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Veröffentlicht am 03.08.2021

Packender, sehr lesenswerter Krimi in der Welt der Amish-People spielend

Dein ist die Lüge
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Als der Witwer Adam Lengacher, Mitglied der Amish-People, ein verunfalltes Auto ohne Insassen vorfindet, zögert er nicht lange mögliche verwirrt umherstreifende Opfer zu suchen, denn es ist bitterkalt ...

Als der Witwer Adam Lengacher, Mitglied der Amish-People, ein verunfalltes Auto ohne Insassen vorfindet, zögert er nicht lange mögliche verwirrt umherstreifende Opfer zu suchen, denn es ist bitterkalt und weiterer Schneefall wurde bereits angekündigt. Schon bald wird er fündig und entdeckt eine verletzte, stark blutende Frau, die ihn zunächst mit einer Waffe bedroht.
Es gelingt ihm aber, sie zu überzeugen, dass er ihr lediglich helfen will. Außerdem ist sie sowieso viel zu geschwächt.

Er nimmt sie mit in sein Haus, in dem er mit seinen Kindern lebt und ruft nur wenig später Polizeichefin, Kate Burkholder an. Die fällt aus allen Wolken, als sie sieht, wen Adam da beherbergt, denn Polizistin Gina Colorosa ist keine Unbekannte. Einst waren Kate und Gina unzertrennliche Freundinnen, absolvierten zur gleichen Zeit die Polizeiausbildung. Zudem war Gina ihr eine große mentale Stütze, als Kate noch darunter litt, von ihrer Amishfamilie verstoßen worden zu sein.
Doch Gina hatte auch weniger schöne Charakterzüge, weswegen sie in Streit gerieten und was schließlich dazu führte, dass ihre Freundschaft auf Eis gelegt wurde und Kate wegzog aus der Stadt.

Und nun tischt Gina ihr eine völlig haarsträubend klingende Geschichte auf; sagt Kate, sie wäre in Lebensgefahr und würde von Kollegen gejagt. Kann Kate Gina tatsächlich Glauben schenken? Oder verbirgt Gina womöglich ein entscheidendes Detail vor ihr?
Fakt ist jedenfalls, dass Gina eine Zeit lang abtauchen muss. Und Adam Lengachers Farm böte den perfekten Platz dafür, mitten im ländlichen Nirgendwo…

Ich las vor Jahren zwei Heftromane der Autorin, die eher Frühwerke waren und nicht zur Kate Burkholder Reihe gehörten. Weil diese leider keinen dauerhaften Eindruck bei mir hinterließen, habe ich mich daher mit Linda Castillos weiteren Büchern nie beschäftigt. Und nun, nach dem Lesen des immerhin schon zwölften Kate Burkholder Romans, muss ich gestehen, dass das ein Fehler war. Denn „Dein ist die Lüge“ entpuppte sich als sehr lesenwerter, packender Krimi, der wie auch alle anderen Bände der Reihe, größtenteils in der Welt der Amish - Glaubensgemeinschaft spielt.
Seit ich im Kino den Harrison Ford Krimi „Der einzige Zeuge“ sah, in dem sich der Held bei den Amish People verstecken musste, finde ich die Welt dieser Glaubensgemeinschaft und ihr Werteverständnis spannend. Da die Autorin auch sehr viel über den Alltag der Amishen einstreut, bringt sie ihren Lesern diese auf uns fremd wirkende Lebensart dadurch etwas näher.

In „Dein ist die Lüge“, ist der Autorin der Balanceakt zwischen Krimihandlung und Beschreibung des Alltagsgeschehens der Amishen gut geglückt. Zugegeben die Krimihandlung baut sich, abgesehen vom ersten rasant und actionreich geratenen Kapitel, recht langsam auf. Zudem mag die Jagd auf korrupte Polizisten vielleicht für den, ein oder anderen Leser, nicht so viel Spannung versprechen, als wenn die Romanheldin auf Mörderjagd gehen würde. Ich für meinen Teil fühlte mich jedoch sehr gut unterhalten. Die Autorin weist einen flüssigen, bildhaften Schreibstil auf und ich fand auch die Szenen in Adams Haus, wie er mit seiner Familie umgeht, etc., sehr atmosphärisch und unterhaltsam dargeboten. Zudem hat Adam einen schönen trockenen Humor und so ist es eigentlich schade, dass er hier nur eine Nebenfigur in diesem Roman bleibt.

Kate ist eine vielschichtige Romanheldin. Man kann gut in ihre Gedankenwelt eintauchen, nachvollziehen, wieso sie, nach so vielen Jahren, immer noch ein bisschen gefangen ist, zwischen dem anerzogenen Gedankengut der Amish People und dem der übrigen Welt. Mich hat es sehr berührt, wie sehr sie darunter leidet, dass sich ihre Familie einst von ihr abwandte und ich fand es gut, dass sie, trotz der früheren innigen Freundschaft zu Gina, misstrauisch bleibt. Sie wirkt sehr clever, zielorientiert aber auch sympathisch und im Umgang mit anderen Akteuren freundlich und unkompliziert, so dass man sie schnell in sein Leserherz schließen kann. Und durch Gina, eine sehr undurchschaubare Nebenfigur, erfährt die Story zusätzliche spannende Reibungspunkte. Übrigens könnte ich mir diese Buchreihe auch gut als Verfilmung vorstellen!

Da ich das Genre Romantic Suspense ebenfalls sehr mag und mir eine kleine romantische Seele bewahrt habe , fand ich es dagegen schade, dass die gemeinsamen Szenen zwischen der Romanheldin Kate und ihrem Lebenspartner Tomasetti, ein wenig nüchtern dargeboten wirkten. Man sollte doch meinen, dass sich zwei Liebende nicht nur über die Arbeit austauschen. Aber vor allem fand ich es seltsam, dass Tomasetti sie in einer schwelenden Gefahrensituation allein lässt. Dennoch möchte ich die volle Punktzahl für diesen tollen Krimi vergeben, weil genannte Kritikpunkte nicht wirklich ins Gewicht fallen, der Roman unterhält und der Showdown gegen Ende spannende Momente bereithält. Mit einem lachenden und weinenden Auge habe ich „Dein ist die Lüge“ schließlich ausgelesen. Lachend weil ich eine neue tolle Buchreihe entdeckt habe, weinend, weil mein Geldbeutel nun den Kauf von elf Vorgängerbänden verkraften muss.

Kurz gefasst: Packender, sehr lesenswerter Krimi in der Welt der Amish-People spielend.

Kate Burkholder Reihe:

1. Teil: Die Zahlen der Toten
2. Teil: Blutige Stille
3. Teil: Wenn die Nacht verstummt
4. Teil: Tödliche Wut
5. Teil: Teuflisches Spiel
6. Teil: Mörderische Angst
7. Teil: Grausame Nacht
8. Teil: Böse Seelen
9. Teil: Ewige Schuld
10. Teil: Brennendes Grab
11. Teil: Quälender Hass
12: Teil: Dein ist die Lüge


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Belangloser, leider zu modern geratener Histo-Cosy-Crime Roman, in dem ein Kindermädchen, ein Bahnpolizist und eine Adlige auf detektivischen Pfaden wandeln

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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London 1920:

Die Tochter einer Wäscherin, Louisa Cannon, trifft eines Tages zufällig eine alte Bekannte, der es gelungen ist, gesellschaftlich aufzusteigen. In deren Gesellschaft befindet sich zudem die ...

London 1920:

Die Tochter einer Wäscherin, Louisa Cannon, trifft eines Tages zufällig eine alte Bekannte, der es gelungen ist, gesellschaftlich aufzusteigen. In deren Gesellschaft befindet sich zudem die quirlige Nancy Mitford und diese wird sogleich hellhörig, als sie erfährt, dass Louisa händeringend eine neue Beschäftigung sucht, denn das Geld ist knapp bei den Cannons. Zudem wird Louisa seit kurzer Zeit von ihrem kriminellen Onkel bedrängt, der seitdem ihr Vater ein Jahr zuvor verstarb, im Haushalt ihrer Mutter ein und ausgeht und der Louisa nun dazu bringen will, sich für Geld zu prostituieren.
Im Haushalt der adligen Familie Mitford ist nämlich die Stelle des Kindermädchens frei geworden und Nancy findet, Louisa wäre die richtige Person für diesen Job.

Doch Louisas Onkel ist überaus listenreich und fängt die Einladung für ein Vorstellungsgespräch ab. Es gelingt ihm, eines Tages, als Louisa ihrer Mutter mit der Wäsche hilft, seine Nichte zu überwältigen und er zwingt sie dazu, mit ihm zusammen in einen Zug zu steigen, der sie direkt zu ihrem ersten Freier bringen soll.
Louisa ist jedoch ebenfalls geschickt und clever. Es gelingt ihr tatsächlich, ihrem Onkel die Einladung aus der Tasche zu ziehen und sich in letzter Sekunde aus dem Staub zu machen. Doch bei dem Sprung aus dem Zug, wird sie von Bahnmitarbeitern und der Bahnpolizei beobachtet und besorgt befragt und umsorgt. Besonders Guy, einer der beiden Männer der Bahnpolizei, bemüht sich um die attraktive junge Frau und er ist es auch, der ihr aus der Not hilft. Denn Louisas Vorstellungstermin findet bereits ein paar Stunden später statt. Er leiht ihr also Geld und setzt sie in den richtigen Zug.

Louisa ist äußerst dankbar und hat sich auch ein wenig in den ehrlichen jungen Mann verguckt. Doch zunächst hat sie ganz andere Sorgen. Zwar bekommt sie die Anstellung bei den Mitfords, doch Nancy entpuppt sich als ziemlich anstrengendes, neugieriges und klatschsüchtiges junges Mädchen und es kostet Louisa alle Mühe, Nancy im Zaum zu halten. Denn die hat es sich in den Kopf gesetzt, den Mord an der kürzlich pensionierten Krankenschwester Florence Nightingale Shore aufzuklären, die ermordet in einem Zug aufgefunden wurde. Aufgrund von Nancy Bemühungen und der Tatsache, dass auch Guy in diesem Mordfall ermittelt, kreuzen sich Louisas und Guys Wege erneut...

Namen sind nur Schall und Rauch- dieses Sprichwort bewahrheitet sich im Falle des zu besprechenden Buches, in der Tat. Aufmerksam wurde ich auf diesen historischen Cosy-Krimi, der zudem der erste Teil einer fünfbändigen Reihe um die teils, skandalösen Mitford-Schwestern ist, (historisch verbriefte Persönlichkeiten) weil die Autorin die Nichte des bekannten Julian Fellowes ist, der die Story um „Downton Abbey“ erschuf. Dies und der interessant klingende Klappentext, verlockten mich dazu, diesem Roman eine Chance zu geben. Weil ich „Unter Verdacht“ dazu als preisreduziertes Mängelexemplar ergattern konnte, kaufte ich mir kurzerhand dann auch noch „Gefährliches Spiel“ dazu.
Die Idee die dieser Serie zugrunde liegt; dass also in jedem Band eine andere Schwester zusammen mit Louisa auf detektivischen Pfaden wandelt, fand ich sehr spannend und nun nach dem Lesen des ersten Teils, hoffe ich inständig, dass die nächste Mitford-Schwester sympathischer gestrickt sein wird, als es Nancy war.

Zugegeben, die Familie Mitford bleibt in diesem ersten Teil nicht viel mehr als schmückendes aber relativ blasses Beiwerk. Denn eigentlich stehen Louisa und Guy hier im Fokus des Geschehens. Die ersten hundert Seiten lassen sich zunächst unterhaltsam an, denn Louisas Versuche, sich aus der Knute ihres Onkels zu befreien, sorgen für einige aufregende Lesemomente. Dazu ist der, auf wahren Ereignissen, beruhende Mordfall äußerst mysteriös geraten. Doch im Gegensatz zum Buch, in dem am Ende tatsächlich der Täter überführt wird, wurde der wahre Mörder niemals gefasst.

Jessica Fellowes hat durchaus einen flüssigen Schreibstil, doch muss ich sagen, dass ich fand, dass dem Roman die nötige Prise historisches Flair abgeht, da sich die Akteure nicht wirklich so verhalten, wie es Menschen der damaligen Zeitepoche taten. Nancy etwa ist nicht nur unerträglich nervig gestrickt, sie führt eigenmächtige Aktionen durch, die einfach nicht möglich oder schicklich gewesen wären für eine noch nicht volljährige Aristokratin. Und auch Nancys Gedankengut passt eher zu einer Frau der heutigen Zeit.
Aber auch Louisas Aktionen haben mich oftmals mit den Augen rollen lassen beim Lesen. Dass sie etwa einem Hausgast zwei Sparbücher entwendet, die mögliche Beweismittel sind, liest sich völlig unglaubwürdig. Und dass Guy Louisa wirklich alles durchgehen lässt und in völliger Erfurcht und Liebe erstarrt zu sein scheint, macht ihn leider ein bisschen beliebig und langweilig.

Überhaupt fehlt es den meisten Romanfiguren an charakterliche Tiefe und auch viele Dialoge klingen nicht wirklich rund und viel zu modern vom Ausdruck her. Ich finde wirklich, dass sich Jessica Fellowes keinen Gefallen damit getan hat, einen historischen Roman zu schreiben und ich denke, sie sollte vielleicht lieber auf Zeitgenössisches umsatteln.
Erschwerend kam dazu, dass die Story ab der Mitte, dann belanglos vor sich hinplätscherte bis hin zur Überführung des Täters. Einerseits mochte ich die clevere Louisa, andererseits konnten mich die Mitfords nicht wirklich begeistern. Seien es nun die versnobten Eltern oder die schwierige Nancy; keiner von ihnen wirkte wirklich liebeswert oder interessant genug. Und Nancys Schwestern finden hier lediglich durch alleinige Namensnennung und Beschreibungen irgendwelcher uninteressanten Alltagsaktivitäten Erwähnung, so dass ich wohl nach dem Lesen dieses Romans, niemals den zweiten Teil gekauft hätte.
Da es aber nun mal so ist, bleibt die alleinige Hoffnung, dass sich die Autorin im zweiten Teil doch noch etwas steigern kann.

Kurz gefasst: Belangloser, leider zu modern geratener Histo-Cosy-Crime Roman, in dem ein Kindermädchen, ein Bahnpolizist und eine Adlige auf detektivischen Pfaden wandeln.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2021

Eine leichte Sommerlektüre im besten Sinne über Selbstfindung, Freundschaft und die wahren Dinge des Lebens, für die es sich lohnt zu kämpfen

Kirschsommer
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In “Kirschsommer” verbringt Jule, nach der Trennung von ihrem Freund, ihren Urlaub auf dem Land; genauer gesagt im Alten Land; denn Jules Oma Mielchen ist beim Obstpflücken von der Leiter gefallen und ...

In “Kirschsommer” verbringt Jule, nach der Trennung von ihrem Freund, ihren Urlaub auf dem Land; genauer gesagt im Alten Land; denn Jules Oma Mielchen ist beim Obstpflücken von der Leiter gefallen und liegt jetzt mit einem Knochenbruch im Krankenhaus. Da aber zudem ein Pensionsgast erwartet wird, springt Jule kurzerhand ein und kümmert sich in Abwesenheit ihrer Oma um deren Haus und den Garten.

Weil gerade Kirschenzeit ist, kommt Jule so auch das erste Mal in den Genuss, Kirschmarmelade nach Rezept von Mielchen selbst einzukochen und ab diesem Moment, wenn man als Leser Jule praktisch dabei über die Schulter sehen darf, fühlt man sich witzigerweise gleich wieder in seine Kindheit versetzt. Ich persönlich dachte dabei an die unzähligen Gläser, die die weiblichen Mitglieder meiner Familie immer einkochten. Wie viel Spaß es gemacht hat, meinem Vater beim Obstpflücken zu helfen, die lauen Sommerabende im Garten; dabei Wassereis zu schlecken oder als wir Kinder Rhabarberstangen aus dem Garten stibitzten und in Zucker eingetaucht, knabberten. Ach ja… schön war’s! Und damals war ein Sommer auch noch ein richtiger Sommer.

Der Heldin der Geschichte wird aber auch irgendwann klar, dass ihr Leben nicht in den geordneten Bahnen verläuft, die sie sich gewünscht hätte. Ob bei der Berufs- oder auch Partnerwahl. Irgendwie hat Jule da bislang noch nicht das richtige Händchen gehabt. Doch als sie den attraktiven Pensionsgast Sebastian, seines Zeichens Klimaforscher, kennenlernt und mit ihm auf Tuchfühlung geht, glaubt sie nun, dass sie den richtigen Mann gefunden haben könnte.

Sebastian benötigt für seine Forschungen dringend alte Obstkonserven und so bietet sie ihrem neuen Freund an, mit ihm die Höfe in der Umgebung abzuklappern- leider ohne Erfolg! Ausgerechnet in Mielchens Keller und Lagerraum wird Jule dann fündig. Ein Glas Kirschen aus den 50er Jahren. Doch daneben liegt eine ihr unbekannte Zigarrenschachtel mit noch rätselhafteren Inhalt. Ein Brief, in Sütterlin verfasst. Jules neugierige Fragen dahin gehend blockt die Großmutter im Krankenhaus tags drauf zunächst ab. Aber ausgerechnet das alte Glas Kirschen bringt einen gewaltigen Stein ins Rollen…

“Kirschsommer” stellt eine Mischung aus leichter Sommerlektüre und Selbstfindungsroman dar, wobei der Unterhaltungsfaktor stets im Fokus steht. Die sich langsam anbahnende Liebesgeschichte ist dabei eigentlich eher Nebensache, obwohl sie letztendlich das Tüpfelchen auf dem “i” darstellt und die Geschichte noch etwas abrundet. Jules Erlebnisse auf dem Land werden in dem ein oder anderen Leser sicherlich auch einige schöne nostalgische Kindheitserinnerungen hervorrufen. Das Geheimnis, das die Großmutter zunächst für sich behält, kann man ab einem gewissen Zeitpunkt erahnen, dennoch schmälerte dieser Punkt nicht meinen positiven Leseeindruck, den ich von diesem Roman hatte. Die Autorin hat zudem einen sehr eingängigen und mitreißenden Schreibstil und auch die Charakterisierung von Haupt und Nebenfiguren empfand ich als gelungen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir allerdings der knorrige Piet, wohingegen ich Jule so manches Mal gerne etwas geschüttelt hätte, wenn sie mal wieder auf der langen Leitung stand.

Kurz gefasst: Eine leichte Sommerlektüre im besten Sinne über Selbstfindung, Freundschaft und die wahren Dinge des Lebens, für die es sich lohnt zu kämpfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2021

Popcorn-Kino in literarischer Form- witzig und kurzweilig, aber diesmal leider auch ein wenig substanzlos und überzogen.

Dicke Hose
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Alex ist Angestellter in einem Immobilienmaklerbüro und sein letzter fetter Deal liegt schon einige Zeit zurück, so dass er bei seinem Chef bereits auf der Abschussliste steht. Es sei den es gelingt ihm ...

Alex ist Angestellter in einem Immobilienmaklerbüro und sein letzter fetter Deal liegt schon einige Zeit zurück, so dass er bei seinem Chef bereits auf der Abschussliste steht. Es sei den es gelingt ihm ein bislang fast unverkäufliches Haus an den geneigten Kunden zu bringen. Doch zunächst hat Alex Urlaub und will diesen zusammen mit seinem Kumpel Florian im Skiparadies verbringen. Frauen, Feiern und süßes Nichtstun, doch kurz bevor es losgeht, erleidet Flo in der gemeinsamen Stammkneipe einen Herzanfall und sagt die Reise kurz darauf ab. Mehr noch- Flo bittet Alex darum, in seiner Abwesenheit, während er sich angeblich in einem Privatkrankenhaus von seinem Leiden erholt, für ihn einzuspringen. Flos Vater besitzt nämlich mehrere Nobelboutiquen und da Alex stets vor Flo mit seinen Verkaufsqualitäten angab, glaubt dieser natürlich Alex wäre genau der Richtige dafür, ein kommendes Verkaufs-Event zu leiten.

Alex, ganz der gutmütige Kumpel lässt sich überreden; eine Entscheidung, die er jedoch an seinem ersten Urlaubstag sofort wieder bereut, als er erfährt, dass in der Boutique mit Damenunterwäsche, Taschen und Accessoires gehandelt wird. Plötzlich wird er mit einer Welt konfrontiert, die bislang gänzlich unbekannt für ihn war und eigentlich hätte es seiner Meinung nach auch gut so bleiben können, denn die Outfits, in die er von der Geschäftsleiterin Victoria gesteckt wird, sind so schrill und farblich unakzeptabel für sein Auge, dass er weinen könnte. Doch er muss seine Maskerade um Flos Willen aufrecht halten und spinnt ein wahres Lügengebinde um sich herum, damit keiner aus Flos Familie oder dessen näherem Umfeld davon erfährt, dass sein Freund sich von einem Herzleiden erholt.

Immer tiefer verstrickt sich Alex in seine Lügen; das alles, gepaart mit seinem zum Teil großspurigen Auftreten als angeblicher Sohn des Chefs bringt ihn so richtig in die Bredouille. Zu allem Überfluss verguckt er sich auch noch in Victoria; doch was geschieht, wenn sie von Tanja erfährt? Einer jungen Frau, die Alex nach einem One Night Stand nun plötzlich heiraten möchte, weil sie glaubt dass er ein reicher und guter Fang ist…

In „Dicke Hose“ ist der Romantitel Programm. Tatsächlich ist der Held dieses Romans ein kleiner Möchtegern, der gerne mit einer schicken Wohnung oder einem tollen Auto herumprotzt; leider ist er finanziell total abgebrannt und sowohl Wohnung als auch Auto gehören in Wirklichkeit Flo, Alex reichem, schnöseligem Freund. Aber auch der schneidet zu gern auf und bezeichnet sich als Verkaufstalent, so dass sich die beiden im Grunde sehr ähnlich sind. Allerdings trägt Alex sein Herz auf dem rechten Fleck und springt auch sofort für Flo in der Boutique seines Vaters ein, als sein Freund krank wird.

Tja und da hätten wir nun das Dilemma: So sehr, wie ich auch abermals von Mia Morgowskis Witz und Humor angetan war. Diesmal war mir der Held des Romans einfach zu dumm konzipiert, um wahr zu sein. Die ersten 100 Seiten des Romans funktionierten einwandfrei, die Pointen saßen und ich habe mich köstlich amüsiert über Alex Gedankenwelt (auch wenn Frauen dabei nicht gut weg kommen; aber seine überspitzt beschrieben Einstellung gehörte für mich dazu) , doch ab dem Zeitpunkt als Alex in der Boutique alles durcheinander bringt und trotz seiner abgrundtiefen Dummheit noch weiter arrogant durchs Leben zieht und sich immer mehr in seinen (Not)Lügen verstrickt, wurde meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Zugegeben, es mag Männer geben, die mit Mode nicht viel anfangen können, doch ich denke von Marken wie Gucci oder Versace werden selbst die hintersten Hinterwäldler schon etwas gehört haben.

Alex war für mich kein Romanheld, den ich in mein Leserherz schließen konnte, da er mir zu oberflächlich gestrickt war und auch die Nebenfiguren blieben in diesem Buch leider ein wenig schablonenhaft beschrieben. Selbst Alex „Freundin“, die ihn nach einem One Night Stand gleich heiraten wollte, war eigentlich völlig überflüssig für den Verlauf der Story. Und ehrlich gesagt hätte die Liebesgeschichte in diesem Roman meiner Meinung nach auch ein wenig mehr Seitenzahlen verdient gehabt.

Warum habe ich diesen „Guy-Lit“ dann also noch mit 4 Sternen bewertet? Zum einen bin ich ein Fan der Romane von Mia Morgowski, da ihr Humor mit meinem so konform geht und ich mich trotz der angesprochenen Kritikpunkte dennoch sehr gut von dem Roman unterhalten gefühlt habe, auch wenn ich mir für Alex mehr Hirn gewünscht hätte und zum anderen hat die Autorin einen sehr guten, eingängigen Schreibstil, der einen einfach mitreißt. Wenn man diesmal bereit ist gewisse Abstriche bezüglich der Akteure des Buches zu machen, und einem der Sinn nach einem leichten, amüsanten Roman steht, der einem so manches Mal Lachtränen in die Augen treibt, wird man auch diesmal auf seine Kosten kommen.

Kurz gefasst: Popcorn-Kino in literarischer Form- witzig und kurzweilig, aber diesmal leider auch ein wenig substanzlos und überzogen.

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Humoriger „Who-Done-It“ Krimi

Suppenmord
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Kommissar Hölderling hat immer noch schwer daran zu knacken, dass ihn seine Annelies, mit der er bereits seit der Schulzeit zusammen war, für einen anderen verließ,. Jedes Jahr kommt er mit seinem Freund ...

Kommissar Hölderling hat immer noch schwer daran zu knacken, dass ihn seine Annelies, mit der er bereits seit der Schulzeit zusammen war, für einen anderen verließ,. Jedes Jahr kommt er mit seinem Freund und Kollegen zusammen um in alten (Annelies)-Zeiten zu schwelgen und sich von einem befreundeten Feinkostladenbesitzer bekochen zu lassen. Denn besonders Liebe geht bei Kommissar Hölderling durch den Magen. Neben seiner kriminalistischen Ader liebt er die gehobene Küche über alles und kocht für sein Leben gern. Doch die Aussicht ein paar Tage in einem Romantikhotel verbringen zu müssen, stimmt ihn nicht gerade fröhlich, da dort ein Klassentreffen ansteht und er dort auch Annelies wieder treffen wird. Glück im Unglück, der Koch des Hotels weist unglaubliche kulinarische Fähigkeiten auf und tröstet ihn über seine ersten Berührungsängste Annelies betreffend hinweg. Als alle ehemaligen Mitschüler in großer Runde zusammensitzen, bricht plötzlich eine von ihnen tot zusammen. Die Tote, die Frau des Romantikhotelbesitzers war ebenfalls eine Mitschülerin von ihnen und da der strenge Winter dafür gesorgt hat, dass sie alle eingeschneit sind, muss sich Hölderling ans Kriminalisieren machen, bis die Polizei vor Ort sein kann. Wie gut, dass Annelies, eine Pathologin aus Leidenschaft dabei an seiner Seite ist. Doch bevor beide entscheidend weiterkommen, geschieht ein zweiter Mord…

„Suppenmord“ ist ein solider Krimi, in dem ein Kriminalkommissar mit Hang zur Gourmetküche vor malerischer Kulisse- in diesem Fall in einem Romantikhotel, rätselhafte Morde, begangen an seine Mitschüler, aufklären muss. Man erfährt währenddessen, wie sehr er noch an seiner Annelies hängt und seine leicht verträumte Art in dieser Hinsicht, machte mir die Hauptfigur dieses Romans auf Anhieb sympathisch. Die Autorin versucht die Kriminalhandlung immer wieder durch viele humorige Dialoge zwischen Hölderling und seinem besten Freund Viktor aufzulockern, was mir im Großen und Ganzen recht gut gefallen hat, allerdings lag der Humor der Autorin dabei leider nicht immer auf meiner Wellenlänge, aber das ist ja auch reine Geschmackssache jedes Einzelnen. Wichtiger war für mich, dass man als Leser erst sehr spät erfährt, wer mordend durchs Hotel zieht und vor allem warum. Man tappt recht lange im Dunklen und ist stets gleichauf mit dem Kommissar.
„Suppenmord“ ist durchaus ein interessanter Erstlingsroman einer neuen Serie, doch trotz des guten Schreibstils und der interessanten Krimihandlung fehlten mir persönlich mehr Spannungselemente. Wer jedoch Lust auf einen leichten humorigen „Who-Done-It“ Krimi hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

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