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Veröffentlicht am 15.01.2021

Unterhaltsamer, kurzweiliger siebter Teil der Jan Tommen Reihe

Als die Nacht begann
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Der tödliche Schuss eines Unbekannten, mitten auf der belebten Friedrichstrasse in Berlin, streckt eine anscheinend unbedarfte junge Studentin nieder. Jan Tommen und sein Team gehen fieberhaft auf die ...

Der tödliche Schuss eines Unbekannten, mitten auf der belebten Friedrichstrasse in Berlin, streckt eine anscheinend unbedarfte junge Studentin nieder. Jan Tommen und sein Team gehen fieberhaft auf die Suche nach dem Mörder und dessen Tatmotiv, denn die Politik fürchtet weitere Morde auf offener Strasse an unschuldigen Passanten.

Die Ermordete trug zwar ein gravierendes Geheimnis mit sich herum, doch würde jemand sie deswegen töten? Als ein weiterer Mord geschieht, diesmal an einem jungen Mann, der sehr zurückgezogen lebte, scheint es keinerlei Parallelen zu geben zwischen ihm und dem ersten Opfer. Durch einen cleveren Schachzug gelingt es Jan und seinem Team, hinter das brisante Geheimnis des zweiten Opfers zu kommen. Und dieses führt sie nun auf eine interessante neue Spur. Wird es ihnen gelingen, den Mörder rechtzeitig zu überführen, bevor er sich weitere Opfer sucht?

Ich gewann diesen Krimi bei einer Buchverlosung, wusste im Vorfeld leider gar nicht, dass es sich hier bereits um den siebten Teil einer Krimiserie handelt, die in Berlin spielt. Daher hatte ich auch anfangs einige Mühe damit, den Hauptakteur und seine Teammitglieder erstmal einordnen zu können. Da das Team um Jan Tommen sehr freundschaftlich miteinander umgeht und auch viele amüsante Floskeln austauscht, bereute ich es schnell, nicht zunächst die ersten sechs Bände gelesen zu haben. Daher würde ich, allen Neueinsteigern, dringend raten nicht den gleichen Fehler zu machen wie ich, sondern die Serie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, weil das Leseerlebnis so natürlich dann gleich runder wirkt.
In die Krimihandlung kommt man dagegen schnell herein und ich fand diese auch sehr unterhaltsam und interessant dargeboten.

Zugegeben, ein wenig unglaubwürdig mutete es schon an, dass Jan Tommens Team immer jemanden an der richtigen Stelle sitzen hatte, der ihnen die richtige Information zukommen lassen konnte. Ebenfalls schade fand ich es, dass die weitere Suche, nach dem Vater des ersten Opfers, so unter den Tisch gefallen lassen wurde. Daher habe ich auch einen kleinen Punktabzug vorgenommen. Dennoch fand ich diesen Krimi im Großen und Ganzen aber sehr gut und vor allem unterhaltsam geschrieben und würde ihn durchaus weiterempfehlen.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer, kurzweiliger siebter Teil der Jan Tommen Reihe.


Jan Tommen Reihe:

1. Teil: Bis alle Schuld beglichen
2. Teil: Vor deinem Grab
3. Teil: Wenn alle Hoffnung vergangen
4. Teil: Die Erinnerung so kalt
5. Teil: Was verborgen bleiben sollte
6. Teil: Wenn die Zeit gekommen ist
7. Teil: Als die Nacht begann

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2021

Unterhaltsamer Cosy-Krimi, nicht nur für Katzenfans!

Kater Brown und die Adventsmorde
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Die Reisejournalistin Alexandra und ihren Kollegen und Freund Tobias, verschlägt es in der Weihnachtszeit, in das beschauliche Örtchen Ruhsleben. Alexandra soll über die jährliche Attraktion des Dörfchens, ...

Die Reisejournalistin Alexandra und ihren Kollegen und Freund Tobias, verschlägt es in der Weihnachtszeit, in das beschauliche Örtchen Ruhsleben. Alexandra soll über die jährliche Attraktion des Dörfchens, das Weihnachtsdorf, eine Art Weihnachtsmarkt, berichten. Die beiden Hobbydetektive interessieren aber vor allem die Weihnachtsmorde. Einst schrieb ein Autor und Bewohner von Ruhsleben, gruselige Geschichten über einen mordenden Geist, die über die Landesgrenzen hinaus beliebt wurden und dem Ort zu Bekanntheit verhelfen konnten. Und eben diese Morde werden in der Adventszeit, während das Winterdorf steht, zusätzlich nachgestellt.

Auch Kater Brown begleitet seine beiden Freunde nach Ruhsleben und kaum ist die kleine Spürnase an Ziel, wittert sie schon wieder einen echten Mord. Alexandra und Tobias können es kaum fassen, als das Katerchen sie zu einer Leiche führt. Der Verstorbene gehörte zur bekanntesten Familie im Ort, doch ausgerechnet eine nahestehende Verwandte des Mannes, will verhindern, dass die Polizei zu früh ermittelt. Sie fürchtet, als Veranstalterin und Nutznießerin des Weihnachtsdorfes, schlechte Publicity…

Vor Jahren las ich bereits zwei andere Katzenkrimis des Autors, die dieser unter dem Pseudonym Catherine Ashley Morgan schrieb. Während mir „Die Nacht der roten Katze“ sehr gut gefiel, konnte mich „Die Kartäuser-Affäre“ dagegen leider nicht ganz so begeistern. Als ich nun bei einer Adventsverlosung im vergangenen Jahr, diesen Roman hier der zu einer anderen Reihe gehört gewann, freute ich mich sehr darüber, denn der Klappentext suggerierte schon mal eine interessante Krimihandlung. Leser die sich zwar gerne in der Adventszeit eine passende Lektüre zu Gemüte führen möchten, aber von den meisten weihnachtlichen Romanen abgeschreckt sind, weil sie zu schwülstig daher kommen, sollten hier durchaus mal einen Blick ins Buch riskieren. Dem Autor gelingt es nämlich sehr gut, die Örtlichkeiten bildhaft und stimmungsvoll zu beschreiben ohne in die Kitschfalle zu geraten. Die Idee des Weihnachtsdorfes und auch die inszenierten Ruhslebener Adventsmorde fand ich klasse!
Und auch das clevere Katerchen fand ich knuffig beschrieben. Man sollte aber wissen, dass Kater Brown „seine Menschen“ lediglich dezent unterstützt und dabei völlig Katze bleibt.

Alexandra und Tobias führen lebhafte Dialoge miteinander und kabbeln sich sehr oft, allerdings fand ich es seltsam, dass Alexandra auf die Flirtereien von Tobias etwas zu spröde reagierte, denn eigentlich wirkt es ja schon so, als würde sie sich für ihren Freund und Kollegen interessieren. Überhaupt wurde ich mit Alexandra leider nicht ganz so warm, wie ich es mir gewünscht hätte, weil sie stets ein wenig besserwisserisch auftritt.
Abgesehen von meinem Kritikpunkt ist der Cosy-Krimi jedoch unterhaltsam und was mir auch gut gefallen hat, war, dass man auch als Neueinsteiger trotzdem gut hinein kommt in die momentan siebenbändige Reihe.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer Cosy-Krimi, nicht nur für Katzenfans!


Kater Brown Katzenkrimis:

1. Teil: Kater Brown und die Klostermorde
2. Teil: Kater Brown und die Tote Weinkönigin
3. Teil: Kater Brown und die Kämpfer des Ostens
4. Teil: Kater Brown und das Testament der Madame Maupu
5. Teil: Kater Brown und die Adventsmorde
6. Teil: Kater Brown und das Rätsel des roten Raben
7. Teil: Kater Brown und der magische Mister Miracle


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2021

Weihnachtlicher Selbstfindungsroman, der Inspiration bieten will. Leider ist er zum Teil, zu gefällig und oberflächlich geraten

Das Weihnachtswunder von Hope Street
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Ein Jahr zuvor:

Die attraktive Ruth Ryans lebt in Irland und hat nach außen hin alles, wovon andere nur träumen. Einen aufregenden, spannenden Job, wegen dem sie viel in der Öffentlichkeit steht und beliebt ...

Ein Jahr zuvor:

Die attraktive Ruth Ryans lebt in Irland und hat nach außen hin alles, wovon andere nur träumen. Einen aufregenden, spannenden Job, wegen dem sie viel in der Öffentlichkeit steht und beliebt ist und eine sympathische Familie. Doch die äußere Fassade trügt. Ruths Dad befindet sich in einer Art Dämmerzustand, bekommt nur noch sehr selten mit, wenn sie ihn im Pflegeheim besucht und zudem fühlt sie sich in dem wunderschönen aber großen Elternhaus sehr einsam. Ruths Mutter verließ die vierköpfige Familie schon, als Ruth und ihre Schwester noch im Teenageralter waren und kehrte nie zurück und Ruth, die keinen Lebensgefährten hat, fällt, als ihr Dad plötzlich stirbt, in ein tiefes, seelisches Loch.

Gegenwart:

Noch immer hat sich Ruth nicht vom Tod ihres Vaters erholt. Sie weiß nichts mit sich anzufangen und ergeht sich in ihrer Traurigkeit. Erst dem Keller Michael, der in dem Cafe arbeitet das Ruth oft besucht weil sie mit der Besitzerin befreundet ist, gelingt es, sie aus ihrer lähmenden Lethargie zu reißen. Allerdings machen seine Worte Ruth auch sehr wütend. Erst als sie erfährt, dass es sich bei ihm um den Stadtstreicher handelt, dem sie ein Jahr zuvor Geld zusteckte, bevor sie von der Todesnachricht ihres Dads erfuhr, wird sie nachdenklich.
Da sie eine Kolumne für Lebensfragen betreibt, schreiben ihr tagtäglich viele verzweifelte Menschen. Ein paar davon wählt sie nun sorgfältig aus, denn sie plant, diesen unbekannten, einsamen Menschen ein unvergessliches Weihnachtsfest in ihrem Hause zu bereiten. Und Michael, bei dem ihr Herz schneller klopft, soll ihr bei der Zubereitung des Festessens helfen. Aber auch Michael hat eine traurige Vorgeschichte und schleppt seelische Altlasten mit sich herum…

Auf der Suche nach passender, stimmungsvoller Weihnachtslektüre, die ganz ohne Kitschfaktor auskommt, stieß ich irgendwann auch auf „Das Weihnachtswunder von Hope Street“. Zugegeben, ein wenig verliebte ich mich vorab in das wunderschöne, glitzernde Romancover und erhoffte mir eine schöne weihnachtliche Geschichte mit viel Herz und Romantik.
Nun, nach dem Lesen, bin ich zwiegespalten bei meiner Bewertung. Sicherlich, die Ausgangssituation, überhaupt die Story an sich, ist gut durchdacht. Ebenfalls gut hat mir an dem Roman gefallen, dass er, vor allem, menschliche Werte in den Fokus stellt. Der Roman erinnert stark an christliche Romances, was an sich ja zunächst einmal nichts Schlechtes ist, im Gegenteil! Doch ich fand einfach, dass die Autorin zuviel wollte und sich teilweise ein wenig verzettelt hat. Zunächst einmal stellt sie alle Akteure und ihren familiären/persönlichen Hintergrund vor. Zwar beschreibt sie deren Situationen verständlich, doch waren mir die, jeweils, knapp zwei, drei Seiten viel zu kurz geraten um sich richtig in die Akteure hineindenken zu können.
Kommen wir zu Ruth.
Ruths leidet, nach wie vor, sehr unter dem frühen Fortgang ihrer Mutter und dem Tod ihres Vaters. Sie fühlt sich einsam und allein, weigert sich jedoch, der Bitten um Aussprache seitens der Mutter, nachzugeben. Und ich fand, dass passte so gar nicht zur weiblichen Hauptfigur. Denn die, die anderen so lebenskluge Ratschläge gibt, weigert sich einfach rundherum, ihre Mutter zumindest einmal anzuhören? Ruth lernt, durch andere Menschen, auch Michael, schließlich dazu, doch fand ich ihr Verhalten und ihre Vorverurteilungen Michael gegenüber schwierig.
Ruth wirkte leider alles andere als sympathisch auf mich. Auch Michael konnte mich auf gefühlsmäßiger Ebene so gar nicht erreichen. Dass er Ruth den Kopf zurechtrückt, okay, aber im Laufe des Romans betet er dann entweder nur noch sinnige Lebensweisheiten herunter oder aber, er singt Loblieder auf Ruth, die ja so wahnsinnig verständnisvoll ist, viel Herz besitzt, anderen so gut zuhören kann, etc. Lediglich als beide sich über Michaels Problem austauschen, gewinnt die Story ein wenig an Farbe, doch löst sich alles dann wieder dermaßen schnell in Wohlgefallen auf, dass ich enttäuscht zurück blieb. Die Liebesgeschichte zwischen beiden konnte mich ebenfalls nicht berühren, denn auch diese wird kurz und knapp behandelt, so dass nicht viel Zeit für Romantik bleibt.

Dabei fand ich die Idee des Romans, wunderbar und inspirierend. Und zugegebenermaßen gelingt es Emma Heatherington durchaus, Stimmungen und die Verzweiflung und Einsamkeit ihrer Figuren greifbar zu machen. Und in Ansätzen, regt der Roman auch zum Nachdenken an. Doch ich fand einfach, dass es, zu wenig, leise Untertöne in dieser Geschichte gab. Stattdessen wird die gute Botschaft, buchstäblich, vor die Stirn der Leserschaft gemeißelt. Die Story größtenteils, plätschert dazu belanglos vor sich hin. Es ist kein schlechter Roman, aber auch keiner, der die Seele des Lesers, ganz und gar, gefangen nehmen kann.

Kurz gefasst: Weihnachtlicher Selbstfindungsroman, der Inspiration bieten will. Leider ist er zum Teil, zu gefällig und oberflächlich geraten.

  • Cover
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Veröffentlicht am 28.12.2020

Interessanter Debütroman, dessen Hintergrundthema an Aktualität und Brisanz nicht zu überbieten ist

Tod im Alten Land
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Gerade aus Frankfurt zurückgekehrt, ins Alte Land, wo Hauptkommissar Gabriele Berlotti den größten Teil seiner Kindheit verbrachte und seine Eltern immer noch leben, bleibt dem Ermittler nicht viel Zeit ...

Gerade aus Frankfurt zurückgekehrt, ins Alte Land, wo Hauptkommissar Gabriele Berlotti den größten Teil seiner Kindheit verbrachte und seine Eltern immer noch leben, bleibt dem Ermittler nicht viel Zeit zur Ruhe zu kommen. Denn bereits sein erster Mordfall entpuppt sich als äußerst brisant. Ein Journalist wurde mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden und im Zuge seiner Ermittlungen stellt sich schnell heraus, dass der Journalist, unter Kollegen, einen zweifelhaften Ruf genoss. Zudem galt er als Mann, der bei den Frauen äußerst beliebt war. Doch wer wollte ihn nur aus dem Wege haben und warum?

Berlotti und sein neues Team, allen voran die taffe Kollegin Kriminalkommissarin Katharina Meinhold tappen lange Zeit im Dunklen. Doch die Zeit drängt. Von ganz oben erhält Berlotti schließlich einen Anruf und schon bald steht nicht nur sein Job auf dem Spiel, sondern auch sein Leben und das seiner Eltern. Denn ein wütender, rassistisch motivierter Mob geht in Hamburg um und dem ist Berlotti, der italienische Wurzeln hat, ein Dorn im Auge. Und dass sich ein Online-Presseportal mehrfach über seine angebliche Unfähigkeit ausgelassen hat, fördert weitere Hasstiraden unter den anonymen Unsern im Netz.
Berlotti ist fassungslos, doch auch fest entschlossen den Mörder des Journalisten dingfest zu machen. Als ein weiterer Journalist ermordet aufgefunden wird, muss das frischgebackene Ermittlerteam fürchten, dass ein Serienmörder umgeht…

„Tod im Alten Land“ von Daniel E. Palu ist der erste Teil einer neuen Krimiserie um einen Hauptkommissar aus dem Alten Land mit italienischen Wurzeln. Gabriele Berlotti ist ein passionierter Kaffeetrinker, der eine gute Kaffeesorte zu schätzen weiß und liebt es sinnige Lebensweisheiten und Sprichwörter von sich zu geben, immer wenn es passt.
Seine Mutter ist nicht nur eine gläubige Christin, sie würde ihren Sohn auch zu gerne endlich wieder verheiratet sehen, doch Gabriele ziert sich zu ihrem Verdruss, obwohl sie doch fleißig die Kupplerin spielt. Gabrieles Vater liebt seine Frau und seinen Sohn sehr, aber seitdem ihm bewusst wurde, dass sich bei seiner Frau eine leichte Demenz eingestellt hat, ist er froh darüber, dass sein Sohn zurückgekehrt ist um sich um die Eltern zu kümmern.
Mit Kriminalkommissarin Katharina Meinhold, hat der Autor seinem Romanhelden eine fleißige, nicht auf den Mund und Kopf gefallene Kollegin zur Seite gestellt. Die Schlagabtausche zwischen den beiden Romanfiguren wirken lebensecht und munter und sorgen für amüsante Momente innerhalb des Romans.

Die Auflösung des Kriminalfalls gestaltet sich allerdings, für meinen Geschmack, als etwas zu langatmig dargeboten. Zugegeben, das (Hintergrund)Thema ist an Aktualität und Brisanz nicht zu überbieten (übrigens wird dieses auch im „Wilsberg-TV Krimi „Alles Lüge“ angerissen) und ich finde, dass es dem Autor gelungen ist, dieses überzeugend in Szene zu setzen. Schon allein dafür verdient Daniel E. Pala einen Extrapunkt bei der Bewertung, weil es ein so wichtiges Thema ist, doch fehlten mir; schließlich handelt es sich hier ja um einen Krimi, an Spannungselementen. Erst auf den letzten hundert Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf; viel zu spät, wie ich finde.
Womit ich ebenfalls ein Problem hatte, war die „Marotte“ des Autors, Figuren zu beschreiben, in denen er sie mit Persönlichkeiten aus Funk und Fernsehen etc. vergleicht. Das kann man einmal, zweimal machen, doch nicht so gehäuft weil es dann beginnt zu nerven. Genauso empfand ich auch Berlottis ewige Sprücheklopferei als „too much“. Dezenter eingesetzt hätte diese dagegen sicherlich besser gewirkt und nicht so wie die sprichwörtliche „Faust aufs Auge“. Dennoch ist „Tod im Alten Land“ kein schlecht geschriebenes Buch, sondern ein interessanter Debütroman mit kleinen Schwächen. Und ich werde dem Autor, sollte es einen zweiten Teil geben, sicherlich noch eine weitere Chance einräumen.

Kurz gefasst: Interessanter Debütroman, dessen Hintergrundthema an Aktualität und Brisanz nicht zu überbieten ist.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Eher leichter, unterhaltsamer Selbstfindungs/Frauenroman, als weihnachtliche Romance

Der Glanz einer Sternennacht
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November 2019: Lorne Castle, Irland

Die Feierlichkeiten zum dreißigjährigen Hochzeitstag enden tragisch, als der Hausherr von Lorne Castle, Sir Declan Lorne, der letzte Ritter Irlands, plötzlich verstirbt. ...

November 2019: Lorne Castle, Irland

Die Feierlichkeiten zum dreißigjährigen Hochzeitstag enden tragisch, als der Hausherr von Lorne Castle, Sir Declan Lorne, der letzte Ritter Irlands, plötzlich verstirbt.
Ausgerechnet seiner Tochter Willow hinterlässt er die Burg während Willows Schwestern, Ottie und Pip, sich mit dem Inventar oder den anhängenden Gebäuden zufrieden geben sollen. Besonders hart trifft es Sir Declans Witwe, die nun fortan zwar noch auf dem Grundstück leben darf, jedoch eine viel kleinere Behausung beziehen muss- dem Witwensitz.

Als Willow vom Tod ihres Vaters erfährt, befindet sie sich weit entfernt, denn sie hatte, schon vor Jahren, der Familie den Rücken gekehrt. Den Grund dafür verriet sie nie doch Sir Declan ahnte bereits damals, dass sein kleines Mädchen nicht freiwillig fort ging.
Nun, wieder zurück in Irland, muss sich Willow nicht nur mit ihrer Familie auseinandersetzen was ihr alles abverlangt da diese scheinbar kein Verständnis für Sir Delclans letzten Willen hat. Zudem stehen die Lornes finanziell auf sehr wackeligen Beinen. Willow begreift schnell, dass es nur einen Ausweg gibt. Sie muss die Burg veräußern und das möglichst schnell. Das bringt ihr erneut den Zorn ihrer Mutter und ihrer Schwestern ein, doch Willow will sich durchsetzen. Da kommt ihr das Angebot eines Engländers gerade recht. Dieser wurde zwar Monate zuvor von ihrem Vater „vom Hof gejagt“ weil er nicht mit offenen Karten spielte, doch scheint er immer noch an einem Kauf interessiert zu sein. Als Willow ihm begegnet, ist sie überrascht. Der Engländer ist keinesfalls ein knorriger alter Mann, sondern ein äußerst attraktiver Bursche und gewiefter Geschäftsmann. Obwohl sie es nicht will, schlägt ihr Herz in Connors Nähe schneller.

Pip dagegen ist die Pferdenärrin der Lornes und würde sich zu gerne ihren größten Traum, eine Pferdezucht, erfüllen. Doch nachdem sie erfahren hat, wie schlimm es finanziell um die Familie steht, fürchtet sie, sämtliche Register ziehen zu müssen. Selbst wenn es eine verhängnisvolle Wette ist, bei der sie alles verlieren könnte. Ihr Freund aus Kindertagen, Taigh, sorgt sich sehr um sie, doch Willow ignoriert Taighs Bedenken. Denn sie grollt ihm immer noch, weil er sie damals für eine andere verließ.

Währenddessen umtreiben Ottie ganz andere Probleme. Sie hat sich auf eine geheime Affäre eingelassen. Ihr Geliebter ist verheiratet. Er sagt Ottie zwar, dass er seine Frau für sie verlassen will, doch zieht sich sein Versprechen alles aufzudecken, einige Jahre hin. Ottie ist hin und hergerissen. Zwar liebt sie den Mann, doch kann sie nicht verstehen, wieso er nur so lange zögert. Als sich der Marathonläufer Ben, eigentlich nur für ein paar Tage bei ihr einquartiert, kommt Bewegung in die verfahrene Beziehung. Allerdings anders, als Ottie es sich je zu träumen gewagt hätte…

Vor einigen Jahren stieß ich zufällig auf einen Roman der Autorin und ich mochte sogleich ihren sehr eingängigen Schreibstil, der mich ein wenig an den von Nora Roberts erinnerte. Karen Swan schreibt moderne, leichte Liebesromane. Zumeist spielen diese an malerischen Orten und zur Weihnachtszeit. Auch ihr aktueller Roman, „Der Glanz einer Sternennacht“, fällt in dieses Raster. Wobei ich allerdings sagen muss, dass Leser, die nun einen Liebesroman mit reichlich Weihnachtsflair behaftet erwarten, etwas enttäuscht sein könnten. Zwar beginnt diese Geschichte im November und endet Weihnachten, doch handelt es sich hier, in erster Linie um einen Familienroman. Die Hauptfiguren sind die drei Lorne Schwestern und diese müssen sich, im Laufe der Story erst einmal selbst finden und verwirklichen.

Ich mag das Setting, Irland, sehr. Die Autorin beschreibt die Ortschaft sehr bildhaft und auch die Familie weist ausreichend Ecken und Kanten auf, um interessant zu wirken. Ein wenig schade fand ich es, dass die Autorin die Liebegeschichten aller drei Frauen bereits in diesem Roman erzählt hat, statt eine Trilogie zu erschaffen. Denn trotz der 573 Seiten—dieser Roman ist ein ganz schöner Wälzer kamen die Liebesgeschichten, für meinen Geschmack, ein wenig zu kurz. Die Probleme und Selbstverwirklichung der Schwestern wurden mehr in den Fokus gerückt, was ja auch völlig legitim sein mochte, doch fand ich, ehrlich gesagt, dass die Autorin sich hier ein wenig verzettelt hat und zuviel auf einmal wollte. Denn so kam die Gedanken- und Gefühlswelt der Romanfiguren zu kurz. Zumal Willow, Pip und Ottie nicht gerade einfach gestrickt waren. Daher habe ich auch einen ganzen Punkt bei meiner Bewertung abgezogen.
Dennoch, trotz dieser Kritikpunkte, konnte mich Karen Swans Roman gut unterhalten und ich fand auch, dass die eher dezente weihnachtliche Stimmung, gut passte. Apropos passen… das entworfene Cover zum Roman ist ein wunderschöner Hingucker und so macht sich „Der Glanz einer Sternenacht“ wunderbar im Bücherregal.

Kurz gefasst: Eher leichter, unterhaltsamer Selbstfindungs/Frauenroman, als weihnachtliche Romance.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere