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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2021

Spannend

Die Leuchtturmwärter
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Das Buch von Emma Stonex spielt auf zwei Zeitschienen, zu einen wird die Zeit um das Verschwinden der drei Leuchtturmwärter 1972 erzählt und zum zweiten zwanzig Jahre später, 1992, recherchiert ein Autor ...

Das Buch von Emma Stonex spielt auf zwei Zeitschienen, zu einen wird die Zeit um das Verschwinden der drei Leuchtturmwärter 1972 erzählt und zum zweiten zwanzig Jahre später, 1992, recherchiert ein Autor bei den Hinterbliebenen Frauen/ Familien nach den eventuellen Hintergründen für das Verschwinden der drei Männer. Heraus kommt dabei ein feines Geflecht aus 'Nichtgesagtem', Lügen und geplatzten Träumen. Eindringlich beschrieben wird das Leben der drei Wärter auf dem Turm bis zu ihrem Verschwinden. Dabei hatte ich manches Mal eine Gänsehaut, denn es hat teilweise etwas Alptraumhaftes, wie die Autorin die Situation beschreibt. Trotzdem war es ungeheuer fesselnd zu lesen und die Erklärung für das Verschwinden war für mich nachvollziehbar.
Ich empfehle es weiter für Leser, die mit dem Alptraumhaften und Düsteren umgehen können, denn dann macht das Buch richtig Spaß.

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Veröffentlicht am 22.10.2021

Tolle Geschichte um Valérie

Die Maskenbildnerin von Paris
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Der neue historische Roman von Tabea Koenig spielt im Paris zwischen 1912 bis 1920. Er ist in vier Teile gegliedert, die zeitlich aufeinander aufbauen und handelt von Valérie, einer starken Frau. Er ist ...

Der neue historische Roman von Tabea Koenig spielt im Paris zwischen 1912 bis 1920. Er ist in vier Teile gegliedert, die zeitlich aufeinander aufbauen und handelt von Valérie, einer starken Frau. Er ist in der mir schon bekannten flüssigen und eindringlichen Sprache der Autorin geschrieben. Wie schon in der Romantrilogie, welche im viktorianischen Schottland spielt, vermag es die Autorin die Protagonistin ihrer Zeit angepasst zu zeichnen und auf ihre eigene Weise sind sie immer beeindruckend stark, selbst wenn sie verletzlich sind.
Die Zeit des Ersten Weltkrieges mit all seinen Schrecknissen ist in dem Roman immer präsent, doch zeigen sich hier auch die schönen zwischenmenschlichen Beziehungen, wie Blumen als erste Frühlingsboten in einer dunklen Zeit.
Berührend fand ich die Briefe, die stimmig in die Handlung eingefügt wurden, denn es zeigt für mich einmal mehr die Gefühle der beteiligten Personen, besser als es eine Beschreibung der Situation könnte.
Ich habe mit Valérie gelitten, gelacht, geliebt und war verzweifelt. Das macht für mich großes 'Kopfkino' aus. Worte, die Bilder erzeugen, so real und anrührend, als wäre man selbst betroffen.
Auch ist der historische Hintergrund der vielen Kriegsversehrten sehr real geschildert, dass es mich manchmal schüttelte. Aber ich will nicht zu viel verraten, denn selber lesen ist immer noch die beste Sache der Welt und dies Buch kann ich nur empfehlen. Eine Frage, die sich mir zum Schluß stellt: wird es einen zweiten Teil geben? Es wäre angebracht und toll Valérie weiter begleiten zu können.

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Veröffentlicht am 16.10.2021

Wirklich beeindruckend

Das Mündel des Apothekers
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Was als historischer Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von Stefan Thomma und dem Gmeiner Verlag avisiert wurde, ist viel mehr als das. Die Aufmachung des Buches ist, wie man es von diesem ...

Was als historischer Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von Stefan Thomma und dem Gmeiner Verlag avisiert wurde, ist viel mehr als das. Die Aufmachung des Buches ist, wie man es von diesem Verlag her kennt entsprechend schön, mit einer historischen Karte auf den Umschlagseiten und einem entsprechenden Lesezeichen dazu. Das Cover passt perfekt dazu und auch der Klappentext - zum Teil - denn: es eben viel, viel mehr als der Leser so vermuten würde.

Die Geschichte beginnt in Augsburg anno 1620 und sie hat ein, für alle Interessierten tolles Vorwort und auch ein Dramatis Personae - was ich hier nicht wirklich brauchte, aber toll finde, denn alles greift geschmeidig ineinander über.

Die Geschichte von Katharina, Simon und Michael ist ein gut recherchierter historischer Roman, eine Liebesgeschichte, ein historischer Krimi und eine Darstellung der Verhältnisse zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit all ihren Schrecken, der Verrohung der Gesellschaft und der damaligen Ungleichheit der Stände und gesellschaftlichen Gruppen.

Das Buch beschönigt nichts, übertreibt aber auch nicht und so konnte ich mich als Leserin auf alles einlassen, auch wenn ich froh bin, damals nicht gelebt zu haben. Die Charaktere sind vielschichtig und mit Höhen und Tiefen beschrieben, die medizinischen Möglichkeiten zu der Zeit gut dargestellt - Salben, Medikamente, Betäubungsmöglichkeiten von Patienten und der Ausbruch der Pest in Italien sehr gut recherchiert. Und dann auch noch der Bergbau zu dieser Zeit! Hut ab für die Zusammenfügung aller Details, die so lebendig sind, dass es mein Highlight des Jahres ist.

Natürlich ist die Geschichte um Katharina auch sehr schön gestaltet, doch eine so vielfältige Epoche und die politischen Verflechtungen lebendig zu machen ist sehr lesenswert. - Und ganz nebenbei werden auch noch Morde aufgeklärt.

Davon möchte ich wirklich mehr lesen!

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Veröffentlicht am 09.10.2021

Interessanter Geschichtsabriss

Die Enkelin
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Einen interessanten Geschichtsabriß, den Bernhard Schlink hier ausbreitet, bei dem allerdings der Titel des Buches - 'Die Enkelin' - irreführend ist. So geht es in der Geschichte keineswegs in erster Linie ...

Einen interessanten Geschichtsabriß, den Bernhard Schlink hier ausbreitet, bei dem allerdings der Titel des Buches - 'Die Enkelin' - irreführend ist. So geht es in der Geschichte keineswegs in erster Linie um eine Enkelin. Der eigentliche Protagonist Kaspar wird durch den plötzlichen Tod seiner Frau und eines von ihr verfassten Manuskriptes animiert, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Diese Schatten reichen über die DDR bis in die heutige Zeit und bis in die völkische Bewegung.
Erzählt wird in drei Abschnitten, die ihre eigenen Fragen aufwerfen, was die Handlungen und möglichen Handlungen der Personen aufwerfen. Wie weit kennt man jemand, mit dem man lebte wirklich? Wie weit mische ich mich in das Leben der anderen ein? Was macht Geschichte mit uns? Zerstören alte Handlungen auch noch in der Gegenwart das Leben von Personen?
Nein, für mich regt das Buch zum Nachdenken nicht nur über die Enkelin an. Sondern vor allem auch über Kaspar. Warum handelt er, wie er handelt? Was geht ihn das alles an? Hinter Kaspars wirkliche Motivation bin ich nicht befriedigend gekommen. Auch hat das Buch ein offenes Ende und einige lose Fäden werden nicht verknüpft.
Ja, es ist ein interessantes Buch, von dem ich mir auf Grund der Leseprobe aber etwas mehr versprochen hatte. Doch nichts desto trotz ist es lesenswert.

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Sehr interessant

Wie schön wir waren
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Bücher wie: 'Die verschwindende Hälfte' oder 'Mädchen, Frau, etc.' scheinen ja gerade Hochkonjunktur zu haben und so befürchtete ich fast 'Wie schön wir waren' würde sich in die gleiche plakative Kategorie ...

Bücher wie: 'Die verschwindende Hälfte' oder 'Mädchen, Frau, etc.' scheinen ja gerade Hochkonjunktur zu haben und so befürchtete ich fast 'Wie schön wir waren' würde sich in die gleiche plakative Kategorie einordnen. Zitat: "Die Bewohner von Kosawa leben in Angst, denn ein amerikanischer Ölkonzern droht das kleine afrikanische Dorf auszulöschen. Öllecks haben das Ackerland unfruchtbar gemacht; Kinder sterben, weil das Trinkwasser vergiftet ist."
Auch wenn es um ein ähnliches Sujet geht, schafft es Imbolo Mbue mit der ihr eigenen Sprache, Kosawa, ein Dorf in Afrika, lebendig werden zu lassen. Erfrischender Weise geschieht es völlig unaufgeregt und nicht ständig Unterschiede betonend, sondern durch detailreiche Beschreibung der Gegebenheiten, der Menschen, ihrer Handlungen und der Landschaft dort. So entwickelt sich, auch durch Rückblicke in Vergangenes, ein rundes Bild und der Leser wird in die Umstände der Handlungen der Menschen auf beiden Seiten hinein gezogen.
Für mich war der Roman eine Achterbahnfahrt der Gefühle, denn ich konnte mich sehr gut in die Protagonisten hinein versetzen und auch ihre Handlungen nachvollziehen, auf beiden Seiten - das war manchmal schwer auszuhalten.
Doch es ist ein wichtiges Buch, eindringlich geschrieben und mit einem Thema, mit dem sich Jeder auseinandersetzen sollte. Deshalb empfehle ich es gerne weiter.

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