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Veröffentlicht am 05.04.2020

Solider Psychothriller mit einer spannenden Ausgangssituation, aber leider auch etwas unlogisch geraten.

Solange du schweigst
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Damals:

Als der, mittlerweile reiche Börsenspekulant Finn, die Schottin Layla kennenlernt, will er ihr eigentlich nur helfen. Eine Kurzschlusshandlung trieb sie direkt nach London, ohne vorab ein Hotelzimmer ...

Damals:

Als der, mittlerweile reiche Börsenspekulant Finn, die Schottin Layla kennenlernt, will er ihr eigentlich nur helfen. Eine Kurzschlusshandlung trieb sie direkt nach London, ohne vorab ein Hotelzimmer zu buchen und nun, spät abends, steht sie aufgelöst am Bahnhof, wo sie Finn auffällt.
Finn bietet ihr an, bei ihm zu übernachten- ohne Hintergedanken und auch in den nächsten Tagen bleibt Layla bei ihm. Finn verliebt sich schließlich in die um einige Jahre jüngere Frau und irgendwann verguckt sich auch Layla in ihn. Beide sind fast ein Jahr glücklich, unternehmen eine Reise, machen auf dem Rückweg einen Abstecher nach Paris und als sie viele Stunden später an einer Raststättentoilette Halt machen, bleibt Layla lieber im Wagen, während Finn kurz im Haus verschwindet.
Als er zurückkehrt, ist Layla verschwunden, lediglich eine kleine Holzpuppe aus einem Matrjoschka-Set, die ihr gehörte und als Talisman diente, wird, etwas weiter, an einem Mülleimer gefunden. Die herbeigerufene französische Polizei, hält zunächst Finn für verdächtig, ihr Verdacht kann sich jedoch nicht verhärten.
Finn ist verzweifelt ob Laylas Verschwinden, er fürchtet dennoch, dass die Polizei herausbekommen könnte, dass er nicht ganz die Wahrheit gesagt hat.

Zwölf Jahre später:

Noch immer gibt es kein Lebenszeichen von Layla. Ihr gemeinsames Haus auf dem Land hat Finn verlassen, weil er es dort nicht mehr aushielt. Doch einen Lichtblick gibt es in seinem Leben. Er lernte bei der Gedenkfeier für Layla, deren Schwester Ellen kennen. Zwar ist Ellen völlig anders gestrickt, als die unkonventionelle Layla, doch Ellens ruhige, zuverlässige Art, tut Finn gut. Zudem umsorgt sie ihn und ist sehr häuslich.
Kurz nachdem Finn Ellen einen Heiratsantrag gemacht hat, tauchen an allen möglichen Orten kleine Matrjoschka-Figuren auf und Ellen glaubt, Layla gesehen zu haben. Ist Layla damals doch keinem Verbrechen zum Opfer gefallen?

Es war zunächst die Ausgangssituation dieses Romans, die mich nicht nur an einen der wohl gruseligsten Psychoschocker erinnert hat, den ich je sah, sondern auch meine Neugierde auf B.A. Paris aktuellen Roman zu wecken vermochte. Besagter Psychoschocker, also der Kinofilm, in dem an einer Autobahnraststätte eine junge Frau verschwand und deren Partner jahrelang im Ungewissen ob ihres Schicksals verbringen musste, hieß übrigens in der niederländischen Originalfassung „Spurlos verschwunden“, wurde aber auch nochmals in englischer Fassung verfilmt mit den Schauspielern Kiefer Sutherland, Jeff Bridges und Sandra Bullock in den Hauptrollen unter dem Titel „Spurlos“. Zu Grunde lag diesen Filmen der Roman des niederländischen Autors Tim Krabbe, „Het Gouden Ei.“
Die Ausgangssituation ist allerdings das einzige, was die angesprochenen Filme, mit B. A. Paris aktuellem Roman gleich haben.
Man erfährt im Laufe der Geschichte, dass Finns Version lückenhaft ist, vielmehr zeigt er so manches Mal auch jähzornige Züge, so dass man nicht genau weiß, was man von ihm halten soll. Und auch die übrigen Akteure in diesem Roman haben ihre kleinen oder größeren Geheimnisse. Die Autorin legt einige falsche Fährten und gewährt ihren Lesern durch Rückblenden etc. dazu Einblicke in die Gedankenwelten von Finn und Layla.
Und wenn ich ganz ehrlich war, waren es dann leider auch besagte Rückblenden (oder auch zu viele Psychothriller die ich in der Vergangenheit las und sah), die mich ob des Ausgangs der Story schnell haben begreifen lassen, „wie der Hase läuft“. Ein Umstand, den ich sehr schade fand. Zudem war es mir unerklärlich, dass Finn so begriffsstutzig und unlogisch agierte. Mehr darf ich leider an dieser Stelle nicht verraten, sonst würde ich spoilern. Ich fand die Story, die B.A. Paris hier erzählt, nicht ganz so gut durchdacht, es gibt da doch einige Punkte, die einfach nicht passen.

Aber an sich gibt es an ihrem Erzählstil der sehr eingängig ist, nichts zu rütteln. Die erste Hälfte ihres Psychothrillers hat mich sehr in ihren Bann ziehen können, doch die zweite Hälfte dann leider nicht mehr so. Und so kann ich leider nicht mehr als 3.5 von 5 Punkten für „Solange Du schweigst“, vergeben.

Kurz gefasst: Solider Psychothriller mit einer spannenden Ausgangssituation, aber leider auch etwas unlogisch geraten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.04.2020

Eine wunderschöne, tiefsinnige, hochemotionale Liebesgeschichte- unbedingt lesen!

Campus Love
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Lauren ist nicht wirklich der Typ Frau, der sich für mädchenhafte Dinge interessiert. Und wie schön es sein kann, Freundinnen zu haben, hat sie auch erst kennen gelernt, seit sie an der Brown Universität ...

Lauren ist nicht wirklich der Typ Frau, der sich für mädchenhafte Dinge interessiert. Und wie schön es sein kann, Freundinnen zu haben, hat sie auch erst kennen gelernt, seit sie an der Brown Universität studiert. Sie liebt Kickboxen, Heavy Metal und grenzt sich auch optisch, durch extreme Frisuren und Kleidung von anderen Frauen ab.

Als Lauren auf einer Party den Künstler Cole trifft, der eigentlich Adam Cole heißt, sich aber von allen nur mit seinem Nachnamen ansprechen lässt, knistert es sofort heftig zwischen ihnen. Da beide keine Kinder von Traurigkeit sind, beschließen sie miteinander zu schlafen- alles ohne Verpflichtungen und unverbindlich. Doch ein stark betrunkener Freund Coles macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. So verlassen sie die Party in dem Glauben, sich danach nie wieder zu sehen, doch tags drauf muss Cole feststellen, dass es sich bei seiner neuen Kollegin, die in der Bar, in der er nebenbei jobbt angefangen hat, um Lauren handelt.

Cole, der bereits schon mal von aufdringlichen Mädels gestalkt wurde, reagiert daher recht befremdlich auf sie, was Lauren verwundert. Nachdem sie ihm aber erneut klar gemacht hat, dass sie lediglich mit ihm schlafen will und nichts weiter von ihm erwartet und es nur reiner Zufall ist, dass sie nun Kollegen sind, ist Cole beruhigt. Doch er zögert Laurens Offerte anzunehmen- er fürchtet, dass es zu Komplikationen kommen könnte, wenn er sich darauf einlässt. Immerhin sind sie nun Kollegen und, wie er erfahren hat, ist Lauren dazu die Freundin der großen Liebe seines Kumpels. Dennoch, ob er will oder nicht, Lauren geht ihm unter die Haut, was bei ihm ein absolutes Novum ist, waren Frauen für ihn bislang doch nur dazu da, um zwanglosen Spaß zu haben…

Nach dem ersten Teil der „Campus Love“ Reihe von Katharina Mittmann, in dem Kayla und Jason zusammen fanden, erzählt die Autorin nun die Liebesgeschichte von Jasons Freund Cole und Kaylas Freundin Lauren. Und obwohl mir bereits der erste Teil der Serie im Großen und Ganzen gefiel, fand ich diesen zweiten Teil noch um einiges besser geraten, was vor allem daran liegt, dass die emotionale Intensität hier noch viel stärker gegeben ist.
Sowohl Lauren als auch Cole tragen reichlich seelische Altlasten mit sich herum. Während Lauren sich einst ritzte, um innere Spannungen abzubauen, hat Cole in jungen Jahren einen schweren Verlust hinnehmen müssen- leidet nach wie vor darunter und neigt zu depressiven Schüben.
Wie man sich nun denken kann, ist der Roman alles andere als leichte, humorige Kost; vielleicht mag das den ein oder anderen Leser abschrecken, doch das fände ich wirklich schade, denn die Autorin erzählt hier eine einfach nur wunderschöne, tiefsinnige, hochemotionale Liebesgeschichte von zwei jungen, unsicheren und einsamen Menschen, die durch ihre Bekanntschaft lernen, dass es schön und wichtig sein kann, wenn man jemanden hat, dem man sich anvertrauen kann.
Die Dialoge der Haupt- und Nebenfiguren sind sehr lebendig, Katharina Mittmanns Schreibstil ist angenehm, doch vor allem fand ich die Momente stark beschrieben, wenn sie etwa die innere Gedanken und Gefühlswelt ihrer Figuren anspricht. Etwa, was Cole beim Zeichnen fühlt oder wie es ihm geht, während er in depressive Phasen fällt. Genauso gelingt es Katharina Mittmann, dem Leser einen Zugang zu Laurens Problem zu schaffen. Zwar sind Cole und Lauren keine einfach gestrickten Romanfiguren, doch mochte ich sie trotz ihrer Ecken und Kanten sehr. Übrigens entschied sich die Autorin auch diesmal dazu, die Story, immer im Wechsel, aus der Sicht ihres Heldenpaars, also in „Ich-Form“, zu erzählen, was mir sehr gut gefallen hat.

„Campus Love- Lauren & Cole“, ist ein auf ganzer Linie wunderbarer, tiefsinniger Young Adult, der aber auch für etwas ältere Semester, wie ich es bin, geeignet ist.
Für mich gehört dieser Roman bislang zu den besten Büchern in diesem Jahr, die ich bislang gelesen habe und ich möchte eine unbedingte Leseempfehlung dafür aussprechen.

Kurz gefasst: Eine wunderschöne, tiefsinnige, hochemotionale Liebesgeschichte- unbedingt lesen!

Campus Love Reihe:

1. Teil: Kayla & Jason
2. Teil: Lauren & Cole

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2020

Unterhaltsamer Toskana-Krimi- sowohl für Cosy Krimi Fans geeignet, als auch für Leser die noch auf der Suche sind, nach einem kurzweiligen Urlaubsschmöker

Signora Commissaria und die dunklen Geister
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Ein Mord und eine verschwundene Leiche? Das klingt seltsam in den Ohren von Commissaria Giulia Ferrari. Von höchster Stelle wird sie auf den Fall angesetzt und darf sich den besten Kollegen aussuchen, ...

Ein Mord und eine verschwundene Leiche? Das klingt seltsam in den Ohren von Commissaria Giulia Ferrari. Von höchster Stelle wird sie auf den Fall angesetzt und darf sich den besten Kollegen aussuchen, den die Toskana zu bieten hat. Doch es gibt ein kleines Problem. Luigi Battista, früher Leiter der Mordkommission in Florenz, hat seinen Job mittlerweile an den Nagel gehängt und betreibt stattdessen ein kleines Lokal zusammen mit seiner Frau Carla. Giulia muss alle ihre Überredungskünste nutzen, damit Luigi einlenkt.
Aber auch für Giulia bedeutet dieser undurchsichtige Fall nicht nur Ablenkung und Tapetenwechsel. Was keiner von den Bewohnern des kleinen Örtchens Santa Croce ahnt, Giulia lebte einst mit ihrer Familie hier. Ein tragisches Ereignis trieb sie dann aus Sante Croce fort. Und es ist das erste Mal seit damals, dass sie zurückgekehrt ist.
Ihr zur Seite bei den Ermittlungen steht, neben Luigi und seinem Hund Tulipan, ein hervorragender stark sehbehinderter Polizist, der normalerweise nur Innendienst schiebt, es aber an Giulias Seite genießt, auch einmal auswärts zu ermitteln.

Doch zunächst muss geklärt werden, wer das verschwundene Opfer nur war, dass zwei Polizisten auf der Ponte Veccio in Florenz auffanden, nur um es kurz darauf wieder zu verlieren. Der peinlich berührte Polizist der bei der Leiche ausharrte, während der andere Verstärkung holen wollte, sagte aus, dass er hinterrücks von einem Stein niedergeschlagen wurde und die Leiche, nachdem er wieder zu sich kam, bereits verschwunden war. Beide sind jedoch in der Lage ein aussagekräftiges Phantombild des Toten zu erstellen und so haben Giulia und ihr Team zwar nicht viel in der Hand, aber es reicht für einen Beginn. Nach und nach klappern sie die vielen Läden der Stadt ab, die rund um die Ponte Veccio liegen…

„Signora Commissaria und die dunklen Geister“ markiert den Auftaktband einer neuen Regionalkrimiserie rund um Giulia Ferrari und ihres ungewöhnlichen Teams. Schon von Beginn des Romans an, erfährt man dass Giulia ein Geheimnis umgibt und dass sie einst Traumatisches überwinden lernen musste. Zwar wirkt sie ein wenig wortkarg und zurückhaltend, doch begreift man schnell, dass es nur ein Schutzmechanismus für sie ist. Dafür sind Luigi und seine Frau von einem ganz anderen Kaliber. Luigi ist sehr freundlich, offen und dazu ein sehr cleverer Ermittler. Doch wenn ich ganz ehrlich sein soll, war es vor allem der beinahe blinde Kollege Enzo, der dem eigentlichen Ermittlerduo, die Show stiehlt. Enzo hat ein gutes Gespür für menschliche Untiefen und ist Guilia und Luigi eine wertvolle Hilfe bei der Aufklärung des Verbrechens.

Der Autor legt an sich einen flüssigen Schreibstil an den Tag, beschreibt Örtlichkeiten, Gerüche, Nahrung und Menschen sehr bildhaft, so dass man schnell das Gefühl bekommt, man wäre live dabei in Florenz, während das Ermittlerteam den Mordfall aufklären will. Doch eines hat mich ziemlich gestört- und zwar dass der Autor viele italienische Sätze eingebaut hat. Da sich hier ausschließlich Italiener miteinander unterhalten, fand ich es nervig, dass man diverse Redewendungen etc., auf dieser Weise hervorgehoben hat. Meiner Meinung nach hätte es völlig ausgereicht, wenn Pietro Bellini sich allein auf seine zahlreichen Beschreibungen der Natur, der Ortschaften und der Menschen verlassen hätte, um die richtige Prise italienisches Flair zu vermitteln.
Man bekommt es hier mit einem Cosy-Krimi zu tun, was bedeutet, dass man hier keinesfalls Hochspannung und Thrill erwarten sollte und die Ermittlungen eine eher gemäßigte Gangart einnehmen. Nichtsdestotrotz fand ich diesen Krimi jedoch sehr unterhaltsam und die schmackhaft klingenden Rezepte aus der italienischen Küche, die man in diesem Roman vorfindet, runden diesen Auftaktband perfekt ab.
Ich hoffe sehr, dass es weiter geht mit Giulia, Luigi, Enzo und Tulipan und vergebe für diesen Regionalkrimi, gute vier von fünf Punkten.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer Toskana-Krimi- sowohl für Cosy Krimi Fans geeignet, als auch für Leser die noch auf der Suche sind, nach einem kurzweiligen Urlaubsschmöker.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2020

Wunderbarer Auftaktband der „Enterprising Ladies“ Reihe, mit einer starken, cleveren Heldin im Fokus

Was kostet die Liebe?
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England, 1815:

Nachdem die beiden bürgerlichen Schwestern Elizabeth, genannt Beth und Lucy Berwin, ihren Vater verloren haben, sind sie auf sich allein gestellt, aber nicht mittellos. Ihrem Vater gehörte ...

England, 1815:

Nachdem die beiden bürgerlichen Schwestern Elizabeth, genannt Beth und Lucy Berwin, ihren Vater verloren haben, sind sie auf sich allein gestellt, aber nicht mittellos. Ihrem Vater gehörte das Unternehmen Berwin & Sons, das er kurz vor seinem Tod testamentarisch verbrieft, Bess vermachte. Weil nun, nach dem Krieg gegen Napoleon, kein Bedarf mehr besteht an Waffen, hat Bess die Produktion umgestellt. Statt Waffen, werden in ihrer Fabrik nun Spielzeuge und Haushaltswaren hergestellt.

Doch trotz aller emsigen Bemühungen ihrerseits, springen einstige Geschäftspartner ab, da Bess in deren Augen „nur“ eine Frau ist und sie ihr, allein aus diesem Grund, den nötigen Geschäftssinn absprechen. Ein Umstand der Bess sehr verärgert. Als Lucy, die sich auf der Schule für höhergestellte Töchter mit einer Aristokratin angefreut hat, darum bittet, dass Bess ihr eine Saison in London ermöglichen soll, ist es Bess erster Impuls, abzulehnen. Sie fürchtet, dass die unbedarfte Lucy womöglich schnell in die Fänge eines skrupellosen Mitgiftjägers geraten könnte. Doch Lucy setzt sich durch und da Bess begreift, dass es auch für das Familienunternehmen nützlich sein könnte in der Stadt nach möglichen Geschäftspartnern zu suchen, begleitet sie ihre Schwester. Zwar ist es ihr ein Graus, gesellschaftliche Verpflichtungen wahrzunehmen; sie sieht es als verlorene Zeit an, die sie lieber anderweitig nutzen würde, doch macht sie Lucy zuliebe gute Miene zum bösen Spiel.

Als ihr der Bruder von Lucys Freundin Annabell, Damien Vaugh, Earl of Stratham, vorgestellt wird, fällt sie jedoch aus allen Wolken. Denn sie erkennt schnell in ihm den Mann, der ihr in den Stallungen eines Nachbarn, den Bess zuvor um Hilfe gebeten hatte, einen leidenschaftlichen Kuss geraubt und sie irrtümlich für eine Kurtisane gehalten hatte.

Den darauf folgenden Denkzettel hat Damien noch nicht vergessen. Doch als er erfährt, wen er wirklich vor sicht hat, entschuldigt er sich für seinen Fauxpas und begreift, dass es eine leidenschaftliche Affäre zwischen ihm und Bess niemals geben darf. Er fühlt sich seinem Adelstitel verpflichtet und glaubt, er müsse unbedingt eine adlige Braut wählen.
Trotz aller Vorbehalte dem Adel gegenüber, muss Bess feststellen, dass Damien und seine Familie durchaus freundliche Menschen sind. Insgeheim schwärmt sie für den attraktiven Mann, es knistert bei jedem Zusammentreffen zwischen ihnen lichterloh, doch dann droht Bess, der gesellschaftlicher Ruin…
„Was kostet die Liebe?“, der erste Teil der „Enterprising Ladies“ Reihe der Autorin Felicity D’Or, erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer aufgeschlossenen, mutigen Frau, die sich in der Männerwelt behaupten will und eines Aristokraten, der zwar ein gutes Herz besitzt, aber doch so manches Mal gefangen wirkt im steifen Korsett der gesellschaftlichen Regeln, die der ton Höhergestellten auferlegt hat. Weil Damien sich die Schuld für den Unfall seiner Halbschwester gibt, ist er sich gegenüber unerbittlich und versucht allen möglichen Unbill von seiner Familie fernzuhalten. Doch Damiens Stiefmutter und seine Halbschwester Annabell, wollen, auch nachdem gewisse Details aus dem Leben der bürgerlichen Berwinschwestern bekannt werden, weiter an den Frauen festhalten.

Zwar konnte ich Damiens Beweggründe nachvollziehen doch fand ich, dass er so manches Mal zu lange auf der sprichwörtlichen Leitung stand und ich hätte mir einfach gewünscht, dass er selbst zu wichtigen Einsichten gekommen wäre, ohne jedes Mal zuvor gute Ratschläge von Freunden oder der Familie bekommen zu haben. Diesen kleinen Wermutstropfen konnte ich dennoch gut verschmerzen, da Felicity D’Or hier eine ansonsten rundum gelungene Liebesgeschichte erzählt. Besonders angetan war ich von ihrem Erzählstil und ihrer regencytypischen Ausdrucksweise. Ein wenig hat mich ihr Schreibstil an den von Jo Beverley erinnert, welche zu meinen Lieblingsautorinnen gehört.
Und auch die Nebenfiguren, ob nun die quirlige Lucy oder Damiens Freund Richard, Lord Dorring, sind interessante Akteure, auf deren eigene Geschichte ich jetzt schon sehr gespannt bin.

Obwohl diese Historical Romance in erster Linie ein Unterhaltungsroman ist, mangelt es ihm dennoch nicht an der nötigen Tiefe und ich fand, dass die Autorin ihren Lesern hier gute und realistische Einblicke in die Denkweise der Menschen damaliger Zeiten gewährt, zu der es auch gehört, die niedrige Stellung der Frau in der Gesellschaft anzusprechen.
Mit Bess hat sie eine sympathische, energische Romanfigur geschaffen, mit der man mitfiebert und mitleidet. Und ein wenig, hat mich Bess an eine andere Frau erinnert, die mutig ihren, damals unkonventionellen, Weg ging- die Gutsbesitzerin Anne Lister. Deren Leben wurde kürzlich in einer TV Serie namens „Gentleman Jack“, verfilmt, welche ich, genauso wie auch diesen wunderbaren Roman unbedingt weiterempfehlen möchte.

Kurz gefasst: Wunderbarer Auftaktband der „Enterprising Ladies“ Reihe, mit einer starken, cleveren Heldin im Fokus.

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Veröffentlicht am 27.03.2020

Kurzweilige, unterhaltsame Lektüre für Downton Abbey Fans!

Rückkehr nach Somerton Court
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Sommer 1912:

Die adlige Familie Averley kehrt nach vielen Jahren Aufenthalt in Indien, zurück in ihre englische Heimat. Der Patriarch, Lord Westbury, plant eine zweite Eheschließung, was dessen Töchter ...

Sommer 1912:

Die adlige Familie Averley kehrt nach vielen Jahren Aufenthalt in Indien, zurück in ihre englische Heimat. Der Patriarch, Lord Westbury, plant eine zweite Eheschließung, was dessen Töchter Ada und Georgina nur mäßig begeistert. Aber Lord Westbury hat keine andere Wahl. Will er den Familienstammsitz retten, muss er nun mal eine vermögende Frau ehelichen. Auch Lord Westburys Erbe, dessen Neffe, reagiert alles andere als erfreut, als er von der geplanten Eheschließung erfährt. Doch William hat auch noch einen anderen Grund besorgt zu sein, denn in Lord Westburys Abwesenheit brachte er einen Großteil des Vermögens der Familie durch und kann nun nicht mehr schalten und walten wie er möchte.

Lord Westburys Verlobte war ebenfalls bereits verheiratet und ist die Mutter von bereits erwachsenen Kindern. Zumindest Sebastian, ihr Ältester, freut sich darüber, neue Schwestern hinzuzugewinnen. Ganz im Gegensatz zu dessen Schwester Charlotte. Charlotte mag zwar attraktiv und modebewusst sein, doch neidet sie anderen Frauen jegliches Glück und liebt es, zusammen mit ihrer Gesellschafterin Stella, bösartige Ränke zu schmieden.
Ihre neuen Schwestern Ada und Georgina sind ihr daher ein Dorn im Auge. Besonders, als sie fürchten muss, dass sich Ada für den gleichen Mann interessiert, auf den sie bereits ein Auge geworfen hat.
Sie ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Ada, ein Blaustrumpf, Gefühle für einen attraktiven Inder hegt, den sie auf der Schiffsreise zurück nach England kennenlernte.

Währenddessen müssen die Hausangestellten auf Somerton Court ihre Anstrengungen verdoppeln, wenn sie ihre Herrschaften zufrieden stellen wollen. Rose, die Tochter der Hausdame, ist ein fleißiges junges Mädchen, dass kurz nachdem die Familie zurückgekehrt ist, in die Dienste einer Zofe aufsteigen darf. Rose freut sich sehr darüber, von nun an Lady Ava zu Diensten sein zu dürfen, ahnt jedoch nicht, wieso sie plötzlich bevorzugt wird.

Und Sebastian, der Männer liebt, fürchtet, dass sein brisantes Geheimnis ans Tageslicht kommen könnte, denn er wird erpresst….

Es war zunächst das Covermotiv, dass mir ins Auge stach, als ich dieses Buch auf einem Buchflohmarkt entdeckte und ich erhoffte mir unterhaltsame Lesestunden im Stile des „Downton Abbey“ Stoffes. Nun nach dem Lesen möchte ich vorweg nehmen, dass ich ganz richtig lag mit meiner Vermutung. Wer „Downton Abbey“ liebt, die Geschichten über eine Adelsfamilie und ihre Bediensteten, wird sich sicherlich auch vom ersten Teil der Somerton Court“ Trilogie gut unterhalten fühlen. Es ist ein leichter Frauenroman, in dem gleich mehrere Akteure vorgestellt werden und man benötigt zugegebenermaßen eine Weile um alle Figuren auseinanderhalten zu können. Hat man sich jedoch erst einmal eingefunden, steht dem Lesevergnügen nichts mehr im Wege. Sicher, ich fand schon, dass sich die Bediensteten ein wenig zu modern ausdrückten, für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende. Da ich allerdings nicht weiß, ob das an der Übersetzung liegt oder bereits im Original so war, möchte ich diesen Punkt nicht bei meiner Bewertung miteinfließen lassen.
Leila Rasheed hat einen eingängigen Schreibstil und weil eigentlich, eben halt wie auch in „Downton Abbey“ immer etwas passiert, Intrigen gesponnen und Tragödien zu überstehen sind, wird es nicht langweilig.
Ich empfehle diesen Roman gerne weiter und werde mir nun sogleich die Fortsetzungen dazu bestellen.

Kurz gefasst: Kurzweilige, unterhaltsame Lektüre für Downton Abbey Fans!

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