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Veröffentlicht am 13.05.2024

Auf Spurensuche im Sarntal

Bei den Tannen
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Das war mein dritter Band um Commissario Grauner in Südtirol und ich tat mich schwer damit. Ich hatte vorher Band 1 und Band 8 gelesen, bin also nicht in der Reihenfolge geblieben, was aber auch kein Problem ...

Das war mein dritter Band um Commissario Grauner in Südtirol und ich tat mich schwer damit. Ich hatte vorher Band 1 und Band 8 gelesen, bin also nicht in der Reihenfolge geblieben, was aber auch kein Problem darstellt, da Entwicklungen der letzten Bände, wenn sie eine Rolle spielen, wieder aufgegriffen oder erinnert werden.

Hier ist es der Tod des Kollegen Piero Marché, offenbar Thema in Band 6, der Grauner und Saltapepe schwer zu schaffen macht. Saltapepe ist seither nicht wieder zum Dienst erschienen, lediglich Silvia kümmert sich immer wieder um ihn und versucht, ihn zurückzuholen. Zum Schluss ist er dann tatsächlich wieder mit von der Partie.

Im stillen Sarntal unweit von Bozen liegt eines der besten Restaurants der Welt. Hier kommt eines Abends die Gourmetkritikerin Carla Manfredi zu Tode. Das ganze Tal ist sich einig: Es war die Köchin, denn die Köchin ist die Nachfahrin einer Hexe und damit selbst eine Hexe. Jahrhundertealte Rechnungen scheinen wieder offen zu liegen und wollen beglichen werden. Am Tag darauf brennt das Restaurant ab, wenig später die Latschenkieferfelder unterhalb der Berggipfel.

Die Lösung ist kompliziert und vielschichtig und dürfte sich nur wenigen schon vorher erschlossen haben. Interessant ist aber, wie gut in diesen abgelegenen Tälern das Gedächtnis funktioniert. Einmal als Hexe gebrandmarkt, hat man es Jahrhunderte später immer noch schwer, am Ort Fuß zu fassen. Und sollte der Wille zur Versöhnung da sein, kann er von der nächsten Generation schon wieder konterkariert werden.

Was war es nun, was mir das Lesen und Verstehen schwer machte?

Nachdem auch das Kommissariat lange nur der Spur in die Vergangenheit gefolgt war, ergab sich kurz vor Buchende eine ganz neue Wendung. Nun kann man es der personellen Unterbesetzung des Kommissariats zuschreiben, aber tatsächlich war nicht in alle Richtungen ermittelt worden und die letzte Spur ergab sich aus reinem Zufall. Wäre da nicht die Schildkröte gewesen…. Und so wirkt die Ermittlermethode eher unorthodox, unsystematisch und etwas verworren. Für mich wurde auch lediglich der Mord am Ende geklärt, bei den Brandstiftungen bin ich mir auch beim zweiten Lesen unsicher, wer denn hierfür verantwortlich gemacht werden kann.

Positiv hervorzuheben sind aber auf jeden Fall die Beschreibungen der engen Täler um Bozen. Man kennt Brixen, Bozen und Meran aber gerade diese Täler mit ihren Menschen scheinen eine eigene Welt für sich zu sein. Und die Küche Südtirols ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert.

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Veröffentlicht am 11.05.2024

Umzug mit Hindernissen

Mord am Lago Maggiore
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Wir lernen Ludwig und Tabea kennen, die Kapitel sind aus der Sicht jeweils eines der beiden geschrieben. Sie wohnten bisher in Zürich und folgen nun der Einladung von Herbert, Ludwigs Vater, in seine Villa ...

Wir lernen Ludwig und Tabea kennen, die Kapitel sind aus der Sicht jeweils eines der beiden geschrieben. Sie wohnten bisher in Zürich und folgen nun der Einladung von Herbert, Ludwigs Vater, in seine Villa am Lago Maggiore nahe Ascona zu ziehen. Wir begleiten die beiden in ihren ersten Wochen im Zusammenleben mit Herbert. Herbert ist kein sympathischer alter Mann, er ist ausgesprochen schwierig im Umgang. Er hat immer Recht, zumindest sieht er es so, er ist mitleidlos und übergriffig. Und eines Tages findet Tabea ihn tot in seiner Wohnung.

Der herbeigerufene Arzt vermutet zu Recht Unregelmäßigkeiten, die Obduktion ergibt, dass er vergiftet wurde.

Tabea hatte wirklich keinen guten Draht zu ihrem Schwiegervater, aber Mord ist etwas, das der Aufklärung bedarf. Und da ihr Mann ständig mit der Kommissarin zusammenhängt und sie nicht an seinem Wissen teilhaben lässt, recherchiert sie auf eigene Faust.

Jeder, der in diesem Roman eine Rolle spielt, ist verdächtig oder hätte allen Grund gehabt, Herbert etwas Böses zu wünschen. Nach und nach tauchen Tabea und Ludwig in alte Geschichten ein, erfahren Dinge, die weit in der Vergangenheit liegen und trotzdem noch Einfluss auf die Gegenwart nehmen. Nachdem Ludwig dann auch noch für einige Zeit ausfällt, vergräbt sich Tabea vollends in ihre Verdächtigungen und sieht zum Schluss den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Und so kommt die Lösung als Überraschung, damit hatte keiner gerechnet, auch die Kriminalpolizei nicht.

Die Handlung spielt hauptsächlich in Ascona am Lago Maggiore. Herberts Villa hat Seeblick und bietet einen ausladenden Garten, den Tabea für ihren Gemüseanbau nutzt. Jemand, der selbst gern erntet, muss hier ganz neidisch werden, wie fruchtbar dieses Land ist. Aber es wird auch klar, dass nach mehr als 20 kg Zucchini der Ertrag zu einer Belastung werden kann.

Dennoch ist der Schauplatz für den Krimi natürlich traumhaft und die Autorin spart auch nicht mit Beschreibungen, die Lust auf eine neue Reise machen.

Die Beziehung zwischen Tabea und Ludwig ist sehr fein herausgearbeitet. Sie ist nach den vielen Jahren Ehe etwas in die Jahre gekommen, keiner bemüht sich, alles wird für selbstverständlich genommen. Trotzdem, dieser Fall führt doch dazu, dass Tabea eine gewisse Eifersucht verspürt, wenn sie ihren Mann im trauten Gespräch mit der Kommissarin beobachtet und er ihr später nicht davon berichtet. Tabeas Erwartungshaltung wird schon mal enttäuscht, wenn er mit „Bella Donna“ auf sie zukommt, sie sich als schöne Frau angesprochen fühlt und dann einsehen muss, dass er lediglich das Gift meinte, mit dem sein Vater umgebracht wurde.
Ganz anders ist die Reaktion aber, als Ludwig nach einem Autounfall erst mal im Koma liegt. Da zeigt sich dann doch, dass die lange Zeit zusammengeschweißt hat und die Zuneigung noch nicht erkaltet ist.

Einer positiven Erwähnung bedarf auch der feinsinnige Humor, der besonders in Gesprächen hervortritt, wo beide Gesprächspartner gute Miene zum bösen Spiel machen. Zwei Frauen, die einen Kampf ausfechten und sich doch ums Versprühen von Gelassenheit bemühen, wie im Gespräch zwischen Tabea und Kassandra, als diese sich noch als zukünftige Eigentümerin der Villa sieht.

Und schließlich spielt auch noch ein eher phlegmatischer Hund eine besondere Rolle. Bruno, Herberts Hund, der nach seinem Tod von Tabea und Ludwig aufgenommen wird, zeigt ganz zum Schluss, was er kann und bedankt sich auf seine Weise dafür, dass er mit den beiden eine neue Familie gefunden hat. Wie gut, dass Kassandra ihn dann doch nicht haben wollte.



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Veröffentlicht am 09.05.2024

Das Wattenmeer als Selbstbedienungsladen

Marconi und der tote Krabbenfischer
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Massimo Marconi zieht nach dem Tod seines Bruders von München, der "nördlichsten Stadt Italiens" nach St. Peter Ording und „erbt“ dessen Kinder Stefano und Klara, die vor einigen Jahren auch schon die ...

Massimo Marconi zieht nach dem Tod seines Bruders von München, der "nördlichsten Stadt Italiens" nach St. Peter Ording und „erbt“ dessen Kinder Stefano und Klara, die vor einigen Jahren auch schon die Mutter verloren haben. Er versieht seinen Dienst ab sofort als Leiter einer viel kleineren Polizeidienststelle, als er das bisher gewohnt war.

Kurz nach seinem Amtsantritt wird ein Krabbenfischer mit einer Harpune erschossen. Zuständig sind die Kripo-Kollegen in Flensburg, die arrogant auf die „Dorfbullen“ vor Ort herabsehen. Für Massimo ist es zunächst fremd, nun nur noch Zubringer für die Kripo-Kollegen zu sein. Schließlich war er in München selbst Ermittler und konnte über eine größere Mannschaft verfügen.

Aber da ist nicht nur sein Beruf, da sind vor allem die beiden Kinder seines verstorbenen Bruders. Mit viel Einfühlungsvermögen schildert Daniele Palu die Situation, als Massimo die Vormundschaft über Neffe und Nichte übernimmt. Massimo tut sich schwer mit der plötzlichen Verantwortung. Er vermisst München, er vermisst seinen Freundeskreis, er vermisst vor allen Dingen das sonnige Wetter und seine Freiheit. Aber auch die Kinder sind misstrauisch. Sie machen ihm klar, dass er sich bislang kaum Mühe gegeben hat, sie überhaupt kennenzulernen. Vor allem die ältere Schwester, die schon am Rande der Pubertät steht, begegnet ihm mit Vorbehalt.

Marconi merkt schnell, dass er den Kindern bei manchen Themen auch entgegenkommen muss. Und tatsächlich kann er auch nachgeben und einfühlsam reagieren, eine abgestürzte Möwe wird nicht im Mülleimer entsorgt, sondern begraben, inklusive Trauerrede, die dann fatal an sein gestörtes Verhältnis zu seinem Bruder erinnert. Diese Trauerrede war für mich der Wendepunkt in der Beziehung zu den Kindern, ab dem Zeitpunkt wurde es einfacher. Er kocht sich in ihr Herz (wobei mir nicht nur das Rezept, sondern allein schon die Bezeichnung Spaghetti Crabbonara gut gefallen haben), beteiligt sie an vielen Aktionen und fährt sie, nachdem sein Auto in Brand gesetzt wurde, mit der Vespa zur Schule. Das finden beide Kinder chic. Es ist spürbar, dass sie Vertrauen zu ihm aufbauen. Dem Autor gelingt es wunderbar, gerade auch die Altersunterschiede bei den Kindern in ihrem Verhalten einzufangen, Stefano ist noch viel kindlicher und vertrauensseliger, Klara hingegen schon an der Grenze zum Erwachsenwerden und entsprechend zurückhaltender.

Gut herausgearbeitet ist übrigens auch die je nach Alter unterschiedliche Herangehensweise an Umweltprobleme, das Drängen der jungen Generation, hier endlich Lösungen zu finden, und ungeduldig zu werden, wenn sich nicht schnell etwa verändert.

Das Verhältnis zu den Mitarbeitern ist zu Anfang von Marconis Seite von Zurückhaltung geprägt. Da sagt man den Norddeutschen immer eine gewisse Distanz nach, hier scheint es umgekehrt zu sein. Massimo wird von jedem geduzt, er selbst hätte sich etwas mehr Abstand gewünscht. Er merkt aber schnell, dass er mit Jens und Eva wunderbare Mitarbeiter bekommen hat und passt sich dann auch an. Auch wenn Jens zu Anfang sehr betonte, dass eine Einmischung in Flensburger Angelegenheiten zu Schwierigkeiten führen könnte, so ist er später gerne bereit, hier auch ein Risiko einzugehen. Dafür ist der Fall einfach zu spannend.

Der Kriminalfall eskaliert insofern, als dem toten Krabbenfischer Zehntausende toter Heringe folgen und wenige Tage später der bis dahin flache Strand plötzlich steile Abbruchkanten aufweist. Die bisherigen Verdächtigen passen nicht in diese Abfolge, noch ist keine Spur zu entdecken.

Die Lösung des Falles kam für mich überraschend, diese Wendung hatte ich nicht vorhergesehen. Und zum Schluss wurde es dann noch einmal richtig spannend, inklusive eines gewissen Cliffhängers zum im nächsten Jahr erscheinenden zweiten Band, auf den ich mich jetzt schon freue.

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Auf die Pfoten, fertig, los!

Mord am Saar-Hunsrück-Steig
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Günther ziert das Cover dieses Wander-Krimis von Marion Demme-Zech. Günther ist Polizei-Dackel.

Allerdings war das Leben auf der Polizeistation in den letzten Jahren etwas zu gut, Leckerlis und mehr Streicheleinheiten ...

Günther ziert das Cover dieses Wander-Krimis von Marion Demme-Zech. Günther ist Polizei-Dackel.

Allerdings war das Leben auf der Polizeistation in den letzten Jahren etwas zu gut, Leckerlis und mehr Streicheleinheiten (gegen die auch nichts einzuwenden ist) als lange Spaziergänge und so ist Günther mittlerweile 1,5 kg schwerer als bei seiner letzten Tierarztuntersuchung.

Toni Kuppertz ist verdiente Kommissarin und die Kommission hat sich lange Gedanken um ein Geburtstagsgeschenk für sie gemacht. Bis dann die Hundetrainerin mit dem passenden Vorschlag um die Ecke kam: ein Wanderurlaub auf dem Saar-Hunsrück-Steig, zusammen mit Günther. Die Begeisterung von Toni hält sich in engen Grenzen, aber alle Ausreden hatten die Kollegen vorher schon aus dem Weg geräumt. Und so geht es mit 7 weiteren Wanderern auf den Weg.

Die Idee eines Wanderkrimis fand ich schon mal gut. Einzelne Streckenabschnitte sind auch ausführlich beschrieben, auch wenn nicht jeder Wanderer so verwöhnt werden kann, wie unsere Gruppe im Krimi. Aber beispielsweise die Villa Borg bietet einiges an Events an, so wie es auch unsere Freunde im Krimi erlebt haben.

Das Buch ist so geschrieben, dass immer andere Teilnehmer der Wanderrunde zu Wort kommen, selbst Günther beteiligt sich rege mit seinen Gedanken, die sich naturgemäß um die gute Versorgung und die langen Strecken drehen. Toni ist da eher mitleidlos, glücklicherweise gelingt es Günther aber früh, sich bei den anderen einzuschleimen und so fällt immer mal wieder etwas für ihn ab. Die Passagen mit Günther sind lobend zu erwähnen, sie geben dem Buch eine besondere Leichtigkeit.

Die Dynamik innerhalb der Gruppe ist gut beschrieben, da gibt es die vorlauten Alphatiere und die zurückhaltenden, die erstmal wenig von sich preisgeben.

Als Fotograf ist der Organisator der Reise, Felix Brecht, mit auf dem Weg, ein arroganter Typ, der sich für den größten Marketing-Strategen aller Zeiten hält. Schon auf den ersten Etappen geschehen merkwürdige Dinge. Hier ergeben sich die ersten Fragezeichen. Wer will die Wandertour torpedieren? Hat da jemand Einwände gegen Brechts große Pläne, das Saarland und die Region um Morbach in ein Ferienparadies für Superreiche zu verwandeln. Oder steckt ganz was anderes dahinter?

Was den Verlauf der Handlung selbst angeht, so hatte ich zeitweise das Gefühl, dass es in einen Gemeinschaftsmord münden wird. So zufällig zusammengewürfelt war die Gruppe nämlich nicht, jeder hatte wenigstens ein Hühnchen mit dem smarten Organisator der Reise Felix Brecht zu rupfen. Lediglich Tony und Günther hatte es zufällig zu der Gruppe verschlagen.

Merkwürdig und einer Überprüfung würdig war aber auf jeden Fall das Verhalten von Kolas Frau Antje. Wer lässt es denn zu, dass der Göttergatte in Untersuchungshaft gerät und man selbst wandert seelenruhig weiter? Was mich außerdem ein wenig störte, war, dass die vielen Toten und Verletzten am Weg so als Kollateralschaden abgetan wurden. Da hätte ich auch erwartet, dass die Polizei sehr viel stärker eingreift.

Toni war nicht so ganz mein Fall, obgleich sie als Polizistin sicher einen ganz guten Job macht. Weder schien sie eine besondere Beziehung zu Günther zu haben, noch wusste sie, was sie im Privatleben wollte oder nicht wollte. Ihr on und off mit Jan-Alexander habe ich jedenfalls nicht so ganz verstanden. Da musste man schon ein dickes Fell haben, aber wie beschrieb es Günther in Bezug auf Joshi so schön: Seine Hartnäckigkeit hat gesiegt. Aber diese Liebesbeziehung wäre im Krimi auch verzichtbar gewesen.

Insgesamt vergebe ich mit den 4 Punkten gerne eine Leseempfehlung und bedanke mich für die Anregung, selbst einmal den Wanderweg in Angriff zu nehmen.

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Veröffentlicht am 30.04.2024

Wohlfühlbuch und Schicksalsroman

Café Alba
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Das Cover des Buches stimmt auf die Handlung ein. Auf dem Bild finden wir Kakao, daneben Haselnüsse, die im Buch eine wichtige Rolle spielen, also Zutaten, mit denen sich die Crema Piemontese herstellen ...

Das Cover des Buches stimmt auf die Handlung ein. Auf dem Bild finden wir Kakao, daneben Haselnüsse, die im Buch eine wichtige Rolle spielen, also Zutaten, mit denen sich die Crema Piemontese herstellen lässt. Das Braun der Nüsse und der Schokolade und die türkise Keramik passen sehr harmonisch zusammen, beides sind warme Farben und dieser Eindruck hält sich auch beim Lesen. Man taucht in eine angenehme, warme Atmosphäre ein.

Die 16jährige Francesca wird von ihren Eltern als Hausmädchen zu der Familie Milani nach Alba geschickt. Die Familie betreibt ein gutgehendes Café, das Café Alba.
Neben ihren Aufgaben im Haushalt der Familie lernt sie dank dem Sohn der Familie auch die Backstube kennen und ist fasziniert davon. Mit Matteo verbindet sie bald mehr als nur Freundschaft und sie ist stolz, ihn mit ihren Ideen und ihrer Hände Arbeit unterstützen zu können. Aber als Hausmädchen kann sie sich kaum Hoffnungen auf den Sohn der Inhaberfamilie machen, das passt vom Status her gar nicht zusammen.

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters findet die Familie heraus, dass horrende Schulden bestehen und dass die Bank ihnen die Kredite kündigen will. Eine einflussreiche Familie, die ihre Tochter eigentlich mit Matteo verheiraten wollte, steht bereits als Käufer bereit. Den Biancos schwebte schon lange vor, sich das gutgehende Café einzuverleiben und die Milanis auszuschalten.

Diese Gefahr von außen schweißt Matteo und Francesca noch enger zusammen, ihr neues Produkt, die Crema Piemontese, hergestellt aus Nüssen der Region und Schokolade, wird schnell ein Renner und ist uns auch heute noch unter anderem Namen bestens bekannt.

Das Buch liest sich sehr flüssig und gut, auch wenn Schicksalsschläge nicht ausbleiben. Es ist ein steiniger und langer Weg zum Erfolg. Wenn Matteo und Francesca glauben, es endlich geschafft zu haben, tun sich an anderer Stelle wieder Schwierigkeiten auf. Und dennoch - die Hoffnung stirbt nie!
Im letzten Abschnitt wird das Buch noch einmal richtig dramatisch. Und hier zeigt sich Francescas Stärke ganz besonders. Ich habe mir ihr gelitten und mich später mit ihr gefreut, dass sie es als Frau auch ganz allein, wenn auch mit guten Mitarbeitern, schaffte, den Betrieb zu halten und weiterhin erfolgreich zu führen.

Das Buch ist auf mindestens zwei Teile angelegt und im Sommer soll es mit Teil 2 weitergehen. Es endet insofern versöhnlich, als sich zum Schluss eine neue Liebesgeschichte für Francesca andeutet. Aber ich gehe davon aus, dass die Widersache aus dem ersten Band uns auch in Band 2 weiter begleiten werden.

Ich würde das Buch als Wohlfühlschmöker, aber auch als Schicksalsroman bezeichnen. Francesca wird schon in ganz jungen Jahren Witwe, sie hat ihre Ehe kaum genießen können, zumal Matteo und sie schon so viele Widerstände überwinden mussten. Diese Verbindung bestand in erster Linie aus Arbeit und Sorgen, allerdings war geteiltes Leid auch halbes Leid.



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