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Veröffentlicht am 20.10.2025

Wenn Drachen erwachen ...

Palineas: Zweites Buch - Aufstieg
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Drachen erwachen aus ihrem ewigen Schlaf und richten nichts als Tod und Zerstörung an. Die Bannkette wird gestohlen und niemand weiß so recht, wie das hat geschehen können. Und dann ist da noch Alprey, ...

Drachen erwachen aus ihrem ewigen Schlaf und richten nichts als Tod und Zerstörung an. Die Bannkette wird gestohlen und niemand weiß so recht, wie das hat geschehen können. Und dann ist da noch Alprey, der ein doppeltes Spiel zu spielen scheint ...

Wer eine Geschichte mit viel packender Action erwartet, der wird hier fündig. Action gibt es viel, von Kämpfen über Verfolgungen bis zu Entführungen durch die Luft. Hackel kann all das schreiben und er tut es auch. Was dabei herauskommt ist ein packender Roman.

Aber ... hier komme ich wieder mit dem erhobenen Zeigefinger, ich weiß. Leser sollte wissen, worauf er/sie sich einlässt. Ich würde nicht unbedingt behaupten, Band 1 ist notwendig, ich zumindest kannte ihn nicht (was ich demnächst nachzuholen gedenke), aber ich war vor allem im ersten Teil des Buches mehr als froh über das Personenregister am Ende des Bandes, an dem ich mich entlanghangeln konnte. Es sind so viele Personen an der Handlung beteiligt, dass einem leicht der Kopf zu schwirren beginnt. Dazu sind einige Namen einander so ähnlich (okay, zwei Namen, ich geb's zu, es sind zwei Namen, die ich immer wieder durcheinanderwarf), dass das zu Verwirrung führt.

Das ist allerdings auch schon meine ganze negative Kritik, sofern man sie negativ nennen kann. Eine schiere Überzahl an Personen kann ich schwerlich als böse bezeichnen. Und all diese Personen sind offensichtlich wichtig, vielleicht nicht für diesen Teil, wohl aber für den nächsten, der den Abschluss der Trilogie bilden wird.

Was erwartet den Leser also? Eine Menge spannender Handlung mit nachvollziehbaren Charakteren, entweder das, oder sie sind Enigmas in sich, was wohl auch so gedacht ist. Palineas selbst hat seine Kraft noch nicht vollständig unter Kontrolle, was immer wieder hervorkommt, wenn er schläft. Ein Charakter, der sowohl Licht wie auch Dunkelheit verkörpert ist an sich gesehen schon interessant, dieser Junge ist es wirklich. Ich würde gern wissen, wer nun was ist in seinem Leben, denn Dinge stimmen hier und da nicht richtig. Aber, wie gesagt, das ist augenscheinblich auch so gewollt vom Autoren.

Der Weltenbau ist schlüssig in sich und ich kann es kaum erwarten, mehr darüber herauszufinden. Allein das Konzept der Drachen ist interessant. Wieder einmal nicht die feuerspeienden Monster, die wir alle in Game of Thrones gesehen haben, sondern empfindungsfähige Wesen mit ihrer eigenen Magie. Okay, empfindungsfähig bis zu einem bestimmten Punkt offensichtlich, wenn ich mich speziell an eine Szene erinnere, einen Kampf zwischen einem Drachen und einer Hüterin.

Was mich wirklich faszinierte war der offensichtlich tief verwurzelte Hass auf Elfen unter den Menschen. Dass Elfen in vielen Romanen gern auf Menschen hinabsehen ist alt bekannt. Hier scheint allerdings die Mehrzahl der Spitzohren helfen zu wollen, während die Menschen in ihnen eine Bedrohung oder Abschaum sehen. Offensichtlich gab es vor nicht allzu langer Zeit Krieg zwischen den beiden Rassen, den die Elfen am Ende für sich entschieden haben. Aber, wie gesagt, ich habe nicht einen Elf oder eine Elfe im Roman gefunden, die nicht versuchten, wenigstens zu helfen. Mag sein, weil man sich in den von Menschen besiedelten Gebieten aufhielt, ich weiß es nicht. Ich fand es nur eigenartig und hoffe, wenn ich Band 1 in die Finger bekomme, dass sich das Rätsel lösen lässt.

Ich nahm mein Fazit eigentlich vorneweg hier, doch ich bleibe dabei: ein guter Roman mit einer guten Portion Action und jeder Menge Spannung.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Willkommen in Lythraia

Was im Schwarz gedeiht
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Ardis lebt auf der Straße, nachdem ihre Eltern sie auf selbige gesetzt haben. Nicht weil sie rebellisch war, sondern weil sie ... anders ist. Ardis verfügt über eine Gabe, sogar eine verbotene Gabe, die ...

Ardis lebt auf der Straße, nachdem ihre Eltern sie auf selbige gesetzt haben. Nicht weil sie rebellisch war, sondern weil sie ... anders ist. Ardis verfügt über eine Gabe, sogar eine verbotene Gabe, die sie das Leben, oder zumindest den Verstand kosten könnte. Dann begegnet sie Armand, der mit seiner Adeptin Kat in der Stadt unterwegs ist. Armand bietet ihr eine Chance. Die Chance auf ein neues Leben, das Leben einer Magi.

Doch der Preis für dieses Leben ist hoch und Ardis ist unerfahren. Wird sie die Ausbildung im Turm überstehen?

Die Fantasywelt, in der Verhoeven ihre Leser entführt, ist alles andere als das übliche. Sicher, es gibt Zauber und Ritter, Magie und Schwert. Aber alles ist düster, wie verdorben. Man hat nur die Wahl zwischen schlecht und noch schlechter. Das Leben gleicht der Wildnis: nur der Stärkste überlebt. Wer zu zartfühlend ist muss sich entweder schnellstens einen Panzer wachsen lassen, oder er stirbt.

Wenn ich sage "nicht das übliche" und "düster", so meine ich das keineswegs negativ, ganz im Gegenteil. Es ist eine andere Sicht auf die Fantasy, die sich hier bietet. Eine Sicht, die eher auf das Dunkel in uns gerichtet ist statt auf das Licht. Eine Welt, in der Korruption herrscht und die Schwachen ausgebeutet werden und die Reichen immer und immer reicher werden auf den Buckeln der Armen. Klingt bekannt? Ja, stellenweise erwuchs in mir das Gefühl, dass Verhoeven der realen Welt den Spiegel vorhält mit ihrem Werk und einem System, das so gebrochen ist, dass es nur noch mit Mühe funktioniert.

Die Charaktere sind glaubhaft geschildert. Man erlebt die Geschichte aus Adris' Sicht, fühlt ihren Schmerz, ihren Hochmut, ihre Wut und ihre Trauer. Wie sie darum kämpft, die Kontrolle zu gewinnen, frei zu sein. Jede Stufe, die sie erreicht und hofft, endlich aus dem engen Gefängnis ausbrechen zu können, muss sie begreifen, dass sie sich nur in einem etwas größeren, etwas luxuriöseren Gefängnis bewegt. Dabei sollte sie doch als Magi mächtig sein, oder nicht?

Da liegt eines der Probleme: Den Magi wurden vor Urzeiten Beschränkungen auferlegt, die sie quasi zu Zuschauern degradieren. Sicher könnten sie helfen, doch sie dürfen nicht, oder sie riskieren ihr eigenes Leben dabei. Und am Ende ist man sich selbst der nächste, nicht wahr?

Ardis gegenüber wird der junge Ritter Garvan gestellt. Auch aus seiner Sicht erlebt man das Geschehen. Garvan, Sohn und Neffe von zwei verurteilten Verrätern, versucht sein bestes, um in dem winzigen Teil der Grafschaft, die ihm geblieben ist, verantwortungsvoll zu handeln und die Menschen, die unter seinem Schutz stehen sollten, auch wirklich zu schützen. Hilfe seines Barons erhält er nicht, wird von diesem statt dessen lächerlich gemacht vor dem versammelten Hofstaat. Was bleibt Garvan am Ende? Seine Untertanen sind in Gefahr, seine Cousine wird als Geisel festgehalten. Er trifft eine Entscheidung - und muss mit den Konsequenzen leben.

So geht die Handlung voran. Als Leser will man mehr als einmal die Protagonisten anbrüllen für ihre Entscheidungen, für ihr Hadern oder ihre vorschnellen Handlungen, die sie immer tiefer und tiefer in das Machtgewirr dieser Welt treiben. Gleichzeitig ist man fasziniert darüber, wie viel da noch kommen mag, was die nächste Katastrophe ist.

Dieser Roman ist keine leichte Lektüre, beiweitem nicht. Aber er ist überaus spannend und in einer wirklich gut entwickelten Welt spielend. Zu Anfang hatte ich Bedenken, nachdem ich etwas von Rollenspiel las (wobei es auch durchaus gute Rollenspielromane gab und gibt). Was ich dann allerdings fand war ein schwarzer Diamant, so facettenreich, dass ich es kaum glauben konnte.

Ein verstörend packender Roman, der in keinem Fantasy-Regal fehlen sollte. Vor allem in solchen, die durchdachte Handlungen, düsteres Setting und tiefe emotionsnale Einblicke mögen. Grandios!

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Ein warmherziger kleiner Katzenkrimi

Alle Jahre wieder mit Elvis
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Nein, nicht der. Der schwarz-weiße Kater Elvis ist gemeint. Der lebt nämlich ein abenteuerliches Leben mitten in der Stadt und löst nebenbei Mordfälle - wenn er nicht gerade Rakete fliegt ...

Ein Mord ...

Nein, nicht der. Der schwarz-weiße Kater Elvis ist gemeint. Der lebt nämlich ein abenteuerliches Leben mitten in der Stadt und löst nebenbei Mordfälle - wenn er nicht gerade Rakete fliegt ...

Ein Mord passiert und die Ermittlungen laufen. Doch die Polizei ist nicht so schnell wie die Samtpfoten vovn nebenan. Kater Elvis ermittel in seinem zweiten Fall, mitten in der Adventszeit, was einem schon mal das Weihnachtsfest vermaseln kann. Damit das nicht passiert, versucht Elvis alles, um den Täter zu finden.

Ja, ich liebe Katzenkrimis seit ich damals, beinahe scheints wie in einem anderen Leben, Felidae in die Finger bekam. Ich hab die ganze Reihe durchgelesen und bin immer noch ein Fan von Francis und seinen Abenteuern. Ich versuchte mich auch an einigen anderen Fellnasen-Krimis, doch meist ist dort die Rolle der Katze als ein Nebenher zusammengeschrumpft, keine so tragende Rolle wie in Pirinccis Büchern. Irgendwann gab ich auf - bis ich bei Lovelybooks auf eine kleine Leserunde stieß, die ich zuerst mindestens zehnmal übersehen hatte. Ich bewarb mich so ziemlich in letzter Sekunde und hatte tatsächlich Glück - im doppelten Sinn. Elvis ist nicht nur ein Stand-in, damit man den Roman zum Katzenkrimi erklären kann, nein, er hat die tragende Rolle.

Aber im einzelnen: Ein Mord geschieht im Nachbarhaus. Elvis und seine Freundin, die Kätzin Chloe, erfahren davon. Erst einmal nichts ungewöhnliches, Morde passieren immer mal wieder. Doch der Mord geschah gerade in dem Haus, dass Kater Oskar seit Monaten beobachtet - weil er spannend findet, was die Menschen so treiben. Das weckt natürlich Elvis' Neugier und bald ist er mittendrin in den Ermittlungen.

Eines ist mir sofort im ersten Kapitel aufgefallen, mit wie viel Warmherzigkeit die Autorin hier zu Werke geht. Jede Katze hat ihre eigenen Persönlichkeit und es gibt kein Fauchen und auch keine Revierkämpfe (wie sie regelmäßig unter meinem Balkon stattfinden). Die Katzen sind eine weit verstreute, aber eingeschworene Gemeinschaft. Fragt einer, helfen die anderen. So ist Elvis in der Lage, mit seinen Ermittlungen voranzukommen.

Was auch lobend erwähnt sein sollte ist der herrliche Humor, mit dem der Roman gewürzt wurde. Man hat die entsprechenden Szenen im berühmten Kopfkino und lacht herzlich mit, wenn Elvis sich in einen McDonald's schleicht und sich unter der Friteuse versteckt, um mitlauschen zu können. Ja, Katzen quetschen sich in das kleinste Loch, darin sind sie groß. Nur manchmal ist das Loch dann doch zu klein ... Lassen wir das, ich könnte da einige Schoten von mir geben über meine beiden verstorbenen Fellnasen.

Was mir ebenso gefiel waren die eingesponnenen Kapitel, die aus der Sicht der verschiedenen Verdächtigen geschrieben wurden. So bleibt es spannend bis zum Ende, denn diese Gedanken könnten allesamt auch von einem Täter gesponnen worden sein, der sich vielleicht gerade einreden will, geistig umnachtet gewesen zu sein.

Alles in allem bleibt ein warmherziger kleiner Roman, der mehr Aufmerksamkeit verdient. Nicht nur empfehlbar zur Weihnachtszeit, doch ich denke, meine diesjährige Adventslektüre wird bereichert werden durch ein zweites Lesen.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Als der Indische Ozean der Wilde Westen war

Im Bann der Freibeuter
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Richard Kreutzner wächst als einziger Sohn eines reichen Minenbesitzers ein wenig weltfremd heran. Sein größter Wunsch ist es, Bibliotheka zu werden, doch sein Vater hat andere Pläne: Richard soll die ...

Richard Kreutzner wächst als einziger Sohn eines reichen Minenbesitzers ein wenig weltfremd heran. Sein größter Wunsch ist es, Bibliotheka zu werden, doch sein Vater hat andere Pläne: Richard soll die Geschäfte nach seinem Tod übernehmen und weiterführen. Also beschließt der junge Mann auf eigene Faust, nach London zu gehen und sich dort als Bibliothekar zu verdingen.

Doch das Schicksal hat anderes mit Richard im Sinn ...

Seit "Pirates of the Caribean" sind Piraten und Freibeuter hoch im Kurs. Und wer mag sie nicht? Die romantisierten Abenteuergeschichten über die Gesetzlosen Piraten und wie sie auf hoher See andere Schiffe kapern und ausplündern. Wer hat nicht schon einmal von Blackbeard oder Captain Kidd gehört? Vermutlich die wenigsten.

In diesem Buch geht es um letzteren, um Captain Kidd, den Freibeuter. Für solche, die den Unterschied zwischen Freibeutern und Piraten nicht kennen, hier die kurze Erklärung: ein Freibeuter ist quasi ein legaler Pirat. Er besitzt einen sogenannten Kaperbrief, meist ausgestellt von Hohen Adelsfamilien oder gar dem König/der Königin selbst. Freibeuter besaßen die Auflage, Schiffe des eigenen Landes weder anzugreifen noch zu plündern. Oftmals gab es sogar weitere Befehle, dass sie beispielsweise besonders auf Schiffe eines verfeindeten Landes losgehen sollten. Dabei reichte es, wenn in deren Schiffsunterlagen die Pässe dieses verfeindeten Landes vorlagen, selbst wenn das Schiff selbst unter der Flagge eines anderen Landes fuhr. Ein Pirat dagegen kann sich frei bewegen, er hat keine Einschränkungen oder Vorgaben, allerdings auch keinen Freibrief. Seine Taten sind damit illegal.

So, das war die kleine Lektion für diejenigen, die den Unterschied bisher nicht kannten. Kidd hatte als Freibeuter begonnen, sprich, er hatte einen Kaperbrief vom englischen König und handelte dementsprechend in dessen Auftrag. Was er tat, war nicht illegal - bis er einmal das falsche Schiff angriff, laut Überlieferung, ohne es zu wissen. Danach wurde er als Pirat verschrien und gejagt.

Richard trifft auf Kidd nach diesem Vorkommnis und beschreibt mit eigenen Worten, wie die Geschichte weiterging. Und anfangs scheint es auch soweit gut zu gehen. Richard wird vom einfachen Seemann schnell zum ersten Kanonier befördert, die Beute ist gut, und dank seiner Ausbildung, die auch das Lernen verschiedener Sprachen beinhaltete (Latein, Englisch und Französisch in Schrift), ist er hilfreich für Kidd und dessen Mannschaft. Bis sie ein Schiff kapern und Richard dort jemanden kennen lernt, der sehr wichtig für seine Zukunft sein wird.

Lotter beschreibt sehr detailgetreu und mit viel Hintergrundwissen die Zeit, die Ereignisse und die Schiffe und Ortschaften, an die es seinen Protagonisten verschlägt. Offensichtlich gibt es eine reichhaltige Recherche hinter dem Roman, für die ich den Autoren hier sehr gern lobe. Es sollte gerade bei historischen Romanen eine Pflicht sein, sich genauer mit der Zeit und den Einzelheiten zu befassen, so wie in diesem Beispiel die verschiedenen Pistolenarten und die Tatsache, dass Schwarzpulver nicht zwangsläufig mit Wasser (im wahrsten Sinne) in Berührung kommen muss, um nutzlos zu werden. Feuchte Luft oder feuchter Nebel reichen dafür.

Die Zustände auf den verschiedenen Schiffen, die Richard während seiner Irrfahrt bereist, sind nachvollziehbar und sicher. Ebenso die verschiedenen Orte. Herausheben möchte ich hier die kurze Zeit, in der der Vater Richard zwingt, als Minenarbeiter in seiner Mine zu arbeiten. Man meint, in den klaustrophobischen Engen der handgegrabenen Minenschächte zu sein, so kurz dieser Aufenthalt auch geschildert ist. Auch die kurze Zeit als Gefangener seines Vaters wird gut und nachvollziehbar dargestellt, auch wenn es sehr drastisch ist.

Richard, der Skrupel hat, und die auch wirklich bis zum Ende des Romans, auch wenn er das selbst oft zu negieren versucht, einen anderen zu töten und statt dessen selbst verletzt wird. Bis zu dem Punkt, an dem er im wahrsten Sinne des Wortes rot sieht, aber tatsächlich mehr verwundet als tötet. Selbst als "echter" Pirat besitzt Richard ein Gewissen, erzählt von den horrenden Ereignissen während und nach der Schlacht um das Schiff und den Ekel und die Angst, die er dabei empfindet. Alles sehr glaubhaft geschildert.

Ein sehr guter Roman über eine turbolente Zeit. Ein kleiner Roman, der sich aber mit den Großen messen kann.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Faszinierender Anfang

Halbgott / Halbgott 1
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Kilian ist ein Findelkind und im Tempel erzogen von seinem Ziehvater, dem Priester Pregar. Der Junge dient als Novize, weiß aber noch nicht so ganz, ob er tatsächlich auch Priester werden will. Kilians ...

Kilian ist ein Findelkind und im Tempel erzogen von seinem Ziehvater, dem Priester Pregar. Der Junge dient als Novize, weiß aber noch nicht so ganz, ob er tatsächlich auch Priester werden will. Kilians Leben läuft ansonsten beschaulich in der Stadt ab. Bis zu jenem Tag, als der Neffe des Markgrafen zu ihm kommt, um ihn zu überreden, nahe des verfluchten Waldes nach Alraun-Wurzeln zu suchen. Pregar nimmt den beiden Jugendlichen das Versprechen ab, bis zum Abend wieder zurück zu sein. Doch einmal dort draußen nahe des Moors und des Waldes, sieht es ganz anders aus.

Dieser Tag verändert Kilians Leben. Nichts ist mehr, wie es ihm erschienen ist ...

Die Welt, die Helm hier geschaffen hat, ist größer als wir zu Beginn wissen. Es wird beschrieben, dass es noch einen anderen Kontinent gibt, dass der Kontinent, auf dem die Handlung spielt, wesentlich größer ist. Doch alles bezieht sich auf diesen kleinen Flecken auf der Landkarte, den Kilian kennt. Und es ist gut so, denn auf diese Weise lernt der Leser diese Welt nach und nach vor allem durch Kilians Augen kennen.

Der Wald, der da so bedrohlich unweit der Stadt lauert, gilt als verflucht. Ja, niemand, der je hinein gegangen ist, soll wieder herausgekommen sein. Von schrecklichen Toden ist die Rede. Doch, wie Gunald so passend bemerkt, woher weiß man eigentlich wirklich, dass niemals jemand lebendig den Wald verlassen hat und von diesen schrecklichen Todesfällen, wenn es keine Zeugen gibt? Eine berechtigte Frage, und sie lässt die beiden Jugendlichen sich dazu verleiten, doch im Hain zu bleiben, trotz des Versprechens, das sie Pregar gegeben haben.

Und tatsächlich lauert etwas im Wald, etwas uraltes und dunkles namens Corbal. Ein Unsterblicher, den die Alben verbannt haben und über ihn wachen. Er ist der Grund, warum der Wald nicht betreten werden darf, doch das wissen Kilian und Gunald nicht - bis es dann zu spät ist.

Helm hat einen flüssigen Stil, seine Handlung baut sich schlüssig auf und seine Charaktere sind nachvollziehbar und vielschichtiger, als es zunächst den Anschein hat. Es schimmert immer wieder durch, so wie bei Kilian, der nun wirklich und ehrlich nichts weiß. In seiner Umgebung geschehen Dinge, die er nicht beeinflussen kann. Oder sein Meister Pregar, der offensichtlich sehr, sehr viel mehr weiß als er seinem Schützling (und allen anderen) weiß macht.

Die Stadt lebt, die Figuren leben in ihr. Man meint fast, die Sonne selbst auf einen niederbrennen zu fühlen an einigen Stellen. Der Leser lernt die Stadt während des Lesens kennen nebst ihrer Bewohner. Eine mittelalterliche Stadt, vielleicht ein kleines bisschen zu perfekt an der Oberfläche. Doch unter diese brodelt es.

Corbus ist ein interessanter Charakter. Zu Beginn ist er definitiv böse und von Rachedurst getrieben. Der Wunsch nach Rache bleibt, doch mit den Seiten kommen ihm immer wieder Zweifel, während er es auf der anderen genießt, Kilian in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Frage ist, wie geht es mit ihm weiter? Wenn es diese anderen Götter tatsächlich gibt, werden sie es ohne Kommentar hinnehmen, dass er auf der Welt Unfrieden stiftet?

Da ist die Magd Rajona, die ihre Familie mit ihrem Auskommen über Wasser hält. Sie ist angewiesen auf ihren Arbeitsplatz. Doch dann passiert, was nicht passieren darf und der Markgraf fällt über sie her. An dieser Stelle möchte ich den Autor loben. Ich lese solche Szenen nicht sehr gern aus persönlichen Gründen. Meist sind sie nicht sonderlich geschmackvoll und voller Inplikationen. Vor allem das danach wird von den meisten Autoren grob behandelt. Ist eben passiert - weitermachen! Helm beschreibt hier das Gegenteil. Er geht nicht zu dicht an Rajona heran, ein, zwei Dinge fehlten mir hier, um die Szene perfekt zu machen, als sie sich selbst im Badebottich wiederfindet. Aber es war gut, sehr gut geschildert - und das von einem Mann. Da sollten sich die meisten Autorinnen mal eine SEHR dicke Scheibe von abschneiden, meine Damen!

Die Alben im Wald sind offensichtlich in wenigstens zwei Lager gespalten: die, die tief im Inneren ein friedliches Dasein fristen, und den Wächtern, die das Äußere bewachen und dafür sorgen, dass niemand (oder fast niemand) lebend den Wald verlässt. Die drei Wächter, die wir hier kennen lernen könnten unterschiedlicher nicht sein: der Älteste Falbewin, mitverantwortlich für Corvins Schicksal, der sehr düster rüberkommt. Oniwin, der dem Ältesten ohne Fragen folgt. Und dann ist da noch Dilayn, der gerade erst zum Wächter aufgestiegen ist und alles in Frage stellt. Er scheint auch der offenste der drei zu sein und der mit den meisten Emotionen.

Alles in allem ein gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe, die Fantasy-Fans nicht verpassen sollten. Es gibt zwar wenig Action, dafür aber jede Menge Spannung und Geheimnisse und eine ungeklärte Herkunft in Kilian. Ein wirklich empfehlenswerter Roman.

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