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Veröffentlicht am 11.03.2019

Ein Memoir von großer Tiefe

Der Honigbus
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Meredith ist fünf Jahre alt, als ihre Eltern sich trennen und sie mit ihrer Mutter und ihrem zweijährigen Bruder Matthew nach Big Sur in Kalifornien zu den Großeltern zieht.
Ihre Mutter vergräbt sich ...

Meredith ist fünf Jahre alt, als ihre Eltern sich trennen und sie mit ihrer Mutter und ihrem zweijährigen Bruder Matthew nach Big Sur in Kalifornien zu den Großeltern zieht.
Ihre Mutter vergräbt sich nur noch im Schlafzimmer und die Großmutter behandelt die Kinder wie Störenfriede und versucht ihre Tochter übermäßig zu behüten.
Nur der (Stief-)Großvater kümmert sich um Meredith und nimmt sie mit zu seinen Bienenstöcken, denn er ist nebenberuflicher Imker und kann seiner Enkelin alles über Bienen erklären.


Meine Meinung:
Bei dem Buch handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um ein Memoir, d.h. es ist autobiographisch.

Dank der klaren und wunderbar zu lesenden Erzählweise war ich sofort mitten im Geschehen und habe mit Meredith mitgefühlt und mitgelitten.
Das ganze Buch ist oft harter Tobak und Meredith hat mir als Leserin wirklich oft leidgetan, denn sie hat nach der Trennung ihrer Eltern eine schwere Kindheit. Ihre Mutter kümmert sich nicht um sie und kreist nur um sich selbst, ist nicht einmal fähig ein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu führen.
Die Großmutter ist hart und überhaupt nicht liebevoll zu den Kindern, und auch der Großvater gibt seiner Frau niemals Contra.

Somit war es eigentlich nicht zu erwarten, dass Meredith zu einer starken Persönlichkeit heranwächst, und umso überraschender, wie viel Hoffnung die Geschichte gibt und wie viel Mut sie macht.
Denn Meredith entscheidet sich ganz bewusst dafür, wer ihre Familie ist und wer nicht, und sie geht ihren Weg.

Der einzige, der ihr in ihrem täglichen familiären Umfeld dabei hilft, ihr zuhört, sie unterstützt und ihr Selbstvertrauen gibt, ist ihr (Stief-)Großvater.
Er ist ein exzentrischer Imker, der viele Bienenvölker in Big Sur in Kalifornien hält und betreut und auch ihren Honig verkauft.
Die Erklärungen, die er seiner Enkelin über Bienen gibt, habe ich so gerne gelesen, denn ich habe total viel dabei gelernt. Für mich war es in der Tat das erste Mal, dass ich Bienen und ihre Lebensweise so detailliert kennen lernen konnte.

Somit habe ich durch das Buch gleichzeitig ganz viel gelernt und wurde emotional berührt.


Fazit:
Das Buch ist die perfekte Mischung aus einer dramatischen und berührenden Familiengeschichte, die dennoch viel Hoffnung und Mut macht, und viel Wissenswertem über Bienen. Für mich ist es eines der besten Bücher der letzten Zeit, das ich uneingeschränkt empfehlen kann!

Veröffentlicht am 05.03.2019

Sprachgewaltig und speziell

Die einzige Geschichte
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Paul ist 19, als er die 48jährige verheirate Susan, Mutter von zwei Töchtern, im Tennisverein kennenlernt und sich in sie verliebt.
Susan und Paul beginnen eine Beziehung, die über einen längeren Zeitraum ...

Paul ist 19, als er die 48jährige verheirate Susan, Mutter von zwei Töchtern, im Tennisverein kennenlernt und sich in sie verliebt.
Susan und Paul beginnen eine Beziehung, die über einen längeren Zeitraum hält.
Für Paul ist es die „einzige“ Liebesgeschichte seines Lebens, über die er auch nach Jahren noch reflektiert.


Meine Meinung:
Der Roman „Die einzige Geschichte“ ist in drei große Teile gegliedert. Er wird aus Pauls Sicht erzählt, wobei er sehr gekonnt zwischen verschiedenen Arten der Perspektive (1., 2., 3. Person) wechselt.
Der Beginn ist langsam – Paul ist 19 Jahre alt und lernt die wesentlich ältere Susan kennen, aber die Erzählung steigert sich zur Mitte hin deutlich, bis sie zum Ende hin wieder mit Analysen – aus meiner Wahrnehmung – an Tempo verliert.

Ich fand die Art der Schilderung sehr speziell. Es geht nicht klassisch um eine Liebesgeschichte, sondern hat auch viele Elemente über das Leben und die Liebe allgemein, Anklänge an ein Familiendrama und weitere Elemente, die ich schwer beschreiben kann.

Sehr schön kommen auch einige britische Besonderheiten zum Ausdruck, insbesondere der ganz besondere britische Humor, der mir persönlich extrem gut gefällt.
Auch die Besonderheiten der Zeit – die Erzählung beginnt in den 1960er Jahren – kommen zum Vorschein. Es wird deutlich, welche Unterschiede es in Susans Generation, die den Krieg noch miterlebt hat, und der nachfolgenden Generation, zu der Paul gehört, existieren. Gerade weil Paul und Susan in einem kleinen Ort ca. 15 Meilen von London entfernt leben, in dem jeder jeden kennt, ist die Darstellung der dortigen Gesellschaft extrem interessant.

Auch wenn ich die Erzählweise unglaublich sprachgewaltig fand, hat mich der letzte Teil etwas gelangweilt.
Der Autor kam hier nicht mehr so richtig auf den Punkt und hat sich oft in seinen langatmigen Analysen verloren.


Fazit:
Im Großen und Ganzen habe ich das Buch gerne gelesen und habe mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch intellektuell bereichert gefühlt. Es ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes.

Veröffentlicht am 04.03.2019

Gut recherchierter historischer Roman, der mich jedoch nicht völlig überzeugt hat

Café Engel
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Der Zweite Weltkrieg ist fast vorbei und Hilde und ihre Mutter Else müssen zusehen, wie sie sich mit ihrem Café Engel in Wiesbaden durchschlagen, während Vater Heinz an der Front oder in Kriegsgefangenschaft ...

Der Zweite Weltkrieg ist fast vorbei und Hilde und ihre Mutter Else müssen zusehen, wie sie sich mit ihrem Café Engel in Wiesbaden durchschlagen, während Vater Heinz an der Front oder in Kriegsgefangenschaft ist. Hildes Cousine Luisa erlebt das Ende des Krieges in ihrer Heimat Ostpreußen, wo sie auf einem adeligen Landsitz aufgewachsen ist.
In den Wirren der letzten Kriegsmonate und danach schlägt sich Luisa auch nach Wiesbaden durch und taucht plötzlich im Café Engel auf…

Meine Meinung:
Aufgrund des Untertitels „Eine neue Zeit“ hatte ich angenommen, der Roman spiele nur kurz nach Kriegsende und würde zeitlich bis in die Zeit des Wiederaufbaus hineinreichen. Dem war allerdings nicht so; er spielte wirklich nur zu Kriegsende und kurz nach dem Krieg und thematisierte Flucht aus dem Osten ebenso wie Hunger nach Kriegsende, das Leben mit den Besatzern und Auswirkungen der Bombennächte.
All diese Themen hat die Autorin sicherlich sehr fundiert und sorgfältig recherchiert und im Roman gut wiedergegeben. Man merkt deutlich, welche Themen zu Kriegsende und direkt danach dominant waren, und hat viel Neues gelernt. Auch Beschreibungen aus der Kriegsgefangenschaft fehlten nicht, die für mich sehr neu waren.
Neben den historisch gut recherchierten Gegebenheiten, die sehr gelungen dargestellt sind, hatte ich mir von der Handlung allerdings etwas mehr versprochen. Es kommen unglaublich viele Personen im Roman vor und mit jedem Kapitel wechselt die Perspektive – von Hilde zu ihrer Cousine Luisa zu Vater Heinz zu dem Zwangsarbeiter Jean-Jacques zu… Ich weiß nicht, ob es an der so oft wechselnden Perspektive lag, aber ich bin leider mit den handelnden Personen bis zum Schluss nicht richtig warm geworden. Es blieb immer eine gewisse Distanz.
Außerdem gab es am Ende einige Entwicklungen, z.B. im Verhältnis der beiden Cousinen zueinander, die ich nicht ganz glaubwürdig fand. Da ging einiges zu schnell oder war nicht motiviert.
Schade! Der Stoff hat grundsätzlich sehr viel Potential geboten, da hätte man deutlich mehr draus machen können.

Fazit:
Das Motiv und das Setting sind toll gewählt, die Recherchen sind wahnsinnig gut gemacht und die Zeit gut dargestellt. Leider hat mich der Roman trotzdem nicht berühren können und meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllt.

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  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 01.03.2019

Kurzweiliges Buch über eine Vater-Tochter-Beziehung

Läuft bei uns
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Sebastian ist der Vater der 14jährigen Mathilda, mit der er seit dem Tod seiner Frau vor zehn Jahren allein lebt.
Er ist ein richtiger Helikoptervater und verfällt in Aktionismus, als seine Tochter zum ...

Sebastian ist der Vater der 14jährigen Mathilda, mit der er seit dem Tod seiner Frau vor zehn Jahren allein lebt.
Er ist ein richtiger Helikoptervater und verfällt in Aktionismus, als seine Tochter zum ersten Mal mit einer schlechten Note nach Hause kommt. Schnell liegt für ihn der Verdacht nahe, dass Mathilda hochbegabt sein könnte. Aber ist sie vielleicht doch einfach ein ganz normaler Teenager…?


Meine Meinung:
Dank der flüssigen, humorvollen und teilweise sogar recht flapsigen Erzählweise bin ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen und hatte das Buch auch insgesamt sehr schnell ausgelesen.
Das Buch ist unterhaltsam und lässt sich durch die kurzen Kapitel sehr angenehm lesen.
Ich fand die Geschichte sehr vielversprechend und gut angelegt und das Thema sehr ergiebig. Es sind auch sehr viele gute Ideen in die Erzählung eingeflossen, die wirklich sehr aktuell und auf der Höhe der Zeit ist.

Zum Ende hin ging mir die Entwicklung dann allerdings ein bisschen zu schnell und blieb auch nicht immer glaubwürdig. Einige Szenen waren schon sehr überzogen.


Fazit:
Auch wenn man aus dem Thema sicherlich noch mehr hätte machen können, ist das Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Gut recherchierter historischer Roman mit viel Potential

Die Villa an der Elbchaussee
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Gerade ist der erste Weltkrieg zu Ende und die Menschen leiden immer noch an Hunger. Die junge Frieda möchte nichts lieber, als im Handelshaus ihres Vaters arbeiten und sich dort um die Produktion leckerer ...

Gerade ist der erste Weltkrieg zu Ende und die Menschen leiden immer noch an Hunger. Die junge Frieda möchte nichts lieber, als im Handelshaus ihres Vaters arbeiten und sich dort um die Produktion leckerer Schokoladenspezialitäten kümmern.
Eigentlich soll ihr Bruder die Firma übernehmen, doch der kommt als gebrochener Mann aus dem Krieg zurück…
Und dann ist da auch noch die Erwartung ihrer Eltern, dass Frieda vorteilhaft heiratet, um der Firma zu nützen.


Meine Meinung:
„Die Villa an der Elbchaussee“ ist ein gut recherchierter historischer Roman zu einem sehr ergiebigen und vielversprechenden Thema. Die Figuren sind nett angelegt, die Zeit ist sehr gut ausgewählt und die Geschichte hat viel Potential.
Ich bin dank der leichten und flüssigen Erzählweise auch sofort gut in die Handlung gekommen und habe mich in Frieda gut hineinversetzen können.
Besonders schön fand ich die Beschreibung der Hamburger Schauplätze – sehr interessant waren zum Beispiel Besuche in der Speicherstadt.
Auch die Beschreibungen der Köstlichkeiten aus Schokolade, die Frieda mit viel Hingabe und Liebe gestaltet, haben mir sehr gut gefallen.

Allerdings hätte man meines Erachtens noch ein bisschen mehr aus der vielversprechenden Geschichte machen können. Ich bin mit den Figuren leider bis zum Ende nicht ganz warm geworden, auch nicht immer fand ich ihre Motivation und Handlungen nachvollziehbar. Und auch die Handlung an sich hätte ich mir an mancher Stelle stringenter und spannender gewünscht.


Fazit:
Ich habe das Buch gerne gelesen, weil es sehr fundiert recherchiert war, hätte mir aber von der Geschichte noch etwas mehr versprochen.