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Veröffentlicht am 12.09.2019

Fantastische Reihe, jedem zu empfehlen

Die Gaben der Quelle Teil 5
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„Sie [die Quelle] hatte sich für Salis entschieden, den treuesten und ehrlichsten Menschen, den Jean kannte. Er hatte miterlebt, wie aus einem unsicheren Assistenten des Kanzlers ein souveräner Oberbefehlshaber ...

„Sie [die Quelle] hatte sich für Salis entschieden, den treuesten und ehrlichsten Menschen, den Jean kannte. Er hatte miterlebt, wie aus einem unsicheren Assistenten des Kanzlers ein souveräner Oberbefehlshaber der Armee wurde. Jetzt musste Salis nur noch begreifen, dass er als König den strengen Regeln des Protokolls unterlag. Ab dem heutigen Tag war er unberührbar.“ (S.15)

Salis wurde von der Quelle zum König gewählt. Aila und Jean haben damit gerechnet, doch für Altkönig Darius war es ein Schock. Er ist unschlüssig, was er mit seiner neuen Freiheit anfangen soll und findet sich in einer Kneipe in einer heruntergekommenen Gegend wieder. Dort lernt er ein bemerkenswertes Mädchen kennen, die um ihr Überleben in Kandarall kämpft.
Für Salis ist die ganze Situation ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Doch dankt der Hilfe seiner Freunde und Familie findet er sich schnell in der Rolle des Königs zurecht.

„Sie nennen Euch den Gerechten, […]. Und Salis, der Retter habe ich jetzt auch schon ein paarmal gehört.“ (S.45)

Die Kretarianer wagen einen ersten Vorstoß und greifen mit einem Virus an. Dieser Virus vermehrt sich rasend schnell im Trinkwasser und zerstört die DNA der Menschen. Salis ruft die besten Wissenschaftler zusammen, die sich nur um die Erforschung eines Gegenmittels kümmern.

„Die Bunsa wurde aufgelöst. Es gibt keinen Maulkorb mehr für die Wissenschaft. Ich muss mir keine dummen Erklärungen ausdenken, um die Behörde zufieden zu stellen, und mich weiterhin in ihrem beschränkten Weltbild aufhlaten. […] Die haben uns unterdrückt und jede vernünftige wissenschaftliche Arbeit im Keim erstickt, nur um ihr künstliches Weltbild aufrechtzuerhalten.“ (S.52)

Jean und Aileiya sind seit der Krönung von Salis wieder ein Paar, doch ihre Streitereien gehen weiter. Aila redet Jean ins Gewissen, Aileiya die ganze Wahrheit zu erzählen. Sie hofft, dass die beiden dadurch endlich wieder zueinander finden. Doch Jean kann schwer über seinen eigenen Schatten springen und der Frau, die er liebt, seine wahre Identität preis geben.

Mit jedem Tag kommen die Kretarianer näher und mit jedem Tag verbreitet sich das Virus mehr. Salis bemüht sich, alle Soldaten aus den Hallen der Lebenden zu wecken, sucht aber auch im gesamten Quadranten nach Verbündeten. Wie es weiter geht und ob die Quelle alles in ihrer Macht stehende getan hat, um diesen Krieg zu gewinnen, wird der letzte Teil der Gaben der Quelle zeigen.

Kaum hat sich Salis an seine Rolle als Dragor gewöhnt, steht er dem nächsten Problem gegenüber. Zum Glück kennt er das Protokoll schon seit Band 2 der Gaben der Quelle in- und auswendig, sodass er genau weiß, wann er es außer Kraft setzen kann und wann nicht. Als König kann er sich nicht mehr nur um die Soldaten kümmern, sondern muss sich auch mit der Politik und seinem Onkel, dem Kanzler, auseinander setzten. Doch durch seine langjährigen Erfahrungen aus dem Kanzleramt und mit der Unterstützung von Jean, Aila und Aileiya, meistert er auch diese Hürde und findet Verbündete im ganzen Quadranten.
Auffallend an diesem Buch ist, wie umgänglich Altkönig Darius geworden ist. Ist er in Band 4 noch „der Grausame“, bemüht er sich in diesem Teil hilfreich zu sein und Salis zu unterstützen. Er wirkt fast schon menschlich.
Jetzt fehlen nur noch die Kretarianer, denn die Drei Planeten sind gerüstet für alles, was kommt. Hoffentlich.

Veröffentlicht am 10.09.2019

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Die Gaben der Quelle Teil 4
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„Schickte die Quelle eine Murta, dann stand auch ein gigantischer Kampf bevor – ein Krieg, der viele von ihnen in den Tod reißen würde. Eine Murta war Hoffnung und Warnung zugleich – eine Mahnung, dass ...

„Schickte die Quelle eine Murta, dann stand auch ein gigantischer Kampf bevor – ein Krieg, der viele von ihnen in den Tod reißen würde. Eine Murta war Hoffnung und Warnung zugleich – eine Mahnung, dass alles auf dem Spiel stand, für das sie je gekämpft hatten.“ (S. 263)

Die Quelle ist geöffnet und die Machtspielchen zwischen Kanzler Brackal und der Königin erreichen ihren Höhepunkt. Der geheimnisvolle Turmwächter, der über die Königin und den Kanzler einen Gedankenbann gelegt hat, möchte unter allen Umständen verhindern, dass die Hallen der Lebenden, in denen urzeitliche Soldaten auf ihre Erweckung warten, geöffnet werden. So setzt Kanzler Brackal die Königin unter Hausarrest, doch sie weiß sich zu wehren.

„Sie macht nicht, was ich befürchte?“ fragte Salis den Höchsten der Erhabenen über eine planetenweite Entfernung. […]
„Doch, genau das hat sie vor“, antwortete Jean ohne Verzögerung.
„Hier und jetzt?“ […]
„Ich fürchte ja“, antwortete Jean. „Wenn ich nicht schon über beide Ohren in sie verknallt wäre, spätestens jetzt wäre es um mich geschehen! Was für ein Auftritt!“
„Ich bin nicht darauf vorbereitet.“
„Ich habe dich seit Jahren darauf vorbereitet!“ (S. 179)

Königin Aileiya stürmt das Hauptquartier in Kandarall und erklärt den Kriegszustand auf den Drei Planeten. Somit übergibt sie dem Dragor die Befehlsgewalt und nimmt Kanzler Brackal das letzte Fünkchen Macht, das er noch meinte besessen zu haben.

„Der von der Quelle erwählte Dragor ist kein unbedarfter Laie, sondern ein Mitglied Ihres Stabes hier in Kandarall.“ (S.181)

Für Salis beginnt eine schwere Zeit als Dragor. Zum einen muss er dem Hauptquartier deutlich machen, dass die Gefahr aus dem All real ist, andererseits möchte er die Hallen der Lebenden so schnell es möglich ist öffnen, damit die Drei Planeten für den Krieg gerüstet sind. Er wird dabei von seinen Freunden aus dem Kanzleramt und seiner Familie unterstützt, sodass die Halle unter dem Hochschloss schnell geöffnet werden kann. Leider liegt in dieser Halle auch der letzte von der Quelle erwählte König, Darius der Grausame. Da dieser auf sein Königsrecht besteht, werden Neuwahlen angesetzt und alle befürchten, dass die Quelle Darius wieder zum König wählen wird. Vor allem Jean hegt einen Groll gegen Darius und hofft sehr, dass die Quelle jemand anderen wählt.

Die erweckten Soldaten kennen Jean: da er fast 5000 Jahre alt ist, hat er mit ihnen an der Seite in einigen Kriegen gekämpft. So bleibt sein Familienname kein Geheimnis mehr.

„Der Usdahle war der härteste und brutalste Kämpfer, den ich je erlebt habe. […] Dieser Mann bewies in vielen Kriegen mehr Mut als Verstand.“ (S.244)

Prinzessin Aila, Königin Aileiyas kleine Schwester und Salis Partnerin, ist eine starke Murta. Sie entwickelt immer mehr Fähigkeiten, die den Erhabenen Aghi und Jean in Staunen und Angst versetzen. Auch Salis machen sie Angst, denn die Murtas der Vergangenheit haben selten ihren Verstand behalten und er liebt seine Kleine so sehr, dass er den Gedanken, sie zu verlieren, nicht ertragen kann.

Der Krieg rückt immer näher. Mit der Öffnung der Hallen der Lebenden wird die Gefahr aus dem All auch für die Bevölkerung der Drei Planeten greifbar. Es wird für den Krieg gerüstet. Die Bedeutung der Königswahl rückt in den Hintergrund, ist aber unausweichlich. Wen wird die Quelle wählen?

In diesem Teil der Reihe ist Salis zum ersten Mal der Dragor. Er muss sich nicht nur im Hauptquartier als würdiger Führer des Militärs beweisen, sondern auch vor den Soldaten aus den Hallen der Lebenden bestehen. Dabei ist faszinierend, wie leicht ihm alles fällt. Wenn man sich an den Assistenen des Kanzlers aus Band 1 erinnert, erkennt man Salis kaum wieder. Es ist schön seine Entwicklung mitzuerleben und zu sehen, dass er trotzdem noch der Salis mit all seinen Zweifeln vom Anfang ist. Er ist ein bewundernswerter Charakter, weil er immer sein bestes gibt und an sich selbst die höchsten Ansprüche hat. Neben Salis rückt Jean gewaltig in den Schatten, was als Turmwächter unmöglich scheint.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Fesselnd

Die Gaben der Quelle Teil 3
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Mit sieben Jahren kam Nele in eine Pflegefamilie: sie konnte nicht sprechen und fantasierte von einer fremen Welt. Obwohl sie oft in eine stationäre Psychiatrie eingewiesen wurde, übersprang sie viele ...

Mit sieben Jahren kam Nele in eine Pflegefamilie: sie konnte nicht sprechen und fantasierte von einer fremen Welt. Obwohl sie oft in eine stationäre Psychiatrie eingewiesen wurde, übersprang sie viele Klassen und war stets die Klassenbeste. Einzig körperliche Nähe war ihr unangenehm, weswegen sie nie eine richtige Beziehung zu ihren Pflegeeltern aufbaute.
Als plötzlich ein Hüne vor ihrer Tür auftaucht und sie in einer fremden Sprache anspricht, wird Nele klar „Alles war wahr!“ (S.13)

Salis ist drei Monate zur Erde gereist um Aila, seine Partnerin, zurück zu holen. Er ist seit 10 Jahren beim Militär und steht kurz davor zum Andrada befördert zu werden. Auf der Rückreise mit Aila kehren immer mehr ihrer Fähigkeiten zurück, je näher sie den Drei Planeten kommen. Salis kann nicht anders und vergleicht Aila ständig mit Aileiya, nicht ahnend, dass Aila seine Gedanken ohne Probleme lesen kann. Es kommt zu einigen Reibereien, obwohl sie doch Partner sein sollten.

Aileiya hat die Totgeburt ihres Kindes und die Trennung von Jean bis heute nicht verarbeitet. Sie hat das Gefühl, dass mit Jean die Freude aus dem Hochschloss verschwunden ist, auch wenn sie ihn hasst für das, was er ihr angetan hat. Doch sie ist in ihrer Rolle als Königin gewachsen. Sie spielt nicht mehr die Königin, sie ist es. Sie erlässt einen Edikt, der es den Turmwächtern erlaubt Darsa wieder zu betreten. Sie möchte die Quelle auf allen Drei Planeten öffnen und niemand, weder die Bunsa noch Kanzler Brackal, Salis Onkel, können sie davon abhalten.

Jean gilt offiziell noch als Favorit der Königin, obwohl schon vor 10 Jahren die Energie, die die Quelle ihm schickt, grün geworden ist. Aileiya duldet ihn im Hochschloss, da vermehrt Anschläge auf sie verübt werden und sie einen Turmwächter als Beschützer als nützlich empfindet. Doch privat zeigt sie ihm die kalte Schulter.

Es passiert so viel, dass es immer schwerer wird, nicht zu spoilern. Dieser Teil führt zur Quellenöffnung hin und den damit verbundenen Schwierigkeiten von Seiten der Bunsa und des Kanzlers. Der Geheimnisvolle Turmwächter, der Aila damals eingesperrt und die Gedanken von Aileiya und Brackal überwacht, ist immer noch verborgen. Salis hat sich vom Kanzlerassistenten zum Andrada entwickelt, er strahlt Selbstbewusstsein aus und ist trotzdem noch er selbst. Alle Protagonisten entwickeln sich in den Büchern immer weiter, doch an Salis sind die Veränderungen am deutlichsten zu merken.

Der dritte Teil der Gaben der Quelle dient hauptsächlich, um den neuen Salis kennen zu lernen. Jean, Aileiya und Aila rücken etwas in den Hintergrund, auch wenn sie ein Teil von seinem Leben sind. Die Konflikte zwischen Aila und Salis, Aileiya und Jean lockern die Geschichte etwas auf. Doch eines wird nicht nur den Bewohnern der Drei Planeten, sondern auch den Lesern bewusst: Die Drei Planeten befinden sich im Umbruch und die alten Geschichten sind alle wahr. Die Reihe Die Gaben der Quelle zieht mich in ihren Bann und lässt mich nicht mehr los. Ich habe schon sehr lange keine solch gelungene Geschichte gelesen.

Veröffentlicht am 20.07.2019

Zum mehrmals lesen

Wir und Es
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Wir und Es von Larissa Schwarz zieht den Blick durch das farbenfrohe Cover auf sich. Die Farbgestaltung und der Titel lassen auf ein Genderbuch schließen. Dabei enthält dieses Buch Geschichten über die ...

Wir und Es von Larissa Schwarz zieht den Blick durch das farbenfrohe Cover auf sich. Die Farbgestaltung und der Titel lassen auf ein Genderbuch schließen. Dabei enthält dieses Buch Geschichten über die Kindheit, das Erwachsen werden, Außenseiter sein, die eigene Identität, Mobbing und Reue. Es geht um die Leben von Ketchupkopf, Mister Softie, Robin, Der Geiger und Die Anwaltstochter. Dass Robin der einzige Charakter mit einem richtigen Namen ist, verdeutlicht, welche Rolle Robin spielt.

„Sie nennen ihn Es, wie den Clown aus Stephen Kings gleichnamigen Roman.

Wie wir damals Robin.

Was soll man dazu sagen? Geschichte wiederholt sich. Auch im Kleinen.“ (S.71)

Robin ist „das burschikose Mädchen aus der letzten Reihe“ (S.7), die „Freundin, die keine sein wollte. Eher ein Freund. Oder etwas, für das es keinen Namen gab.“ (S. 8) Durch Sonderbehandlungen gerät Robin ungewollt in den Mittelpunkt, denn die Mitschüler verstehen nicht, warum Robin eine eigene Umkleide braucht oder den Schlüssel für die Lehrertoilette hat. In den Neunzigern ist eine derartige Identitätskrise noch unbekannt, unerkannt und stößt auf Unverständnis und Abneigung.
Trotz der Unsicherheit über die eigenen Identität und das eigene Sein, kommt Robin nicht umhin in Schubladen zu denken. „In diesem Augenblick denke ich zwar nicht darüber nach, aber ich weiß jetzt, dass ich keine Lesbe bin.[…] Wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mich in eine Schublade zu stecken gedenke, in die ich nicht gehöre“ (S.40) Für Robin scheint es nur eine Lösung zu geben: „Wenn ich mich endlich entscheiden würde, richtig entscheiden, dann hätte ich es so viel einfacher. Dann würden sich alle meine Probleme lösen. Weil ich ja dann eine Frau wäre. Oder eben ein Mann. Und dann eben auch jemanden lieben könnte.“ (S.65)

„Für mich war Robin immer mein bester Kumpel. Mit Periode, Brüsten, maskuliner Attitüde und Jungs-Styling. So weit, so normal.“ (S.24)

Eine gute Freundin von Robin während der Schulzeit ist Ketchupkopf. Sie wurde als Kind schon beim Spielen ausgeschlossen, weil sie immer früh zu Hause sein musste und lieber ihre Nase in Bücher gesteckt hat. Weil Kinder gemein sind, lässt Ketchupkopf sich von deren Meinung beeinflussen: „Ich fand mich fortan nicht mehr nur hässlich, sondern auch dumm.“ (S.6)
Sie wird sogar von den Lehrern als Außenseiter behandelt, weil sie nur mit den Außenseitern (Robin und Der Geiger) befreundet ist. So fördert sie das Bild, was andere von ihr haben. Fortan ist sie die „eigenbrötlerische Buchnärrin mit der Vogelnest-Frise und der großen Klappe.“ (S.25)
Während Robin mit der eigenen Identität hadert, kämpft Ketchupkopf mit ihrer Außendarstellung: „Ihr süßes Köpfchen hat nämlich mehr zu bieten als das rote Fell und diese fiese, spitze Zunge.“ (S.34)

Mister Softies Vater starb, als er gerade 12 und in England in einem Vergüngungspark war. Ihm wurde erst von dem Tod berichtet, als er wieder zurück nach Hause kam. „Was blieb, war[…] Verdrängung“ (S.10), sowohl von seiner Mutter, als auch von ihm. Er lernt schnell, Rücksicht zu nehmen. „Na gut, Mama, dann halt nicht. Ich war es ja gewohnt, Rücksicht zu nehmen.“ (S.11) Nachdem er von der Schule flog und den Wehrdienst verweigerte, landet er bei der Freiwilligen Feuerwehr, wo er auf Ketchupkopf traf. „Ich würde in Teufels Küche kommen, wenn ich mich ihr nähere. Und in den Knast. Ans Ende der Nahrungskette.“ (S.29)

Die Anwaltstochter gehört auf den ersten Blick zu den begünstigten Kindern in dieser Geschichte. Der Vater ist Anwalt, die Mutter Lehrerin und Malerin. Sie hat zwei jüngere Brüder, ist aber „ihr liebstes Kind. […] Schließlich war ich der Grund, warum sie geheiratet haben und es meine beiden Brüder überhaupt gibt.“ (S.18) Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wird auch hier deutlich. Es gibt Anspielungen, die man erst beim erneuten Lesen begreift. „Der Kleine hat nie seine Strafe erhalten. Wenn Papa mit uns fertig war, durfte er mit ihm ins Arbeitszimmer. Sie hörten laut Musik und Papa trug ihn schlafend ins Bett.“ (S.19-20)

Der Geiger ist sonderbar, ein Außenseiter mit einem Nischen-Talent. Er ist der Sohn einer alleinerziehenden Ordnungsbeamtin, hat den Ruf als Streber und Lehrerliebling und ist schon immer in die Anwaltstochter verliebt. Er steht sehr unter der Fuchtel seiner Mutter: „Meine Mutter hatte sie [Jacke, Anm. der Bloggerin] mir rausgelegt und mir bestätigt, dass sie mich bestens kleide. Wie mir auch der Pottschnitt ganz wundervoll stand. Und das Geigenspiel.“ (S.15) Als Erwachsener ist er Musiklehrer und erlebt aus einer anderen Perspektive, wie es Kindern mit einer Identitätskrise ergeht. Das lässt ihn viel über seine Vergangenheit nachdenken. „Wir hatten in die Privat-, nein fast schon in Robins Intimsphäre eingegriffen, als wir nach Hygieneartikeln gesucht hatten.“ (S.57)

Jede Person erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive in der eigenen Umgangssprache. Vor allem bei Ketchupkopf sticht diese sehr hervor. Robin ist dabei eine Nebenperson, deren Werdegang durch die Augen der anderen beschrieben wird. Wie alle Protagonisten miteinander verbunden sind, wird erst am Ende deutlich.
Wir und Es ist nicht, wie es den Anschein macht, ein Genderbuch. Es ist ein Buch über Mobbing und das Erwachsen werden aus unterschiedlichen Perspektiven, unter anderem auch aus der Perspektive des Mobbingopfers und der Täter.

„In diesem Moment beschließe ich, mich mehr an dem zu erfreuen, was wir haben, und achtsamer mit dem Glück umzugehen, das uns beschieden ist. Ich nehme mir vor, mich nicht schuldig zu fühlen, sondern dankbar dafür zu sein, dass ich weiß, wer ich bin, und mich damit identifizieren kann.“ (S.79)

Veröffentlicht am 13.07.2019

Guter zweiter Teil

Magus
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„Kol verdarb alles und jeden. Die Adligen waren die Quintessenz des Bösen, das die Metropole am Laufen hielt.“ (S. 25)

In zweiten Teil der Bestien Chroniken geht es vor allem um den Ursprung der Magie ...

„Kol verdarb alles und jeden. Die Adligen waren die Quintessenz des Bösen, das die Metropole am Laufen hielt.“ (S. 25)

In zweiten Teil der Bestien Chroniken geht es vor allem um den Ursprung der Magie in der Welt. Dieser wird zwischen den Kapiteln durch Auszüge aus verschiedenen Schriften näher beleuchtet. Sie beschreiben den Weg von den ersten Experimenten, Magie in die Welt zu bringen, bis hin zur Etablierung der sieben mächtigsten Familien in Kol, die die letzte Stadt der Menschen beschützen sollen.

Da Kol die letzte Stadt der Menschen ist, zentriert sich die Aufmerksamkeit der Geschichte auf genau diese. Balger durchquert allein die weiten Lande, nicht wissend, was aus Tarl, Ceres und Magnus geworden ist. Sie finden sich in der Arena als Gladiatoren wieder. Da die Kaiserwahl unmittelbar bevor steht, nutzt Gaius Acilius, Lucas Vater, die Spiele für seine Zwecke. Um als Kaiser gewählt zu werden, ist ihm jedes Mittel recht.

„Bei diesen Sonderspielen galt die spezielle Regel, dass alle Kämpfe an einem Tag stattfanden und nicht wie üblich an dreien. Das Volk sollte danach schließlich so schnell wie möglich zu den Wahlurnen schreiten. Wählen durften zwar nur diejenigen, die es sich leisten konnten, aber es war dennoch eine schöne Tradition, den Schein von Demokratie und Mitbestimmung aufrechzuerhalten, und glücklicherweise dachte fast niemand darüber nach, weil die Wahlspiele so besonders schön blutig und aufregend waren.“ (S.254)

Während sich die Gladiatoren auf die Spiele und die sieben Familien auf die Kaiserwahl vorbereiten, herrschen Unruhen in einigen Stadtteilen Kols. Niemand weiß, woher die Unruhen so plötzlich kommen. Die Stadtwache ist machtlos. „Ich habe von einer der Wachen gehört, dass Tiburtina und Aurelia, die Viertel der Aufstände, von Mauern umschlossen wurden. Niemand darf heraus oder hinein.“ (S.182)
Tarl, gefangen in der Arena, weiß jedoch durch sein Talent des Fühlens ganz genau, warum die Menschen verrückt spielen: der Weiße Schatten treibt sein Unwesen in Kol. Ein Ammenmärchen, um den Kindern Angst zu machen, weswegen niemand Tarl Glaube schenkt. Einzig sein alter Lehrmeister Mammercus hat eine Ahnung und versucht alles, um Kol vor dieser Bestie zu beschützen.
Nicht nur Tarl lernt seine Gabe besser kennen, auch Ceres, die stotternde Magi lernt ihre Fähigkeiten besser zu nutzen, kann sie jedoch nicht ausreichend vertiefen, da in den Katakomben der Arena zaubern verboten ist.
Nur bei dem Zwerg Magnus scheint sich nichts geändert zu haben: er ist wieder der Narr der Arena und wird in die Intrigen der Familie Acilius hineingezogen. Ohne seine Freunde Tarl, Ceres und Balger, scheint er allen Lebensmut verloren zu haben.
Neben den zahlreichen Geschehnissen in Kol, rücken Balgers Abenteuer in den Hintergrund. Das Cover des dritten Bandes lässt jedoch vermuten, dass er dort eine größere Rolle spielen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die homoerotischen Beschreibungen seiner Muskeln in den Hintergrund treten oder sogar ganz verschwinden.

Im ersten Teil hat Tarl eine Bindung zu einem Acidum aufgebaut und es Pila genannt. Pila spielt in diesem Teil eine wichtige Rolle: es verstärkt Tarls Fühlfähigkeit und unterstützt ihn außerhalb der Arena. Es hat sogar gelernt sich mit Tarl zu unterhalten. „Die Bestie rollte wieder vor und zurück, so als würde sie dadurch ein Kopfnicken imitieren.“ (S.197) Die Kapitel aus Pilas Sicht sind gelungen, da sein Denken einfach und zielorientiert ist. Seine Bindung zu Tarl kommt dabei sehr deutlich hervor und seine außergewöhnliche Liebe für Katzen macht es niedlicher, als es in Bestias bereits war.

Die Entwicklung von Ceres, Tarl, Balger und Magnus ist gut zu verfolgen und nachvollziehbar. Die Kapitel einiger Antagonisten bringen etwas Licht ins dunkle Treiben von Kol. Die Auszüge aus den Alten Schriften geben Hintergrundinformationen, die die Reichen der Stadt dem Volk enthalten. So schafft der Autor ein stimmiges Gesamtbild, welches nur von den Bestien gestört wird. Sie stellen eine greifbare Bedrohung dar, die niemand wahrzunehmen scheint. Obwohl alles an das alte Rom erinnert, gibt es einige Parallelen zu der heutigen Gesellschaft. Die wichtigste Frage in diesem Buch bleibt jedoch bestehen: Wer sind die wirklichen Bestien?

„Deswegen sehen wir die Bestien nicht als Feinde oder Monster. Sie sind genauso Opfer wie wir und wurden mit Gewalt aus ihrer Welt in unsere verfrachtet. An einen Ort, den sie nicht kennen und der sich vermutlich stark von ihrem wirklichen Zuhause unterscheide. Sie taten das, was jede Lebensform in dieser Situation tun würde: überleben.“ (S.242)