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Veröffentlicht am 17.09.2020

Ein modernes düsteres Märchen 

Immernacht
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Zum Inhalt:
Larabelle Fox ist ein Waisenmädchen, das in der Kanalisation der Stadt als Tosherin Gegenstände sucht und diese beim Trödelladen zu Geld macht. Eines Tages findet sie in den Abwässern ein Kästchen ...

Zum Inhalt:
Larabelle Fox ist ein Waisenmädchen, das in der Kanalisation der Stadt als Tosherin Gegenstände sucht und diese beim Trödelladen zu Geld macht. Eines Tages findet sie in den Abwässern ein Kästchen aus Holz, welches die mächtigste Magierin und Beraterin des Königs, Mrs Hester, begehrt. Fortan befindet sich Larabelle in konstanter Gefahr, denn Mrs. Hester lässt einen gefährlichen seelensaugenden Dschinn, den Schattenjack, los, um dieses Kästchen zu suchen. Denn darin befindet sich ein mächtiger Zauber, der die ewige Dunkelheit, die Immernacht, wieder bändigen kann, die Mrs. Hesters über das Königreich entfesselt hat. Die Magierin hat damit auf die alleinige Herrschaft abgesehen und erhofft sich, mit der dunklen Armee der Bemalten, sich aller Hexen und Magier entledigen zu können. Dabei hat sie aber nicht mit Larabelles Fähigkeiten gerechnet. Mit Schattenjack dicht auf den Fersen begibt sich Lara auf die Flucht und damit auf ein unglaubliches Abenteuer, um die Welt zu retten, und verbirgt so einige Überraschungen...

Meine Leseerfahrung:
Als Fantasyfan mag ich ausgefallene Bücher über Magie, Hexen und andere phantastische Dinge und Wesen. "Immernacht" von Ross Mackenzie ist ein Jugendbuch für Leser/-innen ab 11 Jahren. Daher war meine Erwartung nicht allzu hoch, was die Stimmung und die Spannung anbelangt. Zumindest hatte ich "nur" auf eine harmlose Kindergeschichte mit netten Charakteren und einem halbwegs interessanten Plot gehofft. Ich wurde aber eines Besseren belehrt. Im Buch dominiert durchgehend eine düstere Atmosphäre und es sind genug grausam brutale Szenen enthalten, weswegen ich dieses Buch ganz sicher keinem 11-Jährigen in die Hand drücken würde.

Es wird ohne Überlängen erzählt, der Autor kommt meist sofort zum Punkt. Die einzelnen Kapitel sind daher recht kurz und bündig gehalten. Wenn es kein Kinderbuch wäre, hätte die Story jedoch genug zu bieten für einen dicken Fantasyroman mit Nachfolgebänden. Dabei ist die geistige Kreativität des Autors absolut lobenswert. Zum Einen sind die kleinen Dinge, die detailliert beschrieben werden, meist schon bemerkenswert, wie zum Beispiel Zauberstäbe mit Kammern, die wie Pistolen mit Magie in kleinen Fläschchen geladen werden. Sich sowas vorzustellen, war schon ein Genuss. Zum Anderen fand ich die Figuren sehr gut ausgearbeitet. Der Schattenjack, ein seelenverschlingender Dschinn mit seiner angsteinflößenden grausamen Art, die weißen Magier, deren Seelen Mrs. Hester gefangen hält, und die Bemalten, eine Armee der Finsternis, die mich ein wenig an die weißen Wanderer der GoT-Reihe erinnerte (Sie verwandeln die Menschen, auf die sie treffen, in gefühlslose Kreaturen, die ihrer Armee beitreten.), sind allesamt hervorragend inszenierte Figuren, die sich wunderbar in das Setting integrieren. 

Dennoch war mir die Geschichte stellenweise zu schnell erzählt und mit viel zu gewalttätigen Momenten bespickt, die mich persönlich sehr verwundert haben, da es nunmal als Kinderbuch deklariert wird. Ich würde das Lesealter eher auf 14 Jahre setzen. 

Fazit:
Wer Fantasy und neumoderne Märchen liebt, dürfte vom Ideenreichtum im "Immernacht" fasziniert sein. Ross Mackenzie entführt uns in eine Welt voller Magie und Düsternis und schafft es, mit seiner kurzweilig erzählten Geschichte uns in den Bann zu ziehen. Wenn auch nicht wirklich für Kinder geeignet, ist sie doch zumindest sehr lesenswert für Fantasy-Fans.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2020

Informatives rund um den Schlaf

Die Geheimnisse des gesunden Schlafs
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Zum Inhalt:
Wenn man sich nachts im Bett herumwälzt und einfach nicht in den Schlaf findet, dann hat jeder seine ganz eigenen Ursachen und Auslöser dafür. Ein paar schlaflose Nächte sind ja auch noch verkraftbar. ...

Zum Inhalt:
Wenn man sich nachts im Bett herumwälzt und einfach nicht in den Schlaf findet, dann hat jeder seine ganz eigenen Ursachen und Auslöser dafür. Ein paar schlaflose Nächte sind ja auch noch verkraftbar. Wiederholt sich das Problem jedoch und wird zum Dauerzustand, dann sollte man der Sache ganz dringend auf den Grund gehen, um schnell eine geeignete Lösung für die Schlafstörung zu finden. Denn ein gesunder Schlaf sorgt für das allgemeine Wohlbefinden und lässt den Körper sich wirksam regenerieren. Schlafmangel hingegen kann zu ernsthaften Erkrankungen führen. Monika Richrath hat in ihrem Buch alles Wissenswerte über den Schlaf mitsamt aller Arten von Schlafstörungen sehr übersichtlich zusammengefasst und präsentiert sämtliche Ursachen sowie auch einige Lösungen zur Bewältigung des Schlafproblems.


Meine Leseerfahrung:
Aktuell bin ich mit zwei Kleinkindern ohnehin vom alltäglichen Stress dermaßen erschöpft, dass ich blitzschnell in den Schlaf finde, sobald ich mit dem Bett in Berührung komme, vorausgesetzt die Kleinen lassen dies auch zu. Ich kann mich aber gut an eine Zeitphase erinnern, als ich nachts einfach nicht zur Ruhe kam und gebeutelt vom Schlafmangel den nächsten Tag bewältigen musste. Auch wenn ich die Ursache für mein damaliges Problem - Examensstress gepaart mit Prüfungsangst - bereits kannte, hätte ich mir so einen Ratgeber wie dieses hier gewünscht. Denn nichts lässt Einen mehr aufatmen als die Erkenntnis, aus welchem Grund ein Problem tatsächlich existiert. Erkennt man die Ursache, ist bereits der erste Schritt in Richtung Problemlösung getan. 

Daher ist dieses Buch ideal zum Nachschlagen, um der Ursache der eigenen Schlafstörung auf den Grund zu gehen. Es ist allerdings kein Ratgeber zur Selbsttherapie, was Richrath bereits zu Beginn aufzeigt, indem sie darauf hinweist, dass dieses Buch keine ärztliche, psychologische oder therapeutische Behandlung ersetzen kann. Es dient lediglich dazu, Informationen zu erhalten, und sich gegebenfalls in der entsprechenden Richtung Hilfe zu holen. 

Was dieses Sachbuch meines Erachtens so besonders auszeichnet, ist der sehr gut strukturierte Aufbau und die einfach verständliche Sprache für jedermann. Hier wird bewusst auf allzu wissenschaftliche Ausdrücke verzichtet und in klaren, einfachen Begrifflichkeiten erklärt, welche Auswirkungen der Schlafmangel auf den menschlichen Körper hat. Der Großteil des Buches befasst sich sodann mit den äußeren, körperlichen sowie seelischen Ursachen für Schlafstörungen. Jedes dieser Kapitel ist übersichtlich gegliedert und beinhaltet weitere Unterkapitel. Vieles der Ursachen waren mir zwar schon bekannt, vieles aber auch wieder nicht. Zu einigen Störfaktoren wiederum habe ich zusätzlich neue Infos erhalten, was überaus interessant und zugleich auch faszinierend war, wenn man bedenkt, wie perfekt eigentlich unser Körper funktioniert, wenn derartige Störungen eben nicht vorliegen. Zum Inhalt möchte ich nicht allzuviel verraten, allerdings kann ich hier anmerken, dass ich thematisch gesehen rein gar nichts vermisst habe.

Ich habe viel für mich mitnehmen können und bin mir sicher, dass ich dieses Buch noch viel öfter zum Nachschlagen in die Hand nehmen werde und kann es allen empfehlen, die von Schlafproblemen gequält werden. Aber auch für Interessierte, die sich mit dem Thema Schlaf gerne auseinandersetzen, ist dieses Sachbuch durchaus sehr lesenswert.


Fazit: 
In Monika Richraths Sachbuch wird man sehr schnell fündig, wenn man nach bestimmten Ursachen von Schlafstörungen sucht. Übersichtlich, kompakt und auf den Punkt gebracht, trägt die Autorin Lesenswertes zusammen und gibt einen umfassenden Überblick über die tiefgehenden Probleme im Schlafverhalten. Empfehlenswert für alle Neugierigen, die sich mit dem Thema Schlaf befassen wollen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2020

Düstere, unheimliche Story mit einigen Schwachstellen 

Der Schattenmörder
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Zum Inhalt:
Nach 25 Jahren kehrt Paul in seine Heimatstadt Gritten zurück, weil seine inzwischen demente Mutter im Sterben liegt. Dabei hatte er diesen Ort eigentlich gänzlich aus seiner Erinnerung gestrichen, ...

Zum Inhalt:
Nach 25 Jahren kehrt Paul in seine Heimatstadt Gritten zurück, weil seine inzwischen demente Mutter im Sterben liegt. Dabei hatte er diesen Ort eigentlich gänzlich aus seiner Erinnerung gestrichen, da sich hier damals Grauenvolles ereignete. Sein Freund Charlie beging einen brutalen Mord und verschwand völlig von der Bildfläche. Bis heute wurde er nicht gefunden. Nach seiner Rückkehr fühlt sich Paul beobachtet und es geschehen seltsame Dinge um ihn herum. Unter Anderem wird im nahegelegenen Featherbank ein Teenager ermordet. Der aktuelle Mordfall weist zu viele Ähnlichkeiten mit dem von vor 25 Jahren. Paul fragt sich allmählich, was wirklich aus Charlie geworden ist...

Meine Leseerfahrung:
Von dem Debütroman des Autors war ich schwer beeindruckt. Denn aller Anfang ist im Thriller-Genre sicherlich schwer. Alex North hatte aber mit seinem ersten Roman eine Nische für sich gefunden. Sein Erzählstil ist völlig beklemmend und düster und kann mit einigen Mystery-Elementen glänzen. Auch bei seinem zweiten Roman greift der Autor zu diesem Mittel und schafft damit einen Thriller von ganz spezieller Art. Dabei dreht sich die Geschichte um das ominöse Thema "Luzide Träume", womit der Leser in eine geheimnisvolle Sphäre katapultiert wird, wobei Traum und Realität sich vermischen. Stellenweise wurde es mir zu verwirrend, so dass ich immer wieder neu ansetzen musste.

Die "knisternde" oder "vibrierende" Spannung, die so oft wiederholt zur Sprache kommt, habe ich diesmal jedoch nicht so stark wahrgenommen, wie es der Autor anscheinend sich gern gewünscht hätte. Eher wirkt die pulsierende Atmosphäre meist erzwungen und kaum existent, so dass der Autor immer wieder darauf hinweisen muss. Das ging ihm bei seinem ersten Roman leichter von der Hand, diesmal empfand ich diese wiederholende Beschreibung doch sehr störend im Lesefluss. 

Die Protagonisten hätten zudem mehr Tiefe verdient. Insbesondere Paul, aus dessen Blickwinkel man zwar ein recht subjektives Bild zu der Geschichte erhält, seine Gefühlswelt allerdings kaum gänzlich offengelegt wird, wurde mir zu keinem Zeitpunkt richtig sympathisch. Auch Detective Amanda Beck bleibt völlig farblos, obwohl sie eigentlich gute Ermittlungsarbeit leistet. Dabei wären einige persönliche Dinge über sie durchaus erzählbar und auch wünschenswert gewesen. Schließlich ist sie die einzige Figur, die in beiden Büchern auftaucht. Als wiederkehrender Charakter hätte sie mehr Aufmerksamkeit verdient.

Nach einem etwas langatmigen mittleren Teil nimmt die Story gegen Ende eine unvorhersehbare Wendung, womit Alex North noch mal die Spannung gehörig ankurbelt. Man könnte meinen, dass die Auflösung zum Schluss weit hergeholt ist, allerdings liefert North damit dennoch einen befriedigenden Abschluss und rettet die Story aus den verwirrenden Verstrickungen. 

Fazit:
Mit seinem zweiten Werk bleibt Alex North seinem düsteren Erzählstil treu und überzeugt wieder mit Mystery vom Feinsten. Spannungstechnisch kann dieses Buch allerdings nicht mit seinem Debütroman mithalten und schwächelt zudem auf Charakterebene. Auf Grund der überraschenden Wendung zum Schluss und der dominierenden gruselig-beklemmenden Atmosphäre durchaus noch lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.08.2020

Mein absoluter Favorit 2020

Das Buch Ana
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Zum Inhalt:
Ana kommt aus wohlhabenden Verhältnissen und lebt mit ihrer jüdischen Familie in Galiläa. Anders als die Frauen ihrer jüdischen Gemeinschaft, lernt sie Lesen und Schreiben. Sie beginnt heimlich, ...

Zum Inhalt:
Ana kommt aus wohlhabenden Verhältnissen und lebt mit ihrer jüdischen Familie in Galiläa. Anders als die Frauen ihrer jüdischen Gemeinschaft, lernt sie Lesen und Schreiben. Sie beginnt heimlich, die Geschichten der längst vergessenen Frauen, die in ihrem Leben viel Leid erlebt haben, niederzuschreiben. Überhaupt ist das Schreiben Anas große Leidenschaft und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihre Schriften eines Tages von Anderen gelesen werden. Doch dann soll sie plötzlich mit ihren grade mal 14 Jahren einen alten Witwer heiraten. Als sie diesem auf dem Markt von ihren Eltern vorgeführt werden soll, begegnet sie dort Jesus von Nazareth und verliebt sich in ihn. Bis sie zueinander finden, muss Ana jedoch einige Hürden überwinden.

Meine Leseerfahrung:
Sue Monk Kidd schafft mit diesem nahezu perfekt inszenierten historischen Roman, einer besonderen jungen Frau, die zwar fiktiv ist, aber so existiert haben könnte, eine Stimme und einen Platz in dieser Welt zu geben. Überhaupt Jesus eine Gemahlin an die Seite zu stellen, zeugt von höchster Courage und einem einzigartigen Können, dieser Geschichte ohne Schwächen gerecht zu werden. Auch wenn sich einige christliche Gemüter darüber aufregen könnten, hier geht es absolut nicht um die Entstehung des Christentums. Hier geht es vielmehr um die Geschichte einer starken jungen Rebellin, die auf ihre innere Stimme hört und sich ihre Stellung im Leben hart erkämpft. Jesus wird zeitweise völlig in den Hintergrund gedrängt und das ist auch gut so. Seine Geschichte ist bereits bekannt.

Wir werden zwar Zeugen seiner Gefühlswelt, seinem Verlangen, Gottes Ruf zu folgen, und seiner Kreuzigung, erleben die Geschehnisse allerdings nur insoweit mit, wie es Anas Sicht zulässt. Und das ist das Faszinierende an diesem Buch. Die Bibelgeschichte ist nichts Neues, Anas Leben und Handeln dagegen ist aufregend und belebend. Auch wenn es nur eine Fiktion ist, ist der Gedanke daran, dass so eine Persönlichkeit existiert haben könnte, überwältigend und erfüllt mich auf eine eigenartige Weise mit sehr viel Stolz. Dabei bin ich mir sicher, dass es auch viele bedeutende weibliche Figuren in unserer Vergangenheit den Weg in die Geschichtsbücher nicht gefunden haben, da sie schlicht und einfach Frauen waren. Umso mehr ist es wichtig, dass die Literaturwelt starke Frauen aufzeigt. Und solche Bücher müssen vermehrt gelesen werden, damit sich in unserer Gesellschaft endlich etwas ändert. Dafür muss allerdings in den Köpfen unserer Frauen eine absolute Veränderung erfolgen, damit jede für sich versteht, dass sie niemals nur ein Mensch zweiter Klasse sein kann.

Ana ist dermaßen lebensecht dargestellt, dass sie Vorbildqualitäten aufweist. Ich habe emotional mit ihr mitgelitten und an einigen sehr ergreifenden Stellen sogar Tränen vergossen. Wenn mich ein Buch dermaßen auf dieser Gefühlsebene trifft und aufrüttelt, dann zähle ich es zu meinen Lieblingsbüchern. Bereits nach den ersten 70-80 Seiten wusste ich, dass es sich hier um ein grandioses Werk handelt. Und ich bin überaus glücklich, durch dieses Buch zu der Autorin gefunden zu haben.

Fazit:
Sue Monk Kidd erzählt mit ihrer grandiosen Art von einer starken jungen Frau, die Jesus eine ebenbürtige Lebenspartnerin ist. Für mich ist "Das Buch Ana" eine absolut tief berührende Geschichte, von der ich mir von ganzem Herzen wünschte, sie wäre wahr. 

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Veröffentlicht am 14.08.2020

Ein etwas anderer Serienmörder

Bluthölle
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Zum Inhalt:
Angela ist ihres Erachtens die beste Taschendiebin in L.A.. Nach einem erfolgreichen Diebeszug gönnt sie sich einen abendlichen Drink in einer Bar, als ihr dort ein unfreundlicher Gast auffällt. ...

Zum Inhalt:
Angela ist ihres Erachtens die beste Taschendiebin in L.A.. Nach einem erfolgreichen Diebeszug gönnt sie sich einen abendlichen Drink in einer Bar, als ihr dort ein unfreundlicher Gast auffällt. Sein grobes und unhöfliches Verhalten gegenüber einem älteren Herrn will Angela auf ihre Art bestrafen und entwendet ihm kurzerhand die Aktentasche. Doch in dieser befindet sich nur ein ledernes Notizbuch, allerdings mit grauenvollen Eintragungen über einzelne Mordopfer und auf welche Weise diese sterben mussten. Angela sorgt dafür, dass das Buch anonym im Kriminallabor landet und so den Weg zu den Ermittlern Hunter und Garcia findet, die Angela jedoch schnell ausfindig machen können. Der bestohlene Serienkiller ist aber ebenfalls sehr ausgebufft und findet Wege, um die Diebin aufzuspüren. Hunter und Garcia müssen nun schnell handeln...

Meine Leseerfahrung:
"Bluthölle" ist der 11. Fall für die Ermittler Hunter und Garcia und viele Leser sind schon eingefleischte Fans von Chris Carter und inhalieren jedes einzelne seiner Bücher sogar mehrfach. Ich verstehe auch den Grund, denn sie sind einfach, unkompliziert und spannend geschrieben und gehören zu den schnell lesbaren Büchern mit viel Unterhaltungspotenzial. Kein Wunder, dass der neue Thriller direkt weit oben in den Bestsellerlisten eingestiegen ist. Für mich war es der erste Carter überhaupt, daher kann ich dieses Buch in keiner Weise mit den Vorgängerbänden vergleichen. Meine Bewertung beschränkt sich also einzig und allein auf "Bluthölle".

Ich habe diesen Thriller innerhalb weniger Tage beendet. Denn er ist ein absoluter Pageturner mit clever eingebauten Spannungsmomenten und Wendungen. Das Besondere an diesem Fall ist, dass die Morde bereits begangen worden sind und der Täter immer noch unertappt frei rumläuft. Die Opfer waren allesamt Vermisstenfälle, da die Leichen bisher nie aufgetaucht sind. Wenn Angela das Notizbuch nicht an sich genommen hätte, wäre die Polizei nie auf die Spur des Serienmörders gekommen. Denn dieser hat akribisch genau niedergeschrieben, um welche Opfer es sich handelt, wie er sie gefoltert und getötet hat und was mit ihren Leichen passiert ist. Am Ende greift Carter ein absolut aktuelles Thema auf und präsentiert uns eine ganz andere Art eines Serienmörders. Die Ermittlungsarbeit, die die Ermittler Hunter und Garcia liefern, ist solide aufgebaut und voller Denkanstöße und Informationen, wobei die Initiative meist von Hunter ausgeht. Garcia hingegen verblasst neben seinem Kollegen mit dem messerscharfen Verstand, was ich eher schade fand. Die Figur der Taschendiebin Angela fand ich im Übrigen sehr interessant und sympathisch. Es fühlte sich beinahe so an, als ob sie zum Team dazugehört und hätte daher eine etwas tragendere Rolle spielen können. Dennoch sind die Interaktionen und Dialoge sehr stimmig. Und die kurzen Kapitel halten den Spannungsbogen durchgehend oben. In Anbetracht dessen, dass der Autor bei  diesem Buch auf Grund des plötzlichen Todes seiner Lebensgefährtin erstmal eine Schreibpause einlegen musste und es schließlich mit sehr viel Mühe zu Ende geschrieben hat, sind die wenigen Schwächen des Plots völlig unbedeutend und absolut verständlich. Für mich war es das reinste Lesevergnügen, was Thriller anbelangt, so dass ich mir erstmal alle vorherigen Bücher von Carter auf meine Leseliste setzen werde. 

Fazit:
Chris Carter sorgt mit dem neuesten Fall für sein Ermittlungsteam Hunter und Garcia für eine willkommene Abwechslung in Sachen Mordserie mit einem hervorstechenden Serienkiller, der in Anbetracht des digitalen Zeitalters aktueller nicht sein kann. Ein faszinierender Plot mit perfekt inszenierten Spannungsmomenten und greifbar authentischen Figuren sorgen für ein unvergessliches Lesevergnügen. 

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