ein Teil der Geschichte, den ich noch nicht kannte
Wo der Wind die Namen trägtDer neue Roman der Autorin Anja Jonuleit „Wo der Wind die Namen trägt“, erschienen bei @penguinrandomhouse, ist ein Buch der Autorin zu dem sie durch ihre Mutter inspiriert wurde. Die Autorin ist zwar ...
Der neue Roman der Autorin Anja Jonuleit „Wo der Wind die Namen trägt“, erschienen bei @penguinrandomhouse, ist ein Buch der Autorin zu dem sie durch ihre Mutter inspiriert wurde. Die Autorin ist zwar am Bodensee aufgewachsen, ihre Mutter kommt aber aus der Lüneburger Heide dessen Handlungsort dieser Roman ist, der auf drei verschiedenen Zeitebenen spielt.
Dem Roman liegen historische Ereignisse zugrunde, die auch hinten im Buch erwähnt werden. Die Autorin hat sich aber schriftstellerische Freiheiten vorbehalten.
Helga, eine Journalistin, erhält in den 70 ger Jahren den Auftrag eine Chronik über die Lüneburger Heide zu erstellen. Dabei erfährt sie nicht nur, dass der Hauptorganisator des Holocaust,Adolf Eichmann, nach dem Krieg dorthin geflohen ist , dort einige Jahre gelebt hat und tatkräftige Unterstützung der Bewohner bei seiner Flucht erhielt, sondern, dass sich dort auch einige historisch verbürgte Gräueltaten ereignet haben. Außerdem geschieht auch ein Mord an einer jungen Frau, der niemals aufgeklärt wurde.Helga versucht die Täter der Gräueltaten vor Gericht zu bringen, damit sie ihre gerechte Strafe erhalten, scheitert aber, wie so viele andere auch, weil die Verbrecher geschützt werden und sich darauf berufen, nur auf Befehl gehandelt zu haben.
Außerdem lernen wir Inge kennen, sowohl im Kindesalter , als auch im Alter von 86 Jahren, die die Tochter einer Ärztin war, die durch ihre Taten traurige Berühmtheit erlangte, weil sie an der Tötung behinderter Kinder beteiligt war, was Inge aber erst im Greisenalter erfährt und zwar durch die Chronik, die Helga erstellt hat.
Dieses Buch zu lesen hat wieder viele Gefühle bei mir hervorgerufen, Wut, Unverständnis, aber auch die Erkenntnis,dass eine Entnazifizierung im Grunde genommen nie richtig statt gefunden hat, was mir einiges zum aktuellen Zeitgeschehen erklärt.
Der Leser erfährt von den Gräueltaten, die in der Lüneburger Heide stattgefunden haben und von denen ich wenig wusste, obwohl ich diesen idyllischen Ort schon einige Male aufgesucht habe, aber auch wie die Bewohner dieses Landstriches damit umgegangen sind und teilweise sogar beteiligt waren, wie bei der „Celler Hasenjagd"Teilweise bin ich dieser spannend aufbereiteten Geschichte atemlos gefolgt, immer wieder kopfschüttelnd, dass so etwas so lange verborgen blieb und dass so viele Nazischergen dort so lange unbehelligt leben konnten, teilweise bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Helga gerät in der Geschichte sogar in Gefahr, weil sie für Gerechtigkeit sorgen will, was dem Buch einige Spannung verleiht.
Für mich war dieses Buch ein spannendes, aber vor allem interessantes Leseerlebnis das ich gerne weiterempfehle.