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Veröffentlicht am 11.10.2023

»Sterben Menschen?« »Einige.«

Don Sullivan
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„»Das ist eine lange Geschichte.«
»Ist sie spannend?«
»Ziemlich.«
»Sterben Menschen?«
»Einige.«
»Geht sie gut aus?«
»Ich denke schon.«“ (S. 446)

Was habe ich hier gerade gelesen? Bis ungefähr 100 Seiten ...

„»Das ist eine lange Geschichte.«
»Ist sie spannend?«
»Ziemlich.«
»Sterben Menschen?«
»Einige.«
»Geht sie gut aus?«
»Ich denke schon.«“ (S. 446)

Was habe ich hier gerade gelesen? Bis ungefähr 100 Seiten vor Schluß habe ich mir diese Frage mehrmals gestellt. Dabei ist es weder obszön oder ekelerregend, sodaß diese Frage vielleicht entsetzt ausgesprochen worden wäre. Es ist einfach so viel passiert, daß ich es kaum fassen konnte, und verstanden habe ich es auch nicht so recht. Und doch konnte ich das Buch nicht beiseite legen - selbstverständlich wegen Don Sullivans gutem Aussehen und außergewöhnlich charmanten Gebahren. Da kann ich fast schon darüber hinwegsehen, daß er sich in einem Satz immer als erstes nennt.
„»Nein. Ich und Beast-«
»Beast und ich, wie oft noch,« unterbrach mich Jaspal.
So lange, bis ich finde, dass es natürlich klingt, mich nicht an den Anfang zu setzen, dachte ich genervt, kam aber nicht dazu, es laut auszusprechen.“ (S. 16)

Don Sullivan ist Kopfgeldjäger in einer Welt, die aus viel Sand besteht, und ihn zu einem waschechten Cowboy macht. Mit zwei Lieblingsrevolvern und verwegener Frisur. An seiner Seite sein bester Freund Beast, der massiv und handzahm ist, und sein Chef Jaspal, die die beiden Männer fest im Griff hat. Als eines Tages ein schwarz gekleideter Mann aus der Wüste vor Jaspals Bounty Service erscheint, mit einem Pferd, das größer ist als Beast, sind alle drei gleichermaßen beeindruckt und ebenso beunruhigt. Sie bekommen einen Steckbrief, eine Anzahlung und machen sich auf den Weg ins nächste Städtchen, um sich Pferde zu besorgen. Und ab da geht so ziemlich alles schief, es wird verworren, abstrus und furchtbar unterhaltsam. Dons Humor ist nicht nur schräg, sondern rettet auch vor unangenehmen Erfahrungen.
„Mir war anfangs auch schlecht, aber das war auf einen Schlag verschwunden, nachdem ich darüber nachgedacht hatte, wie unästhetisch es war, sich zu erbrechen.“ (S. 99)

Auf ihrer Reise lernen die drei diverse Gestalten kennen, unter anderem einen Mann im Körper eines Jungen, eine unsterbliche Kriegerin, und East, weder Mann noch Frau, aber unheimlich und beeindruckend. Man merkt nicht mal, daß East keine Pronomen verwendet. (Mit dieser Erwähnung habe ich den Zauber vermutlich gelüftet, tut mir leid.)
Außerdem lernen die drei die Welt kennen, denn sie verlassen den Westkontinent, überqueren Ozean 8 und landen im glorreichen Osten, der voller Wunder und Fortschritt ist. Doch ob das so viel besser ist?

„Manchmal frage ich mich, ob es das wert war?
Was?
Den Sternenhimmel im Austausch für den Fortschritt.“ (S. 237)

Don Sullivan ist jede Seite wert: unterhaltsam, witzig, spannend, fesselnd, mythologisch, voller Wunder und Staunen. Alle Charaktere sind auf ihre Art interessant und das Große Ganze hat mich am Ende überrascht. Und das beste? Die Songliste unterstreicht jedes Kapitel. Anfangs habe ich mir die Mühe gemacht und in jedes Lied reingehört, doch irgendwann war ich einfach zu gefesselt von dem Buch. Achja, zu Beginn gibt es eine Karte mit Anmerkungen von Beast und Sulli. Sehr zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 05.10.2023

unterhaltsames und spannendes Abenteuer

Das Erbe des Alchemisten - Abenteuer auf der Pfaueninsel
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„Ein Sommer voller Möglichkeiten, und er hatte gerade erst angefangen.“ (S. 5)

David und Moritz beobachten schon am ersten Abend ihrer lang ersehnten Sommerferien seltsame Lichter auf der Pfaueninsel. ...

„Ein Sommer voller Möglichkeiten, und er hatte gerade erst angefangen.“ (S. 5)

David und Moritz beobachten schon am ersten Abend ihrer lang ersehnten Sommerferien seltsame Lichter auf der Pfaueninsel. Das riecht nach einem Detektivfall und so machen die beiden sich am nächsten Tag auf Spurensuche. Schnell entdecken sie Bonbonpapier, Fußabdrücke und einen Schlüssel. Mitgenommen von ihren Abenteuern, versinkt David in Träume über den Glasmacher Johann Kunckel, die so real wirken, daß er am nächsten Morgen aufgeschürfte Knie hat. Also doch kein Traum?

Abenteuer auf der Pfaueninsel hält, was der Titel verspricht. David und Moritz tauchen nicht nur tiefer in die Geschichte von Johann Kunckel ein, sondern entdecken auch geheime Türen und Gänge. Was als harmloser Spaß beginnt, wird schnell bitterer Ernst, als die beiden gestohlene Ware finden; die Diebe sind ihnen auf der Spur und zusammen mit Tessa folgen sie weiter den Hinweisen des Alchemisten und Glasmachers.

Die Detektivarbeit der zwei Jugendlichen ist außerordentlich, wobei Davids Träume ihren Teil dazu beitragen. Warum Tessa in die Geschichte eingeführt wurde, ist nicht ganz nachzuvollziehen, da die beiden Jungs alles auch alleine geschafft hätten. Trotzdem ist es ein spannendes Abenteuer. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen, obwohl ich überhaupt nicht Zielgruppe bin. Vor allem die Details zur Pfaueninsel und über das Leben von Johann Kunckel fand ich spannend, lernt man beim Lesen doch gleich etwas dazu. Auch die Illustrationen von Rebecca Mönch haben das Buch wunderbar ergänzt und atmosphärisch unterstützt.
Alles in allem ein wirklich gelungenes Buch, unterhaltsam, spannend und lehrend. Sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Sie ist unscharf an den Rändern

Das Licht von Aurora (Band 1)
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„Ich fühlte mich nicht mehr klar definiert, es war, als würde ich langsam an den Rändern verschwimmen und mit meiner Umgebung verschmelzen […].“ (SD. 219)

Sasha, die meisten vergißt, daß sie eigentlich ...

„Ich fühlte mich nicht mehr klar definiert, es war, als würde ich langsam an den Rändern verschwimmen und mit meiner Umgebung verschmelzen […].“ (SD. 219)

Sasha, die meisten vergißt, daß sie eigentlich Alexandra heißt, kann es kaum fassen, als der bestaussehendste Junge aus ihrer Schule im Buchladen vor ihr steht. Noch weniger kann sie glauben, wie zuvorkommend Grant ist und daß er unbedingt mit ihr zum Abschlußball gehen möchte. Doch endet der Abend des Balls nicht so, wie erhofft.
Obwohl Grant sie an einen schönen kleinen See geführt hat, erwacht Sasha am nächsten Tag in einem Bunker, orientierungslos und einem Jungen gegenüber, der wie Grant aussieht, aber behauptet Thomas zu heißen. Außerdem behauptet er, in einer Parallelwelt zu sein, in der Sashas Analog, wie die Doppelgänger dort genannt werden, die entführte Prinzessin ist, deren Platz sie einnehmen soll.

„Ich habe schon kapiert, dass du ein großer, harter Typ bist und mir nach Belieben drohen kannst, aber du wirst mir nichts tun – sonst wäre das nämlich längst geschehen. Trotzdem muss ich es dir nicht leicht machen und das habe ich auch nicht vor, es sei denn, ich kriege ein paar Antworten.“ (S. 77)

Prinzessin Juliana soll in sieben Tagen heiraten. Das ist auch der Tag, an dem Sasha wieder zurück auf die Erde und in ihr altes Leben darf, so die Versprechungen des Generals. Thomas ist solange ihr Leibwächter und zusammen geben sie sich die größte Mühe, Juliana zu ersetzen. Doch ein Netz aus Lügen und Intrigen kann nicht lange halten und wird irgendwann zusammenfallen.

Sasha hat mir von Anfang an gefallen, weil sie sich ihrem Schicksal nicht kampflos ergeben hat, ständig einen Ausweg sucht, und trotzdem nicht aus Trotz handelt. Ihr Verhalten war durchweg nachvollziehbar und ich habe bis zum Ende mitgefiebert. Kein Wunder also, daß die Jungs ihr alle verfallen.
Die Welt von Aurora ist interessant und die Theorie der Mulitversen logisch dargestellt. Auch die Analoge und alles, was damit zusammen hängt, fand ich nachvollziehbar und haben sich nahtlos in die Geschichte eingefügt. Und obwohl es einen zweiten Band gibt, endete das Buch nicht mit einem Cliffhanger und macht trotzdem Lust auf den zweiten Teil.

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Veröffentlicht am 09.09.2023

Nach Startschwierigkeiten mit Alissa ein wirklich spannendes Buch

Finsterhell
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„Eines Tages werde ich auf die Mitglieder der Gilde herabsehen und sie alle werden zu mir aufblicken. Anfänger und alte Hasen werden sich danach sehen, so wie ich zu sein […]“ (S. 36)

Alissa Seidenstahl ...

„Eines Tages werde ich auf die Mitglieder der Gilde herabsehen und sie alle werden zu mir aufblicken. Anfänger und alte Hasen werden sich danach sehen, so wie ich zu sein […]“ (S. 36)

Alissa Seidenstahl ist 15 Jahre alt und angehende Dämonenläuferin. Sie wartet mit ihrer Schneeleopardin Nushi auf ihre Abschlußprüfung und ist voll übersprießenden Optimismus, daß sie die beste Dämonenläuferin von Selantes und jeder ihren Namen kennen wird.
Dämonenläufer machen Jagd auf die Hungernden Wesen, die Dunkelheit in die Herzen der Menschen bringen und sich daran laben. Es gibt unterschiedliche Klassen, die nach der Größe der Dämonen kategorisiert sind: Klasse eins sind sehr klein, und Klasse vier die Königsdämonen, die kein Dämonenläufer allein bannen kann. Sind die Dämonen in den Glasdolchen erstmal gebannt, kann nur der Gildenvorsteher sie töten. Zumindest ist das in Alissas Gilde Schattenrot so, der sie nach ihrer bestandenen Prüfung beitreten und die von ihrem Vater geführt wird.
Alissas bester Freund ist Marlon, der seine Prüfung vor Jahren nicht bestanden hat, weswegen er sich als Motte verdingt. Er hilft vollwertigen Dämonenläufern bei der Jagd und lenkt die hungernden Wesen ab. Er riskiert sein Leben, wird spärlich bezahlt und verliert seine gute Laune nie. Vor allem Ingrid hilft er häufig und zusammen ergeben die drei ein gutes Team.
Doch dann bricht Alissas Prüfung an und danach geht alles schief.

Finsterhell ist der erste Band der Reihe Die Dämonenläufer von Selantes und ein spannender Auftakt. Auch wenn Alissa ziemlich überheblich für ihre 15 Jahre wirkt und ihr Vater mit über 80 unverhältnismäßig alt, ist die gesamte Geschichte fesselnd. Die Entstehungsgeschichte der Dämonen ist ebenso faszinierend, wie die Religion der Baronn. Da es drei anerkannte Gilden gibt, gibt es auch dahingehend Konflikte.
Von der ersten bist zur letzten Seite habe ich mich durchgehend unterhalten gefühlt und freue mich schon auf den zweiten Teil. Alissa, Marlon und Ingrid sind mir auf ihren Abenteuern tatsächlich ans Herz gewachsen, obwohl ich Startschwierigkeiten mit Alissa hatte. Und die Entstehung der hungernden Wesen hat mich fasziniert. Endlich mal keine plumpe Höllen-Geschichte.

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Veröffentlicht am 03.09.2023

ich will mehr

Tinte und Knochen – Die Magische Bibliothek
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„Du bist klug, Jess, aber Dad liegt in einer Sache falsch: Du hast nicht nur Tinte im Blut. Sie steckt dir in den Knochen. Dein Skelett ist schwarz davon.“ (S. 51)

Wie könnte eine Welt aussehen, die von ...

„Du bist klug, Jess, aber Dad liegt in einer Sache falsch: Du hast nicht nur Tinte im Blut. Sie steckt dir in den Knochen. Dein Skelett ist schwarz davon.“ (S. 51)

Wie könnte eine Welt aussehen, die von der glorreichen Bibliothek in Alexandria regiert wird, welche das Wissen mit allen teilt und Bücher als höchstes Gut sieht. Höher sogar als ein Menschenleben?
Zumindest die Brandschatzer, die sich gegen das Monopol der Bibliothek auflehnen, sind der Meinung: Vita hominis plus libro valet. Ein Leben ist mehr wert als ein Buch.

„Jess war zum Schmuggler erzogen worden, hatte gelernt, dass Bücher wertvolle Handelsgüter waren und seine Familie ein grundsätzliches menschliches Bedürfnis stillte.“ (S. 202) Schon als Kind hat Jess Brightwell Bücher quer durch London geschmuggelt und im Alter von 10 Jahren ein grauenhafte Erlebnis gehabt: er hat einen Tintenlutscher bei seiner Aufnahme beobachtet, was ihn nachhaltig beeinflusst hat.
Sechs Jahre später vergräbt Jess sich am liebsten in Originalbücher, denn dem Kodex der Bibliothek fehlt es an Papier und Tinte. Es fühlt sich einfach ganz anders an, ein echtes Buch zu lesen. Seinem Vater geht das Verhalten seines mittleren Sohnes gegen den Strich, doch er hat in seine Bildung investiert und möchte die Früchte früher oder später ernten. Deswegen muß Jess an dem Aufnahmetest für eine Ausbildung in der Bibliothek teilnehmen, und möglichst auch bestehen. „Einen Sohn im Bibliotheksdienst zu wissen, könnte dem Clan von immensem Nutzen sein. […] Ich will, dass du unser Ass im Ärmel bist … und vielleicht unser Fürsprecher für den Fall aller Fälle, sollten die Brightwells einmal einen brauchen. Die Bibliothek regiert die Welt, mein Sohn.“ (S. 44-45) Es beginnt ein Abenteuer, daß nicht nur Jess’ Leben verändert.

Tinte und Knochen ist nicht nur voll mit Liebe zu Büchern, sondern auch mit Freundschaften, Feinden, einem strengen Gelehrten in einer schwarzen Robe, Krieg, Intrigen und vielen Gefahren. Man lernt die Postulanten, wie die Schüler genannt werden, kennen und lieben, erlebt Abenteuer mit ihnen und verfolgte ihre Entwicklungen. Nebenbei erfährt man durch geheime Schriften, wie die Bibliothek funktioniert, welche Hintergründe einige Entscheidungen haben und daß nichts so ist, wie es scheint. Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven, denn es werden Bücher und Menschen in Brand gesteckt, Herzen gebrochen und Verlust erfahren. Aber es lohnt sich.

„Gib nach. Gib auf.
Überlebe.“ (S. 458)

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