Profilbild von HappyEndBuecherdeNicole

HappyEndBuecherdeNicole

Lesejury Star
offline

HappyEndBuecherdeNicole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit HappyEndBuecherdeNicole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2020

Vince Caine und Shanti Joyce ermitteln während des Glastonbury-Festivals. Kurzweiliger, zweiter Teil der „Mindful Detective“ Reihe, der viel Spaß macht

Der achtsame Mr. Caine und das allerletzte Lied
0

Als bekannt wird, dass sich die lange verkrachten Zwillinge Ethan und Tyrone Flynn, die zusammen in der Band „Stigma“ spielten, wieder zusammengerauft haben um beim Glastonbury-Festival aufzutreten, sind ...

Als bekannt wird, dass sich die lange verkrachten Zwillinge Ethan und Tyrone Flynn, die zusammen in der Band „Stigma“ spielten, wieder zusammengerauft haben um beim Glastonbury-Festival aufzutreten, sind die eingefleischten Fans der Band aus dem Häuschen vor Freude. Denn zehn Jahre zuvor legte die Band, ebenfalls in Glastonbury, einen magischen Auftritt hin den sie nun wiederholen will. An neuem musikalischen Material soll es nicht scheitern- dazu hat der sensible und kreative Ethan eine Reihe von Tänzern engagiert, die die Musik und Bühnenshow zu einem einzigartigen Erlebnis verschmelzen lassen soll.
Eine Verschmelzung wird es dann tatsächlich, doch anders als gedacht.

Als Ethan den ersten Akkord zum „Stigma“ Hit „While My Guitar Gently Kills“, anstimmt, trifft ihn nicht nur der sprichwörtliche Schlag. Er erleidet einen Stromstoß und stirbt noch auf der Bühne, vor dem fassungslosen, geschockten Publikum.

Als Detective Shanti Joyce dazu gerufen wird, ist sie hin und hergerissen. Einerseits freut sie sich sehr darauf, beim Glastonbury-Festival ermitteln zu dürfen und womöglich Gesangsgrößen des Showbizz zu treffen, andererseits muss sie aber auch zuvor erneut mit Engelszungen auf ihren Kollegen Vincent Caine einreden, dessen empfindsame, buddhistisch geprägte Seele Mordfälle einfach nicht gut verkraften kann. Shantis Überzeugungsarbeit kostet viel Nerven und das hasst sie sehr. Aber auch diesmal gelingt es ihr, Vince ins sprichwörtliche Boot zu holen- vor allem, als Ethans Mutter, die in Vince eine ähnlich ätherische, besondere Seele erkennt, wie sie angeblich auch in Ethan lebte, den buddhistischen Ermittler explizit darum bittet den Mord aufzuklären. Und Mord war es tatsächlich, die Beweise sprechen dafür!

Doch wer hatte nur ein Motiv den jungen Mann, der zu allen Menschen liebevoll und freundlich war, zu töten? Zu den dringend Tatverdächtigen gehört jedenfalls Tyrone, denn der zornige, weniger attraktive Flynn-Zwilling, war im Gegensatz zur übrigen Welt nicht gut auf Ethan zu sprechen. Er zeichnet den Ermittlern ein völlig anderes Bild Ethans. So behaupt er, Ethan wäre berechnend und unehrlich gewesen. Entspricht das der Wahrheit? Shanti und Vince müssen sich mit den Ermittlungen sputen, denn sie haben nur wenig Zeit den Fall aufzuklären…

Nachdem ich vor einiger Zeit eher zufällig auf den ersten Teil der Vincent Caine Reihe „Der achtsame Mr. Caine und die Tote im Tank“ stieß, weil ich eine Schwäche für schräge Buchtitel und eine witzige Covergestaltung habe, der mir aber auch vom Inhalt her richtig gut gefallen hatte, fieberte ich dem zweiten Teil lange entgegen und erhoffte mir davon ein ähnlich kurzweiliges und humoriges Cosy-Krimivergnügen. In „Der seltsame Mr. Caine und das allerletzte Lied“, müssen Vince und Shanti diesmal im Musikbusiness ermitteln, genauer gesagt, währen des Glastonbury-Festivals. Der Autor hat die Festivalatmosphäre, wie ich finde, richtig gut vermitteln können und auch seinen trockenen, schön schwarzen Humor nicht verlernt. Ich hatte bereits in meiner Buchbesprechung zum ersten Teil erwähnt, dass mich die Art und Weise wie dieser Krimi aufgebaut wurde, allein schon von den Dialogen her, an alte TV Serien aus den 80ern, wie etwa „Remington Steele“ erinnert hat. Aber dennoch eine kleine Warnung, man sollte sich im Klaren darüber sein, dass man es hier mit leichter Krimikost (im besten Sinne des Wortes gemeint) zu tun bekommt. Wer also eher tiefsinnige Krimilektüre zu schätzen weiß, greift definitiv zum falschen Roman/zur falschen Serie. Diese geht eher in Richtung von M. C. Beatons „Agatha Raisin“ Krimis.

Laurence Anholt neigt dazu, Dialoge relativ kurz und knapp- aber knackig und witzig zu halten- das in Verbindung mit seinem Talent, Szenerien, Orte und Menschen bildhaft zu beschreiben, sorgt dafür, dass sich beim Leser ein wahres Kopfkino entfaltet beim Lesen. Da das Ermittlerduo nebenher erwähnt auch noch sehr urig wirkt und nicht wirklich der üblichen Detective-Einheitsbrei-Charakterisierung entspricht, könnte ich mir auch gut vorstellen,
dass die „Mindful Detective“ Reihe irgendwann mal fürs TV verfilmt wird.

Besonders Vince und seine lebensklugen Weisheiten, die er dann und wann zum Besten gibt, haben es mir angetan. Aber auch die Erwähnung seiner unfassbar umfangreichen Tassensammlung auf der buddhistische Sprüche prangen, entlockt mir beim Lesen jedes Mal ein Schmunzeln.
Die Mordermittlungen werden in einer gemächlichen Gangart erzählt dargeboten und obwohl nicht wirklich Hochspannung vom Autor erzeugt wird, habe ich mich dennoch zu keinem Zeitpunkt beim Lesen gelangweilt. Denn das ganze „Drumherum“ hat mir einfach viel Lesespaß bereitet. Seien es die Besuche bei einer Wahrsagerin, die Jagd nach einem Flüchtigen, der sich als Tod kostümiert hat oder aber die Versuche von Vince, Shanti seine buddhistisch geprägte Gefühlswelt darzulegen, die diese, als überzeugte Atheistin, stets nüchtern zu kommentieren weiß.
Berührt hat mich jedoch die auch im Nachhinein sehr sinnige Geschichte, die Vince Shanti erzählt, über eine Frau, deren Kind starb, welche Buddha höchstpersönlich darum bat das Kind wieder zum Leben zu erwecken.

Obwohl ich bereits den ersten Teil der Reihe sehr mochte, fand ich „Der achtsame Mr.Caine und das allerletzte Lied“ sogar noch ein Tickchen besser und witziger. Okay, zugegeben, die Auflösung des Mordfalls mutet schon etwas schräg an. Da es sich hier aber um eine softe Cosy-Krimikomödie handelt, in der der Humor an erster Stelle steht, fand ich das aber nicht so wirklich tragisch.

Kurz gefasst: Vince Caine und Shanti Joyce ermitteln während des Glastonbury-Festivals. Kurzweiliger, zweiter Teil der „Mindful Detective“ Reihe, der viel Spaß macht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2020

Lucy und Alex- Wohlfühlatmosphäre ist nicht alles- ein leider ziemlich enttäuschender 4. Teil der „Romantic Escapes“ Reihe.

Das kleine Hotel auf Island
0

Lucy hatte einst einen tollen Job in einem luxuriösen 5-Sterne Hotel inne. Doch dann verliebte sie sich in den falschen Mann, der ihr übel mitspielte und sie verlor alles. Aufgrund der Geschehnisse, die ...

Lucy hatte einst einen tollen Job in einem luxuriösen 5-Sterne Hotel inne. Doch dann verliebte sie sich in den falschen Mann, der ihr übel mitspielte und sie verlor alles. Aufgrund der Geschehnisse, die zum Verlust ihres Jobs führten, ist es Lucy kaum mehr möglich, einen Job im Hotelgewerbe zu finden. Ihr Ruf eilt ist stets voraus. Doch als sie kurz davor ist aufzugeben und zurückzukehren ins Elternhaus, erreicht sie ein spannend klingendes Jobangebot. Der Haken daran, das Hotel, das sie managen soll, liegt auf Island! Dazu ist der Job auf zwei Monate befristet.

Lucy nimmt die Herausforderung dennoch an und vertraut darauf, dass sie alle Mitarbeiter und ihren zukünftigen Chef mit ihrer Tatkraft überzeugen kann.
Doch kaum angekommen geht alles schief. Erst macht ihr keiner die Tür auf, so dass Lucy in der bitteren Kälte stehen muss und dann endet ihr Rundgang um das Hotel auch noch in einem unfreiwilligen Bad. Immerhin ist das Wasser beheizt und die beiden Mitarbeiter des Hotels, die ihr zur Hilfe eilen, haben trockene Handtücher dabei.

In den nächsten Tagen hat Lucy alle Hände voll damit zu tun, die Eigenarten ihrer Mitarbeiter kennenzulernen und das vernachlässigte Hotel wieder auf Vordermann zu bringen. Doch es scheint ihr beinahe, als gehe jemand um, dem sehr viel daran gelegen ist, ihre Arbeit zu sabotieren. Während ihre Mitarbeiter an listige Trolle oder freches Feenvolk glauben, setzt die frischgebackene Hotelmanagerin alles daran, den wahren Täter zu überführen.
Seltsam findet Lucy es beispielsweise, dass sich der hochgewachsene Barmann Alex überall herumdrückt, wo er eigentlich nicht gebraucht würde. Aber dennoch kann sie sich seiner Attraktivität nicht entziehen und lässt sich sogar zu einem gemeinsamen Ausflug mit ihm zu isländischen Wasserfällen entführen.
Als dann auch noch eine britische Filmcrew anreist, die eine Reality-Doku im Hotel drehen will, sind Lucys Nerven zum Zerbersten angespannt…

Als ich erfuhr, dass Julie Caplin tatsächlich einen vierten Teil zu ihrer „Romantic Escapes“ Reihe geschrieben hat und sie dieses Mal Alex und Lucy in den Fokus stellen würde, freute ich mich sehr, denn beide Akteure, die bereits in den Vorgängerbänden in Erscheinung traten, fand ich sehr sympathisch und charismatisch zugleich beschrieben.
Und auch die Covergestaltung passt wieder perfekt, so dass sich die komplette Reihe sehr gut im Regal macht. Auch das Setting, dass die Autorin für ihren aktuellen Roman auswählte, fand ich spannend, denn Island hat ja einiges zu bieten, was die Sehenswürdigkeiten- überhaupt Land und Leute, angeht.
Doch meine Ernüchterung folgte auf dem Fuße, nachdem ich die ersten hundert Seiten ausgelesen hatte und leider wurde es auch im Verlauf der Story nicht besser. Sicherlich, zu den großen Pluspunkten der „Romantic Escapes“ Reihe gehörte der gewisse Wohlfühlaspekt, doch dieses Mal hat es Julie Caplin, meiner Meinung nach, leider zu sehr übertrieben damit. Sie zieht alle Register, wenn es darum geht, dem Leser schöne Orte, leckere, landestypische Speisen etc. zu beschreiben und sämtliche isländische Akteure, die sich in diesem Roman tummeln sind natürlich sympathisch und freundlich gestrickt. (na ja, bis auf eine Ausnahme ) Dazu werden Schwierigkeiten dermaßen zügig und unproblematisch aus dem Wege geräumt, damit möglichst nichts der wohligen „Hygge-Lebensart“ im Weg stehen kann. Und das ist die Krux, die ich mit diesem Roman hatte. Einerseits liebe ich selbstverständlich happyendlastige Liebesromane, die viel Wohlfühlatmosphäre verströmen, doch andererseits hasse ich es, wenn man alles dermaßen ausreizt, so dass die übrige Geschichte, plötzlich dann nur noch so belanglos dahinplätschert.

Obwohl Julie Caplins Schreibstil zu der locker, flockig, leichten, eingängigen Sorte gehört, musste ich mich ob der Langeweile die sich bei mir beim Lesen einstellte, regelrecht durchs Buch quälen. Und das, obwohl ich mich doch so sehr im Vorfeld auf die Liebesgeschichte über Lucy und Alex gefreut hatte. Aber auch gewisse Aspekte der erzählten Love Story fand ich ziemlich befremdlich dargeboten. Beispiel: Obwohl es bereits zweimal zu einem Kuss zwischen den beiden gekommen ist, siezen sie sich anschließend weiter und auch die Liebesszenen in diesem Buch wirken leider nur sehr lieblos, hölzern und unerotisch „dahingeklatscht“, so leid es mir für die Autorin auch tun mag. Man hat fast das Gefühl, als wäre ihr diesbezüglich von Seiten ihres Verlags die sprichwörtliche Pistole auf die Brust gesetzt worden- so als ob es ihr in Wirklichkeit widerstrebt hätte, überhaupt Liebesszenen einzubauen und sie es nur dem Verlag zuliebe getan hätte.

Dass die Autorin es dazu auch noch nicht einmal für nötig gehalten hat, die Bösewichter, die Lucy so böse mitgespielt hatten, zu bestrafen und lieber auf ein recht unglaubwürdiges, holpriges und abrupt herbeigeführtes „Friede, Freude, Eierkuchen“ Ende umzuschwenken, hat mir dann endgültig den Spaß an diesem vierten Teil der Reihe verleidet. Sicher, Lucys Werdegang und wie sie lernt, sich auf Island zu behaupten, fand ich im Großen und Ganzen, ganz gut erzählt, doch das widersprüchliche Verhalten von Alex war für mich nicht nachvollziehbar und Romantik kam leider zu keinem Zeitpunkt auf. Vielleicht lag es daran, dass die Autorin zu bemüht dabei wirkte, dem Leser alles zu verschaffen, was zum Hygge- Erlebnis gehört. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, Julie Caplin hätte die Buchreihe auf drei Bände beschränkt.

Kurz gefasst: Lucy und Alex- Wohlfühlatmosphäre ist nicht alles- ein leider ziemlich enttäuschender 4. Teil der „Romantic Escapes“ Reihe.

Romantic Escapes Reihe:

1. Teil: Das kleine Cafe in Kopenhagen
2. Teil: Die kleine Bäckerei in Brooklyn
3. Teil: Die kleine Patisserie in Paris
4. Teil: Das kleine Hotel in Island

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2020

Unterhaltsamer Psychothriller mit unerwarteten Wendungen, allerdings auch in einer gemächlich erzählten Gangart dargeboten

Die Nacht in dir
0

Lucy verschlägt es, auf der Flucht vor ihrem brutalen, stalkenden Exfreund Davis, ins beschauliche Städtchen Woodstock. Hier ticken die Uhren völlig anders, als im pulsierenden New York, doch Lucy ist ...

Lucy verschlägt es, auf der Flucht vor ihrem brutalen, stalkenden Exfreund Davis, ins beschauliche Städtchen Woodstock. Hier ticken die Uhren völlig anders, als im pulsierenden New York, doch Lucy ist froh darüber, denn sie hofft, dass Davis sie hier niemals aufspüren wird. In dem gemieteten Häuschen das sie, von nun an, zusammen mit ihrem kleinen Hund Dusty bewohnen wird, findet sie beim Einräumen in der Schrankschublade Photos eines ihr unbekannten Mannes, doch sie denkt sich zunächst nichts dabei.

Erst als sie ihre Nachbarn, das Künstlerehepaar Vera und John, näher kennenlernt, das sie zum Essen eingeladen hat, erkennt Lucy in John den Mann auf den Photos wieder. Lucy ist überglücklich darüber, so schnell Anschluss gefunden zu haben, denn sie fühlt sich sehr einsam. Und obwohl sie von einer älteren Nachbarin davor gewarnt wird, sich lieber nicht zu sehr mit den beiden anzufreunden, schlägt Lucy alle Bedenken in den Wind. Im Gegenteil, sie hat Mitleid mit Vera, die sich kurz zuvor mit Rachel, Lucys Vormieterin überworfen hatte. Warum Rachel Bilder von John in ihrem Haus aufbewahrte, ist Lucy nach wie vor ein Rätsel, doch sie schweigt sich lieber darüber aus, um Vera und John nicht unnötig aufzuregen.
Denn das Paar hat sowieso schon unter schlimmen Gerüchten zu leiden, die über sie kursieren und besonders John schwer zu schaffen machen. Als Lucy, Vera und John eines Abends auf der Veranda zusammensitzen, kommt ihnen eine folgenschwere Idee. John muss lediglich für eine Weile von der Bildfläche verschwinden, bis die Gerüchte über seine Person verstummt sind. Doch nur wenige Stunden nach einem inszenierten Unfall ist John mausetot; er wurde ermordet aufgefunden. Und Lucy, die zuvor aussagte, Johns Unfall im Wald mit angesehen zu haben, rückt plötzlich ins Visier der Ermittler. Lucy würde zu gerne so schnell wie möglich Woodstock den Rücken kehren, weil sie ahnt, dass Davis ihr bereits auf der Spur ist, doch wegen der laufenden Mordermittlungen darf die junge verzweifelte Frau den Ort nicht verlassen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

„Die Nacht in dir“ fiel mir ins Auge, weil ich eine Schwäche für Psychothriller habe und der Klappentext mir eine spannende Story mit vielen unerwarteten Wendungen suggerierte. Der Roman wird in „Ich-Form“ aus Sicht er Romanheldin Lucy geschildert. Lucy ist eine junge, verschlossene Frau, die sich unsicher, einsam und ungeliebt fühlt. Man ahnt, dass Lucy nicht immer so war und ihr Exfreund einen großen Anteil an ihrem jetzigen Verhalten hat, doch trotz der Tatsache, dass ich Mitleid mit ihr entwickelte, blieb sie mir, auch im Verlauf der Story, fremd. Und auch die übrigen Akteure dieses Romans, sind leider durchweg keine Sympathieträger. Die Akteure wirken unterkühlt, egozentrisch und manches Mal auch wieder zu überschwänglich agierend, was nicht so recht ins Gesamtbild passen will.

Dennoch, jeder von ihnen hat Geheimnisse und diese sorgten, während ich Lea Kohnens Thriller las, dafür, dass meine Neugierde geweckt blieb. Die erste Hälfte des Thrillers plätschert in einem eher gemächlichen Tempo vor sich hin und der zwar gute, aber eigenwillige Schreibstil der Autorin, der mir leider nicht ganz so lag, brachte meinen Lesefluss dann und wann ins Stocken. Zudem glaubt man, man könne den Ausgang der Story bereits erahnen. Allen Lesern, denen es nach 150 Seiten ebenfalls so gehen sollte, empfehle ich aber unbedingt durchzuhalten, denn die Autorin hält tatsächlich noch einige unerwartete Überraschungen parat, die meinen zunächst verhaltenen Leseeindruck den ich gewonnen hatte, in der zweiten Hälfte des Buches, in ein positiveres Licht zu rücken vermochten.

Bei meiner Bewertung schwankte ich zwischen 3.5 und 4 von 5 Punkten, habe mich allerdings dann doch für die bessere Benotung entschieden, weil die Story in der zweiten Hälfte atmosphärischer und auch ein Tickchen packender erzählt wird. Es ist zwar kein Thriller, der wie eine blutige Schlachtplatte daher kommt oder mörderisch spannend erzählt wird, doch die Geheimnisse der Romanfiguren lassen den Leser nicht los und so manche Wendung, die die Geschichte nimmt, hat es durchaus in sich. Richtig gut gefallen hat mir das unerwartete (wirkliche) Ende; allerdings kann ich nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst würde ich zuviel verraten. Die Romanheldin Lucy jedoch, nun, sie hat es mir leider nicht einfach gemacht. Denn ihre Naivität und Passivität ist so manches Mal kaum zum Aushalten. Erst wenn man gewisse Gründe für ihr Handeln erfährt, ergibt so manches einen Sinn.
„Die Nacht in dir“ ist das richtige Buch für alle diejenigen Leser, die eher eine Schwäche für subtilen Thrill und die mit einer etwas gemächlicher erzählten Story kein Problem haben.

Kurz gefasst: Dunkle Geheimnisse kommen immer ans Tageslicht- Unterhaltsamer Psychothriller mit unerwarteten Wendungen, allerdings auch in einer gemächlich erzählten Gangart dargeboten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.06.2020

Auch in der idyllischen Bretagne wird gemordet- leider ein etwas durchschnittlich geratener erster Teil um eine schokoladensüchtige Hobbydetektivin

Bretonisch mit Meerblick
0

Als Tereza Berger ein Haus in der Bretagne erbt kommt ihr das gerade recht, denn nach der Trennung von ihrem Ex-Mann, die schon eine Weile zurückliegt, benötigt sie dringend finanzielle Mittel, da sie ...

Als Tereza Berger ein Haus in der Bretagne erbt kommt ihr das gerade recht, denn nach der Trennung von ihrem Ex-Mann, die schon eine Weile zurückliegt, benötigt sie dringend finanzielle Mittel, da sie plant sich eine Wohnung zu leisten die nicht ganz günstig ist.
Angekommen in Camaret-sur-Mer, entpuppt sich das vermeintliche Traumhaus jedoch als ziemlich verwohnte „Bruchbude“. Immerhin ist es ein denkmalgeschütztes Haus und zumindest die obere Etage, die wohl kürzlich auf Vordermann gebracht wurde, hat Meerblick. Eigentlich plant Tereza das Haus nur schnellstmöglich zu verkaufen um dann mit dem Erlös gleich wieder zurückzukehren in die Heimat, doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Als der dritte Tote innerhalb kurzer Zeit an Land gespült wird, gerät ausgerechnet Tereza unter Mordverdacht. Denn sie hatte zuletzt Kontakt mit dem Mann, der ihr nicht nur schöne Augen gemacht hatte, sondern dazu auch noch Terezas Haus erwerben wollte. Dem knorrigen Ermittler des Ortes ist sie sowieso bereits suspekt; er zögert nicht, ihr als dringend Tatverdächtige, sogar den Pass abzunehmen. So muss sie nun die Zeit totschlagen in dem kleinen beschaulichen Örtchen und macht schließlich aus der Not eine Tugend, als sie entdeckt, dass ihre verstorbene Großtante eine riesige Buchsammlung besaß. Tereza plant nun, eine Buchhandlung in dem Haus zu eröffnen- ein Entschluss, der auch von vielen Anwohnern unterstützt wird. Jedoch nicht von allen.

An jedem Morgen findet sie eine beschmierte Schaufensterscheibe vor, bestückt mit Schmähworten und der Aufforderung, sie solle schnell zurückkehren in ihre Heimat.
Doch Tereza lässt sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen, genauso wenig wie sie sich nicht als Mörderin abstempeln lassen will und so verdingt sie sich kurzerhand als Hobbydetektivin. Wer hatte einen Nutzen davon, die drei Bewohner des Ortes zu töten? Können die Morde womöglich mit der lange schwärenden Dorffehde zwischen den männlichen und weiblichen Bewohnern zu tun haben?

Es waren gleich mehrere Dinge, die mich aufmerksam haben werden lassen auf den Cosy-Krimi der Autorin. Ich liebe Frankreich, unser liebstes Urlaubsland, ich mag Krimis die am Meer spielen und auch der Klappentext um eine schokoladensüchtige Romanheldin, die zur Detektivin wird, klang unglaublich verführerisch und spannend zugleich. Ich erhoffte mir also eine kurzweilige, amüsante französische Regionalkrimilektüre, in der gewisse Spannungselemente zum Tragen kommen würden. Dass man es hier nicht mit einer mörderisch spannenden Thrillerschlachtplatte zu tun bekommen würde, sondern mit einem Krimi der gemächlichen Gangart, was so manche Rezensenten bemängelten, war mir eigentlich sogleich klar, weil man dieser Info bereits aus dem Klappentext herausziehen kann. Ich mag Cosy-Krimis sehr, doch muss ich zugeben, dass mir „Bretonisch mit Meerblick“ leider nicht so lag, wie ich es mir im Vorfeld erhofft hatte.

Das liegt vor allem an dem etwas eigenwilligen Schreibstil der Autorin. Sie neigt nämlich dazu Unterhaltungen der Romanfiguren äußerst kurz und knapp zu halten und auf das Nötigste zu beschränken. Einerseits mag das verlockend klingen, wenn man es nicht so hat mit weitschweifig gehaltenen Dialogen, doch andererseits lernt man die Romanfiguren ja auch anhand ihrer geführten Dialoge besser kennen. Abgesehen von Tereza, der Hauptfigur, die die Geschichte in „Ich-Form“, also aus ihrer Sicht erzählt, bleiben die übrigen Akteure des Romans ziemlich blass und zu schablonenhaft dargestellt.

Dazu hat die Autorin (zu) viele französische Sätze, Redewendungen etc. eingebaut in ihren Text, um ihrem Roman die nötige Prise bretonisches Flair zu verleihen. Außerdem isst und trinkt die Heldin beinahe ständig irgendwelche französischen oder bretonischen Köstlichkeiten, was durchaus seinen Reiz hat und bei dem Leser sicherlich für leichte Heißhungerattacken sorgen mag. Dennoch, mir kam diese Vorgehensweise einfach zu platt „rüber“- so leid es mir für die Autorin und ihr Werk auch tut.

Ich hätte mir stattdessen gewünscht, dass Gabriela Kasperski ihr Augenmerk verstärkt auf die Charakterisierung ihrer Romanfiguren gelenkt hätte. Etwas mehr Tiefgang und Eigenwilligkeit hätte nämlich dafür gesorgt, dass man mehr Empathie mit den agierenden Personen hätte empfinden können. Zwar ist der Ermittler des Ortes durchaus ein knorriger, sperriger Charakter, doch erfährt man einfach zu wenig von seiner Gedanken- und Gefühlswelt. Und dass man als Leser mit so vielen verschiedenen Akteuren konfrontiert wird, die man im Geiste erst einmal sortieren muss, macht das Ganze ebenfalls nicht besser.

Man spürt durchaus die große Liebe, die die Autorin mit der Bretagne verbindet zwischen den Zeilen und ihr Cosy Krimi, der wohl den ersten Teil einer neuen Reihe um Tereza Berger markieren soll, ist auch keineswegs schlecht, doch für meinen Geschmack ist er einfach zu beliebig und durchschnittlich geraten und sticht auch nicht aus der Masse an Krimis ähnlich gelagerten Coleurs heraus.

Kurz gefasst: Auch in der idyllischen Bretagne wird gemordet- leider ein etwas durchschnittlich geratener erster Teil um eine schokoladensüchtige Hobbydetektivin.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.06.2020

Guter Schmöker, wenn auch das letzte Tickchen fehlt

Insel der Schatten
0

Hallie James fällt aus allen Wolken als sie eines Tages das Schreiben eines Rechtsanwaltes mit Sitz auf der Insel Grand Manitou bekommt, in dem ihr mitgeteilt wird, dass ihre Mutter, eine angesehene Starfotografin ...

Hallie James fällt aus allen Wolken als sie eines Tages das Schreiben eines Rechtsanwaltes mit Sitz auf der Insel Grand Manitou bekommt, in dem ihr mitgeteilt wird, dass ihre Mutter, eine angesehene Starfotografin verstorben ist.
Hallie wuchs allein bei ihrem Vater auf, der seine Tochter stets in dem Glauben ließ, ihre Mutter wäre schon seit langer Zeit tot.
Als Hallie ihren Vater, der schwer an Alzheimer erkrankt ist, nach Madlyn Crane befragen will, kann dieser ihr leider nicht mehr helfen und verstirbt kurz nach ihrem letzten Gespräch.
Und so macht sich die allein stehende Hallie, auch um sich vom Kummer über den Tod ihres Vaters zu erholen und abzulenken, auf nach Grand Manitou um mehr über ihre leibliche Mutter herauszufinden.
Dort angekommen erfährt sie, dass der Rechtsanwalt ein ehemaliger Spielkamerad von ihr ist, doch seltsamerweise hat Hallie keinerlei Erinnerungen an ihre Kindheit auf der Insel.

Will hat jedoch noch weitere Neuigkeiten für sie. Hallie ist die Alleinerbin des Vermögens ihrer Mutter. Zudem hat sie auch den Familiensitz auf der Insel geerbt, den sie jedoch auf ausdrücklichen Wunsch der Verstorbenen niemals verkaufen darf.

Das Anwesen entpuppt sich als Traumhaus und Hallie ist zunächst glücklich etwas Eigenes zu besitzen, doch dann geschehen unerklärliche Dinge im Haus. Immer wieder begegnen Hallie geisterhafte Erscheinungen und sie hört aus allen Ecken Kinderstimmen schallen.
Zunächst zweifelt die junge Frau an ihrem Geisteszustand, doch als sie die betagte Haushälterin Iris kennen lernt, die schon für ihre Großmutter arbeitete und diese Hallie, unheimliche Familiengeschichten erzählt, beginnt sie zu verstehen, dass sie zunächst ihre Vergangenheit kennen bzw. wieder aufarbeiten muss, um in diesem Haus glücklich zu werden. Zum Glück hat Hallie Will, der ihr bei ihren Nachforschungen zur Seite steht und ihr Halt gibt…

Meine Einschätzung:

Schaut man sich die Covergestaltung des Romans an, glaubt man zunächst man halte einen typischen Frauenroman oder vielleicht sogar eine Familiensaga in Händen. Doch obwohl durchaus die Geschichte einer Familie erzählt wird, ist „Insel der Schatten“ in erster Linie ein sehr unterhaltsamer Mystery- Roman, in denen Geister und Hexen ihr Unwesen treiben. Dieser Roman ist jedoch keinesfalls vergleichbar mit den zur Zeit sehr gefragten Para-Romances- es ist eher eine Art Grusel/Schauerroman, den ich kaum zur Seite legen konnte, weil ich unbedingt erfahren wollte, wieso Hallie keinerlei Kindheitserinnerungen mehr besaß, was es mit der rätselhaften Greisin Iris und Hallies Vorfahren auf sich hatte und vor allem warum Hallies Vater damals mit seiner Tochter Hals über Kopf von der Insel flüchtete und nie wiederkehrte, obwohl Hallies Mutter Madlyn seine große Liebe war.

Die Autorin erzählt eine interessante und rätselhafte Geschichte, in dessen Fokus ihre Heldin Hallie steht. Hallie brennt darauf, mehr über ihre Familie zu erfahren- man erfährt dass sie bereits geschieden ist und trotz ihrer Einsamkeit Angst davor hat, sich neu zu verlieben. Doch darüber hinaus widmet sich Webdy Webb leider mehr der geisterhaften Story als dem Ausarbeiten ihrer Romanfiguren und obwohl, bzw. weil ich mich ansonsten sehr gut von diesem Roman unterhalten gefühlt habe, fand ich es umso trauriger, dass sie dagegen die Charakterisierung ihrer Haupt und Nebenfiguren ein wenig vernachlässigt hat. Hallie und Will blieben mir auch im Verlauf der Handlung einfach zu blass und zu stereotyp beschrieben- ich fand daher keinen rechten Zugang zu ihnen und hatte weniger das Gefühl mittendrin im Geschehen zu sein, als eher eine spannende Erzählung zu verfolgen, aber dennoch gefühlsmäßig außen vor zu sein.
Dennoch ist mein Kritikpunkt weniger einschneidend, als man vielleicht annehmen könnte, denn man wird dafür mit einer Gänsehaut erzeugenden Gruselgeschichte belohnt. Die Autorin spart hier nicht mit den passenden Zutaten als die wären: ein ungeklärter Mord an einem Kind, einer mystischen Insel auf der Geister ihr Unwesen treiben und undurchsichtigen Inselbewohnern. Besonders atmosphärisch dicht fand ich auch die einzelnen Geschichten über Hallies Familie, die Haushälterin Iris zum Besten gibt und die Stück für Stück die Wahrheit ans Licht bringen.

Die Liebesgeschichte zwischen Will und Hallie ist zwar sehr nett, doch sie hätte für meinen Geschmack ebenfalls ein wenig mehr Raum zur Entfaltung haben dürfen- allerdings spielt auch diese nur eine untergeordnete Rolle.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere