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Veröffentlicht am 21.04.2021

Weder Liebes- noch Selbstfindungsroman - Zäher, unromantischer Contemporary, der sich in ellenlangen Belanglosigkeiten ergeht. Eine große Leseenttäuschung!

Dein erster Blick für immer
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Maya ist eine junge, sehr romantisch veranlagte Frau. Eines Tages, als sie mit dem Zug zur Arbeit fährt, fällt ihr ein attraktiver Fahrgast auf und es durchfährt sie wie einen Blitz. Sie spürt, dass dieser ...

Maya ist eine junge, sehr romantisch veranlagte Frau. Eines Tages, als sie mit dem Zug zur Arbeit fährt, fällt ihr ein attraktiver Fahrgast auf und es durchfährt sie wie einen Blitz. Sie spürt, dass dieser Unbekannte derjenige ist, der genau zu ihr passt. Ihre große Liebe, ihr Seelenverwandter. Doch Maya ist schüchtern und traut sich nicht, den Mann anzusprechen. Allerdings ist der „Bahn-Mann“, wie sie ihn fortan nennt, in aller Munde in Mayas Freundes und Kollegenkreis. Alle bekräftigen sie darin, sich endlich ein Herz zu fassen. Und zwei Jahre später, ist es dann endlich so weit. Maya übergibt ihm eine süße Botschaft mit ihrer Kontaktmail. Aufgeregt wartet sie darauf, dass er sich bei ihr meldet und als er es dann macht, ist die Enttäuschung groß, denn er hat eine Freundin. Sollte es das wirklich schon gewesen sein?

Es war die süß klingende Ausgangssituation, die mich verlockt hat, diesen Roman von Zoe Folbigg lesen zu wollen. Dies und die Info, dass die Autorin ihren Mann tatsächlich auf eine ganz ähnliche Art und Weise kennen gelernt hat.
Doch, um es vorweg zu nehmen, konnte der Inhalt des Buches nicht halten, was der spannend und romantisch klingende Klappentext versprach. Für mich war die Story eine ziemliche Herausforderung im negativen Sinne. Denn die Autorin erzählt dermaßen weitschweifig, führt zahlreiche Nebenfiguren ein, die blass bleiben und nicht wirklich viel mit dem Fortgang der Story zu tun haben, einige Handlungsstränge laufen ins Leere und zudem wechselt Zoe Folbigg, dann auch noch die Zeitebenen so abrupt, dass einem schwindlig wird.
Den Überblick zu behalten und nicht über den Verlauf der Geschichte einzuschlafen, fällt so schwer, dass man versucht ist, das Buch vorzeitig abzubrechen.

Dazu sollte erwähnt werden, dass die Romanheldin des Buches, Maya, für eine Modezeitschrift arbeitet. Und diesen Punkt schmückt die Autorin durch ellenlange, trockene Kleidungsbeschreibungen der Haupt und Nebenfiguren aus, die höchstwahrscheinlich nur Modedesigner interessieren dürften. Zugegeben, dadurch, dass Maya eine neue Redakteurin vor die Nase gesetzt bekommt, die sich allen Mitarbeitern gegenüber wie eine eiskalte, unverschämte Cholerikerin benimmt, kommt zumindest in den Romanpassagen, die sich um Mayas Job drehen, etwas Spannung auf. Zugute halten, sollte man Zoe Folbigg dazu die Einführung der einzigen sympathischen Akteurin, die etwas greifbarer und lebendiger wirkt- Velma, die Maya eine Art mütterliche Freundin wird.

Doch nach dem Lesen des Romans frage ich mich immer noch, was die Autorin ihren Lesern mit dieser Geschichte sagen wollte. Weder kommt Romantik auf, da die Autorin sich lieber darauf verlegt, den eintönigen, für den Leser kaum relevanten Alltag der beiden zu beschreiben, bevor sie sich kennenlernen, noch funktioniert diese Geschichte als Selbstfindungsroman, da Mayas (Job)Ambitionen gegen Ende der Story eher feige als mutig wirken und sie lediglich durch eine glückliche Fügung aus ihrem sprichwörtlichen Hamsterrad ausbrechen kann.
Dazu nerven die überflüssigen Zeitsprünge, die wohl lediglich eingebaut wurden, um den persönlichen Hintergrund des Bahn-Mannes anzureißen, der eine solch passive Figur ist, dass man innerlich hofft Maya würde am Ende doch noch jemanden anderes finden.
Man kann sich kaum vorstellen, dass dieses Buch durch ein Lektorat gegangen ist, bzw. dass keinem aufgefallen ist, wie überflüssig ca. 50 Prozent des Handlungsverlaufes geraten sind. Statt die Seitenzahlen mit Belanglosigkeiten zu füllen, hätte man diese lieber dazu nutzen sollen, den Figuren mehr Tiefgang auf den Leib zu schreiben und Dialoge, die sich nicht nur mit oberflächlichem Geplänkel beschäftigen. Alles liest sich dazu so statisch, dass man zu den Romanfiguren keinerlei Empathie aufbauen kann. So leid es mir auch für die Autorin und ihr Werk tun mag, denn die Grundidee fand ich wirklich sehr süß- die Umsetzung hat mich sehr enttäuscht.

Kurz gefasst: Weder Liebes- noch Selbstfindungsroman - Zäher, unromantischer Contemporary, der sich in ellenlangen Belanglosigkeiten ergeht. Eine große Leseenttäuschung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2021

Abenteuerliche, süße Historical Romance mit einer mutigen, liebeswerten Heldin im Fokus

Die Schmugglerlady
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England, 1784:

Nach dem Tod ihres Vaters, steht die junge Lysianassa zusammen mit ihrer Familie vor dem finanziellen Ruin, denn Haus und Besitz wird in Bälde an einen entfernten Verwandten gehen, der ...

England, 1784:

Nach dem Tod ihres Vaters, steht die junge Lysianassa zusammen mit ihrer Familie vor dem finanziellen Ruin, denn Haus und Besitz wird in Bälde an einen entfernten Verwandten gehen, der alles, zusammen mit dem Titel, geerbt hat. Momentan jedoch weilt der Mann noch in weiter Ferne, genauer gesagt in indischen Gefilden und muss zunächst seine Angelegenheiten regeln, bevor er die beschwerliche und lange Reise gen England antritt.
Diese Zeit will Lysia gut nutzen. Mit dem von ihrem Vater geerbten Schmugglerring, der aus Bewohnern des Dorfes und Angestellten des Hauses besteht, macht sich die junge mutige Frau in den Nächten auf, um begehrtes Schmugglergut wie Tee und französischen Cognac an gut betuchte Herrschaften weiter zu verkaufen, nachdem Lysia und ihre Handlanger die Ware, zunächst sicher in Höhlen am Meer verstaut haben.
Es ist ein lukratives, wenn auch nicht legales Geschäft, das dem Premierminister in London schon lange ein Dorn im Auge ist. So schickt er einen seiner Vertrauten in die Region, der die Verantwortlichen ausfindig machen soll.

Obwohl Lysia sich im Klaren über die möglichen Folgen ihrer Enttarnung ist, die eine Gefängnisstrafe oder sogar eine Verurteilung zum Tode nach sich ziehen könnte, bleibt ihr jedoch nichts anderes übrig, denn sie benötigt den Erlös aus der Schmuggelei vor allem für den zukünftigen Lebensunterhaltung ihrer weiblichen Familienmitglieder. Denn im Gegensatz zu Lysia, sind ihre jüngeren Zwillingsschwestern, ihre Mutter und Tante verschwendungssüchtig und haben immer noch nicht ganz den Ernst ihrer Lage begriffen.
Als der windige Bürgermeister, der Lysia sehr gerne mit seinem Sohn verheiraten möchte, droht, Lysias Schmuggeleigeschäfte aufzudecken, sollte sie nicht in die Ehe einwilligen, ist Lysia empört. Sie hofft auf Unterstützung von Seiten ihrer Familie, doch die lässt sie hängen.

Die junge Frau ist am Boden zerstört, denn ihr Herz hat sie bereits an einen anderen verschenkt. Einen hochgewachsenen, frechen Stallburschen, der zu ihrer Schmugglerriege gehört. Doch sie weiß genau, dass eine Liebesbeziehung zwischen ihm und ihr nicht standesgemäß wäre…

Es war zunächst die wunderschöne Covergestaltung, die mich aufmerksam hat werden lassen, auf Lisa McAbbeys Historical Romance „Die Schmugglerlady“ und so stand dieses Buch bereits auf meinem Wunschzettel, als ich dieses Buch schließlich bei einem Gewinnspiel des Verlags gewann.
Ein wenig erinnert die Story, nicht nur vom Aufbau, auch vom Erzählstil her, an die guten alten Amanda Quick Romane, in denen die Heldinnen nicht nur außergewöhnliche Namen trugen, sondern auch mutig und abenteuerlustig durchs Leben schritten.

Lisa McAbbey legt einen zeitgemäßen Erzählstil an den Tag, der zur damaligen Zeitepoche passt, so dass reichlich historisches Flair vorhanden ist. Dem Helden des Romans, Jack, hat sie einen starken Yorkshire-Akzent auf den Leib geschrieben, der sich wie ein bayerischer Dialekt liest und den ich, das muss ich leider zugeben, sehr gewöhnungsbedürftig fand beim Lesen. Mich hat das Lesen seiner Dialoge stets etwas herausgebracht und auch Lysias Familie, die hibbelig und peinlich agiert wie ein Großteil der Bennet Familie aus den Austen Romanen, fehlt ein wenig der Tiefgang.

Die Romanheldin mochte ich dagegen sehr und ihre Bemühungen, ihre treulose, verletzende Familie dennoch durch die Schmuggelei zu unterstützen, machen sie zu einem liebeswerten, verlässlichen Romancharakter, den man schnell in sein Leserherz schließen kann.
Spannend beschrieben fand ich Lysias Abenteuer, während sie ihren Geschäften nachgeht. Diese verleihen dem Roman Würze und auch Lysias, drohendes Schicksal, sorgen dafür, dass man den Roman zwischenzeitlich gar nicht weglegen möchte.
In Sachen Liebesgeschichte hätte ich mir allerdings noch ein wenig mehr Zweisamkeit zwischen dem Helden und Lysia gewünscht und das ein oder andere vertraute Gespräch, das für meinen Geschmack viel zu spät kam. Dennoch ist „Die Schmugglerlady“ ein süßer, humoriger und unterhaltender historischer Liebesroman, wenn man damit leben kann, dass außer dem Austausch von Küssen nicht viel geschieht zwischen dem Paar und alles andere der Phantasie des Lesers überlassen bleibt.

Kurz gefasst: Abenteuerliche, süße Historical Romance mit einer mutigen, liebeswerten Heldin im Fokus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2021

Ruhiger, aber romantischer Roman mit christlicher Note, der eine wunderbare Liebesgeschichte erzählt

Sternennächte an der Küste
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Die verwitwete Serena MacDonalds beschließt das Angebot ihrer Familie anzunehmen, die ihr angeboten hat, zurück in die Heimat zu ziehen um dort als Hotelmanagerin zu arbeiten. Denn Serena macht sich große ...

Die verwitwete Serena MacDonalds beschließt das Angebot ihrer Familie anzunehmen, die ihr angeboten hat, zurück in die Heimat zu ziehen um dort als Hotelmanagerin zu arbeiten. Denn Serena macht sich große Sorgen um ihre Tochter Em, die nach einem Streit mit einer Mitschülerin, von der Schule suspendiert wurde und möchte ihren beiden Kindern nun, auf der windumtosten, malerischen Insel Skye, einen sicheren Rückzugsort bieten und die Chance auf einen Neuanfang.
Serena Ehe war nicht glücklich und noch immer hat sie Probleme mit dominanten Männern, die ihr vordiktieren möchten, wie sie ihr Leben zu gestalten hat.

Als Serena im familieneigenen Hotel auf Malcolm trifft, der recht forsch agiert, fürchtet Serena, dass er genau dieser Gattung Mann entspricht und lässt ihren Frust an ihm aus. Doch Malcolm überrascht sie auf positive Art und Weise und unterstützt sie in allen Belangen, die das Hotel betreffen. Beide freunden sich schließlich miteinander an und Malcolm würde ihre Beziehung auch gerne auf eine andere Ebene erheben, doch Serena zögert, denn sie hat ihren Glauben an eine funktionierende lange währende Beziehung beinahe schon aufgegeben. Zudem muss sie sich genau überlegen, wen sie ihren Kindern als Vaterersatz präsentiert. Dazu könnte es gut möglich sein, dass Malcolm nicht mehr lange auf Skye weilen wird…

„Sternennächte an der Küste“ von Carla Laureano, erzählt die Geschichte einer früh verwitweten Frau mit zwei Kindern und den Problemen, die es mit sich bringt, wenn man von einem auf den anderen Tag auf sich alleine gestellt ist. Die Romanheldin, Serena lebte vor ihrer Eheschließung für die Kunst und liebte das Malen. Für beides blieb in ihrer Ehe jedoch kein Platz und nach dem Tod ihres Mannes, ist Serena zunächst desillusioniert und weiß nicht so recht, was sie mit ihrem restlichen Leben anfangen soll. Aber auf Skye trifft sie nicht nur auf Malcolm, auch ihre lebenskluge Tante hat den ein oder anderen klugen Rat für sie. Für Dramatik ist in diesem Roman kein Platz. Vielmehr verläuft die Geschichte über eine Frau die an einem Scheideweg steht- sei es nun in weltlichen Belangen oder auch in Glaubensfragen, in relativ ruhigen Bahnen.

Hier steht die Liebesgeschichte, die sich zwischen Serena und Malcolm entwickelt, im Fokus und die Autorin hat sich sehr viel Zeit genommen, ihr Paar zusammenzubringen. Das Timing der Love Story könnte also nicht perfekter sein und mit Malcolm hat Carla Laureano, der Heldin einen Mann zur Seite gestellt, der die Heldin mit Humor und Einfühlungsvermögen umgarnt, was mir sehr gut gefallen hat.
Das Heldenpaar unterstützt sich gegenseitig und wächst über sich hinaus im Laufe der Geschichte. Die christliche Note wurde eher dezent eingesetzt und obwohl Romantik in „Sternennächte an der Küste“, groß geschrieben wird, bleibt alles was sich hinter der Schlafzimmertüre abspielt, allein der Phantasie des Lesers überlassen.

Die Autorin kann die Gefühlswelt ihrer Akteure überzeugend auf den Leser transportieren und man hofft und bangt mit dem sympathischen Heldenpaar mit. Aber auch die Nebenfiguren wirken sehr lebensecht und verpassen der Story eine heimelige, familiäre Wohlfühlatmosphäre. Die Autorin beweist mit ihrem Roman, dass es nicht immer großer Missverständnisse bedarf, um eine unter die Haut gehende Liebesgeschichte erzählen zu können und ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt von dem Roman.

Lediglich die Krankheit der Tante, wurde für meinen Geschmack ein wenig zu sehr verharmlost. Im wahren Leben hätte sie wohl über einen viel längeren Zeitraum daran laboriert (ich spreche aus Erfahrung!). Und ich fand es ein wenig schade, dass Serenas Hadern mit Gott ein wenig zu oberflächlich abgehandelt wurde. Ansonsten hat mich der Roman jedoch sehr positiv überrascht und ich werde nun nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten.

Kurz gefasst: Ruhiger, aber romantischer Roman mit christlicher Note, der eine wunderbare Liebesgeschichte erzählt. 4.5 von 5 Punkten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2021

Unterhaltsamer, historisch gut recherchierter erster Band der neuen Fairmile Reihe

Gezeitenland
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Marschland, England, 1648:

Fleiß, Verschwiegenheit und Geschicklichkeit sind die Tugenden, auf die sich die schöne aber arme Alinor allein verlassen kann, seit ihr Mann, ein Fischer, bei Nacht und Nebel ...

Marschland, England, 1648:

Fleiß, Verschwiegenheit und Geschicklichkeit sind die Tugenden, auf die sich die schöne aber arme Alinor allein verlassen kann, seit ihr Mann, ein Fischer, bei Nacht und Nebel verschwand und seitdem als verschollen gilt. Das Dorf, in dem Alinor zusammen mit ihren Kindern Rob und Alys lebt, ist nicht nur abgelegen und klein, sondern auch sehr gottesfürchtig. Besonders Ned, Alinors Bruder, der an der Seite Oliver Cromwells mit seinen Truppen kämpfte, hofft sehr darauf, dass der amtierende König Charles endlich aufgibt und sich dem Parlament und Militär gegenüber geschlagen gibt, anstatt Truppen aus den Nachbarländern gegen das eigene Volk aufmarschieren zu lassen, nur um seinen Anspruch und Willen durchzusetzen.

Während Ned auf die Absetzung des Königs hofft, ist Priester James in geheimer Mission für den König unterwegs und will in den Marschen einen wichtigen Verbündeten treffen.
Ausgerechnet in der Nacht, vor der Dorfkirche, trifft James auf Alinor, die sich eigentlich nur in der Hoffnung dort aufhält, sie würde vielleicht hier dem Geist ihres Mannes begegnen. Denn Alinor ist nicht nur eine geschickte Hebamme und Kräuterfrau, sie hat auch das zweite Gesicht. Sie gewährt dem hoch gewachsenen Fremden Unterschlupf und rettet ihn mit dieser Tat, aus einer äußerst heiklen Situation. Mehr noch, am nächsten Tag bringt sie James zu dessen Verbündeten, dem Adligen Sir William und sichert sich mit ihrer Verschwiegenheit nicht nur Freude fürs Leben, Sir William nimmt sogar in der Folgezeit ihren Sohn Rob in seine Dienste als Gesellschafter für seinen Sohn auf. Die bitterarme Familie ist Sir William äußerst dankbar. Auch weil sie durch die Entlohnung endlich in der Lage sind, sich ein Fischerboot zu kaufen.

Daß das Schicksal Alinors Familie plötzlich so gewogen ist, scheint, so vermuten es zumindest einige klatschsüchtige und missgünstige Dörfler, nicht mit rechten Dingen zuzugehen und sie vermuten, Alinor habe womöglich Hexenkräfte angewandt. Dabei hat sich Alinor nichts zu schulden kommen lassen, außer, eine gefährliche Liebelei einzugehen…

Mit „Gezeitenland“ legt Philippa Gregory den ersten Teil einer neuen historischen Romanreihe vor, die im Jahre 1648 in England startet. Dieser Band spielt hauptsächlich unter armen, einfachen Menschen und man erfährt sehr viel über den Alltag der Bewohner des Marschlandes. Es war ein hartes, karges Leben, geprägt vom puren Überlebenswillen der Bewohner und die Romanheldin Alinor, will, zumindest rein von der Optik her, nicht so ganz zu den Bewohners passen. Doch so zart sie auch wirken mag; für ihre Kinder hat sie gelernt hart zu kämpfen und beißt sich mit einer großen Zähigkeit und Tapferkeit durchs Leben. Alinor ist eine Romanheldin, die man sehr schnell in sein Leserherz schließt. Allerdings fand ich, dass sie ein wenig zu nachgiebig im Umgang mit ihren Lieben ist, was von ihren Kindern und auch ihrem Geliebten weidlich ausgenutzt wird. Man ahnt eigentlich bereits nach 300 Seiten, wie sich die Story entwickeln wird und das nimmt dem Handlungsverlauf ein wenig die Spannung. Genauso werden historisch interessierte Leser, ja sicherlich auch wissen, welches Schicksal den König schließlich ereilte und da James leider nicht so charismatisch wirkt, wie Alinor, habe ich mich durch die Romanpassagen, die ihn betrafen, doch etwas hindurchquälen müssen.

Dazu kam dann noch die Sache mit der Frömmigkeit. Sicherlich war es richtig, dass die Autorin ihren Haupt und Nebenfiguren, die heutzutage übersteigert wirkende Religiosität, auf den Leib geschrieben hat, denn mit Oliver Cromwell zog schließlich der Puritanismus ein, ins England der damaligen Zeit. Doch ich muss zugeben, dass ich irgendwann schon ein wenig genervt war, von den vielen frömmelnden Dörflern und ihren Dialogen. Zumal nicht wirklich viel passiert im Marschland, außer dem bösartigen Dorfklatsch. Bitte nicht falsch verstehen. Der Roman liest sich durchaus flüssig und ist gut geschrieben und recherchiert, doch ich fand, wenn man allein auf die Geschehnisse schaut, dass er durchaus hundert Seiten kürzer hätte sein können.
Dazu endet er äußerst abrupt mit einem Cliffhanger und so bleibt dem neugierigen Leser nichts anderes übrig, als auf die hoffentlich baldige Übersetzung des zweiten Teils zu hoffen, der bereits im englischsprachigen Original erschienen ist. Dieser wird dann an einem anderen Ort angesiedelt sein und trotz meiner Kritikpunkte bin ich durchaus neugierig auf das weitere Handlungsgeschehen.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer, historisch gut recherchierter erster Band der neuen Fairmile Reihe.

Fairmile Reihe:

1. Teil: Gezeitenland
2. Teil: Dark Tides (noch nicht übersetzt)

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Veröffentlicht am 08.04.2021

Packender, atmosphärisch dichter letzter Teil der „Vanitas“- Thriller Reihe von Ursula Poznanski. Absolute Leseempfehlung!

VANITAS - Rot wie Feuer
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Nach den jüngsten Erlebnissen in Wien und der Tatsache, dass Carolin nun auch nicht mehr in Österreichs Hauptstadt sicher vor ihren Verfolgern ist, beschließt sie Nägeln mit Köpfen zu machen und hofft ...

Nach den jüngsten Erlebnissen in Wien und der Tatsache, dass Carolin nun auch nicht mehr in Österreichs Hauptstadt sicher vor ihren Verfolgern ist, beschließt sie Nägeln mit Köpfen zu machen und hofft einfach auf das Überraschungsmoment. Denn keiner, so glaubt sie, würde schließlich vermuten, dass sie sich auf den Weg in die Heimat gemacht hat und nun wieder in Frankfurt lebt. Sie will nicht mehr in ständiger Angst vor Andrej und seinem Clan leben und macht sich sogleich listenreich ans Werk. Ihr dunkler Racheplan klingt gewagt, doch sollte er gelingen, hätte sie auf einen Schlag sämtliche Gegner aus dem Weg geräumt ohne sich selbst die Hände schmutzig machen zu müssen.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn Andrejs Bruder, der so lange der Clanchef im Ausland weilt, die Geschäfte des Clans leitet, ist äußerst clever und lange nicht so impulsiv wie dessen großer Bruder. Dennoch gelingt es Carolin eine Clanfehde einzufädeln, doch dann muss sie auch selbst tätig werden und sich in große Gefahr begeben. Wird ihr Plan gelingen?

Nach den ersten beiden Teilen der „Vanitas“ Reihe um die Blumenhändlerin Carolin, die sich mit Hilfe der Polizei in Wien versteckt hielt, spielt sich der dritte Teil ausschließlich in Frankfurt und Umgebung ab. Dort regieren zwei große Clans. Und genau diese beiden Clans will Carolin gegeneinander ausspielen. Ich fand es äußerst spannend und einfallsreich beschrieben, wie Carolin das bewerkstelligt. Und auch eine unbekannte Person, die der jungen Frau scheinbar auf die Schliche gekommen ist und zunächst im Hintergrund agiert, sorgt für zusätzliche packende Momente.

Zugegeben, die Romanreihe ist nichts für zartbesaitete Leser. Vor allem in diesem Band gehen die Akteure alles andere als zimperlich mit ihren Gegnern um und so manche Aktionen fand ich schon recht heftig beschrieben. (Stichwort: Die Spezialität des gegnerischen Clans, sich ihrer Opfer zu entledigen.) Und auch Carolin kämpft sehr mit ihrem Gewissen in „Rot wie Feuer“. Einerseits will sie Rache, andererseits hat sie aber auch ihr Mitgefühl nicht verloren. Das macht sie sehr menschlich und man kann sich besser in die Hauptakteurin hineindenken. Urslula Poznanski hat die Storyline gut und klug durchdacht und man kommt als Leser kaum zur Ruhe, denn man fürchtet praktisch die ganze Zeit über, dass Carolin auffliegt. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt dermaßen um eine Romanheldin gebangt habe, wie es hier in dieser Reihe der Fall war und mich mit dermaßen schwitzigen Händen, durch den Roman gelesen habe. Selbst das Showdown ist höllisch spannend geraten und nun, nach dem Lesen, hoffe ich sehr, dass diese Buchserie irgendwann einmal verfilmt wird. So spannend und actionreich geraten, schreit sie praktisch danach.

Kurz gefasst: Packender, atmosphärisch dichter letzter Teil der „Vanitas“- Thriller Reihe von Ursula Poznanski. Absolute Leseempfehlung!

Vanitas Reihe:

1. Teil: Schwarz wie Erde
2. Teil: Grau wie Asche
3. Teil: Rot wie Feuer

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