Kein Heimatroman
Wild wuchernEine einfache Hütte in den Tiroler Bergen. Mitten im Nirgendwo. Natur pur, soweit man schauen kann. Unglaublich schön, aber auch unberechenbar. Stille, ein Refugium, fernab vom hektischen Leben im Tal. ...
Eine einfache Hütte in den Tiroler Bergen. Mitten im Nirgendwo. Natur pur, soweit man schauen kann. Unglaublich schön, aber auch unberechenbar. Stille, ein Refugium, fernab vom hektischen Leben im Tal. Heimat für Johanna, die sich in diese selbstgewählte Einsiedelei vor Jahren zurückgezogen hat. In und mit den Jahreszeiten, mit der Natur. Es ist beschwerlich, karg, aber es ist das Leben, für das sich Johanna entschieden hat. Und sie ist damit zufrieden, vermisst nichts, ruht in sich.
Das ändert sich, als unerwartet Marie auftaucht, ihre Cousine, die in Wien lebt. Sie muss verzweifelt sein, hat sie doch die Strapazen auf sich genommen und den Berg heraufgequält. Aber Johanna interessiert das Warum nicht, in erster Linie ist sie wütend über den Eindringling, der ihre Ruhe stört, ungewollte Veränderungen mit sich bringt, weshalb sie Marie nicht in ihrem Leben haben will.
Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein. Johanna, die Einsiedlerin, wortkarg, zupackend und mit dem wenigen zufrieden, das sie hat. Im Gegensatz dazu Marie, die Städterin aus gesicherten Verhältnissen, deren Eheleben anders als geplant verlaufen ist, weshalb sie Schutz bei Johanna sucht. Beide auf der Flucht vor einer Vergangenheit, die beiden tiefsitzende Wunden zugefügt hat. Beide von dem Verlangen getrieben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Es ist nicht das typische Alpenidyll mit Blumenwiesen und glücklichen Kühen, das den Hintergrund für „Wild wuchern“ bildet. Es ist die Beschreibung eines Lebens voll endloser Plackerei, täglichen Routinen, die Sicherheit und Schutz vor der Außenwelt gewähren. Ein Schutz, der allmählich bröckelt, wenn die anfängliche Schroffheit einem Verstehen, einem Miteinander weicht und Rettung für beide bereithält.