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Veröffentlicht am 22.09.2025

Beklemmend gute Auseinander mit deutscher Freikirche

Monstergott
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"Monstergott" hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich bin sehr beeindruckt von dem authentischen Blick auf deutsche Freikirchen, den die Autorin hier bietet. Das Geschwisterpaar Esther und Ben bringt mit ...

"Monstergott" hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich bin sehr beeindruckt von dem authentischen Blick auf deutsche Freikirchen, den die Autorin hier bietet. Das Geschwisterpaar Esther und Ben bringt mit chronischer Erkrankung, der Rolle der Frau und Queerness Kernthemen in die Auseinandersetzung ein.

Der Titel provoziert und der Text fordert heraus, dennoch schafft die Autorin es nuanciert zu schreiben und ringt dabei immer wieder mit den Ebenen von Glaube, Gemeinde und Gott. Was heißt es Christ zu sein, was muss es heißen und wer hat diese Deutungshoheit? Aus vorderster Front der Gemeinde tun sich im Text langsam die Abgründe der beiden Geschwister auf. Für mich las sich der Beginn dabei beklemmender als das Ende. Denn insbesondere Bens Perspektive ist enthusiastisch christlich. Sein Glaube, und seine Gemeinde, sind sein Leben. Mich darauf einzulassen fiel mir nicht leicht. Aber für den Bogen der Erzählung ist es unerlässlich. Esthers Erzählstrang fiel mir leichter, ihr Ausstieg war ein kühlerer Prozess, bei ihr ging es mehr um den Unterschied zwischen Gott und Gemeinde.

Wir bekommen klare Einblicke in die Gedanken der Geschwister und insbesondere im letzten Drittel fand ich die Sicht der beiden aufeinander sehr spannend. Der Schreibstil ist überraschend emotional, obwohl immer wieder Beschreibungen dominieren. Insbesondere in der Schilderung von Konversionstherapie hält die Autorin eine schwierige Balance, genug Details um zu verstehen was da passiert, aber gerade die Leerstellen kommunizieren relevante Inhalte zu Scham und die Kombination führt zu einer sehr eigenen, um sich greifenden Stimmung im Buch.

Einen Umgang finden müssen wir als Lesende auch mit den Bibelzitaten und ausführlichen Predigten des Pastors. Erst nach und nach und eher subtil treten uns dabei die Perspektiven von Esther und Ben zur Seite. Esthers Diskussionen mit dem Pastor bringen Dynamiken auf den Punkt, ich bewundere, wie die Autorin das oft mit wenigen Worten schafft. Über den Aufbau und die Struktur Inhalt vermittelt, dass kann sie meisterhaft! Ich habe gern Stellen und Motive im Buch markiert.

"Monstergott" ist kein leichtes Buch - und je nach persönlicher Situation würde ich den Lesezeitpunkt abwägen. Es ist genauso ein brilliant geschriebenes, berührendes, starkes Werk zu einem wichtigen Thema. Ich bin sehr froh um die Lektüre.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Wohlfühlbuch

The Story Binding us (Stories-Reihe 3)
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Dieses Hörbuch hat mir richtig gut getan.

Als letzter Band der Stories Reihe hatte es den Vorteil, dass ich die Stadt und viele der Charaktere schon kannte. Tatsächlich mag ich die Art alles immer wieder ...

Dieses Hörbuch hat mir richtig gut getan.

Als letzter Band der Stories Reihe hatte es den Vorteil, dass ich die Stadt und viele der Charaktere schon kannte. Tatsächlich mag ich die Art alles immer wieder aus neuen Perspektiven zu sehen sehr. Unsere Hauptcharaktere in diesem Band sind Logan, der mit den Hauptpersonen der bisherigen Bände befreundet ist, und Hope. Beziehungsweise zunächst mal der geheimnisvollen H. Denn so stellt sie sich Logan vor, als sie mit ihrer Bestellung den Heartbreakcakes Trend beginnt. Von dieser ersten Begegnung über roommates zu Fake Dating und naja, irgendwie lassen Gefühle sich nicht planen...

Zum Hören war das angenehm, mit schönen Sprecherstimmen und einem leicht zu folgenden Schreibstil. Ich hatte kein Problem ganz in die Geschichte abzutauchen und habe mich richtig wohl gefühlt. Das liegt auch insbesondere an Logans Umgang mit Hope. An diesem Punkt muss ich spoilern, also, ja, hab euch gewarnt. Hope ist Autistin und Logan heilt wahrscheinlich nicht nur bei mir etwas damit wie fürsorglich und respektvoll er ist. Er ist aufmerksam und sein Verständnis für Hope so ehrlich. Er lernt wirklich sie kennen, mit, nicht trotz oder definiert durch Autismus. Am Anfang fand ich die Darstellung von Hopes Autismus etwas oberflächlich, aber das stimmt nicht. Er wird uns nur nicht plakativ hingeklatscht, sondern steckt ganz selbstverständlich in Hopes Leben und den Details der Erzählung. Hopes Erzählung ist eine einer spät diagnostizierten, hochmaskierenden Autistin, insgesamt überzeugende own voice Repräsentation.

Logan und Hope passen einfach gut zusammen und gleichzeitig spricht ihre Liebe aus jeder ihrer Gesten und Entscheidungen. Sie wollen das Beste füreinander und müssen trotzdem auch ihre eigenen Wege finden.

Für mich ein Wohnfühl-Read, den ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Enttäuschung, leider

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1)
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Ein tolles Cover, Klappentext der Lust auf mehr macht, ein erster Satz, der mich gecatched hat und dann - Enttäuschung. Mit Charlie bin ich einfach nicht warm geworden, ihr Traum kommt bei mir als oberflächlich ...

Ein tolles Cover, Klappentext der Lust auf mehr macht, ein erster Satz, der mich gecatched hat und dann - Enttäuschung. Mit Charlie bin ich einfach nicht warm geworden, ihr Traum kommt bei mir als oberflächlich rüber und sie wirkt naiv. Ihre Schwester ist schnell mindestens doppelt so interessant... Die Motivation der Hauptpersonen, Charlie und Willem, haben mich nicht überzeugt, so dass ich mich eh gefragt habe, was sie überhaupt im Hotel sollen. Das Hotel, das mythenumrankte Lichtenstein, aber nix daran kann mich wirklich beeindrucken. Es kommt nicht pompös oder edel daher, die Magie kann mich weder bezaubern noch verstören. Die Vibes sind unvorhersehbar, ich habe einfach nicht verstanden, was dieses Buch jetzt sein will: Romance, Fantasy, Mystery? Dazu der Plot, der keinen roten Faden hat. Es passiert viel, nebeneinander her, die Gewichtung, der Aufbau fehlt. Künstlicher Spannungsaufbau indem uns am Anfang ein Mysterium vorgegaukelt wird, das eigentlich nicht wirklich eins ist, so sehr, dass die Auflösung darüber, welche Beziehung Willem und Sunny verbindet, mich einfach nur wütend gemacht hat.

Und natürlich kann man all diese Dinge positiv sehen, Charlie's naiver Traum ein gesellschaftlicher Kommentar, was ich als sprunghaft empfinde, kann jemand anders als vielseitig verstehen usw. Ich halt nicht.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Ein beeindruckender Roman, nach der Biographie einer beeindruckenden Frau

In uns der Ozean
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In jeder Hinsicht orientiert sich dieser Roman am Vorbild Rachel Carson. Es ist eine Erzählung, keine Biographie, und gerade das erlaubt der Autorin die Poetik und Liebe zur Natur, die Miss Carson mit ...

In jeder Hinsicht orientiert sich dieser Roman am Vorbild Rachel Carson. Es ist eine Erzählung, keine Biographie, und gerade das erlaubt der Autorin die Poetik und Liebe zur Natur, die Miss Carson mit ihren Büchern ausgezeichnet hat, in ihrem Schreibstil nachzuahmen. Das liest sich wunderschön und angenehm. Es fiel mir leicht Rachel nahe zu kommen, ich habe mit ihr das Meer geliebt, den Sexismus ausgehalten, mit ihr die Erfolge gefeiert, die Sehnsucht gespürt und gebangt. Auch Rachel's Familie und Freunde werden als Personen sehr greifbar und ihre Beziehungen zu Mary und Dorothy haben mich sehr berührt. Der Schreibstil gibt so viel Tiefe, ich habe langsamer gelesen als sonst ohne mich zu langweilen. Die künstlerische Freiheit, die die Autorin sich genommen hat, tut dem Spannungsbogen des Roman gut ohne die echte Geschichte zu missachten. Der Sturm braut sich langsam zusammen und fegt am Ende doch mächtig durch das Land.

Ich wusste vor diesem Roman nichts über die reale Rachel Carson oder ihre Bücher. Die Autorin hat sie mir so ins Herz geschrieben, dass ich das jetzt ändern möchte. Ich finde, dieser Roman trägt Miss Carsons Erbe weiter und ehrt sie und ihre Haltung zu Wissenschaft, Natur und der Verantwortung von uns Menschen. Und das mit großer Literarischer Kraft.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Berührender Roman

Seerauchen
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Ich kann euch dieses Buch gar nicht genug empfehlen, so gelungen finde ich die Darstellung rund um die autistische Hauptperson.

Josef heißt er und wohnt mit seiner Mutter in einem Dorf an der Schweizer ...

Ich kann euch dieses Buch gar nicht genug empfehlen, so gelungen finde ich die Darstellung rund um die autistische Hauptperson.

Josef heißt er und wohnt mit seiner Mutter in einem Dorf an der Schweizer Grenze, zu der Zeit, in der der Nationalsozialismus in Deutschland Fuß fasst.

Ich bin sehr beeindruckt von den Nuancen, mit denen die Autorin Josefs Art die Welt zu verstehen mit den Umbrüchen des Nationalsozialismus zusammen bringt. Gerade hier fällt auf, wie ganz Mensch Josef sein darf. Manches versteht er, manches nicht, manches auf seine Art. Manche Propaganda ist für ihn unlogisch, manche Aspekte des Nationalsozialismus sprechen ihn an. Die Mischung aus Josefs Widerstand aus sich heraus, seiner Annahme von nationalsozialistischen Gütern und natürlich seiner großen Gefährdung ist gut gelungen.

Insgesamt hat mich diese Art Josef zu schreiben berührt. Wir hören aus seiner Innensicht und von seiner Mutter aus der Außenperspektive. Wunderschöne Beschreibungen von stimming mit Licht gibt es genauso wie ehrliche Blicke auf Überforderungssituationen. Diese Beobachtungen rund um Josef bestimmen die Geschichte, wer sich eine Erzählung mit großer Spannung wünscht, ist hier falsch. Trotzdem wird mit der Zeit die Stimmung bedrückter, bedrohlicher und die angespannte Situation geht durch und durch. Hauptsächlich folgen wir den Konflikten von Josef, seiner Mutter und den Erwartungen der Umwelt. Begleiten Josef und seine Mutter dabei sich verstehen zu lernen und Wege ihrer Liebe trotz der gegenseitigen Schmerzpunkte zu finden. Dürfen Möglichkeiten der Gemeinschaft für Josef sehen und die Bosheit die ihn ausschließt.

Ich finde, das Buch gibt einen sehr lesenswerten Einblick in eine autistisch, synästhetische Perspektive und das in einer Zeitperiode, in der dieser Blick auf die Welt nochmal mehr zum Nachdenken und neu betrachten einlädt. Denn, die Art, wie durch Josefs Perspektive von den Reaktionen der anderen Menschen auf die nationalsozialistischen Veränderungen erzählt wird, öffnet für mich einen authentischen und emotionalen Zugang zum Thema. Die Autorin schafft es, die Nebenfiguren so wunderbar echt und greifbar zu schreiben und gleichzeitig deutlich rüber zu bringen, was da gerade geschieht und trotzdem die nationalsozialistische Perspektive zu dezentrieren. Auch die Balance zwischen Konflikten des Zeitgeschehen und ur-menschlichen Themen ist gut gelungen.

"Seerauchen" ist, was ich von Literatur möchte und hat mich immer wieder und auf verschiedenen Ebenen sehr berührt.

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