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Veröffentlicht am 09.07.2023

Unter erschwerten Bedingungen

22 Bahnen
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Tilda studiert sehr erfolgreich in einem MINT-Studiengang, jobbt nebenbei an einer Supermarktkasse und kümmert sich quasi allein um ihre jüngere Schwester, die gerade die Grundschule hinter sich gebracht ...

Tilda studiert sehr erfolgreich in einem MINT-Studiengang, jobbt nebenbei an einer Supermarktkasse und kümmert sich quasi allein um ihre jüngere Schwester, die gerade die Grundschule hinter sich gebracht hat. Als Ausgleich schwimmt sie regelmäßig 22 oder dann auch 23 Bahnen. Die Mutter der beiden trinkt, hat Depressionen und wechselnde Liebhaber, die Väter der Mädchen sind verschwunden. Tilda kann wegen ihrer Familienverhältnisse nicht weg aus der Kleinstadt und weiß nicht, was sie machen soll, als ihr eine Promotionsstelle in Berlin angeboten wird, was ihr absoluter Traum wäre, doch sie fühlt sich vor allem für ihre Schwester verantwortlich. Dann taucht auch noch Viktor auf, mit dessen jüngeren Bruder Tilda befreundet war, bis dieser bei einem Unfall starb und auch diese Vergangenheit holt Tilda wieder ein.

Der Roman ist keine leichte Kost, aber ich finde ihn sehr wertvoll, weil er zeigt, wie das soziokulturelle Milieu Heranwachsende beeinflusst und ihr Leben regelrecht bestimmt. Tilda und Ida sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen und es ist bewundernswert, wie sie das Beste aus allem machen. Der nüchterne, schnörkellose Erzählstil, der dennoch viel Symbolsprache enthält und gut verständlich ist, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Freundschaft, Sex und so einige Probleme

Let's be bold
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"Let's be bold" ist der zweite Teil einer Reihe um Shae, Tyler, Ariana und Evie, die sich durch die Arbeit in einer New Yorker Influencer Marketing Agentur kennengelernt haben und teilweise auch zusammen ...

"Let's be bold" ist der zweite Teil einer Reihe um Shae, Tyler, Ariana und Evie, die sich durch die Arbeit in einer New Yorker Influencer Marketing Agentur kennengelernt haben und teilweise auch zusammen wohnen. Gemeinsam haben sie auch, dass sie alle mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, seien es die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Zweifel an den Sex-Skills, Probleme in der Familie, Trauer um einen geliebten Menschen oder traumatische Belästigungserfahrungen in der Vergangenheit oder die Angst eine Beziehung einzugehen. Gegenseitig sind sie aber füreinander da, unterstützen sich wo möglich und lernen auch interessante neue Menschen und New York besser kennen.

Die Geschichten rund um die Freundschaft, den Job und das Leben in New York bieten gute Unterhaltung, mir persönlich waren aber eindeutig die Sex-Szenen und -Themen zu explizit und zu sehr im Vordergrund, was aber natürlich Geschmackssache ist. Zudem fand ich die ganzen Probleme, die die Protagonist:innen mitbringen, aber auch etwas too much für eine einzige Clique, um noch realistisch zu sein und sich dem jeweiligen Problem mit der Ausgiebigkeit zu widmen, die nötig wäre. Der Schreibstil war aber gut lesbar und ich fand es auch schön, den Charakteren aus dem ersten Teil wieder zu begegnen und zu erfahren, wie es mit ihnen weiterging. Ich würde aber empfehlen, wirklich zuerst den ersten Band zu lesen, um alle Vorgeschichten zu kennen.

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Wurzeln

Elternhaus
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Sanne ist die älteste von drei Schwestern, sie ist um die 50 und hat zwei erwachsene Kinder. Mit ihrem Mann hat sie, kurz vor der Geburt ihrer ältesten Tochter ein Haus in der Nähe ihres Elternhauses gebaut. ...

Sanne ist die älteste von drei Schwestern, sie ist um die 50 und hat zwei erwachsene Kinder. Mit ihrem Mann hat sie, kurz vor der Geburt ihrer ältesten Tochter ein Haus in der Nähe ihres Elternhauses gebaut. Die Leben ihrer Schwestern verliefen etwas weniger klassisch, eine ist direkt nach der Schule weit weg gezogen, die andere ist alleinerziehend und lebt einige Orte weiter. Daher kümmert Sanne sich, wie selbstverständlich, fast allein um ihre älter werdenden Eltern und beschließt irgendwann ohne ihre Schwestern, dass das Elternhaus nicht altersgerecht ist und die Eltern in eine barrierefreie Wohnung ziehen sollen. Von der Idee ist außer Sanne selbst aber niemand wirklich begeistert und auch mit Mann und Kindern läuft es nicht gerade rund. Und auch ihre Schwestern tragen so manches Problem mit sich herum, ihr Verhältnis untereinander ist aber sehr distanziert und, dass ihr Elternhaus bald nicht mehr der Familie gehören könnte, macht alles nicht besser.

Ich halte das Buch für ein sehr wichtiges, da es sich mit einem nicht leichten Thema befasst, mit dem wir fast alle irgendwann konfrontiert werden. Dem Älterwerden der eigenen Eltern und allem, was damit verbunden ist. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die damit verbundenen Emotionen einzufangen und aufzuzeigen, welche Auswirkungen alles auch auf die Geschwister-Beziehung der Schwestern hat. So konnte ich mich sehr gut in die Handlung hineinversetzen. Der Schreibstil war gut lesbar und zugleich ist es Ute Mank gut gelungen, immer wieder sehr passende Worte und sprachliche Bilder für das von ihr Beschriebene zu finden.

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Interessante Einblicke in den Bau des Gotthardtunnels

Bergleuchten
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Die Handlung des Romans erstreckt sich über die Jahre 1872 bis 1882. Helenes Vater ist Fuhrunternehmer in Göschenen am Gotthardpass und verdient sein Geld mit Fahrten über den gefährlichen Pass. Dennoch ...

Die Handlung des Romans erstreckt sich über die Jahre 1872 bis 1882. Helenes Vater ist Fuhrunternehmer in Göschenen am Gotthardpass und verdient sein Geld mit Fahrten über den gefährlichen Pass. Dennoch unterstützt er, im Gegensatz zu vielen anderen Einheimischen, die Angst haben, durch den Tunnel ihre Arbeit zu verlieren, den Bau des Tunnels und transportiert Material für die Großbaustelle. Die meisten Männer, die dort arbeiten, sind Italiener. Auch der Mineur Piero, dem Helenes Eltern ein Zimmer vermieten, auch wenn sie, wie die meisten Dorfbewohner wenig von den Italienern halten. Daher weiß Helene eigentlich, dass sie niemals eine Beziehung zwischen ihr und Piero dulden würden. Dennoch verlieben beide sich ineinander.

Ich fand den Roman sehr interessant. Einerseits, was die Details zum Bau des Gotthardtunnels angeht, mit den gefährlichen Arbeitsbedingungen und schlechten Lebensbedingungen für die italienischen Gastarbeiter. Andererseits aber auch, weil man viel darüber erfuhr, wie patriarchalisch die Gesellschaft in so einem kleinen Dorf noch geprägt war und wie wenig Freiheiten Frauen hatten. Die Geschichte um Helene und Piero hat mich auch sehr gefesselt und ich habe mit ihnen gelitten und wollte wissen, wie alles ausgeht. Die Autorin scheint sorgfältig recherchiert zu haben, was die Hintergrundinformationen zum Bau des Gotthardtunnels angeht und sie beschreibt das alles sehr anschaulich und gut nachvollziehbar.

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Sommer in Paris

Sommertage im Quartier Latin
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Hinter "Sommertage im Quartier Latin" steckt eigentlich Anne Stern, die schon diverse historische Romane verfasst hat, die in Deutschland spielen. Nun entführt sie uns ins Paris, genauer in den Stadtteil ...

Hinter "Sommertage im Quartier Latin" steckt eigentlich Anne Stern, die schon diverse historische Romane verfasst hat, die in Deutschland spielen. Nun entführt sie uns ins Paris, genauer in den Stadtteil Quartier Latin, der Gegenwart. Schon das Cover ist in sommerlichen Farben gehalten und weckt mit dem Croissants und Macarons Appetit auf die Stadt.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen Lola Mercier, die nach dem Abitur fast aus Paris geflüchtet ist und zuletzt in Bordeaux lebte, und Fabien, der Besitzer des Café des Artisans im Quartier Latin, wo Lola ihre Kindheit und Jugend verbrachte und nun nicht nur ihn, sondern auch weitere alte Bekannte wiedertrifft. Zurück nach Paris kommt sie, weil ihre Großmutter Rose verschwunden ist.

Der Autorin ist es auf jeden Fall sehr gut gelungen, die Atmosphäre des sommerlichen Quartier Latin einzufangen, indem sie sehr anschaulich schreibt und auch immer wieder französische Begriffe einfließen lässt. Ich hätte mir aber noch etwas mehr Tiefgang gewünscht und war mit der Anzahl der Nebenpersonen auch etwas überfordert. Hier wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen. Andererseits tragen diese aber auch dazu bei, dass das Quartier Latin ist, wie es ist und machen Lust auf eine Reise nach Paris.

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