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Veröffentlicht am 29.07.2020

Willow und Tom- Ein einfach nur wunderbarer, sehr berührender Roman, der unter die Haut geht.

Veranda zum Meer
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Willow Longville lebt mit ihrer demenzkranken Mutter Lynnie, im beschaulichen englischen Örtchen Budbury. Sie liebt ihren Heimatort, aber vor allem, die liebenswürdigen Nachbarn und Freunde, die ihr auch ...

Willow Longville lebt mit ihrer demenzkranken Mutter Lynnie, im beschaulichen englischen Örtchen Budbury. Sie liebt ihren Heimatort, aber vor allem, die liebenswürdigen Nachbarn und Freunde, die ihr auch in schwierigen Zeiten stets helfend unter die Arme greifen. Obwohl Willow als quirliges, humorvolles Mädchen bekannt ist, verlangt ihr die Sorge um Lynnie einiges ab. Doch Willow und ihre Mutter haben es gelernt, von Tag zu Tag zu leben. Denn manchmal ist Lynnie auch ganz die alte und an Tagen, wenn es ihr schlecht geht, nimmt sie ihr Notizblock in die Hand, in dem sämtliche Lebensverbindungen aufgeschrieben stehen und versucht, ihre verwirrten Gedankengänge wieder auf Spur zu bringen, was sogar ab und an gelingt. Dennoch wäre Willow insgeheim froh über die Unterstützung ihrer Geschwister. Doch diese leben weit verstreut, teils in anderen Ländern und sie zögert, diese zu informieren. Denn sie will ihnen nicht auch die Freiheit nehmen. Zudem fürchtet sie, dass ihre Geschwister womöglich unangemessen auf den Gesundheitszustand ihrer Mutter reagieren könnten.

Als das Haus auf dem Hügel, ein gruseliges altes, leer stehendes Herrenhaus, das einst als Kinderheim betrieben wurde, von einem jungen Mann gekauft wird, der das Gebäude renovieren möchte, ahnt Willow noch nicht, dass es sich hier keinesfalls um einen Fremden handelt. Einst war Tom ein Bewohner des Hauses und hatte das Pech, der kleinen Willow zu begegnen, die dachte, sie habe einen ruhelosen Geist vor sich und ihm schreiend die Tür vor der Nase zuschlug.
Mittlerweile ist Tom zu einem attraktiven Mann herangewachsen und als Willow, die eine Reinigungsfirma hat und im Haus putzen soll, auf ihn trifft, stimmt sogleich die Chemie zwischen ihnen. Tom ist zwar ein hochintelligenter Nerd, doch er hat Humor und liebt die gleichen TV Serien wie Willow. Doch Willow traut sich nicht, von einer möglichen Liebesbeziehung zu träumen. Denn ihre Mutter hat Vorrang…

Vor einiger Zeit las ist die ersten beiden Teile der „Comfort Food Cafe“ Reihe, „Weihnachten mit dir“ und „Frühstück mit Meerblick“, die mich ziemlich begeistert haben. Zwar handelt es sich hier um leichte Unterhaltungslektüre, die Wohlfühlatmosphäre verströmen soll, doch ist es Debbie Johnson zu meiner großen Freude dennoch gelungen, thematisch für eine gewisse Tiefe zu sorgen. Als ich daher jüngst auf den vierten Teil der Reihe im Buchladen stieß in dem Willows Story erzählt wird, wurde ich daher neugierig, kaufte mir das Buch kurzerhand und habe es auch nicht bereut. Übrigens braucht man nicht alle Teile der Reihe zu kennen, wenn man zu diesem Roman greift, denn die Autorin versäumt es nicht, sämtliche Haupt- und Nebenfiguren aus Vorgängerbänden erneut vorzustellen, ihre Verbindungen untereinander zu erläutern, so dass man stets im Bilde ist.

Mit Willow hat Debbie Johnson eine sehr sympathische, charismatische Romanheldin geschaffen, die man einfach auf Anhieb in sein Leserherz schließt. Da der Roman aus Willows Sicht, in Ich- Form geschildert wird, lernt man Willow, die einen tollen Humor hat, sehr gut kennen und kann sich gut in die Hauptfigur dieses Romans hineinversetzen. Aber was ich noch wichtiger fand, Lynnies Krankheit ist hier nicht nur Nebensache, die Autorin zeigt ganz genau auf, mit welchen Sorgen und Schwierigkeiten Patienten und auch Angehörige zu kämpfen haben, wie sehr man gefühlsmäßig leidet und das Freunde und Leid an manchen Tagen nah beieinander liegen. Auch das Rätsel um Willows eigenwillige Haarfarbe wird in diesem Roman gelöst. Die Auflösung hat mir sogar ein paar Tränen entlockt, überhaupt habe ich beim Lesen dieses Buches viel weinen müssen.

Trotz des Themas ist der Unterton des Romans hoffnungsvoll und heiter, Mut machend und ich war sehr berührt von dieser tollen, unter die Haut gehenden Geschichte, die sich auch gut als Verfilmung machen würde. Was mir ebenfalls gut gefallen hat, mit Tom hat die Autorin ihrer Romanheldin einen Romanhelden an die Seite gestellt, der gottlob kein grober Klotz ist, sondern sehr einfühlsam auf Willow eingeht. So entwickelt sich eine bittersüße Romanze, die aber nicht nur nebenbei abgehandelt wird, sondern ebenfalls ein wichtiger Bestandteil in dieser Geschichte darstellt. Fans von heißen Liebesszenen sollten aber gewarnt sein, dass alles, was sich hinter der Schlafzimmertür abspielt, der Phantasie des Lesers überlassen bleibt.
Ich fand das völlig okay, denn auch so kann „Veranda zum Meer“ für ausreichend Romantik sorgen. Die Autorin legt die Messlatte bezüglich sogenannter Hygge-Lektüre sehr hoch, denn sie zeigt, dass ein Wohlfühlroman auch mit Tiefgang und spannenden Charakteren überzeugen kann, statt mit Backrezepten oder malerischen Urlaubsregionen allein, Leser gewinnen zu wollen. Letzteres habe ich mittlerweile nämlich ziemlich über, denn was nützen die tollsten Rezepte, wenn die Story substanzlos und austauschbar bleibt?

Kurz gefasst: Willow und Tom- Ein einfach nur wunderbarer, sehr berührender Roman, der unter die Haut geht.

Comfort Food Café Reihe:

1. Teil: Weihnachten mit dir
2. Teil: Frühstück mit Meerblick
3. Teil: Schlittschuh und Mandelduft
4. Teil: Veranda mit Meerblick
5. Teil: Cafeglück am Meer
6. Teil: Weihnachten mit Zimt und Happy End (09/21)

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Veröffentlicht am 24.07.2020

Kommissar Varg und sein Team für heikle Fälle, ermittelt in Malmö- ein humoriger, schräger Unterhaltungsroman für alle Fans des Skurrilen

Das Dezernat für heikle Fälle
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Der Schwede Ulf Varg, hat einen Job inne der ein wenig abweicht von der Norm. Denn der Kommissar arbeitet im Dezernat für heikle Fälle, das sich in Malmö befindet. Diese relativ überschaubare Sonderabteilung, ...

Der Schwede Ulf Varg, hat einen Job inne der ein wenig abweicht von der Norm. Denn der Kommissar arbeitet im Dezernat für heikle Fälle, das sich in Malmö befindet. Diese relativ überschaubare Sonderabteilung, bekommt all das auf den Schreibtisch, was die reguläre Kriminalpolizei bizarr oder nicht der sofortigen Aufklärung wert befindet. Mit seiner Kollegin Anna Bengtsdotter versteht sich Ulf praktisch ohne Worte, denn Anna ist nicht nur genauso sensibel und empathisch wie er, sondern teilt dazu auch Ulfs trockenen Humor.
Kollege Carl Holgersson ist der Fleißigste unter ihnen. Er liebt es, sich für den Job und seine Kollegen aufzuopfern und selbst Sonderschichten macht er gerne, wenn es der Sache dienlich ist. Sachbearbeiter Erik Nykvist träumt dagegen schon vom Ruhestand. Er hat diesen bereits genau geplant und der Angelfan fällt seinem übrigen Team oft genug auf die Nerven, wenn er von seinem liebsten Hobby spricht.

Ulfs Frau hat den Kommissar leider verlassen, doch zumindest hat Ulf einen Hund, den er Martin genannt hat und mit Dr. Svensson einen neugierigen Therapeuten. Wenn Ulf arbeiten geht, bleibt Martin bei der freundlichen Nachbarin, doch die sorgt sich neuerdings um den Hund, fürchtet gar, dass Martin depressiv sein könnte. Doch bevor Ulf mit Martin zum Tierarzt gehen kann, muss sich der Kommissar zunächst um einen rätselhaften Fall kümmern. Ein Mann, der angeblich keine Feinde hat, wurde auf dem Markt angegriffen. Ihm wurde eine Stichverletzung in der Kniekehle zugefügt und nun ist es an dem Team für heikle Fälle, Licht ins Dunkel zu bringen.
Außerdem sorgt eine junge Frau für Aufruhr. Eine Freundin hat sich im Dezernat gemeldet, denn sie fürchtet, dass ein Mord geschehen ist. Ulf vermutet allerdings etwas völlig anderes. Der letzte Fall führt Ulf und seine Kollegen in beinahe paranormale Gefilde. Kann es sein, dass im Hotelpark, einer Familienangehörigen des Polizeichefs, ein Werwolf umherstreift in der Nacht?

Es waren zunächst der Romantitel und der skurril klingende Klappentext, die mich neugierig auf den ersten Teil einer neuen Reihe von Alexander McCall Smith gemacht hatten. Ich muss dazu sagen, dass ich zuvor noch nichts von dem Autor kannte, allerdings schon an anderer Stelle lesen konnte, dass der Autor eher schräge, humorige Lektüre schreibt.
Da ich allerdings auch eine Schwäche für ungewöhnliche und schräge Unterhaltungsromane besitze, konnte ich nicht widerstehen und freute mich auf hoffentlich vergnügliche Lesestunden mit Ulf Varg und seinem Team.
Nun, nach dem Lesen bin ich ein wenig hin und gerissen, ob meiner Bewertung und Einschätzung. Denn in der Tat handelt es sich hier um einen Roman, der sehr speziell ist und sicherlich nicht der breiten Masse gefallen wird. Zunächst einmal handelt es sich hier, streng genommen, nicht um einen Krimi. Zwar müssen Ulf und seine Kollegen diverse Fälle aufklären, doch sucht man Spannungsmomente hier völlig vergebens und auch die Aufklärung gestaltet sich ziemlich belanglos und uninteressant geschildert. Daher habe ich auch einen Punkt bei meiner Bewertung abgezogen. Es ist nämlich etwas völlig anderes, das den Autor umtreibt. Nach der Vorstellung seiner Romanfiguren, lässt er sie sofort munter über das Leben, über wichtige oder banale Dinge philosophieren und diese Unterhaltungen haben mir, weil sie beinahe loriotesk daherkommen, unglaublich viel Lesespaß bereitet. In diesen Unterhaltungen zeigt sich das Können des Autors, seine Leser für gewisse Themen sensibilisieren zu können und sie zum Nachdenken anzuregen.
Alexander McCall Smiths Schreibstil ist schnörkellos, einfach, keinesfalls poetisch, aber sehr eingängig und so ist dieses Büchlein leider viel zu schnell ausgelesen.

Einerseits mochte ich die schrägen Einfälle die der Autor hier eingebaut hat, wie etwa einen depressiven, gehörlosen Hund, der seinem Herrchen von den Lippen ablesen kann, oder dass eine junge Frau unter Mordverdacht gerät, weil sie in einem ungünstigen Moment gelogen hat und den trockenen Humor, den Alexander McCall Smith hier an den Tag legte. Andererseits fand ich allerdings auch, dass er sich so manches Mal zu sehr in diversen Banalitäten verstrickt hat und man als Leser dann versucht war, vorzublättern. Wären die heiklen Fälle etwas spannender gestrickt gewesen, wer weiß, dann hätte ich für diesen Roman womöglich sogar eine noch bessere Bewertung vergeben.

Kurz gefasst: Kommissar Varg und sein Team für heikle Fälle, ermittelt in Malmö- ein humoriger, schräger Unterhaltungsroman für alle Fans des Skurrilen.

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Veröffentlicht am 20.07.2020

Eine, auf ganzer Linie enttäuschende, sogenannte Wohlfühlromance mit Urlaubsfeeling, in der die eigentliche Love Story, lieblos zur Nebensache degradiert wird

Ein Sommer voller Schmetterlinge
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Beti hat, sprichwörtlich gesehen, die Nase voll! Sie ist dreiunddreißig Jahre alt, dauerverlobt mit dem Musiker Will, der keinerlei Anstalten macht, ihr endlich mal einen Heiratsantrag zu machen und ihr ...

Beti hat, sprichwörtlich gesehen, die Nase voll! Sie ist dreiunddreißig Jahre alt, dauerverlobt mit dem Musiker Will, der keinerlei Anstalten macht, ihr endlich mal einen Heiratsantrag zu machen und ihr Traum, eine Strandbar in Andalusien zu kaufen, zerplatzt kurz nach ihrer Ankunft ebenfalls wie eine Seifenblase. Will hat nämlich nichts Besseres zu tun, als sich mit dem Geld, das sie einst von ihrer Großmutter erbte, aus dem Staub zu machen. Zwar haben die Besitzer der Strandbar Mitleid mit Beti und schlagen ihr vor, die Bar noch ein paar Wochen länger zu behalten, damit Beti mehr Zeit hat, das Geld beschaffen, doch die junge Frau weiß genau, dass es mehr als eng wird.
Sie nimmt einen Job als Kellnerin an, doch reicht das nicht aus und so bewirbt sie sich als Spülhilfe in einem Restaurant, das in den Bergen liegt.

Der Besitzer der Ländereien, des Restaurants und der nebenan liegenden Finca, Antonio und Beti, haben nicht wirklich einen guten Start, denn Beti schneidet sich in einem Anflug von Dekorationswut Kirschblütenzweige ab, nichts ahnend, wie wichtig die Kirschblüten und besonders die Kirschernte für den Besitzer des Landes ist. Doch im Laufe der Zeit lernen sich beide zu schätzen. Dennoch hat es Beti nicht leicht, da Antonios temperamentvolle Freundin Valentina das Restaurant verändern möchte. Statt schmackhafter andalusischer Küche, will sie in Zukunft gehobene Gastronomie anbieten, obwohl passende Gäste gar nicht in Sicht sind. Als Antonio auch noch seinen Sohn Miguel zu sich holt, ist Valentinas Geduld erschöpft und sie zieht sich für eine Weile in die Stadt zurück.
Beti sieht und nutzt ihre Chance. Sie verändert gewisse Dinge in dem Lokal, bietet wieder gutbürgerliche Kost an und das Restaurant läuft. Sie wird so gut bezahlt, dass ihr Traum in greifbare Nähe rückt. Und obwohl sie immer noch darauf hofft, dass Will zurückkehrt und sich entschuldigt, klopft ihr Herz in Antonios Nähe plötzlich schneller. Zwar schiebt sie das zunächst auf die Nebenwirkungen des heißblütigen Flamenco- Tanzes, doch schnell begreift sie, dass Antonio ihr doch mehr unter die Haut geht, als ihr lieb sein dürfte…

„Ein Sommer voller Schmetterlinge“ gehört zu den, momentan sehr trendigen Wohlfühlromances, in denen landestypische/regionale Küche und urlaubstypisches Setting besonders in den Fokus gerückt werden. Gerade in diesen schwierigen Corona-Virus-Zeiten, ist man als Leser doch eigentlich froh darüber; luftig leichter Urlaubslektüre sei Dank, zumindest zwischen den Buchdeckeln, problemlos und virenfrei verreisen zu können. Leider verhält es sich mit dieser Lektüre aber so, wie mit allen trendigen Dingen. Wenn etwas plötzlich wie wild gekauft wird, muss schnell für Nachschub gesorgt werden, damit der „Rubel“ rollt. Und so bekommt man in den Buchläden zwar nun viele verschiedene Romane gleichen Coleurs geboten, doch sind nur noch wenige richtig gute Geschichten darunter. Vieles wird halt nach dem gleichen Strickmuster konzipiert, die Figuren wirken schablonenhaft und es erscheint dem Autor/den Verlagen wichtiger geworden zu sein, diverse Bausteine (exotische Kulisse, Sonne, Meer, bildhafte Landschaftsbeschreibungen, tolle Rezepte), die wie sie denken, Garant für eine begeisterte Leserschaft sind, unbedingt einzufügen, als lieber in erster Linie für Tiefgang, eine gut ausgetüftelte Story oder zumindest für eine handfeste und romantische Liebesgeschichte zu sorgen.
„Ein Sommer voller Schmetterlinge“, ist leider solch ein Roman, der mit einer lieblos zusammengeschusterten 0 8 15 Story aufwartet, die so dermaßen an den Haaren herbeigezogen wirkt, dass sich selbst Utta Danella und Rosamunde Pilcher im Grabe umdrehen würden, müssten sie diese Geschichte lesen.

Wir hätten also wunderbare Landschaftsbeschreibungen, eine andalusische Finca während der Kirschblütenzeit, einen kernigen Bauern, eine ältere Köchin, die perfekte, landestypische Gerichte zaubert, die so lecker klingen, dass einem durchaus das Wasser im Munde zusammenläuft beim Lesen ( Kirsch-Mandel Kuchen) und eine Romanheldin, die noch nicht den richtigen Platz/den richtigen Mann im Leben gefunden hat. Das alles klingt ja an sich sehr spannend, doch die Zeichnung der Charaktere, ist wirklich unglaublich platt geraten. Es braucht wirklich viel dafür, mich ärgerlich werden zu lassen, doch das Heldenpaar dieses Romans stolpert dermaßen unbeholfen durchs Leben, dass man relativ schnell die Nase voll von ihnen hat.
Während sich Beti, eine über dreißigjährige Frau, immer noch in Lügengeschichten verstrickt, weil sie fiese Verwandte (Onkel, Tante und Cousine) hat, die sie ständig heruntermachen und sie sich tatsächlich dann auch noch von der Cousine dazu überreden lässt, deren Geburtstagsfeier auf Antonios Finca stattfinden zu lassen, (von der das Cousinchen denkt, sie wäre in Betis Besitz gelangt) anstatt die nervige und verhasste Person einfach fortzujagen und einem Mann hinterher „jankt“, der sie nach Strich und Faden betrogen hat, ist Antonio auf den ersten Blick etwas normaler gestrickt.

Doch der erste Eindruck täuscht leider. Antonio hat nämlich einfach kein bisschen Durchsetzungsvermögen. Er lässt sich von allen Frauen in seinem Leben herumkommandieren. Da wären einmal die „Noch-Ehefrau“, mit der er einen Sohn, Miguel, hat, die ihn um Haus und Hof bringen will, wenn sie sich scheiden lassen, Antonios aktuelle Freundin Valentina, die das gut gehende Restaurant völlig umkrempeln will (grundlos) und dabei völlig talentfrei agiert und schließlich Beti, die Vorschläge aus dem Ärmel zaubert, die ihn seine Finca kosten könnten und die ihn ständig hintergeht und belügt (zwar aus ehrenvollen Gründen, aber dennoch ist dies für mich nicht die richtige Basis für eine nachvollziehbare Love Story). Und anstatt einmal aus sich herauszugehen und den Frauen Grenzen aufzuzeigen, springt er ständig auf sein Pferd und reitet wutentbrannt in seine Felder. Puh!

Dann sind da auch noch die Momente in diesem Roman, in denen man sich als Leser stark erinnert fühlt, an die großen Leinwandkinoromanzen der 80er und 90er Jahre. Etwa denkt man an „Footlose“, denn in Antonios Dorf ist der Flamencotanz verboten worden oder an „Dirty Dancing“, wenn Antonio, Beti so innbrünstig wie einst Johnny seiner Baby die Magie des Tanzes beschreibt und sie im Flamencotanz unterrichtet, denn nur an Beti ist es, Antonios Erbe zu erhalten. Es könnten tolle Reminiszenzen an genannte Filme sein, doch die Autorin nutzt sie lediglich als nötige, kurz eingestreute Bausteine, anstatt sie näher zu beschreiben, mehr in die Tiefe zu gehen. Warum wurde der Flamencotanz verboten? Warum ließen sich alle Dorfbewohner darauf ein? Warum wird so eine Gewese um den Tanz gemacht, doch der Wettbewerb selbst nur in gefühlt zwei Sätzen umrissen? Wo ist das Knistern zwischen dem Heldenpaar, das Feuer, die Leidenschaft? Und wieso kocht die gute Köchin des Hauses ständig nur Paella für alle und Mandel-Kirsch Kuchen?

Aber vor allem, was zeichnet Beti aus? Wo ist ihr gewisses Talent, ein Restaurant zu führen. Dass sie lediglich wieder „back to the roots“ gehen will, reichte mir absolut nicht aus.
Und warum nur, sind die Akteure bloß so eindimensional agierend? Immerhin, die Autorin besitzt einen eingängigen Schreibstil und die Beschreibungen des Ortes klingen malerisch, so dass sich zumindest ein wenig Urlaubsfeeling einstellt, beim Lesen. Doch was hat man davon, wenn man, wie ich finde, mit so einer lieblos zusammengeschusterten Story bedacht wird? Warum ist es nicht möglich eine überzeugende Love Story zu schreiben, die berühren kann und in dem kein TSTL Heldenpaar durchs Leben geht? Eine Story, die einen bezaubert, weil die Akteure facettenreich charakterisiert wurden und deren Schicksal einem gerade deswegen unter die Haut geht, weil sie so lebensecht wirken?

Fazit: Eine, auf ganzer Linie enttäuschende, sogenannte Wohlfühlromance mit Urlaubsfeeling, in der die eigentliche Love Story, lieblos zur Nebensache degradiert wird.

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Abschied von den Shetland-Inseln. Versöhnlicher Abschlussband der Reihe, wieder atmosphärisch dicht erzählt.

Was niemand sieht
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Neu hinzugezogene Bewohner der Shetland-Inseln haben es nie leicht, doch das Schicksal hat die Familie Fleming besonders arg gebeutelt. Erst erhängt sich der Vorbesitzer ihres neuen Hauses in der nebenstehenden ...

Neu hinzugezogene Bewohner der Shetland-Inseln haben es nie leicht, doch das Schicksal hat die Familie Fleming besonders arg gebeutelt. Erst erhängt sich der Vorbesitzer ihres neuen Hauses in der nebenstehenden Scheune, dann erhält das Ehepaar Helena und Daniel bedrohliche „Galgenmännchen“- Zeichnungen und zu allem Überfluss reden gewisse, klatschsüchtige Bewohner des Ortes schlecht über Daniel und über den gemeinsamen, autistischen Sohn Christopher.
Da sie sich keinen anderen Rat weiß, macht sich Helena auf zu Ermittler Jimmy Perez und bittet ihn darum, in Erfahrung zu bringen, wer ihnen bloß ständig diese rätselhaften Zeichnungen schickt. Als Jimmy erfährt, dass Helena und seine verstorbene große Liebe Fran, sich kannten, lässt er sich sogleich von Helena überreden, obwohl eigentlich kein wirklicher Fall vorliegt und er eher an einem Dummenjungenstreich glaubt.

Doch nur wenig später findet ausgerechnet Christopher die Leiche des Kindermädchen der befreundeten Familie Belle und Robert Moncrieff, Emma. Shearer. Sie hängt, wie einst der Vorbesitzer des Hauses, erhängt in der Scheune.
Als Jimmy und sein Team hinzugezogen werden, weiß Jimmy sofort, dass er zusätzliche Hilfe benötigt bei diesem Fall und so kontaktiert er schließlich die Chefermittlerin Willow, die auch sogleich ihre Hilfe zusagt, obwohl sie Jimmy insgeheim immer noch zürnt, weil der sich seit ihrer Affäre zurückgezogen hat. Willow hat dazu ein Geheimnis, weiß jedoch nicht, ob es eine süße oder bittere Überraschung für Jimmy sein wird…

„Was niemand sieht“, ist nicht nur der achte Teil der Jimmy Perez Reihe, sondern dazu der Abschlussband der Krimibuchreihe. Schon seit langem freute ich mich auf diesen Band, allerdings war mir auch ein wenig wehmütig zumute- Abschiede von liebgewordenen Romanfiguren fallen einem schließlich nie leicht, dazu gehört diese Reihe zu meinen Lieblingen von Ann Cleeves. Ich erhoffte mir einen packenden Abschlussband, allerdings fürchtete ich, nach dem Lesen des siebten Teils „Die Tote im roten Kleid“, dass die Autorin jegliches Pulver womöglich bereits verschossen haben könnte, da der siebte Teil leider recht durchschnittlich geraten war.
Um es vorweg zu nehmen, „Was niemand sieht“, wartet zwar nicht gerade mit einem außergewöhnlich ausgeklügelten Plot auf, noch sind die Verdächtigen zahlreich zu nennen, doch fand ich den Abschlussband wieder atmosphärischer und unterhaltsamer geraten. Es ist ein würdiger letzter Teil, der auch ein würdiges Ende für die Romanakteure bereits hält, keine Frage.
Dennoch hätte ich mir zumindest diesmal gewünscht, dass Ann Cleeves Willow und Jimmy mehr gemeinsame Dialoge und eine ausführlichere Aussprache auf dem Leib geschrieben hätte. Das ist leider nicht der Fall und auch wenn man sich im Laufe der Serie bereits an Jimmys Eigenarten gewöhnt haben mag- sein langes Zögern und sein Groll Willow gegenüber, ließen ihn diesmal recht kindisch wirken, was so gar nicht zu ihm passen schien.

Die Mordfälle, die es aufzuklären gilt, werden interessant dargeboten. Einzige Rezensenten bemängelten fehlende Spannungsmomente, doch wer Ann Cleeves Krimis kennt, weiß eigentlich auch, dass ihr Erzählstil eher von der stillen, langsamen und bedächtigen Art ist und sie es stattdessen vorzieht, die dunklen Geheimnisse der agierenden Personen Stück für Stück aufzudecken. Man muss diese besondere Art des Erzählens mögen, dann wird man die Bücher der Autorin sicherlich genauso sehr schätzen wie ich es tue.
Und trotzdem komme ich nicht umhin anzumerken, dass die Autorin, ihren Lesern zur rechten Zeit den Abschlussband präsentiert, denn ich finde, dass die letzten zwei Teile der Reihe im Vergleich zu den Vorgängerbänden schon etwas schwächer geraten sind und Jimmys Geschichte nun auserzählt ist.

Kurz gefasst: Abschied von den Shetland-Inseln. Versöhnlicher Abschlussband der Reihe, wieder atmosphärisch dicht erzählt.

Jimmy Perez Reihe:

1. Teil: Die Nacht der Raben
2. Teil: Der längste Tag
3. Teil: Im kalten Licht des Frühlings
4. Teil: Sturmwarnung
5. Teil: Tote Wasser
6. Teil: Das Geistermädchen
7. Teil: Die Tote im roten Kleid
8. Teil: Was niemand sieht

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Atmosphärische Piratenromance mit viel Herz, Spannung und Romantik!

Der Pirat und das Mädchen
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Magdalena, die schöne, illegitime Tochter des Earl of Warrant und dessen jüngst verstorbener Geliebter Maura, sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie fürchtet dass sie, nach dem Tod ihrer Mutter, ...

Magdalena, die schöne, illegitime Tochter des Earl of Warrant und dessen jüngst verstorbener Geliebter Maura, sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie fürchtet dass sie, nach dem Tod ihrer Mutter, für ihren Vater nur noch ein lästiges Anhängsel ist und bangt um ihre Wohnstätte. Und so ganz falsch liegt Magdalena mit ihren düsteren Vermutungen auch nicht. Der Earl befiehlt ihr, nur wenige Tage später, ein Schiff zu besteigen das sie in die Karibik bringen soll. Denn dort lebt der einflussreiche Gouverneur von St.Kitts, Don Bernardino, der Magdalena zu heiraten gedenkt.
Magdalena ist wie erstarrt, doch sie fügt sich den Wünschen ihres Vaters. Der Komfort auf dem Schiff lässt nichts zu wünschen übrig, doch dann werden sie ausgerechnet vom gefürchteten Schrecken des karibischen Meeres, Black Brian, höchstpersönlich, überfallen. Weil Magdalena auf ihrer Reise, bereits viel über den angeblich so grausamen Piraten erfahren hatte und nun um ihr Leben bangt, lässt sie sich zu einer Verzweiflungstat hinreißen. Sie kürzt ihr langes Haar und schlüpft in weite Männerkleidung.

Black Brian, der sie nach dem Kampf auf dem Schiff begutachtet und sie für einen jungen, unreifen Mann hält, bietet ihr an, fortan auf seinem Schiff zu arbeiten. Da Magdalena wenig Lust verspürt, Don Bernardino, einen Mann, den sie noch nicht einmal kennt, zu heiraten und sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Chance sieht, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, nimmt sie Black Brians Offerte an. Sie ahnt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, dass der Pirat ihr mehr unter die Haut gehen wird, als ihr anfangs lieb ist.
Währenddessen wundert sich Brian über sein neues Mannschaftsmitglied, dass durchaus fleißig ist, aber doch so schamhaft wie ein Mädchen…

Diese Historical Romance, der Autorin Ivy Paul, erschien bereits im Jahre 2017 im Plaisir D’Amour Verlag unter dem Titel „Der Pirat und das Mädchen“. Hier handelt es sich jedoch um die neu überarbeitete Fassung nach Rechterückgabe. „Pirates Treasure“, wird Fans, die historische Piratenromances lieben, auf die sie lange verzichten mussten, da die deutschen Verlage ja zur Zeit leider hauptsächlich Regencyromances veröffentlichen, bestimmt so begeistern, wie mich. Denn die Autorin hat mit Magdalena und Brian ein sympathisches Heldenpaar geschaffen, das man schnell in sein Leserherz schließt.
Während Magdalena zwar bislang ein behütetes Leben führte, aber dennoch viel Mut und Geschick beweist auf hoher See, ist Brian schonungslos offen. Er weiß genau, dass viele seiner Taten unrecht waren und bestreitet es auch nicht, dass er bereits im Notfall töten musste, um im „Geschäft“ zu bleiben, doch hat er sich einen Ehrenkodex bewahrt und kümmert sich gut um seine Piratencrew. Ich fand die verbalen Schlagabtausche zwischen der schnell aufbrausenden, temperamentvollen Magdalena und dem eher ruhigen, überlegt agierenden Brian unglaublich witzig und unterhaltsam geschrieben. Ich mochte überhaupt auch die Ausgangssituation, sowie die Romanpassagen in denen Magdalenas Bewährungsprobe auf dem Piratenschiff zum Thema gemacht wird.

Ivy Pauls Schreibstil ist gewohnt gut und dank der bildhaften Ausdruckskraft, hat man als Leser schnell das Gefühl, als würde man dem Heldenpaar persönlich über die Schulter schauen, die exotischen Orte selbst bereisen und fiebert mit den beiden mit.
Zwar ist hier die Storyline völlig anders, doch empfand ich, dass die Atmosphäre dieser Piratenromance, sehr einem Histo-Liebesromanklassiker von Johanna Lindsey gleicht, den ich damals bereits beim ersten Lesen sehr ins Herz schloss. Es handelt sich dabei um „Wogen der Leidenschaft“ und wer besagten Roman von Johanna Lindey mochte, wird bestimmt auch „Pirates Treasure“ lieben.

Der Roman lässt sich gut lesen und der Spannungsbogen wird bis zum Ende hochgehalten, so dass man den Roman praktisch in einem Rutsch lesen möchte.
Zwei Punkte möchte ich dennoch anmerken. Zum einen hätte ich es mir gewünscht, dass man noch etwas mehr über Black Brians familiären Hintergrund erfährt, also dass er mit Magdalena mehr als nur die nötigsten Informationen austauscht und zum anderen fand ich es merkwürdig, dass Black Brian, Magdalena und ihre Bedienstete nicht gleich entführte, als die Gelegenheit günstig war. Leider kann ich an dieser Stelle nicht allzu sehr ins Detail gehen, sonst würde ich spoilern. Diese kleinen Kritikpunkte sind jedoch leicht zu verschmerzen, da diese Piratenromance ansonsten einfach nur romantisch, atmosphärisch und spannend zugleich geschrieben ist, einfach Spaß macht. Übrigens, das attraktive männliche Covermodel, das frappierend an den Schauspieler Nicholas Rogers ( Tarabas, in Prinzessin Fantaghiro) erinnert; überhaupt das komplette Covermotiv ist ein ziemlicher Hingucker und so ist es ein bisschen schade, wenn man den Roman nur längsseitig ins Regal stellt.

Kurz gefasst: Atmosphärische Piratenromance mit viel Herz, Spannung und Romantik!

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