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Veröffentlicht am 10.03.2026

Wenn der Tod ein Versprechen ist

Das Dreizehnte Kind
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Dass Erin A. Craig atmosphärisch etwas kann, hat sie bereits mit "House of Salt and Sorrows" bewiesen. Entsprechend neugierig war ich auf "Das dreizehnte Kind", das mit einem wirklich interessanten Konzept ...

Dass Erin A. Craig atmosphärisch etwas kann, hat sie bereits mit "House of Salt and Sorrows" bewiesen. Entsprechend neugierig war ich auf "Das dreizehnte Kind", das mit einem wirklich interessanten Konzept aufwartet: Hazel Trépas ist das dreizehnte Kind ihrer Familie und damit dem Tod selbst versprochen. Als Gegenleistung erhält sie eine Heilgabe, die sie zur begehrten Heilerin macht, aber auch mit dem Fluch verbindet, das unvermeidliche Ende eines Menschen zu sehen.

Was mich von Beginn an überrascht und gefesselt hat, ist die Erzählstruktur. Die Geschichte begleitet Hazel nicht nur durch einen kurzen dramatischen Zeitraum, sondern durch mehrere Jahrzehnte ihres Lebens. Das ist mutig, und es funktioniert gut. Man wächst wirklich mit Hazel, man versteht ihre Erschöpfung, ihre Sehnsucht nach Freiheit, ihre Ambivalenz gegenüber ihrer Gabe. Als Figur ist sie mir einer der sympatischsten Protagonistinnen im Genre, weil sie komplex ist ohne künstlich komplex wirken zu wollen.

Die Welt fühlt sich stimmig an, märchenhaft dunkel, mit einer Herbstatmosphäre die ich sehr gemocht habe. Craigs Schreibstil ist flüssig und zugänglich, ohne seicht zu wirken.

Was mich allerdings zunehmend beschäftigt hat: Die Wendungen. Ich habe sie immer zu früh kommen sehen. Das ist kein kleines Problem, weil Spannung in einem Roman dieser Art das Herzstück ist. Wenn man als Leserin schon Seiten vorher weiß was passiert, bleibt die emotionale Wirkung einer Szene weit unter ihren Möglichkeiten. Es hat sich manchmal angefühlt als würde das Buch einem zu viel verraten, nicht durch Spoiler, sondern durch zu deutliche Hinweise.

Mein Fazit: 3,5 Sterne für ein Buch, das ich trotzdem gerne gelesen habe. Wer Märchenatmosphäre, eine warmherzige Protagonistin und eine ungewöhnliche Zeitstruktur schätzt, wird hier gut aufgehoben sein. Wer echte Spannung und unerwartete Wendungen erwartet, könnte enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Gute Idee, ungleichmäßige Umsetzung

The Exes
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The Exes war für mich eines dieser Bücher, bei denen ich nach den ersten Seiten dachte, das könnte wirklich gut werden. Die Prämisse ist stark: Natalie sucht die große Liebe, hat dabei aber eine Vergangenheit, ...

The Exes war für mich eines dieser Bücher, bei denen ich nach den ersten Seiten dachte, das könnte wirklich gut werden. Die Prämisse ist stark: Natalie sucht die große Liebe, hat dabei aber eine Vergangenheit, die sich nicht so einfach wegschweigen lässt, nämlich drei tote Ex-Freunde und eine unheilvolle Neigung, zufällig in der Nähe zu sein, wenn etwas passiert. Als sie James kennenlernt und glaubt, endlich alles zu haben was sie sich je gewünscht hat, beginnt das eigentliche Spiel.

Was mich als Leserin leider zunehmend abgeholt hat, war das Pacing der ersten Hälfte. Der Roman braucht sehr lang, um wirklich Fahrt aufzunehmen. Die vielen Zeitsprünge und Rückblenden, die Leodora Darlington einsetzt, um Natalies Vergangenheit zu enthüllen, unterbrechen den Erzählfluss immer genau dann, wenn er gerade beginnt, Zugkraft zu entwickeln. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich auf das Ende eines Rückblickes gewartet habe, statt mitzufiebern. Das ist für einen Thriller ein ernstes Problem.

Die zweite Hälfte des Buches ändert das Tempo deutlich, und hier zeigt Darlington, dass sie durchaus weiß wie man Twists setzt. Einige Wendungen haben mich wirklich überrascht, andere wirkten gegen Ende zunehmend konstruiert und haben mich eher ungeduldig als gespannt zurückgelassen. Das Gefühl, dass die Autorin ein Ziel vor Augen hatte und rückwärts auf dieses Ziel hingeschrieben hat, ließ sich leider nicht ganz abschütteln.

Was das Buch für mich dennoch interessant macht, ist das Thema selbst: weibliche Rache, die Frage nach Moral und Rechtfertigung, eine Protagonistin die sich in einer gesellschaftlichen Realität bewegt die Frauen systematisch verletzt. Diese Ansätze sind da, aber sie werden nicht ganz zu Ende gedacht. Natalie bleibt als Figur ein Stück weit blass, und das nimmt der Geschichte die psychologische Tiefe die sie brauchen würde, um wirklich unter die Haut zu gehen.

Meine Empfehlung: Wer Thriller liebt, die vor allem in der zweiten Hälfte Tempo machen, und wer bereit ist, eine etwas holprige erste Hälfte in Kauf zu nehmen, kann hier durchaus gut unterhalten werden. Wer psychologische Komplexität sucht oder eine Protagonistin mit der man wirklich mitfiebert, könnte enttäuscht sein. 3 von 5 Sternen für ein Buch mit guter Idee und ungleichmäßiger Umsetzung.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Für alle, die Spannung wollen ohne auf echte Charaktertiefe verzichten zu müssen

Firewatch
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Ich bin, das muss ich dazu sagen, noch ein Thriller-Neuling. Firewatch war also ein kleines Experiment für mich, und es ist eines, das ich nicht bereue.

Die Grundprämisse ist so simpel wie fies: Robin ...

Ich bin, das muss ich dazu sagen, noch ein Thriller-Neuling. Firewatch war also ein kleines Experiment für mich, und es ist eines, das ich nicht bereue.

Die Grundprämisse ist so simpel wie fies: Robin weiß, wer seinen besten Freund Aaron getötet hat. Die Polizei tut nichts. Also tut er es selbst, auf die einzig mögliche Art, die er sich vorstellen kann: Er nähert sich dem Verdächtigen an, gewinnt sein Vertrauen, sucht nach Beweisen. Was dabei niemand einkalkuliert hat, auch Robin nicht: dass Gefühle sich nicht einfach ausschalten lassen, nur weil man sie strategisch geplant hat.

Was mich von der ersten Seite an überrascht hat, war der Schreibstil. Colin Hadler schreibt mit einer Sogwirkung, die ich so nicht erwartet hatte. Kein unnötiges Aufblähen, kein Tempo um des Tempos willen, sondern ein Rhythmus, der sich ganz natürlich anfühlt. Ich bin durch die Seiten gelaufen, nicht gerannt, und trotzdem wollte ich nie aufhören.

Die Charaktere sind der eigentliche Kern. Robin und Kian sind keine Symbole oder Funktionen der Handlung, sie sind Menschen mit echten Widersprüchen. Robins innerer Konflikt zwischen dem, was er will, und dem, was er tun zu müssen glaubt, ist das Herzstück des Buches und es schlägt laut.

Was ich persönlich übersprungen habe: die expliziten Szenen. Das ist eine persönliche Präferenz, und ich sage das ausdrücklich, weil es dem Gesamterlebnis keinen Abbruch getan hat. Die Geschichte trägt sich auch ohne sie.

Mein einziger echter Kritikpunkt betrifft das Finale. Nach einem so sorgfältigen, geduldigen Aufbau wirkt der Schluss gehetzt. Die Auflösung passiert schnell, vielleicht zu schnell, und der emotionale Abschluss bekommt nicht den Raum, den er verdient hätte.

Für wen ist Firewatch das Richtige? Für alle, die Spannung wollen ohne auf echte Charaktertiefe verzichten zu müssen. Für Thriller-Einsteiger wie mich, aber auch für erfahrene Genre-Leser, die gute Handwerksarbeit zu schätzen wissen. Und für alle, die wissen wollen, ob Vertrauen und Betrug gleichzeitig existieren können, ohne dass einer der beiden Begriffe dabei lügt.

4 von 5 Sternen, und ich würde es sofort weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein kurzweiliger Romance-Roman, der sich gut wegliest

Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe
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Drei Sterne für ein Buch, das ich an einem Abend weggelesen habe. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. "Two Can Play" von Ali Hazelwood hat mich gut unterhalten, keine Frage. Ich hatte Viola ...

Drei Sterne für ein Buch, das ich an einem Abend weggelesen habe. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. "Two Can Play" von Ali Hazelwood hat mich gut unterhalten, keine Frage. Ich hatte Viola direkt gern, das Ski-Hütten-Setting hat eine schöne Atmosphäre, und Hazelwoods Schreibstil hat diesen typischen, fast schon hypnotischen Sog, der einen durch die Seiten trägt ohne dass man es merkt. Was mich trotzdem nicht vollständig überzeugt hat, ist die Basis des Konflikts. Die ganze Spannung zwischen Viola und Jesse lebt vom Miscommunication-Trope und ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan davon, weil er für mich nur funktioniert, wenn ich als Leserin wirklich nachvollziehen kann, warum diese beiden Menschen nicht einfach miteinander reden. Das war hier nicht ganz gegeben. Jesses anfängliche Zurückweisung, die ja der Motor der ganzen Geschichte ist, hätte mehr emotionale Fundierung gebraucht, damit ich ihr glauben kann. Dazu hat mich das Pacing etwas gestört. Die Beziehungsentwicklung wirkte an einigen Stellen gehetzt, als würde der Plot etwas ungeduldig auf das Ende hinarbeiten, bevor die Charaktere wirklich dort angekommen sind, wo sie sein müssten. Und die Nebencharaktere bleiben leider sehr im Hintergrund – schade, weil im Workplace-Setting so viel Potential gesteckt hätte. Hazelwood kann schreiben, das ist unbestritten. Stil, Tempo, Humor – das sitzt. Und "Two Can Play" ist definitiv ein Buch für einen entspannten Leseabend ohne große Ansprüche. Wer auf unkomplizierte Enemies-to-Lovers-Romances steht und Miscommunication-Tropes mag, wird hier glücklich. Wer sich tiefere Charakterarbeit und eine komplexere Konfliktbasis wünscht, sollte die Erwartungen etwas zurückschrauben. Für mich persönlich: solide, sympathisch, aber nicht unvergesslich.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Der erste Band einer Reihe, und ich bin gespannt, wohin Bennett diese Welt führt.

The Tainted Cup
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Ich bin mit klaren Erwartungen in The Tainted Cup gegangen: Fantasykrimi, exzentrischer Ermittler-Archetyp, wahrscheinlich ein bisschen Sherlock-Energie. Was ich nicht erwartet hatte, war wie vollständig ...

Ich bin mit klaren Erwartungen in The Tainted Cup gegangen: Fantasykrimi, exzentrischer Ermittler-Archetyp, wahrscheinlich ein bisschen Sherlock-Energie. Was ich nicht erwartet hatte, war wie vollständig und eigenständig sich diese Welt anfühlt. Robert Jackson Bennett hat hier kein Fantasy-Kostüm über eine generische Krimistruktur geworfen, sondern wirklich beides miteinander verwoben, und das merkt man.

Der Roman spielt in einem Imperium, das mit seiner Grenze gegen riesige Meeresmonster, die Leviathane, kämpft, und deren Blut seltsame magische Veränderungen an Menschen bewirkt. Dinios Kol, unser Ich-Erzähler, ist so verändert worden, dass er ein perfektes Gedächtnis besitzt. Er ist der Assistent der Ermittlerin Ana Dolabra, einer Frau, die brillant, kompromisslos und gleichzeitig sozial unmöglich ist. Der Mord zu Beginn, ein Offizier, aus dem ein Baum wächst, ist genau das richtige Versprechen an den Leser: Es wird seltsam, aber mit Logik.

Was mich am meisten begeistert hat, ist die Charakterzeichnung. Ana und Din sind keine Typen, sondern Menschen. Ihre Dynamik hat Tiefe ohne in Klischees zu fallen, und die Dialoge zwischen beiden sind oft das Beste im ganzen Buch. Da ist echter Witz, echter Konflikt, und keine einzige Zeile die nur Exposition transportiert.

Mein einziger Kritikpunkt ist das Pacing. Es gibt Passagen, in denen der Ermittlungsfortschritt ins Stocken gerät, und die ruhigeren Momente fühlen sich gelegentlich nach Pause an statt nach bewusstem Atemholen. Das ist kein großes Problem, aber ich habe bemerkt, dass meine Aufmerksamkeit in diesen Phasen leicht wanderte.

Fazit: 4 von 5 Sternen für ein Buch, das frischen Wind ins Fantasy-Genre bringt und zwei Figuren mitbringt, denen man gerne bei der Arbeit zuschaut. Ich empfehle es besonders Menschen, die Krimis mögen, aber klassischer Fantasy müde sind, und umgekehrt: Fantasy-Lesern, die ein klares strukturelles Rückgrat in ihren Romanen schätzen. Der erste Band einer Reihe, und ich bin gespannt, wohin Bennett diese Welt führt.

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