Profilbild von HappyEndBuecherdeNicole

HappyEndBuecherdeNicole

Lesejury Star
offline

HappyEndBuecherdeNicole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit HappyEndBuecherdeNicole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2017

Nora Roberts ungewohnt düster- Spannender Thrill, der ans Buch fesselt, allerdings ist der Romanceanteil schwächer geraten

Licht in tiefer Nacht
0

Westmontana 1991:

Die einundzwanzigjährige Alice ist auf dem Heimweg zur Ranch ihrer Familie. Fast drei Jahre lang war sie fort und sie kann sich gut vorstellen, dass sie womöglich nicht wieder mit offenen ...

Westmontana 1991:

Die einundzwanzigjährige Alice ist auf dem Heimweg zur Ranch ihrer Familie. Fast drei Jahre lang war sie fort und sie kann sich gut vorstellen, dass sie womöglich nicht wieder mit offenen Armen aufgenommen wird, da ihr damaliger, plötzlicher Aufbruch am Hochzeitstag ihrer Schwester Maureen und ihre kindischer Wunsch in Kalifornien Karriere machen zu wollen, sie in einem äußerst egozentrischen unsympathischen Licht wirken ließen. Mittlerweile hat Alice ihren Fortgang bereut und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihr vergeben wird. Doch nur ein paar Meilen vorher, wird sie von einem Mann der sie mit seinem Auto mitnimmt, geschlagen und überwältigt. Er bringt sie an einen ihr unbekannten Ort, legt ihr Fußfesseln an und missbraucht sie körperlich und seelisch. So lange bis sie gebrochen ist. Ihr steht ein jahrelanges Martyrium bevor. Wird sie sich daraus befreien können?

Westmontana Gegenwart:

Bodine Longbow liebt es, auf der Familienranch die Zügel in der Hand zu halten. Rein beruflich, versteht sich, denn sie ist für die Koordination aller Veranstaltungen und Planungen auf der Ranch zuständig. Der Ort ist ein Touristenmagnet und Bodine, ihre Brüder, ihre Eltern und ihre Großmutter, wollen auch, dass es so bleibt. Immer wieder entstehen in den Köpfen der Longbows neue innovative Ideen, die sie kreativ umsetzen. Doch dafür benötigt man zuverlässige Arbeiter. Als der ehemalige, attraktive Nachbarssohn Callen Skinner in den Ort zurückkehrt, ist es keine Frage für die Longbows, ihn zu engagieren. Und in der Tat, Callen stellt sich als wahrer Glücksgriff für sie heraus, denn er besitzt zudem ein dressiertes Pferd, das viele Kunststücke beherrscht und sogleich in eine Art Show integriert wird.

Aber Bodine und Callen kommen sich zudem auf privater Ebene schnell näher. Während Callen damals eher weniger an der kleinen Schwester seines besten Freundes interessiert war, reizt ihn nun ihre clevere Art und ihre Schönheit ungemein. Kurz bevor der nächste Touristenstrom über die Ranch hereinbrechen wird, geschieht ein Mord an einer jungen Frau. Der nicht der einzige bleiben wird und den kleinen beschaulichen Ort erschüttert. Die Ermordete, war eine Angestellte der Ranch und Callen fürchtet nun, dass womöglich auch Bodine ins Visier des Killers geraten könnte. Doch jemand von der Polizei glaubt stattdessen, Callen wäre der Täter…

Im Gegensatz zu Nora Roberts zeitgenössischen Liebesromanen, die sich mittlerweile oftmals sehr ähneln von der Charakterentwicklung der Protagonisten etc., und die ich auch nicht mehr lese, liebe ich ihre Romantic Suspense Romane immer noch sehr. Zwar wird auch darin eine Liebesgeschichte erzählt und eine dicke Portion Heile-Welt- Feeling, über die Leser gegossen, (Fans der Autorin mögen mir bitte vergeben, das war nicht abwertend gemeint, auch ich liebe eine gewisse Heile-Welt-Atmosphäre in meiner Lektüre! ) doch warten die Suspenseromane mit raffinierter konstruierten Plots auf und zumeist ist die Mischung zwischen Romance und Suspense ausgewogener, so dass keinerlei Langeweile beim Lesen aufkommt.

Allerdings hatte ich diesmal ein kleines Problem. In „Licht in tiefer Nacht“, wird die Geschichte zweier Frauen erzählt. Einmal Bodines in der Gegenwart und die ihrer Tante Alice, seit deren Verschwinden Anfang der 90er Jahre. Und Alices Geschichte wird so dermaßen unter die Haut gehend und erschreckend geschildert, dass man beim Lesen von Bodines Liebesgeschichte, seltsamerweise kaum noch Anteil daran nehmen kann, weil man gedanklich immer noch bei Alice, ihren Qualen und ihren Entbehrungen ist. Alices und Bodines Erlebnisse werden dazu im Wechsel erzählt, so dass ich mich mehrfach dabei ertappt habe, dass ich Bodines Dialoge mit Callen etwas flüchtiger überlesen habe, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es in der Zwischenzeit Alice ergangen ist. Sicher, Bodine und Callen sind ein sympathisches Liebespaar und auch die ganze Familie Longbow strahlt dieses typische Großfamilienflair aus, dass für heimelige Wohlfühlatmosphäre sorgt, doch mir was es etwas „too much“ diesmal. Gerade in Hinblick darauf, dass Alices Geschichte so intensiv erzählt wird, spürt man beim Lesen der Liebesgeschichte diesmal sehr deutlich, wie trivial sie doch geraten ist. Und vor allem hat sie keinerlei Überraschungen oder Reibungspunkte zu bieten. Bodine und Callen sind sich praktisch gleich ihrer Gefühle füreinander bewusst, was für eine gewisse Eintönigkeit und Beliebigkeit sorgt und mich nicht wirklich neugierig auf den Ausgang ihrer Liebesgeschichte gemacht hat, den man ja eigentlich doch schon kennt.

Aus diesem Grunde habe ich einen halben Punkt bei meiner Bewertung abgezogen, allerdings nicht mehr, weil mich Alices Story so sehr in ihren Bann gezogen hat. Zwar fand ich es untypisch für Nora Roberts, psychologisch dermaßen düstere Töne anzuschlagen in ihrem Roman, doch fand ich, dass mich gerade dieser Punkt besonders überzeugen konnte. Ein wenig kurz kam jedoch Alices seelische Aufarbeitung, genauso wie die Suche nach überlebenden Kindern etc. und auch das Showdown gegen Ende des Romans hätte ruhig etwas ausführlich ausfallen können, für meinen Geschmack. Dennoch, ein spannender Suspense, wenn man gewillt ist, Abstriche bei der recht vorhersehbaren Liebesgeschichte zu machen.

Fazit: Nora Roberts ungewohnt düster- Spannender Thrill, der ans Buch fesselt, allerdings ist der Romanceanteil schwächer geraten.

Veröffentlicht am 25.10.2017

Das spannende Leben des John Holland- Unterhaltsamer Historienroman, der mit viel akribisch gesammeltem Hintergrundwissen glänzen kann. Allerdings auch mit kleinen Schwächen

Der Herr der Bogenschützen
0

England 1400- 1415:

Das Schicksal hat es anfangs nicht gut gemeint, mit dem jungen John Holland. Erst wird sein Vater hingerichtet, weil der dessen Halbbruder die Treue schwor und sich somit den Zorn ...

England 1400- 1415:

Das Schicksal hat es anfangs nicht gut gemeint, mit dem jungen John Holland. Erst wird sein Vater hingerichtet, weil der dessen Halbbruder die Treue schwor und sich somit den Zorn Henry Bolingbrokes zuzog, welcher Johns Vater durch einen seiner Schergen, Thomas Fitzalan meucheln ließ, dann muss John, zusammen mit seinem älteren, nach der Folter gebrochenen Bruder Richard und seinem jüngsten Bruder in die Verbannung aufs Land, wo Thomas Fitzalan ihnen immer wieder das Leben schwer macht.

Thomas Grausamkeit und dessen Rachedurst kennen keine Grenzen und plötzlich ist John nur noch der einzige lebende Sohn des ermordeten Dukes of Exeter. John hat den Mördern seiner Familie Rache geschworen, doch dazu muss er sich zunächst in der Kampfeskunst unterrichten lassen. Ein alter Kampfgefährte seines Vaters, John Lovel of Titchmarsh, nimmt ihn heimlich unter seiner Fittiche. John reift zum Mann heran, ist im Bogenschießen nicht zu schlagen und auch als Kämpfer wendig und schnell geworden. Er weiß genau, dass der Sohn des mittlerweile verstorbenen Königs, Henry Bolingbroke, Henry V. jemanden wie ihn händeringend benötigt im Kampf gegen die Franzosen, im hundertjährigen Krieg. So scharrt er eine Gruppe walisischer Bogenschützen um sich, die ihm anvertraut wurden und macht sich auf den Weg nach Frankreich. Es gelingt ihm nicht nur, sich zu behaupten, er kann dem König bei der Schlacht von Azincourt sogar das Leben retten. Wird er zum Dank erhoben werden in den Ritterstand und werden ihm sämtliche zuvor entzogene Güter und Ländereien zurückgegeben?

Ein wenig mag man, wenn man den Titel des Romans liest und sich den Klappentext durchliest, erinnert sein, an Robin Hood, denn genau wie die (fiktive?) Figur, um die sich viele Mythen ranken, fiel auch John Hollands Familie in Ungnade und es lag nun allein in Johns Hand, für Gerechtigkeit zu sorgen. Und genau wie einst Robin Hood, war auch John Holland, übrigens im Gegensatz zu Robin Hood, keine erfundene Romanfigur, sondern ein Mensch der durchaus wirklich gelebt hat, ein hervorragender Bogenschütze.

Da ich immer schon ein Faible hatte für Robin Hood Romane oder auch historische Romane im Besonderen, wurde ich schnell neugierig auf „Der Herr der Bogenschützen“ und erhoffte mir unterhaltsame, aber zugleich lehrreiche Geschichtsstunden. Im Großen und Ganzen habe ich das Erhoffte auch bekommen. Mac P. Lorne, der Autor des Romans, muss eine akribische Vorrecherche geführt haben, denn der Roman ist prall gefüllt mit vielen historischen Einzelheiten und Wissenswertem über den hundertjährigen Krieg. Einerseits fand ich es spannend, mehr über die Hintergründe, die Motive der verschiedenen Königsparteien etc. zu erfahren, andererseits fand ich jedoch auch, dass diese Informationen ein wenig zu nüchtern eingefügt wurden. Weil sie zumeist in Dialogen der Protagonisten verpackt und in kleinster Akribie dem Leser dargeboten wurden, wirken die Gespräche der Romanfiguren zum Teil etwas unglaubwürdig. Immerhin sind es allesamt Akteure ihrer Zeitepoche und müssten sich doch daher, eigentlich nicht die momentane politische Lage erklären, die ihnen wohl bekannt sein dürfte. Überhaupt wirkten manche der geführten Dialoge ein wenig steif auf mich, dann wieder zu umgangssprachlich, eher in unsere Zeit passend.

Die Darstellung Johanna von Orleans dagegen fand ich interessant, allerdings nimmt sie bei Weitem nicht den Raum in diesem Roman ein, den man laut des Klappentextes annimmt. Es ist ein Roman über das Leben John Hollands und innerhalb dieser Zeitspanne kreuzen sich dann halt auch mal die Wege von John und der Jungfrau von Orleans. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Obwohl ich Johns Lebensweg sehr spannend geschildert fand, wurden mir manche Schlachtenbeschreibungen doch ein wenig zu ausführlich dargeboten, aber das ist kein Kritikpunkt, sondern entspricht nur meinem persönlichen Empfinden. Viele Leser, besonders die männlichen darunter, werden diesen Punkt sicherlich ganz anders sehen, als ich. Es ist ein historischer Roman, der schon allein durch die vielen eingefügten historischen Hintergrundinformationen, ein wenig an Sabine Eberts Romane erinnert. Wer ein natürliches Interesse an dieser Zeitepoche hat und die Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes lesen möchte, sollte „Der Herr der Bogenschützen“, durchaus eine Chance einräumen. Mir fehlten zu einer Bestbewertung einfach flüssigere Dialoge und mehr Einsichten in die Gefühlswelt der agierenden Personen. Ansonsten war ich aber, trotz kleiner Kritikpunkte, sehr angetan vom Herrn der Bogenschützen.

Kurz gefasst: Das spannende Leben des John Holland- Unterhaltsamer Historienroman, der mit viel akribisch gesammeltem Hintergrundwissen glänzen kann. Allerdings auch mit kleinen Schwächen.

Veröffentlicht am 25.10.2017

Sexy New Adult Romance mit einem sympathischen Heldenpaar im Fokus. Leider aber auch etwas zu kurz

Bedtime Trouble: Codewort Liebe
0

Alle halten Kolja, kurz Kol genannt, für jemanden, der nichts anbrennen lässt. Der, feste Bindungen scheut und gar nicht in der Lage ist, treu zu sein. Kol ist diese Einschätzung seines Charakters eigentlich ...

Alle halten Kolja, kurz Kol genannt, für jemanden, der nichts anbrennen lässt. Der, feste Bindungen scheut und gar nicht in der Lage ist, treu zu sein. Kol ist diese Einschätzung seines Charakters eigentlich ganz recht. Er mag es nicht, sein Privatleben mit anderen auszudiskutieren und mimt stattdessen lieber den leichtfertigen Ladykiller. Was keiner ahnt, er hat eine jüngere Schwester, die er abgöttisch liebt und die seit einem Brand in einer Pflegeeinrichtung liegt, im Wachkoma. Seine Eltern leben getrennt. Die Mutter ist eine Alkoholikerin und sein Vater, ein Russe, lebt seit dem Scheitern der Ehe in Moskau. Immerhin zahlt der Vater für die Pflege von Kols Schwester, doch es scheint, dass sich das bald ändern könnte, fürchtet Kol.

Seine Wohnung finanziert er sich durch Untervermietung. In seiner WG leben außer ihm noch ein Pärchen, Novalie und Julien, ein Freund und seine beste Freundin Willow. Als es zwischen Novalie und Julien kracht, weil Julien eine andere hat, versucht sich Kol als Tröster. Doch plötzlich erwachen zärtliche Gefühle für Novalie in Kol. Diese jedoch glaubt, Kol sei lediglich an einem One Night Stand mit ihr interessiert. Überhaupt ist sie noch nicht über Julien hinweg, oder?

Ich hatte „Bedtime Trouble- Codewort Liebe“, bei einer Verlosung gewonnen; mein erster Roman der Autorin Maddie Holmes, auf deren Geschichte ich sehr gespannt war. Der Roman bietet eine Mischung aus erotischer Lektüre und „New Adult“ und ist eine kurzweilige Liebesromanlektüre, die mir im Großen und Ganzen gut gefallen hat. Im Zentrum der Geschichte stehen der Halbrusse Kol und die Studentin Novalie. Diese Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht Kols und Novalies vorangetrieben, so dass man ausreichend Einblicke in die Gedanken-und Gefühlswelt der Protagonisten bekommt. Das Heldenpaar ist sympathisch gestrickt, jedoch hätte ich mir ein wenig mehr Seitenzahlen gewünscht, damit manche Handlungsstränge ein wenig ausführlicher behandelt hätten werden können. Zum Beispiel fand ich, dass Novalie Julien zu schnell abhaken kann; selbst wenn er sie betrogen hat, ist man gedanklich doch nicht so schnell bereit, sich auf etwas Neues einzulassen! Auch die Liebesgeschichte zwischen Kol und Novalie; also die Entwicklung von Affäre zu Liebe, hätte meiner Meinung nach, ausführlicher erzählt werden können und ein paar Dinge fand ich ein wenig unlogisch konzipiert, zum Beispiel die Frage, wie sich Kol sein Studium finanzieren kann, bedenkt man seinem familiären Hintergrund. Abgesehen von diesen Kritikpunkten, fand ich die Story aber sehr gut geschrieben, die sich in einem Rutsch lesen ließ. Die Liebesszenen in „Bedtime Trouble- Codewort Liebe“, sind sehr prickelnd und hot geschrieben, werden allerdings niveauvoll dargeboten. Vor allem aber bleibt die Romantik stets im Fokus. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und empfehle den Roman gerne weiter.

Kurz gefasst: Sexy New Adult Romance mit einem sympathischen Heldenpaar im Fokus. Leider aber auch etwas zu kurz!

Veröffentlicht am 25.10.2017

Gut recherchiertes Sittengemälde; ein historischer Krimi, der zu unterhalten versteht, allerdings auch nicht einfach zu lesen

Grimms Morde
0

Ausgerechnet eine alte, betagte, ehemalige Mätresse des kürzlich verstorbenen Kurfürsten, die Freiin von Bachros, wird ermordet aufgefunden. Der Täter hatte sich bei seiner Mordinszenierung, anscheinend ...

Ausgerechnet eine alte, betagte, ehemalige Mätresse des kürzlich verstorbenen Kurfürsten, die Freiin von Bachros, wird ermordet aufgefunden. Der Täter hatte sich bei seiner Mordinszenierung, anscheinend von der Märchensammlung der Gebrüder Grimm inspirieren lassen, denn nicht nur wurde ihr Gesicht mit Wachs verbrüht, zudem wurde auch noch ein Zitat aus dem Märchen „Die drei schwarzen Prinzessinnen“, bei der Leiche gefunden. So geraten die Brüder, besonders Jacob, schnell ins Visier des Oberwachtmeisters Blauberg. Doch auch, wenn Blauberg, Jacob Grimm, für einen überheblichen, unsympathischen Zeitgenossen hält, weiß er dessen Intelligenz zu schätzen und glaubt insgeheim weniger an eine Schuld Jacobs. Als kurz darauf noch ein Opfer zu beklagen ist, diesmal ein junger, angehender Schriftsteller, der nur wenige Zeit zuvor einen Disput mit Jacob hatte, weil dieser recht wenig vom angeblichen Talent des jungen Schreiberlings hielt, ist Blauberg allerdings alarmiert. Denn wieder wurde das Opfer, einem Märchen gleich, diesmal Schneewittchen, gerichtet.

Und erneut ist das ein Märchen, das in der Grimmschen Sammlung zu finden ist. Während Jacob nun Schritt für Schritt bewacht wird, von Blaubergs Mitarbeitern, wollen Jacob und sein Bruder Wilhelm, Licht ins Dunkel der Morduntersuchungen bringen. Genauso wie auch die beiden Schwestern Annette und Jenny von Droste-Hülshoff. Besonders den beiden Frauen ist es ein besonderes Anliegen, da sie für einen Teil der Märchensammlungen verantwortlich sind, bzw. Annette, einige davon eher frei aus dem Bauch heraus, verfasst hat. Die Frauen begeben sich also mit ihrem Onkel nach Kassel, was besonders Annette gut zupass kommt, denn die Mordermittlungen bieten ihr Ablenkung, seitdem sie kurz zuvor bei einem Menschen, der ihr besonders nahe stand, in Ungnade fiel. Auch Annettes Onkel weiß über gewisse Vorgänge Bescheid und lässt seitdem kein gutes Haar an seiner Nichte. Wird Annette sich dennoch gegen ihn behaupten können?

Tanja Kinkels aktueller Roman führt seine Leser diesmal in die Stadt Kassel um 1821. Eine Zeit, in der die Menschen, allem Französischen gegenüber, äußerst misstrauisch waren. Verständlich, denn Napoleons Ära war noch nicht allzu lange Vergangenheit. Im Fokus des Geschehens stehen gleich zwei berühmte Geschwisterpaare. Einmal die Dichterin Annette von Droste Hülshoff und ihre ältere Schwester Jenny und die beiden Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Tanja Kinkel ist es gelungen, das Wesen der Figuren gut einzufangen, ohne die historischen Persönlichkeiten zu verklären. Alle haben Ecken und Kanten; mögen sich auch nicht durchweg sympathisch gezeichnet sein, tragen sie ihr Herz dennoch auf dem rechten Fleck. Man kann sich gut in die Figuren hineindenken, ihre Probleme und Gedankengänge nachvollziehen, da die Autorin es nicht versäumt hat, auch den historischen Hintergrund, Fragen der Etikette, etc. verständlich darzubieten.

Zugegeben, es ist keine einfache Lektüre, man muss sich zunächst etwas einlesen und an die Ausdrucksweise der Protagonisten gewöhnen, dennoch lohnt es sich, da „Grimms Morde“ dadurch so viel historisches Flair versprüht. Besonders gut haben mir dabei die Dialoge von Annette und Jacob gefallen, aber auch die Streitgespräche mit Annettes Onkel, da in diesem Momenten Annettes Intelligenz so hervorstechend ist und sie alle männlichen Wesen, die Frauen für schwache, dumme naive Weibchen halten, auf so clevere und leichtfertige Art, Lügen straft.

Diese Dialoge zu lesen, hat mir sehr viel Lesespaß bereitet. Dennoch, es gibt auch ein kleines „aber“, das für einen Punktabzug gesorgt hat bei mir.

So herausragend der Roman auch geschrieben sein mag. Man bekommt es hier mit einem historischen Krimi zu tun und ehrlich gesagt, fehlten mir einfach mehr Spannungselemente. Ich muss zwar keine „Slaughter’sche Metzel-und Schlachterplatte dargeboten bekommen, doch ich fand schon, dass die Krimielemente ein wenig zu schwach inszeniert wurden. Man erfährt vieles erst, wenn es bereits geschehen ist, das nimmt besagte Spannung und ich hätte mir einfach gewünscht, dass die Autorin ihre Protagonisten in mehr gefahrenvolle Szenarien verwickelt hätte, als es hier der Fall war.

Ansonsten habe ich mich gut unterhalten gefühlt von „Grimms Morde“ und neige dazu, jetzt noch mehr herausfinden zu wollen, über das Leben der historischen Persönlichkeiten in diesem Roman.

Kurz gefasst: Gut recherchiertes Sittengemälde; ein historischer Krimi, der zu unterhalten versteht, allerdings auch nicht einfach zu lesen.

Veröffentlicht am 25.10.2017

Wunderschöner Liebesroman, der mit lebhaften Akteuren, die Ecken und Kanten besitzen, punkten kann

So sündig küsst kein Gentleman
0

Lady Helen Ravenel ist eine zarte, aristokratische Blume und verdient es, behütet und umsorgt zu werden. Das jedenfalls ist die Meinung ihrer Familie. Zwar wuchs sie zurückgezogen auf dem Lande auf und ...

Lady Helen Ravenel ist eine zarte, aristokratische Blume und verdient es, behütet und umsorgt zu werden. Das jedenfalls ist die Meinung ihrer Familie. Zwar wuchs sie zurückgezogen auf dem Lande auf und ist überaus schüchtern, doch ist sie alles andere als ein zartes Pflänzchen, das sich sagen lässt, was sie tun soll. Als sie eines Tages vom reichen Geschäftsmann und Warenhausbesitzer Rhys Winterborne geküsst wird, der Helen zur Frau nehmen will, ist sie von seinem stürmischen Werben überrumpelt und stößt ihn im Affekt fort. Doch nach einiger Bedenkzeit, bereut sie es, dass sie ihre Verlobung aufgekündigt hat und sucht Rhys höchstpersönlich auf in seinen Geschäftsräumen. Rhys glaubt zunächst, Helen wäre lediglich aus finanziellen Gründen zurückgekommen, doch es gelingt ihr schnell, ihm klarzumachen, dass sie nur eines will- ihn!

Rhys fürchtet allerdings, dass Helens Familie sich gegen ihre erneute Verlobung stellen wird und stellt sie vor die Wahl. Entweder sie gibt sich ihm vor der Eheschließung hin, oder er entlässt sie aus dem Verlöbnis. Helen geht das Wagnis ein. Als ihre Familie wenig später von ihrem und Rhys Handeln erfährt, ist diese wie vor den Kopf gestoßen. Besonders Rhys Freund Devon, der es gar nicht schätzt, dass Rhys seine Cousine kompromittiert hat, ist verständlicherweise verärgert. Da Helen aber stur auf dem Verlöbnis besteht, gibt Devon nach. Helens und Rhys Hochzeit soll allerdings erst Monate später stattfinden. Ausgerechnet in dieser Zeit erfährt Helen jedoch ein dunkles Geheimnis, dass, würde Rhys davon erfahren, ihre Beziehung gefährden könnte. Soll sie sich Rhys anvertrauen?

Nach dem wunderbaren ersten Teil der Ravel Reihe, in dem Helens Cousin Devon und Kathleen zusammen kamen, erfahren wir in „So sündig küsst kein Gentleman“, nun, wie es mit Lady Helen und Rhys weitergeht, dessen Romanze sich ja bereits im ersten Teil anbahnte. Ich schrieb in meiner Rezension zu „Dem Earl ausgeliefert“, dass ich ein kleines Problem mit dem Alphahelden Rhys hätte und auch in seiner Geschichte bleibt er ein schwieriger Mensch, der sämtliche Menschen in seinem Umfeld zu gerne dominieren würde. Allerdings hat Lisa Kleypas ihm schlauerweise eine Heldin auf den Leib geschrieben, die ihm ebenbürtig ist und es durchaus versteht, ihre Standpunkte durchzusetzen. Diese Momente lesen sich überaus amüsant, allerdings mit einer Einschränkung. Rhys Erklärungsversuche, wieso er eine schnelle Ehe für unabdingbar hält, (er fürchtet, dass er wegen seines großen sexuellen Appetits nicht lange treu bleiben kann; Männer haben ja schließlich dringende Bedürfnisse die regelmäßig in den Armen einer Frau gestillt werden müssen ) haben meine Lachmuskeln arg strapaziert. Solch eine vorsintflutliche Erklärung ist mir schon lange nicht mehr untergekommen, in einer Historical Romance. Abgesehen davon, erzählt Lisa Kleypas mit „So sündig küsst kein Gentleman“, erneut eine wunderschöne, romantische und intensive Liebesgeschichte, die mit zahlreichen erotischen und prickelnden Liebessszenen abgerundet wird, so dass alle Historical Romance Fans hier ganz auf ihre Kosten kommen werden. Die Liebesgeschichte zwischen Rhys und Helen hat das richtige Timing und für die richtige Portion Wohlfühlatmosphäre sorgen die liebeswerten Nebenfiguren; allen voran das Heldenpaar des ersten Teils und auch Helens Schwestern, die naseweisen Zwillinge. Helens Zögern, sich Rhys ob ihres Geheimnisses anzuvertrauen, kann man absolut nachvollziehen und die Entwicklung, die die Geschichte nimmt, konnte mich ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen.

Kurz gefasst: Helen & Rhys- Lisa Kleypas gehört einfach zu den besten Historical Romanceautorinnen, wie sie mit „So sündig küsst kein Gentleman“ erneut unter Beweis stellt. Wunderschöner Liebesroman, der mit lebhaften Akteuren, die Ecken und Kanten besitzen, punkten kann.


Ravenel Reihe:

Teil: Dem Earl ausgeliefert
Teil: So sündig küsst kein Gentleman
Teil: Devil in Spring