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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2017

Wunderschönes Buch mit Gutenachtgeschichten für starke Mädchen

Good Night Stories for Rebel Girls
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Das Hardcover "Good Night Stories for Rebel Girls" kommt auf über 200 Seiten mit kurzen Profilen zu 100 außergewöhnlichen Frauen daher. Zu jeder Frau gibt es eine einseitige kurze "Geschichte", was die ...

Das Hardcover "Good Night Stories for Rebel Girls" kommt auf über 200 Seiten mit kurzen Profilen zu 100 außergewöhnlichen Frauen daher. Zu jeder Frau gibt es eine einseitige kurze "Geschichte", was die Frau als Kind erlebt hat, was sie ausgemacht hat, was sie angetrieben hat und was sie später einmal geworden ist. Darüber hinaus wird ein Zitat gebracht und die Geburts-/ggf. Sterbedaten werden aufgeführt. Auf der anderen Seite ist jeweils eine Illustration zu finden - oft in ganz bunten, fröhlichen Farben. Die Zeichnungen sind von verschiedenen Künsterlinnen gestaltet.

Das Buch ist einfach wunderschön gestaltet. Schon der Einband mit der bunten fröhlichen Schrift und der innere Umschlag in Gelb mit stilisierten Sternbildern ist einfach nur einladend und nett für ein Buch mit Gutenachtgeschichten.

Die einzelnen Porträts sind in einer eindringlichen, gut verständlichen Sprache gehalten, die durchaus auch kindgerecht ist. Sehr schön ist, wie die Autorinnen es verstehen, bei den einzelnen außergewöhnlichen Frauen einen wichtigen Aspekt aus der Kindheit herausarbeiten und damit deutlich machen, dass jedes Mädchen alles erreichen kann, was ihm nur wirklich wichtig ist. Besonders die notwendige Hartnäckigkeit oder das grundlegende Gefühl, wie wichtig Freiheit oder Wissen ist, kommt bei vielen Porträts gut heraus.

Für mich ein tolles Buch, das vielen Mädchen Mut machen sollte und ihr Selbstbewusstsein stärken sollte, damit sie ihren eigenen Weg unerschrocken und beharrlich gehen. Ein tolles Geschenk für Nichten, Töchter, Enkelinnen, Patenkinder... Es sollte wirklich auf keinem Nachttisch fehlen!

Veröffentlicht am 14.10.2017

Oberflächliche Tennis-Schnulze

Die Liebe trägt Weiß
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Charlie Silver ist eine amerikanische Tennisspielerin, die einer vielversprechenden Karriere entgegensieht, als sie sich in Wimbledon eine schwere Verletzung zuzieht. Nach der Reha beschließt sie, alles ...

Charlie Silver ist eine amerikanische Tennisspielerin, die einer vielversprechenden Karriere entgegensieht, als sie sich in Wimbledon eine schwere Verletzung zuzieht. Nach der Reha beschließt sie, alles zu ändern, heuert einen neuen als extrem hart verschrieenen Trainer hat, hat neue Outfits und trainiert noch um ein Vielfaches härter. Hinzu kommt ihre Affäre mit dem bekannten spanischen Tennisprofi Marco.

Wird sich die harte Arbeit auszahlen? Wird Charlie ihr Ziel erreichen, endlich ein Grand Slam-Turnier zu gewinnen und Nummer 1 der Weltrangliste zu werden? Und was ist mit der Liebe?



Der neue Roman von Lauren Weisberger, der Autorin von "Der Teufel trägt Prada" steht schon optisch mit dieser Reihe in einer Tradition.

Auch in der Erzählung spielt die Erwähung von Marken eine große Rolle. Die Glamourwelt des Tennis wird beschrieben und die Entwicklung der Profispielerin Charlie.

Insgesamt ist die Geschichte zwar recht flüssig zu lesen, aber sehr oberflächlich erzählt. Die Hauptdarsteller machen zwar in gewisser Weise eine Entwicklung durch, doch die Schilderung bleibt insgesamt recht schwach und an der Oberfläche, so dass man als Leserin nicht wirklich mit den handelnden Personen warm wird.

Meines Erachtens hätte man aus dem Stoff wirklich mehr machen können. Für mich war es zu wenig Handlung, zu wenig Tiefgang und dafür viel zu viel Marken-Namedropping.

Veröffentlicht am 07.10.2017

Berührende Familiengeschichte im England des frühen 20. Jahrhunderts

Sturm über Rosefield Hall
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Der Herrensitz Rosefield Hall im Jahre 1913 erinnert an das Setting von Downton Abbey:

Lord und Lady Compton haben drei Kinder - den Erben Basil, den jüngeren Sohn Edward und dit 18jährige Tochter Ruby, ...

Der Herrensitz Rosefield Hall im Jahre 1913 erinnert an das Setting von Downton Abbey:

Lord und Lady Compton haben drei Kinder - den Erben Basil, den jüngeren Sohn Edward und dit 18jährige Tochter Ruby, die behütet auf Rosefield Hall in der Grafschaft Devon aufwächst. Ihre Eltern haben das Ziel sie möglichst vorteilhaft an einen Lord zu verheiraten, ansonsten hat sie nicht viel zu tun außer ausreiten und darf auf keinen Fall - auch nicht im Familienkreise - ihre Meinung sagen. Auf Rosefield Hall gibt es darüber hinaus zahlreiche Bedienstete, so auch Rubys Hausmädchen Florence, das tagaus, tagein schufften muss nur mit der Aussicht, irgendwann zu heiraten und dann nicht mehr arbeiten zu müssen / dürfen.

Zufällig triftt Ruby bei einem Ausritt den attraktiven Cyril im Wald, in den sie sich verliebt, der allerdings keine standesgemäße Partie ist, weil er nicht dem englischen Adel entstammt.



Dieser Roman von Julie Leuze ist für mich ein meisterhaft erzählter Frauenroman, der voller Gefühle und Spannung steckt. Die Geschichte wird abwechselnd in verschiedenen Kapiteln aus der Sicht unterschiedlicher Frauen erzählt, insbesondere aus der Sicht Rubys und ihres Hausmädchens Florence.

Es wird deutlich, wie sehr die Rolle der Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch von Unterdrückung durch die männliche Gesellschaft geprägt war. Im Laufe des Romans zeichnet sich eine schöne Entwicklung ab, bei der Ruby und auch ihr Hausmädchen immer selbstbewusster werden und zu ihren Träumen und Wünschen stehen. Der Kampf der Suffragetten für das Wahlrecht für Frauen und eine gleichberechtigte Rolle in der Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs wird eindringlich beschrieben. Damit werden wichtige und immer noch erschreckend aktuelle Themen behandelt. Vor allem macht das Buch Mut, den eigenen Weg zu gehen und auf sich und seine Bedürfnisse zu achten und zu hören.

Daneben ist das Buch ein wunderbarer Unterhaltungsroman und eine schöne Liebesgeschichte (auf mehreren Ebenen). Ich habe mich beim Lesen - wie so oft bei Julie Leuzes Romanen - wieder völlig verloren und wunderschöne Stunden auf dieser Lesereise in die Vergangenheit und in die Grafschaft Devon verbracht.



Der Roman hat alles, was ein guter Unterhaltungsroman für mich haben muss: Tolle Charaktere, die sich im Laufe der Handlung weiterentwickeln, eine spannende Geschichte und Gefühle, die ans Herz gehen. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 02.10.2017

Spannender Krimi, der im britisch besetzten Indien spielt

Ein angesehener Mann
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Anmerkung: Rezension zur englischen Ausgabe.

"A Rising Man" spielt 1919 im von Briten besetzten Indien, genauer gesagt in Calcutta. Captain Sam Wyndham ist neu in der Stadt, nachdem er aus London nach ...

Anmerkung: Rezension zur englischen Ausgabe.

"A Rising Man" spielt 1919 im von Briten besetzten Indien, genauer gesagt in Calcutta. Captain Sam Wyndham ist neu in der Stadt, nachdem er aus London nach Indien versetzt wurde.
Schnell bekommt er seinen ersten Fall, nachdem die Leiche eines Briten entdeckt wird und außerdem ein Überfall auf einen Zug passiert.
Neben den Ermittlungen in den Fällen muss er sich mit den Besonderheiten der indisch-britischen Gesellschaften vertraut machen und mit den extremen klimatischen Bedingungen sowie sonstigen Herausforderungen des täglichen Lebens klarkommen.

Für mich war es das erste Buch dieses Autors, das ich gelesen habe, und ich war begeistert.
Die Erzählweise ist in einem wunderschönen Englisch gehalten, durch das man viel der Besonderheiten der britischen Besetzer - ob aus England oder Schottland - mitbekommt.
Besonders gut hat mir der tolle Humor gefallen, der sich durch den gesamten Kriminalroman durchzieht.
Mit Captain Sam Wyndham hat der Autor einen wunderbaren Ermittler geschaffen, der vor allem durch seine Schwächen, aber auch durch seine Hartnäckigkeit bei den Ermittlungen sympathisch wird.
Während es zu Beginn der Ermittlungen manchmal gefühlt keine großen Fortschritte gibt, nimmt das Buch zum Ende hin deutlich an Fahrt auf und überraschende Zusammenhänge bei den vielen handelnden Personen werden klar.
Hervorzuheben ist besonders die Darstellung des Rassismus der Briten gegenüber den Indern, der wirklich sehr eindringlich geschildert wird.
Somit lernt man eine Welt kennen, mit der sich viele von uns sicherlich noch nicht näher beschäftigt haben. Ich habe zumindest viel Neues dazugelernt.

Insgesamt eine lohnenswerte Lektüre - ein spannender Krimi, der einem auch kulturell neue Horizonte eröffnet.

Veröffentlicht am 29.09.2017

Der perfekte Krimi – vielschichtig und intelligent

Fiona
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„Fiona. Als ich tot war“ ist der neue Krimi des walisischen Autors Harry Bingham.
Fiona Griffiths ist neu auf dem Polizeirevier in Cardiff und hat gerade einen Kurs in London zur Undercover-Agentin absolviert, ...

„Fiona. Als ich tot war“ ist der neue Krimi des walisischen Autors Harry Bingham.
Fiona Griffiths ist neu auf dem Polizeirevier in Cardiff und hat gerade einen Kurs in London zur Undercover-Agentin absolviert, bei dem sie ihre komplette Identität geändert hat und überhaupt keinen Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld (einschließlich ihres Freundes) haben durfte. In Cardiff wird sie bei zunächst vermeintlich langweiligen Fällen wie z.B. rund um Abrechnungsbetrug in einem Möbelhaus eingesetzt, doch dieser Fall entpuppt sich schneller als richtig großes Ding, als ihr lieb sein kann, und die erste Leiche taucht auf.
Schnell kann sie unter der Identität der „Fiona Grey“ als Reinigungskraft undercover in der Firma eingesetzt werden und ganz anders ermitteln.
Doch dann wird sie hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Seiten.

Der Krimi von Harry Bingham ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Sprache ist einfach gehalten mit eindringlichen kurzen Sätzen, aber sehr kraftvoll, so dass man sofort beim Lesen in einen Sog gerät. Das Buch ist mit über 500 Seiten zwar ein ziemlicher Schmöker, aber es lässt sich so leicht und spannend lesen, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann und dementsprechend schnell durchgelesen hat.
Für mich hat dieses Buch alles, was ein Krimi braucht. Interessant ist vor allem die Hauptdarstellerin Fiona, die unter dem Cotard-Syndrom leidet und daher mit Wahnvorstellungen zu kämpfen hat. Somit fällt es zunächst etwas schwer, sich in sie hineinzuversetzen, ist aber umso interessanter, je länger man sich als Leser mit Fionas Gefühlswelt beschäftigt.
Das Setting in Wales mit gewissen Beschreibungen des Lokalkolorits hat mir ebenfalls sehr gut gefallen und auch das Umfeld des organisierten Verbrechens, in das man im Laufe der Geschichte immer mehr hineingezogen wird.
Dabei fand ich die Erzählweise auch nicht zu blutrünstig, wie es mir manchmal negativ bei anderen Krimis auffällt.

Wir können meines Erachtens sehr froh sein, dass Harry Bingham seine Karriere im Investmentbanking abgebrochen hat, um derart spannende und intelligente Kriminalromane zu verfassen.
Für mich war es der erste Krimi von Harry Bingham, den ich gelesen habe, aber es wird sicherlich nicht der letzte bleiben.
Von mir eine unbedingte Leseempfehlung für alle Fans von intelligenten Kriminalromanen!