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Veröffentlicht am 15.09.2016

Gruseliger atmosphärisch dichter Para-Krimi-Mix um Amelia Gray geht in die dritte Runde

Totenstimmen
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Amelia Gray kann „ihren“ Detective John Devlin immer noch nicht vergessen, auch wenn es bereits viele Monate her ist. Obwohl sie genau weiß, dass sie keine andere Wahl hat, sich von ihm fernzuhalten, da ...

Amelia Gray kann „ihren“ Detective John Devlin immer noch nicht vergessen, auch wenn es bereits viele Monate her ist. Obwohl sie genau weiß, dass sie keine andere Wahl hat, sich von ihm fernzuhalten, da John von Geistern seiner verstorbenen Frau Mariama und seinem kleinen Töchterchen Shani verfolgt wird, ohne das er es weiß. Für Amelia ist die Geisterwelt zwar sichtbar, doch auch brandgefährlich. Schon seit sie ein kleines Kind war, schärfte ihr Vater, ein Friedhofsgärtner, wie nun auch Amelia, ihr stets ein, die Geister, die ihr begegnen , zu ignorieren, damit sie sich nicht an sie hängen, um ihr Lebensenergie zu stehlen oder sie anderweitig zu behelligen.

Ihr Haus steht auf gesegnetem Boden; daher staunt sie nicht schlecht, als eines Tages der Totengeist eines Ex-Kollegen von John Devlin, Robert Fremont in ihrem Garten steht und sie um Mithilfe bei der Aufklärung seines Mordes bittet. Robert hat allerdings fast alle Erinnerungen, die kurz vor seinem Mord geschahen vergessen, so dass er auch seinen Mörder nicht kennt. Amelia würde Robert zwar lieber ignorieren, doch droht er ihr damit, ihre Lebensenergie zu rauben, sollte sie sich querstellen. Und Robert ist nicht der Einzige „Qäulgeist“ der sie heimsucht. Auch Mariama und Shani zeigen sich immer wieder in Amelias Nähe, wobei Mariama ihr stets gewisse Besitzansprüche in Bezug auf John Devlin aufzeigt. Shani dagegen scheint einen anderen Grund zu haben, Amelia heimzusuchen, doch was genau will ihr die Kleine mitteilen?

Um Licht ins Dunkel zu bringen, hilft Amelia Robert Fremont dabei, seinen Mörder zu finden, dabei stellt sie fest, dass ausgerechnet die Personen aus ihrem engsten Freundeskreis darin verstrickt zu sein scheinen, was sie und ihre Ermittlungen in Lebensgefahr bringt…

Nach „Totenhauch“ und „Totenlichter“ ist „Totenstimmen“ der bereits dritte Band der Para-Krimi Reihe von Amanda Stevens um die geistersehende Friedhofsgärtnerin Amelia.
Während es Amelia in den Vorgängerbänden mit diversen, unheimlichen Kriminalfällen zu tun hatte, wird sie diesmal von einem Verstorbenen aus John Devlins nahem Umfeld beauftragt und auch die übrigen Geister, die Amelia in „Totenstimmen“ zu schaffen machen, stammen aus Johns direktem Umfeld. Diesmal erfährt der Leser nun also, was es einst mit Mariamas Beziehung zu John auf sich hatte, warum sie selbst als Geist noch so fixiert auf ihn ist und wieso ausgerechnet Shanis Geist sich Amelia ausgeguckt hat. Der aufzuklärende Kriminalfall steht also in direkter Verbindung zu John Devlins Vergangenheit und auch Amelias Freunde scheinen einiges zu verbergen zu haben, was für spannende Lesemomente bei mir sorgte.

Diesmal ist der kleine Romanceanteil auch etwas größer als zuvor, jedoch fehlte mir für meinen Geschmack trotzdem noch ein wenig mehr Nähe zwischen dem Heldenpaar. Das ist allerdings ob des spannenden Falles zu verschmerzen. Die Autorin legt geschickt falsche Fährten, so dass man lange ob des Täters und des Motivs im Dunklen tappt. Natürlich lässt Amanda Stevens auch hier viel südstaatliches Flair in ihren Beschreibungen miteinfließen. Man erfährt etwas über einen sehr undurchsichtigen, mächtige „Hexer“, dessen Zauberkult, und einer äußerst gefährlichen Substanz, die es ermöglich soll, ohne Umwege direkt ins Totenreich reisen zu können, ohne bei sorgsamer Anwendung, dabei versterben zu müssen.

Obwohl der Täter am Ende des Romans entlarvt wird, hinterlässt die Autorin, ein wie ich finde, sehr fiesen Cliffhanger in Bezug auf John und Amelia und man kann schon gespannt sein, ob sich gewisse Befürchtungen dann im nächsten Band bewahrheiten werden.
Noch ein kleiner Tipp für Serienneueinsteiger: Man sollte die drei bisherigen Bände unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen; zwar wird einiges zur Vorgeschichte erläutert, doch liest es sich einfach besser und auch die Beziehungen der Akteure untereinander, erschließen sich einem viel einfacher.

Kurz gefasst: Gruseliger atmosphärisch dichter Para-Krimi-Mix um Amelia Gray geht in die dritte Runde. Nicht verpassen! 4.5 von 5 Punkten.

Veröffentlicht am 23.06.2017

Spannender Tierkrimi, der jedoch etwas langsam in Fahrt kommt, dann aber mit überraschenden Wendungen und einem packenden Showdown punkten kann

Gray
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Als ein Schüler aus Cambridge; ein dazu überaus begabter Fassadenkletterer, bei einem seiner nächtlichen Klettertouren über den Dächern der Universität, tödlich verunglückt, glauben alle zunächst an einen ...

Als ein Schüler aus Cambridge; ein dazu überaus begabter Fassadenkletterer, bei einem seiner nächtlichen Klettertouren über den Dächern der Universität, tödlich verunglückt, glauben alle zunächst an einen tragischen Unfall oder einen möglichen Selbstmord. Elliots Mutter ist im Gegensatz zu ihrem Mann, am Boden zerstört und bittet seinen Tutor, den schrulligen Dozenten Dr. Augustus Huff darum, Elliotts, vermeintlichen Unfall näher zu untersuchen. Augustus fällt zunächst aus allen Wolken als er darum gebeten wird- schließlich ist er ja keinesfalls ein Detektiv. Doch seine Neugierde siegt und so beginnt er mit seinen Ermittlungen. Aber nicht nur diese stellen ihn auf eine harte Probe. Bei Elliot lebte ein kleiner, geschwätziger Graupapagei namens Gray, um den sich nun Augustus kümmern soll. Gray erscheint traumatisiert als Augustus ihn zum ersten Mal begegnet, doch beide freunden sich recht schnell an und schon bald kann sich Huff ein Leben ohne Gray nicht mehr so wirklich vorstellen. Doch was genau plappert der Papagei da so tagtäglich vor sich hin? Welche Forschungen betrieb Elliott an ihm und vor allem, wieso beschreiben die einen Elliot als sympathischen Menschen und die anderen ihn als kaltes, berechnendes Monster? Bei seinen Ermittlungen stößt Augustus auf einige Ungereimtheiten, die seine Theorie, Elliot sei ermordet worden, untermauern.

Und plötzlich befindet sich Augustus in Lebensgefahr….

In „Gray“, lässt Leonie Swann diesmal ein ziemlich ungewöhnliches Duo ermitteln, wobei Grays Unterstützung eher subtiler und moralischer Art ist, denn Gray mag zwar hochintelligent sein, doch weist er verständlicherweise einen nur recht eingeschränkten Wortschatz auf. Augustus muss sich also manches Mal ziemlich anstrengen, um Grays Kommentare in ein für ihn verständliches Licht zu rücken. Gray ist ein niedliches Kerlchen und verleiht diesem Tierkrimi die nötige Portion Humor, doch ist dieser, wie ich fand, in Leonie Swanns aktuellem Roman ansonsten eher dünn gesät. Augustus ist dagegen ein Romanheld voller Widersprüche und ganz ehrlich- ich konnte ihm sein Verhalten nicht wirklich abnehmen. Einerseits leidet Augustus unter Waschzwängen und andere Tics, ekelt sich vor Unordnung und Dreck und ist so unglaublich schüchtern. Andererseits wird er im Laufe des Romans plötzlich zum Fassadenkletterer und nimmt, ohne lange mit der Wimper zu zucken, einen Vogel bei sich auf, obwohl dieser nun ja auch für Schmutz sorgt und führt so zielsicher detektivische Ermittlungen durch, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Zudem erinnerte mich Augustus einfach zu sehr an Lee Goldbergs Roman und TV-Serienfigur Mr. Monk, die ich sehr mag- allerdings konnte ich im Falle des Mr. Monk eher nachvollziehen, wieso er zum Detektiv wurde, da er jahrelange Erfahrungen als Polizist aufwies. Und dieses Vorwissen fehlte Augustus streng genommen.

Abgesehen von seinen Tics erfuhr man über Augustus leider recht wenig. Und der teils abstrakt wirkende Erzählstil von Leonie Swann machte es mir auch nicht unbedingt leicht, die ersten zweihundert Seiten durchzuhalten, da nicht wirklich viel geschah, außer dass Augustus versuchte, Licht ins Dunkel des möglichen Kriminalfalles zu bringen. Besonders irritierend fand ich jedoch, dass anfangs noch nicht einmal polizeiliche Ermittlungen durchgeführt wurden. Wieso gelang es eher einem Dozenten, die richtigen Fragen zu stellen, als der Polizei, die Elliots Tod gleich als Unfall oder Selbstmord ad acta legte?

Nachdem ich mich, wie gesagt, mit den ersten zweihundert Seiten recht schwer getan hatte, nahm die Handlung dann plötzlich an Fahrt auf und die Auflösung des Kriminalfalles, inklusive falscher Fährten, die die Autorin für ihre Leser gelegt hatte, nebst spannendem Showdown fand ich sehr spannend beschrieben, so dass ich trotz meiner Kritikpunkte nicht weniger als vier von fünf Punkten für „Gray“ vergeben möchte.

Sehr niedlich fand ich übrigens auch die Illustrationen auf jeder Buchseite, die Gray zeigen, wie er einer Erdnuss nachjagt.

Veröffentlicht am 20.06.2017

Packender Krimi mit vielen unerwarteten Wendungen, allerdings mit einer gewöhnungsbedürftigen Heldin

Die Mädchen von der Englandfähre
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Die Journalistin Nora Sand, die für die Zeitung „Globalt“ arbeitet, liebt ihren Job. Doch es gibt auch Tage, da fällt es ihr schwer, ihre Professionalität und Gelassenheit beizubehalten. Etwa, wenn sie ...

Die Journalistin Nora Sand, die für die Zeitung „Globalt“ arbeitet, liebt ihren Job. Doch es gibt auch Tage, da fällt es ihr schwer, ihre Professionalität und Gelassenheit beizubehalten. Etwa, wenn sie Völkermörder interviewen muss, die ungerührt ihre Taten schildern und sich dabei noch im Recht glauben. Eines Tages findet Nora, während sie privat in einem Antiquitäten und Trödlerlädchen herumbummelt, einen gebrauchten Koffer, der ihr auf Anhieb gut gefällt und kauft ihn. In diesem Koffer, versteckt in einer Seitentasche, befindet sich ein Stapel Bilder. Die wohl in der 1980er Jahren geschossenen Photos, zeigen hauptsächlich junge Frauen, die vor einer Wand posieren- aber darunter ist auch eine Aufnahme von zwei Teenagermädchen, welche Nora bekannt vorkommen. Sie wird neugierig und forscht nach. Ihr zur Seite, steht Noras bester Freund Andreas, der bei der Kriminalpolizei arbeitet und für den sie immer noch heimlich romantische Gefühle hegt. Doch Andreas hat eine Freundin. Bald findet Nora heraus, dass die beiden Mädchen auf dem Photo, die seit vielen Jahren verschwundenen Lulu und Lisbeth sind. Sie fuhren einst mit anderen Jugendlichen auf eine Fähre gen England und kamen nicht an.

Dieser mysteriöse Fall sorgte damals für reichlich Wirbel in den dänischen Medien. Das Kuriose an dem gefundenen Photo: es ist eine Aufnahme, die eindeutig später gemacht wurde von den Beiden, als das angeblich letzte Bild der Mädchen, das einst durch die Medien ging.

Nora wendet sich an die Polizei, führt nebenher aber auch ihre eigenen Ermittlungen durch, die sie auf die Spur des, seit einigen Jahren, inhaftierten Serienkillers Bill Hixley führen und schon bald meldet sich ein hochrangiger Mitarbeiter namens Spencer bei ihr, der es Nora unter anderem ermöglicht, Bill Hixley im Gefängnis zu besuchen. Das Treffen wird eine äußerst traumatische Angelegenheit für Nora, denn „Bill Hix“ stößt eindeutige Drohungen aus, die Nora gelten. Dennoch will sie sich nicht davon abhalten lassen, Licht ins Dunkel des alten Falles zu bringen. Das ist sie auch den Angehörigen der vielen jungen, verschollenen Frauen auf den Bildern schuldig, die immer noch verzweifelt auf der Suche nach ihren Lieben sind…

Mit „Die Mädchen von der Englandfähre“, hat die Autorin Lone Theils den ersten Teil ihrer neuen Krimireihe um die wissensdurstige Journalistin Nora Sand abgeliefert, der sich über weite Teile sehr packend liest, da der Fall der verschwundenen Mädchen äußerst undurchsichtig inszeniert wurde. Somit ist man als Leser der Romanheldin nie voraus und wird ebenfalls überrascht von den Wendungen, die die Autorin für einen bereithält. Die kleine Liebesgeschichte zwischen Nora und Andreas, die sowieso nur schmückendes Beiwerk ist, fand ich dagegen nicht ganz so gelungen. Ich empfand Nora in Gefühlsangelegenheiten leider etwas zickig und unreif agierend und war daher sehr froh, dass das Hauptaugenmerk, eindeutig dem aufzulösenden Kriminalfall gilt.

Und dieser hat es, nachdem man Nora etwas besser kennenlernen durfte, eindeutig in sich. Besonders den Gefängnisbesuch von Nora, fand ich äußerst beklemmend beschrieben und überhaupt legt die Autorin einen sehr bildhaften, lebhaften Schreibstil an den Tag, so dass man hier praktisch Kopfkino pur geboten bekommt. Zugegeben, manche Beschreibungen sind nichts für zarte Gemüter, doch wenn man diesbezüglich keine Probleme hat, erwartet den Leser ein spannender Krimi. Lediglich das übertriebene, reißerisch wirkende Showdown gegen Ende des Romans, sorgte dann für meinen Punktabzug. Zum einen verhält sich Nora furchtbar störrisch und unbelehrbar; man könnte auch dumm sagen, was sie in Lebensgefahr bringt und zum anderen kann man einfach nicht so viel Glück haben im wahren Leben. Zugegeben, Nora ist keine einfache Hauptakteurin und meine Sympathien für sie hielten sich eher in Grenzen, doch die Ermittlungsarbeit fand ich sehr fesselnd geschrieben so dass ich für den ersten Teil um Nora Sand nicht weniger als vier von fünf Punkten vergeben möchte.

Veröffentlicht am 20.06.2017

Harmlose, gefällige Urlaubslektüre, die etwas mehr Tiefgang und Seitenzahlen vertragen könnte

Mit dir auf Düne sieben
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Ausgerechnet die Hochzeitsplanerin Jette wurde zwei Jahre zuvor von ihrer großen Liebe Klaas, den sie bereits von Kindesbeinen an kannte, vor dem Traualtar stehen gelassen. Und noch immer kann sie nicht ...

Ausgerechnet die Hochzeitsplanerin Jette wurde zwei Jahre zuvor von ihrer großen Liebe Klaas, den sie bereits von Kindesbeinen an kannte, vor dem Traualtar stehen gelassen. Und noch immer kann sie nicht verstehen, wieso er ihr das antat, denn sie glaubte fest daran, dass er sie genauso lieben würde, wie Jette eben ihren Klaas. Seitdem hat Klaas sich kaum in St. Peter Ording sehen lassen. Doch eines Tages, als Jette im Ort unterwegs ist, kommt Klaas ihr mit einem Wagen entgegen. Jette will ihm unbedingt aus dem Wege gehen, doch das ist einfacher gesagt als getan. Und dann steht er plötzlich vor ihr und lädt sie zu einem gemeinsamen Abendessen ein, wo er ihr angeblich alles erklären will. Es wird ein schöner Abend voller Erinnerungen, doch warum Klaas damals ging, sagt er ihr wieder nicht. Und Jette traut sich nicht zu fragen. Als am nächsten Tag eine ihr unbekannte Frau in Jettes Agentur steht, die eine Hochzeitsplanerin benötigt, staunt Jette daher nicht schlecht, als ihr Blick auf den Namen des Bräutigams fällt: Klaas!

Viel Zeit sich über die Abgebrühtheit ihres Exverlobten zu ärgern, bleibt ihr allerdings nicht, denn es hat sich zudem ein Fußballstar angemeldet, der seiner Freundin, einem Model, einen Hochzeitsantrag machen möchte. Und auch ein attraktiver Sänger, der seit einer erfolgreichen Castingshow vor einigen Jahren, unbedingt neue Engagements benötigt, schneit ihr ins Haus. Marten entpuppt sich als Glücksgriff auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern und außerdem beginnt Jettes Herz in seiner Nähe verdächtig schneller zu schlagen. Doch Arbeit und Privates will sie keinesfalls miteinander verbinden, oder soll sie doch über ihren Schatten springen?

„Mit dir auf Düne sieben“, ist mein erster Roman der Autorin. Ich erwartete einen locker, fluffigen Urlaubsroman, a la Janne Mommsen und im Großen und Ganzen, habe ich auch das bekommen. Mit zwei Einschränkungen: Zum einen ist die Geschichte unglaublich kurz, denn sie wurde in einer, dermaßen großen Schrift abgedruckt, dass man wahrscheinlich in Normalgröße höchstens die Hälfte der angegebenen Seitenzahl vor sich haben würde. Die Romanheldin, die die Story aus ihrer Sicht, also in „Ich-Form“, erzählt, bleibt leider etwas blass- überhaupt fehlt es dem Roman an allen Ecken und Kanten an Tiefgang. Man bekommt viel harmlosen Small Talk zwischen den Bewohnern von St. Peter Ording geboten, dazu entspinnt sich eine kleine, harmlose Liebesgeschichte zwischen Jette und Marten. Allerdings fehlte es auch dieser, meiner Meinung nach, an tiefschürfenden Gesprächen. Marten hat immerhin eine Tochter, was der Grund dafür ist, dass Jette sich etwas ziert. Eine Aussprache zwischen ihnen, in denen sie ihre Bedenken auf den Tisch bringt, fehlte völlig. Das lässt die Heldin ein wenig unreif wirken, denn auch in anderen Situationen verhält sie sich völlig unbeholfen und naiv. Wieso sie etwa Klaas beim Essen nicht zur Rede stellt, war auch so ein Punkt, den ich nicht nachvollziehen konnte. Der Roman lässt sich schnell lesen und manche Passagen darin fand ich durchaus gut geschrieben; wie zum Beispiel Jettes Begegnungen mit ihrer knorrigen Tante, doch mehr als drei von fünf Punkten kann ich hier leider trotzdem nicht vergeben, weil mich einfach zuviel beim Lesen gestört hat und ich mir selbst bei einer harmlosen Urlaubslektüre echt wirkende Emotionen, Tiefgang und Dialoge erhoffe, die nicht nur harmloses Wortgeplänkel sind. Meine Worte mögen vielleicht etwas hart wirken; dennoch, ich hoffe sehr, dass die Autorin am Ball bleibt, denn sie kann durchaus schreiben und müsste lediglich ihren Charakteren in Taten und Worten, mehr Tiefgang auf den Leib schreiben.

Veröffentlicht am 20.06.2017

Romantischer, spannender Abschlussband der Cynster-Schwestern-Dulogie, allerdings auch mit vielen, vermeidbaren Längen

Ein unmöglicher Gentleman
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Miss Mary Alice Cynster, gilt im ton als schwierige Person, die gerne stets die Oberhand in einer Situation behält. Und allen ist es ebenfalls völlig klar, dass sie einen Mann an ihrer Seite benötigt, ...

Miss Mary Alice Cynster, gilt im ton als schwierige Person, die gerne stets die Oberhand in einer Situation behält. Und allen ist es ebenfalls völlig klar, dass sie einen Mann an ihrer Seite benötigt, der ihr Paroli bieten kann. Doch Mary sieht das völlig anders und hat sich bereits den relativ jungen und handzahmen Bruder von Ryder Cavanaugh, Marquess of Raventhorne, auserkoren, als ihren zukünftigen Gatten, weil sie hofft, dass sie ihn in allen Belangen zu lenken vermag. Auf Ryder hingegen würde ihre Wahl niemals fallen, selbst wenn ihr Herz verräterisch schnell in ihrer Brust zu klopfen beginnt, wenn sie ihm begegnet. Und das ist in der Tat momentan sehr oft der Fall. Zu oft, um noch an einen Zufall glauben zu können, findet Mary. Doch wieso nur sucht Ryder, ein Herzensbrecher par excellence, überhaupt ihre Nähe? Will er sie womöglich davon abhalten, dass sie seinem Bruder nachstellt? Ryder ist überaus amüsiert, als Mary ihn deswegen zur Rede stellt und sagt ihr ganz klar voraus, dass sie keinesfalls Erfolg haben wird, in ihrem Bestreben, sich seinen Bruder zu angeln. Denn dieser hat kein Interesse daran, sich jetzt schon Ehefesseln anlegen zu lassen.

Womit Mary jedoch nicht gerechnet hat, ist Ryders Anliegen. Er will Mary heiraten- unbedingt! Mary und Ryder geraten in einen Streit in dem Mary Ryder klar macht, dass sie niemals seine Frau werden wird, weil er ihr viel zu despotisch gestrickt ist. Doch nur eine Stunde später, nach dem Ball, als Mary im Begriff ist mit ihrer Kutsche nach Hause zu fahren, torkelt Ryder schwer verletzt aus einer Gasse. Er wurde überfallen und ringt mit dem Tod. Mary zögert nicht lange und bringt ihn in sein Stadthaus, wo sie bei ihm bleibt, und begreift, dass sie mehr an Ryder hängt, als es ihr lieb ist. Als dann auch noch Ryders Stiefmutter Lavinia, zusammen mit ihren Freundinnen und wahren Klatschbasen dort auftaucht, die Mary dort entdecken, gibt es nur noch eine Möglichkeit- Mary muss Ryder heiraten, um nicht als restlos kompromittiert zu gelten. Doch Mary ist überraschenderweise alles andere als enttäuscht. Ihre Ehe lässt sich gut an, doch dann werden weitere Anschläge auf Ryder und Mary verübt. Wer trachtet ihnen nur nach dem Leben?

Nachdem mich der Vorgängerband um die beiden Cynsterschwestern, bzw. Cousinen von Devil und Konsorten, restlos begeistern konnte, freute ich mich schon sehr auf den letzten Teil der Reihe um Mary Alice. Und es hieß dann auch Abschiednehmen von dieser Generation von Cynsters, was ich mit einem lachenden und weinenden Auge tat. Zugegeben, nicht alle Romane um die Cynsters und Anverwandte waren durchweg gut, doch irgendwie ist die Familie mir im Laufe der Jahre doch sehr ans Herz gewachsen. Bevor man nun aber in Wehmut zerfließt, bekommt man zuvor eine sehr schöne, romantische und zum Teil auch spannende Liebesgeschichte zwischen Ryder und Mary geboten, in der Stephanie Laurens wieder einmal zeigt, dass sie schreiben kann. Aber neben all den positiven Aspekten kommen leider diesmal auch ihre negativen Seiten zum Vorschein. So sind die Liebesszenen wieder einmal ellenlang geraten, so dass man schließlich versucht ist, weiterzublättern und auch Stephanie Laurens unschöne Neigung, jeden Ball und jedes Gespräch in epischer Breite auszuschmücken, zerrte arg an meinen armen Lesernerven. Der Roman ist mit seinen 507 Seiten einfach viel zu lang geraten und ich würde der Autorin dringend raten, sich in Zukunft einfach kürzer zu fassen, denn gekürzt hätte „Ein unmöglicher Gentleman“, von mir sicherlich die volle Punktzahl bekommen, weil ansonsten alles stimmt und auch die Mordanschläge auf Ryder und Mary und die Suche nach dem Täter packend zu lesen waren. Sowohl Mary als auch Ryder sind sympathische Charaktere, wobei Ryder trotz typischer Laurens-Helden-Attribute, dennoch nicht ganz so herrisch geraten ist, wie etwa die Cynster-Brüder, was mir ganz gut gefallen hat. Und auch Mary Alice ist einfach eine perfekte, clevere Heldin, die Ryder ebenbürtig ist und sich mit ihm viele amüsante Schlagabtausche liefert.

Vielversprechend fand ich aber auch Ryders Halbgeschwister beschrieben, und denke fast, dass sie irgendwann auch ihre eigenen Geschichten auf den Leib geschrieben bekommen. Und natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit den Cynster- Brüdern, ihren Ehefrauen und den Cynsterschwestern, was sicherlich alle Fans der Cynster-Reihen freuen wird. Nun heißt es wohl erst einmal warten, bis die nächste Generation herangewachsen ist. Und ich hoffe sehr, dass die Autorin vielleicht zwischenzeitlich eine neue Familienreihe schreiben wird. Vielleicht sogar angesiedelt in einer völlig anderen zeitlichen Ära. Das fände ich sehr schön, selbst wenn ich Stephanie Laurens Regency-Romances sehr mag. Aber manchmal tut Abwechslung auch Not.