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Veröffentlicht am 27.05.2022

Zwei Frauen wagen einen Neuanfang- Leichter Unterhaltungsroman und Sommerlektüre in einem

Ein Sommer in Rimini
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Hamburg in den 50er Jahren:

Nach dem Krieg mit all seinen Schrecken und Entbehrungen, haben sich die beiden recht unterschiedlichen Frauen Nina und Henni zusammengetan. Beide sind verwitwet und haben ...

Hamburg in den 50er Jahren:

Nach dem Krieg mit all seinen Schrecken und Entbehrungen, haben sich die beiden recht unterschiedlichen Frauen Nina und Henni zusammengetan. Beide sind verwitwet und haben beinahe alles verloren. Zusammen ist es ihnen jedoch gelungen, eine kleine Wohnung zu finden, in der beide zusammenleben. Nina ist Köchin und obwohl ihr keine Aufstiegsmöglichkeiten beschieden sind in ihrem Job, da ihr Chef männliche Arbeitnehmer bevorzugt, hält sie tapfer durch und spart, genau wie Henni, jeden Pfennig.

Eines Tages kommt es jedoch zu einem Vorfall. Ausgerechnet Ninas eigenwillige Salatkreation bringt einen italienischen Gast des Lokals dazu, sie an seinen Tisch zu bitten. Der Herr entpuppt sich als Freund des Geschäftsführers, des Grand Hotels in Rimini. Und mehr noch- er will, dass Nina fortan dort arbeitet. Nina ist hin und hergerissen und bespricht das Angebot zunächst mit Henni. Die ist ganz aus dem Häuschen, als sie davon erfährt und redet Nina gut zu. Zudem passt es wunderbar dass Henni, von ihrem gesparten Geld, ein Auto anzahlen konnte das nun vor der Tür steht.

Beide Frauen wagen die Fahrt ins Ungewisse, doch sie ahnen genau, dass es im fernen Italien nur besser für sie werden kann. Ninas Neuanfang gestaltet sich jedoch nicht allzu leicht. In ihrer Probezeit muss sie zunächst die niedersten Arbeiten in der Küche verrichten und ihre italienischen Kolleginnen und Kollegen machen es ihr alles andere als einfach. Doch das Schwimmen im Meer, die freundlichen Gastwirte der Pension, in der beide Frauen untergekommen sind und das malerische Rimini entschädigen sie für all ihre Mühen. In Pietros Nähe schlägt Ninas Herz schließlich schneller, doch Piero will keine deutsche Frau. Kann sie seine Meinung ändern?

Ein Sommer in Rimini, führt seine Leser zurück in die 50er Jahre. Eine Zeit, in der den Menschen der Krieg noch sehr in den Knochen steckte und das Wirtschaftswunder längst noch nicht jeden erreicht hatte. Der Roman von Fenna Janssen erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die in Italien schließlich einen Neuanfang wagen.
Während Henni eine ziemlich burschikose Frau ist, die bereits so manchen durch ihre offenen Worte brüskiert hat, ist Nina eher zurückhaltend und hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert. Henni ist bei dem Frauengespann eigentlich der treibende Motor und sie muss Nina so manches Mal aus ihrer Lethargie reißen.
Dennoch mochte ich Nina ein wenig mehr und konnte gut nachvollziehen, wieso sie ein Problem damit hat, neue Menschen an sich heranzulassen.
Die Ausgangssituation der Geschichte fand ich dazu sehr spannend und ich erhoffte mir von der Lektüre einen schönen, bildhaften Urlaubs/Sommerschmöker.

Um es vorweg zu sagen, in der Tat ist Fenna Janssens Roman unterhaltsam und wer Sommerlektüre im Stile von Autoren wie etwa Janne Mommsen zu schätzen weiß, kann auch hier bedenkenlos zugreifen. Die Autorin beschreibt Ninas Arbeitsalltag glaubwürdig und man hofft als Leser natürlich, dass sie ihr Bindungsproblem überwinden kann. Mir fehlte zu einer besseren Bewertung des Romans, obwohl ich ihn durchaus mochte, mehr Tiefgang. Diverse Probleme der Romanfiguren lösten sich beinahe im Nu und die Dialoge der Figuren, hätten ebenfalls noch ein wenig mehr Tiefe gebrauchen können.
Bitte nicht falsch verstehen. Man bekommt hier durchaus einen gefälligen, leichten und soliden Unterhaltungsroman geboten, doch für meinen Geschmack war noch Luft nach oben gegeben. Und ich hätte mir dazu ein wenig mehr Beschreibungen der Örtlichkeiten gewünscht.

Kurz gefasst: Zwei Frauen wagen einen Neuanfang- Leichter Unterhaltungsroman und Sommerlektüre in einem.

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Veröffentlicht am 26.05.2022

Kann man lesen; es ist aber kein „Must Read“

Das Geheimnis des toten Cellisten
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Die frisch geschiedene Eve Mallow hat einen außergewöhnlichen Job. Sie schreibt Nachrufe für frisch verstorbene Promis. Aus diesem Grund hat es sie nun in das beschauliche britische Örtchen Saxford St. ...

Die frisch geschiedene Eve Mallow hat einen außergewöhnlichen Job. Sie schreibt Nachrufe für frisch verstorbene Promis. Aus diesem Grund hat es sie nun in das beschauliche britische Örtchen Saxford St. Peter verschlagen. Kaum ist sie, zusammen mit ihrem Dackelrüden Gus dort angekommen, belauscht sie am Strand ein besorgniserregendes Gespräch zwischen einem Paar. Eve ist schnell klar, dass es sich bei dem Verblichenen, über den sich die Unbekannten austauschen, nur um den Cellisten Bernhard Fitzpatrick drehen kann. Den Mann, über den sie einen Nachruf verfassen will. Als Eve dann auch noch erfährt, dass Bernard ermordet wurde, ist ihr kriminalistischer Spürsinn geweckt. Obwohl ihr nerviger Exmann verlangt, dass sie umgehend zurückkehrt, nach London zu ihm, den gemeinsamen, erwachsenen Kindern und seiner neuen Freundin, stürzt sich Eve ins Abenteuer.

Schließlich kann sie Beruf und Hobby auf perfekte Weise verbinden. Dazu sind die zahlreichen Dörfler, die sie für ihre Nachrufrecherche kontaktiert, sehr gut bekannt gewesen mit dem berühmten Cellisten. Sie wissen allerdings nicht nur positive Dinge über den Verstorbenen zu berichten, sondern zeichnen ein ambivalentes Bild des Mannes, das nicht gerade schmeichelhaft ist. Doch hat sich Bernard mehr zu schulden kommen lassen, als lediglich ein snobistischer, herrschsüchtiger Zeitgenosse gewesen zu sein? Wen hat er womöglich dermaßen vergrätzt, dass er ihm deswegen nach dem Leben trachtete?
Eves Nachfragen lösen jedoch nicht nur Wohlwollen im Ort aus und schon bald bringt sie sich selbst in Gefahr…

„Das Geheimnis des toten Cellisten“, markiert den ersten Teil der neuen, britischen Cosy-Crime Reihe von Clare Chase. Um dieses Genre abzudecken, schuf der Bastei Lübbe Verlag die Rubrik „Mord in bester Tradition- Mit Schirm, Charme und Krone“ und brachte bereits einige Buchreihen von diversen Autoren zum Thema heraus, die allesamt ein ähnlich gestaltetes Coverlayout aufweisen. Da man mich immer schnell mit einem ansprechen Cover, nebst Klappentext verlocken kann und ich britische Cosy-Krimis im Stile der Barnaby Reihe etc. sehr mag, wollte ich der Autorin und ihrer neuen Reihe unbedingt eine Chance geben.
Der Schreibstil von Clare Chase ist eingängig, der Roman liest sich locker flockig und mit Eve hat die Autorin durchaus eine interessante Romanheldin geschaffen, deren persönlicher Hintergrund neugierig macht auf weitere Bände. Diese werde ich, so leid es mir auch für die Autorin und ihre Reihe tun mag, allerdings nicht mehr zu Gemüte führen, da ich „Das Geheimnis des toten Cellisten“ als überaus langweilig dargeboten empfand.

Die Autorin lässt zahlreiche Nebenfiguren auftreten und beschränkt sich, in weiten Teilen darauf, ihre Romanheldin lediglich von einem Verhör zum nächsten zu schicken oder aber im Cafe des Ortes zwischendurch leckeres Backwerk zu verschnabulieren. Es ist ja nichts gegen gute alte Ermittlungsarbeit von einer Hobbydetektivin einzuwenden, doch leider sind sämtliche Nebenfiguren so konturlos geraten, dass man als Leser große Probleme damit hat, diese und ihre Beziehungen miteinander überhaupt auseinanderklamüsern zu können. Ich erwarte bei einem Cosy Krimi ja nicht gerade Hochspannung oder Nervenkitzel, aber eine so belanglos dahinplätschernde Story nun ebenfalls nicht. Humorig, wie angepriesen, war hier ebenfalls nichts- selbst wenn der gute Simon, seines Zeichens attraktiver Schwerenöter im Ort, der sich an Eves Fersen heftet, ein paar amüsante Anekdoten und Spukgeschichten zum Besten gibt.
Es geschieht einfach nichts, besonders ab der Mitte der Geschichte habe ich mich sehr durchquälen müssen und war beinahe versucht, den Roman vorab wegzulegen. Da man so etwas aber nicht macht , habe ich mich tapfer durchgekämpft und fast eine ganze Woche dafür benötigt. Nun bleibt meine Hoffnung, dass Julia Chapmans Romane, die ebenfalls zur Lübbe Rubrik „Mord in bester Tradition- Mit Schirm, Charme und Krone“, gehören und noch bei mir subben, besser sind.

Kurz gefasst: Eine Hobbydetektivin und Nachrufschreiberin ermittelt in ihrem ersten Fall- Leider sehr belangloser, seichter Cosy-Crime, der nicht gerade Lust auf weitere Bände macht. Kann man lesen; es ist aber kein „Must Read“.

Eve Mallow Reihe:

1. Teil: Das Geheimnis des toten Cellisten
2. Teil: Der Tote am Apple Tree Cottage (Nov. 2022)
3. Teil: Mystery At Seagrave Hall (noch nicht übersetzt)
4. Teil: Mystery At The Old Mill (noch nicht übersetzt)
5. Teil: Mystery At The Abbey Hotel (noch nicht übersetzt)
6. Teil: Mystery At The Church (noch nicht übersetzt)
7. Teil: Mystery At Magpie Lodge (noch nicht übersetzt)
8. Teil: Mystery At Lovelace Manor (noch nicht übersetzt)
9. Teil: Mystery At Southwood School (noch nicht übersetzt)


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Veröffentlicht am 20.05.2022

Spritzige, vergnügliche Regencyromance im klassischen Gewand und mit einem ansprechenden Coverlayout versehen

Ein Bild von einem Mann
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London 1812:

Obwohl die schüchterne Corinna, Enkelin eines schwerreichen Webers, dem attraktiven Elliot Sandhill -Jones lediglich zweimal begegnet ist, hat sie es sich in den Kopf gesetzt, seine Frau ...

London 1812:

Obwohl die schüchterne Corinna, Enkelin eines schwerreichen Webers, dem attraktiven Elliot Sandhill -Jones lediglich zweimal begegnet ist, hat sie es sich in den Kopf gesetzt, seine Frau zu werden. Bei ihrem Großvater stößt der Wunsch auf wenig Gegenliebe. Doch da der Großvater seine Enkelin über alles liebt und Corinna äußerst dickköpfig ist, lässt sich der „Weberbaron“, wie er hinter vorgehaltener Hand genannt wird, breitschlagen. Er nimmt Kontakt zum Vater des jungen Adligen auf, der zwar durchsetzt ist von Standesdünkel, dennoch aber nicht mit Dummheit geschlagen ist. Denn obwohl er und sein Sohnemann zum Hochadel gehören, sieht es in finanzieller Hinsicht nicht gerade rosig aus. Vater und Sohn brauchen dringend eine Finanzspritze, da ihnen das Geld nur so durch die Finger rinnt.

Als Elliot jedoch erfährt, wen sein Vater als seine Braut auserkoren hat, ist er erschrocken. Denn mit ihrem Namen verbindet er eine äußerst unangenehme junge, zudringliche Dame, die ihn einige Zeit zuvor unsittlich bedrängte. Doch Elliot ist ein fügsamer Mann, der weiß, wann er sich geschlagen geben muss. Lediglich einmal fällt er aus seiner Rolle- an dem Tag, als er die Verlobungspapiere unterschreiben soll. Und schlimmer noch, seine verletzenden Bemerkungen bleiben nicht ungehört, denn seine Braut in spe steht hinter der Tür und bekommt alles mit.

Corinna fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, wie ihr Verlobter wirklich von ihr denkt und flüchtet ungesehen aus dem Raum. Doch sie weiß genau, dass sie Elliot liebt und obwohl ihre Brüder und ihre Großtante von jeher kein gutes Haar an ihr und ihrem Bräutigam lassen, beschließt sie, für ihre Liebe zu kämpfen- koste es was es wolle.
Sie macht sich auf nach London und schmiedet, zusammen mit einer neuen Freundin, einen gewagten Plan…

Nachdem sich im ersten Band der „Regency Heroes“, die bezaubernde Amabel und Elliots Freund, Major Harold Westfield trafen und ineinander verliebten, wird es nun auch langsam Zeit für den humorvollen und stattlichen Elliot, in den Bund der Ehe einzutreten. Freilich, würde es nach Elliot gehen, würde er lieber noch eine Weile auf Freiersfüßen umhertappen, doch sein Vater benötigt dringend Geld und so lässt er sich von einem Bürgerlichen, für dessen Enkelin einkaufen.
Man ahnt es bereits nach wenigen Seiten- Corinna hat nicht viel gemein, mit der jungen Frau, die Elliot einst bedrängte. Und so ist es unglaublich amüsant zu lesen, wie sich der arme Elliot herumquält- gefangen zwischen Gewissensbissen, Loyalität seinem Vater gegenüber und Resignation. Zugegeben, ich fand, dass der gute Elliot ruhig, dann und wann, ein bisschen cleverer hätte agieren können. So manches Mal steht er ziemlich lange auf der sprichwörtlichen Leitung. Aber zumindest hat er ja seine besten Freunde, die Heroes, die in diesem Band viele humorvolle Akzente setzen und mir beim Lesen ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben. Besonders Amabel sticht noch ein wenig mehr hervor. Ihre Rolle, bei dem Ganzen, hat mir besonders gut gefallen.

Man bekommt erneut einen spritzigen, beschwingten Regencyroman geboten, der unglaublich gut geschrieben ist. Sophia Farago drückt sich einfach wunderbar aus und selbst wenn das nach Schleimerei klingt, ist das doch ganz ernst gemeint. Ich liebe Romane, die historisches Flair versprühen und nicht zu modern geschrieben sind, aber vor allem, in denen sich die Romanfiguren auch so verhalten, wie es Menschen jener Zeitepoche taten. Und all diese Punkte erfüllt die Autorin und noch so vieles mehr.
Was ich ein wenig schade fand, war, dass es äußerst züchtig zugeht zwischen dem Heldenpaar. Zumindest hätte ich mir den ein oder anderen leidenschaftlichen Kuss gewünscht, noch mehr längere Blickkontakte, aber das ist schon Meckern auf hohem Niveau.
Diese heitere Regencyromanze bereitete mir vergnügliche Lesestunden und ich freue mich schon sehr auf den im Dezember 2022 erscheinenden dritten Teil der Romanreihe, in der Reginald die Frau fürs Leben treffen wird.

Kurz gefasst: Spritzige, vergnügliche Regencyromance im klassischen Gewand und mit einem ansprechenden Coverlayout versehen.

Regency Heroes:

1. Teil: Die skandalöse Verwechslung
2. Teil: Ein Bild von einem Mann
3. Teil: Ein Duell mit Folgen (Dezember 2022)
4. Teil: Titel noch nicht bekannt

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Veröffentlicht am 18.05.2022

Feiner, historischer Krimi, der das viktorianische Zeitalter authentisch wirkend aufleben lässt

Der Mord in der Rose Street
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London, 1881:

Obwohl es sich Leo Stanhope vorgenommen hat, nach den turbulenten und lebensgefährlichen Abenteuern vor nicht all zu langer Zeit, ein möglichst solides und langweiliges Leben zu führen, ...

London, 1881:

Obwohl es sich Leo Stanhope vorgenommen hat, nach den turbulenten und lebensgefährlichen Abenteuern vor nicht all zu langer Zeit, ein möglichst solides und langweiliges Leben zu führen, scheint ihm ausgerechnet dieser Wunsch nicht erfüllt zu werden.
Ein ungutes Gefühl beschleicht ihn, als er abermals auf das Polizeirevier gebeten wird. Und wieder rückt Leo in den Fokus der Gesetzeshüter, bei einem schweren Verbrechen. Eine Frau und Mutter zweier Kinder wurde ermordet und verscharrt aufgefunden. Und sie trug einen Zettel bei sich, mit Leos Namen und Anschrift darauf.
Obwohl Leo behauptet, die Frau nicht zu kennen, scheint ihm der leitende Detective nicht wirklich Glauben zu schenken. Und in der Tat war Leo der Frau und ihren Kindern bereits einmal begegnet. Kurz vor ihrem Tod hatte sie die Apotheke seines besten Freundes Alfie aufgesucht und einer Prüfung unterzogen. Sie wollte herausfinden, ob er ein ehrlicher Mensch ist, doch ihre Gründe dafür legte sie niemals dar.

Zu allem Überfluss begegnet Leo einem Mann aus seiner Vergangenheit, der ihn noch als die Pfarrerstochter Charlotte kannte. Und John Thackery, Spross eines reichen Fabrikbesitzers, macht Leo dann auch unmissverständlich klar, dass er sein gefährliches Geheimnis nur bewahrt, wenn Leo ihm im Gegenzug ein Alibi für die Nacht verschafft, in dem die Frau getötet wurde.

Leo lässt sich zwar darauf ein, doch gleichzeitig ist ihm klar, dass er seinen Kopf lediglich aus der Schlinge ziehen kann, wenn er selbst zur Tat schreitet und in dem Mord an der Frau ermittelt. Wer hatte ein Motiv, die Frau zu ermorden und warum nur will jemand ihre Kinder entführen?

Nachdem ich vom Einstiegsband der Leo Stanhope Reihe, „Das Haus in der Half Moon Street“, nicht ganz überzeugt war, weil der Band, trotz des formidablen historischen Flairs das der Roman verströmte, doch einige Längen aufwies und Leos innere Zerrissenheit, ob seiner Transsexualität, etwas zu sehr ausgewalzt wurde, wollte ich dem Autor und seiner Reihe gerne noch eine zweite Chance geben, denn man erwischt nur selten historische Romane, die die Zeitepoche so authentisch wirken lassen. Aber vor allem fand ich es spannend, dass Alex Reeve hier einmal Bürgerliche agieren lässt und deren Welt beschreibt. In „Der Mord in der Rose Street“, geht der Autor, am Rande auf die großen Nachteile der industriellen Entwicklung ein, die Fabrikbesitzer immer reicher machte und ihren Angestellten dafür mehr Leid und Armut brachte. Zwar wurde in England die erste Gewerkschaft in den 1860er Jahren gegründet (ab ca. 1830 schlossen sich erste Arbeitervereine zusammen), doch blieb es für einfache Arbeitnehmer schwierig, sich gegen ihre Arbeitgeber zu behaupten, wenn Not am Mann war)
Ich fand diese Hintergründe sehr informativ dargeboten, aber auch Leos Werdegang wurde diesmal viel interessanter erzählt, als im Vorgängerband.
Die Mordermittlung gestaltet sich für Leo zunächst mehr als rätselhaft. Dazu bringt ihn sein guter alter Bekannter, John Thackery, reichlich durcheinander.

Und es machte mir diesmal viel Spaß, Leo bei der Aufklärung des Falles lesetechnisch gesehen, über die Schulter zu schauen. Dazu kommt, dass Alex Reeve auch die bereits im ersten Band eingeführten Nebenfiguren wieder auftreten lässt und ihnen zusätzliche charakterliche Facetten auf den Leib geschrieben hat. Ebenfalls erfährt man mehr über Leos Vorleben, den Zwist mit seinem Vater, was ihn als Hauptfigur greifbarer macht.
Zugegeben, hochexplosive Spannung sucht man hier vergebens- es ist eher ein feiner historischer Krimi der ruhigeren Gangart, den man hier geboten bekommt. Dennoch ist er sehr lesenswert und ich habe ihn praktisch in einem Rutsch ausgelesen, weil ich ihn nicht weglegen mochte. Ich bin sehr froh, nicht gleich nach dem Auftaktband wieder ausgestiegen zu sein und vergebe für Schreibstil, historisches Flair, Romanfiguren und Kriminalfall diesmal die volle Punktzahl.

Kurz gefasst: Leo Stanhopes zweiter Fall- Feiner, historischer Krimi, der das viktorianische Zeitalter authentisch wirkend aufleben lässt.

Leo Stanhope Reihe:

1. Teil: Das Haus in der Half Moon Street
2. Teil: Der Mord in der Rose Street
3. Teil: The Butcher of Berner Street ( noch nicht übersetzt)
4. Teil: The Blood Flower (noch nicht übersetzt)

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Nachdenklich machender, gut geschriebener zweiter Teil der Fairmile Reihe, der menschliche Werte hochhält

An dunklen Wassern
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London 1670:

Alinor Reekie und ihre Tochter Alys haben es geschafft. Nachdem ihnen einst so viele schlimme Dinge angetan wurden in ihrer Heimat, gelang ihnen mit letzter Kraft, in die Hauptstadt zu gelangen. ...

London 1670:

Alinor Reekie und ihre Tochter Alys haben es geschafft. Nachdem ihnen einst so viele schlimme Dinge angetan wurden in ihrer Heimat, gelang ihnen mit letzter Kraft, in die Hauptstadt zu gelangen. Und obwohl sich Alys, hingebungsvoll um ihre schwer kranke Mutter kümmerte und diese wieder auf die Beine kam, verblieb eine Restschwäche in Alinors geschundenem Körper, die ihr, nun, im fortgeschrittenen Alter, das Leben sehr schwer macht. Dennoch, beiden Frauen ist es gelungen, die beiden Kinder großzuziehen und sich einen guten Namen zu machen im Handel von Warengütern. Beide betreiben ein kleines Lagerhaus an der Themse und wenn sie auch keinen großen Reichtum besitzen, sind sie froh darüber, nicht mehr in völliger Armut leben zu müssen.

Eines Tages bekommen sie ungebetenen Besuch und erhalten bestürzende Nachrichten. Alinors Sohn, Rob, soll im fernen Venedig ertrunken sein. Seine Witwe, die schöne Aristokratin Livia, ist nun ganz allein mit ihrem Kind. Sie erhofft sich, im fernen England, familiäre Unterstützung, was geschäftliche Angelegenheiten einschließt. Livia ist nämlich im Besitz von Antiquitäten und möchte sie gerne nach London verschiffen lassen, um sie dort zu verkaufen.
Während Alinor skeptisch bleibt, was den möglichen Wahrheitsgehalt von Livias Behauptungen angeht und geheime Pläne schmiedet, schließt Alys ihre neue Schwägerin sogleich ins Herz. Will Livia auch Alinors Vertrauen gewinnen, muss sie zunächst beweisen, dass sie es ehrlich meint. Da hilft es nicht gerade, dass Livia, zusammen mit Alinors großer Liebe von einst, Sir James Avery, gemeinsame Sache macht.

Zur gleichen Zeit in Neuengland, gerät Alinors Bruder Ned, wieder einmal zwischen die Fronten. Zwar geht er auch dort dem Beruf eines Fährmannes nach, doch wird er misstrauisch beäugt von den britischen Siedlern, da er gute Kontakte zu den indigenen Völkern hegt und sich mit einigen von ihnen angefreundet hat. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, denn die charakterlichen Schwächen der Menschen, wie Neid, Habsucht und Missgünstigkeit, finden sich auch hier. Ned fühlt sich gefangen zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Hoffnung auf eine mögliche Ehe. Doch für letzteres müsste er wohl seine Prinzipien begraben. Wie wird er handeln?

Zugegeben, die Fairmile Reihe von Philippa Gregory, ist nicht gerade leichte Kost für Historienromanfans. Die Autorin mutete ihren Romanfiguren, schon im ersten Band ihrer neuen Reihe, „Gezeitenland“ einiges zu und obwohl ich den Schreibstil der Autorin sehr mag, haderte ich doch ein wenig mit den vielen Katastrophen und privaten Tragödien, die auf Alinor, Alys und die Familie so geballt einprasselten. Es liegt der Familiensaga eine gewisse Schwermütigkeit zugrunde. Das sollte man im Vorfeld wissen, wenn man zu dieser Reihe greift. Kann man sich damit arrangieren, wird man mit einer, wie ich finde, interessanten, ansprechenden, aber vor allem nachdenklich machenden historischen Familiensaga belohnt, die reichlich historisches Flair zu bieten hat.

Apropos Schreibstil. Ich liebe das historische Romangenre. Doch im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich der Schreibstil einschlägiger Autorinnen und Autoren immer mehr. Historische Hintergründe wirkten schlecht recherchiert, waren oftmals nicht mehr als schmückendes Beiwerk und was mir noch saurer aufstieß, war die Tatsache, dass sich viele Schriftsteller nicht mehr viel Mühe dabei gaben, ihren Romanfiguren zeittypisches Verhalten auf den Leib zu schreiben. Selbst Dialoge waren mit modernen Ausdrücken gespickt und Romanakteure verhielten sich leider mehr so, wie Menschen der heutigen Zeit.
Freilich soll das kein Rundumschlag sein, der alle Autoren und Autorinnen dieses Genres betrifft! Aber man findet leider nicht mehr so häufig historische Romane/Schmöker, die sich noch so anfühlen, wie die ersten Bücher dieses Genres, die ich als Teenager oder Twen las.
Und ich finde das so schade!
Philippa Gregorys Romane sind allerdings so, wie man es sich nur wünschen kann. Sie gehört noch zur „alten Garde“, so dass man bereits beim Lesen der ersten Seiten, direkt hineinkatapultiert wird in die Story und mit der jeweiligen Zeitepoche verwoben wird. Ich liebe das historische Flair von Gregorys Büchern sehr und weil mir dieser Punkt so wichtig ist, wollte ich ihn unbedingt ansprechen.

In Sachen Charakterentwicklung war ich allerdings etwas enttäuscht, denn Alinors Tochter Alys, hat scheinbar nicht viel dazu gelernt im Laufe der Zeit und verhält sich noch genauso töricht, wie als junge Frau. Gleiches gilt für Alinors einstige große Liebe. Sicherlich, James mag zwar einen schwachen Charakter besitzen, doch zumindest in seinem Falle hätte ich mir gewünscht, dass er doch noch lernfähig ist. Vielschichtigkeit sucht man bei angesprochenen Akteuren leider vergebens und wären nicht die gewitzten Kinder gewesen, die mittlerweile zu Erwachsenen herangewachsen sind und durch ihre Handlungen bzw. Abenteuerlust, Abwechslung und Spannung in die Story brachten, hätte der Handlungsverlauf des Romans mit Sicherheit eintöniger und zäher gewirkt.
Und es gibt da auch noch die umtriebige, geheimnisvolle und sehr manipulative Witwe von Rob, die in diesem Teil ihr Unwesen treibt- eine furchtbare Frau; aber ihre Schachzüge lesen sich unglaublich unterhaltsam.

Ich mochte aber auch den Handlungsstrang um Ned sehr. Man kann sich sehr gut in ihn hineindenken und fühlen. Kann nachvollziehen, wieso er von den Menschen enttäuscht ist und warum er sich nicht mehr in diverse Streitigkeiten hineinziehen lassen will. Immer noch ist er gottesfürchtig, doch hat er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und entwickelt sich zu einem echten Sympathieträger. Einmal mehr zeigt es sich aber auch, dass sich Historie ständig wiederholt und sich rassistisches Gedankengut aus den Köpfen der Menschheit leider schwer ausradieren lässt. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und einen nach dem Lesen noch beschäftigt. Erwähnenswert ist diesbezüglich das Nachwort der Autorin- besonders ein Satz, gegen Ende, den ich an dieser Stelle gerne zitieren möchte:

Zitat Anfang, Seite 495- „Es ist eine bewegende Erfahrung gewesen, diesen Roman in einer Zeit zu schreiben, in der unser modernes Leben manchmal genauso beklommen und unsicher wirkt, wie die Leben, die ich beschreibe. Die Gegenwart scheint ein Echo der Vergangenheit zu sein, das uns sagen will, das wir nur überleben werden, wenn wir tolerant und großmütig miteinander leben, die Natur respektvoll behandeln und Fremde willkommen heißen, wie es die Pokanoket taten …“ Zitat Ende, Seite 495.

Kurz gefasst: Nachdenklich machender, gut geschriebener zweiter Teil der Fairmile Reihe, der menschliche Werte hochhält.

Fairmile Reihe:

1. Teil: Gezeitenland
2. Teil: An dunklen Wassern
3. Teil: Dawnlands (noch nicht übersetzt)


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