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Veröffentlicht am 29.08.2025

Dunkle Geheimnisse auf Borkum

Der Sommer am Ende der Welt
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Hopeandlivevor ein paar Sekunden
Im August macht sich die junge und alleinerziehende Journalistin Hanna mit ihrer Tochter Katie auf eine Reise nach Borkum. Hanna plant eine Recherchereise und möchte die ...


Hopeandlivevor ein paar Sekunden
Im August macht sich die junge und alleinerziehende Journalistin Hanna mit ihrer Tochter Katie auf eine Reise nach Borkum. Hanna plant eine Recherchereise und möchte die freien Tage nutzen um entspannte Zeit mit ihrer Teenagertochter zu verbringen, zwei Vorhaben, die jede für sich es in sich haben. Die Recherchereise bezieht sich auf die Erlebnisse der vielen Verschickungskinder im damaligen Nachkriegsdeutschland, meist aus ärmeren Familien, die damals in großer Zahl in Kurheime in ganz Deutschland verschickt wurden um wieder aufgepäppelt zu werden. Auch Hannas Mutter war ein solches Verschickungskind und nachdem sie nach langer Zeit ihr Schweigen gebrochen und Hanna von ihren Erlebnissen erzählt hatte, war Hannas journalistischer Spürsinn geweckt und sie plant einen Artikel über die teilweise fürchterlichen und traumatischen Erfahrungen, die die Kinder in den 1960er-Jahren machen mussten. Hanna nimmt mit weiteren Betroffenen Kontakt auf und es öffnet sich ein wahrer Schlund an, was sich in diesen Heimen abgespielt hat, die nicht von allen Betreibern zum Wohle der Kinder eröffnet wurden.

Auf Borkum angekommen macht Hanna sogleich Bekanntschaft mit dem attraktiven Inselarzt Ole, der sich wie schon sein Vater und sein Großvater dem gesundheitlichen Wohl der Insulaner und der Besucher der Insel verschrieben hat und es beginnt eine romantische Liebesgeschichte, die jedoch getrübt wird, als Hanna herausfindet, dass Oles Familie tief in den Fall verstrickt war.

Auch in dem neugebauten Fünf-Sterne-Hotel, in dem Hanna und Katie untergebracht sind, gehen merkwürdige Dinge vor. Hanna wird ein geheimes Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin zugespielt, die jedoch unauffindbar zu sein scheint und dass Katie sich in den Sohn der abgekühlt scheinenden Hotelbesitzerin verliebt hat, trägt auch nicht gerade zur Klarheit und Entspannung bei. Je mehr sich sowohl Hanna als auch Katie auf die Suche nach der Wahrheit begeben, umso mehr begeben sie sich in Gefahr.....

Eva Völler ist eine gute Mischung aus Historie, Krimi und Liebesgeschichte gelungen, die ein wirklich dunkles Kapitel aus Deutschlands Nachkriegsgeschichte beleuchten. Kinder wurden von ihren Eltern im guten Glauben in eine Erholungskur geschickt und wurden dort teilweise für ihr Leben traumatisiert. Da die Wurzeln der Betreiber sich teilweise bis ins Dritte Reich ausstreckten, kann man sich ungefähr vorstellen, was die Kinder dort erleben mussten. Meine Mutter wurde auch verschickt und hat Gott sei Dank nur schöne Erfahrungen gemacht, doch für die Kinder, die dieses Glück nicht hatten, tut es mir wirklich sehr leid und ich hoffe, sie können diese schrecklichen Ereignisse für sich verarbeiten und hinter sich lassen.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Für jeden Menschen eine Wille und die Schönheit der Quallen

Der Garten der kleinen Wunder
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Toja, eigentlich Viktoria, lebt in einem schönen alten Haus mit einem wunderschönen und individuell angelegten Garten, in dem es sehr viel zu sehen und zu erleben, nicht nur die Pflanzen sind zu bestaunen, ...

Toja, eigentlich Viktoria, lebt in einem schönen alten Haus mit einem wunderschönen und individuell angelegten Garten, in dem es sehr viel zu sehen und zu erleben, nicht nur die Pflanzen sind zu bestaunen, auch die originell hergestellten Gefährten, die den Garten auf eine außergewöhnliche Art und Weise bereichern. Toja ist Illustratorin für Buchumschläge und setzt ihre Ideen sehr gerne in der Stille ihres Gartens um. So gelingt es ihr ihre Gedanken in Bilder umzuwandeln und auszudrücken und genau das Richtige für das jeweilige Buch zu finden. In diesem Haus und und in diesem Garten hat Toja nach einer Lebenskrise wieder zu sich gefunden. Den Anstoß dazu verdankt sie Wille mit ihrem dröhnenden Lachen und deren Liebe zu der Schönheit von Quallen, was das miteinander zu tun hat, darf erlesen werden:) Neben Toja lebt auch Bär mit im Haus und bereichert es mit Musik und gesunden kulinarischen Genüssen. Bär sieht nicht aus wie ein Bär, doch er durfte auch viel von den Quallen lernen....

Eines Tages entdeckt Toja, während sie in der Stille des Gartens kreativ arbeitet, ein junges Mädchen, dass sie über den Zaun hinweg beobachtet. Das zarte Mädchen heißt Vica, eigentlich Viktoria, und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit, die sie miteinander teilen. Denn in Vica erkennt sich Toja wieder, sie wird an die Schatten ihrer Vergangenheit erinnert und an dieses einengende Gefühl des "Nichtrichtigseins". Sowohl Toja als auch Vica sind leise Menschen, teilweise sehr leise Menschen, die einen anderen Zugang zur Welt und anderen Menschen haben, ein besonderes Einfühlungsvermögen besitzen und wesentlich mehr wahrnehmen als sie verarbeiten können. Darum die Stille, zum Sortieren, zum Erden, zum Klarwerden um wieder hören zu können, um wieder Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen und den eigenen Weg zu finden.

Toja und Vica erleben diesen verwunschenen Garten jeder auf seine Art und Weise, Vica beginnt aufzublühen und ihren Garten zu finden und zu bepflanzen, Toja und auch Bär genießen den Garten und die schönen und auch traurigen Erinnerungen an Wille, diesen besonderen Menschen, der bis zuletzt Leben und Freude verströmt hat. Doch auch für Vicas Vater wird dieser Garten mit seinen leisen und kraftvollen Bewohnern eine Bereicherung und ein Türöffner für ein neues Leben.

Patricia Koelle-Wolken hat einen ganz wunderbar leisen und doch kraftvollen Roman über die leisen Weltveränderer geschrieben und mich hat so vieles an dieser feinen Geschichte berührt, bewegt und bestätigt, dass ich sie einfach nur weiterempfehlen kann, denn sie öffnet den Blick und die Sinne für die leisen Menschen und auch für die lauten Menschen, die das Leise in eine Ecke geschoben haben und mit dieser Geschichte eine Chance bekommen, mal auf das Leise zu hören und zu schauen. Aber wer das nicht mag, der gehe doch einfach mal in den Zoo und schaue den Quallen zu, vielleicht mit diesem Buch in der Tasche und ein wenig Zeit die Stille zu genießen.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Bei mir findest du Ruhe

The Chosen: Bei mir findest du Ruhe
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Wir sind mittlerweile im dritten Band der Reihe "The Chosen" angekommen, die nahtlos an den zweiten Band anschließt. Der Autor Jerry B. Jenkins versteht es den Leser mit in das biblische Geschehen im Neuen ...

Wir sind mittlerweile im dritten Band der Reihe "The Chosen" angekommen, die nahtlos an den zweiten Band anschließt. Der Autor Jerry B. Jenkins versteht es den Leser mit in das biblische Geschehen im Neuen Testament mit hineinzunehmen und hat wieder viele fiktionale Elemente hinzugefügt. Wie dem auch sei, es regt den Leser auf jeden Fall an mehr in seiner Bibel zu lesen und nachzuforschen.

In diesem Band erleben wir wie die Jünger und ihre Familien im Fokus stehen, ihre Sorgen und Nöte, ihre Hintergründe und durch die fiktionalen Verwebungen nehme ich die Namen der Genannten in meiner Bibel anders war und lese noch einmal genauer nach. Die Jünger sind nun komplett und der Autor versteht es jedem einen unverwechselbaren Charakter einzuhauchen. Egal ob wir von Matthäus, Philippus, Johannes und Jakobus, Simon Petrus, seiner Frau Eden und Andreas, seinem Bruder lesen, alle sind sehr lebendig und liebevoll gezeichnet, auch die Frauen, die mit Jesus gehen von Maria Magdalena und andere. Wir erleben die Menschen um Jesus herum und gehen mit ihnen durch ihre Höhen und Tiefen, denn nach der ersten Begeisterung über den Messias heißt es jetzt Nachfolge und Heiligung, die Jünger werden mit ihren Schatten und ihrer Vergangenheit immer wieder konfrontiert und sehen sich aufgefordert es mit Jesu Augen zu betrachten und ihm nachzufolgen.

Wir werden mit in das Geschehen der Speisung der Fünftausend mit hineingenommen, erleben die dramatische Geschichte um die Auferweckung von Jairus Tochter mit und die Aussendung der zwölf Jünger und was diese Herausforderung für sie bedeutet. Auch einige Gleichnisse kommen in diesem Band zur Sprache und dank der Fantasie des Autors erleben wir mit wie Simon mit einem Centurio die Zisterne eines Dorfes repariert. Das nehme ich gerne mal als schmückendes Beiwerk. Natürlich sind auch viele Pharisäer wieder vertreten und römische Herrschende, manche sehr ablehnend, manche suchend wenn auch heimlich.

Die Chosen Reihe ist auf jeden Fall interessant zu lesen, Wachsamkeit ist geboten, denn nicht alles ist biblisch und kann ein Türöffner für den Glauben und Gottes Wort sein.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Wir brauchen für die Zukunft unsere Erinnerung

Stay away from Gretchen
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Wir befinden uns im Jahr 2015 in Köln. Der beliebte Nachrichtenmoderator Tom Monderath, herrlich selbstverliebt von der Autorinwir dargestellt, wird von seinen persönlichen Höhenflügen von seiner hochtbetagten ...

Wir befinden uns im Jahr 2015 in Köln. Der beliebte Nachrichtenmoderator Tom Monderath, herrlich selbstverliebt von der Autorinwir dargestellt, wird von seinen persönlichen Höhenflügen von seiner hochtbetagten Mutter Greta in die Realität wieder geholt, denn er stellt mit Erschrecken fest, dass Greta immer mehr in die Demenz abdriftet und dadurch mehr auf seine Hilfe angewiesen ist, die sie jedoch vehement ablehnt. Eine Entwicklung, die wohl viele Menschen mit ihren dementen Eltern oder Partnern machen.

Das erstaunliche an dieser Entwicklung ist, dass Greta anfängt aus ihrem Leben zu erzählen und Tom, dessen Verhältnis zu seiner Mutter bis dahin als kompliziert bezeichnet werden könnte, erfährt von ihrer Kindheit und Jugend in Ostpreußen und von der schrecklichen Flucht im eisigen Winter zu Verwandten in Heidelberg, das von den Amerikanern besetzt war. Greta wächst zu einer schönen jungen Frau heran und macht die Bekanntschaft mit Bob, einem amerikanischen GI wie viele junge Frauen damals, doch bei Bob gibt es einen Unterschied....

Tom, der nah an der aktuellen Berichterstattung der nicht enden wollenden Flüchtlingsströme aus Syrien dran ist und mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Flüchtlingsheim besucht, bekommt ein anderes Bild von Flucht, denn das Trauma seiner eigenen Familie erwacht zunehmend und Greta, die jeden Abend vor dem Fernseher sitzt um ihren Sohn zu sehen, kann die mit Mühe weggeräumten Erinnerungen nicht mehr länger im Verborgenen halten. Als jedoch ein Foto auftaucht mit Greta und einem kleinen Mädchen mit dunkler Hautfarbe verstummt Greta und ab diesem Zeitpunkt ist für Tom nichts mehr wie es mal war....

Susanne Abel nimmt uns auf eine unnachahmliche Weise mit in die Welt des Vergessens und in die Dinge, die sich einfach nicht vergessen lassen. Sie zeigt uns einen Teil deutscher Geschichte, der wie so viele mehr als beschämend ist und wir lesen wie Tom in der Gegenwart forscht und handelt, erleben mit wie sich sein egozentrischer Charakter beginnt zu wandeln, herrlich erzählt und wir lesen mit Greta, wie sie eine geliebte Welt für immer verlassen muss, eine Welt, die nie mehr wiedergekommen ist. Wir lesen, wie einfach es damals war, die Jugend zu beeinflussen und das hat sich bis heute nicht geändert. Diese Geschichte von 2015 zu lesen und die Worte "Wir schaffen das" wieder im Ohr zu haben, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack bei mir. Susanne Abel ist es sehr gut gelungen, die Geschichte der "Brown Babies" aufzugreifen und die unrühmliche Rolle der jungen Bundesregierung dazu. Doch auch bei den Amerikanern war es nicht viel besser, konnten sich doch GIs mit dunkler Hautfarbe in Deutschland ohne große Repressalien mit weißen deutschen Frauen treffen, vorausgesetzt sie kamen ihren weißen Kollegen nicht in die Quere, jedoch in ihrer Heimat hatten sie dabei das Schlimmste zu befürchten. Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen, sehr gut recherchiert, auf einige vulgäre Ausdrücke hätte verzichtet werden können, jedoch haben sie zur Person des Tom gepasst. Auch Greta ist auf sehr feine Art beschrieben und auch ihr seelisches Leid aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse. Eine Geschichte, die unseren aktuellen Politikern gut stehen würde zu lesen, vielleicht würden dann einige Entscheidungen anders ausfallen.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Ein Haus hat etwas zu erzählen...

Treppe aus Papier
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Hopeandlivevor ein paar Sekunden
Ein sehr altes Haus mitten in Berlin mit mehreren Stockwerken beginnt zu erzählen. Diese Idee hat hat mich bei der Inhaltsangabe schon fasziniert. Auch das Cover finde ...


Hopeandlivevor ein paar Sekunden
Ein sehr altes Haus mitten in Berlin mit mehreren Stockwerken beginnt zu erzählen. Diese Idee hat hat mich bei der Inhaltsangabe schon fasziniert. Auch das Cover finde ich sehr gelungen, denn es zeigt ein Zimmer, dass wie eine Matroschka-Puppe immer kleiner wird und offenbart, dass sich in einem und demselben Zimmer viele Geschichten zu verschiedenen Zeiten abgespielt haben. Das Haus mit seinen Mauern, Treppen, Dielen, Ritzen, Kanälen und Rohren ist sehr aufmerksam und hat alles gespeichert. Es gibt dem Leser einen Einblick in die verschiedenen Jahrzehnte und ihre jeweilige Geschichte.

Der Autor lässt und verschiedenen Menschen begegnen. Da ist auf der einen Seite Irma mit ihren 90 Jahren, die schon als Kind im ersten Stock mit ihren Eltern gelebt hat und die NS-Zeit als Kind miterlebte. Trägt man schon als Kind in dieser Zeit eine Verantwortung, diese Frage stellt sich Irma immer wieder und durch Nele, die ihre Pubertät mit allen Höhen und Tiefen erlebt und mit ihrem Hund und ihren Eltern im vierten Stock lebt, wird sie auf eine neue Weise damit konfrontiert. Denn Nele bekommt ein ganz spezielles Geschichtsprojekt und beginnt zu verstehen, dass die Zukunft einer Erinnerung bedarf um Vergangenheit zu verarbeiten. Nele beginnt die Stufen der Geschichte hinabzusteigen und hat doch mit den Herausforderungen der Gegenwart auf eine besondere Weise zu kämpfen.

Der Autor versucht Geschichte auf eine besondere Art und Weise lebendig werden zu lassen und phasenweise hat mir die Geschichte auch durch die besondere Sichtweise des Hauses und seine Sprache gut gefallen und in einigen Kapiteln hat er den Menschen, die dort gelebt haben noch einmal Raum und Sprache gegeben. Doch immer wieder wurde der Fluss des Lesens für mich gestört, weil er einfach zu viel reingepackt hat und dann doch zu einseitig berichtet hat. Irma, Nele und auch Ruth sind sehr treffen dargestellt, ich konnte sie mir in den Räumen vorstellen und das Haus hat mir auch sehr gut gefallen. Doch warum Nele eine Beziehung ganz gemäß des Zeitgeistes in dieser Geschichte erleben musste, fand ich überfrachtend. Leser der Political Correctness mögen es gut finden, doch ich fand es unpassend wie so einiges andere auch. Dennoch werde ich mir alte Häuser ab sofort mit einem anderen Blick anschauen.

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