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Hannicake

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.12.2020

Schöne emotionale Fortsetzung über wichtige aktuelle Themen - Wiedersehen mit vorherigen Protagonisten

Vergissmeinnicht
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Lizzie und Toby sind schon seit Kindheitstagen Freunde und verbringen, nicht zuletzt dadurch, dass sie in übereinander gelegenen Wohnungen wohnen, sehr viel Zeit miteinander. Sie sind ein Herz und eine ...

Lizzie und Toby sind schon seit Kindheitstagen Freunde und verbringen, nicht zuletzt dadurch, dass sie in übereinander gelegenen Wohnungen wohnen, sehr viel Zeit miteinander. Sie sind ein Herz und eine Seele. Doch die Hochzeit von Toby´s Bruder Jamie verändert alles zwischen ihnen. Schaffen es die beiden, wieder zueinanderzufinden und vielleicht mehr als bloß Freunde zu sein?

Die 16-jährige Ich-Erzählerin Lizzie ist durch und durch in einem Strudel aus ihren Gefühlen gefangen. Diese Gefühle bekommt der Leser hautnah und auf authentische Weise vermittelt. Man erfährt viel über sie, ihr Leben und ihre Gedanken und hat somit des Öfteren das Gefühl, direkt an ihrer Seite zu stehen und ihre Welt und ihr Leben, aber auch ihre Probleme direkt aus ihren Augen zu sehen.
Die Charaktere sind zumeist sehr liebenswert und man fiebert und leidet mit ihnen mit. Insbesondere Lizzie´s Kindheitsfreund Toby, aber auch ihr jüngerer Bruder Eddy und die Zeit, die die beiden gemeinsam verbringen sowie ihr Freund Maddox sind einem beim Lesen ans Herz gewachsen. Jeder hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Charakterzüge, was die Geschichte spannend, abwechslungsreich und vielschichtig gestaltet. Es wäre an einigen Stellen schön gewesen, noch ein bisschen mehr über Toby zu erfahren, aber es ist nachvollziehbar, dass der Fokus hier auf Lizzie liegt – alles andere würde vermutlich den Rahmen sprengen und der Tiefe von Lizzie´s Darstellung nicht gerecht werden.

Die Charaktere mögen zwar jugendlich sein und durch ihr Leben in der „Oberschicht“ New Yorks keine Geldprobleme haben, aber es wird schnell deutlich, dass sie mit vielen Problemen zu kämpfen haben, von denen auch viele Erwachsene betroffen sind. Es werden so viele wichtige Themen wie Selbstfindung und Selbstbewusstsein angesprochen, aber auch der Appell ausgesprochen, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss und sich nicht von den Meinungen anderer Menschen formen lassen darf. Zudem werden aktuelle Aspekte und Probleme thematisiert, die unter anderem mit der Nutzung von sozialen Netzwerken und Erwartungshaltungen anderer einhergehen.

Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen und gemeinsam mit der Handlung zieht er den Leser in den Bann und sorgt dafür, dass man einfach weiterlesen muss, um zu erfahren, wie es weitergeht und ob die Charaktere endlich ihr Happy End bekommen, das sie so sehr verdienen.

Das schöne an dieser Reihe ist, dass die Charaktere nicht nach einem Band wieder verschwinden, sondern ihre Geschichte stets weitererzählt wird. So erfährt der Leser hier wieder etwas über Lilian und Jamie sowie über Cami und Ash. Wenn sich der Leser nicht mehr so genau an die Charaktere erinnern kann, stellt dies jedoch kein Hindernis dar, da immer wieder Hinweise auf die Figurenkonstellationen und auf vergangene Geschehnisse gegeben werden. Es ist jedoch ebenfalls kein Problem, wenn die vorherigen Bände nicht gelesen wurde, da jede Geschichte in sich abgeschlossen ist, aber so kann es passieren, dass manche Hinweise nicht eingeordnet werden und die Geschichte nicht noch mehr ganz genossen werden kann, als dieser Band es ohnehin schon verspricht – es lohnt sich auf jeden Fall, auch die vorhergehenden Bücher zu lesen, da sie einfach allesamt auf ihre eigene Art und Weise sehr schön und berührend sind.

Die Geschichte nimmt keinen gradlinigen Verlauf, sondern zwischen Lizzie und Toby stehen viele ungeklärte Dinge. Die zeitweise räumliche aber auch emotionale Distanz machen dies nicht besser. Insgesamt begleitet der Leser die beiden knapp ein Jahr lang – nicht nur bei Höhen, sondern auch bei Tiefen, die gar nicht so leicht zu überwinden scheinen und fiebert mit ihnen mit, denkt aber auch über die Geschichte hinaus näher über die angesprochenen Aspekte nach.

Der Titel der Reihe How to be happy erhält hier ein ganz neue Bedeutung, denn es geht hier vor allem über das Glücklichsein aber auch über Selbstakzeptanz. Dies ist gut in die Geschichte integriert und durch viele emotionalen Szenen noch viel schöner zu lesen.

Insgesamt ist dieses Buch aufgrund der liebenswerten Charaktere, den wichtigen aktuellen Themen sowie der rübergebrachten Emotionen sehr zu empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.12.2020

Spannende Grundidee, zum Teil leider etwas langatmig

TREU
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Moritz steht kurz vor dem Abitur und lebt ein in seinen Augen unspektakuläres Leben. Er ist mit seinen eigenen Problemen, wie beispielsweise mit seiner Sexualität beschäftigt und fühlt sich zu seinem Jugendfreund ...

Moritz steht kurz vor dem Abitur und lebt ein in seinen Augen unspektakuläres Leben. Er ist mit seinen eigenen Problemen, wie beispielsweise mit seiner Sexualität beschäftigt und fühlt sich zu seinem Jugendfreund Lukas hingezogen, auch wenn diese Gefühle einseitig zu sein scheinen. Es erscheint ihm seltsam, dass Lukas‘ Bruder scheinbar in jungen Jahren schon ins Ausland verschwunden ist und Lukas‘ bei diesem Thema immer abblockt. Moritz versucht deshalb, dem Rätsel auf die Spur zu kommen und macht einige interessante Entdeckungen, die jedoch nicht nur die Lösung des Rätsels bringen, sondern zunächst weitere Fragen aufwerfen und auch eine Gefahr für ihn darstellen können.

Diese Geschichte ist abwechselnd erzählt aus der Perspektive verschiedener Personen. Der Fokus liegt demnach nicht nur auf Moritz, sondern auch auf Lukas und seinem Bruder Jakob. Durch die Perspektivwechsel werden verschiedene Handlungsstränge Stück für Stück im Verlauf miteinander verknüpft. Verstärkt wird dies dadurch, dass parallel zu den Ereignissen aus der Gegenwart auch die Erlebnisse von Lukas und Jakob aus der Vergangenheit erzählt werden. So erhält der Leser schon zu Beginn erste Einblicke in das Leben der beiden um die Zeit von Jakob‘s Verschwindens und kann sich erste eigene Theorien bilden. Diese Art der parallelen Erzählweise sorgt für Spannung und Abwechslung.

Die Charaktere sind nahezu allesamt jugendlich und haben mit, dem Alter entsprechenden typischen Problemen zu kämpfen. Bei vielen spielen auch Erinnerungen an die Kindheit eine entscheidende Rolle. Die Charaktere sind insgesamt ganz gut ausgestaltet und haben eigene Charaktereigenschaften zugewiesen, die zum Teil jedoch gut verborgen bleiben und erst im Verlauf ersichtlich werden. Mit einigen Personen bzw. einigen Eigenschaften kann sich der Leser identifizieren und wird von Moritz‘ Neugier bezüglich Jakob und Lukas‘ merkwürdiges Verhalten, wenn es um seinen Bruder geht, zum Weiterlesen angetrieben.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und die sehr kurzen Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Dennoch gibt es einige Stellen, an denen es schwierig ist, sich für das Weiterlesen zu motivieren. Manchmal fühlt sich die Handlung langatmig und schleppend an. Es gibt jedoch immer wieder Kapitel, in denen viel Spannung aufgebaut wird und somit das Weiterlesen sehr leicht fällt.
Man darf sich von den langatmigen Stellen nicht erdrücken lassen, denn das Weiterlesen lohnt sich, insbesondere da das Konzept der Geschichte und das Ende lesenswert sind - lediglich die Umsetzung konnte des Öfteren nicht ganz überzeugen.

Dieses Buch kann insbesondere jüngeren jugendlichen Lesern empfohlen werden, die eine geheimnisvolle Geschichte suchen, aber nicht vor zum Teil langatmigen Szenen und fehlender Tiefe zurückschrecken, sondern selber miträtseln und ihre eigenen Theorien zu Jakob‘s Verschwinden bilden möchten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2020

Wahnsinnig berührende Geschichte mit viel Tiefgang und vielen wichtigen Themen

Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch
4

Auf einer Party schließen die jugendlichen und zugleich öffentlich erklärten Feinden Shay und Landon seit Kindheitstagen die Wette ab, die derjenige gewinnt, der es schafft, dass der andere sich zuerst ...

Auf einer Party schließen die jugendlichen und zugleich öffentlich erklärten Feinden Shay und Landon seit Kindheitstagen die Wette ab, die derjenige gewinnt, der es schafft, dass der andere sich zuerst in ihn verliebt. Alles begann somit dieser Wette, von der sich Shay und Landon höchstens ein bisschen Spaß erhofft haben - den anderen aufgrund seiner einseitigen Liebe leiden zu sehen. Doch ihre Gefühle haben anderes im Sinn und nicht im Traum hätten sie sich ausmalen können, dass so intensive Gespräche zustandekommen und sie den anderen besser kennen- und einschätzen lernen.
Landon hatte, seit er Shay kannte, gedacht, dass sie das perfekte Leben lebt, während seines in Dunkelheit versinkt. Shay wiederum dachte, dass Landon rücksichtslos, triebgesteuert und selbstsüchtig ist. Doch schnell erkennen sie, dass dem ganz und gar nicht so ist und sie vorschnell geurteilt haben, ohne sich die Mühe gemacht zu haben, hinter die gefestigte Fassade des anderen zu schauen. Keiner führt ein rundum perfektes Leben, jeder hat seine eigenen Päckchen zu tragen, denn wie Landon so treffend sagt: „Jeder Mensch auf dieser Welt hatte Narben. Wir alle hatten Risse und Wunden, die nachts in unsere Seele bluteten. Manche konnten sie einfach nur besser verbergen.“

Auch wenn die Grundzüge der Geschichte vorhersehbar erscheinen, überrascht dieses Buch immer wieder mit unvorhersehbaren Details und Wendungen, sodass die Spannung bis zum Schluss nicht verloren geht. Den Hauptaspekt dieses Buches bilden nicht zwangsläufig die Handlung, sondern die Emotionen. Diese sind so authentisch und echt beschrieben, dass man beim Lesen einfach nur mit den Charakteren mitfühlen kann, man das Gefühl hat, dass einem seine ganzen Wertvorstellungen zerrissen werden und man hilflos und von der Geschichte zerrüttet alleine bleibt und dass man am liebsten die Geschichte neu schreiben würde, um die Charaktere weniger leiden zu lassen. Im gleichen Atemzug schafft es die Autorin jedoch, die traurigen und ernsten Themen in ein humorvolles und somit leichteres Licht zu stellen, damit nicht die Trauer überwiegt, sondern die Geschichte von Landon und Shay in vollen Zügen genossen werden kann.

Auch wenn man zunächst skeptisch reagieren mag, dass die Geschichte der beiden auf zwei Bücher aufgeteilt ist, wird schnell deutlich, dass dies das einzige Mittel ist, um den beiden ausreichend Raum zu lassen. Denn schon ziemlich zu Beginn wird dem Leser die große Tiefe und das Ausmaß der angesprochenen wichtigen Themen bewusst, die ihren Platz brauchen, um sich angemessen entwickeln und die Geschichte nachvollziehbar rüberbringen zu können. Zudem gehen einem die Erlebnisse von Shay und Landon so nah, dass man die beiden nicht schon nach so kurzer Zeit wieder verlassen möchte.

Die Protagonisten Shay und Landon sind einfach unglaublich. Sie beiden haben ihren komplett unterschiedlichen Charakter und liebenswerte Eigenschaften. Zugleich ist es jedoch schmerzhaft mit anzusehen, dass es bei beiden mehrere Dinge gibt, die sie traurig machen und zerstören. Welche dies sind, erfährt der Leser zeitnah. Details werden Stück für Stück in den Verlauf der Geschichte eingebaut, sodass man erst am Ende dieses Teils nahezu an das Gesamtbild der beiden herankommt. Dies ist eine schöne Weise, da man Shay und Landon somit nicht nur bei der Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen ihnen beiden, sondern auch bei der Reise zu sich selbst begleiten kann und so immer wieder von neuen Tatsachen und Charakterzügen überrascht wird.
Die Nebencharaktere runden das Gesamtbild ab. Die meisten von ihnen kommen im Vergleich nicht oft vor, jedoch wird schnell klar, dass sie einen erheblichen Teil für den Fortgang der Geschichte spielen. Insbesondere die gemeinsamen Freunde von Landon machen deutlich, dass sie immer für ihn da sind und ihn unterstützen, auch wenn er sich oft vor ihnen verschließt. Zudem wirkt eine Freundin, die auch mit Shay befreundet ist, bei der Entwicklung der Wette erheblich mit und sorgt immer wieder für lustige Szenen, die einem beim Lesen zum Grinsen bringen.

Viele Charaktere kennt man schon aus Band Eins der Reihe. Jedoch wird man hier wieder in deren Schulzeit zurückversetzt und es stehen andere Protagonisten im Vordergrund, sodass es nicht zwangsläufig notwendig ist, den ersten Band gelesen zu haben – auch wenn dieser ebenfalls sehr zu empfehlen ist!

Gemeinsam mit den tollen Charakteren und der schönen Ausgestaltung der Geschichte, sorgt der Schreibstil für viel Freude beim Lesen. Er ist teilweise poetisch geschrieben und mit vielen sprachlichen Bildern ergänzt, sodass man sich das Setting sehr gut vorstellen kann und das Gefühl hat, ein Teil der Geschichte zu sein. Verstärkt wird dies auch durch die Perspektivwechsel der Ich-Erzähler Shay und Landon. Zudem sorgen diese dafür, dass man beim Lesen ein umfassenderes Bild von beiden, deren Wahrnehmungen und Gefühle sowie deren innersten Dämonen erhält.

In diesem Buch werden viele wichtige, aber auch sensible Themen angesprochen, die in der Gesellschaft leider viel zu oft tabuisiert werden. Somit leistet es nebenbei auch ein bisschen Aufklärungsarbeit und sorgt für eine Sensibilisierung der verarbeiteten Themen. Beim Lesen erhält man einen guten und intensiven Einblick in diese, sodass man sie nachher besser verstehen kann und unter Umständen mit einem weitläufigeren und geschärfteren Blick aus dieser Geschichte hervorgeht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch aufgrund der angesprochenen wichtigen Aspekte, des angenehmen und mitreißenden Schreibstils und der vielen rübergebrachten Emotionen, die einem sowohl zum Weinen als auch zum Lachen bringen, ein Highlight ist und nur empfohlen werden kann, denn es ist ein Buch, dass einen nach dem Lesen nicht mehr so schnell loslässt, sondern über dessen Inhalt man noch lange nachdenken wird, und dass den Blick auf bestimmte Themen verändert.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 29.11.2020

Emotionales Buch mit wunderbaren Protagonisten, das man nach dem Lesen nicht mehr so schnell vergisst!

Weil du mich atmen lässt
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Paula und Finn, beide Ende Zwanzig, Anfang Dreißig, sehen sich jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit im Bus. Obwohl sie sich nicht kennen und von außen betrachtet aus zwei verschiedenen Welten kommen - die ...

Paula und Finn, beide Ende Zwanzig, Anfang Dreißig, sehen sich jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit im Bus. Obwohl sie sich nicht kennen und von außen betrachtet aus zwei verschiedenen Welten kommen - die jeden Tag in den gleichen Strickklammotten mit einem großen Rucksack beladene Paula und der attraktive Finn - fühlen sie sich zueinander hingezogen. Doch es bleibt nicht unbemerkt, dass die beiden so gut wie nichts voneinander wissen und das immer wieder zu unerwarteten Offenbarungen und Wendungen kommt.

Die Geschichte konnte den Leser sofort mitnehmen, fesseln und in seinen Bann nehmen, nicht zuletzt durch den leichten und flüssigen Einstieg in die Geschichte.

Paula und Finn wirken von Beginn an greifbar und auch, wenn noch nicht sofort klar ist, welche Kieselsteine beide mit sich herumschleppen. Sie wirken sehr sympathisch und im Laufe der Geschichte lernt man sie immer besser kennen, schätzen und mögen, nicht zuletzt durch die vielen emotionalen Szenen.
Gelegentlich wäre es schön gewesen, etwas mehr über den Alltag der beiden Protagonisten zu erfahren, um noch mehr an deren Leben teilzuhaben, mehr über sie zu erfahren und zu erkennen, was die beiden ausmacht.
Es gibt immer wieder Momente in denen ein Lächeln nicht verkniffen werden kann, weil die Protagonisten einfach eine unvergleichliche und individuelle Art haben. Die persönliche und auch charakterliche Entwicklung der beiden hat beim Lesen sehr berührt.
Auch die Nebencharaktere sind nicht zu unterschätzen. Einige sind sehr liebenswert und haben eine schlagfertige, aber doch herzensgute Art, die den Leser sehr berührt.

Sprachlich ist dieses Buch auch sehr schön. Die Kapitelüberschriften sind kreativ und haben einen direkten Bezug zum Inhalt. Zudem sorgen sie des Öfteren für ein Grinsen. Auch die Kapitellänge war gut an den Inhalt angepasst. Wurde beispielsweise Spannung aufgebaut, waren die Kapitel kürzer als die restlichen.

Immer wieder wurde Spannung aufgebaut, unter anderem durch dramatische und nervenaufreibende Szenen, die für die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Paula und Finn wichtig sind, ohne zu gestellt oder abwegig zu wirken.

Es ist sehr schön, dass so viele emotionale Szenen enthalten sind und auch wichtige Themen angesprochen werden. Es kristallisieren sich schön früh die Messages heraus, dass man Menschen nicht nach dem Äußeren be- oder sogar verurteilen kann und dass jeder sein Päckchen mit sich herumträgt, auch wenn es im ersten Moment ganz anders scheint.
Es war traurig, Finn und Paula gefühlt schon so bald wieder verlassen zu müssen, denn die Zeit mit ihnen konnte man wirklich sehr genießen und war auch noch lange nach dem Ende im Kopf geblieben. Auch nach dem Lesen war ich immer noch ein wenig sprachlos über die Tiefe, die dieses Buch aufweist, denn vor dem Lesen hätte ich nicht gedacht, dass so viele wichtige Aspekte aufgegriffen werden und es so emotional wird.
Die Grundidee der Geschichte ist sehr gut umgesetzt und aufgrund der Tiefe, den emotionalen Szenen und den angesprochenen wichtigen Themen ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2020

Interessante Geschichte, deren Umsetzung leider nicht ganz überzeugen konnte

Astralliebe
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Nach einem schweren Autounfall liegt Hannah im Koma. Während dieser Zeit erlebt sie das Astralwandern, das heißt sie kann sich losgelöst von ihrem Körper wie eine Art Geist durch die Welt bewegen. Dabei ...

Nach einem schweren Autounfall liegt Hannah im Koma. Während dieser Zeit erlebt sie das Astralwandern, das heißt sie kann sich losgelöst von ihrem Körper wie eine Art Geist durch die Welt bewegen. Dabei trifft sie auf Liam, der in den Nächten das Astralwandern für sich entdeckt hat und Hannah während dieser schweren Zeit zur Seite steht. Beide verspüren schnell mehr als Freundschaft. Doch was geschieht, wenn Hannah irgendwann wieder aus dem Koma erwachen sollte? Kann sie sich an Liam erinnern und fühlt sie sich dann immer noch zu ihm hingezogen?

Diese Geschichte hat eine interessante, mal etwas andere Grundidee und Konzeption. Im ersten Teil geht es viel um das Astralwandern. Im weiteren Verlauf nimmt dies nur einen minimalen Teil ein. Dort geht es eher um die Beziehung zwischen den beiden jugendlichen Protagonisten Hannah und Liam. Schnell wird an dieser Stelle klar, dass beide ihr Päckchen zu tragen haben und insbesondere Liam viel mehr ist, als er Hannah zeigt. Es ist schön, dass im zweiten Teil ernste und wichtige Themen aufgegriffen wurden, wie z.B. Trauer, Fehler, Schuldgefühle und Klischees, da diese Aspekte der Geschichte mehr Tiefe verleihen. Zu Beginn war die Tiefe leider nur bedingt vorhanden, sodass etwas beim Lesen gefehlt hat.

Das Buch hat einige überraschende Wendungen. Diese häufen sich im weiteren Verlauf, wodurch es ein wenig gehetzt wirkt und so, als ob zum Ende hin noch alles innerhalb kurzer Zeit geklärt werden muss.

Der Schreibstil ist gut zu lesen. Die Geschichte ist abwechselnd erzählt aus der Sicht von den Ich-Erzählern Hannah und Liam. Eine Kapiteleinteilung gibt es nicht, lediglich die Perspektivwechsel trennen das Buch und sorgen für ein wenig Abwechslung. Dass keine Kapiteleinteilung und somit auch keine richtige optische Strukturierung des Buches vorgenommen wurde, ist jedoch kaum störend. Zum Teil wird eine identische Szene aufeinanderfolgend aus beiden Perspektiven erzählt. Auch wenn dadurch die mitunter verschiedenen Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten in der dargestellten Szene verdeutlicht werden, stört es zum Teil den Lesefluss.

Liam macht immer wieder Andeutungen über sein altes Leben und wie rücksichtslos er sich damals verhalten hat. Was es damit auf sich hat und konkrete Einzelheiten, ob bzw. wie er sich wirklich geändert hat, erfährt der Leser erst gegen Ende des Buches, kann sich jedoch vorher schon einmal Theorien bilden. Hannah bleibt leider zum Teil ein bisschen blass: Der Leser erfährt nicht so viel über ihr Leben vor dem Unfall und über ihre Familie. Ein bisschen mehr Ausgestaltung wäre schön gewesen, um ein besseres Bild von ihr zu haben, und zu sehen, wie sie sich vielleicht entwickelt hat und was sie als Person ausmacht. Das hätte die Charakterdarstellung etwas runder gemacht.
Auch die Geschichte von Hannah´s Bruder Ben wird am Rande mit eingebaut, jedoch nur in Ansätzen, da der Fokus auf Hannah und Liam liegt und Ben lediglich ein Nebencharakter ist. Dennoch spielen er und seine Vergangenheit für den Fortgang der Handlung eine Rolle und ist im Gesamtzusammenhang wichtig. Hannah´s Freundin Suri ist das Licht in dieser Geschichte. Ihre schlagfertige und selbstsichere Art ist sehr schön und entlockt den Leser mehr als einmal ein Lächeln. Auch ohne sie wäre vermutlich der Fortgang der Geschichte anders verlaufen.
Somit wird deutlich, dass auch die wenigen Nebencharaktere gut mit in die Geschichte eingebaut worden sind und die Handlung sich nicht alleine auf die Protagonisten beschränkt.

Wenn man sich auf das Thema Astralwandern einlässt und eine leichte Geschichte mit manchen Emotionen sucht, die jedoch nicht immer eine große Tiefe aufweist, kann man viel Gefallen an dieser Geschichte haben, da die Idee und Gesamtkonzeption gut sind, auch wenn die Umsetzung leider an manchen Punkten nicht zu hundert Prozent überzeugen konnte. Insbesondere jüngere Leser können bei diesem Buch auf ihre Kosten kommen, jedoch muss bedacht werden, dass auch traurige und ernste Szenen enthalten sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere