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Veröffentlicht am 16.12.2020

Ein besonderes Ermittlerteam

Als die Nacht begann
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Am helllichten Tag wird auf der Friedrichstraße in Berlin eine junge Frau durch einen Gewehrschuss getötet. Der Schütze muss auf einem der Dächer beziehungsweise in einer der oberen Etagen auf sein Opfer ...

Am helllichten Tag wird auf der Friedrichstraße in Berlin eine junge Frau durch einen Gewehrschuss getötet. Der Schütze muss auf einem der Dächer beziehungsweise in einer der oberen Etagen auf sein Opfer gelauert haben.

War sie ein Zufallsopfer oder gibt es eine Verbindung?

Jan Tommen und seine Kollegen ermitteln mit Hochdruck, finden aber keine Spur. Einige Tage später wird am Tegeler See wieder ein junger Mensch aus der Ferne erschossen.

Treibt ein Sniper sein Unwesen?



Spannend und gut strukturiert zeigt sich diese Thriller-Serie um Kommissar Jan Tommen. Es ist bereits sein 7. Fall, aber für mich ist es der Erste.

Irritiert hat mich gleich zu Beginn, dass Jan Tommen anstatt mit seinem Kollegen Patrick Stein den Tatort zu besichtigen, eine Teamkonferenz mit seinem privaten Ermittlerteam einberuft. Scheinbar werden die aktuellen Fälle mit Zoe, einer Gerichtsmedizinerin (mit kriminellem Vater), Max, einem IT Freak, Chandu, einem ehemaligen Kriminellen, der seine alten Kontakte heute noch nutzt, und Jan, dem einzigen Kripo-Beamten in dieser Runde, gelöst. Jeder einzelne wird eingehend vom Autor beleuchtet, so dass auch ich, als Erstleser schnell den Durchblick habe.

Mich wundert allerdings, dass die Truppe, die sich nicht mit hinderlichen Beamtenrichtlinien herumschlagen muss, so agieren darf ohne Konsequenzen erleiden zu müssen.

Alexander Hartung konstruiert einen ziemlich komplizierten Fall, dessen Zusammenhänge lange Zeit nicht ersichtlich sind. Die Herangehensweise der Ermittler und die Motivsuche erscheinen mir logisch und nachvollziehbar. Bei der Lösung verliert sich meiner Meinung nach, das Verständnis. Ich will jetzt hier nicht weiter ins Detail gehen, aber für mich ist die Richtung der Rache unverständlich. Das letzte Drittel des Thrillers wirkt auf mich zu konstruiert. Trotz Wettlauf, Jagd und Schusswechsel zum Ende hin, kam keine echte Spannung mehr zu Stande.

Schade…….

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Veröffentlicht am 16.12.2020

Irrglaube

Ohne Schuld
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Während ihrer Fahrt mit dem Zug in ein Wellness-Wochenende, ein Abschiedsgeschenk ihrer Scotland Yard Kollegen, wird Kate Linville Zeugin eines Mordanschlags auf eine junge Frau. Nur mit großer Mühe kann ...

Während ihrer Fahrt mit dem Zug in ein Wellness-Wochenende, ein Abschiedsgeschenk ihrer Scotland Yard Kollegen, wird Kate Linville Zeugin eines Mordanschlags auf eine junge Frau. Nur mit großer Mühe kann sie den Mord verhindern, wird aber durch einen Streifschuss ins Bein verletzt.

Währenddessen versucht Caleb Hale einen erweiterten Suizid zu verhindern.

Zwei Tage später stürzt eine junge Lehrerin mit ihrem Rennrad schwer, weil ein dünner Draht sie ausbremst. Als sie völlig hilflos auf dem Boden liegt, wird auf sie geschossen.

Gibt es einen Zusammenhang?



Ein spannender Krimi für trübe, kalte Wintertage.

Man sollte es wirklich tun. Dicke Socken anziehen, heißen Tee bereitstellen oder ein Glas Rotwein, den Kamin anmachen (habe ich leider nicht), dann wenigstens eine Kerze anzünden. Dann ist man bereit sich in diesen atmosphärischen, spannenden, britischen Krimi fallen zu lassen.

Frau Link entführt uns immer wieder in das alte, ländliche Großbritannien. In kleine Dörfer, wo jeder jeden kennt, aber auch dort werden Verbrechen begangen.

Es geschehen grauenhafte und rätselhafte Verbrechen, aber beschrieben, beobachtet und gezeichnet werden vordergründig die Reaktionen, Regungen und Gefühle der Beteiligten. Das lässt mich als Leser mitfühlen und lädt mich zum Nachdenken ein. Ich konnte mich beobachten, wie ich immer aufmerksamer auf Mimik und Erklärungen, teils auch auf Nebensächlichkeiten, achte.

Aus zwei Vorgängerbüchern um Kate Linville weiß man wie sie, mit viel kriminalistischen Gespür, großer Beobachtungsgabe und intaktem Bauchgefühl die kompliziertesten Fälle löst. Da will man natürlich ein bisschen mitdenken.

Kate durchläuft in jedem Buch eine Entwicklung, die sie immer stärker werden lässt. Sie ist immer noch die graue Maus mit vielen Selbstzweifeln, aber sie stellt sich ihren Schwächen und traut sich immer mehr zu.

Die letzte Szene im Buch lässt mich auf eine Fortsetzung und Weiterentwicklung hoffen.

Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 08.12.2020

Zu viele Themen, um spannend zu sein

Kreuzberg Blues
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Georg Denglers Partnerin Olga wird von ihrer in Kreuzberg wohnenden Freundin Silke um Hilfe gebeten. Das Haus, in dem Silke mit ihrer Tochter Lena lebt, soll entmietet werden. Die Mieter, die nicht ausziehen ...

Georg Denglers Partnerin Olga wird von ihrer in Kreuzberg wohnenden Freundin Silke um Hilfe gebeten. Das Haus, in dem Silke mit ihrer Tochter Lena lebt, soll entmietet werden. Die Mieter, die nicht ausziehen oder horrende Mieterhöhungen in Kauf nehmen wollen, werden schikaniert und bedroht. In Silkes Fall wurden aggressive Ratten ins Haus gesetzt, die ihre kleine Tochter angriffen und einen Teil ihres Fingers abgebissen haben.

Es handelt sich um Denglers 10. Fall, aber es ist der Erste, den ich lese und ich bin enttäuscht. Die hochgelobte Serie, die teilweise ja sogar verfilmt wurde, kam bei mir nicht an.

Ich empfand keine Spannung. Ich hatte das Gefühl im ersten Drittel von einer Filmsequenz in eine andere geschoben zu werden. Im Film mögen die schnellen Schnitte rasant die Handlung vorantreiben, aber beim Lesen habe ich mich öfters nicht mehr zurechtgefunden.

Ich hatte auch den Eindruck, dass Dengler unmotiviert agierte, sich mit Niemandem absprach und den Leser hinter sich her zockeln ließ und die Reaktionen auf seine Aktionen beobachten ließ.

Zu allem Überfluss agierte Dengler in zu vielen Problemzonen, da wären die Wohnungs-Immobilienhaie, feindliche Übernahmen internationaler Großkonzerne, Umsturzpläne und Machtkämpfe nationalsozialistischer Gruppierungen, Corona-Pandemie, Impfgegner, Virusleugner……… Das ist einfach zu viel für 416 Seiten!

Im „Finden und Erfinden“ zum Abschluss findet man interessante Hinweise zum Buch. Das hat mir einiges verständlicher gemacht, aber aus der Vielfalt der Informationen, die sicher berichtenswert sind, ist es nicht gelungen einen spannenden Krimi zu formen.

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Veröffentlicht am 07.12.2020

Blindes Vertrauen

Kalte Liebe
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Eigentlich ist Kommissarin Nina auf den Weg zum Flughafen um gemeinsam mit ihrem Bruder nach Mallorca zu fliegen, als sie zufällig mithört, dass ihre Kollegen einen brutalen Mord an einem 15-jährigen Mädchen ...

Eigentlich ist Kommissarin Nina auf den Weg zum Flughafen um gemeinsam mit ihrem Bruder nach Mallorca zu fliegen, als sie zufällig mithört, dass ihre Kollegen einen brutalen Mord an einem 15-jährigen Mädchen aufdecken müssen. Ein neuer Kollege, Roman Nolte, hat sich ihrer Gruppe zur Unterstützung angeschlossen. Kurz entschlossen schaltet sie sich in die Ermittlungen ein und verzichtet auf ihren Urlaub.

Nachdem die Leiche, deren Todesumstände brutal und undurchsichtig sind, als Charlotte Campmann identifiziert wurde, begibt sich die verzweifelte Mutter auf eigener Spurensuche.


Dies ist ein guter, spannender Krimi, der seine Leser fesselt. Es ist bereits mein dritter Krimi mit der Bielefelder Mordkommission. Bis auf einen neuen Ermittler begegnen mir die gleichen Kommissare. Es fühlt sich an, wie ein nach Hause kommen. Ich kenne die privaten Kümmernisse, ihre Werdegänge und ihre Beziehungen, auch untereinander. Das macht sie für mich menschlich.

Das Verbrechen, das sie aufklären müssen, ist grausam. Ihre launigen Gespräche und Geschichten aus ihrem Privatleben, machen es mir und ich denke auch vielen anderen Lesern möglich die Brutalität und Grausamkeit der Verbrechen zu ertragen.

Frau Rommel beschreibt Emotionen, Reaktionen der Beteiligten und der Ermittler detailgetreu, rasende Verfolgungsjagden werden so geschildert, dass dem Leser der Schweiß von der Stirn tropft.
Tatorte und grausame Verbrechen werden nicht so genau beschrieben. Man sieht das Blut nicht spritzen oder tropfen. Spannung und Dramatik gehen dadurch aber nicht verloren.

Das macht mir ihre Bielefeld-Krimi Reihe so sympathisch und lesenswert.

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Veröffentlicht am 07.12.2020

Heftige Gefühle

Die Erben von Amergin Manor
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Jolanda McShea liegt schwanger, deprimiert und tief erschöpft im Bett. Völlig abgeschirmt lässt sie sich von Luke Jason Tyler, den vermeintlichen Vater ihres Kindes, umsorgen und den Hotelbetrieb leiten. ...

Jolanda McShea liegt schwanger, deprimiert und tief erschöpft im Bett. Völlig abgeschirmt lässt sie sich von Luke Jason Tyler, den vermeintlichen Vater ihres Kindes, umsorgen und den Hotelbetrieb leiten. Nach dem Unglück mit Farell und Éanna war sie selbst nicht mehr dazu in der Lage.
Erst als Tom ein wichtiges Einschreiben bis zu ihr ans Bett schmuggeln kann, wird sie wachgerüttelt und erkennt die prekäre Situation, in der sie sich befindet.


Ja, heftige Gefühle werden rund um Amergin Manor, dem Hotel und dem Gutshof offenbart.

Für mich echt nicht immer nachvollziehbar, aber …….

Letztendlich ist es gut geschrieben, wenn mich teilweise auch die Hysterie und vollkommen unsinnigen Entscheidungen der Protagonistin Jolanda genervt haben, entwickelte sich dieser Roman ob der Dramatik doch zum Pageturner.

Gefehlt haben mir in diesem Band Irland, die Landschaft und die typischen Iren. Stattdessen ohne Verschnaufpause Trauer, Entsetzen, Hoffnung, Verrat ……… und es nimmt kein Ende.

Mit der Auflösung bin ich nicht zufrieden gewesen, weil einfach wichtige Fragen zum Ende hin immer noch offenblieben. Mir vermittelte sich der Eindruck, dass ein dritter Teil der Geschichte um Amergin Manor geschrieben werden sollte und dass das von den nicht zufriedenen Lesern eingefordert werden sollte.

Wenn mein Urteil auch ein wenig hart ist, ich bin halt kein Freund von Dramaqueens, Hysterie und Liebesdramen, so wird der Roman doch sicher seine Fans finden.

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