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Veröffentlicht am 10.12.2025

Ermittlungen im Café Butterblume am Bodensee

Wo die roten Dahlien blühen
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Das Buch ist bereits der 6. Band einer Reihe rund um Maja, die Besitzerin des kleinen Cafés Butterblume am Bodensee. Für mich war es der 1. Band der Reihe, ich habe erst zum Schluss von den Vorgängerbänden ...

Das Buch ist bereits der 6. Band einer Reihe rund um Maja, die Besitzerin des kleinen Cafés Butterblume am Bodensee. Für mich war es der 1. Band der Reihe, ich habe erst zum Schluss von den Vorgängerbänden erfahren, sie waren für das Verständnis der Handlung aber auch nicht notwendig.

Im Weingut der Römfelds ganz in der Nähe des Cafés wird ein großes Weinfest veranstaltet. Die Juniorchefin Beatrice hat die Prominenz der Region dazu eingeladen. Für sie soll es eine Abschiedsveranstaltung werden, aber das weiß nur sie allein. Sie ist fest entschlossen, ihren Mann und das Weingut zu verlassen und eigene Pläne zu verwirklichen. Ausgelassen tanzt und feiert sie noch in den Abend hinein, Stunden später ist sie tot. Erst am nächsten Morgen findet man sie im Weinkeller, offenbar eine Kohlendioxid-Vergiftung, oder könnte da auch etwas anderes dahinterstecken?

Die Ermittlungen übernimmt zunächst einmal die Polizei vor Ort und man überlässt ihr auch den Fall, da die übergeordneten Stellen sowieso von einem Unfall ausgehen. Mit dem Fall betraut sind die Kommissare Michael Harter und seine Kollegin Bahar Yilmaz. Recht schnell verengt sich das Feld der Verdächtigen auf wenige Personen. Beatrice war alles andere als ein Kind von Traurigkeit, sowohl ihr Mann als auch ihre verflossenen Liebhaber hätten Motive für die Tat.

Als Leser wechseln wir zwischen den Ermittlungen und dem Café von Maja hin und her. Maja hat am Abend des Weinfestes jemand kennengelernt, der ihr Herz höher schlagen lässt. Aber seitdem ihr Partner vor 10 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam, hat sie sich kaum mehr in eine Beziehung getraut. Obwohl ihre Freunde ihr immer wieder gut zureden, traut sie sich nicht, die Beziehung mit Lars Bremer zu vertiefen. Sie fürchtet sich davor, wieder enttäuscht zu werden und am Schluss alleine dazustehen. Doch der Herbstblues hat sie voll erwischt und als selbst Ruth noch Änderungen in ihrem Leben beschließt, fragt sie sich nach dem Sinn ihres Lebens.

Die Ermittlungen treten lange auf der Stelle, es gibt Indizien gegen den einen oder anderen Verdächtigen, aber sie reichen nie für eine Festnahme.

Das Buch liest sich gut und flüssig, ist aber nur an manchen Stellen einmal tatsächlich spannend.

Da wir uns mit der Handlung weitestgehend durch den Herbst und beginnenden Winter bewegen, sind auch die Landschaftsbeschreibungen meistens eher "nebelverhangen". Das passt zu Majas Stimmung und zu den langen und zunächst erfolglosen Ermittlungen. Aber natürlich wird der Fall zum Schluss gelöst und selbst für Maja ergibt sich ein Happy End.

Das Cover fand ich übrigens ganz bezaubernd, es hat mich auf das Buch überhaupt erst aufmerksam gemacht.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Schwierige Ermittlungen in Concarneau

Bretonische Versuchungen
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Bei Kommissar Dupins 14. Fall stehen eindeutig Morde im Vordergrund. Hatte ich mich bei den letzten Büchern schon fast daran gewöhnt, immer wieder eine neue Seite der Bretagne kennenzulernen, so haben ...

Bei Kommissar Dupins 14. Fall stehen eindeutig Morde im Vordergrund. Hatte ich mich bei den letzten Büchern schon fast daran gewöhnt, immer wieder eine neue Seite der Bretagne kennenzulernen, so haben wir es dieses Mal tatsächlich mit langwierigen und schwierigen Mordermittlungen zu tun.

Eine Frau ist ertrunken, allerdings nicht im Meer, sondern in einem Bottich aus Schokolade. Die Frau ist eine der Eigentümerinnen der in der Bretagne berühmten Firma Zerua, ihr Name ist Adeline Mazago. Zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Schwester im Baskenland führt sie das weitverzweigte Unternehmen, das sich in Concarneau auf Schokolade konzentriert hat. Es gibt allerdings auch noch weitere Geschäftsfelder, die aber im Roman keine Rolle spielen.

Ihr Tod entpuppt sich als kaltblütiger Mord. Wer hatte es auf die allseits beliebte und anerkannte Unternehmerin abgesehen?

Dupin nimmt sich zunächst einmal die Familie und die engsten Mitarbeiter vor. Ihm und Nolwenn, die sich in diesem Fall eng an ihn anschließt und nicht nur aus dem Büro heraus unterstützt kommt es so vor, dass die Familie mauert. Sie sind zwar freundlich und hilfsbereit, geben sich aber am liebsten den Anschein einer perfekten Familie. Es dauert lange und bedarf des besonderen Riechers Dupins, endlich Licht in das Dickicht aus Lügen und Wahrheit, aus Gesagtem und Ungesagtem zu bringen.

Wie bereits zu Anfang erwähnt, gefiel es mir, endlich mal wieder einen richtigen Krimi von Jean-Luc Bannalec zu lesen. Ich habe zwar eine ganze Menge über Schokolade, ihre Produktion und ihre glücksbringenden Eigenschaften gelernt, aber es diente immer der Lösung des Falles.

Andererseits weiß ich natürlich auch, dass Jörg Bong mittlerweile Sonderbotschafter der Bretagne geworden ist und dieser Teil Frankreichs steht auch ganz oben auf meiner Wunschliste für eine längere Tour durch unser Nachbarland. Von daher haben auch die Vorgängerbände ihren Zweck erfüllt und mein Fernweh geweckt.


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Veröffentlicht am 07.12.2025

In der Politik braucht man Freunde, aber keine Parteifreunde

Die Frau der Stunde
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Heike Specht hat mit „Die Frau der Stunde“ ihren ersten Roman geschrieben, sie ist Historikerin und hatte über die Familie Lion Feuchtwangers promoviert. Ihre Biografien und Bücher über Frauen, die sich ...



Heike Specht hat mit „Die Frau der Stunde“ ihren ersten Roman geschrieben, sie ist Historikerin und hatte über die Familie Lion Feuchtwangers promoviert. Ihre Biografien und Bücher über Frauen, die sich in der Männerwelt behaupten konnten basierten auf Fakten, in diesem Roman sind allerdings sämtliche handelnden Personen rein fiktiv. Da die Handlung allerdings in einem realen Umfeld spielt, nämlich der Bonner Politikszene Ende der 70er Jahre, so ertappt man sich immer wieder dabei, in tatsächlichen Akteuren der Politik dieser Zeit, die Protagonisten des Buches zu suchen und zu erkennen und ich könnte mir vorstellen, dass die Autorin das auch so gewollt hat.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, die jeweils wieder in Kapitel unterteilt sind. Die Handlung spielt zwischen dem Herbst 78 und dem Frühjahr 79. Es ist so aufgebaut, dass wir als Leser von einem Schauplatz zum anderen wandern und das auch oft innerhalb eines Kapitels. Das sorgt im Lesefluss schon einmal für Stockungen, weil man sich zunächst einmal wieder zurechtfinden muss. Oft entsteht auch ein leichter Cliffhanger, wenn genau beim Sprung zum nächsten Plot eine Handlung unterbrochen wurde.

Worum geht es?

Catharina Cornelius hat sich im Bonn der späten 70er Jahre als Liberale einen Namen gemacht. Als der amtierende liberale Außenminister in der sozial-liberalen Koalition wegen einer Affäre seinen Hut nehmen muss, schlägt er Catharina als seine Nachfolgerin vor. So wird sie völlig überraschend zur ersten Außenministerin und Vizekanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.

Catharina ist eng befreundet mit Suzanne, einer belgischen Journalistin und Azadeh, einer Filmemacherin aus dem Iran. Die drei hatten sich in einem Schweizer Internat kennengelernt und ihre Freundschaft hat über die langen Jahre nach der Schulzeit gehalten. Während Suzanne ihrer Freundin Catharina mehr den Rücken stärkt, aber beruflich weniger mit ihr zu tun hat, ist Azadeh von ganz anderem Kaliber. Ende der 70er Jahre waren die Menschen im Iran von ihrem Staatsoberhaupt, dem Schah tief enttäuscht und wünschten sich Veränderungen. Gerade auch die intellektuelle Oberschicht forderte mehr Freiheiten und Azadeh marschiert und protestiert mit ihnen in Teheran. Im ganzen Land herrschte eine revolutionäre Stimmung, die sich schließlich in der iranischen Revolution entlud, nur leider mit ganz anderen Folgen, als eigentlich erwünscht, vor allem für die Frauen.

Es geht im Buch nicht so sehr um politische Inhalte, es geht mehr darum, wie sich eine Frau in der damaligen Männerwelt überhaupt behaupten konnte. Catharina kommt ihre gute Erziehung zugute, sie kann sich in der Welt der Mächtigen auf internationalem Parkett bewegen. Ihr elegantes Auftreten und ihre mehrsprachige Eloquenz hinterlassen Eindruck. Es sind viel mehr die Männer, die dort versagen oder die sich nicht in ihre Gesprächspartner hineinversetzen können oder schlicht ständig einen Dolmetscher brauchen. Ganz häufig sind es die Frauen, die ihren Männern Rückhalt und Inspiration für ihre Ziele geben. Deutlich gemacht wird das an der Person der Ex-Gattin des ehemaligen Außenministers Helmut Busch.

Klar wird aber auch, dass über Parteigrenzen hinweg die Solidarität unter Frauen ganz wichtig ist. Die Bedeutung von Mentorinnen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Catharina profitiert sehr von Hilde von Rochow, der Grande Dame der Liberalen, die aber keine politischen Ambitionen mehr hat. Auch ihr Büroteam steht voll und ganz hinter ihr. Die Autorin hat sich auf die weibliche Perspektive konzentriert, sowohl in Bonn als auch bei den Geschehnissen in Teheran. Dabei macht sie aber auch klar, dass auch Männer gute Freunde und Unterstützer sein können. Nur selten in der Politik! Nicht umsonst gibt es im Politikbetrieb die makabre Steigerungsform „Feind – Todfeind - Parteifreund“.

Gut fand ich, dass Catharina trotz aller Machtfülle doch immer Mensch blieb, die ihre alten Kontakte pflegte und sich bei menschlichen Enttäuschungen auch mal von Freunden trösten ließ. Nur durfte sie diese Schwächen nach außen nicht zeigen.

Auch tatsächliche Entwicklungen der Zeit spielen in die Handlung hinein. Die Umweltschutzbewegung, die sich später in der Partei der Grünen politisch formierte, spielt ebenso eine Rolle wie auch die alten Seilschaften der Nazis, die gerne wieder mehr Einfluss ausgeübt hätten.

Ich fand das Buch ausgesprochen lesenswert und die feinen Spitzen, die Catharina hier und da gegen die Männerwelt austeilte, haben mich schmunzeln lassen. Dumm nur, dass viele Männer die feinen Anspielungen nicht einmal verstanden, für die Zwischentöne schienen sie kein Ohr zu haben.

Das Buch endet zwar mit einer klaren Entscheidung, ruft aber auch nach einer Fortsetzung. Man würde schon gerne wissen, wie es im Bonner Politikbetrieb der 80er Jahre weitergeht. In der Realität wissen wir das zwar, in der Fiktion hätte es auch ganz anders sein können.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Morde, die wie Unfälle aussehen sollen

Reben und Sterben
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Im rheinhessischen Rebenheim kommt ein Winzer nach einer Weinverkostung zu Tode. Zunächst glaubt man, er sei im eigenen Weinkeller in den Gärgasen erstickt, später findet die Polizei Hinweise auf ein Verbrechen.
Wer ...

Im rheinhessischen Rebenheim kommt ein Winzer nach einer Weinverkostung zu Tode. Zunächst glaubt man, er sei im eigenen Weinkeller in den Gärgasen erstickt, später findet die Polizei Hinweise auf ein Verbrechen.
Wer könnte dem angesehenen Winzer nach dem Leben getrachtet haben?
Die Polizei verdächtigt den Gastgeber der Weinverkostung, den Winzer Pierre Fabron. Pierre kommt ursprünglich aus Aquitanien, seine Frau Miriam, eine Rebenheimerin, hatte ihn dort während eines Praktikums kennen- und lieben gelernt.
Pierre ist gut befreundet mit einem ehemaligen Kommissar der Polizei namens Hannes Willenscheidt, dessen Enkelin hat die Ermittlungen übernommen. Das klingt zunächst einmal danach, dass die aufkommenden Verdächtigungen gegen Pierre schnell entkräftet werden können. Aber Hannes hatte lange keinen Kontakt zu seiner Enkelin und ihr Verhältnis ist ausgesprochen unterkühlt. Als aufstrebende Polizeioberkommissarin will sie alles richtig machen und versucht mit allen Mitteln, sich zu beweisen. Und so sammelt sie fleißig Indizien, die auf eine Schuld von Pierre hinweisen.
Nach und nach lernt der Leser die Hintergründe in Rebenheim besser kennen. Wie in jedem Dorf gibt es Streitigkeiten, die schon seit Jahrzehnten gepflegt werden und immer dann wieder zum Vorschein kommen, wenn Kontrahenten zu viel getrunken haben. Da ist zum einen die Tatsache, dass Pierre einem Winzer aus dem Dorf die Freundin ausgespannt hatte. Matthias verfolgt Pierre seit 10 Jahren mit seinem Hass und macht immer wieder deutlich, dass Miriam ja eigentlich sein Mädchen sei.
Da sind aber auch Entscheidungen im Gemeinderat, die die Winzer im Dorf gegeneinander aufgebracht haben und natürlich geht es dabei auch um Geld.
Pierre ist schon allein aufgrund der Verdächtigungen gegen ihn dazu gezwungen, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Zusammen mit Hannes drehen und wenden sie den Fall in alle Richtungen. Eigentlich kann der Mörder sich nur unter den Teilnehmern der Weinverkostung befinden und hier handelt es sich um einen relativ kleinen Kreis von Personen.
Als sich langsam absehen lässt, wer wirklich für den Tod von Knut Waldholz verantwortlich war, nimmt die Handlung noch einmal Fahrt auf und sie bleibt spannend bis zum Schluss.
Der Krimi hat vieles, was einen Cozy Crime anziehend macht: Er spielt in einer lieblichen Weingegend in der Nähe von Ingelheim. Ingelheim liegt zwischen Mainz und Bingen und gehört zum Weinanbaugebiet Rheinhessen. Da sind Pierre, der Winzer und Hannes, der pensionierte Kommissar, beides sympathische Charaktere, die besonnen versuchen, Licht ins Dunkel des Falles zu bringen. Beide haben sie ihre Hunde, nämlich Blanca und Lazlo, später gesellt sich dann noch Alf dazu. Auch sie spielen eine wichtige Rolle im Buch.
Die Kommissarin Alexandra Willenscheidt, Enkelin von Hannes, wirkt zunächst einmal vollkommen abweisend und voreingenommen. Glücklicherweise ermittelt sie dann doch in alle Richtungen.
Das Buch liest sich flüssig, je nach Situation wirken die Orte düster und gefährlich oder auch angenehm und entspannt. Es werden Probleme in der Weinwirtschaft angesprochen, wie z. B. die Differenzen zwischen Bio-Winzern und herkömmlichen Winzern, außerdem kommen natürlich auch die finanziellen Probleme zur Sprache. In Rebenheim scheinen die schwierigeren Jahre in der Mehrzahl gewesen zu sein, denn viele Winzer kämpfen mit dem Überleben und können nicht so investieren, wie es eigentlich notwendig wäre.
Glücklicherweise kommt auch der Wein nicht zu kurz. Der Arbeit im Weinberg und im Keller wird immer mal wieder kurz Beachtung geschenkt und man merkt, dass sich die Autorin gerade zu Bio-Weinbau und den Mitteln gegen Schädlingsbefall informiert hat.
Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und empfehle das Buch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 27.11.2025

Seniorenmomente - Wenn das Gedächtnis einen im Stich lässt

Der Tag, an dem Barbara starb
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Margaret ist 89 und wird zunehmend vergesslicher. Ihre Tochter macht sich darum große Sorgen und würde ihre Mutter am liebsten in einem Altersheim unterbringen.
Margaret kann sich mit diesem Gedanken aber ...

Margaret ist 89 und wird zunehmend vergesslicher. Ihre Tochter macht sich darum große Sorgen und würde ihre Mutter am liebsten in einem Altersheim unterbringen.
Margaret kann sich mit diesem Gedanken aber gar nicht anfreunden. Sie hat fast ihr ganzes Leben in diesem Haus verbracht und ist eine Institution in der Nachbarschaft. Mit den meisten Nachbarn ist sie gut befreundet, vor allem mit Barbara, ihrer direkten Nachbarin.
Leider wird Barbara in einer Februar-Nacht ermordet, sie wurde erdrosselt. Bei ihrem letzten Treffen hatte sie Margaret noch etwas mitgeteilt, aber Margaret kann sich beim besten Willen nicht erinnern. Die Polizei ermittelt, auch die Nachbarn werden zu Verdächtigen und alte Streitigkeiten brechen wieder auf. Man erinnert sich an diesen oder jenen Vorfall, der zwar Jahre her ist, aber doch vielleicht ein Grund für den Mord gewesen sein könnte.
Typisch englische Gepflogenheiten spielen eine große Rolle, so darf die Tasse Tee gegen alle Unwägbarkeiten des Lebens auch hier nicht zu kurz kommen.
Für James, den 15jährigen Enkel von Margaret, ist das alles ganz spannend. Das was er bisher nur aus dem Fernsehen kannte, spielt sich jetzt direkt vor Omas Haustür ab.
Margaret ist in ständiger Zwiesprache mit ihrem vor einem Jahr verstorbenen Ehemann Albert. Die Erinnerung an längst vergangene Zeiten funktioniert wesentlich besser als an das, was gestern passiert ist. Dennoch glaubt sie, es Barbara schuldig zu sein, ihren Mörder zu finden.
Zusammen mit ihrem Enkel versucht sie, den Geschehnissen der letzten Tage nachzuspüren. In den Gesprächen mit seiner Oma lernt James Margaret von einer ganz anderen Seite kennen. Sie erzählt ihm von lange vergangenen Zeiten. Für James sind das ganz wichtige Erfahrungen, es erstaunt Kinder und Enkel doch immer wieder, dass ihre Eltern und Großeltern auch einmal jung waren und ein Vorleben hatten.

Das Buch war für mich nur in zweiter Linie ein Krimi, Margarets Schwierigkeiten mit dem Älterwerden und ihre Erinnerungen an bessere Zeiten nehmen den meisten Raum ein. Es hat mich ein bisschen an Band 4 des Donnerstagsmordclubs erinnert. Dieser Band hatte ebenfalls die Gebrechen älterer Leute in den Blick genommen und war ehrlicher und authentischer als die vorausgegangenen Bände. Dennoch nimmt die Handlung im letzten Viertel des Buches noch einmal spannende Fahrt auf, schließlich will der Fall gelöst werden.
Wir haben es auf jeden Fall mit einem ungewöhnlichen Ermittlerduo zu tun und die Zuneigung der beiden zueinander lässt Generationenkonflikte vergessen.
Ich könnte mir vorstellen, dass James sich in einem Folgeband tatsächlich für eine juristische Ausbildung interessiert. Ob seine Oma dann allerdings noch so tatkräftig dabei sein kann, sei dahingestellt.

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