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Hannicake

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2019

"Jede Familie hat ihren eigenen Rucksack zu tragen"

Alles Liebe
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In diesem Buch wird das stressige und komplizierte, aber keinesfalls unmögliche Familienleben der 6-köpfigen Familie mit einem eigenem Haus und Hund, im Rahmen einer Biografie vorgestellt.

André und Shari ...

In diesem Buch wird das stressige und komplizierte, aber keinesfalls unmögliche Familienleben der 6-köpfigen Familie mit einem eigenem Haus und Hund, im Rahmen einer Biografie vorgestellt.

André und Shari Dietz haben es in ihrem Leben nicht immer leicht gehabt. Schon das erste Kind kam mit gesundheitlichen Problemen auf die Welt und musste viel Zeit unter ärztlicher Aufsicht verbringen. Und auch das zweite Kind Marie wies Verzögerungen in ihrer Entwicklung auf. Erst später wurde erkannt, dass sie unter dem Angelmann-Syndrom leidet und immer auf dem Entwicklungsstand eines Kleinkindes bleiben wird. Doch das soll Familie Dietz nicht davon abhalten, eine glückliche Familie zu sein und ihren Humor weiter auszuleben. Denn "jede Familie hat ihren eigenen Rucksack zu tragen."

Das Buch erzählt viele kurze Storys und Momente aus dem Leben von Shari und André Dietz - von den Geburten, über Arztbesuche, bis zum Umgang von anderen Leuten mit Maries Beeinträchtigung und darüber hinaus von noch diversen anderen Erlebnisse. Da diese Beiträge sowohl aus der Sichtweise von André als auch aus der von Shari geschrieben sind, kann der Leser sich auf abwechslungsreiche Erzählungen freuen. Die Perspektivwechsel lockern den Schreibfluss auf und stellen die unterschiedlichen Sichtweisen und den Umgang der beiden mit verschiedenen Situationen dar. Dabei ist es keinesfalls hinderlich, dass diese nicht in einer chronologischen Reihenfolge angeordnet sind, sondern stattdessen zwischen dem Kennenlernen der beiden bis zur Geburt der letzen Tochter und dem Leben mit ihrem "besonderen Kind" gewechselt wird. Dies lässt einige Zusammenhänge deutlicher werden und garantiert Abwechslung. Darüber hinaus sorgen die kurzen Kapitel dafür, dass man das Buch häufig nicht aus den Händen legen kann, sondern wie gefesselt ist.

Besonders gut ist, dass trotz der vielen Einblicke in das Leben der Familie, die Anonymität der Kinder gewahrt bleibt. Auf den Bildern des Buchumschlags sind die Kinder nur von hinten zu erkennen und auch Namen werden keine genannt - bis auf der von Marie, der, wie der Leser ebenfalls in dem Buch erfährt, vorher schon der Öffentlichkeit bekannt war.
Dennoch ist es dem Leser möglich, einen guten Einblick in den Familienalltag und in die verschiedenen Persönlichkeitszüge der Kinder zu bekommen.

Das Buch zeigt auf oftmals sehr humorvolle Weise, dass ein Leben mit einem beeinträchtigen Kind keinesfalls das Glück verringern geschweige denn zwangsläufig Unglück bedeuten muss. Auch wenn es viele Schwierigkeiten bzw. Umgewöhnungen mit sich bringt und es Phasen gibt, in denen alles schiefzulaufen scheint, machen Shari und André dem Leser dennoch immer wieder deutlich, dass mit der richtigen Organisation des Alltags und mit der notwendigen Förderung das Familienleben nicht negativ beeinträchtigt werden muss. Dadurch, dass durch die Beschreibungen der schlechten und schwierigen Phasen auch negative und weniger angenehme Seiten beleuchtet werden und diese keinesfalls beschönigt werden, wird eine gewisse Authentizität hergestellt, die die Leser ermutigt, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, nicht mit dem ersten scheinbaren Scheitern aufzugeben, sondern immer zu versuchen, das beste aus der Situation zu machen.

Es ist zwar schade, dass man als Leser nur einige Einblicke in das Syndrom und die Auswirkungen speziell im Fall von Marie erhält, allerdings soll dies kein ausschlaggebender Grund dafür sein, dass Buch nicht zu lesen. Denn die Geschichte der beiden ist spannend, abwechslungsreich und regt zum Nachdenken an. Sie ist also keinesfalls vergleichbar mit einer langen wenig humorvoll gestalteten Biografie. Denn auf vergleichsweise wenigen Seiten wird sehr viel über die die Familie, den Familienalltag und das Leben mit diversen Hürden, die früher oder später erfolgreich gemeistert wurden, deutlich.
Darüber hinaus ist am Ende des Buches ein Verweis auf den Angelmann-Verein verzeichnet, der darlegt, wo man weitere Informationen und Erfahrungsberichte erhalten kann.

Das Buch ist also jedem zu empfehlen, die selber Eltern oder Angehörige eines "besonderen Kindes" sind, die sich für Gendefekte wie das Angelmann-Syndrom und das Leben mit den Betroffenen interessieren, aber auch allen anderen, die eine humorvolle und interessante Geschichte lesen möchten.

Veröffentlicht am 03.03.2019

"Ich muss versuchen aus all den Scherben wieder einen Menschen zu bauen"

I can see U
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Ben ist neu in Maries Klasse und schon bei der ersten Begegnung der beiden schlägt ihr Herz schneller. Er scheint einfach perfekt zu sein - umsichtig, hilfsbereit und interessiert. Sie versucht näher Kontakt ...

Ben ist neu in Maries Klasse und schon bei der ersten Begegnung der beiden schlägt ihr Herz schneller. Er scheint einfach perfekt zu sein - umsichtig, hilfsbereit und interessiert. Sie versucht näher Kontakt zu ihm aufzunehmen und die Warnung ihrer besten Freundin Elli, dass der Neue irgendetwas zu verbergen hat und sich komisch verhält, ignoriert sie. Sie schwebt zum ersten Mal auf Wolke sieben.
Als gefakte Bilder von ihr und ihrer Freundin auftauchen und ihnen das Leben erschweren, aber auch als andere unter der Veröffentlichung von Geheimnissen und privaten Dingen leiden, wird Marie stutzig. Hinzu kommt, dass in der Schule merkwürdige Dinge passieren und der Direktor in Bens Gegenwart von einem Auftrag spricht. Doch was ist das für eine Aufgabe, die ihr neuer Mitschüler von dem Direktor persönlich erhalten hat?

Der Gedanke der Geschichte ist interessant und sehr aktuell. Es werden wichtige Aspekte thematisiert, wie z.B. die Gefahren, die mit der Digitalisierung einhergehen, die Auswirkungen von Mobbing, insbesondere von Cyber-Mobbing, und viele weitere Themen, mit denen sich insbesondere Jugendliche zu beschäftigen haben. Trotz dieser Denkanstöße und der unterschwelligen Message, die unter anderem zur Vorsicht im Umgang mit sozialen Medien aufruft, wirkt das Jugendbuch keineswegs belehrend.

Der Leser bekommt den Eindruck vermittelt, dass Marie die Geschichte im Nachhinein verschriftlicht hat. Das kommt dadurch zustande, dass immer wieder Kommentare wie "damals war mir das noch nicht bewusst" eingebaut sind. Dieser Stil führt dazu, dass sich der Leser besser mit Marie identifizieren kann und die ganze Handlung authentischer wird.
Gelegentlich wird der Schreibfluss auch durch abgedruckte E-Mails unterbrochen, die der Leser zu Beginn noch nicht in den Zusammenhang der Handlungen einordnen kann, allerdings wird es gegen Ende hin klarer und verständlicher.

Ein bisschen schade war, dass die Handlungen zumeist sehr vorhersehbar waren. Wenn ein Problem vorherrschte, kam auf den nächsten Seiten bereits die Lösung. Grundlegend ist dies nicht negativ zu bewerten, allerdings führt es in diesem Ausmaß dazu, dass die Geschichte auf den Leser unrealistisch wirkt und die Spannung wegnimmt.

Trotz dieses kleinen Kritikpunktes ist die Geschichte vor allem jüngeren Lesern zu empfehlen, die sich nicht vor mehr oder weniger offenen Enden scheuen.

Veröffentlicht am 02.03.2019

Spannend, leicht zu lesen und absolut empfehlenswert, mit einer wichtigen und aussagekräftigen Message

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Die Anfang zwanzigjährige April May führt ein durchschnittliches Leben. Nach dem Studium hat sie keinen Arbeitsplatz in der Branche bekommen, sodass sie in einem Start-up Unternehmen täglich Überstunden ...

Die Anfang zwanzigjährige April May führt ein durchschnittliches Leben. Nach dem Studium hat sie keinen Arbeitsplatz in der Branche bekommen, sodass sie in einem Start-up Unternehmen täglich Überstunden leistet und erst spät in der Nacht nach Hause in ihre WG mit ihrer Freundin Maya kommt. Doch es ist ihre einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt in New York bezahlen zu können. Doch eines Nachts auf dem Rückweg von ihrer Arbeit bleibt ihr Blick an einer riesigen Robotorskulptur hängen, und sie muss sofort ihren Freund Andy anrufen. Zusammen drehen sie ein scheinbar unbedeutendes Video und laden es am nächsten Tag hoch. Das Geheimnis um die Roboter, die von April Carls genannt wurden, verdichtet sich und April genießt nicht nur die Sonnenseiten vom Berühmtsein.

Dieses Jugendbuch spricht viele wichtige aktuelle Themen an, wie z.B. die Licht- und Schattenseiten des Berühmtseins, der Einfluss der sozialen Medien sowie der von technischen Neuerungen, die Entfremdung von den eigenen Freunden, negative Charakterzüge einiger Menschen und vieles mehr. Besonders gelungen ist an diesem Jugendbuch, dass negative Aspekte keineswegs verschwiegen wurden, sondern ernst thematisiert wurden und das Buch somit unterschwellig eine ernste Message enthält.
Besonders angenehm ist auch der Schreibstil. Der Leser wird von April durch ihre Geschichte über die Carls geleitet und gegen Ende des Buches erfolgt ein unerwarteter, aber durchaus interessanter Perspektivwechsel. Dieser Schreibstil wirkt authentisch und ist jugendlich gehalten, sodass die Geschichte trotz der ernsten Thematik keineswegs belehrend wirkt.
Auch wenn die Handlung zum Teil unwahrscheinlich erscheint, sind die Charaktere mit vielen Eigenschaften und Details ausgeschmückt, sodass es dem Leser leicht fällt, sich in sie und ihre Reaktionen hineinzuversetzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Hank Green einen leicht zu lesenden und inhaltlich sehr gut ausgestalteten Debütroman geschrieben hat, der es definitv verdient hat, gelesen zu werden.
Deswegen kann ich es allen jugendlichen sowie heranwachsenden Lesern empfehlen. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass die Geschichte unwirkliche bzw. science-fiction ähnliche Elemente enthält, welche sich jedoch nur durch die Eigenschaften von Carl äußern.

Veröffentlicht am 30.01.2019

ganz großes Kino der Gefühle - gelungener Roman mit Suchtfaktor

Queen and Blood
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"Sie sah ihn. Er sah sie. Und nichts außerdem.

Kjell von Jeru kannte seinen Platz - Soldat, Krieger der Krone, Bastardbruder des Königs - und war damit zufrieden. Doch seitdem er seine Gabe als Heiler ...

"Sie sah ihn. Er sah sie. Und nichts außerdem.

Kjell von Jeru kannte seinen Platz - Soldat, Krieger der Krone, Bastardbruder des Königs - und war damit zufrieden. Doch seitdem er seine Gabe als Heiler erkannt hat, ist die einfache Ordnung seiner Welt aus den Fugen geraten. Als er eine junge Frau sterbend in der Wildnis findet, rettet er ihr mithilfe seiner Kräfte das Leben. Die geheimnisvolle Sasha, die nichts über ihre Vergangenheit weiß, hält sein Herz vom ersten Moment an in ihren Händen, ganz gleich, wie sehr er sich dagegen wehrt. Doch als Sashas wahre Identität ans Licht kommt, droht ihre Liebe an der Wirklichkeit zu zerbrechen..."

"Queen & Blood" ist ein gelungener Roman, den man durch den fesselnden und detailreichen Schreibstil nur verschlingen kann.
Ich saß uneingenommen vor diesem Buch, da ich den ersten Teil der "Bird-and-Swird-Reihe" nicht kannte. Jedoch erwies sich dies nicht als Nachteil, denn der Inhalt war durch die Abgeschlossenheit der einzelnen Bände dennoch verständlich und nachvollziehbar. Die Informationen, die aus dem Band 1 hervorgehen und die der Leser wissen muss, um den ein oder anderen Handlungsstrang dieses Buches zu verstehen, werden in diesem Roman aufgenommen und mit in die neue Handlung eingeflochten.

Die Autorin hat es geschafft, viele zwischenmenschliche Beziehungen darzustellen und zu beschreiben. Man erfährt im Laufe der Geschichte viel über die Charakterzüge und die Vergangenheit der Protagonisten, was dem Leser dazu verhilft, sich besser in die Situation hineinzuversetzen und sich mit den Charakteren zu identifizieren.

Der Roman weist einen zumeist linearen Spannungsaufbau auf. Zu Beginn wird die Situation beschrieben und die Protagonisten werden vorgestellt. Mit dem Finden der jungen Frau und dem Aufbauen der Gefühle für sie, was Kjell nicht vermeiden kann, wächst die Spannung langsam, bis es zu dem Punkt kommt, an dem sich ihre Vergangenheit offenbart und alles zu scheitern droht. Die Spannung steigt, was unter anderem durch das HInzutreten von verschiedenen weiteren Handlungssträngen erreicht wird. Am Ende werden diese zum Großteil aufgelöst.

Das Buch ist sehr zu empfehlen - vor allem Lesern, die gerne Fantasyromane lesen, in denen die romantische Komponente nicht zu kurz kommt.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Sehr emotionale Geschichte über Selbsthass, Zweifel und allen voran über die Liebe

Good Luck Chuck
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David ist von schwerer Depression betroffen und leidet an mangelndem Selbstbewusstsein. Er scheut den Kontakt zu anderen Menschen und besonders die Nähe zu Frauen schüchtert ihn ein. Der einzige Mensch, ...

David ist von schwerer Depression betroffen und leidet an mangelndem Selbstbewusstsein. Er scheut den Kontakt zu anderen Menschen und besonders die Nähe zu Frauen schüchtert ihn ein. Der einzige Mensch, mit dem er sich unbefangen und offen unterhalten kann, ist seine Oma.

Alles, was er tut, scheint in seinen Augen falsch zu sein, sodass er sein Leben hasst und es nicht erträgt, seinem Spiegelbild entgegenzublicken.
Seine Krebsdiagnose kommt ihm da äußerst gelegen, um sein Leben ein Ende zu setzen.
Der letzte Wunsch, den er noch hat, ist, nach New York zu reisen. Dort trifft er auf die junge Frau Caroline - die sich Coco nennt - und lässt sich von ihr überreden, Zeit mit ihr zu verbringen. Ausgerechnet als er den Entschluss gefasst hat, sein Leben durch das Verweigern von einer Chemotherapie zu beenden, schafft sie es, ihn aus der Reserve zu locken.

Diese Geschichte ist berührend und sehr emotional.
Der durch viele Details gekennzeichnete Schreibstil ermöglicht es dem Leser, ein genaues Bild in seinem Kopf zu projizieren und somit näher an den Geschehnissen dran zu sein. Man lernt David und seine Probleme immer besser kennen und fängt an, sein Verhalten immer besser zu verstehen.
Dadurch, dass die Perspektive zeitweise auch zu anderen Protagonisten des Buches wechselt, kann das Verhalten aller Akteure nachvollzogen werden und es ist möglich, sich mit diesen zu identifizieren. David und Coco sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen.
Das Buch ist unglaublich fesselnd, was auch dadurch verstärkt wird, dass sich der Leser bis zuletzt nicht sicher sein kann, ob es ein Happy-End gibt oder nicht.
Gut ist es auch, dass es dem Autor gelungen ist, nicht nur positive Seiten aufzuzeigen, sondern realistisch zu bleiben, und auch negative Seiten, vor allem bei dem Umgang mit dem Krebs, darzustellen. Es wird nicht alles beschönigt, vor allem Davids Gefühle und sein Kampf mit der Depression und dem Selbsthass.

Diese Geschichte lässt sich jedem empfehlen, der eine Liebesgeschichte mit Humor lesen möchte und es auch nicht scheut, zum Taschentuch zu greifen, wenn es emotional wird.