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Veröffentlicht am 28.02.2021

Unglaubwürdig...

Die gefährliche Mrs. Miller
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Phoebe und Wyatt Miller haben sich in ihrer kinderlosen Ehe eingerichtet. Wyatt ist ganz zufrieden, die 34-jährige Phoebe jedoch denkt an Trennung. Ihre Tage sind leer und sie verbringt sie vor dem Fernseher ...

Phoebe und Wyatt Miller haben sich in ihrer kinderlosen Ehe eingerichtet. Wyatt ist ganz zufrieden, die 34-jährige Phoebe jedoch denkt an Trennung. Ihre Tage sind leer und sie verbringt sie vor dem Fernseher oder am Pool in ihrem Haus in Lake Forrest. Da fällt Phoebe ein alter Ford Focus auf, dessen Fahrer immer wieder an derselben Stelle parkt und sie zu beobachten scheint. Phoebe wird von ihrem öden Leben abgelenkt, als neue Nachbarn in das Haus nebenan einziehen. Sofort fühlt sich Phoebe von dem 18- jährigen Jake Napier angezogen und freundet sich mit dessen Mutter Vicky an. Doch dann geraten die Dinge ausser Kontrolle und ein Mord geschieht.





Das Thrillerdebut der Autorin wartet mit einem speziellen Plot auf. In der ersten Hälfte erfährt man viel über Phoebe Miller, ihrer Ehe mit Wyatt und die Altlasten, die sie nach dem Tod ihres Vaters Daniel mitschleppt. Phoebe ist eine durch und durch gelangweilte Ehefrau, die ihre Tage im Schlafanzug im Bett, vor dem TV oder im Badeanzug am Pool verbringt. Sie hat einen leichten Hang zur Depression und versucht die Leere, die sie empfindet, mit Alkohol zu betäuben. Ihr Mann Wyatt möchte ausgehen, Freunde treffen und seine Frau mit Aktivitäten aus der Lethargie reissen. Ihre Träume gehen weit auseinander. Er möchte zum Beispiel Kinder, sie ihre Ruhe. Phoebes Leben ist bestimmt von Hass, den sie, auch nach seinem Tod noch, auf ihren Vater Daniel hat. Als der 18-jährige Jake in Phoebes Leben tritt, führt eines zum anderen und endlich fühlt sie sich durch seine Anwesenheit wieder lebendig. Was die erste Hälfte des Buches wie eine Geschichte einer frustrierten Frau klingt, ist auch eine. Denn ausser die Tatsache, dass jemand Phoebe beobachtet, wovon einige wenige Passagen zeugen, geschieht nichts, das einen Thriller rechtfertigt.



Das ändert sich in der zweiten Hälfte des Buches. Hier ändert sich der Perspektivwechsel abrupt aus einem Anlass, den ich hier nicht verraten kann. Denn es geschieht ein Mord, dessen Auswirkung sehr weite Kreise zieht und meiner Meinung nach weit hergeholt wird. Denn ein Rollentausch, bei dem auch Figuren ahnungslos bleiben, die die Verwechslung zu 100 % bemerken müssten, empfand ich an den Haaren herbeigezogen. Wenn nicht mal die selbsternannte beste Freundin merkt, dass eine andere Person als gedacht vor ihr steht, empfinde ich das als nicht realistisch. Auch nicht ganz glaubhaft ist, dass eine Leiche gefunden wird und die beiden, die sie finden, lassen sie verschwinden, statt die Polizei zu rufen. Wer schlussendlich den Mord begangen hat, war nicht wirklich schwer vorauszuahnen. Denn bei einer Summe von sechs Figuren, inklusive Opfer, in diesem Buch, war die Auflösung nicht so schwer zu lösen.

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Veröffentlicht am 25.02.2021

Privatleben nimmt zu viel Raum ein....

Trauma – Kein Entkommen
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Katja Sand von der Kriminalpolizei München hätte eigentlich mit ihrer Tochter Jenny genug zu tun, denn die 15-Jährige lässt sich mit einem älteren Jungen ein, der noch dazu dealt. So ist es aufreibend ...

Katja Sand von der Kriminalpolizei München hätte eigentlich mit ihrer Tochter Jenny genug zu tun, denn die 15-Jährige lässt sich mit einem älteren Jungen ein, der noch dazu dealt. So ist es aufreibend für Sand, als sie auch noch zu einem Tatort gerufen wird. Mitten in der Hitzewelle wird eine männliche Leiche in einem Baggersee bei einer Kiesgrube in Feldkirchen – West gefunden. Vieles deutet darauf hin, dass der Mann Suizid verübt hat. Die Ermittlungen nehmen ihren Lauf, da wird ein zweiter Toter entdeckt. Wieder eine männliche Leiche und wieder deutet alles auf Selbstmord hin.



Dieser Thriller beginnt mit einer Szene, die grauenhaft zeigt, wie Kinder in ihren Familien oft Opfer von Missbrauch und seelischer Grausamkeit sind. Bewusst sachlich, da weder Namen, Alter noch spezifische Details verraten, wer dieses Kind ist, geht diese Szene trotzdem unter die Haut.



Weiter folgt die eigentliche Hauptgeschichte, die Mordfälle, bei denen ich stets diese Eingangsgeschichte im Hinterkopf hatte. Oft habe ich gerätselt, wer dieses Kind ist und ob diese Vergangenheit ein Grund für die Morde sein könnten?

Gefallen hat mir, dass man bis fast zum Schluss keine Verbindung ahnt und alles offen ist. Weniger gefallen hat mir, dass die privaten Sorgen der Ermittlerin mit ihrer Tochter so viel Raum einnehmen. Ausschweifend wird der Spagat zwischen Beruf und Muttersein von Sand beschrieben. Ausdauernd die Probleme, die sie mit der 15-jährigen, die in falsche Gesellschaft gerät, hat. Katja Sand trauert zudem ihrem Exfreund nach, ist alleinerziehend und hat grosse Beziehungsprobleme mit ihrer Mutter, die sich konstant einmischt und sie anruft. Zudem wird immer wieder ein Ereignis in ihrer Vergangenheit angetönt. Irgendwann einmal wartete ich mit Spannung darauf, was die Ermittlerin für ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit hat. Fast noch mehr, als auf die Auflösung des Mordes.



„Trauma. Kein Entkommen“ ist der erste Band einer geplanten Trilogie rund um Katja Sand. Der Titel ist nicht nur gut gewählt, sondern zieht sich auch wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte. Theoretische Ausführungen über Traumata und das Thema, das hervorragend in die Kriminalgeschichte integriert wurde. Wenn nun im nächsten Band die persönlichen Belange etwas mehr in den Hintergrund treten, bin ich zufrieden!

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Veröffentlicht am 23.02.2021

Leicht konstruiert!

Der Junge
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Cecilia Wilborg lebt mit ihrer Familie in Sandefjord in Norwegen. Ihr Mann Johan verdient sehr gut und der Familie fehlt es an nichts. Als Cecilia an einem regnerischen Novemberabend ihre kleine Tochter ...

Cecilia Wilborg lebt mit ihrer Familie in Sandefjord in Norwegen. Ihr Mann Johan verdient sehr gut und der Familie fehlt es an nichts. Als Cecilia an einem regnerischen Novemberabend ihre kleine Tochter Nicoline vom Schwimmkurs abholt, steht da verloren ein kleiner Junge. Der achtjährige Tobias scheint in der Schwimmhalle vergessen worden zu sein und Cecilia wird gebeten, ihn mitzunehmen und zu Hause abzusetzen. Dort angekommen stellt sich heraus, dass seine Eltern spurlos verschwunden sind und die Familie Wilborg bietet dem Jungen vorübergehend ein Zuhause. Die Töchter der Familie, Hermine und Nicoline, sind begeistert über das neue Familienmitglied. Ehemann Johan hat endlich den Sohn, den er sich gewünscht hat. Nur Cecilia hat Angst, dass Tobias ihre Familie durcheinanderwirbelt, denn sie muss unbedingt ein Geheimnis bewahren. Dann wird eine Frau tot aufgefunden, die Tobias Mutter sein könnte und Cecilia muss noch besser aufpassen, wer was über sie herausfinden könnte.





Psychothriller, in denen kleine Kinder involviert sind, gehen immer besonders ans Herz. In „Der Junge“ ist es jedoch so, dass keinerlei Abscheulichkeiten in Zusammenhang mit Kindern geschehen. Trotzdem tat mir der kleine Junge unheimlich leid, denn was er auf psychischer Ebene durchmachen musste und muss, wünscht man keinem Kind.



Die Geschichte wurde in drei Erzählperspektiven gegliedert, deren Schreibstil der jeweiligen Figur angepasst wurde. Der umfangreichste Teil dreht sich um Cecilia, da ist der Schreibstil flüssig und dynamisch. Weiter erfährt man die Sicht von dem achtjährigen Tobias, hier wurde es kindlich und mit kurzen und einfachen Sätzen altersgemäss, da der 8-jährige in Ich Perspektive erzählt. Diese Passagen haben mich sehr berührt, da mich das Schicksal des Jungen völlig gefangen genommen hat. Die dritte Perspektive ist aus der Sicht einer Schlüsselfigur, die als Junkie lebt und diese Passagen fand ich mühsam zu lesen. Denn sie sind wirr und hüpfen von Person zu Person und von Situation zu Situation. Hier benötigte ich fast das ganze Buch über, bis ich einordnen konnte, was geschehen und was relevant für die Hauptgeschichte ist. Teilweise habe ich noch nach Beendigung des Buches Lücken in dieser Perspektive, die als Tagebucheinträge gestaltet ist. Es sind die vernebelten Gedanken und Ausführungen eines Junkies, die sich genau so lesen.



Wie gesagt, hat mich die Figur Tobias sehr berührt. Mit Cecilia hatte ich von Beginn weg grosse Probleme. Sie ist wohlhabend und das gibt sie ihrem Umfeld zu spüren. Egal ob es das Aupair oder die Kassiererin der Schwimmhalle trifft, Cecilia zeigt deutlich, wer das Sagen hat. Zudem ist sie manipulativ, verlogen und unberechenbar. Aussagen wie „Es ist teuer, ich zu sein“ (Seite 11) zeigen ihre Oberflächlichkeit und wo ihre Interessen liegen. Leider nicht bei ihren Töchtern, denn die findet sie anstrengend und so werden die beiden laufend mit einem iPad ruhiggestellt. Die Auflösung, wie das Schicksal von Tobias mit der Familie Wilborg zusammenhängt, habe ich gespannt erwartet. Ich muss allerdings sagen, dass diese Seite der Geschichte doch arg konstruiert ist. Es geschehen in der Vergangenheit Dinge, die in die Sparte „grosse Zufälle“ eingereiht werden können. Wenn man diesen Aspekt ausser Acht lässt, unterhält die Story rund um Cecilia und das Findelkind gut.

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Veröffentlicht am 20.02.2021

Erster Teil!

The Fourth Monkey - Geboren, um zu töten
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Ein Unfall vor dem Hyde Park scheint endlich Auflösung in eine Mordserie zu bringen. In 5 Jahren hat ein Serienkiller, der Four Monkey Killer genannt wird, 21 Päckchen mit Leichenteilen seiner Opfer hinterlegt. ...

Ein Unfall vor dem Hyde Park scheint endlich Auflösung in eine Mordserie zu bringen. In 5 Jahren hat ein Serienkiller, der Four Monkey Killer genannt wird, 21 Päckchen mit Leichenteilen seiner Opfer hinterlegt. Der Mann, der bei dem Unfall unter einen Bus geraten und nun tot ist, hatte eines dieser typischen Päckchen bei sich. Doch DI Sam Porter und DI Brian Nash, die seit fast 5 Jahren an dem Fall arbeiten, können noch nicht abschliessen. Da ist erst mal der Inhalt des letzten Päckchens, das auf ein weiteres Opfer hindeutet. Dann wird auch noch das Tagebuch des Killers gefunden und schnell wird klar, dass die Mordserie sie noch beschäftigen wird.





„Geboren um zu töten“ ist der erste Streich rund um die Ermittler Porter und Nash. Dieser Start in eine neue Serie ist gelungen und die Geschichte rund um dieses Ermittlerduo hat mich gefesselt. Porter und Nash sind sehr kompetent und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder musste ich schmunzeln bei ihren Dialogen, die teilweise sehr sarkastisch sind. Vor allem Porter verfügt über einen sehr trockenen Humor, der einen grossartigen Kontrast zu all dem Bösen und Dunklen in diesem Thriller darstellt.

Denn die Handlung wird abgrundtief böse, blutig und gruselig und dieses Buch klassiere ich in den Bereich Hardcore Thriller ein. In regelmässig eingefügten Kapiteln, die als Tagebuch gestaltet sind, erfährt man viel über den Täter in seiner Kindheit. Hier braucht es starke Nerven, denn es werden zum Beispiel Folter oder Tötungsarten erörtert, bei denen ich mich durchwegs gegruselt und geekelt habe. Absolut verstörend empfand ich die Kinderjahre des Täters, die zeigen, dass ein Monster auch zu einem erzogen werden kann und, dass ein Kind durch seine Vorbilder die Welt erlebt und einordnet. Absolut krank, wie Menschen nebenbei und wie selbstverständlich quälen und morden.



Die Geschichte ist logisch aufgebaut und auch die Ermittlungen empfand ich als zielführend. Sehr überraschend war für mich der Durchbruch der Ermittler betreffend Identität des Serienkillers. Ich gestehe, dass ich nicht mal ansatzweise geahnt oder vermutet habe, in welchem Umfeld der Täter zu suchen ist.



Das Ende ist offen gestaltet und leitet über zum zweiten Buch „The Fourth Monkey. Das Mädchen im Eis“, das nicht nur dasselbe Ermittlerteam, sondern auch denselben Täter aus dem ersten Band mitnimmt. Eigentlich mag ich Reihen weniger, da man oft lange auf den nächsten Teil warten muss. Hier habe ich eine Ausnahme gemacht, da ich den zweiten Teil schon zu Hause habe. Ich habe nämlich gewartet, bis Teil 2 auch erschienen ist und mir gleiche beide Bände gekauft. Zum Glück, denn nach Beendigung dieses ersten Teils bin ich gespannt, wie es weitergeht....

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Veröffentlicht am 16.02.2021

Was wäre, wenn?

Für immer und einen Tag
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Emma Patterson ist 29 Jahre alt, als sie einen medizinischen Rückschlag hinnehmen muss. Sie hat Krebs und die Behandlungen waren vielversprechend, bis ihr Arzt Dr. Spelling ihre Hoffnungen zunichtemachen ...

Emma Patterson ist 29 Jahre alt, als sie einen medizinischen Rückschlag hinnehmen muss. Sie hat Krebs und die Behandlungen waren vielversprechend, bis ihr Arzt Dr. Spelling ihre Hoffnungen zunichtemachen muss. Der Hirntumor ist zurück und der Arzt prophezeit Emma nur noch ein Jahr Lebenszeit. Emma, ihre Mutter Meg, Schwester Louise und ihre Freundinnen sind am Boden zerstört. Emma beschliesst ihre Gedanken, Aengste und Träume in einem Buch festzuhalten. Sie lebt in diesem Buch das Leben, das sie hätte führen sollen. Liebe, Hochzeit, Kinder und Glück wie sie es sich für die Realität erträumt hat.







Trotz des Themas, einer unheilbaren Krankheit, ist das Buch nicht nur schwer und traurig. Im Gegenteil. Immer wieder bringt es die Figur Emma fertig, dass man als Leser mit ihr Hoffnungsschimmer aufblitzen sieht und auch mal schmunzeln muss. Ihre Idee, zu leben, indem sie sich die Zukunft einfach heiter und schön schreibt, hat mir ausserordentlich gut gefallen. Wie gut konnte ich Emma verstehen, die Augen zu verschliessen und aus dem vollen Leben zu schöpfen. Es gibt Passagen, die haben mich tief betroffen und traurig gemacht. Und es gibt Passagen, da habe ich mir für Emma ein Happyend gewünscht, wie sie es in ihrem Buch erlebt. Die kursiv geschriebenen Kapitel zeigen Auszüge aus dem Buch, das Emma schreibt. Darin erkennt man immer wieder Reaktionen auf Dinge, die in ihrem wahren Leben passieren und die sie so verarbeitet.



Die Autorin Amanda Brooke hat «Für immer und einen Tag» nach einer persönlich erlebten Tragödie geschrieben. Darin hat sie den Krebstod ihres dreijährigen Sohnes Nathan verarbeitet. Und das spürt man unheimlich gut. In den sehr gut übermittelten Gefühlen der Figur Emma, aber noch besser in den Reaktionen von Meg, Emmas Mutter. Die alles versucht, um ihre Tochter zu heilen, alternative Behandlungen in den USA sucht und einfach nicht aufgeben will. Ich gebe es zu, hier musste ich ein paarmal schlucken und Gedanken à la «was wäre, wenn» kamen unweigerlich hoch.



Obwohl es ab und zu gezwungener Massen medizinisch wird, ist die Geschichte rund um Emmas Krankheit so geschrieben, dass man auch als Laie versteht, was vor sich geht. Emma hat zum Beispiel epileptische Anfälle, die fand ich eindrücklich beschrieben. Verzichten hätte ich in Emmas Buch teilweise auf blumige Beschreibungen. So hat mich Emmas Realität weit mehr gefesselt als ihr geschriebenes Leben.

Mit Respekt habe ich das Ende des Buches angesehen. Ich habe gedacht, da wird ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt. Was die Autorin am Schluss bietet, ist genial geschrieben und gelöst!

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