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Veröffentlicht am 03.05.2022

Atmosphärisch erzählt und wie immer bestens recherchiert

Der dunkle Himmel
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1816 ist das Jahr ohne Sommer, voller Missernten, Hunger und Not. In einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb leiden die Menschen unter der Kälte und der Not. Anhand von drei Protagonisten erzählt die ...

1816 ist das Jahr ohne Sommer, voller Missernten, Hunger und Not. In einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb leiden die Menschen unter der Kälte und der Not. Anhand von drei Protagonisten erzählt die Autorin die Geschichte mit konkreten Schicksalen:
Der junge Schulmeister Friedhelm und die willensstarke Gastwirtstochter Paulina kämpfen für ihre Liebe. Und der umsichtige Pfarrer Unterseher versucht für seine Gemeindemitglieder in diesen schweren Zeiten da zu sein.


Meine Meinung:
Das Buch beginnt mit einem spannenden Prolog über einen Vulkanausbruch am anderen Ende der Welt, der offenbar dafür verantwortlich war, dass in Deutschland das Jahr 1816 durch schlechtes, kaltes und regnerisches Wetter gekennzeichnet war (wie man erst fast hundert Jahre später festgestellt hat).
Im weiteren Verlauf der Handlung beschreibt die Autorin eindringlich, wie die Menschen unter diesen Bedingungen zu leiden hatten. Es wird sehr deutlich, wie gut die Autorin auch für dieses Buch wieder recherchiert hat.

Die Schreibweise ist sehr flüssig und gut zu lesen. Während die Autorin weniger dialog-orientiert schreibt, fließt die Handlung sehr gleichmäßig dahin und ist sehr durch Reflektionen der Personen oder Beschreibungen der Situation getragen.

Dennoch haben mir die tragenden Personen in der Handlung sehr gut gefallen, besonders Paulina und Friedhelm waren mir gleich sympathisch und ich habe sehr mit ihnen gefiebert und gelitten. Ihre Hartnäckigkeit und ihr Durchhaltevermögen sind wirklich beeindruckend und machen Mut.
Gerade durch diese konkreten Schicksale kann man sich gut vorstellen, wie es den Menschen unter diesen extremen Bedingungen ging und wie sie unter der Not zu der Zeit gelitten haben.

Ich bin froh, dass ich durch dieses Buch mehr über das „Jahr ohne Sommer“, das Jahr des Hungers in Europa erfahren habe, und ich habe mich aufgrund der flüssig erzählten Geschichte mit warmherzig angelegten Figuren wieder gut unterhalten gefühlt.


Fazit:
Wieder ein schöner historischer Roman mit der bewährten Mischung aus guter Recherche und einer eingängig erzählten Geschichte.

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Veröffentlicht am 02.05.2022

Interessante Schilderung eines Neuanfangs als Imkerin in der Ostsee

Ostseeglück
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Stephanie Eden hat genug vom hektischen Projektalltag im Marketing, vor allem mit kleinen Zwillingstöchtern und einem noch kleineren Sohn.
Die Familie fängt gemeinsam an der Ostsee neu an und Stephanie ...

Stephanie Eden hat genug vom hektischen Projektalltag im Marketing, vor allem mit kleinen Zwillingstöchtern und einem noch kleineren Sohn.
Die Familie fängt gemeinsam an der Ostsee neu an und Stephanie findet ihre Berufung und ihr Glück mit einer kleinen Honigmanufaktur.
In ihrem Buch schildert sie die Arbeite mit ihren Bienenvölkern im Laufe eines Jahres.


Meine Meinung:
Das Buch lässt sich flüssig und nachvollziehbar lesen. Das Thema eines Neuanfangs nach dem hektischen beruflichen Alltag im Marketing fand ich sehr vielversprechend, gerade auch, weil die Autorin das Familienleben mit drei kleinen Kindern mit dem Beruf vereinbaren möchte.
Der Neuanfang an der Ostsee ist für mich nachvollziehbar beschrieben.
Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein – und mir war das aufgrund des Klappentextes nicht ganz so klar – dass sich die gesamte Erzählung um das Imkern dreht. Es wird das Bienenjahr in seinem Ablauf beschrieben mit den verschiedenen Herausforderungen und Handgriffen, außerdem die anderen Arbeiten, die in einer kleinen Honigmanufaktur so anstehen.
Ich habe vieles über Bienen gelernt, aber auch einiges über Krankheiten von Bienen, was ich nie wissen wollte.
Ein bisschen schöner hätte ich es noch gefunden, wenn man mehr über die Umgebung an der Ostsee gelesen hätte und etwas weniger über die Bienen.
Insgesamt fand ich das Buch aber durchaus lesenswert.


Fazit:
Eine schöne Schilderung, vor allem wenn man mehr über Bienen und das Imkern erfahren möchte.

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Veröffentlicht am 25.04.2022

Berührender Auftakt einer Reihe um eine starke Protagonistin

Gretas Erbe
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Greta kennt ihren Vater nicht und ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Als Vollwaise ist die 17jährige bei der Winzerfamilie Hellert in der Pfalz aufgewachsen und möchte – in den 1970er Jahre – ...

Greta kennt ihren Vater nicht und ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Als Vollwaise ist die 17jährige bei der Winzerfamilie Hellert in der Pfalz aufgewachsen und möchte – in den 1970er Jahre – lernen und am liebsten Abitur machen und ein Studium absolvieren. Doch bei den strengen Pflegeeltern ist das für ein Mädchen nicht vorgesehen und so heißt es tagaus, tagein in den Weinbergen zu arbeiten. Greta verbringt dort am liebsten Zeit mit Robert, dem rebellischen Sohn der Hellerts, der vor allem seine Musik im Kopf hat.
Doch eines Tages verändert sich durch eine unverhoffte Erbschaft alles…


Meine Meinung:
Der Roman ist ganz wundervoll erzählt und bringt durch die sehr plastische und anschauliche, gleichzeitig gefühlvolle Erzählweise die Geschehnisse sehr gut auf den Punkt. Ich mochte die intelligente und zielstrebige Greta von Anfang an sehr gerne und habe es genossen Zeit mit ihr zu verbringen. Da sie in vielen Punkten von den Hellerts kleingehalten wird und man ihr z.B. ihre geliebten Bücher verbietet, habe ich in vielen Phasen mit ihr sehr stark gelitten. Gleichzeitig habe ich mit ihr gehofft, dass sie ihre Wünsche und Träume erfüllen kann.

Durch die Anlage der Winzerfamilie kann man sich sehr gut in den Alltag der Menschen in einem kleinen Ort in den 1970er Jahren hineinversetzen. Es wird klar, wie die Rolle der Frau zu der Zeit in vielen Familien und gerade in kleinen Orten gelebt wurde. Überhaupt kommt sehr gut rüber, dass die Autorinnen gründlich recherchiert haben und sich sehr genau mit der Zeit auseinander gesetzt haben.
So besucht man als Leser*in z.B. ein Musikfestival, das in Wirklichkeit stattgefunden hat, gemeinsam mit Greta und Robert. Und die Playlist zum Buch ist sehr ausführlich, genauso wie die Literaturliste, die dem Buch weitere Tiefe geben.

Darüber hinaus habe ich auch einiges über den Weinbau lernen können und ich habe Hochachtung vor den Winzern, die tagtäglich so hart auf den Weinbergen, im Keller etc. arbeiten. Es gehören so viele Arbeitsschritte zu einem gelungenen Wein – und dann sind die Winzer natürlich auch vom Wetter und der Natur abhängig und müssen wir allen möglichen Unwägbarkeiten wir Schädlingen, Krankheiten der Reben etc. umgehen.

Dieser erste Teil hat zwar einige Fragen beantwortet, noch mehr wurden allerdings zum Ende aufgeworfen, so dass ich es gar nicht mehr abwarten kann, bis der nächste Teil erscheint…


Fazit:
Für mich ist dieses sehr angenehm zu lesende Buch der gelungene Auftakt zu einer Reihe, so dass ich mich bereits jetzt auf den nächsten Teil freue!

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Besonders dicht und atmosphärisch erzählt – ein Höhepunkt der Saga

Das Inselmädchen
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Im dritten Band der Sylt-Saga besuchen wir die Strandvilla im Jahr 1931 zusammen mit illustren Gästen.
Moiken ist sehr unglücklich in ihrer Ehe mit Adam und auch ihre jüngste Tochter Frieda macht ihr Kummer, ...

Im dritten Band der Sylt-Saga besuchen wir die Strandvilla im Jahr 1931 zusammen mit illustren Gästen.
Moiken ist sehr unglücklich in ihrer Ehe mit Adam und auch ihre jüngste Tochter Frieda macht ihr Kummer, denn sie hat sich in einen Mann verliebt, der für sie als Hotelerbin nicht standesgemäß ist. Ob Moiken ihr denselben Kummer antun kann, unter dem sie selbst all die Jahre zu leiden hatte?
Auch die zunehmenden Einflüsse der Nazis – die sich auf Sylt genauso breit machen wie überall sonst in Deutschland und mit denen Adam sehr schnell sympathisiert – bereiten Moiken Sorgen.


Meine Meinung:
Ich hatte schon die ersten beiden Bände dieser großartigen Saga extrem gerne gelesen und hatte mich sehr darauf gefreut, wieder Zeit mit den starken Figuren wie Moiken, Emma, Frieda und Boy zu verbringen.
Dieser dritte Teil hat meine hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar noch übertroffen. Er ist so atmosphärisch, dicht, spannend und emotional erzählt, dass ich atemlos an den Seiten geklebt habe und immer noch ganz ergriffen und berührt bin.

Von der ersten Seite an habe ich es sehr genossen, wieder auf Sylt zu sein, und ich konnte sehr gut an die ersten beiden Teile anknüpfen, weil die Autorin in genau dem richtigen Maße kleine Bezüge eingebaut hat. Es war nicht zu wenig und auch nicht zu viel, so dass man sicherlich auch erst beim dritten Teil einsteigen könnte.
Moiken und ihre Töchter sind tolle starke Figuren, auch wenn sie sich in diesem Teil zunächst selbst ein wenig im Weg standen und ich sie manchmal hätte schütteln können. Aber das spricht wohl dafür, dass sie realistisch und sehr menschlich gezeichnet sind.

Ganz besonders beeindruckt hat mich, wie nah man der Zeit des Dritten Reiches gekommen ist. Es spricht sehr für die genaue und fundierte Recherche der Autorin, dass man sich sehr gut vorstellen konnte, wie es den Menschen auf Sylt zu der Zeit erging. Das sehr gelungene und ausführliche Nachwort ordnet auch noch einmal genau ein, was auf wahren Begebenheiten beruht und was Fiktion ist. Das vermisse ich bei vielen anderen Romanen und es hat mir in diesem Buch ganz besonders gut gefallen.
Ich möchte hervorheben, dass man durch Reisen von Emma, Boy, Frieda und Moiken auch erlebt, wie es den Menschen in Berlin erging – z.B. während der Olympischen Spiele oder der Bücherverbrennung. Das Buch spielt also nicht nur auf Sylt (aber natürlich ganz viel auch dort – und man kann sich gut vorstellen, wie es zunächst ohne alphaltierte Straßen dort war etc.), was es ganz besonders spannend macht.

Moiken und ihre Töchter erleben unter der Naziherrschaft so einiges, was man wirklich niemandem wünscht, das Buch ist also nichts für schwache Nerven. Umso wichtiger finde ich jedoch Bücher wie dieses, damit sich dieses schlimme Kapitel der Geschichte nicht noch einmal wiederholt!
Es ist so viel kraftvoller, die Geschichte anhand von konkreten Schicksalen zu „erleben“ als nur auf Basis von Zahlen, Daten, Fakten wie im Geschichtsunterricht.

Auch die persönliche Seite und die Gefühle kommen bei der Geschichte nicht zu kurz.

Ich bin restlos begeistert und würde mir sehr wünschen, dass es mit Moiken und Co. noch weitergeht!


Fazit:
Ein wichtiges, eindringliches und wunderschönes Buch, das für mich alles hat, was ein historischer Roman haben muss. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Wahnsinnig atmosphärisch geschrieben und gut recherchiert

Die Birken der Freiheit
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Estland – 1914 und 1989:
Während Luise mit ihrer Dienstherrin Wilhelmine nach Estland reist, weil diese dort einen adeligen Gutsbesitzer heiraten soll, lernt sie Julius kennen und lieben – und ahnt nicht, ...

Estland – 1914 und 1989:
Während Luise mit ihrer Dienstherrin Wilhelmine nach Estland reist, weil diese dort einen adeligen Gutsbesitzer heiraten soll, lernt sie Julius kennen und lieben – und ahnt nicht, dass dieser ausgerechnet Wilhelmines Auserwählter ist.

Merike schließt sich einer Protestgruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, die für ein freies Estland mit eigener Identität und die Unabhängigkeit von der UdSSR kämpfen. Gleichzeitig versucht sie zu ergründen, welche Geheimnisse aus der Vergangenheit ihre Familie, allen voran ihr Opa, vor ihr zu verbergen versuchen.


Meine Meinung:
Ich hatte schon den ersten Teil dieser kleinen In Estland spielenden Reihe der Autorin sehr gerne gelesen und hatte mich daher auch sehr auf dieses Buch gefreut. Meine Erwartungen wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht, sondern eher noch übererfüllt.
Von der ersten Seite an war ich wieder ganz begeistert von der auf zwei zeitlichen Ebenen spielenden Geschichte. Durch die liebevoll und sympathisch gezeichneten Personen war ich gleich mitten in der Handlung.
Sowohl Merike als auch Luise und Wilhelmine sind tolle starke Figuren, die das Herz auf dem rechten Fleck haben und die Geschichte tragen. Als Leserin leidet und fiebert man daher sehr intensiv mit ihnen mit.

Dank der extrem atmosphärischen Erzählweise und der sehr fundierten Recherche, die man überall zwischen den Zeilen merkt, hat mich das Buch über die gesamte Strecke sehr gut erreicht. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie sich die handelnden Personen zu der Zeit in den jeweiligen Situationen gefühlt haben. Außerdem habe ich wieder sehr viel über Estland und die Geschichte dieses tollen Landes, die so eng mit der deutschen Geschichte verknüpft ist, gelernt. Auch Bezüge zu aktuellen Ereignissen sind – leider – nicht von der Hand zu weisen!
Gerade die Zeit vor und während des Ausbruchs des ersten Weltkriegs und 1989 kurz vor der Wende sind meines Erachtens sehr gut und vielversprechend gewählte Zeitspannen, so dass man sehr tief eintauchen konnte und immer weiterlesen wollte, um zu sehen, wie es den Figuren ergeht.

Darüber hinaus war ich aufgrund der Nähe zu den warmherzig angelegten Personen auch emotional sehr berührt und bewegt, weil die Geschichte sehr gefühlvoll erzählt ist. Gerade die vielen Familiengeheimnisse in Merikes Umfeld machen die Geschichte zu etwas ganz Besonderem und Persönlichem.
Das Buch ist total tiefgründig und wird mich sicherlich noch lange beschäftigen.


Fazit:
Wieder ein gelungener historischer Roman der wundervollen Autorin – fundiert recherchiert, fesselnd und bewegend erzählt und tiefgründig emotional. Das Lesen war ein besonderer Genuss.

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