It's up to you, New York, New York......
Das Cover hat es mir sofort und auf den ersten Blick angetan. Es spiegelt einen intimen Moment wider, vor der Kulisse einer großen Stadt, die eigentlich keine Intimität bietet. Nach der Lektüre des Buches ...
Das Cover hat es mir sofort und auf den ersten Blick angetan. Es spiegelt einen intimen Moment wider, vor der Kulisse einer großen Stadt, die eigentlich keine Intimität bietet. Nach der Lektüre des Buches gefällt es mir fast noch besser, da es ein wenig die Intimität der beiden Hauptprotagonisten spiegelt, die man gegen Endes des Buchs sehr gut wahrnimmt.
Die Geschichte an sich ist in der Gegenwartsform geschrieben, was dem Buch eine tolle Atmosphäre gibt, so ist man vom Anfang an gleich in der Geschichte und Gefühlswelt der Hauptperson(David) drin. Der Stil ist erst etwas verwirrend. Sobald man sich darin eingelesen hat, findet man sich aber gut zurecht und gewöhnt sich dran. Für mich eine schöne Abwechslung und mal was Neues. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich selten auf Schreibstile achte, sondern meist immer auf den Inhalt und die Wendungen in der Geschichte selbst.
Für mich selbst habe ich das Buch in drei Teile geteilt. Den Teil in dem David von seinen Depressionen und Phobien geplagt wird, und in dem er nicht mehr leben möchte und all seinen Lebensmut verliert, und schließlich, erlösenderweise für ihn, an Krebs erkrankt. Der Teil in dem er sich mit einer Reise einen letzten Lebenstraum erfüllt, und während dieser Zeit Coco kennenlernt, und in dem man für einige Zeit denkt, alles wendet sich zum Guten. Und dann der dritte Teil, in der sich durch Coco sein ganzes Wesen verändert, und er mit ihr noch eine wunderschöne Zeit erlebt, und auf einmal gar nicht mehr sterben will, sondern einen Grund zum Leben gefunden hat. Das Buch bringt also eine Achterbahnfahrt, und macht einen mal melancholisch und nachdenklich, lässt einen aber auch mitschmunzeln.
Schon in der Einleitung lesen wir sehr detailliert, was in depressiven Menschen an Gedankengängen vor sich geht. Die Stimmung und Atmosphäre ist bedrückend. Manche werden sich darin selbst erkennen, und das ist genau das Schlimme daran, dass man diesen Menschen nicht ansieht, was in ihnen vorgeht, und sie sich perfekt an die Masse der Menschen um sie herum anpassen können, ohne zu zeigen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Der Protagonist David leidet darunter, und doch merkt es ihm niemand an. Der Prolog kommt einem hier vor wie ein Spiegel, der einem vorgehalten wird.
In der Geschichte kommt beim Protagonisten dann noch eine Krebserkrankung dazu. Für ihn ein Geschenk des Himmels. Weiß er doch eh nichts mehr mit seinem Leben anzufangen, nimmt er diese dankbar hin, ohne über Heilungen und Chemotherapie auch nur nachzudenken.
New York nimmt in diesem Buch eine zentrale Rolle ein, ist es doch schon immer Davids Traumstadt gewesen. Und so verwundert es nicht, dass er seine letzte Lebenszeit dort verbringen will. Hier angekommen ist er natürlich fasziniert von der Lebendigkeit der Stadt, allerdings wird er immer noch von seiner Menschenphobie geplagt. Bis er eher zufällig Coco über den Weg läuft. Sie schafft es, ganz wie bei einem scheuen Tier, Dinge aus David heraus zu kitzeln, und sein Vertrauen zu gewinnen. David, anfänglich noch völlig unbeholfen und überfordert mit der Situation, was diese wunderschöne Frau eigentlich von ihm will, taut in ihrer Nähe immer mehr auf. Hier freut man sich über jede kleine Geste, und sei es nur, dass er nach Jahren einem Menschen mal wieder in die Augen schaut, und nicht auf den Boden. Für Coco wiederum ist David so ganz anders, als die Menschen, denen sie vorher begegnet ist. Sie denkt natürlich nicht an eine Krankheit, und sieht nur diesen jungen Mann, der anscheinend unheimlich schüchtern ist, was sie aber auch anziehend an ihm findet.
Die Beiden verlieben sich ineinander. Nun kommt der Teil, der ganz schön ist, da die Beiden eine tolle gemeinsame Zeit verleben. Sie zeigt ihm New York und das alles mit ihrer lebensbejahenden Art. Er bringt ihr immer mehr Vertrauen entgegen. In diesem Teil des Buches könnte man fast denken, es sei alles in Ordnung. Würde der Krebs nicht seine Schatten voraus werfen. Für mich ist auch schön zu sehen, dass Coco ihn nicht abschreibt, weder bei den Depressionen, noch bei der Krebserkrankung.
Im Laufe der Zeit hat nimmt David auch immer mehr Einfluss auf Coco. Anfangs zwar selbstbewusst und für alles eine Lösung habend, muss sie sich im Buch den Situationen von Davids Krebskrankheit anpassen, und wird dadurch ein Stück erwachsener. Wusste sie vorher nicht genau, was sie in ihrem Leben wollte, weil alles einfach zu verlockend und interessant ist, so festigt sie sich durch ihn immer mehr.
Der Autor schafft im Buch eine Stimmung, in der es unmöglich ist, beim Lesen der Probleme und verpassten Möglichkeiten im Leben, die David im Laufe der Jahre angesammelt hat, nicht an seine eigenen verpassten Möglichkeiten zu denken, und was man gerne im Laufe des Lebens anders gemacht hätte. Auch stimmt es einen nachdenklich und melancholisch, wie man selbst mit so einer Situation umgehen würde.
Mir gefällt auch, dass der Autor in diesem Buch das Thema Depressionen und soziale Phobie verarbeitet, da es keinen großen Raum in der Gesellschaft einnimmt, und viele Leute immer noch denken, solche Sätze wie „Der soll sich mal nicht so haben und fröhlich sein, oder mal lachen“ seien angebracht, nicht wissend, dass es sich um eine Krankheit handelt. Schön, dass das Thema durch das Buch ein wenig aus der Tabuzone heraus kommt. Gleichzeitig gibt es vielleicht auch Antrieb, ein wenig mehr auf seine Umwelt zu achten, und Menschen und ihr Verhalten zu beobachten, selbst wenn es sich um anfänglich Fremde handelt.
Da dies ein Erstlingswerk ist, harre ich der Dinge, die in der Zukunft eventuell noch vom Autor kommen werden J
Die Geschichte ist für alle geeignet, die einen Hang zu Liebesgeschichten mit einem bittersüßen Ende haben, in dem kein klares Happy End definiert ist, aber immer auch ein wenig Hoffnung mitschwingt, und welches einen sehr nachdenklich zurücklässt. In diesem Sinne: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst. Es könnte wahr werden, denn…………………………Achtung Spoiler!!!!!!
……………………….. In Davids Fall hat sein Sterbewunsch vom Anfang sich erfüllt.