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Veröffentlicht am 11.09.2021

Wunderbarer, sehr atmosphärischer erster Teil einer neuen Histo-Cosy-Krimi Reihe, in der sich die Geschwister Brontë als Hobbydetektive verdingen

Die verschwundene Braut
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Yorkshire, 1845:

Die Geschwister Brontë leben, zusammen mit ihrem verwitweten Vater, zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zusammen in ihrem Elternhaus. Bekümmert sind die Schwestern darüber, dass ihr ...

Yorkshire, 1845:

Die Geschwister Brontë leben, zusammen mit ihrem verwitweten Vater, zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zusammen in ihrem Elternhaus. Bekümmert sind die Schwestern darüber, dass ihr Bruder Branwell seinen Liebeskummer, nach einer Affäre mit einer verheirateten Frau, noch immer versucht mit Alkohol zu betäuben. Doch eines Tages geschieht etwas Schreckliches im Ort, dass alle aus ihrer Lethargie reißt. Im Dorfpub hat Branwell erfahren, dass die zweite Frau eines reichen Edelmannes verschwunden ist. Das wäre an sich noch nicht allzu aufwühlend, doch die Dienstbotin, die das Schlafzimmer ihrer Herrin betrat, fand unglaubliche Mengen von getrocknetem Blut im Bett und auch auf dem Fußboden vor. So gehen die Dörfler von einem Mord an der Frau vor, denn man munkelt, auch die erste Frau des Edelmannes wurde bereits von ihrem Gatten hingemeuchelt.

Charlotte schlägt also ihren Geschwistern vor, Licht ins Dunkel zu bringen und alle sind gleich Feuer und Flamme. Denn bei der Dienstbotin auf Chester Grange handelt es sich um eine alte Freundin aus Internatstagen. Und so wollen sie nicht nur den möglichen Mordfall aufklären, sondern auch ihrer Freundin beistehen.

Geschwind machen sie sich auf nach Chester Grange und treffen dort, unter anderem, auch den geheimnisvollen und sehr unsympathischen Hausherren. Trotz ihrer Antipathie gilt es nun zu klären, ob er tatsächlich auch ein Mörder ist. Die Schwestern ahnen noch nicht, auf welch gefährliches Detektivspiel sie sich eingelassen haben…

Ich entdeckte den ersten Teil der historischen Krimireihe von Bella Ellis, alias Rowan Coleman, eher zufällig im Buchladen und war zunächst hellauf begeistert von der wunderbaren, zeitgemäßen Covergestaltung. Erfreut stellte ich dazu fest, dass auch der zweite Teil der Reihe erhältlich und ich gleichen Layout gestaltet war, so dass sich die Bücher wunderbar im Regal machen. Ich entschied mich also dazu, gleich beide erhältlichen Teile zu erwerben und war ganz gespannt ob der Inhalt, mit dem ansprechenden Äußeren würde mithalten können.

Nun, nach dem Lesen von „Die verschwundene Braut“, kann ich das vorweg bestätigen. Die Autorin lässt hier die berühmten Geschwister Brontë für alle Leser auferstehen. Und was mir besonders gut gefallen hat, war, dass die Figuren sehr lebendig agieren, ihre Unterhaltungen natürlich und der Zeit entsprechend wirken. Landschaft und Bewohner des beschaulichen Örtchens, hat die Autorin ebenfalls wunderbar getroffen. Ihre Beschreibungen sind sehr bildhaft und man ist schon nach wenigen Seiten des Lesens mittendrin in der Geschichte. Zugegeben, der Kriminalfall hätte durchaus einige Spannungselemente mehr vertragen können und Leser, die eine langsame, beschauliche Art des Erzählens nicht so mögen, könnten womöglich nicht ganz so begeistert sein, wie ich von dem Roman. Doch wer Cosy Krimis liebt und diese Zeitepoche im Besonderen, sollte dieser neuen Histo-Krimi Reihe unbedingt eine Chance geben. Es lohnt sich!

Die Brontës dienen hier übrigens nicht nur als schmückende Staffage, sondern sind die Hauptfiguren in dieser Geschichte und ermitteln sehr klug und spitzfindig, so dass es mir viel Lesespaß bereitet hat, ihnen dabei, sozusagen, über die Schulter schauen zu dürfen. Erwähnt wird natürlich auch, wie wenig Frauen früher an Wissen und Selbstständigkeit zugetraut wurde. Und ich fand, dass die Autorin ihren Romanheldinnen diesbezüglich sehr viele trockene und überlegene Entgegnungen auf den Leib geschrieben hat.

Es ist also sowohl eine ansprechende Cosy-Histo-Crime, als auch ein lebendig wirkendes Sittengemälde, dass Bella Ellis ihren Lesern hier präsentiert. Kleiner Funfact am Rande, die Autorin scheint dazu auch ein großes Faible für Jane Austens Werke zu besitzen, denn es tummelt sich in diesem Roman durchaus auch der ein oder andere Nebencharakter, der einen Namen trägt, der einem auch in den Büchern genannter Autorin begegnet.
Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich dieser neuen Krimireihe eine Chance gegeben habe und hoffe sehr, dass noch viele Bände folgen werden. Wobei das ja eigentlich nicht möglich sein kann, da im Jahre 1849 bereits drei der Geschwister verstorben waren und lediglich Charlotte bis ins Jahr 1855 lebte.

Kurz gefasst: Wunderbarer, sehr atmosphärischer erster Teil einer neuen Histo-Cosy-Krimi Reihe, in der sich die Geschwister Brontë als Hobbydetektive verdingen.

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Wunderschöner Histo-Young Adult, der eher im klassischen Regencygewand daher kommt

Eine Liebe in Blackmoore
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Die siebzehnjährige Kate Worthington, lebt mit ihrer Familie auf dem Lande. Schon von Kindesbeinen an ist sie eng mit den Geschwistern Sylvia und Henry Delafield befreundet. Beide wohnen nebenan, doch ...

Die siebzehnjährige Kate Worthington, lebt mit ihrer Familie auf dem Lande. Schon von Kindesbeinen an ist sie eng mit den Geschwistern Sylvia und Henry Delafield befreundet. Beide wohnen nebenan, doch sind sie vom Stande her höher gestellt, als die Worthingtons. Henry wird eines Tages den imposanten Landsitz Blackmoore erben, der ungefähr eine Tagesreise mit der Kutsche entfernt liegt und von dem Henry Kitty, wie sie von allen genannt wird, schon viel erzählt hat, so dass Kittys Neugierde größer nicht sein könnte.
Doch eine erhoffte Einladung nach Blackmoore blieb ihr bislang stets verwehrt, da die Wothingtons, Henrys Mutter ein regelrechter Dorn im Auge sind.

Ein Skandal, verursacht von Kittys älterer Schwester, hat das Ansehen der Familie nicht besser gemacht, was das junge Mädchen sehr betrübt, da sie ein völlig anderes Wesen besitzt. Ihre Mutter, die alle Kinder möglichst gewinnbringend verheiraten möchte, ist jedoch unnachgiebig. Und so hat sie noch nicht einmal Skrupel, einen älteren, gebrechlichen und kranken Mann mit ihrer Tochter zu verkuppeln. Kitty ist entsetzt und macht allen klar, dass sie niemals heiraten will. Ein Vorhaben, das für Amüsement bei ihrer Mutter sorgt. Sie setzt ihrer widerspenstigen Tochter daher ein Ultimatum, als sie erfährt, dass Henry Kitty, endlich nach Blackmoore auf eine Landpartie eingeladen hat. Sollte Kitty mindestens drei Heiratsanträge bekommen und ablehnen, darf sie mit ihrer Tante nach Indien reisen, ein Land, das für das junge Mädchen zu einem Sehnsuchtsort geworden ist, fühlt sie sich daheim doch oftmals eingesperrt wie in einem Käfig. Sollte ihr das jedoch nicht gelingen, muss sie sich widerstandslos den Wünschen ihrer Mutter fügen. Kitty stimmt zu, ahnt jedoch nicht, wie schwer ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen ist.

In Blackmoore angekommen muss sie früh genug erkennen, dass Henry auf eigene Faust gehandelt hat, als er Kitty einlud. Dessen Mutter und Sylvia sind nicht begeistert, als sie plötzlich vor ihnen steht und besonders Mrs. Delafield macht ihr unmissverständlich klar, dass sie es nicht dulden wird, wenn Kitty sich zwischen Henry und seiner Verlobten stellen sollte, die ebenfalls zur Landpartie eingeladen wurde. Obwohl Kitty nochmals bekräftigt, dass sie nichts von Henry will außer Freundschaft, wird sie von allen argwöhnisch beäugt, was auch für die meisten Hausgäste gilt. Kitty ist unglücklich, würde am liebsten wieder abreisen, doch Henry versucht für sie die Wogen zu glätten…

„Eine Liebe in Blackmoore“ entdeckte ich, eher zufällig, beim Stöbern in preisreduzierten Mängelexemplaren. Und es waren nicht nur das wunderschöne Cover, das mich gleich neugierig werden ließ auf die Geschichte, sondern auch meine positiven Eindrücke, die ich beim Lesen eines anderen Romans der Autorin gesammelt hatte. Vorweg muss ich sagen, dass ich „Eine Liebe in Blackmoore“ sogar noch ein Tickchen besser geschrieben fand, als „Sommer in Edenbrooke“, obwohl mir besagter Roman damals schon sehr gut gefallen hatte. Zugegeben, Kitty ist, wie viele Rezensenten bemängelten, noch recht naiv und unreif. Aber bedenkt man ihr Alter und vor allem, erfährt man im zweiten Teil des Buches, warum sie sich so widerspenstig verhält, kann man sie viel besser verstehen und sogar nachvollziehen, wieso sie sich so gibt. Also sollten geneigte Leser der Romanheldin ein bisschen Zeit geben, um mit ihr warm zu werden.
Der Roman wird aus Kittys Sicht in „Ich-Form“, geschildert. Zwischendurch hat die Autorin Rückblenden eingeschoben, denn zwei Jahre zuvor geschah etwas Gravierendes in Kittys Leben, das sie veränderte und man erfährt also nur nach und nach, was das war.
Henry, der Romanheld, den die Autorin Kitty oder Kate, wie sie nun genannt werden will, zur Seite gestellt hat, ist einfach nur ein wunderbarer, sehr einfühlsamer Romancharakter, in den ich mich wohl auch, an Kittys Statt, verliebt hätte. Er ist Kittys Seelenverwandter und ich fand die gemeinsamen Romanpassagen und Dialoge einfach nur süß, humorvoll und warmherzig. Man spürt von Anfang an, wie sehr Henry Kitty zugetan ist und leidet daher sehr mit ihm mit.

„Eine Liebe im Blackmoore“ ist also eher ein Young Adult Historical; dazu kommt, dass Julianne Donaldson hier eher eine klassische Regencyromance abgeliefert hat. Was auch beinhaltet, dass man auf leidenschaftliche oder gar erotische Liebesszenen völlig verzichten muss. Mich stört das nicht, doch ich möchte es für diejenigen LeserInnen erwähnen, denen züchtige Liebesromane eher nicht so liegen.
Ich fand, dass die Autorin die Gefühlslage des Heldenpaars sehr gut dargelegt hat, zudem mochte ich beide Akteure sehr. Und man merkt ganz deutlich, dass Julianne Donaldson wohl eine Schwäche für Jane Austen Romane besitzt, denn ein wenig erinnern Charaktere oder einfach nur Namen, an Romanfiguren aus Werken der Autorin.
Wer Lust auf eine Landpartie ins England um 1820 hat und Regency Liebesromane im klassischen Gewand mag, sollte durchaus mal einen Blick ins Buch riskieren.

Kurz gefasst: Wunderschöner Histo-Young Adult, der eher im klassischen Regencygewand daher kommt.

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Veröffentlicht am 03.09.2021

Atmosphärischer Urlaubsschmöker und Selbstfindungsroman in einem, mit viel Humor gewürzt.

Kaputte Herzen kann man kleben
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Die alleinerziehende Hebamme Luisa, liebt ihre Tochter Amelie sehr. Doch Amelie hat große Probleme in der Schule und Luisa fehlt einfach die Zeit, sich neben ihrem anstrengenden und stressigen Job auch ...

Die alleinerziehende Hebamme Luisa, liebt ihre Tochter Amelie sehr. Doch Amelie hat große Probleme in der Schule und Luisa fehlt einfach die Zeit, sich neben ihrem anstrengenden und stressigen Job auch noch, rund um die Uhr, um ihre Tochter kümmern zu können. So hält sie sich, langsam aber sicher, für eine Rabenmutter. Besonders wenn sie mit anderen Müttern von Kindern, mit denen Amelie in einer Klasse geht, zusammenkommt. Diese Mütter umsorgen ihre Kids mit selbstgemachten Brot, biologisch und glutenfrei natürlich und finden auch noch ausreichend Zeit dafür, sich mit den Lehrern liebkind zu machen, damit die Kids eine bessere Note bekommen.

Seit der Trennung von Amelies Vater, der noch nicht reif war für eine Beziehung, sich nun eher sporadisch meldet, noch das er regelmäßig Unterhalt für Amelie bezahlt, versucht Luisa alles, um ihrer Tochter dennoch ein schönes Leben zu bieten.
Doch leider ist das alles andere als einfach, die Rechnungen stapeln sich, denn München ist ein teures Pflaster und zudem hat sie seit einiger Zeit dermaßen schlimme Rückenprobleme, dass sie jetzt, nach einem tragischen Vorfall in der Geburtsklinik, in der sie arbeitet, die Reißleine ziehen musste.

Für mehrere Wochen ist sie nun krank geschrieben und beschließt der Einladung ihrer Tante Mimi zu folgen, die in St. Peter Ording lebt und dort einen kleinen Bauernhof bewirtschaftet. Doch sie reist mit eher gemischten Gefühlen dorthin, denn beide hatten sich im Streit getrennt. Ganz im Gegensatz zu Amelie, die sich auf einen Tapetenwechsel freut. In St. Peter Ording angekommen, muss Louisa sich nicht nur für schwierige Gespräche wappnen, sondern auch zu sich selbst finden und begreifen, was sie wirklich will.
Doch sie ist nicht allein- eine Gruppe von einheimischen Frauen, die sich mit ihr befreunden und der attraktive Physiotherapeut Tom, wollen ihr dabei helfen…

Kristina Günaks aktueller Roman führt seine Leser ins malerische St. Peter Ording und was mir besonders gefällt in ihren Geschichten, sind die lebendigen, manchmal auch ein bisschen knorrigen Akteure, die die Storys perfekt abrunden. Dies und auch der Humor, der immer wieder durchblitzt und mich ein bisschen an die Romane von Autorin Petra Hülsmann erinnert. „Kaputte Herzen kann man kleben“, spielt nicht nur am Meer, der Autorin ist es dazu perfekt gelungen, den Ort und die Menschen dort so bildhaft zu beschreiben, dass man schon bald das Gefühl hat, man schaue Louisa, Amelie, Mimi und Fiete direkt über die Schulter.
Ich fand den Roman sehr atmosphärisch geschrieben und in diesen Zeiten, in denen man sich, dank Corona, zweimal überlegen muss, ob man überhaupt verreist, ist es wunderbar, dass man das zumindest imaginär machen kann.

Die Geschichte über Louisa ist in erster Linie ein Selbstfindungsroman. Freilich einer der unterhaltsameren Sorte, aber doch keine reine Romance. Zwar verguckt sich Louisa in den attraktiven Tom, doch auch der hat seelische Altlasten, die er mit sich herum trägt und obwohl ich schon fand, dass die Autorin beiden Tiefgang auf den Leib geschrieben hat, hätte ich mir die Entwicklung der Liebesgeschichte doch ein wenig ausführlicher geschildert gewünscht. Auch die Aussprache zwischen Louisa und ihrer Tante kam mir ein wenig zu kurz und Louisas Sinneswandel, nachdem sie wirklich viel zu lange auf der sprichwörtlichen Leitung stand, fand ich auch nicht so glaubwürdig und vor allem kam auch er zu hopplahopp daher.

Wunderbar fand ich dagegen die Szenen mit Louisas neuen Freundinnen, deren witzige Dialoge, den Zusammenhalt und nicht zu vergessen, Louisas knuffige und sehr lebhafte Tochter, die in St. Peter Ording richtig auflebt. Und auch dass die Autorin an passender Stelle erwähnt, wie wichtig eine gute und gerechte Bezahlung für Menschen in Pflegeberufen oder die in Krankenhäusern lange Dienste schieben müssen, ist. Ebenfalls, dass es nicht gerecht ist, dass Frauen immer noch weniger verdienen, als Männer und dass sich endlich etwas ändern muss. Wir haben also einen unterhaltende Geschichte, eine ernste Botschaft, eine Heldin, die sich selbst finden muss und eine kleine Liebesgeschichte.
„Kaputte Herzen kann man kleben“, ist die perfekte Lektüre für den Urlaub oder auch um einfach für zwei Stunden abzuschalten. Und die Grundstory, nebst Botschaft, traf auch meinen Nerv, aber alles in allem gesehen fand ich schon, dass noch Luft nach oben gegeben war. Daher habe ich einen Punkt bei meiner Bewertung abgezogen.

Kurz gefasst: Atmosphärischer Urlaubsschmöker und Selbstfindungsroman in einem, mit viel Humor gewürzt.

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Veröffentlicht am 31.08.2021

Franziska, Florence und Lilli- Drei Frauen müssen ihren Weg finden. Atmosphärischer, wunderbarer dritter Teil der Australiensaga

Im Tal der silbernen Pferde
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Amber’s Joy, Australien, Gegenwart:

Franziska, hat die große Farm „Amber’s Joy“ von ihrer verstorbenen Großtante geerbt. Doch ein Passus in dem Testament, bringt die junge Frau, ihren Lebensgefährten ...

Amber’s Joy, Australien, Gegenwart:

Franziska, hat die große Farm „Amber’s Joy“ von ihrer verstorbenen Großtante geerbt. Doch ein Passus in dem Testament, bringt die junge Frau, ihren Lebensgefährten Riley, dessen Vater und Angestellte der Farm in Bedrängnis. Ein Mann meldet sich bei ihrem Rechtsanwalt, der angeblich ein Verwandter ist und nun verlangt, dass Amber’s Joy verkauft und der Erlös zwischen ihm und Franziska aufgeteilt wird. Franziska ist fassungslos, denn eigentlich hatte sie gerade ein Rettungsprojekt für Wildpferde ins Leben gerufen und das geerbte Geld zu großen Teilen in eine Stiftung fließen lassen, die den indigenen Völkern Australiens zugute kommen sollte. Doch ihr findiger Rechtsanwalt rät dazu, zunächst abzuwarten. So stürzt sich Franziska auf alte Alben, Schriftstücke und andere Familienaufzeichnungen, um herauszufinden, ob der Anspruch ihres angeblichen Verwandten rechtens ist. Auch ihre Freundinnen helfen ihr bei der Recherche, doch die Zeit drängt. Der Staat hat bereits weitere Abschüsse von Wildpferden erlaubt und wenn die Frauen die Tiere noch retten und ihnen auf Amber’s Joy ein neues Zuhause geben wollen, müssen sie nicht nur tiefgründig forschen, sondern dazu auch schnell sein.

Amber’s Joy 1920:

Florence, die Tochter von Victoria und Billy, benötigt dringend einen Tapetenwechsel, denn die Beziehung zwischen ihr und ihrer Mutter ist ziemlich angespannt, seitdem Billy tot ist. So begibt sie sich in die Stadt, nach Brisbane, um dort eine Weile bei ihrer Cousine Lilli und deren verwitweten Vater zu bleiben, der ein Kaufhaus betreibt.
Schon bald nach ihrer Ankunft dort, lernt sie den attraktiven Brian kennen, der im Gegensatz zu vielen anderen Weißen in ihrem nahen Umfeld, keine Vorbehalte gegenüber Mixed People zeigt. Hals über Kopf verliebt sie sich in ihn, obwohl Lilli sie jedoch eindringlich davor warnt. Denn Brian ist der Bruder von Lillis Erzfeindin, die Lilli bereits seit Kindesbeinen an das Leben schwer macht. Florence schlägt jedoch sämtliche Vorbehalte und Warnungen ihrer Cousine in den Wind und genießt stattdessen die Ausflüge mit ihm in der Stadt.
Doch dann erhält sie einen folgenschweren Brief ihrer Mutter, in dem diese um Hilfe bittet. Denn „Amber’s Joy“ ist in Gefahr. Um eine große Geldsumme aufbringen zu können, damit die Farm gerettet werden kann, lässt sich Florence einen wagemutigen Plan einfallen. Sie will Wildpferde einfangen und mit einem von ihnen bei einem Rennen gegen den diesjährigen Gewinner des Brisbane Cup’s antreten…

In „Im Tal der silbernen Pferde“, erzählt Christiane Lind nun, wie es weiter geht, mit Franziska, der Erbin von „Amber’s Joy und ihrem Riley. Für spannende Momente sorgt ein rätselhafter Mann, der auf der Bildfläche erscheint und sich als weiterer Erbe der Farm ins Spiel bringt. Man kann sich gut in Franziska hineindenken und mit ihr mitleiden. Denn in diesem Roman bekommt sie es mit allerhand Schwierigkeiten zu tun. Zum einen ist da die drohende Vertreibung von Amber’s Joy, zum anderen muss Riley aus beruflichen Gründen, für eine Weile fortziehen. Eine wahre Belastungsprobe für das Paar!
Ich fand es wunderbar zu lesen, was für ein großes Herz sie hat und wie tierlieb sie ist. Ihr Einsatz für die Brumbys, (Wildpferde, die von zahmen Pferden abstammen, die einst von Siedlern ins Land gebracht wurden) geht einem sehr nahe und man kann es so gar nicht fassen, dass die Australier tatsächlich heute noch Brumbys zum Abschuss freigeben und zu Tierfutter verarbeiten, wie man im Nachwort der Autorin nachlesen kann.
Ein wenig schade fand ich es allerdings, dass Riley nur so wenige Auftritte in diesem Roman hat und das Paar, daher nur wenige gemeinsame Dialoge miteinander austauschen kann. Als kleiner Romantiker hätte ich mir diesbezüglich mehr erhofft.

Im Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt, lernen wir nun die Töchter der Geschwister Catherine und Victoria besser kennen. Und beide zeigen ähnliche Charaktereigenschaften wie ihre Mütter. Während Florence eher ruhig und besonnen ist, schlägt Lilli in Sachen Wagemut und Abenteuerlust eher nach Catherine. Beide sind sympathische junge Frauen, müssen sich aber erst noch finden. Lilli weiß noch nicht wirklich, was sie mit ihrem Leben anfangen will, ist verliebt in einen jungen Mann, der bei der Zeitung arbeitet und mag es eigentlich gar nicht, im Laden ihres Vaters zu helfen. Sie will ihr Leben zunächst genießen. Florence dagegen leidet darunter, dass sie von vielen Weißen so schlecht behandelt wird, diese sie aufgrund ihrer dunkleren Haut ablehnen. Doch die Bekanntschaft mit einem Ureinwohner bringt sie schließlich ins Grübeln.

Ich fand auch diesen Handlungsstrang spannend erzählt, mochte den weisen Neville, der den Weg von Florence kreuzt, doch einen Punkt konnte ich nicht nachvollziehen.
Würde eine Frau, die sich gesellschaftlich sowieso schon ausgegrenzt fühlt, dazu hinreißen lassen mit einem fremden Mann zu schlafen, der ihr schon vorher klar macht, dass er ihr keine Ehe anbieten kann und dabei eine Schwangerschaft in Kauf nehmen? Heutzutage sicherlich, aber im Australien der 20er Jahre? Und auch Florence und Nevilles gemeinsame (romantische) Momente fand ich zu knapp gehalten. Ich fand einfach, obwohl ich auch diesen Australienroman im Großen und Ganzen wunderbar fand, dass viele Dialoge zwischen den Akteuren länger hätten sein können oder noch ein wenig mehr in die Tiefe hätten gehen können. Aussprachen etwa, zwischen Franziska und Riley oder auch zwischen Lilli und Matthew. Abgesehen von diesen kleinen Kritikpunkten, habe ich das Lesen des dritten Teils der Australiensaga wieder sehr genossen und empfehle ihn gerne weiter.

Kurz gefasst: Franziska, Florence und Lilli- Drei Frauen müssen ihren Weg finden. Atmosphärischer, wunderbarer dritter Teil der Australiensaga.

Australiensaga:

1. Teil: Im Schatten der goldenen Akazie
2. Teil: Im Bann der Traumzeit
3. Teil: Im Tal der silbernen Pferde


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Veröffentlicht am 29.08.2021

Die Geschichte einer Avon- Kosmetikberaterin- Gelungenes Sittengemälde und unterhaltsamer Roman in einem. Kristina Engel erzählt ein interessantes Stück deutscher Nachkriegsgeschichte

Ein Koffer voller Schönheit
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Lüneburg, Ende der 50er Jahre:

Anne hat einst in Benno Jensen ihre große Liebe gefunden und ihn auch direkt nach dem Krieg geheiratet. Mittlerweile haben die beiden zwei Kinder im Teenageralter, die Zwillinge ...

Lüneburg, Ende der 50er Jahre:

Anne hat einst in Benno Jensen ihre große Liebe gefunden und ihn auch direkt nach dem Krieg geheiratet. Mittlerweile haben die beiden zwei Kinder im Teenageralter, die Zwillinge Lili und Leo und könnten eigentlich glücklich sein. Doch Benno, der sich kürzlich zusammen mit einem alten Schulkollegen selbstständig gemacht und ein Möbelgeschäft eröffnet hat, macht sich neuerdings rar. Selbst an den Wochenenden bekommt Anne ihren Benno kaum noch zu Gesicht. Dazu gibt es Seiten an Benno seit Kriegsende, die ihr Angst machen. Immer verschlossener gibt er sich und so kommt es zu Spannungen in ihrer gemeinsamen Ehe. Als dann auch noch eine junge und attraktive Verkäuferin im Möbelladen eingestellt wird, fürchtet Annes Schwiegermutter Margarethe, die einen Friseursalon betreibt, dass ihr Sohn womöglich auf dumme Gedanken kommen könnte und versucht alles, um Anne aus ihrem biederen Schneckenhaus hervorzulocken. Obwohl Anne sich durchaus einige Jahre damit zufrieden gegeben hat, Hausfrau und Mutter zu sein, deren oberstes Ziel es ist, den Ehegatten glücklich zu machen, spürt aber auch sie tief in ihrem Inneren brodelnde Unzufriedenheit.

Margarethe schlägt der verdutzten Anne vor, sich bei der amerikanischen Kosmetikfirma Avon als Verkaufsberaterin zu bewerben. Und obwohl Anne erst Bedenken hat, lässt sie sich doch dazu überreden. Als Benno von Annes Vorhaben erfährt, will er es ihr verbieten. Er fürchtet um den guten Ruf der Familie, doch als sich seine und Annes Ehekrise immer mehr zuspitzt, gibt er nach.
Was keiner ahnt, Benno hat eigene Probleme, die ihn umtreiben. Obwohl er es nicht für möglich gehalten hätte, überrascht ihn seine Frau, denn sie ist überaus erfolgreich in ihrem neuen Job als Kosmetikberaterin. Kann Benno über seinen Schatten springen und zugeben, dass er im Unrecht war? Oder wachsen ihm seine Probleme dermaßen über den Kopf, dass er auch in ihrer Ehe versagen wird?

„Ein Koffer voller Schönheit“, von Kristina Engel, alias Brigitte Kanitz/Janson, erzählt die Geschichte einer jungen Frau und Mutter Ende der 50er Jahre, die als eine der ersten Avon-Kosmetikberaterinnen in Lüneburg, von Haus zu Haus zieht, um andere Hausfrauen und Damen zu verschönern.
Die Autorin stellt jedoch nicht unbedingt Annes Job in den Fokus des Geschehens, sondern vor allem erzählt sie die Geschichte einer Ehe im Laufe einiger Jahre. Die Höhen und Tiefen, die Anne und Benno dabei durchleben, werden wohl vielen Ehepaaren der damaligen Zeit nicht unbekannt gewesen sein. Durch die schrecklichen Kriegserlebnisse, kehrten viele Ehemänner mit PTBS zurück und für viele Ehefrauen wird es wohl auch eine Belastungsprobe gewesen sein. Zudem waren sich viele Ehepartner fremd, hastig geschlossene Ehen gab es zuhauf und selbst wenn man dann plötzlich feststellen musste, dass man überhastet geheiratet hatte, ließ man sich zur damaligen Zeit trotzdem nicht scheiden, aus Sorge um den guten Ruf.
Anne und Benno haben aber eigentlich aus Liebe geheiratet und lieben sich immer noch. Doch Benno ist, nicht nur wegen seiner PTBS, ein schwieriger Mensch. Er ist sehr traditionell eingestellt. Dazu gehört, dass er der Meinung ist, dass eine Frau ihren Platz kennen sollte.
Zugegeben, obwohl ich fand dass Benno sehr unsympathisch wirkte, muss man Kristina Engel zugute halten, dass sie ihn lediglich so geschaffen hat, wie Männer der damaligen Zeit halt gestrickt waren. Sicherlich ist es heutzutage schwer zu verstehen, dass sich Frauen zu Männern hingezogen fühlten, die ein solch vorsintflutliches Gedankengut verinnerlicht hatten und lebten. Dennoch muss man sich überlegen, dass es den Frauen von damals bereits von Kindesalter an eingetrichtert wurde, ihr einziger Lebenszweck wäre es, ihren Gatten glücklich zu machen- was man ja auch an der Werbung von einst gut sehen kann.
Und trotzdem gab es durchaus auch wenige Frauen, die eine andere, modernere Einstellung hatten. Wie etwa Annes Schwiegermutter Margarete. Warum sie ihren Sohn nicht besser erziehen konnte, bleibt allerdings ein Rätsel, obwohl sie ihm durchaus oft den Kopf wäscht.
In einer Sache agiert Benno allerdings dermaßen daneben, dass er ab diesem Moment sämtliche noch vorhandene Sympathiepunkte bei mir verspielt hatte und ich mir gewünscht hätte, dass Anne sich lieber einen anderen Mann sucht.

Gelungen fand ich das historische Flair, das diese Geschichte umwebt. Man fühlt sich nach wenigen Seiten bereits direkt in die damalige Zeit versetzt und Kristina Engel versäumt es dazu auch nicht, wichtige politische oder kulturelle Ereignisse, ganz natürlich, einzustreuen.
Ich gebe es zu, ich hätte mir ein wenig mehr „Avon-Beratungsgespräche“ zwischen Anne und ihren Kundinnen gewünscht, denn die wenigen, die in diesem Roman zu finden sind, mochte ich sehr. Das lag vor allem daran, dass Annes Kundinnen „frei von der Leber weg“ quasseln. Für mich gehörten sie zu den Highlights in „Ein Koffer voller Schönheit“.
Die Geschichte lässt sich, dank des flüssigen, wie immer ansprechenden Schreibstils, gut lesen und weckt zudem auch Erinnerungen an Erzählungen aus dem eigenen Familienkreis. Ein paar Rezensenten bemängelten das etwas offene Ende. Ich vermute allerdings, dass es womöglich noch weitergehen könnte mit Anne und Benno in einem zweiten Teil. Denn vieles würde dafür sprechen. Benno hat es mir sehr schwer gemacht, genauso hätte ich mir Anne ein wenig aufgeschlossener gewünscht, aber zumindest konnte man Annes Verhalten, dass mit ihrer schwierigen Jungendzeit zu tun hatte, nachvollziehen. Trotzdem fand ich „Ein Koffer voller Schönheit“ lesenswert und empfehle ihn sehr gerne weiter.

Kurz gefasst: Die Geschichte einer Avon- Kosmetikberaterin- Gelungenes Sittengemälde und unterhaltsamer Roman in einem. Kristina Engel erzählt ein interessantes Stück deutscher Nachkriegsgeschichte.

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