Wenn der Tod ein Versprechen ist
Das Dreizehnte KindDass Erin A. Craig atmosphärisch etwas kann, hat sie bereits mit "House of Salt and Sorrows" bewiesen. Entsprechend neugierig war ich auf "Das dreizehnte Kind", das mit einem wirklich interessanten Konzept ...
Dass Erin A. Craig atmosphärisch etwas kann, hat sie bereits mit "House of Salt and Sorrows" bewiesen. Entsprechend neugierig war ich auf "Das dreizehnte Kind", das mit einem wirklich interessanten Konzept aufwartet: Hazel Trépas ist das dreizehnte Kind ihrer Familie und damit dem Tod selbst versprochen. Als Gegenleistung erhält sie eine Heilgabe, die sie zur begehrten Heilerin macht, aber auch mit dem Fluch verbindet, das unvermeidliche Ende eines Menschen zu sehen.
Was mich von Beginn an überrascht und gefesselt hat, ist die Erzählstruktur. Die Geschichte begleitet Hazel nicht nur durch einen kurzen dramatischen Zeitraum, sondern durch mehrere Jahrzehnte ihres Lebens. Das ist mutig, und es funktioniert gut. Man wächst wirklich mit Hazel, man versteht ihre Erschöpfung, ihre Sehnsucht nach Freiheit, ihre Ambivalenz gegenüber ihrer Gabe. Als Figur ist sie mir einer der sympatischsten Protagonistinnen im Genre, weil sie komplex ist ohne künstlich komplex wirken zu wollen.
Die Welt fühlt sich stimmig an, märchenhaft dunkel, mit einer Herbstatmosphäre die ich sehr gemocht habe. Craigs Schreibstil ist flüssig und zugänglich, ohne seicht zu wirken.
Was mich allerdings zunehmend beschäftigt hat: Die Wendungen. Ich habe sie immer zu früh kommen sehen. Das ist kein kleines Problem, weil Spannung in einem Roman dieser Art das Herzstück ist. Wenn man als Leserin schon Seiten vorher weiß was passiert, bleibt die emotionale Wirkung einer Szene weit unter ihren Möglichkeiten. Es hat sich manchmal angefühlt als würde das Buch einem zu viel verraten, nicht durch Spoiler, sondern durch zu deutliche Hinweise.
Mein Fazit: 3,5 Sterne für ein Buch, das ich trotzdem gerne gelesen habe. Wer Märchenatmosphäre, eine warmherzige Protagonistin und eine ungewöhnliche Zeitstruktur schätzt, wird hier gut aufgehoben sein. Wer echte Spannung und unerwartete Wendungen erwartet, könnte enttäuscht werden.