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Veröffentlicht am 18.04.2026

ein wichtiges Buch

Die Stunde der Mauersegler
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„Die Stunde der Mauersegler“ ist ein Buch das mich von Anfang an begeistern konnte.
Anhand einer Familie erzählt es dieAuswirkungen des DDR Regimes mit all seinen Einschränkungen und Reglementierungen ...

„Die Stunde der Mauersegler“ ist ein Buch das mich von Anfang an begeistern konnte.
Anhand einer Familie erzählt es dieAuswirkungen des DDR Regimes mit all seinen Einschränkungen und Reglementierungen und wie diese noch Jahre nachwirken.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen 1988 und 2015.Protagonisten sind die Familienmitglieder der Familien Simon und Hauschke.
Bei einem Familientreffen 2015 erfährt der jüngste Spross der Familie Lou,von einem Großonkel,der kurz nach Mauerbau 1961 in den Westen flüchtete,er wurde die ganze Zeit totgeschwiegen,warum?

IhreGrossmutter Isa stellt mit ihrer Familie 1987 einen Ausreiseantrag,dem nach einem Jahr stattgegeben wird.Ein Jahr,in dem die Familie Ausgrenzung und Schikane ausgesetzt ist und auch andere Familienmitglieder um Privilegien fürchten müssen,da ja schon ein Familienmitglied nicht linientreu war.
In Rückblicken wird immer wieder über diese Zeit berichtet.
In der Gegenwart verlangt Lou Antworten und sucht ihren Großonkel auf und bringt damit einiges an Dynamik in das Familiengeheimnis.

Dieses Buch berührt.Es zeigt auf,wie das DDR Regime funktionierte,mit Angst,Druck,Bespitzelung und Bestrafung.
Kein Wunder,dass dieMenschen dieses Landverlassen wollten.Es zeigt aber auch anhand von Elisabeth,Lou‘s Urgroßmutter,dass viele Menschen nach Staatsgründung,große Hoffnung auf ein gerechteres Leben hatten.Chancengleichheit in Bildung und Beruf,auch unter den Geschlechtern.Leider konnte man dies nur erreichen,wenn man auf Staatslinie war.Ich kann mir schon vorstellen,dass es schwer für die Menschen war zu sehen,wie sich ihre Ideologien immer mehr in Rauch auflösten und statt dessen ein autoritäres Regime die Macht an sich riss.

Auch die Stimmung wurde gut eingefangen.Immer Angst etwas falsches zu sagen,immer Misstrauen,selbst den Familienmitgliedern gegenüber.Die Folge war -Schweigen-.
Alles wurde totgeschwiegen,aus Angstetwas an die Oberfläche zu holen,was gegen einen gerichtet werden konnte.Auch die Zerrissenheit zwischen zwei Staaten zu stehen,der Heimat,in der man geboren wurde und dem Land,für das man sich dann entschieden hatte.Eine Zerrissenheit,die auch nach Mauerfall nicht endete.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

toller dritter Teil

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand ohne Titel“ ist der dritte Band einer Familiengeschichte, die Alena Schröder mit diesem Buch zum Abschluss bringt.
Wie auch in den Vorgängerbänden schreibt die Autorin ...

„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand ohne Titel“ ist der dritte Band einer Familiengeschichte, die Alena Schröder mit diesem Buch zum Abschluss bringt.
Wie auch in den Vorgängerbänden schreibt die Autorin auf zwei Zeitebenen, der Vergangenheit und der Gegenwart.

Kurz nach dem Krieg entkommt die 15 jährige Marlen dem Todesstrudel von Demmin. In einem alten Forsthaus bei Güstrow lernt sie Wilma kennen, die sie unter ihre Fittiche nimmt, denn Marlen‘s Mutter hat sich aus Angst vor den Russen das Leben genommen und ihren Bruder und Marlen mit in den Tod reißen wollen. Marlen überlebte, ihr Bruder nicht.
Zusammen mit der Haushälterin Bergel leben die drei abgeschieden in einem Haus bei Güstrow. Wilmas Mann, ein bekannter Maler, ist im 2. Weltkrieg verschollen. Wilma glaubt ihn tot,worüber sie nicht traurig ist, denn ihre Ehe war geprägt von Gewalt und Unterdrückung. Wilma ist selbst Malerin, hatte neben ihrem Mann aber nie eine Chance. Nun steigt sie zur bekannten Malerin des sozialistischen Realismus auf und Marlen wird ihre Assistentin, auf die sie im Laufe der Zeit immer mehr angewiesen ist, da sie nach und nach ihr Sehvermögen verliert.Marlen malt die Bilder nach Wilmas Anleitung.Doch auch Marlen ist künstlerisch ambitioniert, was sie aber verschweigt und im Geheimen auslebt an einem kleinen Gemälde das sie bei ihrer Flucht gefunden hat und auf das sie Schicht für Schicht ihr Leben und ihre Fantasie überträgt.

In der Gegenwart lernen wir Hannah kennen, die wir schon aus den ersten Bücher der Autorin kennen.
Nach Jahrzehnten der Abwesenheit meldet sich Hannah‘s Vater bei ihr und Hannah fragt sich was er von ihr will und warum er sich die ganzen Jahrzehnte nicht um sie gekümmert hat.

Ich habe beide Geschichten gerne gelesen. Hannah war mir als Protagonistin sehr sympathisch und ich konnte ihre Gedanken,Gefühle und ihr Handeln sehr gut nachvollziehen.

Sehr berührt hat mich aber auch die Geschichte um Marlen, die von ihrem Leben nach dem Krieg handelt und wie sich ihr Zukunft weiter gestaltet hat. Auch hier konnte ich sowohl Wilma’s ,als auch Marlen‘s Verhalten in gewisser Weise nachvollziehen,

fand das Verhalten von Wilma aber schon übergriffig und grenzwertig, da sie dadurch Marlen‘s Leben nachhaltig beeinflusst hat.

Die Autorin hat es wieder gut verstanden ihre Figuren so zu gestalten, dass man als Leser einen emotionalen Bezug zu ihnen bekommt, was für mich das Lesen sehr intensiv und nachhaltig gemacht hat.
Der Schreibstil der Autorin ist eingängig, ruhig und sehr einprägsam.

Wie die einzelnen Bücher der Autorin, die man aber auch alle unabhängig voneinander lesen kann, zusammenhängen,erfährt man im Epilog.ich fand es sehr gekonnt.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

große Leseempfehlung

Eine wie Frankie
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War das ein Lesespaß. „Eine wie Frankie“ von Graham Norton war für mich ein absolutes Highlight in diesem noch jungen Lesejahr.Ein Buch das den Leser von Irland über London in das New York der 60er Jahre ...

War das ein Lesespaß. „Eine wie Frankie“ von Graham Norton war für mich ein absolutes Highlight in diesem noch jungen Lesejahr.Ein Buch das den Leser von Irland über London in das New York der 60er Jahre führt und dem Leser das Leben einer sympathischen und faszinierenden Persönlichkeit erzählt.

Frankie Howe ist 84 Jahre alt als sie stürzt und kurzzeitig in ihrer Londoner Wohnung auf Hilfe angewiesen ist.Der irische Pfleger Damian wird ihr zugewiesen und trifft auf eine ältere Dame, die von einem Pfleger nichts wissen will. Doch nach und nach freunden sie sich an und Frankie erzählt Damian ihr Leben. Geboren in einem kleinen Ort in Irland verliert Frankie ihre liebevollen Eltern früh bei einem Verkehrsunfall. Sie wächst dann bei Verwandten in einem Pastorenhaushalt auf, wird früh an einen 45 jährigen Pastor verschachert, der sie betrügt und später wieder zu ihren Pflegeeltern zurückschickt. Frankie flieht, zuerst nach London und von dort aus strandet sie im New York der 60er Jahre in der Kunstszene. Sie lernt Joe kennen , der als Fahrer arbeitet und als Künstler erfolgreich werden will.
Ihr intensives Leben ist geprägt von Höhen und Tiefen, bis ihr Weg sie zurück nach London führt.

Was für ein Buch und was für ein Leben. Ich habe dieses Buch nicht zur Seite legen können, weil mich Frankies Leben so sehr fasziniert hat. Sie ist einfach eine Sympathieträgerin und ihr Leben so bunt und interessant, dass man als Leser einfach erfahren will, was Frankie erlebt hat und sie hat einiges erlebt.
Der Autor schreibt spannend und unterhaltsam und so fliegt man nur so durch die Seiten und ich war sehr traurig, dass Frankies Geschichte zu Ende war. Ich hätte ihr noch stundenlang weiter folgen können.Solche Bücher machen einfach Spaß und ich könnte mir vorstellen, dass sie sogar Lesemuffel zum Lesen bringen könnte.

Ganz große Leseempfehlung!!!

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Veröffentlicht am 18.04.2026

spannender Beginn einer neuen Reihe

Der Trailer
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„Der Trailer“ ist der erste Teil einer neuen Thrillerreihe vom Autor Linus Geschke und er hat mir spannende Lesestunden beschert.

2011 verschwindet eine junge Frau auf einem Campingplatz in Belgien. Der ...

„Der Trailer“ ist der erste Teil einer neuen Thrillerreihe vom Autor Linus Geschke und er hat mir spannende Lesestunden beschert.

2011 verschwindet eine junge Frau auf einem Campingplatz in Belgien. Der Fall wird nie aufgeklärt.

In der Gegenwart wird die Kommissarin Frieda Stahnke vom Dienst suspendiert, weil sie einem Immobilienmogul, der Verbindungen zur Polizei hat, auf die Füße getreten ist.
In einem Podcast, zu dem Frieda eingeladen wird, wird Frieda noch einmal auf den alten Fall der verschwundenen Lisa Martin angesprochen und da Frieda Lisa aus ihrem Heimatort kannte, sie jetzt Zeit hat und ihre Intuition ihr sagt, dass da etwas übersehen wurde, widmet sie sich diesem Cold case.
Eines Tages erhält sie einen Anruf, der ihre Ahnungen bestätigt. Schnell bekommt sie heraus, dass der Anrufer ein ehemaliger Zeuge des Geschehens 2011 war und nicht nur ein undurchsichtiger Typ ist, sondern auch etwas vor ihr verschweigt. Doch sie ist auf ihn angewiesen und deswegen versuchen beide zusammen herauszufinden, was damals geschehen ist.

Ich fand den Thriller gut aufgebaut und die Spannung hielt sich auch fast konstant über das ganze Buch hindurch.Die einzelnen Figuren waren gut gewählt und auch gut beschrieben. Frieda als Kommissarin war mir von Anfang an sympathisch und ist in ihrer Rolle gut besetzt. Die Atmosphäre ist eine Stärke dieses Buches, denn sie übermittelt dem Leser einen Gänsehautmoment nach dem nächsten und man merkt, dass von dem Campingplatz Donkerbloem etwas Böses, Düsteres ausgeht, was der Besitzer des Campingplatzes mit seiner Person und seinem Verhalten auch bestätigt. Man fragt sich immer, wie alles zusammenhängt.
Die Auflösung hat mich überrascht und ich fand sie richtig gut.
Alles in allem ein spannender, solider Thriller auf dessen zweiten Teil ich gespannt bin.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

ein berührender Roman

Wo das Eis niemals schmilzt
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„Wo das Eis niemals schmilzt“von Inkeri Markkula ist ein Buch über Herkunft, Identität, Rassismus, Liebe, Gletscher und ihre Auswirkungen auf unser Klima. Es ist ein Buch das mich berührt und stark beeindruckt ...

„Wo das Eis niemals schmilzt“von Inkeri Markkula ist ein Buch über Herkunft, Identität, Rassismus, Liebe, Gletscher und ihre Auswirkungen auf unser Klima. Es ist ein Buch das mich berührt und stark beeindruckt hat und das mich nicht nur wegen unserer momentanen Temperaturen oft hat frösteln lassen.

Wir lernen als erstes Unni kennen, die als Glaziologin auf die Baffininseln im Norden Kanadas reist, um das Fortschreiten des Klimawandels zu untersuchen. Dort lernt sie Jon kennen, mit dem sie eine kurze leidenschaftliche Beziehung hat. Als sie nach einem halben Jahr zurückkehrt, ist Jon verschwunden und sie macht sich auf die Suche nach ihm.

In verschiedenen Geschichten ,und aus Sicht verschiedener Personen erfahren wir nun die Geschichte der beiden Protagonisten.

Unni ist Samin und in Finnland groß geworden. Ihre Eltern haben sich getrennt und so hat sie abwechselt ihre Kindheit in Lappland bei ihrem Vater gelebt, der ihr die Nähe und Liebe zur Natur und die Traditionen der Samen beibrachte und einen Teil bei ihrer Mutter im Süden des Landes. Diese Zerrissenheit und die Liebe zurNatur haben ihr Leben geprägt.

Jon wuchs in Kanada bei Adoptiveltern auf, die später mit ihm nach Dänemark zogen. Als Inuit in Dänemark fühlt er sich entwurzelt und hat mit Rassismus und Identitätsproblemen zu kämpfen.
Als seine Adoptivmutter ihm eines Tages ein Flugticket auf die Baffininseln schickt, beginnt eine Suche mit der Hoffnung seine Wurzeln zu finden.

Dieses Buch hat so vieles was mich begeistern konnte. Es erzählt viel über die Eiswelt Alaskas mit ihren Gletschern und Schneemassen, den Traditionen der Inuit, die im Einklang mit der Natur leben, den Forschungen einer Glaziologin, die auch die Konsequenzen für unserer Klima aufzeigt, es erzählt aber auch ein Stück Vergangenheit, dass viele Länder gern vergessen würden, nämlich wie man mit den Inuit des Nordens umgegangen ist. Egal ob Kanada oder Dänemark ,hier hat sich keiner mit Ruhm bekleckert. In Kanada sind die „Sixties Scoop“ ein dunkles Kapitel der kanadischen Geschichte, in der man geschätzt 20000 Kinder der indigenen Völker von ihren Eltern trennte und als Adoptivkinder in Mittelstandsfamilien vermittelte.

Die Kinder wurden mit Gewalt aus den Reservaten geholt, oder nach der Geburt den Eltern gegenüber als tot erklärt.Durch diese Assimilationspolitik beraubte man sie ihrer Identität mit dramatischen Folgen für die Betroffenen.
In Finnland wurden die Kinder in Internaten „erzogen“.

Die Autorin erzählt ihre Geschichte in einem flüssigen, eindringlichen Schreibstil, der bei mir für eine Sogwirkung sorgte. Sie hat mein Herz offen gemacht für die Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe und noch mal aufgezeigt, dass dieses Kapitel noch lange nicht abgeschlossen ist, wenn man die aktuelle Grönlandfrage betrachtet.
Ein Buch,was nicht nur viele interessante Aspekte bezüglich unseres Klimas beinhaltet, sondern mich zudem stark berührt hat und was mir sicherlich nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

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