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Veröffentlicht am 09.04.2025

Kein Heimatroman

Wild wuchern
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Eine einfache Hütte in den Tiroler Bergen. Mitten im Nirgendwo. Natur pur, soweit man schauen kann. Unglaublich schön, aber auch unberechenbar. Stille, ein Refugium, fernab vom hektischen Leben im Tal. ...

Eine einfache Hütte in den Tiroler Bergen. Mitten im Nirgendwo. Natur pur, soweit man schauen kann. Unglaublich schön, aber auch unberechenbar. Stille, ein Refugium, fernab vom hektischen Leben im Tal. Heimat für Johanna, die sich in diese selbstgewählte Einsiedelei vor Jahren zurückgezogen hat. In und mit den Jahreszeiten, mit der Natur. Es ist beschwerlich, karg, aber es ist das Leben, für das sich Johanna entschieden hat. Und sie ist damit zufrieden, vermisst nichts, ruht in sich.

Das ändert sich, als unerwartet Marie auftaucht, ihre Cousine, die in Wien lebt. Sie muss verzweifelt sein, hat sie doch die Strapazen auf sich genommen und den Berg heraufgequält. Aber Johanna interessiert das Warum nicht, in erster Linie ist sie wütend über den Eindringling, der ihre Ruhe stört, ungewollte Veränderungen mit sich bringt, weshalb sie Marie nicht in ihrem Leben haben will.

Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein. Johanna, die Einsiedlerin, wortkarg, zupackend und mit dem wenigen zufrieden, das sie hat. Im Gegensatz dazu Marie, die Städterin aus gesicherten Verhältnissen, deren Eheleben anders als geplant verlaufen ist, weshalb sie Schutz bei Johanna sucht. Beide auf der Flucht vor einer Vergangenheit, die beiden tiefsitzende Wunden zugefügt hat. Beide von dem Verlangen getrieben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Es ist nicht das typische Alpenidyll mit Blumenwiesen und glücklichen Kühen, das den Hintergrund für „Wild wuchern“ bildet. Es ist die Beschreibung eines Lebens voll endloser Plackerei, täglichen Routinen, die Sicherheit und Schutz vor der Außenwelt gewähren. Ein Schutz, der allmählich bröckelt, wenn die anfängliche Schroffheit einem Verstehen, einem Miteinander weicht und Rettung für beide bereithält.

Veröffentlicht am 08.04.2025

Wer sucht, der findet

Sonnenhang
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Ungewollte Kinderlosigkeit, ein Thema, das für viele Frauen sehr schmerzhaft sein kann, speziell dann, wenn die biologische Uhr langsam an zu ticken beginnt und im Freundeskreis eine Freundin nach der ...

Ungewollte Kinderlosigkeit, ein Thema, das für viele Frauen sehr schmerzhaft sein kann, speziell dann, wenn die biologische Uhr langsam an zu ticken beginnt und im Freundeskreis eine Freundin nach der anderen Mutter wird. So geht es Katharina in Kathrin Weßligs Roman „Sonnenhang“.

Der Single-Frau ist zwar der passende Mann noch nicht begegnet, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Doch dann die heftigen Schmerzen im Bauchraum, die Diagnose und die Hysterektomie. Und dann die Gewissheit, nie mehr ein Kind gebären zu können. Eine Situation, die ihre Zukunftsplanung komplett auf den Kopf stellt, sie in eine Krise stürzt. Torschlusspanik in allen Bereichen. Anfangs wechseln sich Trauer, Scham und Galgenhumor ab, aber jeder persönliche Tiefpunkt birgt in sich auf die Möglichkeit, den Status Quo zu verändern und damit dem Leben Sinn zu verleihen.

Wie es der Zufall so will, bekommt sie vom Wirt ihrer Stammkneipe einen Tipp. Ein Altenheim für Gutbetuchte sucht eine ehrenamtliche Hilfskraft, die das Freizeitprogramm der Bewohner an den Wochenenden managt. So kommt sie in die Seniorenresidenz „Sonnenhang“. Die anfängliche Befangen- und Distanziertheit legt sich dank Würfelspiel, Prosecco und Eierlikör ziemlich schnell. Es sind die „verbotenen“ Aktionen, die zusammenschweißen. Gespräche, in denen die Senioren ihre Lebenserfahrung, aber auch ihren Humor in die Waagschale werfen. Die gegenseitige Akzeptanz, die ohne Wertung auskommt. All das sorgt dafür, dass Katharina ihrer Stärke und ihren Lebensmut wieder findet und diese Phase der Perspektivlosigkeit hinter sich lassen, sich neu sortieren und die richtige Entscheidung treffen kann.

Anders als in ihren bisherigen Romanen schreibt Weßling diesmal aus einer auktorialen Perspektive, wechselt anfangs zwischen Trauer und Verzweiflung der Protagonistin, aufgelockert von Passagen, in denen der Galgenhumor Katharinas durchscheint, kappt damit die Spitzen, die die Schwere des Themas mit sich bringt. Fast komplett ändert sich dann der Tonfall an den Samstagen, die die Protagonistin in der Residenz verbringt. Zwar schrammen diese von Wärme und Verständnis getragenen Beschreibungen manchmal nur haarscharf am Klischee vorbei, wirken aber durch die vielen kleinen Schritte hin zu Freundschaft und Vertrautheit (trotz der einen oder anderen verzichtbaren Albernheit) überwiegend stimmig, aber dennoch vorhersehbar.

Veröffentlicht am 02.04.2025

Viel zu viel Drama

Wie Risse in der Erde
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Hemston, Nord-Dorset, Mitte der fünfziger Jahre. Beth und Gabriel, eine Teenager-Liebe und ein verheißungsvoller Sommer. Wäre da nicht Gabriels Mutter, der diese Verbindung ein Dorn im Auge ist, und die ...

Hemston, Nord-Dorset, Mitte der fünfziger Jahre. Beth und Gabriel, eine Teenager-Liebe und ein verheißungsvoller Sommer. Wäre da nicht Gabriels Mutter, der diese Verbindung ein Dorn im Auge ist, und die alles daran setzt, diese erste Liebe zu zerstören. Es gelingt ihr, zumal Gabriel Hemston Richtung Oxford verlässt, um dort ein Studium zu beginnen. Beth bleibt desillusioniert zurück.

Die Lücke, die Gabriel hinterlässt, füllt Frank, ein Bauer, aus. Beth und Frank verlieben sich ineinander, heiraten, bekommen einen Sohn. Alles scheint perfekt, bis zu dem Tag Mitte der sechziger Jahre, an dem ein schreckliches Unglück über die kleine Familie hereinbricht und ihr Sohn bei Baumfällarbeiten ums Leben kommt. Eine Tragödie. Für beide. Was macht der Verlust eines Kindes mit Eltern? Wohin sollen sie mit der Liebe zu ihrem Kind, das plötzlich nicht mehr da ist?

Zwei Jahre sind vergangen. Gabriel, mittlerweile Schriftsteller und Vater eines Sohnes, wurde von seiner Frau verlassen und kehrt mit diesem nach Hemston zurück. Natürlich läuft sich das ehemalige Liebespaar in dem kleinen Ort über den Weg und Gabriel zögert nicht, Beth um Hilfe bei der Betreuung seines Sohnes zu bitten. Es kommt wie es kommen muss. Die alten Gefühle flammen wieder auf, und es entwickelt sich die klassische Dreiecksgeschichte, in deren Mittelpunkt Beth steht. Aber dann geschieht das Unerwartete. Ein Toter, ein Prozess, ein Urteil. Und wieder ist nichts mehr so, wie es einmal war.

„Wie Risse in der Erde“ ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und Kriminalroman, die alle Register zieht und die Leser lange im Unklaren darüber lassen möchte, wer hier Täter und wer Opfer ist. Das gelingt der Autorin aber leider nur in Ansätzen, denn die Entwicklungen hin zum Höhepunkt sind leider ziemlich vorhersehbar. Das Gefühlschaos der Protagonisten kam zwar interessant daher, war mir allerdings unterm Strich dann doch viel zu viel Drama, komplett überzeichnet, deshalb unglaubwürdig und nicht wirklich überzeugend. Hier wäre weniger mehr gewesen. Schade. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Veröffentlicht am 30.03.2025

Eine Tote kehrt zurück und stiftet Verwirrung

Der Gourmet
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Wie oft geschieht es, dass man die erste Zeile eines Kriminalromans liest und sofort am Haken hängt? So ist es mir jedenfalls mit M.W. Cravens „Der Gourmet“ ergangen, Band 2 der Poe/Bradshaw-Reihe. Eine ...

Wie oft geschieht es, dass man die erste Zeile eines Kriminalromans liest und sofort am Haken hängt? So ist es mir jedenfalls mit M.W. Cravens „Der Gourmet“ ergangen, Band 2 der Poe/Bradshaw-Reihe. Eine verstörte junge Frau taucht aus dem Nichts bei einem Constable auf und behauptet, Elizabeth Keaton zu sein. Ein Ding der Unmöglichkeit, konnte doch Washington Poe im Zuge der damaligen Ermittlungen beweisen, dass Jared, ihr Vater und psychopathischer Sternekoch, für ihren gewaltsamen Tod verantwortlich war. Die erdrückenden Beweise sprachen gegen ihn, er wurde schuldig gesprochen, verurteilt und inhaftiert, obwohl man ihre Leiche nie gefunden hatte.

Doch eine DNA-Analyse bestätigt ihre Behauptung, aber wie kann jemand tot und gleichzeitig am Leben sein? Hat Poe damals einen Fehler gemacht und einen Unschuldigen ins Gefängnis gebracht? Der Fall muss neu aufgerollt und Schritt für Schritt erneut überprüft werden. Unterstützt wird Poe dabei von seiner Freundin und Kollegin Tilly Bradshaw, der verplanten, aber dennoch genialen Analystin, die einmal mehr alle Register zieht, um Poe zu helfen, und natürlich von seiner Vorgesetzten DI Flynn. Die Recherche gestaltet sich schwierig, die Erfolge sind minimal, die Rückschläge entmutigend, zumal ab einem bestimmten Punkt plötzlich Poe im Fokus der Ermittlungen steht. Aber das Team hat glücklicherweise in Gestalt von Estelle Doyle noch ein Ass im Ärmel. Und es ist diese ebenfalls brillante, aber auch schräge Pathologin aus Newcastle, die schließlich den entscheidenden Hinweis gibt und Poe den Hintern rettet.

Ein Krimi, der von Anfang bis Ende durch die sauber geplottete, spannende Story nicht nur fesselt, sondern auch durch die eigenwilligen, sympathischen und gegen den Strich gebürsteten Protagonistinnen, die Poe flankieren, im höchsten Maße unterhaltsam ist. Der schwarze Humor und Tillys unbeabsichtigte Tritte in die Fettnäpfchen…einfach wunderbar. Ich kann mich nur wiederholen: Vertraut mir und lest diese Reihe, ihr werdet nicht enttäuscht sein!

Veröffentlicht am 28.03.2025

Die mysteriöse Abtei

Tödliches Gebet
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Diesmal also Gordes im schönen Luberon, ca. 2,5 Stunden von Grasse, der Home Base des Team Obscure, entfernt. Und genau dorthin begleiten wir Commissaire Campanard, Pierre und Linda, die sich mit ungewöhnlichen ...

Diesmal also Gordes im schönen Luberon, ca. 2,5 Stunden von Grasse, der Home Base des Team Obscure, entfernt. Und genau dorthin begleiten wir Commissaire Campanard, Pierre und Linda, die sich mit ungewöhnlichen Vorfällen in der Abbaye Notre-Dame de Sénanque auseinandersetzen müssen. Auf der einen Seite üppige Lavendelfelder, deren betörender Duft die Luft erfüllt, auf der anderen Seite Weihrauchschwaden und bedrohliche Prophezeiungen innerhalb der Klostermauern, Größer könnte der Gegensatz nicht sein.

Campanard zögert nicht, diesen Fall zu übernehmen, ist dort doch ein Mönch verschwunden, der ihm in seiner dunkelsten Stunde zur Seite stand, ihn wieder zurück ins Leben geholt hat. Und so macht er sich gemeinsam mit Pierre und Linda auf den Weg nach Gordes.

Vor Ort ist die unsympathische Capitaine Dubac für diesen Fall zuständig. Sie schätzt es keinesfalls, dass externe Kollegen helfen wollen, interpretiert es als unwillkommene Einmischung. Also kein Empfang mit offenen Armen, sondern Kompetenzgerangel und offene Feindseligkeit gegenüber den Neuankömmlingen, insbesondere Linda hat unter ihrer Feindseligkeit zu leiden. Aber davon lassen sich die „Obscures“ nicht ausbremsen, und so macht sich Campanard mittels falscher Identität als Mönch mitten ins Zentrum auf, um den geheimen Vorgängen im Kloster auf die Spur zu kommen. Die Nachforschungen außerhalb führen Linda und Pierre durch, beide auf sich allein gestellt, was fast verheerende Folgen hat.

„Tödliches Gebet“ ist ein Urlaubskrimi, und für diese gilt zum einen, dass sie von atmosphärischen Beschreibungen des Handlungsortes samt Umgebung geprägt sind, zum anderen, dass der Krimiaspekt einen Bezug zur Region haben sollte.

Vergleicht man nun diesen zweiten Band mit dem Vorgänger, so schneidet „Tödlicher Duft“ wesentlich besser ab, was allerdings nicht weiter verwundert. Grasse ist mit seinen verwinkelten Gassen nun mal wesentlich attraktiver als die Innenräume eines düsteren Klosters, zumal die Schönheit von Gordes im vorliegenden Fall, insbesondere dann, wenn man die Gegend kennt, nur unzureichend vermittelt wird. Und auch die Auflösung des Kriminalfalls war ziemlich dünn, wirkte wie aus dem Hut gezaubert und hat sich für mich leider nicht stimmig angefühlt.

Dennoch werde ich dieser Reihe treu bleiben, was den sympathischen Protagonisten und ihren Eigenarten geschuldet ist. Und natürlich möchte ich nach den diversen Andeutungen auch in Erfahrung bringen, welche Geheimnisse in ihren persönlichen Vergangenheiten verborgen sind.