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Veröffentlicht am 15.07.2024

Die Kraft einer kleinen Gemeinschaft

Mitternachtsschwimmer
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Das Buch zieht schon rein äußerlich den Blick des Lesers an. Wie ein Leinwandölgemälde ist die dunkle bewegte Küste des Handlungsortes dargestellt. Zu diesem düsteren Erscheinungsbild passt auch zunächst ...

Das Buch zieht schon rein äußerlich den Blick des Lesers an. Wie ein Leinwandölgemälde ist die dunkle bewegte Küste des Handlungsortes dargestellt. Zu diesem düsteren Erscheinungsbild passt auch zunächst die Handlung des Buches. Sie zeigt Menschen im Ausnahmezustand, in einer tiefen Krise steckend. Doch die vermeintlich düstere Geschichte der Familie Morin zeigt, wie die Kraft einer kleinen, eingeschworenen dörflichen Gemeinschaft Vater und Sohn aus ihrer trauerbedingten Lethargie reißt und einen neuen Weg in die Zukunft aufzeichnet.

Jessie, die kleine Tochter der Morins, stirbt kurz vor der Coronapandemie. Jeder der verbliebenen Familienmitglieder- Vater, Mutter, Bruder- gibt sich die Schuld. Evan, der Vater, ist am Ende. Bei seiner Arbeit in seiner gemeinsamen Firma mit seinem besten Freund bringt er nichts mehr fertig. Zu Hause ist er dauerhaft mit den Vorwürfen seiner Frau konfrontiert, die ihn spüren lassen, dass er für den Verlust der Tochter verantwortlich ist. Er fühlt sich als Außenseiter gegen die vermeintliche Gemeinschaft von Mutter und Sohn, er fühlt sich als Versager.

Nachdem ihn sein Geschäftspartner und Freund eine Auszeit verordnet, packt er seine Koffer und mietet für eine Woche ein kleines Cottage im verschlafenen Örtchen Ballybrady an der irischen Küste. Dort trifft er auf eine verschworene, sehr eigenwillige Dorfgemeinschaft. Als er erste Kontakte mit Grace, seiner eigenwilligen Vermieterin, Becky, der ebenso eigenwilligen Betreiberin des Dorfladens und Frank, dem selbsternannten Bürgermeister geknüpft hat, überrascht ihn die Pandemie.

Lorna, seine Ehefrau, die eigentlich keinen Kontakt mehr mit ihm haben will, sieht sich gezwungen, den gemeinsamen Sohn Luca bei ihm abzuliefern. Sie ist als systemrelevante Person mit Vollbeschäftigung nicht in der Lage, das 8-jährige Kind ganztags zu versorgen. Sie braucht eine Beaufsichtigung für den Jungen. Also findet sich Evan plötzlich mit seinem Sohn und dessen Problemen allein auf unbestimmte Zeit in seinem einsamen Cottage am Meer.

Das Buch beschreibt die Kraft dieser kleinen eigenwilligen Gemeinschaft. Der taube Junge findet in den störrischen, eigenwilligen Frauen des Dorfes Verbündete, die ihn ohne Worte verstehen und akzeptieren. Der Vater lernt über die Dorfgemeinschaft, wie er mit seinem Sohn besser auskommt und gründet eine neue enge Beziehung zu seinem Sohn. Damit findet er auch einen Ausweg für sich und sein eigenes Leben.

Eine starke lebensbejahende Geschichte!

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Unkonventioneller Sex oder unkonventionelle Liebe?

Love, unconventionally
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Die hochintellektuelle Versicherungsmathematikerin Claire scheitert als Enddreißigerin immer wieder an der Liebe. Als ihre Mitbewohnerin aus der WG auszieht, sucht sie sich eine neue Mitbewohnerin. Sina ...

Die hochintellektuelle Versicherungsmathematikerin Claire scheitert als Enddreißigerin immer wieder an der Liebe. Als ihre Mitbewohnerin aus der WG auszieht, sucht sie sich eine neue Mitbewohnerin. Sina scheint erfrischend anders. Bis Claire hinter Sinas Geheimnis kommt, womit Sina sich und ihr Studium finanziert.

Claire ist schockiert und geht auf Abstand. Doch der sympathische Musikproduzent Leon, ein Freund Sinas, den Claire bei deren Einzug kennenlernte, eröffnet Claire verschiedene Blickwinkel auf die Problematik und ergreift Partei für Sina.

Claire beginnt ihre Moralvorstellung gegenüber der sexuellen Freizügigkeit ihrer neuen Freundin zu überdenken. Mit ihrer Öffnung gewinnt sie nicht nur die Sympathie von Leon sondern auch seine Liebe. Die Situation eskaliert als Claire überraschend herausfindet, dass Leon kein Musikproduzent ist, sondern in der selben Branche wie Sina als Produzent tätig ist.

Lola Joyce bietet mit diesem Buch eine gute Diskussionsgrundlage zu den Grenzen unserer sexuellen Freizügigkeit und zu deren Wertigkeit.

Allerdings kommt mir das Happy End für Claire und Leon etwas zu leicht daher. Das Leon Claire zu Beginn ihrer Bekanntschaft seinen wahren Beruf verschweigt, kann ich verstehen und das wäre auch verzeihbar. Viel schwerwiegender finde ich, dass er die Lüge aufrecht erhält, nachdem Sinas Tätigkeitsfeld aufgedeckt wurde und er mit Claire eine engere Beziehung eingeht. Spätestens jetzt hätte er ehrlich sein müssen. Dass Claire ihm diese schwerwiegende, anhaltende Lüge so leicht verzeiht, ist für mich nicht glaubhaft.

Ich habe mich für dieses Buch beworben, weil im Kladdentext die Ähnlichkeit zu Büchern von Ali Hazelwood und anderen bekannten Autoren erwähnt wurde. Ich liebe die Belletristik-Bücher von Ali (ihre zahlreichen wissenschaftlichen Werke auf ihrem Fachgebiet kann ich leider nicht beurteilen, dafür fehlt mir leider der Sachverstand). Titel und Cover des Buches sogar die Schreibweise erinnern sehr an die Werke von Ali Hazelwood. Sogar die vorherrschende Problematik der Hazelwood-Bücher "Begnadete Wissenschaftlerin kämpft mit den Unbillen des normalen Lebens oder der Liebe" findet sich hier wieder. Die Umsetzung des Themas bleibt jedoch nach meinem Dafürhalten weit hinter einem Hazelwood-Buch zurück. Es fehlte für mich die Leichtigkeit, die den Hazelwood-Büchern durchweg anhaftet bei der Abhandlung dieses Grundthemas.

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Veröffentlicht am 06.07.2024

Hyggeliger kurzer Wohlfühlroman fürs Herz

Mittsommercamp zum Verlieben
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Bea, eine junge Sekretärin aus Schwaben, wird nach 14 Beziehungsjahren von ihrem Verlobten Thomas betrogen und verlassen. Bei der Gütertrennung nach der langen gemeinsamen Zeit bekommt sie das geliebte ...

Bea, eine junge Sekretärin aus Schwaben, wird nach 14 Beziehungsjahren von ihrem Verlobten Thomas betrogen und verlassen. Bei der Gütertrennung nach der langen gemeinsamen Zeit bekommt sie das geliebte kleine Ferienhäuschen in Schweden und den gemeinsamen Van. Kurz entschlossen beschließt sie einen Neuanfang in Schweden zu wagen. Ohne konkrete Planung setzt sie sich in ihren Van und fährt zu ihrem Stuga in die schwedische Einsamkeit. Dort wird sie von der harten Realität eingeholt. Das stuga ist stark renovierungsbedürftig und der schwedische Arbeitsmarkt liegt in der Sommerzeit am Boden. Um die dringenden Reparaturen an ihrem Häuschen bezahlen zu können, heuert Bea kurzentschlossen in einem Feriencamp für vom Sozialamt betreute Kids aus Stockholm an.

Der Umgang mit den Jugendlichen mit den unterschiedlichsten Problemen und dem allseits bekannten Null-Bock-Syndrom der Jugend fällt der jungen Deutschen schwer. Sie fühlt sich schnell als Außenseiter. Doch der Umgang mit den Jugendlichen zeigt Bea bald, dass ihre Probleme keine sind im Vergleich mit den Problemen der Jugendlichen aus zerrütteten oder sozial schwachen Familien. Ihre eigenen Erinnerungen an die Zeit, als ihr Vater seine Familie verlies und die Zeit danach helfen ihr Zugang zu einzelnen Mädchen mit ähnlichen Problemen zu finden.

Und langsam arbeitet sich die nach Perfektion strebende junge Deutsche nicht nur in die Herzen einzelner Jugendlicher sondern auch in das Herz von Ed, dem Wikinger ähnlichem Leiter des Sommercamps.

Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen, konnte es kaum noch aus der Hand legen. Als Schweden-Fan meinte ich manchmal den typischen Zimtgeruch der Kanelbullar zu riechen. Nebenbei lernt man noch einige schwedischen Sprachwendungen und Vokabeln.

Ein toller Wohlfühlroman mit einigen ernsten Themen vor der Kulisse der wunderschönen schwedischen Natur mit sehr schönem Happy End:

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Heimweh nach Griechenland

Die verheimlichte Tochter
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Der dritte Teil der Töchter-Reihe von Soraya Lane führt erneut in ein anderes Land. Nach Italien und dem vorrevolutionären Kuba geht es dieses Mal in das Griechenland zum Ende der Monarchie.

Alexandra, ...

Der dritte Teil der Töchter-Reihe von Soraya Lane führt erneut in ein anderes Land. Nach Italien und dem vorrevolutionären Kuba geht es dieses Mal in das Griechenland zum Ende der Monarchie.

Alexandra, die wohlbehütete Tochter aus einem königsnahen Haus, verliert mit 12 Jahren ihre geliebte Mutter. Bald darauf überrollen die politischen Geschehnisse in ihrem Heimatland die trauernde Familie. Gemeinsam mit dem Vater muss sie ihr geliebtes Griechenland verlassen und wird von ihrem Vater bei ihrer Tante in London untergebracht und - vergessen!

6 Jahre später hat der Vater das ins Ausland gerettete Vermögen verprasst und besinnt sich seiner Tochter, die er nun gut verheiraten will, um auch seine eigene Existenz abzusichern. Doch Alex ist bereits schwanger von ihrer großen Liebe Bernard, einem mittellosen Musiker. Ihr Traum von einer gemeinsamen Karriere beim Londoner Luminary Ensemble platzt mit der Schwangerschaft. Wird diese Schwangerschaft auch ihre Liebe zerstören? Alex gerät ins Zweifeln und unter den Einfluss ihres diktatorischen Vaters. Sie wird ein Fall für Hopes House....

Fünfzig Jahre später erhält die Londoner Galeristin Ella ein Holzkästchen mit den Hinweisen auf die biologischen Eltern ihrer Großmutter, die anscheinend ein Adoptivkind war. Diese führen sie nach Griechenland. Auf ihrer Suche findet sie nicht nur überraschender Weise eine neue Großmutter sondern auch die Liebe ihres Lebens und ihre eigentliche Bestimmung im Leben.

Das Buch erzählt in zwei Parallelhandlungen vom Leben der Großmutter Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts und von der Suche der Enkelin in der Gegenwart. Der dritte Teil wird zum Spiegelbild einer historisch interessanten Zeit des jeweiligen Landes und gleichzeitig ein Abbild der damaligen Rechte und Probleme junger schwangerer Frauen.

Mir hat dieser Teil noch besser gefallen als die ersten beiden Teile, obwohl ich das nicht für möglich hielt. Eine Frage blieb für mich allerdings offen. Sind Alexandra und Bernard in ihren beiden "Erst"-Ehen wirklich beide kinderlos geblieben? Das erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Ansonsten würde Ella nach dem Unfalltod ihres geliebten Bruders ja noch Familienzuwachs bekommen...

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Veröffentlicht am 20.06.2024

Kann denn Freundschaft Liebe sein?

Sweet Valentine / Eine Freundschaft gefüllt mit Liebe
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Erneut erzählt Heidi Troi eine weitere Liebesgeschichte aus der Stadt der Liebe, aus Valentine. Zur Abwechslung handelt die Geschichte mal von der Liebe zwischen zwei Frauen.

Jenna und Jamie sind Freundinnen ...

Erneut erzählt Heidi Troi eine weitere Liebesgeschichte aus der Stadt der Liebe, aus Valentine. Zur Abwechslung handelt die Geschichte mal von der Liebe zwischen zwei Frauen.

Jenna und Jamie sind Freundinnen seit Grundschulzeiten. Heute arbeiten die beiden Freundinnen gemeinsam im Heimatmuseum des Städtchens. Seit der unseeligen Wette der Cousins und Cousinen der familien Walsh/Foster verstärkt Jenna ihre Bemühungen, bis zum diesjährigen Thanksgiving "ihren " Mann fürs Leben zu finden. Durch ihren hohen Männerverschleiß leidet nicht nur ihr Ansehen in ihrer Heimatstadt sondern auch Jamie. Denn Jamie hat schon vor Jahren erkannt, dass sie nicht auf Männer steht. Ihr größter Herzenswunsch ist ihre beste Freundin Jenna.

Die aktive Rentnergang um Mrs Marsh überrascht mich dieses Mal sehr positiv. Nachdem sie zunächst Jenna mit ihren bissigen Bemerkungen stark beleidigen, sind sie schließlich die Retter in der Not. Und sie überraschen nicht nur Jenna sondern auch die Leser mit ihrer unerwartet offenen Einstellung zur gleichgeschlechtlichen Liebe.

Absolutes Highlight des Buches ist die gemeinsame Fahrt von Jenna mit den drei Rentnern nach New York. Sie bringt nicht nur das Happy End sondern bringt letztendlich noch etwas Humor in die zuvor doch eher traurige Geschichte.

Schade, dass ich mich schon wieder verabschieden muss. Es fällt mir von Buch zu Buch schwerer, Valentine zu verlassen. Aber mit dem Herzen bleiben wohl alle Leser dort.

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