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Veröffentlicht am 08.04.2020

Die schöne Ruhe Schottlands zerstört von einer anstrengenden Protagonistin - schade!

Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist
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Nina verliert ihren Job als Bibliothekarin, was für sie einem Weltuntergang gleich kommt. Denn Nina liebt Bücher und kann sich keinen anderen Job vorstellen, doch Bibliothekare werden kaum noch gesucht. ...

Nina verliert ihren Job als Bibliothekarin, was für sie einem Weltuntergang gleich kommt. Denn Nina liebt Bücher und kann sich keinen anderen Job vorstellen, doch Bibliothekare werden kaum noch gesucht. Nur eine Sache, könnte sie sich noch viel besser vorstellen: eine eigene Buchhandlung. Doch sowas würde sie sich niemals zutrauen - oder doch? Nina entdeckt einen großen alten Bus zum Verkauf in Schottland, kauft diesen kurzerhand und eröffnet ihren eigenen Bücherbus. Eine aufregende Lebensreise beginnt - und damit natürlich auch eine neue Liebe.

Zunächst zum Positiven an diesem Roman: Durch die herlichen Schilderungen der schottischen Landschaften, kommen bei einem leichte Urlaubsgefühle und Natursehnsüchte auf. Den Leser mithilfe von Worten in die Felder und abgelegenen Dörfer Schottlands zu befördern, gelingt der Autorin sehr gut. 

Nun zum weniger Guten: Da wäre zunächst einmal die (Werbe-)Ansage des Buches, dass es ein Buch für Bücherliebhaber ist. Klar, hier geht es ganz viel um Bücher und das ist für eine Leseratte wirklich fantastisch! Unterschwellig werden wir guten alten Leseratten, die ständig ihre Nase in einem Buch haben, aber auch ein wenig kritisiert. Die Message des Buches ist ganz klar: Nimm die Nase aus dem Buch und leb auch mal! Mag was Wahres dran sein, wenn das jedoch wirklich die Intention der Autorin ist, dann hätte ich ihr Buch wohl auch schleunigst beiseite legen müssen. Denn anders kann ich ja meine Träume niemals verwirklichen, wenn ich immerzu nur lese. Na sowas.

Viel schlimmer als das jedoch ist mir unsere Protagonistin Nina aufgestoßen. Zu Beginn des Romans schien sie mir noch sympatisch. Doch umso mehr ich las, desto mehr wendete sich hier das Blatt. Naiv, schwer von Begriff, bildet sich etwas darauf ein, dass sie ja so mitfühlend ist und sich um ihre Mitmenschen sorgt, handelt andererseits aber auch egoistisch; sagt von anderen sie seien mürrisch, benimmt sich genannter Person gegenüber jedoch selbst so. Eine absolut ambivalente, anstrengende Person. Aber nun ja, manchmal hat man ja so Figuren, mit denen man einfach nicht warm wird. Komischerweise werden die männlichen Figuren das mit ihr aber immer sehr gut. Wir haben hier gleich zwei potenzielle Liebesanbandelungen: Marek und Lennox. Ohne zu viel zu spoilern, mindestens einer verguckt sich natürlich in Nina und würde doch tatsächlich jeden Mist für sie tun - obwohl sie immerzu nur blöd zu ihm ist. Mir ist das absolut ein Rätsel. 

Womit wir aber auch schon bei dem nächsten Thema wären: der Liebesgeschichte, denn ja, dieser Roman soll ja ein Liebesroman sein. In Sache Liebe wird es allerdings erst auf den allerletzten Seiten so richtig interessant. Ich finde, hier wäre daher eine andere Genrebezeichnung vermutlich passender, denn es geht vor der Liebe viel mehr um die Selbstverwirklichung. Doch um noch einmal auf die Liebe in diesem Roman zu sprechen zu kommen: Normalerweise finde ich es besser, wenn sich Gefühle der Protagonisten langsam entwickeln. Hier ist aber zunächst ganz viel gar nichts und dann ganz plötzlich ganz, ganz viel. Kennenlernen müssen sich Männlein und Weiblein hier auf jeden Fall nicht näher. Gutes Aussehen und ab und zu mal ein paar Sätze wechseln genügt, um die großen Gefühle zu erwecken. Bei mir sind dabei jedoch gar keine Gefühle angekommen.

Einhergehend mit der ambivalenten Protagonistin und der an den Haaren herbeigezogenen Liebesgeschichte gestaltet sich auch die Handlung entsprechend simpel. Wir haben hier stets eine Fügung glücklicher Ereignisse und Zufälle; gibt es mal ein Problem, ist das in den nächsten Minuten schon gelöst. Da, wo sich gerade noch gestritten und beleidigt wird, wird in den nächsten Sekunden emotional an die Kinderheit und die Bücher, die man damals gelesen hat, zurück erinnert. Und da das ja so sehr verbindet, kann man auch gleich alle seine Sorgen teilen, auch wenn man sich eigentlich nicht ausstehen kann. Ist doch klar.  

Immerhin kann man den Roman mit einem guten Gefühl weglegen, da zumindest der Epilog (der im Roman aber nicht so genannt wird) ganz schön ist. Insgesamt ist "Happy ever after" also ein Ausflug in die herliche Ruhe Schottlands, die jedoch zerstört wird von einer anstrengenden Protagonistin. Tut mir leid, Jenny Colgan, aber wenn das immer deine Art zu Schreiben ist, werde ich wohl kein Buch mehr von dir lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2020

Ein wenig gruselig, jedoch leider ohne jegliche Fröhlichkeit

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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1939: Der Krieg ist ausgebrochen und um die seltenen Tierpräparate des Natural History Museums vor Bombenangriffen zu schützen, macht sich Hetty als frisch gebackene Abteilungsleiterin mit den Ausstellungsstücken ...

1939: Der Krieg ist ausgebrochen und um die seltenen Tierpräparate des Natural History Museums vor Bombenangriffen zu schützen, macht sich Hetty als frisch gebackene Abteilungsleiterin mit den Ausstellungsstücken auf den Weg nach Lockwood Manor - einem riesigen, imposanten Anwesen, dass den Tieren Unterkunft über den Krieg hinweg gewährt. Hettys Aufgabe ist es, die gesamte Zeit über ein Auge auf die Ausstellungsstücke zu haben, sodass sie nach dem Krieg wohlbehalten ins Museum zurückkehren können. Doch das ist leichter gesagt als getan, Tiere verschiedenen und tauchen an anderen Orten wieder auf. Und zu allem Überfluss soll es auf Lockwood Manor auch noch spuken. 

Der Klappentext verrät in meinen Augen noch nicht allzu viel von dem, was sich eigentlich in diesem Roman verbirgt. Ich versuche mit dieser Rezension daher ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Der Roman spielt während des zweiten Weltkriegs, dennoch ist dieser mehr eine Hintergrundmusik als entscheidend für die Handlung. Er scheint lediglich den Anlass dafür zu geben, dass dieser Roman vollständig auf Lockwood Manor spielt und das über ein Jahr lang. Für die Figuren des Romans schien der Krieg nie wirklich realitätsbedrohend, angsteinflößend oder ließ sie gar mal materielle Dinge vergessen. Erst am Ende wird noch einmal ein kleineres Fazit im Angesicht des Krieges gezogen, dass der Roman wohl auch bitter nötig hatte, um seinen Figuren Empathie einzuflößen. Dieser Roman hätte genauso gut in jedem anderen Jahr der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch ohne Krieg, spielen können. 

Auch die Handlung erscheint ungewöhnlich. Die junge Hatty, die mit einer Horde von Tierpräparaten auf einem geheimnisvollen Anwesen einzieht - das lässt dem neugierigen Leser so viel Platz an Fantasie und hat auch mein Interesse an dem Buch geweckt. So richtig packen konnte mich die Handlung dann letztendlich jedoch nicht. Vielleicht lag es an den falschen Erwartungen? Dabei begann die Geschichte vielversprechend, ohne Umschweife waren wir direkt drin und schon nach wenigen Seiten mit Hetty unterwegs nach Lockwood Manor. Doch dann riss meine Vorfreude auf die nächsten Seiten irgendwann ab. Vielleicht weil Lockwood Manor den Roman schließlich wieder entschleunigt hat. Immer mal wieder gab es gruselige Szenen und Momente, die zum Fürchten waren, doch diese konnten die Spannung nicht so richtig aufrecht erhalten. Ich befürchte dies ist auch ein wenig den Charakteren geschuldet. Mit der Protagonistin wurde ich nicht warm und alle anderen Figuren erschienen mir nicht liebenswert, ich nehme an, das sollten sie - mit einer Ausnahme - wohl auch nicht. Unterm Strich hatte der Roman damit für mich leider viel zu wenig Herzliches. Zu schnell hatte sich bei mir das Bild von Hetty als überkorrekte, mürrische Person verfestigt - und mein Eindruck hat sich über die Seiten hin eher noch verschlimmert. Sympatisch wurde sie mir zu keinem Zeitpunkt. Die Mehrzahl aller anderen Charaktere ist tatsächlich ganz schrecklich und trägt hässliche Charaktereigenschaften zutage. Wenigstens eine so richtig liebenswerte - vielleicht gar fröhliche - Person wäre doch mal schön gewesen. Denn fröhlich war hier rein gar nichts auf Lockwood Manor.

Und das obwohl es auch eine (quere) Liebesgeschichte gibt. Diese war nicht zu dominant und entwickelte sich im richtigen Tempo, konnte den Roman für mich aber auch nicht mehr retten. 

Vor dem Ende möchte ich am liebsten eine Warnung für zartere Seelen aussprechen. Wer schon schlechte Erfahrungen mit Gewalt oder Nötigung gemacht hat, dem sei von diesem Buch abgeraten. Es tut mir Leid, wenn ich jemandem damit schon Hinweise auf die Handlung gebe, aber aus Leserunden ist mir bewusst, dass es Leser/-innen gibt, für die solch eine Warnung wirklich wichtig ist. 

Dennoch kam das Ende sehr überraschend und unerwartet. Der Ausgang war für mich keinesfalls vorhersehbar, womit der Roman auf den letzten Metern noch einmal einen Pluspunkt machen kann. Meine Erwartungen, die ich an den Klappentext gestellt habe, konnte der Roman allerdings nicht einhalten. Auch wenn er in England vielleicht in aller Munde ist, so konnte er meinen Geschmack doch nicht treffen. 

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2020

Gott trifft auf Hexe trifft auf schlafende Prinzessin - Ein Potpourri an Fantasiewesen und Märchenelementen

Der verwunschene Gott
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Morgan wurde als Kind aus ihrer Familie entführt und von den Wölfen aufgenommen - eine Bande von Schmugglern, die ihr Geld mit krummen Dingen auf den Straßen verdienen. Frei ist sie erst, wenn es ihr irgendwann ...

Morgan wurde als Kind aus ihrer Familie entführt und von den Wölfen aufgenommen - eine Bande von Schmugglern, die ihr Geld mit krummen Dingen auf den Straßen verdienen. Frei ist sie erst, wenn es ihr irgendwann gelingen sollte ihre Lebensschuld abzubezahlen. Doch dazu kommt es vorerst nicht. Morgan soll die Manchettenknöpfe des Prinzen stehlen, wird jedoch verraten und am königlichen Hof eingesperrt. Ihre Strafe ist die lebenslange Arbeit in den Minen. Doch dann trifft Morgan auf einen vergessenen Prinzen - und ihre Chance auf ein anderes Leben beginnt. 

Laura Labas hat einen sehr angenehmen Schreibstil, dem man gut folgen kann. Und sie nimmt sich die Zeit ihre Geschichte angemessen vorzubereiten. Ja, die ersten gut 100 Seiten sind noch nicht sonderlich aufregend. Aber so bekommen wir als Leser wenigstens die Chance unsere Protagonistin kennenzulernen. Diese war mir am Anfang auch sehr sympatisch. Allerdings blieb das nicht bis zum Ende so. Meine Eindrücke von ihr haben sich im Laufe der Geschichte verändert, mal gab sie die Starke, mal die weiche "Heulsuse" - extrem ausgedrückt. Das passte für mich nicht so richtig zusammen.

Einige Kapitel nehmen außerdem die Perspektiven anderer Figuren ein. Warum wir diese so intensiv betrachten und wie sich deren Geschichte weiterentwickeln wird, bleibt bis zum Ende dieses Buches offen. Der Lösung bringt uns da wahrscheinlich erst der zweite Band dieses Vierteilers näher.

Und eine Liebesgeschichte gibt es natürlich auch. Allerdings war mir diese nach meinem Geschmack irgendwann einfach zu dominant. Sie entwickelte sich im Vergleich dazu, wie viel Zeit z.B. eine Vorgeschichte hier einnimmt, viel zu schnell und nimmt dann schließlich auch einen großen Stellenwert in der Geschichte ein. Für mich zu groß, zu dominant, zuviel der Liebelei. Das passt für mich in dem Ausmaß nicht rein, denn schließlich ist es doch eher (Low) Fantasy und nicht Romantasy, oder?

Für die nächsten Bände kann ich hier daher nur hoffen, dass es noch eine große Wendung in den Liebessachen gibt. Interessant ist übrigens, dass sich erst kurz vorm Schluss eröffnet, warum dieser Band "Der verwunschene Gott" lautet. Die Wendung, die diese Erkenntnis mit sich bringt, ist interessant und ich hoffe hier noch auf eine spannende Charakterentwicklung. Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten. 

Insgesamt eigentlich eine sehr gute Handlung, wäre da nicht diese dominante Liebesgeschichte. Ich hoffe auf Besserung in den nächsten Teilen und kann den ersten Band "Der verwunschene Gott" dennoch empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 13.03.2020

Eine schöne Geschichte, jedoch fehlt es an Tempo und Spannung

Die letzte Dichterin
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Minna Fabelreich hat nicht viel an Reichtümern oder überhaupt von Wert außer ihrer Begabung zum Dichten. Und diese möchte sie den Menschen auf ihren Reisen durch Phantopien gern näher bringen. Denn von ...

Minna Fabelreich hat nicht viel an Reichtümern oder überhaupt von Wert außer ihrer Begabung zum Dichten. Und diese möchte sie den Menschen auf ihren Reisen durch Phantopien gern näher bringen. Denn von den Dichtern soll es auf der Welt nicht mehr viele geben - die Magie Phantopiens stirbt aus. Als sie schließlich eine Einladung zu einem Dichterwettstreit in der magischen und sagenumwobenen Stadt Fernab bekommt, zögert sie nicht, sofort dorthin aufzubrechen - in Begleitung von Finn Minengräber, dem Schatzsucher. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Fernab - und auf die Suche nach ihrer eigenen ganz persönlichen Magie.

Ein großes Lob gilt erst einmal diesem wunderschönen Cover. Es spiegelt die Handlung des Buches gelungen wider. Auf den ersten Seiten des Buches gibt es außerdem eine gezeichnete Karte von Phantopien. Bücher, die mit solch einer Karte beginnen, versprechen meistens viel – vor allem an Fantasie. Wiederum verwundert war ich über die ebenfalls vorne abgedruckte Playlist zum Buch. Das ist mir in reiner Fantasy noch nie begegnet. Gerade ein Lied von Lukas Graham würde ich mir persönlich nicht zu einer märchenhaften Geschichte wie dieser anhören. Ist vielleicht aber auch Geschmackssache.

Kommen wir nun zur eigentlichen Frage dieser Rezension: Wie war das Buch? Zunächst loben kann man den Schreibstil der Autorin – dieser war sehr märchenhaft und vor allem gefühlvoll. Katharina Seck ist es gelungen mit Geduld und Feingefühl die Geschichte einer sich langsam aufbauenden Freundschaft zu erzählen. Aber noch mehr als das: Sie erzählt von verlorener Liebe, von Trauer und Wut und Schmerz; repräsentiert durch verschiedene Charaktere des Buchs.

Die Geschichte nimmt abwechselnd die Sichtweise folgender Personen ein, erzählt dabei aber in der dritten Person: Minna, Finn, die Königin und der Gabensucher Valerian. Protagonisten sind meiner Einschätzung nach allerdings Minna und Finn. Als Leser ist man hier in der Regel allwissend durch die vielen verschiedenen Perspektiven. Das hat mich das ein oder andere mal doch sehr gestört, weil es der Geschichte zum Teil an Tempo und Spannung genommen hat. Oft wusste man schon, womit unsere Protagonisten als nächstes konfrontiert werden, die Frage war dann mehr das „Wie“. Demnach waren auch Anfang und Ende des Buches am stärksten, die Mitte zog sich nach meinem Geschmack sehr stark. Hier war die Handlung absolut vorhersehbar. Glücklicherweise änderte sich das zum Ende hin wieder, welches Spannung in die Geschichte brachte.

An sich ist „Die letzte Dichterin“ ein rundes Fantasybuch, mit der einen oder anderen Länge, aber auch der einen oder anderen Spannung. Die Sache dabei ist nur leider: Es ist eben auch nicht mehr als eine runde Sache. Aus Phantopien hätte man meiner Meinung nach noch viel mehr rausholen können. Die Magie, die hier das große Thema war, kam bei mir nicht an. Von der Bandbreite an Gefühlen und vom Schreibstil her super! Aber von der Handlung hatte ich mir sehr viel mehr versprochen. Noch ein kleiner Hinweis für die Romantiker unter uns: Zumindest unter unseren Protagonisten spielt die Liebe kein Thema. Dem ein oder anderen ist das ja durchaus wichtig für die Wahl seiner/ihrer nächsten Lektüre. In meine Bewertung fließt das aber natürlich nicht ein.

  • Cover
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Fantasie
Veröffentlicht am 16.02.2020

Düster, dunkel, schwarz und schwärzer

Das neunte Haus
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Alex ist frische Studentin in Yale und gehört dem Hause Lethe an - das Haus, dessen Aufgabe es ist, das magische Tun der acht großen Verbindungshäuser zu überwachen. Als Lehrling von Daniel Arlington - ...

Alex ist frische Studentin in Yale und gehört dem Hause Lethe an - das Haus, dessen Aufgabe es ist, das magische Tun der acht großen Verbindungshäuser zu überwachen. Als Lehrling von Daniel Arlington - Darlington - lernt sie den Umgang mit den Häusern und ihren skurilen Ritualen kennen. Dafür bringt Alex eine ganz besondere Fähigkeit mit: Sie kann die Geister der Toten sehen. Eine Gabe, die eigentlich niemandem ohne der Einnahme einer Droge gelingt.

Doch der Roman beginnt im Winter von Alex' erstem Studienjahr. Darlington ist zu diesem Zeitpunkt verschwunden. Warum, wohin und wie bleibt zunächst ein Rätsel, doch gegangen ist er auf jeden Fall nicht freiwillig. Alex ist also auf sich alleine gestellt beim Überwachen der Häuser. Eines Tages gibt es eine Tote - und Alex stößt auf eine Spur, die ihren Tod mit den Verbindungshäusern in Verbindung bringen könnte. Eine Hetzjagd nach dem oder den Mörder/n beginnt.

Dieses Buch ist nicht nur Fantasy – es ist Thriller, es ist Horror und alles Düstere zusammen. Leigh Bardugo zeigt hier eine sehr dunkle Seite ihrer Fantasie. Fröhliches sucht man hier vergebens. Erst nach Zweidrittel des Buches gibt es für den geduldigen Leser Hoffnung.

In den ersten Zweidrittel des Buchs wechselt die Zeitebene von Kapitel zu Kapitel. Wir befinden uns entweder im Winter (Gegenwart) bei Alex oder wir befinden uns im Herbst (Vergangenheit) bei Darlington. Ein paar Ausflüge in die weiter zurückliegende Vergangenheit der beiden Protagonisten gibt es auch noch.

Ich habe Leigh Bardugo als eine Autorin kennengelernt, die sich sehr viel Zeit für ihre Charaktere nimmt und so richtig in die Tiefe geht. Eigentlich finde ich das total super! Tatsächlich hatte ich nicht gedacht, dass mir das auch einmal zu viel sein könnte. Doch hier war es leider zu viel. Gerade Alex‘ Vergangenheit setzte mir ab und an ziemlich zu. Zum Ende des Buches kann ich nun aber behaupten, diesen Charakter vollends durchlebt zu haben.

Mit den Protagonisten ist es auch so ein Thema. Alex ist eine Protagonistin – keine Frage. Doch irgendwie ist auch Darlington einer – und das, obwohl er meistens mit Abwesenheit glänzt. Was mich seine Berechtigung für seine Prota-Funktion ab und zu infrage stellen lässt. Der zweite Teil lässt hier auf Besserung hoffen.

Ich lege dieses Buch nun also mit sehr gemischten Gefühlen beiseite. Das letzte Drittel des Buches war wirklich spannend, unvorhersehbar. Die ersten Zweidrittel sind zum Teil aber wirklich harte Kost und nichts für Zartbeseitete. Vergewaltigung, Mord, Drogen – hier steckt wirklich alles drin. Darauf muss man sich als Leser gefasst machen. Düster und definitiv kein Jugendroman.

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