jemandem, der die ersten beiden Bände kennt - und an so jemanden richtet sich ja eigentlich auch diese Rezension - schon gar nicht mehr viel sagen. Ich finde es aber immer wieder beeindruckend, wie klar und einfühlsam dieser ist - und das trotz der Tatsache, dass es eine Übersetzung ist. Wie auch immer: Autorin und Übersetzerin sind hier meisterhaft gut in ihrem Job!

Der Spannungsaufbau fällt in diesem Band stellenweise allerdings etwas seichter aus als z.B. im Vorgänger. Es beginnt mit einem langsameren Einstieg und so richtig gepackt hat mich besagte Spannung daher erst so richtig doll nach etwa der Hälfte - was nicht heißen soll, dass die erste Hälfte nicht lohnenswert oder gar schlecht wäre. Auch der Cliffhanger fällt dieses Mal meinem Empfinden nach nicht ganz so rießig wie beim Vorgänger aus. Da ist er trotzdem und es macht mich schon wieder ganz hibbelig noch Monate warten zu müssen, bis ich weiterlesen kann.

Unterm Strich ist der dritte Band vielleicht ein bisschen weniger gut als die ersten beiden, aber immernoch so super, dass ich unbedingt 5 Sterne dafür geben will. Danke Christelle Dabos, für diese wunderschönen Lesestunden!

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Veröffentlicht am 08.01.2020

Durchweg spannendes Fantasy-Jugendbuch

Die Ungeheuerlichen - Das Böse ist auf deiner Seite
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Hauptfigur von Paul Durhams "Die Ungeheuerlichen" ist die junge Riley, die zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in Moderfurt lebt (gelegen an dem Flüsschen Moder). Regiert wird das Dorf ...

Hauptfigur von Paul Durhams "Die Ungeheuerlichen" ist die junge Riley, die zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in Moderfurt lebt (gelegen an dem Flüsschen Moder). Regiert wird das Dorf von Graf Longchance - ein unangenehmer Geselle, der eine Reihe unnötiger Gesetze führt und seine Dorfbewohner ausnutzt. Doch die eigentlichen Bösewichte in dieser Fantasywelt sind die sogenannten Nobolds. Stinkende, riesige und unangenehme Wesen, die es zum Glück seit Jahren nicht mehr nach Moderfort getrieben hat. Nicht so aber in diesem Jahr... Und retten können das Dorf nur die Ungeheuerlichen, allerdings wurden diese schon vor langer Zeit verstoßen.

Besonders fasziniert hat mich an dem Buch, dass die Spannung durchweg aufrecht erhalten wurde. Kaum ein Kapitel endet nicht mit einem kleinen Cliffhanger oder wirft neue Rätsel und Fragen auf - die am Ende natürlich alle gelöst werden. Tatsächlich hat das Buch nicht eine einzige Länge zu verzeichnen, es ist aber auch nicht so, dass hier Dinge zu schnell vonstatten gehen. Meiner Meinung nach ein sehr gelungener Schreibstil des Autors!

Auch die Figuren gewinnt man alle sehr lieb (zumindest die guten). Zu erwähnen wäre aber das die "Bösen" - Familie Longchance - eher stereotyp bleiben. Hier kommt nicht allzu viel mehr an Tiefe rum, es wird also letztendlich sehr deutlich, dass man diese auch gar nicht mögen oder für sie gar Empathie empfinden soll.

Ich bin nun definitiv keine Jugendliche von 11 Jahren mehr, fand das Buch aber dennoch sehr gelungen und fühlte mich bestens unterhalten. Daher kann ich nur schlussfolgern, dass es für eine/n 11-Jährige/n der Wahnsinn sein muss. :) Gerne vergebe ich hier also die volle Sternchenanzahl.

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Veröffentlicht am 19.12.2019

Nur etwas für Fans der Autorin

Die Sprache der Dornen
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In "Die Sprache der Dornen" treffen wir auf eine Zusammenstellung von Märchen, wie sie sich die Menschen in der von der Autorin geschaffenen Grisha- und Krähenwelt erzählen. Mal märchenhaft, doch hauptsächlich ...

In "Die Sprache der Dornen" treffen wir auf eine Zusammenstellung von Märchen, wie sie sich die Menschen in der von der Autorin geschaffenen Grisha- und Krähenwelt erzählen. Mal märchenhaft, doch hauptsächlich düster und mit Botschaft versehen, kommen Barduogs fünf Erzählungen daher. 

Inhaltlich sind diese sehr unterschiedlich, erinnert einen die ein oder andere jedoch an bekannte Märchen - nur natürlich neu und vor allem anders erzählt, sei es zum Beispiel "Hänsel und Gretel" oder "Der Nussknacker". Verbindungen zu Bardugos Welten gab es nur selten. Dass man diese kennt, ist also definitiv keine Voraussetzung für das (Hör)buch. 

Noch ein bisschen Hörbuch-spezifische Bewertung: Die Stimme des Sprechers passte sehr gut. Er hat eine richtige Märchenonkel-Stimme, die er auch sehr gut an die verschiedenen Sprecherrollen anpassen kann.

Nun zu meiner Kritik am Gesamtwerk: Unter einem Hörbuch mit fünf märchenhaften Kurzgeschichten aus dem Grishaverse habe ich mir tatsächlich etwas anderes vorgestellt. Sich zur Weihnachtszeit ein bisschen mit Märchen berieseln lassen wäre doch eigentlich was schönes, oder? Hier hab ich falsch gedacht, denn die Märchen waren zum Teil schon nicht die leichteste Kost. Aufmerksames Lauschen lohnt sich definitiv, und auch die Sprache ist nicht immer die leichteste. Klar, wenn der Schreibstil nicht anspruchslos ist, ist das eigentlich was Gutes. Als Hörbuch finde ich es damit jedoch nicht so geeignet. Vor allem nicht, wenn man "Märchen" verkaufen will. Und obwohl ich großer Fan der Krähen-Saga bin und die Grisha-Reihe schon bei mir in den Startlöchern steht, kann ich leider nur 3 Sterne geben. "Die Sprache der Dornen" ist eher ein Sammelstück für Fans.

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