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Veröffentlicht am 06.10.2023

Harte Zeiten

Helle Tage, dunkle Schuld
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Ich habe bereits die Ruhrpott-Saga und die Reihe um die Dorfschul-Lehrerin von Eva Völler sehr gerne gelesen. Von daher war ich nun auch auf ihren ersten, ebenfalls historischen, Kriminalroman gespannt.

Die ...

Ich habe bereits die Ruhrpott-Saga und die Reihe um die Dorfschul-Lehrerin von Eva Völler sehr gerne gelesen. Von daher war ich nun auch auf ihren ersten, ebenfalls historischen, Kriminalroman gespannt.

Die Handlung spielt in Essen, etwa drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der Kriminalbeamte Carl Bruns ist zurück im Polizeidienst, nachdem er während der Herrschaft der Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Vorfahren seinen Beruf nicht mehr ausüben durfte. Im Zusammenhang mit Mordermittlungen stößt er einerseits auf ein schlimmes und noch ungesühntes Kriegsverbrechen, das sich gegen Kriegsende ereignet hat und begegnet zugleich seiner mittlerweile verwitweten Jugendliebe Anne wieder, bei der er aber nicht genau weiß, ob er ihr und ihrer Schwester wirklich vertrauen kann.

Ich fand es sehr spannend ins Ruhrgebiet der Nachkriegszeit einzutauchen und mitzuerleben, wie hart die Menschen ums Überleben kämpfen mussten, während zugleich auch viele, die im Nationalsozialismus große Schuld auf sich geladen hatten, versuchten, ihrer Strafe zu entgehen. Dies alles schildert Eva Völler sehr anschaulich und authentisch und alles wirkt gut recherchiert. Immer wieder finden sich auch Textstellen im typischen Dialekt des Ruhrgebiets, aber nur so viel, dass es den Lesefluss nicht behindert. Spannung ist ebenfalls vorhanden, die Geschichte um Eva, ihre Schwestern und Carl hat mich sehr gefesselt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist auf jeden Fall lesenswert für alle, die historische Romane, die im 20. Jahrhundert spielen und/oder historische Krimis mögen.

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Veröffentlicht am 06.10.2023

Bloß nicht verlieben

Wo die Liebe dich findet
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Holly landet als Tierärztin in den schottischen Highlands bei einem brummeligen Chef, obwohl sie eigentlich in einer Kleintierklinik im städtischen Umfeld Karriere machen wollte. Immerhin hat sie zwei ...

Holly landet als Tierärztin in den schottischen Highlands bei einem brummeligen Chef, obwohl sie eigentlich in einer Kleintierklinik im städtischen Umfeld Karriere machen wollte. Immerhin hat sie zwei nette Kolleg:innen und auch ein attraktiver Mann läuft ihr bald über den Weg. Nur eigentlich hat sie sich geschworen, sich auf keinen Mann einzulassen, damit ihr Herz gar nicht erst gebrochen wird.

Der Roman bietet nette Unterhaltung an einem Herbst- oder Wintertag auf dem Sofa. Es ist auch eine Dosis Lokalkolorit vorhanden, indem die rauhe schottische See, die Highlands und ihre Tiere und auch schottische Traditionen, wie Tänze oder Speisen, immer wieder eine Rolle spielen. Holly war mir grundsätzlich sympathisch, wobei ich ihren Vorsatz, sich nicht zu verlieben, etwas übertrieben fand. Es passiert eben, was passiert. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und auch recht anschaulich, sodass man sich die beschriebenen Situationen und Landschaften gut vorstellen kann. Insgesamt fehlte mir aber so ein richtiger Höhepunkt, es verlief doch alles recht vorhersehbar. Nichtsdestotrotz ist es ein angenehmer Unterhaltungsroman, insbesondere für Schottland-Fans, aber nicht nur.

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Veröffentlicht am 06.10.2023

Fast 100 Jahre deutscher Geschichte in einem Roman

Das Licht zwischen den Schatten
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Der neue Roman von Michaela Beck ist ein ziemlich dicker Wälzer, der es in sich hat. Auf mehreren Zeitebenen wird die Geschichte der verschiedenen Protagonist:innen erzählt, bevor die Erzählstränge am ...

Der neue Roman von Michaela Beck ist ein ziemlich dicker Wälzer, der es in sich hat. Auf mehreren Zeitebenen wird die Geschichte der verschiedenen Protagonist:innen erzählt, bevor die Erzählstränge am Ende zusammengeführt werden.

Dabei kann man als Leser in verschiedene Epochen der jüngeren deutschen Vergangenheit eintauchen, angefangen mit dem Arbeitersohn Konrad am Ende des Ersten Weltkrieges, dem die Nationalsozialisten später ein Medizinstudium ermöglichten, der ihre Ideologie aber nicht teilt. Anschließend den Wirren der Nachkriegszeit und schließlich der Teilung Deutschlands. Diese erlebt man dann einerseits zusammen mit André , der in der DDR bei systemtreuen Adoptiveltern aufwächst, und andererseits auch aus der West-Perspektive durch Brigitte, deren Eltern mit ihr aus der DDR geflohen waren und die später in die Kreise der RAF geriet.

Dadurch erlebt man beim Lesen viele prägende Ereignisse der deutschen Geschichte hautnah aus der Perspektive der Beteiligten mit und kann sich so gut vorstellen, vor welche Konflikte sie die politischen Rahmenbedingungen oft stellten. Die verschiedenen Erzählstränge sorgen für zusätzliche Spannung, sodass mich der Roman sehr gefesselt hat. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und ich empfehle das Buch gerne an alle weiter, die historische Romane mögen, die sich mit den vergangenen Jahrzehnten deutscher Geschichte beschäftigen.

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Veröffentlicht am 06.10.2023

Meister der Prokrastination

Kleine Probleme
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In ihrem neuen Buch schreibt Nele Pollatschek, selbst Mitte 30, aus der Sicht von Lars, 49, der seine Stelle als Redakteur beim Fernsehen aufgegeben hat, um sein eigenes Buch zu schreiben. Er schiebt das ...

In ihrem neuen Buch schreibt Nele Pollatschek, selbst Mitte 30, aus der Sicht von Lars, 49, der seine Stelle als Redakteur beim Fernsehen aufgegeben hat, um sein eigenes Buch zu schreiben. Er schiebt das aber schon sehr lange vor sich her, wie so vieles andere. Und nun steht zum Jahresende die Rückkehr seiner Frau, die sich eine Auszeit im Ausland genommen hat, und seiner Kinder (vom Auslandsschuljahr) an und er möchte noch alles Mögliche auf die Schnelle schaffen, um einen guten Eindruck auf sie zu machen. Natürlich schweift er trotzdem immer schnell wieder ab und dann kommt auch immer wieder Unglück dazwischen.

Nele Pollatschek ist es sehr gut gelungen, diese Stimmung einzufangen und ein sehr genaues Bild von ihrem Protagonisten zu zeichnen, sodass man sich, auch als weibliche Leserin, in ihn und seine Lage hineinversetzen kann. Immer wieder gibt es dabei Momente des Wiedererkennens und des Schmunzelns, aber auch eine Portion Tragik fehlt nicht. Dabei schreibt die Autorin in einem sehr sprachgewaltigen Stil voller sprachlicher Bilder und Aufzählungen, was mich teils auch an Poetry Slam erinnert hat. Zwischendurch gibt es zudem auch philosophische Anklänge, die zum Nachdenken anregen. Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 24.09.2023

Neubeginn wider Willen

Seaside Hideaway – Unsafe
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Nevah muss mit ihrer Familie in einen anderen Bundesstaat der USA ziehen und wirklich alle Kontakte aus ihrem bisherigen Leben abbrechen, weil alle gemeinsam wegen ihres älteren Bruders Miller im Zeugenschutzprogramm ...

Nevah muss mit ihrer Familie in einen anderen Bundesstaat der USA ziehen und wirklich alle Kontakte aus ihrem bisherigen Leben abbrechen, weil alle gemeinsam wegen ihres älteren Bruders Miller im Zeugenschutzprogramm landen. Miller freundet sich am neuen Wohnort mit dem feierwütigen Nachbarn Jackson an, während Nevah zunächst versucht, ihn auf Distanz zu halten, was ihr aber spätestens dann nicht mehr so recht gelingt, als er ihr bei ihren Panikattacken beisteht. Allerdings darf sie ihm nicht verraten, wer sie wirklich ist und warum sie so große Angst hat, da sie sich und ihre Familie so gefährden könnte. Da ist es ungut, dass Jackson nichts mehr hasst, als Unehrlichkeit.

Das Buch bot mir eine kurzweilige Unterhaltung und der Schreibstil ließ sich sehr gut und flüssig lesen, sodass die Seiten nur so dahin flogen. Auch der Schauplatz der Handlung war sehr reizvoll, ich könnte mir sehr gut vorstellen, dort zu leben, wo es Nevah und ihre Familie unfreiwillig hin verschlagen hat. Die beiden Hauptpersonen, Nevah und Jackson waren mir beide sympathisch und ihre Handlungen erschienen mir auch meist nachvollziehbar. Weniger warm wurde ich mit Nevahs Bruder, aber das ist wahrscheinlich auch beabsichtigt. Etwas gestört hat mich die explizite Beschreibung von Sex-Szenen, wie es für dieses Genre aber (leider) mittlerweile typisch ist. Hier wäre es mir lieber gewesen, wenn mehr Platz für Phantasie bliebe. Das Cover des Buches passt von der Farbgestaltung her gut zur Geschichte, ich finde aber weniger abstrakte Gestaltungen meist besser.

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