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Veröffentlicht am 03.03.2026

Eine Liebe dunkler als ihre Geheimnisse

Limerence
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Poppy ist Stipendiatin an der elitären Lionswood Prep und kämpft dort täglich darum, nicht unterzugehen. Während ihre reichen Mitschüler Partys feiern und sich keinerlei Gedanken um Geld oder Zukunft machen ...

Poppy ist Stipendiatin an der elitären Lionswood Prep und kämpft dort täglich darum, nicht unterzugehen. Während ihre reichen Mitschüler Partys feiern und sich keinerlei Gedanken um Geld oder Zukunft machen müssen, lebt sie im Schatten, versucht mit knappen Mitteln über die Runden zu kommen und darf sich schulisch keinen Fehltritt leisten, um ihr Stipendium nicht zu verlieren. Wirklich dazugehören tut sie nicht und genau diese Außenseiterrolle prägt sie. Adrian Ellis hingegen ist das genaue Gegenteil: reich, einflussreich, charmant inszeniert und beinahe gottgleich verehrt. Seine Familie gehört zu den mächtigsten der Welt, und er versteht es perfekt, die Rolle des makellosen Vorzeigeschülers zu spielen. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine Dunkelheit, die ebenso gefährlich ist wie Poppys eigenes Geheimnis. Als der einzige andere Stipendiat, Mickey, tot aufgefunden wird und Poppy Adrian kurz zuvor aus dessen Zimmer kommen sieht, beginnt ein Spiel aus Misstrauen, Manipulation und gefährlicher Anziehung.

Der humorvolle, sarkastische Schreibstil aus Poppys Perspektive hat mich sofort abgeholt. Ich musste immer wieder schmunzeln, nur um wenige Seiten später die Luft anzuhalten. Die Geschichte liest sich flüssig und mitreißend, man fliegt förmlich durch die Kapitel und merkt erst viel später, wie tief man bereits in moralische Abgründe gezogen wurde.

Besonders beeindruckt haben mich die Charaktere. Poppy und Adrian sind keine klassischen Gut-und-Böse-Figuren, sondern bewegen sich konstant in moralischen Grauzonen. Beide manipulieren, beide überschreiten Grenzen, beide handeln aus Motiven heraus, die nicht immer richtig, aber nachvollziehbar sind. Genau das macht sie so faszinierend. Poppy mochte ich für ihren Sarkasmus, ihre Schlagfertigkeit und ihren Mut, sich nicht von Reichtum und Macht einschüchtern zu lassen. Gleichzeitig waren nicht alle ihre Entscheidungen für mich logisch, manche wirkten beinahe selbstzerstörerisch, doch gerade das passt zu jemandem, der gelernt hat, alleine zu kämpfen.

Adrian hingegen ist komplex und gefährlich. Es fühlt sich beinahe verboten an, ihn attraktiv oder anziehend zu finden, weil man weiß, wozu er fähig ist. Immer wieder habe ich mich selbst dabei ertappt, meine eigene Moral zu hinterfragen. Seine kontrollierende, berechnende Art und sein Besitzdenken verleihen der Geschichte ihre dunkle Spannung. Die Beziehung zwischen ihm und Poppy ist alles andere als gesund, sie ist von Macht, Kontrolle und Manipulation geprägt und dennoch funktioniert sie innerhalb dieser düsteren Welt erschreckend gut.

Wer hier allerdings eine stark explizite Dark Romance erwartet, wird möglicherweise überrascht sein. Die dunklen Elemente liegen weniger in expliziten Szenen, sondern vielmehr in der moralischen Verdrehung, im Einsatz von Gewalt zur Zielerreichung und in der kompromisslosen Durchsetzung eigener Interessen. Das Buch ist düster und bedrückend, aber nicht durchgehend extrem, eher durch die psychologische Komponente intensiv.

Was mich jedoch ein wenig gestört hat, war der Umgang mit Mickeys Tod. Zu Beginn wird dieser Handlungsstrang stark aufgebaut, insbesondere durch die Andeutungen seiner Freundin Liz, dass mehr hinter allem stecken könnte. Ich hatte erwartet, dass hier tiefer nachgeforscht wird und sich die Wahrheit komplexer entfaltet. Stattdessen verliert sich dieser Aspekt zunehmend, besonders nachdem Adrian seine Schuld zugibt. Für mich fühlte sich dieser Spannungsstrang nicht vollständig ausgeschöpft an, und ich hätte mir hier mehr Konsequenz und Tiefe gewünscht.

Trotz dieses Kritikpunkts hat mich die Geschichte insgesamt sehr gefesselt. Die Mischung aus Elite-Setting, moralischer Ambivalenz und toxischer Anziehungskraft funktioniert hervorragend. Ich war ständig neugierig, welche Geheimnisse als Nächstes aufgedeckt werden und wie weit die beiden Protagonisten noch gehen würden. Das Ende empfand ich als passend zur Geschichte und zu Poppys Charakterentwicklung, auch wenn es mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat.

Insgesamt ist Limerence ein spannender, düsterer Roman mit faszinierend ambivalenten Figuren, der mich trotz kleiner Schwächen im Plot vollkommen mitgerissen hat. Ich bin sehr neugierig auf die Fortsetzung, die zehn Jahre später spielen soll, und möchte unbedingt wissen, welche Konsequenzen diese Entscheidungen langfristig nach sich ziehen werden.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 17.02.2026

Ein düsterer Inselthriller voller Geheimnisse und falscher Fährten

Fünf Fremde
3

Dreißig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden zweier Jugendlicher kehren mehrere Beteiligte auf die Insel Neuwerk zurück und schnell wird klar: Die Vergangenheit ist nie wirklich vergangen. Als ein Skelett ...

Dreißig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden zweier Jugendlicher kehren mehrere Beteiligte auf die Insel Neuwerk zurück und schnell wird klar: Die Vergangenheit ist nie wirklich vergangen. Als ein Skelett gefunden wird und sich die Ereignisse überschlagen, geraten alte Geheimnisse, verdrängte Schuld und sorgfältig konstruierte Lügen erneut ins Wanken.

Romy Fölck gelingt es von Beginn an, eine düstere, unheilvolle Atmosphäre aufzubauen, die sich wie ein feiner Nebel über die gesamte Geschichte legt. Die wechselnden Perspektiven und die beiden Zeitebenen, Sommer 1995 und Gegenwart, greifen geschickt ineinander und sorgen für eine konstant hohe Spannung. Immer wieder werden neue Hinweise gestreut, nur um im nächsten Moment durch überraschende Wendungen infrage gestellt zu werden. Besonders die psychologischen Spielchen und das Gefühl, dass jemand im Hintergrund die Fäden zieht, machen den Reiz dieses Thrillers aus.

Die Figuren sind vielschichtig angelegt und erhalten ausreichend Raum, sich zu entfalten. Während einige schnell Sympathien wecken, bleiben andere bewusst distanziert und schwer greifbar, was perfekt zur Grundstimmung passt. Die Auflösung hält einige starke Überraschungen bereit und klärt die zentralen Fragen rund um das damalige Verschwinden schlüssig auf.

Im letzten Abschnitt gab es für mich kleinere logische Unklarheiten und Details, bei denen ich mir noch etwas mehr Ausarbeitung gewünscht hätte. Diese mindern jedoch nicht den Gesamteindruck eines atmosphärisch dichten und raffiniert konstruierten Thrillers, der bis zum Ende fesselt.

Fazit:
Fünf Fremde ist ein spannender, psychologisch ausgefeilter Insel-Thriller über Schuld, Manipulation und die zerstörerische Kraft von Geheimnissen. Ein Roman, der mit falschen Fährten spielt, immer wieder überrascht und noch lange nach dem Zuklappen nachhallt. Für mich eine klare Leseempfehlung und definitiv nicht mein letztes Buch von Romy Fölck.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 11.02.2026

Geheimnisse, Mut und Zusammenhalt im Midwatch-Institut

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Midwatch ist eine wunderbare Mischung aus Internatsgeschichte, Detektivabenteuer und einer starken Botschaft über Zusammenhalt und Selbstermächtigung. Besonders schön ist, dass hier nicht Konkurrenz oder ...

Midwatch ist eine wunderbare Mischung aus Internatsgeschichte, Detektivabenteuer und einer starken Botschaft über Zusammenhalt und Selbstermächtigung. Besonders schön ist, dass hier nicht Konkurrenz oder Mobbing im Mittelpunkt stehen, sondern Solidarität, Freundschaft und gegenseitige Unterstützung.
Maggie und ihre Freundinnen wachsen einem schnell ans Herz. Jede bringt eigene Stärken mit, und genau dieses Zusammenspiel macht die Ermittlungen so spannend. Das 1920er-Setting verleiht der Geschichte einen besonderen Charme, während die Sprache angenehm modern bleibt.
Die Hörbuchumsetzung ist hervorragend gelungen: Merete Brettschneider und Maria Hartmann verleihen den Figuren Persönlichkeit und Lebendigkeit. Besonders die nächtlichen Einsätze und die spannungsvoll aufgebauten Ermittlungen sorgen für echtes Kopfkino.
Neben der spannenden Krimihandlung vermittelt die Geschichte wichtige Werte wie Empathie, Akzeptanz, Mut und Gemeinschaftssinn, ohne belehrend zu wirken.
Ein atmosphärisches, warmherziges Abenteuer (nicht nur) für Kinder von 9–12 Jahren, die starke Mädchenfiguren und clevere Detektivgeschichten lieben.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2026

Mehr als Eishockey: Eine Geschichte über Mut, Schuld und Menschlichkeit

Björnstadt
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Björnstadt ist ein leises, zugleich erschütterndes Buch über eine kleine schwedische Stadt, deren ganzes Selbstverständnis auf dem Eishockey ruht. Backman erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern viele: ...

Björnstadt ist ein leises, zugleich erschütterndes Buch über eine kleine schwedische Stadt, deren ganzes Selbstverständnis auf dem Eishockey ruht. Backman erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern viele: die der Spieler, der Eltern, der Trainer, der Kinder und einer Tat, die alles verändert. Was als Hoffnung auf sportlichen Erfolg beginnt, wird zu einer schonungslosen Auseinandersetzung mit Schuld, Loyalität, Schweigen und der Frage, auf wessen Seite man steht, wenn es unbequem wird.

Besonders beeindruckend ist, wie nah man den Figuren kommt. Backman beschreibt Gedanken, Gefühle und innere Konflikte so feinfühlig, dass Schmerz, Hilflosigkeit und Verzweiflung fast körperlich spürbar werden. Nichts wirkt konstruiert oder wie ein dramatischer Zufall, im Gegenteil: Genau so passieren solche Dinge leider viel zu oft in der Realität. Björnstadt rüttelt auf, macht wütend, traurig und nachdenklich und bleibt noch lange im Kopf.

Ein eindringlicher, emotionaler Roman, den man nicht einfach „wegliest“, sondern erlebt. Absolut empfehlenswert, auch (und gerade) für Jugendliche, weil er wichtige Themen offen, ehrlich und ohne einfache Antworten behandelt.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Liebe oder Rache? Und was bleibt, wenn beides nicht zusammenpasst?

Royal Heist
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Mit Royal Heist liefert Lena Kiefer einen ebenso glamourösen wie spannungsgeladenen Reihenauftakt, der Heist-Vibes, royales Setting und verbotene Gefühle gekonnt miteinander verwebt. Die Geschichte rund ...

Mit Royal Heist liefert Lena Kiefer einen ebenso glamourösen wie spannungsgeladenen Reihenauftakt, der Heist-Vibes, royales Setting und verbotene Gefühle gekonnt miteinander verwebt. Die Geschichte rund um Darcy, eine brillante Trickbetrügerin mit schmerzhafter Vergangenheit, startet direkt mitten in einem Coup und zieht einen sofort in ihren Bann, inklusive Ocean’s-Eleven-Gefühl, Maskenwechseln und cleveren Täuschungen.

Darcy schlüpft unter falscher Identität in den inneren Kreis der britischen Royals, um Rache für das Unrecht an ihrer Familie zu nehmen. Alles ist akribisch geplant, bis Gefühle ins Spiel kommen. Während Kronprinz Spencer Teil des Plans ist, wird ausgerechnet sein Bruder Tristan zur größten Gefahr für Darcys Tarnung. Die Dynamik zwischen Darcy und Tristan ist intensiv, emotional aufgeladen und voller unausgesprochener Vergangenheit. Besonders gelungen ist dabei die wechselnde Perspektive, durch die man beiden Figuren sehr nahekommt und ihre inneren Konflikte ungefiltert miterlebt.

Darcy wirkt zunächst wie ein Chamäleon, verliert sich fast in ihren Rollen, entwickelt sich aber im Laufe der Geschichte zu einer reflektierten, empathischen Figur, die beginnt, zwischen Schuld, Verantwortung und Rache zu differenzieren. Tristan hingegen ist der klassische Bad Boy mit weichem Kern: loyal, selbstlos und oft zu hart zu sich selbst. Nebenfiguren wie Linus, die Crew „The Robbin’ Hood“ und auch Spencer sind vielschichtig angelegt und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und enorm fesselnd. Vergangenes und Gegenwärtiges greifen sauber ineinander, ohne den Lesefluss zu stören. Auch wenn sich einige Entwicklungen erahnen lassen, hält die Spannung durchgehend, nicht zuletzt dank des wirklich fiesen Cliffhangers am Ende, der sofort Lust auf Band 2 macht. Offene Fragen, ungelöste Geheimnisse und emotionale Bruchstellen sorgen dafür, dass man die Geschichte nicht einfach abschließen kann.

Fazit:
Royal Heist ist ein mitreißender Auftakt voller Intrigen, Gefühl und Tempo. Eine perfekte Mischung aus Romance, Heist-Story und royalem Drama, die süchtig macht und definitiv Highlight-Potenzial hat.

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