Profilbild von Itsnotabouthappyendings

Itsnotabouthappyendings

Lesejury Profi
offline

Itsnotabouthappyendings ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Itsnotabouthappyendings über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2026

Was The Faraway Inn über Cozy Fantasy und über Calisas stille Kraft erzählt.

The Faraway Inn
0

Calisa ist von Anfang an jemand, den ich sofort mochte. Nicht weil sie besonders laut oder besonders cool ist, sondern weil sie verletzt ist und sich trotzdem an die Arbeit macht. Das Inn zu renovieren ...

Calisa ist von Anfang an jemand, den ich sofort mochte. Nicht weil sie besonders laut oder besonders cool ist, sondern weil sie verletzt ist und sich trotzdem an die Arbeit macht. Das Inn zu renovieren ist ihr Weg, mit sich selbst klarzukommen, und dieser Prozess ist so organisch erzählt, dass er nie nach Therapiestunde oder Coming-of-Age-Schablone wirkt. Jack als Gegenüber ist warm, geerdet und unfassbar sympathisch. Ihre Liebesgeschichte entwickelt sich durch geteilte Arbeit und echtes Gespräch, nicht durch Missverständnisse und Dramaturgie-Gewitter.

Die Atmosphäre ist das, was mich am längsten beschäftigt hat. Das Faraway Inn mitten in den Vermont-Wäldern ist kein generisches Cottagecore-Setting, Durst macht daraus einen Ort mit Charakter, mit Geschichte, mit einer Magie, die sich nicht aufzwängt sondern herausschält. Die Gäste sind skurril ohne albern zu sein, jeder hat ein kleines Geheimnis, und die Enthüllung der magischen Regeln des Ortes ist elegant dosiert.

Was mich als Lektorin besonders beeindruckt hat: die Parallelstruktur zwischen dem Zustand des Hauses und dem Zustand von Calisas Selbstbild ist konsequent durchgehalten ohne je plakativ zu wirken. Das ist handwerklich wirklich stark.

Mein einziger Vorbehalt, und er ist klein: einige der Gastfiguren hätten mehr Seiten verdient. Aber das ist keine Schwäche, das ist eher der Beweis, dass Durst eine Welt erschaffen hat, in der man länger bleiben möchte.

Empfehlung: uneingeschränkt für alle, die atmosphärische Cozy Fantasy mögen, für YA-Leserinnen und für alle, die Bücher suchen, die nach Sommer und Kiefernharz und einem zweiten Anfang riechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2026

Cosy Fantasy ohne große Herausforderungen

The Baby Dragon Café
0

The Baby Dragon Café von A. T. Qureshi hat mich mit seiner Prämisse direkt erwischt. Ein Café mit Drachenbabys als heimlichen Stars, eine finanziell unter Druck stehende Besitzerin und ein stur-attraktiver ...

The Baby Dragon Café von A. T. Qureshi hat mich mit seiner Prämisse direkt erwischt. Ein Café mit Drachenbabys als heimlichen Stars, eine finanziell unter Druck stehende Besitzerin und ein stur-attraktiver Gärtner, der um Hilfe bittet. Das klingt nach allem, was ich an Cosy Fantasy mag: Wärme, Charme, ein bisschen Magie und eine Romanze, die sich entfaltet wie ein gemütlicher Nachmittag.

Und zu einem guten Teil hat das Buch genau das geliefert. Die Atmosphäre des Cafés ist einladend, die Drachenbabys sind tatsächlich liebenswert, und der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Ich habe das Buch ohne große Widerstände durchgelesen, und das ist keine Selbstverständlichkeit.

Was mich trotzdem zurückhält, ist das Gefühl, dass die Welt von Starshine Valley nie wirklich lebendig wird. Wir wissen, dass es Drachen gibt, aber wir erfahren nicht, was das bedeutet. Wie hat diese Gesellschaft sich entwickelt? Was sind die Regeln? Welche Konflikte entstehen daraus? All das bleibt offen, und so bleibt das Setting eher Dekoration als tragende Kraft der Geschichte. Die Romanze zwischen Saphira und Aiden folgt einem sehr vertrauten Muster, das Enemies-to-Lovers-Prinzip ist erkennbar, aber nicht mit viel Eigenem gefüllt.

Die Charaktere sind sympathisch, aber an der Oberfläche. Saphiras Lebensfreude wird eher behauptet als gezeigt, und Aidens Sturheit wirkt mehr wie ein Persönlichkeitsmerkmal als wie etwas, das aus seiner Geschichte gewachsen ist.

Fazit: Drei Sterne, die ich ehrlich meine. Das Buch ist kein Meisterwerk, aber es ist ein guter Begleiter für ruhige Nachmittage. Ich empfehle es an alle, die Cosy Fantasy mögen, unkomplizierte Romanzen schätzen und gerade keine große emotionale Herausforderung suchen. Wer tiefes Worldbuilding oder psychologisch vielschichtige Charaktere erwartet, wird enttäuscht sein. Wer einfach lesen möchte, ist hier richtig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Der Gesang der See ist ein Buch, das ich ohne Zögern weiterempfehle

Der Gesang der See
0

Trude Teige hat mich mit Als Großmutter im Regen tanzte erwischt und seitdem lese ich alles von ihr was ich kriegen kann. Dass ihr Debütroman, Der Gesang der See, jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, ...

Trude Teige hat mich mit Als Großmutter im Regen tanzte erwischt und seitdem lese ich alles von ihr was ich kriegen kann. Dass ihr Debütroman, Der Gesang der See, jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, ist also für mich keine zufällige Lektüre, sondern fast ein Pflichttermin.

Die Geschichte folgt Kristiane, einer jungen Frau auf einer kleinen Fischerinsel an der norwegischen Westküste. Ihr Mann stirbt bei einem Sturm, sie ist schwanger, ihre Familie droht den Lotsenposten zu verlieren, den sie seit Generationen hält. Und als Frau darf sie ihn nicht einfach übernehmen. Was folgt, ist kein Drama im klassischen Sinne, sondern eine Geschichte die sich tief in die Haut gräbt.

Was mich als Leserin am stärksten mitgenommen hat: Die Emotionsführung. Teige treibt einen nicht durch rasante Szenen, sondern durch das innere Erleben ihrer Protagonistin. Das klingt banal, ist es aber nicht, weil das bedeutet, dass man Kritianes Gedanken und Gefühle vollständig nachvollziehen können muss. Und das tut man hier. Ich habe selten eine historische Romanfigur so klar gespürt.

Die Stärken liegen klar in der Atmosphäre und der Charakterzeichnung. Die Welt der norwegischen Küste ist dicht, fast körperlich beschreibbar, aber nie so überwältigend ausgeschmückt, dass die Figuren dahinter verschwinden. Der Konflikt zwischen Pflicht, Familie und dem eigenen Wunschleben ist keine Kulisse, er ist die Geschichte selbst.

Wenn ich etwas anmerken würde: An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass Teige die Nebenfiguren etwas stärker ausarbeitet. Besonders die Mutter und die Schwester bleiben etwas blass gegenüber Kristiane. Das ist kein gravierendes Problem, aber es fällt auf wenn man aufmerksam liest.

Insgesamt ein Buch, das ich besonders Leserinnen empfehle, die atmosphärische, historisch verankerte Geschichten über Frauen in Grenzsituationen mögen. Wer Teiges spätere Romane kennt, wird hier den Grundton wiederfinden, ruhig, ernst, emotional präzise. Und wer sie noch nicht kennt: Das ist ein sehr guter Einstieg.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Wenn ein Debüt handwerklich mehr abliefert als manche etablierte Reihe

Born of Salt and Storm
0

Romantasy-Debüts können wirklich alles sein: mitreißend oder handwerklich noch rau, atmosphärisch stark oder mit Worldbuilding das nur als Tapete existiert. Sophia Reynard hat mich überrascht, und zwar ...

Romantasy-Debüts können wirklich alles sein: mitreißend oder handwerklich noch rau, atmosphärisch stark oder mit Worldbuilding das nur als Tapete existiert. Sophia Reynard hat mich überrascht, und zwar wirklich positiv.

Was mich von Anfang an eingenommen hat, ist das maritime Setting. Das Meer ist hier keine Kulisse, die man beliebig gegen einen Wald oder ein Schloss tauschen könnte. Es ist prägend für die Gesellschaft, für die Figuren, für die Magie. Der Salzorden als religiös-fanatische Institution hat eine glaubwürdige innere Logik, die Sturmwesen sind keine generischen Romantasy-Monster, sondern passen organisch in das Weltbild. Das alles wirkt nicht hingebaut für den Plot, sondern wie etwas, das schon lange vor Seite eins existiert hat. Als Leserin hat mich das tief ins Buch gezogen.

Tavi als Protagonistin ist gut gezeichnet. Sie ist eigensinnig ohne nervig zu sein, ihre Entscheidungen kommen aus ihrer Geschichte und nicht aus Plotbedürfnissen. Mit ihr durch diese Welt zu gehen hat Spaß gemacht, auch weil die Spannung gut dosiert ist. Die Wendungen sind nicht aus dem Nichts, sondern es gibt Vorbereitungen, die beim ersten Lesen unauffällig wirken und im Nachhinein Sinn ergeben. Das schätze ich sehr.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt betrifft die Romance. Tavi und Eero haben echtes Potential, die Grundkonstellation ist stark und Eero ist als Figur interessant. Aber die emotionale Annäherung der beiden bleibt an einigen Stellen etwas dünn. Ich wollte mehr von diesem Misstrauen, das sich langsam in etwas Anderes verwandelt. Ein paar Entwicklungsschritte fühlen sich übersprungen an, sodass manche emotionalen Momente nicht ganz die Wirkung entfalten, die sie hätten haben können.

Für alle, die maritime Fantasy mögen, gutes Worldbuilding schätzen und mit einer starken weiblichen Hauptfigur gut leben können: unbedingt lesen. Wer ein Romantasy-Buch ausschließlich wegen der Romance in die Hand nimmt und dort den hauptsächlichen Fokus sucht, könnte sich ein kleines bisschen wünschen, dass es mehr davon gäbe. Für mich persönlich war das Gesamtpaket überzeugend genug für 4,5 Sterne und meine feste Überzeugung, dass Sophia Reynard eine Autorin ist, die man im Auge behalten sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Eigenwilliger Auftakt mit starkem Finale

The Sleepless
0

The Sleepless von Jen Williams hat mich mit einer Protagonistin empfangen, die ich in der Fantasy so noch nicht getroffen habe. Elver lebt allein in einem Wald voller Kreaturen, die sie versteht und beschützt, ...

The Sleepless von Jen Williams hat mich mit einer Protagonistin empfangen, die ich in der Fantasy so noch nicht getroffen habe. Elver lebt allein in einem Wald voller Kreaturen, die sie versteht und beschützt, während sie selbst für alle außerhalb dieses Waldes eine echte Bedrohung ist. Ihr Gift ist nicht Metapher, es ist ihr Alltag, ihre Einsamkeit und gleichzeitig ihr einziger Schutz. Das hat mich von der ersten Seite an interessiert.
Dann kommt Artair. Und mit ihm Lucian. Das Konzept der zwei Seelen in einem Körper klingt auf dem Klappentext nach einem cleveren Gimmick für einen Love Triangle. Beim Lesen merkt man schnell, dass Williams das ernsthafter meint. Die emotionale Dreiecksdynamik zwischen Elver, Artair und Lucian ist das Herzstück des Buches, und sie funktioniert, weil die beiden nicht einfach austauschbare Liebesinteressen sind, sondern wirklich unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Beziehungen zu ihrer gemeinsamen Situation und zu Elver.
Was ich weniger überzeugend fand, war das Tempo der ersten zwei Drittel. Williams baut ihr Worldbuilding sorgfältig und atmosphärisch auf, aber die eigentliche Handlung tritt lange auf der Stelle. Es hat mich einige Male Disziplin gekostet, weiterzulesen. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich fast, die Spannung, die so geduldig aufgebaut wurde, zahlt sich aus, und ich habe die letzten Seiten in einem Stück gelesen. Das ist klar Jen Williams in Hochform.
Das Magiesystem gefällt mir sehr. Es ist konsequent gedacht, gut in die Welt integriert und nicht nur Dekoration. Die Perspektivwechsel funktionieren ebenfalls, weil sie den Figuren wirklich unterschiedliche innere Logiken geben.
4 von 5 Sternen. Für alle, die bereit sind, sich auf langsames Worldbuilding einzulassen, und mit Slowburn-Romantik etwas anfangen können, ist das ein lesenswerter Auftakt. Wer schnelle Handlung braucht, wird im ersten Teil kämpfen müssen. Ich empfehle es besonders Leserinnen und Lesern, die Fantasy mögen, die ihre Tropes mit Bedacht einsetzt, statt sie nur abzuhaken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere