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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Die versteckten Gefühle einer traditionellen Dorfgemeinschaft

Das Geschenk des Meeres
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In dem abgelegenen schottischen Dorf Skerry, in dem ein traditionelles Leben herrscht, ereignen sich um 1900 merkwürdige Dinge. Nachdem vor Jahren ein Jung im Meer verschwunden ist, taucht plötzlich ein ...

In dem abgelegenen schottischen Dorf Skerry, in dem ein traditionelles Leben herrscht, ereignen sich um 1900 merkwürdige Dinge. Nachdem vor Jahren ein Jung im Meer verschwunden ist, taucht plötzlich ein zum Verwechseln ähnlicher Junge wieder auf, der an den Strand gespült wurde. Und wie es der Zufall so will nimmt ihn Dorothy, die verwaiste Mutter, auf.

Was zunächst mystisch anmutet, entpuppt sich während der Handlung immer mehr zu einem gesellschaftlichen Roman, der den Menschen tief in die Seele und in ihre Gefühlswelt blickt. Thematisiert wird dabei vor allem das Leid Dorothys, nach dem Verschwinden ihres Sohnes. Aber auch der Tratsch, Neid und Missgunst der Dorfbewohner spielen eine große Rolle, ebenso eine zarte Liebesgeschichte, die keine Chance zum Wachsen erhält. Der Junge bringt mit seinem Erscheinen im Dorf somit die gesamte Dorfgemeinschaft in Aufruhr. Der Schauplatz der Handlung ist sowohl von der Umgebung als auch vom Verhalten der Menschen rau und scheint durch und durch lebensfeindlich.

Erzählt wird die Handlung in Kapiteln entweder die Gegenwart oder die Vergangenheit der Protagonisten beschreiben. Unterteilt ist jedes Kapitel in kurze Abschnitte die jeweils einer einzelnen Person gewidmet sind. Diese Gestaltung des Textes gibt dem Roman eine klare Strukturierung.

Das Buch war ganz anders als ich zunächst erwartet hatte. Aus einem scheinbar spannenden und abenteuerversprechenden Ereignis (dem Auftauchen des Kindes) entwickelte sich eine ruhige und unaufgeregte, jedoch gefühlsbetonte und tief in die Psyche blickende Handlung, die sich aber durchaus lohnt gelesen zu werden.

Das Cover des Buches mit dem harmonischen Blautönen und dem einsamen Haus am stürmischen Meer vermittelt den Inhalt des Buches wunderbar und hat mir sehr gut gefallen. Als Beigabe gab es zum Buch noch zwei Postkarten mit dem Bild des Covers.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Fantastische und kuriose Reise in eine fremde Stadt

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
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Mika verbringt seine Sommerferien bei seiner Oma, es scheint eine eher triste Zeit für ihn anzustehen. Doch dann erkrankt seine Großmutter ganz unerwartet und Mika will sie während einer Gewitternacht ...

Mika verbringt seine Sommerferien bei seiner Oma, es scheint eine eher triste Zeit für ihn anzustehen. Doch dann erkrankt seine Großmutter ganz unerwartet und Mika will sie während einer Gewitternacht in ein Krankenhaus bringen. Doch plötzlich finden sie sich wie durch Zauberhand vor den Toren einer fremden Stadt wieder.

Hier ist alles ganz anders. Sprechende Affen aller Art leben wie selbstverständlich unter den Menschen und auch die Menschen selbst haben sonderbare Charaktere. Während die Oma sich im Krankenhaus erholt, findet Mika Freunde in der Stadt, zusammen erfinden sie u. a. eine fantastische Maschine und nehmen an einem Wettbewerb teil.

Die Geschichte um Mika und die sonderbare Stadt hat mich an eine Reihe bekannter Werke erinnert. Die Handlung ist fast so fantastisch wie „Alice im Wunderland“. Man weiß oft nicht welcher Sinn und Plan hinter dem ganzen Geschehen steckt, dass erinnerte mich immer wieder an die Werke von Kafka. Auf der Seite 126 heißt es dann auch: „Der Anblick des glänzenden Geräts war irre. Es erinnerte Mika an einen Menschen, der Morgens als Käfer aufgewacht war.“ Bei den Bildern musste ich an die Zeichnungen aus „Es war einmal der Mensch“ denken.

Mir hat das Konzept des Buchs gut gefallen. Es handelt sich um eine durch und durch fantastische Geschichte und das obwohl sie komplett ohne Magie auskommt. Insgesamt wirkte der Roman für mich etwas aus der Zeit gefallen, würde ich es nicht wissen, hätte ich ihr Entstehungsdatum in den 1980er Jahren verortet, was dem Werk insgesamt jedoch keinen Abbruch tut. Ich freue mich bereits auf den Nachfolgeroman dieser Reihe.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Sprachlosigkeit als Stilmittel

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Angelehnt an ihre eigene Familiengeschichte erzählt die Autorin über mehrere Generationen die Geschehnisse um eine norddeutsche Bauernfamilie. Die einzelnen Familienmitglieder haben viele große und kleine ...

Angelehnt an ihre eigene Familiengeschichte erzählt die Autorin über mehrere Generationen die Geschehnisse um eine norddeutsche Bauernfamilie. Die einzelnen Familienmitglieder haben viele große und kleine Schicksalsschläge zu erleiden. Das Leben ist rau und die Menschen gefühlskalt.

Die bedrückende, kalte und wortkarge Atmosphäre setzt die Autorin sprachlich und stilistisch großartig um. Die Kapitel sind äußerst kurz, inhaltlich wird alles nur knapp angesprochen. Die Sprachlosigkeit der Familienmitglieder spiegelt sich so in der Knappheit der sprachlichen Umsetzung im Roman wieder. Teilweise sind auch einzelne Seiten ganz oder fast ganz leer. Immer wieder werden auf einer Seite nur Stichpunkte genannt. Den freien Raum kann der Leser mit seinen eigenen Gedanken füllen. Teilweise wird die gleiche Situation auch aus zwei unterschiedlichen Perspektiven unterschiedlicher Personen beschrieben, diese Beschreibungen weichen dann erheblich voneinander ab, da die Sichtweisen der einzelnen Familienmitglieder weit auseinanderliegen.

Der Titel des Roman ist so individuell wie der Roman selbst. Was es mit dem Schafetöten auf sich hat, bleibt aber kein langes Geheimnis, den bereits auf der ersten Seite wird darauf eingegangen. Es handelt sich hier eher um eine Aussage an der sich der Inhalt des Romans abarbeitet. Auch die Zitronen auf dem Cover kommen mehrfach im Roman zur Sprache.

Insgesamt hat mir der kurze Roman von Anna Maschik sehr gut gefallen. Das Buch ist mit seiner großen Schrift und den meist nicht vollgeschriebenen Seiten schnell gelesen und doch wird darin so viel erzählt wie andere in einem dicken Welzer abhandeln. Vor allem das Nichterzählte steht dabei im Zentrum. Dieser Erzählstil gleicht einer wahren Kunst.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein Buch mit Innenleben

Das kleine Böse Buch 8: Interaktiver Lesespaß ab 8 Jahren vom Spiegel-Bestseller-Autor (Das kleine Böse Buch, Bd. 8)
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Wir kannten bereits eingie Vorgängerbände dieser Reihe und sind von jedem Buch begeistert. Man kann sich kaum dem Eindruck entziehen, dass das Buch wirklich zu einem spricht. Und das so eindringlich und ...

Wir kannten bereits eingie Vorgängerbände dieser Reihe und sind von jedem Buch begeistert. Man kann sich kaum dem Eindruck entziehen, dass das Buch wirklich zu einem spricht. Und das so eindringlich und auf direkte Art. Aber obwohl es sich ja um ein böses Buch handelt, scheint es doch immer auf der Seite seines Lesers zu stehen und unterstützt mit allerlei Ratschlägen.

Konkret geht es in diesem Band um Geister und Geisterjagd. Doch was als kleiner Nervenkitzel beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer echten Katastrophe in der wir als Leser wortwörtlich mittendrin stecken.

Allerlei originelle Rätsel mit deren Lösung man erfährt auf welcher Seite man weiterlesen muss, beziehen die Leser zusätzlich in das Geschehen mit ein. Auch die, je nach Gemütslage, sich verändernde Schrift sowie die Bilder sind sehr gut gelungen.

Das Cover gibt dem Buch im wahrsten Sinne ein Gesicht und wir können uns eine gute Vorstellung davon machen wer da die ganze Zeit mit uns spricht.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Wie zwei Kronen die sich nahe kommen

Der Schlaf der Anderen
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Janis und Sina beschäftigt das gleiche Problem. Sie schlafen nachts nicht. Während Sina von Einschlafproblemen geplagt wird, beruht das nächtliche Wachsein von Janis auf deren Job als Nachwache in einem ...

Janis und Sina beschäftigt das gleiche Problem. Sie schlafen nachts nicht. Während Sina von Einschlafproblemen geplagt wird, beruht das nächtliche Wachsein von Janis auf deren Job als Nachwache in einem Schlaflabor, dort lernen sich die beiden Frauen auch kennen.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Während wir im ersten Teil detailliert die Nach im Schlaflabor erfahren und vor allem in das Leben der schlafenden Sina blicken können, beschäftigt sich das folgende Kapitel mit der entstehenden Freundschaft und den verrückten Aktivitäten der beiden Frauen. Es endet mit dem Anbruch des nächsten Morgens. Das letzte Kapitel erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Hier erfährt man nun auch einiges über Janis Vergangenheit

Die Nacht im Schlaflabor verläuft nicht ganz so wie geplant und aus dem Zusammentreffen der Beiden entwickelt sich eine erste Freundschaft. Ganz unkonventionell und mit mehreren Regelbrüchen verbringen sie den Rest der Nacht. Bis das Abenteuer von Janis und Sina genauso abrupt endet wie es begonnen hat. Doch ein weiters Zusammentreffen nach einiger Zeit steht noch aus.

Im Mittelpunkt des Romans stehen Janis und Sina, beide geprägt durch Erlebnisse aus der Vergangenheit. Ihr Leben scheint wie das vieler anderer Frauen zu sein. Dazu passt das Zitat auf Seite 240: „ Die Frauen halten sich an ihrem Kaffee fest und sprechen nicht viel miteinander. Vielleicht reicht es ihnen, nicht allein zu sein mit den Wesen, die ihr Leben bestimmen.“ Was klar wird ist, dass die beiden Frauen gar nicht so unterschiedlich zu sein scheinen, im Gegenteil, sie haben viele Gemeinsamkeiten und so kommen sie sich auch schnell näher und eine Freundschaft scheint zu entstehen, doch dabei wird der nötige Abstand schnell überschritten. Janis fasst es später mit einem Vergleich auf Seite 271 wie folgt zusammen: „Wusstest du das Bäume Abstand voneinander halten, also oben in den Kronen? Sie hören auf zu wachsen, wenn sie spüren, dass der Nachbarbaum zu nahe kommt, damit sie sich nicht berühren.“ Doch mit dem nötigen Abstand, dem Respekt und des gegenseiteigen Verständnisses hat die Freundschaft eine Zukunft.

Bei dem Roman handelt es sich um eine sehr feinfühlig erzählte Handlung. Etwas verrückt, aber mit vielen alltäglichen Facetten des Lebens die jeder sicher kennt. Was es braucht um eine Freundschaft am Leben zu erhalten wird hier sehr gut beleuchtet. Mit kurzen Kapiteln und einfacher Sprache lässt sich das Buch schnell lesen. Das Cover ist nicht spektakulär, passt jedoch sehr gut zu der erzählten Gesichte und spiegelt sich vor allem in dem Zitat von Seite 240 wieder.

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