Björnstadt ist ein leises, zugleich erschütterndes Buch über eine kleine schwedische Stadt, deren ganzes Selbstverständnis auf dem Eishockey ruht. Backman erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern viele: ...
Björnstadt ist ein leises, zugleich erschütterndes Buch über eine kleine schwedische Stadt, deren ganzes Selbstverständnis auf dem Eishockey ruht. Backman erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern viele: die der Spieler, der Eltern, der Trainer, der Kinder und einer Tat, die alles verändert. Was als Hoffnung auf sportlichen Erfolg beginnt, wird zu einer schonungslosen Auseinandersetzung mit Schuld, Loyalität, Schweigen und der Frage, auf wessen Seite man steht, wenn es unbequem wird.
Besonders beeindruckend ist, wie nah man den Figuren kommt. Backman beschreibt Gedanken, Gefühle und innere Konflikte so feinfühlig, dass Schmerz, Hilflosigkeit und Verzweiflung fast körperlich spürbar werden. Nichts wirkt konstruiert oder wie ein dramatischer Zufall, im Gegenteil: Genau so passieren solche Dinge leider viel zu oft in der Realität. Björnstadt rüttelt auf, macht wütend, traurig und nachdenklich und bleibt noch lange im Kopf.
Ein eindringlicher, emotionaler Roman, den man nicht einfach „wegliest“, sondern erlebt. Absolut empfehlenswert, auch (und gerade) für Jugendliche, weil er wichtige Themen offen, ehrlich und ohne einfache Antworten behandelt.
Mit Royal Heist liefert Lena Kiefer einen ebenso glamourösen wie spannungsgeladenen Reihenauftakt, der Heist-Vibes, royales Setting und verbotene Gefühle gekonnt miteinander verwebt. Die Geschichte rund ...
Mit Royal Heist liefert Lena Kiefer einen ebenso glamourösen wie spannungsgeladenen Reihenauftakt, der Heist-Vibes, royales Setting und verbotene Gefühle gekonnt miteinander verwebt. Die Geschichte rund um Darcy, eine brillante Trickbetrügerin mit schmerzhafter Vergangenheit, startet direkt mitten in einem Coup und zieht einen sofort in ihren Bann, inklusive Ocean’s-Eleven-Gefühl, Maskenwechseln und cleveren Täuschungen.
Darcy schlüpft unter falscher Identität in den inneren Kreis der britischen Royals, um Rache für das Unrecht an ihrer Familie zu nehmen. Alles ist akribisch geplant, bis Gefühle ins Spiel kommen. Während Kronprinz Spencer Teil des Plans ist, wird ausgerechnet sein Bruder Tristan zur größten Gefahr für Darcys Tarnung. Die Dynamik zwischen Darcy und Tristan ist intensiv, emotional aufgeladen und voller unausgesprochener Vergangenheit. Besonders gelungen ist dabei die wechselnde Perspektive, durch die man beiden Figuren sehr nahekommt und ihre inneren Konflikte ungefiltert miterlebt.
Darcy wirkt zunächst wie ein Chamäleon, verliert sich fast in ihren Rollen, entwickelt sich aber im Laufe der Geschichte zu einer reflektierten, empathischen Figur, die beginnt, zwischen Schuld, Verantwortung und Rache zu differenzieren. Tristan hingegen ist der klassische Bad Boy mit weichem Kern: loyal, selbstlos und oft zu hart zu sich selbst. Nebenfiguren wie Linus, die Crew „The Robbin’ Hood“ und auch Spencer sind vielschichtig angelegt und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und enorm fesselnd. Vergangenes und Gegenwärtiges greifen sauber ineinander, ohne den Lesefluss zu stören. Auch wenn sich einige Entwicklungen erahnen lassen, hält die Spannung durchgehend, nicht zuletzt dank des wirklich fiesen Cliffhangers am Ende, der sofort Lust auf Band 2 macht. Offene Fragen, ungelöste Geheimnisse und emotionale Bruchstellen sorgen dafür, dass man die Geschichte nicht einfach abschließen kann.
Fazit:
Royal Heist ist ein mitreißender Auftakt voller Intrigen, Gefühl und Tempo. Eine perfekte Mischung aus Romance, Heist-Story und royalem Drama, die süchtig macht und definitiv Highlight-Potenzial hat.
Nichts für schwache Nerven.
Und genau das macht God of Malice gleichzeitig so schwierig und so fesselnd.
Ich gebe ehrlich zu: Nach den ersten ein, zwei Kapiteln stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. ...
Nichts für schwache Nerven.
Und genau das macht God of Malice gleichzeitig so schwierig und so fesselnd.
Ich gebe ehrlich zu: Nach den ersten ein, zwei Kapiteln stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Der Einstieg ist kompromisslos hart, verstörend und wirft die Leser:innen ohne Vorwarnung mitten hinein in eine Geschichte, die mit klassischen Romantik-Erwartungen konsequent bricht. Dark Romance eben und zwar in ihrer rohesten Form.
Was man dem Genre lassen muss: Es braucht keinen langen Anlauf. Die Geschichte ist sofort da, die Dynamik zwischen Glyndon und Killian eskaliert schnell, und genau das hat mich trotz meiner anfänglichen Abwehr weiterziehen lassen. Triggerwarnungen sind hier absolut essenziell, denn Themen wie Stalking, Machtmissbrauch, psychische Gewalt und nicht einvernehmliche Situationen spielen eine zentrale Rolle.
Mit fortschreitender Handlung, etwa ab dem dritten Kapitel, wurde das Buch für mich zugänglicher. Nicht, weil es „harmlos“ wird, sondern weil sich die Figuren öffnen und die Geschichte mehr Tiefe bekommt. Der Schreibstil ist intensiv, atmosphärisch und sehr einnehmend. Besonders die Perspektivwechsel zwischen Glyndon und Killian sorgen dafür, dass man tiefer in dieses toxische, düstere Geflecht hineingezogen wird, als einem vielleicht lieb ist.
Killian Carson ist kein klassischer Love Interest. Er ist manipulativ, kalt, beängstigend, für mich lange Zeit schlicht unerträglich. Die angedeutete neurodivergente Darstellung empfand ich zudem kritisch und problematisch umgesetzt. Trotzdem: Als Figur funktioniert er innerhalb dieser Geschichte. Nicht sympathisch, aber konsequent gezeichnet.
Glyndon hingegen hat mich überrascht. Nach außen wirkt sie wie das „nette Mädchen“, doch unter der Oberfläche brodelt viel mehr, Unsicherheit, Wut, verdrängte Sehnsüchte. Gerade diese Ambivalenz macht sie glaubwürdig und stark geschrieben.
Ich schwankte während des Lesens ständig zwischen Abscheu, Wut, Faszination und einer widerwilligen Anziehung. Vieles war nicht mein Fall, manches hat mich ehrlich abgestoßen und dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Gegen Ende empfand ich die Dynamik als etwas „einvernehmlicher“, zumindest emotional greifbarer, auch wenn expliziter Consent weiterhin fehlt.
Die Nebenfiguren, das Universitätsgeflecht und die geheimen Strukturen im Hintergrund verleihen der Geschichte zusätzliche Spannung. Es ist eine Welt voller Brüche, Grauzonen und moralischer Abgründe, kantig, unbequem, aber genau dadurch so wirksam.
Fazit
Es ist kein Wohlfühlbuch und definitiv nichts für Leser:innen mit sensiblen Triggern. Wer Dark Romance mag, bekommt hier genau das, was der Titel verspricht: etwas Gefährliches, Unsauberes, Emotionales.
Für mich bleibt es ein Buch, das ich nicht lieben, aber auch nicht vergessen kann, brutal, verstörend, überraschend fesselnd. Dark Romance ist und bleibt nicht mein Lieblingsgenre, doch dieses Buch hat gezeigt, warum es so viele Leser:innen in seinen Bann zieht.
Was wäre, wenn der Tod ein Callcenter eröffnet?
Genau mit dieser herrlich schrägen und gleichzeitig erschreckend plausiblen Idee startet Whispers of Destiny und zieht einen ziemlich schnell hinein in eine ...
Was wäre, wenn der Tod ein Callcenter eröffnet?
Genau mit dieser herrlich schrägen und gleichzeitig erschreckend plausiblen Idee startet Whispers of Destiny und zieht einen ziemlich schnell hinein in eine Zukunft, die weh tut, weil sie gar nicht so weit weg wirkt.
Wir schreiben das Jahr 2096: Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, Säureregen, ein rigides Stufensystem. Wer unten lebt, lebt gefährlich. Blue gehört zu diesen Menschen. Als sie erfährt, dass ihre Lebenszeit fast abgelaufen ist, bekommt sie ein Angebot, das man eigentlich nicht ablehnen kann: Arbeiten für Death Call, das Callcenter des Todes, im Tausch gegen weitere Lebensjahre. Der Preis? Entscheidungen über Leben und Tod.
Justine Pust erzählt diese Geschichte mit einem Stil, der locker, direkt und oft überraschend witzig ist, ohne jemals die Schwere der Themen zu verraten. Schwarzer Humor trifft auf Gesellschaftskritik: Kapitalismus, Klassismus, Konsum, Klimakrise, politische Verantwortung, alles schwingt mit, manchmal subtil, manchmal bitterböse. Der Tod selbst („Mister“, bitte!) ist dabei eine der spannendsten Figuren: ruhig, ironisch, fast sympathisch und damit umso beunruhigender.
Blue ist keine glatte Heldin. Sie ist frech, zynisch, impulsiv, manchmal anstrengend, aber genau deshalb glaubwürdig. Ihre inneren Konflikte, ihr Widerstand gegen ein zutiefst ungerechtes System und die moralischen Dilemmata, in die sie gerät, tragen den Roman. Nicht jede Nebenfigur bekommt maximale Tiefe und das Weltenbuilding bleibt stellenweise bewusst vage, doch das passt zum Tempo und Fokus der Geschichte. Hier geht es weniger um perfekte Systeme als um Entscheidungen und deren Konsequenzen.
Auch die romantischen Elemente fügen sich eher leise ein und stehen klar im Schatten der großen Fragen:
Wer darf leben? Wer entscheidet das? Und was macht diese Macht mit einem Menschen?
Fazit:
Whispers of Destiny ist keine leichte Fantasy-Satire, auch wenn es sich stellenweise so anfühlt. Es ist eine rasante, kluge und oft überraschend emotionale Dystopie mit bissigem Humor, klarer Haltung und vielen Denkanstößen. Nicht perfekt, aber mutig, originell und lange nachhallend.
Ein Buch für alle, die sich auf moralische Grauzonen einlassen wollen und die keine Angst davor haben, dass Unterhaltung auch unbequem sein darf.
Mit Where Good Girls Go to Die eröffnet Holly Renee ihre Good-Girls-Reihe mit einer emotionalen Second-Chance-Romance, die vor allem von unausgesprochenen Gefühlen, inneren Konflikten und einer spürbaren ...
Mit Where Good Girls Go to Die eröffnet Holly Renee ihre Good-Girls-Reihe mit einer emotionalen Second-Chance-Romance, die vor allem von unausgesprochenen Gefühlen, inneren Konflikten und einer spürbaren Anziehung lebt.
Der Einstieg ins Buch war für mich zunächst etwas holprig, doch mit jeder Seite entwickelte sich die Geschichte weiter und spätestens nach kurzer Zeit konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen, wodurch man schnell vorankommt und regelrecht durch die Seiten fliegt.
Im Mittelpunkt stehen Livy und Parker, die eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, die sie bis heute nicht loslässt. Vier Jahre nach ihrem schmerzhaften Bruch treffen sie wieder aufeinander, unter Umständen, die kaum komplizierter sein könnten: Livy arbeitet in einem Stripclub, Parker steht kurz vor seiner Hochzeit. Alte Gefühle, ungeheilte Wunden und verdrängte Sehnsüchte prallen frontal aufeinander.
Die Geschichte wird aus beiden Perspektiven erzählt und wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dieser Aufbau sorgt dafür, dass sich ihre Beziehung Stück für Stück erschließt und ihre Dynamik gut nachvollziehbar bleibt. Livy ist eine starke, direkte Protagonistin mit Ecken und Kanten. Hinter ihrer toughen Fassade steckt viel Verletzlichkeit, die sehr feinfühlig dargestellt wird. Parker hingegen verkörpert den klassischen Bad-Boy-Typ: verschlossen, impulsiv und emotional schwer beladen. Seine innere Zerrissenheit macht ihn greifbar, auch wenn man sich als Leser*in stellenweise mehr Klarheit und Kommunikation von ihm wünscht.
Die Chemie zwischen Livy und Parker ist jederzeit spürbar. Das Brother’s-Best-Friend- und Forbidden-Love-Motiv verleiht der Geschichte zusätzlichen Reiz und sorgt für dieses permanente Ziehen zwischen Nähe und Abstand. Unterstützt wird das Ganze von lebendigen Nebenfiguren, die Humor, Leichtigkeit und echte Found-Family-Vibes einbringen.
Entgegen der Erwartungen ist das Buch nicht besonders spicy, vor allem zu Beginn kaum, erst gegen Ende wird es intensiver. Insgesamt bleibt die Handlung eher ruhig, was der Geschichte aber nicht schadet. Allerdings geht das hohe Erzähltempo zum Schluss etwas zulasten der emotionalen Tiefe: Einige Konflikte lösen sich recht schnell auf, wo man sich mehr Raum für Gespräche und Verarbeitung gewünscht hätte.
Where Good Girls Go to Die ist ein emotionaler, kurzweiliger Reihenauftakt mit viel Herzklopfen, spürbarer Anziehung und klassischen Romance-Tropes. Trotz kleiner Schwächen in der Tiefe überzeugt das Buch als leichte, unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, perfekt für alle, die Second Chance, Brother’s Best Friend und verbotene Gefühle lieben.