Was The Faraway Inn über Cozy Fantasy und über Calisas stille Kraft erzählt.
The Faraway InnCalisa ist von Anfang an jemand, den ich sofort mochte. Nicht weil sie besonders laut oder besonders cool ist, sondern weil sie verletzt ist und sich trotzdem an die Arbeit macht. Das Inn zu renovieren ...
Calisa ist von Anfang an jemand, den ich sofort mochte. Nicht weil sie besonders laut oder besonders cool ist, sondern weil sie verletzt ist und sich trotzdem an die Arbeit macht. Das Inn zu renovieren ist ihr Weg, mit sich selbst klarzukommen, und dieser Prozess ist so organisch erzählt, dass er nie nach Therapiestunde oder Coming-of-Age-Schablone wirkt. Jack als Gegenüber ist warm, geerdet und unfassbar sympathisch. Ihre Liebesgeschichte entwickelt sich durch geteilte Arbeit und echtes Gespräch, nicht durch Missverständnisse und Dramaturgie-Gewitter.
Die Atmosphäre ist das, was mich am längsten beschäftigt hat. Das Faraway Inn mitten in den Vermont-Wäldern ist kein generisches Cottagecore-Setting, Durst macht daraus einen Ort mit Charakter, mit Geschichte, mit einer Magie, die sich nicht aufzwängt sondern herausschält. Die Gäste sind skurril ohne albern zu sein, jeder hat ein kleines Geheimnis, und die Enthüllung der magischen Regeln des Ortes ist elegant dosiert.
Was mich als Lektorin besonders beeindruckt hat: die Parallelstruktur zwischen dem Zustand des Hauses und dem Zustand von Calisas Selbstbild ist konsequent durchgehalten ohne je plakativ zu wirken. Das ist handwerklich wirklich stark.
Mein einziger Vorbehalt, und er ist klein: einige der Gastfiguren hätten mehr Seiten verdient. Aber das ist keine Schwäche, das ist eher der Beweis, dass Durst eine Welt erschaffen hat, in der man länger bleiben möchte.
Empfehlung: uneingeschränkt für alle, die atmosphärische Cozy Fantasy mögen, für YA-Leserinnen und für alle, die Bücher suchen, die nach Sommer und Kiefernharz und einem zweiten Anfang riechen.