Profilbild von Jackolino

Jackolino

Lesejury Star
offline

Jackolino ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jackolino über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2025

Für das exklusive Capriblau würden manche Leute töten

Der blaue Salamander
0

Luca Ventura versteht es gut, die Besonderheiten der Insel in seine Krimis einzubinden und das besondere Flair Capris seinen Lesern nahezubringen.

Im Beichtstuhl einer Kirche wird die Leiche der Modedesignerin ...

Luca Ventura versteht es gut, die Besonderheiten der Insel in seine Krimis einzubinden und das besondere Flair Capris seinen Lesern nahezubringen.

Im Beichtstuhl einer Kirche wird die Leiche der Modedesignerin Rosalinda entdeckt, die Polizei in Neapel vermutet einen Raubmord und verhaftet den Straßenkehrer Salvatore, in dessen Behausung dann auch gleich ein Gürtel aus der Produktion von Rosalinda entdeckt wird. Der Fall scheint klar, nur Agente Rizzi glaubt nicht an die Schuld Salvatores. Zusammen mit seiner Kollegin Cirillo beginnt er mit parallelen Ermittlungen und stößt bald auf die verschwundene Tasche einer früheren Schauspielerin, ein Einzelstück, das nicht nur für die Besitzerin einen immensen Wert besitzt. Es geht um die "blaue Salamander". So nebenbei erfährt der Leser dann auch von den Eidechsen der Nachbarinsel Faraglioni, die sich, um Raubvögeln zu entgehen, dem blauen Stein der Insel angepasst haben. Ihr Leder wurde damals für die Herstellung der Tasche verwendet.

Wie immer bei Cozy Crimes geht es nicht nur um die Lösung des Falles, wir tauchen auch tief in die persönlichen Geschichten der beiden Ermittler ein. Wer bereits mehrere Bücher der Reihe gelesen hat, wird sich erinnern, dass Rizzi im Zweitberuf Landwirt ist und nach der Arbeit noch auf den Obstplantagen Pfirsiche und Gemüse ernten muss und dass Cirillo aus Norditalien strafversetzt wurde und sich nichts sehnlicher wünscht, als nach Bergamo zurückkehren zu können.

Rizzi wird zwar von den Kollegen in Neapel nicht immer ernst genommen, er hat aber das Ohr am Geschehen und kennt die Leute auf Capri, das erleichtert die Einschätzung der Lage nach einem Verbrechen wie dem vorliegenden.

Für alle diejenigen, die in diesem Jahr ihren Urlaub am Golf von Neapel verbringen wollen, ist dieser Krimi wärmstens zu empfehlen und natürlich auch die Vorgängerbände.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2025

Genau so könnten die 20er Jahre auf dem Land in Norddeutschland gewesen sein!

Kronsnest
0

Hannes wächst als 15jähriger in den 20er Jahren auf dem elterlichen Hof in Kronsnest nordwestlich von Hamburg auf. Der Fluss, an dem die Kinder sich häufig treffen heißt Krückau und fließt weiter westlich ...

Hannes wächst als 15jähriger in den 20er Jahren auf dem elterlichen Hof in Kronsnest nordwestlich von Hamburg auf. Der Fluss, an dem die Kinder sich häufig treffen heißt Krückau und fließt weiter westlich in die Elbe.

Es gibt reiche Bauern mit viel und gutem Land, es gibt aber auch kleinere Bauern, die sehr ums Überleben kämpfen müssen. Hannes Eltern sind eigentlich kleine Bauern, die aber versuchen, durch harte Arbeit ihren Besitz zu vergrößern.

Hannes Vater hatte sehr genaue Vorstellungen von seinem Sohn und Hannes genügte ihnen nur selten. Der Vater ist gespalten zwischen gutem Willen, der Liebe zu seiner Frau und dem Vorbild des eigenen Vaters, der ihn mit harter Hand erzogen hatte und später dem Alkohol verfallen war. Er kann seine Wut nicht immer zügeln, auch wenn es ihm hinterher leid tut.

Hannes selbst ist zu Beginn der Handlung noch Kind, meistens will er es seinen Eltern Recht machen. Doch hin und wieder kommt auch schon ein recht rebellischer Jugendlicher zum Vorschein, der seinem Vater Paroli bietet. Diese Vater-Sohn-Beziehung ist gut beschrieben und man kann sich die Verbitterung beider vorstellen, wenn der jeweils andere mal wieder ganz anders reagiert, als erwartet.

Seine Bezugspersonen in der Schule sind Thies, der Nachbarsjunge und die Kinder des reichen Bauern von Heesen Mara und Jakob. Mara ist sein großer Schwarm, sie will er für sich gewinnen und es gelingt ihm auch. Doch auch Mara und Jakob haben Probleme. Der Hof ist in Schieflage geraten, weil er schlecht geführt wird. Der Vater ist eigentlich Kaufmann und hat von Landwirtschaft keine Ahnung.

Ende der 20er Jahre beginnen die rechten Parteien auch auf dem Land immer mehr Anhänger zu sammeln. Da sind zum einen die Kommunisten und auf der anderen Seite das rechte Landvolk, das immer mehr zum Anhängsel der aufstrebenden NSDAP wird. Schlägereien auf den Straßen sind keine Seltenheit und manchmal sind auch Opfer zu beklagen. Viele Auseinandersetzungen werden nicht nur mit Worten sondern noch mit Prügeleien geführt, Hannes ist so lange Opfer der rechtsgesinnten Landjugend, bis er selbst boxen und sich zu wehren lernt.

Die Situation zuhause spitzt sich zu und die Mutter steht dazwischen. Eigentlich hält sie mehr zu Hannes, ihrem Mann zeigt sie wochenlang die kalte Schulter, was ihn aber letztendlich ebenfalls in den Alkohol treibt. Ein tragischer Unfall bereitet seinem Leben ein jähes Ende.

Florian Knöppler schildert das tägliche Leben der Familie Thormälen auf eindrückliche Art und Weise. Die Bauern hatten kaum den ersten Weltkrieg mit den großen menschlichen Verlusten überstanden, da kam die unstete Weimarer Zeit und legte den Samen für die rechtsradikalen Entwicklungen in den 30er und 40er Jahren. Selbst jemand, der eigentlich unpolitisch sein wollte, konnte sich den Entwicklungen nicht entziehen und stieß auf die ein oder andere Weise mit denen zusammen, die sich bereits radikalisiert hatten. Insbesondere junge Leute hatten es schwer, sich dem entgegenzustemmen. Wie sagt es Govinski irgendwann: „Und auf Dauer muss man sowieso Position beziehen.“ Er meint es sowohl politisch als auch privat und Hannes weiß, was er tun muss. Diese kleinen Fluchten sind es, die das Leben für ihn dann doch lebenswert machen.

Ich fand das Buch ausgesprochen lesenswert und bedanke mich, dass ich an der Leserunde teilnehmen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2025

Ein Mord für den Marmor

Ein Schimmern am Berg
0

Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die ...

Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die Frau wurde offenbar erschlagen und dann mit der Marmorsäge in Teile zerlegt.
Kommissar Grauner hatte sich auf einen ruhigen Sommer gefreut, die beiden Mitarbeiter Saltapepe und Silvia Trappeiner sind auf Hochzeitsreise in den USA. Jetzt muss er alleine ermitteln.
Laas ist die Marmorstadt in Südtirol, allerdings ist die Stadt auch für die Marillen bekannt, die dort besonders gut gedeihen. Und irgendwie haben die beiden Gewerke auch mit dem Fall zu tun.
Ich finde es schön von Lenz Koppelstätter, wie er auf unaufdringliche Weise regionale Besonderheiten in den Krimi einfließen lässt. Bei einigen Bretagne-Krimis schien es mir immer so, als ob sie vom Tourist Board der Region mitfinanziert seien. Hier lernt man eher nebenbei die Täler Südtirols mit ihren Besonderheiten kennen.
Vom Fall her würde mir die Südtiroler Geschichte gereicht haben, es hätte sich nicht noch nach den USA ausdehnen müssen, das erschien mir konstruiert, um die beiden Mitarbeiter Grauners auch noch in das Geschehen einzubinden. Vor allen Dingen war es nach amerikanischer Manier gleich viel grausamer und plötzlich spielten da auch russische und italienische Mafia in den Fall hinein. Das wurde mir zu viel. Grausam fand ich, dass Silvia Trappeiner in dieser Geschichte ihren Zeigefinger verliert. Sie ist aber so verliebt, sie scheint es nicht einmal zu merken. Auch das ist eher unrealistisch.
Die Zusammenhänge in Südtirol waren eher zu durchblicken. Allerdings weist der Epilog darauf hin, dass die eigentlichen Ausführenden des Mordes noch gar nicht behelligt wurden. Vielleicht erleben wir die Fortsetzung im nächsten Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2025

Der Kompass weist den Weg aus der Einsamkeit

Die Anatomie der Einsamkeit
2

„Die Anatomie der Einsamkeit“ ist nach „Die Halbwertszeit von Glück“ Louise Pelts zweiter Roman und vom Aufbau her sind beide Bücher sich auch ähnlich.
Wir erleben parallele Geschichten in unterschiedlichen ...

„Die Anatomie der Einsamkeit“ ist nach „Die Halbwertszeit von Glück“ Louise Pelts zweiter Roman und vom Aufbau her sind beide Bücher sich auch ähnlich.
Wir erleben parallele Geschichten in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben können. Und doch wird sich im Laufe der Handlung eine Verbindung ergeben.
Den Titel hat die Autorin klug gewählt: es gibt verschiedene Formen von Einsamkeit und man kann Einsamkeit zerlegen, so wie die Anatomie einen Menschen in seine Bestandteile aufgliedert. Louise Pelt hat es selbst im Interview so beschrieben: „Es gibt unzählige Arten von EINSAMKEIT – vom physischen Alleinsein bis hin zu dem Gefühl, emotional isoliert zu sein. Sich ungesehen oder nirgendwo wirklich zugehörig zu fühlen, trotz Familie oder Freundschaften…
Einsamkeit hat viele Gesichter und unzählige Formen. Entscheidend ist, dass du die ANATOMIE der EINSAMKEIT kennst, die dich plagt, denn sonst kannst du sie nicht überwinden. Du musst verstehen, wo das Gefühl wurzelt, wie es sich zusammensetzt, um zu lernen, damit umzugehen oder es zu behandeln.

Entsprechend hat sie ihre Charaktere gewählt. Olive ist Journalistin in London und will endlich anspruchsvollere Themen bearbeiten und nicht immer nur die Horoskope ihrer Zeitschrift erstellen. Sie ist diejenige, die emotional einsam ist, sie fühlt sich nirgendwo zugehörig, nicht gesehen, trotz Familie oder ihres Partners.

Auf der anderen Seite der Erdkugel und 20 Jahre früher ist da Claire in New York. Erfolgreiche Anwältin, die gerade für ihre Kanzlei einen der größten Prozesse der letzten Jahre gewonnen hat und der nun alle Türen offenstehen. Claire macht nach außen einen sehr gefestigten Eindruck, sie ist sehr kontrolliert und hat sich selbst fest im Griff. Claire hat eine Zwillingsschwester, mit der seit Jahren der Kontakt abgebrochen ist. In ruhigen Momenten empfindet sie das schon als Leerstelle in ihrem Leben, zumal beide einmal sehr eng miteinander waren, so wie das bei Zwillingen oft der Fall ist.
Und so wirft sie die Nachricht vom Tod ihrer Schwester aus der Bahn. Auch wenn sie geglaubt hatte, alles hinter sich gelassen zu haben, so stellt sie fest, dass da doch immer noch eine starke emotionale Bindung bestand. Sie reist auf die einsame Insel an der Westküste der USA, auf der Iris lebte und lernt dort die Menschen kennen, mit denen Iris ihr Leben verbrachte, allen voran Frankie, eine ca. 60jährige Frau, die Iris in ihrem Haus auf der Insel hatte leben lassen. Iris hatte dort Frankies Vater Ib in den letzten Jahren seines Lebens betreut. Diese Begegnung verändert ihr Leben.

Olive hat von ihrer Großmutter Poppy – eigentlich Mathilde – als vorgezogenes Erbstück einen alten Kompass geerbt. Sie ist enttäuscht, weil sie immer geglaubt hatte, die Lieblingsenkelin ihrer Großmutter zu sein. Aber dieser Kompass scheint keinen Wert zu haben. Die Großmutter ist nach einem Schlaganfall immer hinfälliger geworden und wird im Haus der Eltern gepflegt. Sie ist kaum mehr ansprechbar und scheint sich schon zwischen Leben und Tod zu befinden.

Über Umwege erfährt sie, dass bei einer eingemauerten Leiche in Hamburg ein gleicher Kompass gefunden wurde und das weckt ihre journalistische Neugier. Mit dieser Geschichte überzeugt sie ihre Chefin, ihr die Recherche zu erlauben und zusammen mit einem Fotografen macht sie sich auf den Weg nach Hamburg und dabei auch auf den Weg in die Vergangenheit ihrer Großmutter.

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und rührt am Ende auch zu Tränen. Ob es denn Freudentränen waren oder Tränen über so viele verpasste Jahre, das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall hat der Kompass seinen Zweck in wunderbarer Weise erfüllt und einigen Menschen den Weg zueinander gewiesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 15.03.2025

Ein Mord für den Marmor

Ein Schimmern am Berg
0

Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die ...

Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die Frau wurde offenbar erschlagen und dann mit der Marmorsäge in Teile zerlegt.
Kommissar Grauner hatte sich auf einen ruhigen Sommer gefreut, die beiden Mitarbeiter Saltapepe und Silvia Trappeiner sind auf Hochzeitsreise in den USA. Jetzt muss er alleine ermitteln und lässt sich häufiger von Sstaatsanwalt Belli begleiten.
Laas ist die Marmorstadt in Südtirol, allerdings ist die Stadt auch für die Marillen bekannt, die dort besonders gut gedeihen. Und irgendwie haben die beiden Gewerke auch mit dem Fall zu tun.
Ich finde es schön von Lenz Koppelstätter, wie er auf unaufdringliche Weise regionale Besonderheiten in den Krimi einfließen lässt. Bei einigen Bretagne-Krimis schien es mir immer so, als ob sie vom Tourist Board der Region mitfinanziert worden wären. Hier lernt man eher nebenbei die Täler Südtirols mit ihren Besonderheiten kennen.
Vom Fall her würde mir die Südtiroler Geschichte gereicht haben, es hätte sich nicht noch nach den USA ausdehnen müssen, das erschien mir konstruiert, um die beiden Mitarbeiter Grauners auch noch in das Geschehen einzubinden. Vor allen Dingen war es nach amerikanischer Manier gleich viel grausamer und plötzlich spielten da auch russische und italienische Mafia in den Fall hinein. Das wurde mir zu viel. Grausam fand ich, dass Silvia Trappeiner in dieser Geschichte ihren Zeigefinger verliert. Sie ist aber so verliebt, sie scheint es nicht einmal zu merken. Auch das ist eher unrealistisch.
Die Zusammenhänge in Südtirol waren eher zu durchblicken. Allerdings weist der Epilog darauf hin, dass die eigentlichen Ausführenden des Mordes noch gar nicht behelligt wurden. Vielleicht erleben wir die Fortsetzung im nächsten Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere