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Veröffentlicht am 16.03.2025

Erschreckend aktueller Polit-Thriller

Echokammer
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Im Zusammenhang mit Social Media ist mit einer "Echokammer" das Phänomen gemeint, dass wir uns dort bevorzugt mit Menschen austauschen, die unsere Ansichten teilen. Der norwegische Polit-Thriller, der ...

Im Zusammenhang mit Social Media ist mit einer "Echokammer" das Phänomen gemeint, dass wir uns dort bevorzugt mit Menschen austauschen, die unsere Ansichten teilen. Der norwegische Polit-Thriller, der nun diesen Titel trägt, weist eine Covergestaltung auf, die gut zu einem Thriller aus Skandinavien passt.

Die Handlung beginnt etwa einen Monat vor der Parlamentswahl in Norwegen. Die Parteien stecken mitten im Wahlkampf und selbst die Arbeiterpartei versucht mit einem strikteren Kurs bei der Migration und nicht ganz sauberen Methoden auf Social Media Wählerstimmen zurückzugewinnen. Zugleich sucht eine Anti-Terror-Einheit der Polizei nach rechtsnationalen Attentätern, die im Besitz einer großen Menge Rizin sein sollen, ohne, dass es eine Ahnung gibt, was genau diese damit vorhaben. Die Ermittler:innen Liselott Benjamin und Martin Tong tun dennoch alles, um einen Anschlag zu vereiteln. Und dann ist da noch Jens Meidell, der juristische Berater der Spitzenkandidatin der Arbeiterpartei. Ein Geheimnis aus dessen Vergangenheit droht aufgedeckt zu werden und er muss sich darüber klar werden, inwieweit er eigene Grundsätze über Bord werfen würde, um der Arbeiterpartei zurück an die Macht zu helfen und zu verhindern, dass rechte Kräfte noch stärker werden.

Ich fand diesen norwegischen Thriller teilweise erschreckend aktuell, da viele der Themen und Methoden der Wählermanipulation auch im aktuellen Wahlkampf in Deutschland eine große Rolle spielen, insbesondere auch die Forderung nach einer Rückführung vieler Migranten und einer Abschottung. Auch die Thematik mit dem biologischen Kampfstoff Rizin fand ich erschreckend, da alles doch recht einfach umsetzbar wirkt für Menschen, die möglichst vielen anderen schaden wollen. Das Ermittler:innen-Duo hat definitiv seine Ecken und Kanten, was gut zu dieser Art Stoff passt. Der Schreibstil war gut nachvollziehbar und die Perspektivwechsel trugen zu einer zusätzlichen Spannungssteigerung bei.

Der Sprecher des Hörbuchs war gut gewählt. Es gelang ihm, durch verschiedene Stimmlagen für die passende Atmosphäre zu sorgen und auch für ein abwechslungsreiches Hörerlebnis, dem man gut folgen konnte.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Erbstück

Wenn die Tage länger werden
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Bei diesem Roman ist mir das Cover etwas zu verspielt geraten, da ich aber bereits andere Bücher der Autorin kenne und mochte und mich die Kurzbeschreibung angesprochen hat, war mein Interesse dennoch ...

Bei diesem Roman ist mir das Cover etwas zu verspielt geraten, da ich aber bereits andere Bücher der Autorin kenne und mochte und mich die Kurzbeschreibung angesprochen hat, war mein Interesse dennoch geweckt.

Lisa ist Lehrerin an einem Gymnasium und alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Sie leben in Freiburg. Diesen Sommer fährt ihr Sohn zum ersten Mal ohne sie in den Urlaub, mit seinem Vater zu seinen polnischen Großeltern. Lisa freut sich einerseits auf die freie Zeit, andererseits graut es ihr auch davor, so lange von ihrem Sohn getrennt zu sein. Zu ihrer eigenen Mutter hat sie ein sehr distanziertes Verhältnis, da diese auch im Erwachsenenalter noch ständig etwas an Lisa zu kritisieren hat. Auch über ihre Großeltern mütterlicherseits weiß sie wenig, da dieses Thema totgeschwiegen wird. In diesem Sommer findet Lisa nun die Zeit, die alte Geige, die mal ihrem Großvater gehörte, zur Reparatur zu bringen. Dabei stößt sie auf ein düsteres Familiengeheimnis, lernt so aber auch die krebskranke Ute kennen, die sehr direkt ist, da sie nicht mehr viel zu verlieren hat.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, da sie sehr vielschichtig ist und es einerseits um das angespannte Mutter-Tochter-Verhältnis und die vielen ungesagten Dinge in Lisas Familie geht, andererseits aber auch um die Rolle von Lisa, die als alleinerziehende, berufstätige Mutter stark gefordert ist, aber auch nicht auf ewig allein bleiben möchte und auch die deutsche Geschichte spielt im Zusammenhang mit Lisas Familiengeschichte und auch mit der von Ute und deren Vater eine gewisse Rolle. In einigen Punkten habe auch ich selbst mich wiedergefunden. Der Schreibstil der Autorin war dabei gewohnt gut verständlich und auch anschaulich, die historischen und musikalischen Aspekte wirkten zudem sorgfältig recherchiert. Ich habe die Hörbuchvariante des Buches gehört und empfand die Stimme der Sprecherin als angenehm und zur Thematik passend. Das Sprechtempo war angemessen, sodass man der Geschichte gut folgen konnte.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Aline Abbouds Libanon

Barfuß in Tetas Garten
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Aline Abboud war mir bereits als Nachrichtenmoderatorin ein Begriff. In diesem Buch teilt sie nun sehr persönliche Erinnerungen. Sie ist 1988 als Tochter einer Ost-Berlinerin und eines Libanesen, der zum ...

Aline Abboud war mir bereits als Nachrichtenmoderatorin ein Begriff. In diesem Buch teilt sie nun sehr persönliche Erinnerungen. Sie ist 1988 als Tochter einer Ost-Berlinerin und eines Libanesen, der zum Studium in Leipzig war, geboren und hat so nach der Wiedervereinigung viele Sommer in der Heimat ihres Vaters verbracht und auch Arabistik studiert.

So erfährt man in diesem Buch viel über das alltägliche Leben einer christlichen (Groß-)Familie im Libanon. Aline und ihre Familie besuchten dort nicht nur Alines Großmutter Teta, die im Titel erwähnt wird, sondern auch diverse Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen, von denen viele mittlerweile über die ganze Welt verstreut leben, da die wirtschaftliche und politische Situation im Libanon schwierig ist. In Alines Anekdoten spielen dann krisenhafte Ereignisse ebenso eine Rolle, wie lange Strandtage und liebgewonnene Speisen oder besondere Sehenswürdigkeiten. So erfährt man aus ihrer Perspektive viel über dieses Land, von dem man meist nur in den Nachrichten im Zusammenhang mit dem Nah-Ost-Konflikt oder libanesischen Familienclans hört. Ergänzt wird all das mit privaten Fotos aus ihrem Familienalbum, durch die man sich das Beschriebene noch etwas besser vorstellen kann.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Leben und bauen unter erschwerten Bedingungen

Die Allee
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Die Bilder und die Farbgestaltung des Covers dieses Buches lassen bereits vermuten, dass dieses sich um die Zeit der DDR dreht. Geschrieben wurde es von der Enkelin des im Mittelpunkt stehenden Architekten ...

Die Bilder und die Farbgestaltung des Covers dieses Buches lassen bereits vermuten, dass dieses sich um die Zeit der DDR dreht. Geschrieben wurde es von der Enkelin des im Mittelpunkt stehenden Architekten Hermann Henselmann, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins aufstieg und und bedeutende Bauprojekte der DDR, wie die Stalinallee, den Palast der Republik oder den Fernsehturm entscheidend prägte.

Es geht aber nicht nur um ihn, sondern auch seine Frau Isi und Isa, eine seiner Töchter, nehmen eine wichtige Rolle ein. Isi hat selbst eine große Begabung für Architektur, durch die vielen Schwangerschaften schaffte sie es aber nie, ein Studium durchzuziehen und assistierte so ihrem Mann oft nur, bis sie sich mit zunehmendem Alter doch noch mehr von ihm emanzipiert. Hermann eckt bei der DDR-Führung mit seinen Vorstellungen von Architektur oft an und muss am Ende oft Kompromisse eingehen, um seine Position zu behalten. Sein Umgang mit Isi und seinen Kindern ist öfter wenig vorbildlich, so kommt es immer wieder zu Affären und gegenüber der Kinder neigt er zu gewalttätigen Wutausbrüchen. Isa geht daher recht früh ihre eigenen Wege, gerät dabei aber auch immer wieder in brenzlige Situationen, teilweise auch, weil sie nun mal die Tochter des recht bekannten Architekten ist.

Ich fand die Geschichte sehr interessant, insbesondere, weil ich so mehr über die Entstehungsgeschichte prägnanter Bauwerke der DDR erfahren habe, und darüber, wie es dazu kam, dass dort genau so gebaut wurde. Auch die Familiengeschichte hat mein Interesse geweckt, weil ich so noch einmal viel über die Frauenrolle in der DDR und am Beispiel von Isa über das Aufwachsen unter diesen erschwerten Bedingungen erfahren habe. Die Autorin schreibt gut nachvollziehbar und anschaulich, beschönigt aber trotz ihrer Verwandtschaft mit Hermann Henselmann nichts. Alles wirkt auch sehr gut recherchiert.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Wenn eine Lüge zur nächsten führt

Luzie in den Wolken
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Das Cover und der Titel von Charlotte Lucas neuestem Roman wirken bunt, fröhlich und auffällig. Die Geschichte hat aber auch eine traurige Seite.

Die siebenjährige Luzie hat mit drei Jahren ihren Vater ...

Das Cover und der Titel von Charlotte Lucas neuestem Roman wirken bunt, fröhlich und auffällig. Die Geschichte hat aber auch eine traurige Seite.

Die siebenjährige Luzie hat mit drei Jahren ihren Vater verloren und ihre Mutter Miriam ihren Mann. Nun versucht sie, sich und ihre Tochter mit einem Kinder Secondhandladen über Wasser zu halten, was mehr schlecht als Recht klappt. Luzie nimmt am Ballonwettbewerb eines Spielzeugladens teil und schreibt auf die Karte folgende Botschaft: »Liber Got, mein Papa ist bei dir im Himell - kannst du mir nicht bite einen neuen schikken? Von ganzem Hertzen, deine Luzie in den Wolken.« Der Ballon wird von Gabriel Bach, einem Bestseller-Autor mit Schreibblockade gefunden, der Luzies Schicksal zunächst als Inspiration für ein lang erwartetes neues Buch sieht und sich daher bemüht, Luzie und ihrer Mutter näher zu kommen.

Die Geschichte ist sowohl etwas sentimental als auch mit einer Prise Humor und einer ordentlichen Dosis Zuversicht ausgestattet. Die Protagonist:innen sind alle irgendwie liebenswert, wenn auch teilweise etwas naiv, aber, das ist bei einem solchem Roman ja nicht so schlimm. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt gut lesbar und sehr einfühlsam, was die Situation von Luzie und Miriam angeht. Teilweise hätte die Handlung aber etwas gestrafft werden können. Bei den kleineren Nebenfiguren, die nur ganz am Rand eine Rolle spielen, begegnet man alten Bekannten aus früheren Romanen der Autorin wieder, was recht nett ist.

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