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Veröffentlicht am 21.07.2022

Die beschwingte Leichtigkeit des Erzählens, der zeitgemäße Schreibstil und die hintersinnigen und amüsanten Dialoge lassen den Leser die unsympathisch gestrickten Nebenfiguren fast Vergessen machen

Keine Lady ohne Tadel
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Die hochschwangere Esme langweilt sich fürchterlich auf ihrem Landsitz. Besonders die wöchentlichen Nähkränzchen mit namenhaften, aber langweiligen Matronen der Umgebung machen die Sache nicht besser. ...

Die hochschwangere Esme langweilt sich fürchterlich auf ihrem Landsitz. Besonders die wöchentlichen Nähkränzchen mit namenhaften, aber langweiligen Matronen der Umgebung machen die Sache nicht besser. Und das, obwohl sie ihrem verstorbenen Mann doch versprochen hatte, sich zu bessern und sich um ihren angeknacksten Ruf zu kümmern.
Sie plant eine Hausparty und lädt unter anderem ihre unkonventionelle Tante Arabella, die berüchtigte junge Dame Beatrix die bereits einen Skandal hinter sich hat, Lady Helene, die immer noch auf der Suche nach einem Liebhaber ist, da sie von ihrem Mann, der Helene für frigide hält, nach Strich und Faden betrogen wird und gewisse Herren der Schöpfung ein; auch um Helene einen Gefallen zu tun.

Es kristallisiert sich schnell heraus, dass der ehrenwerte Stephen Fairfax- Lacy von den Ladys heiß begehrt wird. Während er sich zu Beatrix dem frechen Ding, hingezogen fühlt, obwohl er ihr frivoles Verhalten und ihre übermäßige Schminke verachtet, könnte er sich sehr gut eine Affäre mit Lady Helene vorstellen, die kein Hehl daraus macht, dass sie ihn zum Liebhaber begehrt. Doch dass Lady Esmee ihn schließlich als ihren Verlobten präsentiert und das auch noch vor dem Marquis of Bonnington, schlägt dem Fass den Boden aus! Vor allem als Bonnington und der Ehegatte von Lady Helene ebenfalls der Hausparty beiwohnen…

Nachdem ich vom zweiten Teil der Reihe etwas enttäuscht war und Chris zum dritten Teil ebenfalls nicht viel Gutes zu berichten hatte, ging ich mit ziemlich gemischten Gefühlen an „Keine Lady ohne Tadel“. Doch auch wenn Chris und ich so oft lesetechnisch auf gleicher Wellenlänge sind; diesmal geht unsere Meinung zum Buch doch ziemlich auseinander, was ich sehr witzig fand.
Ob es daran liegt, dass ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, dass Eloisa James in ihren Romanen kein eindeutig im Fokus stehendes Liebespaar auftreten lässt, oder ich ihre Romane einfach nicht mehr als historische Liebesromane sehe, sondern als vergnügliche Sittengemälde, weiß ich nicht genau.

Doch auch wenn Esme und Helene erneut meine Lesernerven arg strapaziert haben mit ihren seltsamen Anwandlungen (Esmes Jammerei bezüglich ihres Gewichts und ihr Selbstmitleid oder Helenes alberne Versuche sich einen Liebhaber zu angeln, der sie eigentlich so gar nicht interessiert, sind mir dabei sehr negativ aufgefallen) hat mich der gesamte Roman doch sehr gut unterhalten.
Denn obwohl die einzelnen Nebenfiguren des Romans für sich allein ziemlich unsympathisch sind (bis auf Beatrix) mutieren sie im Team, zu einer sehr unterschiedlich gestrickten aber interessanten Gesellschaft. Da die Autorin zudem wieder einmal mit einem sehr gehobenen, ansprechenden und vor allem zeitgemäßen Schreibstil und amüsanten, hintersinnigen Dialogen aufwartet, habe ich viele Male beim Lesen schmunzeln müssen und war sehr angetan von diesem Roman, der auf mich fast wie ein kleines Bühnenstück a la Oscar Wilde wirkte.

Punktabzüge gibt es aber dafür für die Liebesgeschichte zwischen Beatrix und Stephen. Besonders sauer aufgestoßen ist mir dabei, dass Stephen praktisch ein charakterliches Abziehbild des Marquis of Bonnington ist, (der im dritten Teil dieser Serie dagegen nun zum abenteuerlichen Draufgänger mutiert und der sogar so weit geht, sich bei Lady Esmee als Gärtner zu verdingen, um sie heimlich in der Nacht zu einem Schäferstündchen aufzusuchen) der die Nase sehr hoch trägt und sich zunächst über Beatrixs Äußeres mokiert und das in ziemlich herablassender Art und Weise. Auch seine an Beatrix gerichtete Bitte, sie solle ihn doch zusammen mit den anderen Damen des Hauses umwerben, wenn sie ihn zum Liebhaber begehre, fand ich völlig daneben.
Und trotz der Tatsache, dass ich Stephen, genau wie Bonnington einfach keine Sympathiepunkte zugestehen konnte, habe ich die unkonventionelle aber ehrliche Beatrix um so mehr in mein Leserherz schließen können.

Kurz gefasst: Die beschwingte Leichtigkeit des Erzählens, der zeitgemäße Schreibstil und die hintersinnigen und amüsanten Dialoge lassen den Leser die unsympathisch gestrickten Nebenfiguren fast Vergessen machen.

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Trotz toller Story und liebeswertem Heldenpaar, Punktabzüge wegen diverser Längen

The Duchess Circle - Ein delikater Liebesbrief
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Lady Henrietta lebt zusammen mit ihrer Halbschwester und ihrer Stiefmutter auf dem Land. Sie würde sehr gerne selbst heiraten und Kinder bekommen. Bislang glaubte sie jedoch, diese Möglichkeit bliebe ihr ...

Lady Henrietta lebt zusammen mit ihrer Halbschwester und ihrer Stiefmutter auf dem Land. Sie würde sehr gerne selbst heiraten und Kinder bekommen. Bislang glaubte sie jedoch, diese Möglichkeit bliebe ihr verwehrt, da sie durch ihre Mutter vererbt, ebenfalls eine sehr schwache Hüfte besitzt. Einst starb Henriettas Mutter bei ihrer Geburt und selbst konsultierte Ärzte der Umgebung rieten Henrietta davon ab, eine Familie gründen zu wollen.

Doch sie hat sich trotz großen Kinderwunsches mittlerweile mit ihrer Situation arrangiert. Das ändert sich jedoch, als sie auf die ausgebüxten Halbschwestern des Adligen Sir Simon Darby trifft, die sich sogleich in ihr Herz schließt. Da diese kurz zuvor ihr Kindermädchen in die Flucht schlugen, bietet Henrietta Sir Simon kurzerhand an, dass sie ihm helfen will, einen Ersatz zu finden. Währenddessen kommen sich Henrietta und Simon näher und trotz der Tatsache, dass sie sich in so vielen Dingen stark voneinander unterscheiden- so ist Simon ein sehr modebewusster Gentleman, der sich in Samt, Seide und feinster Spitze kleidet, hingegen trägt Henrietta eher zweckmäßige Kleidung und hat kein Auge für Farben oder Formen, erkennen sie im jeweils anderen einen Seelenverwandten.

Als Simon Henrietta während einer Kutschfahrt einen leidenschaftlichen Kuss raubt, werden sie dabei von Henriettas Stiefmutter überrascht. Während Henrietta nun glaubt, Simon wolle bei ihrer Stiefmutter um ihre Hand anhalten, kommt es jedoch ganz anders, als erhofft. Henriettas Stiefmutter erklärt Simon, dass Henriettas Gebrechen es auch völlig unmöglich machen würde, ehelichen Verkehr zu haben, da eine Schwangerschaft Henriettas Tod bedeuten könnte. Simon ist wie vor den Kopf gestoßen und zieht sich zurück. Doch Henrietta und Esme, die verwitwete Lady Rawlings und gleichzeitig Simons Tante, schmieden ein Komplott um Simon doch noch einzufangen.
Ein Liebesbrief, den sich Henrietta vor einiger Zeit selbst schrieb, wird während einer Tischgesellschaft an der auch neben anderen Simon teilnimmt, vorgetragen und dieser sorgt nicht nur für eine äußerst kompromittierende Situation sondern auch dafür, dass Simon als angeblicher Verfasser des Briefes keine andere Wahl bleibt, als Henrietta zu heiraten. Doch wie kann eine solche Ehe funktionieren? Und können beide dennoch glücklich werden, obwohl Henrietta nur dem Namen nach Simons Frau sein darf?

Nachdem ich vom ersten Teil dieser neuen Serie, in der gleich mehrere Ehepaare im Fokus des Geschehens stehen „Ein unerhörter Ehemann“, eigentlich ganz angetan war, da ich den beschwingten, sehr regencytypischen Schreibstil der Autorin so sehr mag, doch auch beim Lesen gegen Ende mit einigen Längen zu kämpfen hatte, war ich nun schon sehr gespannt darauf zu erfahren, ob die Autorin beim zweiten Teil noch eine kleine Schippe drauflegen würde.

Zum Positiven an „Ein delikater Liebesbrief“ gehört, dass man nun bereits mit allen Haupt und Nebenfiguren, die sich um Lady Esme scharren, vertraut ist und daher die gewisse Eingewöhnungszeit wegfällt, die ich noch beim ersten Teil benötigte. Ebenfalls spannend fand ich die Ausgangssituation zwischen Sir Simon und Henrietta, ihre Annäherung, der stets humorvolle, ungekünstelte Unterton mit dem sich beide begegnen und auch die Art und Weise wie Henrietta mit Simons Halbgeschwistern umgeht, hat mich einige Male schmunzeln lassen. Leider gibt es nun aber auch mehrere „aber“, die mich davon abhielten, dem Buch eine bessere Bewertung zu geben.

Fand ich Eloisa James Art, gleich mehrere Paare in einem Buch zusammenzubringen im ersten Teil noch interessant und erfrischend anders, ging mir dieses Verfahren in dieser Geschichte nun doch ziemlich gegen den Strich. Zudem es sich bei dem zweiten Hauptheldenpaar um die hochschwangere Esme und ihren langweiligen Marquis of Bonnington handelt.
Esme weiß nicht, wer der Vater ihres Kindes ist und als sie dann Bonnington unverhofft wieder begegnet, der sich in der Maskerade eines Gärtners auf ihren Besitz geschlichen hat, ist sie hin und hergerissen, da sie Bonnington immer noch liebt und es ihm angeblich genauso geht. Dieses Hin und Her und der Versuch aus dem langweiligen Bonnington plötzlich einen heißblütigen Abenteurer zu machen der sich total gewandelt hat, fand ich ziemlich langweilig umgesetzt und ich war so manches Mal nah dran, die Seiten die Bonningtons und Esmes Liebesgeschichte erzählten, weiterzublättern.

Aber auch Henriettas und Simons Liebesgeschichte konnte mich nicht hundertprozentig überzeugen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Simon um Henriettas Hand anhalten möchte, wird die Geschichte sehr schön und romantisch geschildert; Simon und Henrietta sind dazu auch sympathische Hauptfiguren- doch die Sache mit dem Liebesbrief… na ja, ab diesem Zeitpunkt als Esme sich einmischt und beide Frauen Simon mit ihrer List überrumpeln, war irgendwie etwas die Luft heraus aus der Geschichte und ich konnte Henriettas Verhalten auch nicht mehr nachvollziehen.
Zwar sagt sie Simon, nachdem er kompromittiert wurde, die Wahrheit und bietet ihm an sich nicht auf eine Ehe mit ihr einzulassen, doch ein schales Gefühl blieb dennoch beim Lesen erhalten.

Nachdem sich das frischgebackene Ehepaar dann endlich zusammengerauft hat, kämpfte ich abermals gegen einige Längen im Buch an, bis die Autorin ihrer Heldin plötzlich eine Schwangerschaft auf den Leib schreibt. Diese und die Auflösung des Ganzen am Ende wirkt dann auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen und es schleicht sich beim Leser schnell das Gefühl ein, als ob die Autorin mit diesen Szenen krampfhaft versucht hätte, lediglich noch einige Seiten mehr zu füllen.

Mir geht es mittlerweile bei Eloisa James Romanen ein wenig wie bei Emma Wildes Historicals. Ich glaube wenn sich beide Autorinnen auf lediglich eine Love Story im Roman besinnen würden und diese ein wenig spannender gestalteten und die Romane dann auch; zumindest im Falle von Eloisa James mit weniger Seiten auskommen würden, müsste man keine Längen innerhalb der Story mehr befürchten.

Kurz gefasst: Volle Punktzahl für den beschwingten Schreibstil, den Esprit und Humor mit dem die Autorin stets zu Werke geht und für ihr interessantes (Haupt)Heldenpaar, dennoch schlichen sich ab der Mitte des Buches viele Längen ein und auch das Happy Ending wirkte auf mich leider sehr gewollt, was am Ende für Punktabzüge sorgte.

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Dieser Historical ist vor allem etwas für Leser, die eine etwas geschliffene, zeitgemäße Ausdrucksweise in historischen Liebesromanen schätzen, dabei aber lieber leichteren, beschwingten Regency-Komödien zugeneigt sind

The Duchess Circle - Ein unerhörter Ehemann
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Ambrogina, Herzogin von Girton, gehört zusammen mit ihren Freundinnen Esmee Rawlings und Lady Carola Perwinkle zur englischen, gehobenen Gesellschaft. Die Freundinnen haben dabei etwas gemeinsam. Sie sind ...

Ambrogina, Herzogin von Girton, gehört zusammen mit ihren Freundinnen Esmee Rawlings und Lady Carola Perwinkle zur englischen, gehobenen Gesellschaft. Die Freundinnen haben dabei etwas gemeinsam. Sie sind sogenannte „Strohwitwen“, denn alle sind zwar verheiratet, doch dabei glänzen ihre Männer entweder durch Abwesenheit, oder verbringen ihre Freizeit lieber mit ihrer Geliebten.

Gina wurde bereits mit elf Jahren mit Cam, dem Herzog von Girton verheiratet, um mit allen Mitteln einen Familienskandal zu verhindern, den ein Erpresser drohte öffentlich zu machen. Gina war nämlich ein uneheliches Kind, gezeugt innerhalb einer leidenschaftlichen Liaison zwischen ihrem Vater und seiner französischen Geliebten. Doch die Frau von Ginas Vater zeigte Mitgefühl und Herz und gab Gina fortan als ihre leibliche Tochter aus

Als sich dann die Situation wegen des Erpressungsversuches zuspitzte, wurde Cam, der bislang noch glaube Gina wäre seine leibliche Cousine, plötzlich mit einem elfjährigen Kind vermählt. Das brachte den jungen Mann, eine sensible Künstlerseele, so sehr gegen seinen Vater auf, dass er seine frischgebackene Ehefrau gleich nach der Trauung verließ, sich aus dem Fenster flüchtete und fortan fern von England, nämlich in Griechenland, lebte um dort Marmorskulpturen zu erschaffen. Gina nahm es Cam nicht übel, dass er sie verließ, denn sie wusste von Anfang an, dass Cam gezwungen wurde, sie zu heiraten, zudem waren sie und Cam seit frühester Kindheit Spielkameraden und pflegten ein freundschaftliches Verhältnis zueinander.

Doch nachdem Gina beschlossen hat, den Marquis von Bonnington zu heiraten, bittet sie ihn nun, zurück nach England zu kommen, damit eine Annullierung ihrer Ehe vorgenommen werden kann. Als Cam seiner Frau seit so vielen Jahren wieder begegnet, empfindet er jedoch ungeahnt Gefühle für das quirlige Geschöpf vor ihm. Er wäre einer Affäre mit seiner Ehefrau nicht abgeneigt, doch dafür ist sich Gina zu schade. Außerdem ist da noch Bonnington…

Währenddessen sehnt sich die bildschöne und begehrte Esmee nach einem Kind. Doch ihr Mann, Miles, mit dem sie einst eine arrangierte, lieblose Ehe einging, pflegt sein einiger Zeit ein intimes Verhältnis mit Lady Childe, der er auch in Liebe zugetan ist. Wie wird er reagieren, wenn sich Esmee ihm anvertraut?

Auch Carola ist unglücklich, denn sie liebt ihren Ehemann „Tuppy“ über alles, trotz ihres Zerwürfnisses gleich nach der verunglückten Hochzeitsnacht. Wird sie ihn zurückgewinnen können?

„Ein unerhörter Ehemann“ ist ein etwas ungewöhnlicher Regency-Roman, denn es stehen gleich drei Frauen und ihre Ehemänner/Galane im Mittelpunkt des Geschehens. Dennoch liegt der Hauptfokus dabei auf Gina und Cam; diesem Paar bzw. ihrer Liebesgeschichte widmet die Autorin ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Seitenzahlen, als es bei den anderen beiden Paaren der Fall ist.

Nachdem in letzter Zeit immer mehr historische Liebesromane auf den deutschen Markt geworfen werden, die ein historisches Flair oder eine zeitmäßige Ausdrucksweise vermissen lassen, kann der Historical-Leser, der genau diese Attribute bei einer Historical Romane schätzt, hier beruhigt aufatmen, denn Eloisa James Schreibstil ist einfach wunderbar, ihre Ausdrucksweise zeitgemäß, gehoben und geschliffen und dennoch kommt diese Romance alles andere als gestelzt oder altmodisch daher. Stattdessen überrascht die Autorin mit einem beschwingten, leichten Liebesroman, der sowohl einen guten und vor allem interessanten Einblick in die damalige Zeitepoche bietet, als auch mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation aufwartet. Cams und Ginas Werdegang wurde dabei für mich besonders unterhaltsam geschildert, denn die spritzigen Dialoge zwischen ihnen sind nicht nur witzig, sondern auch hintersinnig und haben mir viel Vergnügen bereitet.

Gina ist eine sehr sympathische Liebesromanheldin, die sich trotz ihrer Intelligenz eine gewisse, zum Glück wohldosierte, Naivität einer Jungfrau bewahrt hat, dennoch aber genau weiß, was sie will und was nicht. Sehr süß geschrieben fand ich dabei die Romanpassagen, in denen sie immer mehr darüber ins Grübeln kommt, ob sie den lebenslustigen Leichtfuß, den sie Ehemann nennt, für den steifen, langweiligen Moralapostel Sebastian, Marquis of Bonnington aufgeben will.

Cam wirkt auf die Leserschaft zunächst ein wenig verantwortungslos, leichtfertig und unmoralisch. Je mehr man jedoch über die damalige Hochzeit, die ihm aufgezwungen wurde und sein gespaltenes Verhältnis zu seinem hartherzigen, grausamen Vater erfährt, kann man seine Beweggründe verstehen. Zudem ist Cam im Laufe des Romans gottlob lernfähig.
Die Liebeszenen in diesem Roman sind sehr prickelnd und auch die Romantik kommt dabei nicht zu kurz.

Ein wenig schade fand ich es, dass die Geschichten der beiden anderen Freundinnen dafür ein wenig ins Hintertreffen geraten, hier hätte ich mir ein klein wenig mehr Ausführlichkeit gewünscht und auch die Auflösung dieser Nebenhandlungen fanden nicht ganz mein Gefallen. Allerdings war dies nur ein kleiner Wermutstropfen, da ich ansonsten so angetan von dem Gesamtpaket war

Kurz gefasst: Dieser Historical ist vor allem etwas für Leser, die eine etwas geschliffene, zeitgemäße Ausdrucksweise in historischen Liebesromanen schätzen, dabei aber lieber leichteren, beschwingten Regency-Komödien zugeneigt sind oder ganz allgemein Komödien im Stile von „Ein perfekter Ehemann“ oder „Ernst sein ist alles“, mögen. Wunderbar fand ich nebenbei auch die in meinen Augen gelungene Übersetzung!

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Unterhaltsamer historischer Roman, jedoch mit relativ modern wirkenden Dialogen der Protagonisten.

Das Erbe der Äbtissin
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Äbtissin Judith ist zusammen mit ihrer großen Liebe, dem Heiler Silas geflohen und mittlerweile unterwegs gen Italien, als sie in den Alpen in eine Lawine geraten. Lediglich einem kleinen Mädchen mit seltsam ...

Äbtissin Judith ist zusammen mit ihrer großen Liebe, dem Heiler Silas geflohen und mittlerweile unterwegs gen Italien, als sie in den Alpen in eine Lawine geraten. Lediglich einem kleinen Mädchen mit seltsam hellen Haaren und einer ungewöhnlichen Augenfarbe haben sie es zu verdanken, dass sie diesen Unfall überleben. Denn Luna, so heißt das Kind, dessen Mutter in einer kleinen Hütte im Sterben liegt, hat übersinnliche Fähigkeiten. Sie ist in der Lage, allein durch Handauflegen Krankheiten zu heilen. Doch ihre Mutter weigert sich, Lunas Hilfe anzunehmen, weil sie fürchtet, dass es Lunas Kräfte zu sehr schwächen könnte. Stattdessen bittet sie Judith und Silas darum, sich ihrer Tochter anzunehmen, was das Paar ihr auch gern verspricht.

So machen sie sich, nachdem die Frau verstirbt, zu Dritt auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg Richtung Rom. Judith weiß, dass Barbarossas Sohn Heinrich bereits auf der Suche nach ihr ist. Heinrich ist nämlich erzürnt darüber, dass sie, der er das Herz seines verstorbenen Vaters anvertraut hatte in ihrem Kloster dem sie bis zu ihrer Flucht vorstand, ihm den Rücken gekehrt hat und das auch noch mit Barbarossas tüchtigstem Heiler Silas.
Und auch Heinrichs Vertrauter Markward ist begierig darauf, Judith in seine Hände zu bekommen, denn noch immer kann er die junge Frau, die er einst begehrte, nicht vergessen.
Einmal kann Judiths Reisegruppe ihren Häschern entkommen, doch als Heinrich in Italien gekrönt werden soll, spitzt sich ihre Lage gefährlich zu…

Nach „Das Geheimnis der Äbtissin“, legt die Autorin Johanna Marie Jakob mit „Das Erbe der Äbtissin“ den Nachfolgeband nach. Und auch, wenn ich den Vorgänger nicht gelesen habe, bin ich dennoch sehr gut in die Geschichte hineingekommen, da man alle wichtigen Informationen zur Vorgeschichte auch in diesem Roman erfährt.

Die Autorin hat einen sehr bildhaften Schreibstil und hat ihre Geschichte mit interessantem historischem Hintergrundwissen ausgeschmückt, was mir erst einmal sehr gut gefallen hat. Auch die Geschichte um die ehemalige Äbtissin Judith und ihren Silas fand ich sehr spannend und unterhaltsam beschrieben. Jedoch gab es für mich einen kleinen Wermutstropfen, der verhindert hat, dass ich mich vollends in dem Roman verlieren konnte und das war, dass ich fand, dass die Unterhaltungen der Protagonisten nicht der Zeitepoche, in der die Geschichte spielt, angepasst war. Vielmehr drücken sich die Figuren eher wie Menschen unserer Zeit aus, was mich ein wenig gestört hat, weil mir so das gewisse historische Flair abhanden kam. Wer jedoch kein Problem mit diesem, von mir erwähnten Kritikpunkt hat, wird sicherlich ungetrübte Lesefreude empfinden, denn die Story an sich ist sehr spannend und auch macht sich der Roman sehr gut im Regal, da die Covergestaltung sehr gut gelungen ist.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer historischer Roman, jedoch mit relativ modern wirkenden Dialogen der Protagonisten.

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Ein toller Historienschmöker, wenn auch die Ausdrucksweise eher modern wirkt...

Die Druidin
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Nachdem die Mutter der Keltin Talia bei der Geburt stirbt und ihr Vater sie im Stich lässt, wird sie von Vebromara, einer mitleidigen Geburtshelferin und Heilerin aufgezogen. Mehr noch- Vebromara rettet ...

Nachdem die Mutter der Keltin Talia bei der Geburt stirbt und ihr Vater sie im Stich lässt, wird sie von Vebromara, einer mitleidigen Geburtshelferin und Heilerin aufgezogen. Mehr noch- Vebromara rettet dem Säugling das Leben, denn eigentlich sollte Talia kurz nach der Geburt von Vebromaras Hand getötet werden. Als Talia heranwächst und ihrer Ziehmutter eines Tages bei der Pflege von Verletzten mit schweren Brandwunden zur Hand gehen soll, kommt sie mit einem der Opfer in Berührung. Dabei entdeckt sie eine übernatürliche Gabe an sich: Talia hat die besondere Fähigkeit, die Seelen und deren Auren sehen zu können. Diese Fähigkeit ist dem ehrgeizigen Druiden Ientus zunächst ein Dorn im Auge und er verbietet Talia, ihre Fähigkeiten bei anderen Menschen anzuwenden.

Doch einige Jahre später belauscht die junge Keltin den Druiden durch Zufall bei einem Gespräch und erfährt, dass Ientus plant, sie in Besitz zu nehmen und ein Kind mit ihr zu zeugen, das dann seine ehrgeizigen Pläne unterstützen soll- denn Ientus weiß genau, welche große Macht Talias Gabe für ihn bedeuten könnte. So beschließt Talia schweren Herzens zu fliehen.

Als ihre Amme stirbt, begleitet sie daher den gutaussehenden Söldner Atharic, der zusammen mit seiner Söldnertruppe eine zeitlang Zuflucht und Unterkunft in ihrem Dorf gesucht hat, nach Alte-Stadt, der Stadt, in der ihr leiblicher Vater, Caran regiert. Durch Zufall kommt ein Kontakt zwischen Carans hochschwangerer Ehefrau und Talia zustande und letztendlich führt er dazu, dass Talia in Carans Haushalt als Arbeiterin aufgenommen wird. Talia verschweigt ihrem Vater jedoch , wer sie wirklich ist, auch wenn sie nach und nach immer mehr zu der Überzeugung kommt, dass ihr Vater kein so schlechter Mensch sein kann, wie sie es seit ihrer frühesten Kindheit an, annahm.

Die Vorstellung, dass ihr eigener Vater ihre Ermordung befehligt haben soll, fällt ihr immer schwerer- bis sie Carans ehrgeizige und kaltherzige Schwester kennen lernt, die ihr dies jedoch bestätigt. Verletzt lässt sich Talia dazu überreden, für Carans Schwester zu spionieren.

Doch als Carans Frau eines Tages ihr Kind gebiert und das Kind zu schwach zum Leben scheint, ist es nur Talias beherztes Eingreifen zu verdanken, dass das Kind überlebt. Caran ist ihr überaus dankbar und versucht Talia dazu zu überreden, ihre besondere Gabe zu fördern. Sehr zum Verdruss des Druiden Ientus, der mittlerweile, in der Hoffnung auf Ruhm und Ehre, ebenfalls nach Alte-Stadt gezogen ist und immer noch alles daransetzt, Talia für sich zu gewinnen.

Außerdem verbündet er sich mit Carans Schwester und schmiedet zusammen mit ihr ein gefährliches, politisches Komplott, das am Ende Carans Ende als Stammesführer oder schlimmer noch, seinen Tod zur Folge haben könnte. Doch einem Menschen ist es bestimmt, dieses Schicksal abzuwenden- Talia!

Der Debütroman von Birgit Jaeckel schildert unterhaltsam ein Stück Zeitgeschichte, dass sehr selten in historischen Romanen behandelt wird- und zwar die Zeit der Kelten.

Interessant empfand ich vor allem die religiösen Einflechtungen rund um das Druidentum und welche Auswirklungen der Glauben auf die Menschen der damaligen Zeit hatte. Aber nicht nur der historische Hintergrund ist unterhaltsam beschrieben; die Geschichte der jungen Druidin Talia, die in Alte-Stadt auf ihren zunächst verhassten Vater trifft und in politische Intrigen verwickelt wird, ist sehr spannend und mitreißend umgesetzt und der eingängige Schreibstil der Autorin, fesselte mich regelrecht an das Buch.

Selbst die Charaktere sind durchweg glaubwürdig gezeichnet und man kann sich als Leser sehr gut in Talias Gefühlswelt hineinfinden Auch wenn man als Leser vielleicht zunächst ein wenig verwirrt sein mag, von den vielen im Roman genannten Völkerstämmen, mit ungewohnt klingenden Bezeichnungen und ihre Beziehung zueinander- es lohnt sich jedoch auf jeden Fall weiterzulesen.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist meines Erachtens, die teilweise sehr modern wirkende Ausdrucksweise zwischen den Protagonisten, die eher in unsere heutige Zeit passen würde. Wenn man davon absieht, bekommt man auf jeden Fall ein Buch, das viel Lesespaß verspricht und nebenbei bemerkt auch optisch sehr viel her macht, denn das Cover der gebundenen Knaur- Ausgabe ist sehr ansprechend.

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