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Veröffentlicht am 18.03.2025

Ein Mord für den Marmor

Ein Schimmern am Berg
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Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die ...

Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die Frau wurde offenbar erschlagen und dann mit der Marmorsäge in Teile zerlegt.
Kommissar Grauner hatte sich auf einen ruhigen Sommer gefreut, die beiden Mitarbeiter Saltapepe und Silvia Trappeiner sind auf Hochzeitsreise in den USA. Jetzt muss er alleine ermitteln.
Laas ist die Marmorstadt in Südtirol, allerdings ist die Stadt auch für die Marillen bekannt, die dort besonders gut gedeihen. Und irgendwie haben die beiden Gewerke auch mit dem Fall zu tun.
Ich finde es schön von Lenz Koppelstätter, wie er auf unaufdringliche Weise regionale Besonderheiten in den Krimi einfließen lässt. Bei einigen Bretagne-Krimis schien es mir immer so, als ob sie vom Tourist Board der Region mitfinanziert seien. Hier lernt man eher nebenbei die Täler Südtirols mit ihren Besonderheiten kennen.
Vom Fall her würde mir die Südtiroler Geschichte gereicht haben, es hätte sich nicht noch nach den USA ausdehnen müssen, das erschien mir konstruiert, um die beiden Mitarbeiter Grauners auch noch in das Geschehen einzubinden. Vor allen Dingen war es nach amerikanischer Manier gleich viel grausamer und plötzlich spielten da auch russische und italienische Mafia in den Fall hinein. Das wurde mir zu viel. Grausam fand ich, dass Silvia Trappeiner in dieser Geschichte ihren Zeigefinger verliert. Sie ist aber so verliebt, sie scheint es nicht einmal zu merken. Auch das ist eher unrealistisch.
Die Zusammenhänge in Südtirol waren eher zu durchblicken. Allerdings weist der Epilog darauf hin, dass die eigentlichen Ausführenden des Mordes noch gar nicht behelligt wurden. Vielleicht erleben wir die Fortsetzung im nächsten Band.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Der Kompass weist den Weg aus der Einsamkeit

Die Anatomie der Einsamkeit
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„Die Anatomie der Einsamkeit“ ist nach „Die Halbwertszeit von Glück“ Louise Pelts zweiter Roman und vom Aufbau her sind beide Bücher sich auch ähnlich.
Wir erleben parallele Geschichten in unterschiedlichen ...

„Die Anatomie der Einsamkeit“ ist nach „Die Halbwertszeit von Glück“ Louise Pelts zweiter Roman und vom Aufbau her sind beide Bücher sich auch ähnlich.
Wir erleben parallele Geschichten in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben können. Und doch wird sich im Laufe der Handlung eine Verbindung ergeben.
Den Titel hat die Autorin klug gewählt: es gibt verschiedene Formen von Einsamkeit und man kann Einsamkeit zerlegen, so wie die Anatomie einen Menschen in seine Bestandteile aufgliedert. Louise Pelt hat es selbst im Interview so beschrieben: „Es gibt unzählige Arten von EINSAMKEIT – vom physischen Alleinsein bis hin zu dem Gefühl, emotional isoliert zu sein. Sich ungesehen oder nirgendwo wirklich zugehörig zu fühlen, trotz Familie oder Freundschaften…
Einsamkeit hat viele Gesichter und unzählige Formen. Entscheidend ist, dass du die ANATOMIE der EINSAMKEIT kennst, die dich plagt, denn sonst kannst du sie nicht überwinden. Du musst verstehen, wo das Gefühl wurzelt, wie es sich zusammensetzt, um zu lernen, damit umzugehen oder es zu behandeln.

Entsprechend hat sie ihre Charaktere gewählt. Olive ist Journalistin in London und will endlich anspruchsvollere Themen bearbeiten und nicht immer nur die Horoskope ihrer Zeitschrift erstellen. Sie ist diejenige, die emotional einsam ist, sie fühlt sich nirgendwo zugehörig, nicht gesehen, trotz Familie oder ihres Partners.

Auf der anderen Seite der Erdkugel und 20 Jahre früher ist da Claire in New York. Erfolgreiche Anwältin, die gerade für ihre Kanzlei einen der größten Prozesse der letzten Jahre gewonnen hat und der nun alle Türen offenstehen. Claire macht nach außen einen sehr gefestigten Eindruck, sie ist sehr kontrolliert und hat sich selbst fest im Griff. Claire hat eine Zwillingsschwester, mit der seit Jahren der Kontakt abgebrochen ist. In ruhigen Momenten empfindet sie das schon als Leerstelle in ihrem Leben, zumal beide einmal sehr eng miteinander waren, so wie das bei Zwillingen oft der Fall ist.
Und so wirft sie die Nachricht vom Tod ihrer Schwester aus der Bahn. Auch wenn sie geglaubt hatte, alles hinter sich gelassen zu haben, so stellt sie fest, dass da doch immer noch eine starke emotionale Bindung bestand. Sie reist auf die einsame Insel an der Westküste der USA, auf der Iris lebte und lernt dort die Menschen kennen, mit denen Iris ihr Leben verbrachte, allen voran Frankie, eine ca. 60jährige Frau, die Iris in ihrem Haus auf der Insel hatte leben lassen. Iris hatte dort Frankies Vater Ib in den letzten Jahren seines Lebens betreut. Diese Begegnung verändert ihr Leben.

Olive hat von ihrer Großmutter Poppy – eigentlich Mathilde – als vorgezogenes Erbstück einen alten Kompass geerbt. Sie ist enttäuscht, weil sie immer geglaubt hatte, die Lieblingsenkelin ihrer Großmutter zu sein. Aber dieser Kompass scheint keinen Wert zu haben. Die Großmutter ist nach einem Schlaganfall immer hinfälliger geworden und wird im Haus der Eltern gepflegt. Sie ist kaum mehr ansprechbar und scheint sich schon zwischen Leben und Tod zu befinden.

Über Umwege erfährt sie, dass bei einer eingemauerten Leiche in Hamburg ein gleicher Kompass gefunden wurde und das weckt ihre journalistische Neugier. Mit dieser Geschichte überzeugt sie ihre Chefin, ihr die Recherche zu erlauben und zusammen mit einem Fotografen macht sie sich auf den Weg nach Hamburg und dabei auch auf den Weg in die Vergangenheit ihrer Großmutter.

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und rührt am Ende auch zu Tränen. Ob es denn Freudentränen waren oder Tränen über so viele verpasste Jahre, das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall hat der Kompass seinen Zweck in wunderbarer Weise erfüllt und einigen Menschen den Weg zueinander gewiesen.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Ein Mord für den Marmor

Ein Schimmern am Berg
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Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die ...

Ein Arbeiter, Sebastian Hofer, findet morgens die Leiche einer Frau an seinem Arbeitsplatz. Er kannte sie, es handelt sich um eine bekannte Bildhauerin, die überall auf der Welt ihre Kunden hatte. Die Frau wurde offenbar erschlagen und dann mit der Marmorsäge in Teile zerlegt.
Kommissar Grauner hatte sich auf einen ruhigen Sommer gefreut, die beiden Mitarbeiter Saltapepe und Silvia Trappeiner sind auf Hochzeitsreise in den USA. Jetzt muss er alleine ermitteln und lässt sich häufiger von Sstaatsanwalt Belli begleiten.
Laas ist die Marmorstadt in Südtirol, allerdings ist die Stadt auch für die Marillen bekannt, die dort besonders gut gedeihen. Und irgendwie haben die beiden Gewerke auch mit dem Fall zu tun.
Ich finde es schön von Lenz Koppelstätter, wie er auf unaufdringliche Weise regionale Besonderheiten in den Krimi einfließen lässt. Bei einigen Bretagne-Krimis schien es mir immer so, als ob sie vom Tourist Board der Region mitfinanziert worden wären. Hier lernt man eher nebenbei die Täler Südtirols mit ihren Besonderheiten kennen.
Vom Fall her würde mir die Südtiroler Geschichte gereicht haben, es hätte sich nicht noch nach den USA ausdehnen müssen, das erschien mir konstruiert, um die beiden Mitarbeiter Grauners auch noch in das Geschehen einzubinden. Vor allen Dingen war es nach amerikanischer Manier gleich viel grausamer und plötzlich spielten da auch russische und italienische Mafia in den Fall hinein. Das wurde mir zu viel. Grausam fand ich, dass Silvia Trappeiner in dieser Geschichte ihren Zeigefinger verliert. Sie ist aber so verliebt, sie scheint es nicht einmal zu merken. Auch das ist eher unrealistisch.
Die Zusammenhänge in Südtirol waren eher zu durchblicken. Allerdings weist der Epilog darauf hin, dass die eigentlichen Ausführenden des Mordes noch gar nicht behelligt wurden. Vielleicht erleben wir die Fortsetzung im nächsten Band.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Folgt Verliebtsein vernünftigen Argumenten?

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Anika Deckers neuer Roman widmet sich neben der Liebe und dem Altern einem Thema, das nach dem Klappentext eher nicht vermuten würde: dem Machtmissbrauch in der Filmindustrie.

Der Titel ist geschickt ...

Anika Deckers neuer Roman widmet sich neben der Liebe und dem Altern einem Thema, das nach dem Klappentext eher nicht vermuten würde: dem Machtmissbrauch in der Filmindustrie.

Der Titel ist geschickt gewählt und macht zumindest neugierig.

Es geht um Nina. Sie ist knapp 50, Mutter zweier erwachsener Kinder und seit einigen Jahren geschieden. Ein Ehevertrag hat sie recht mittellos zurückgelassen, so dass sie froh war, einen schlecht bezahlten Job als Produktionsassistentin in einem Filmstudio zu bekommen. Mit ihrer Kollegin Zeynep kopiert sie tagein/ tagaus Drehbücher und ist erste Anlaufstelle für neue Schauspieler. Beide betreuen zusammen eine Krimiserie mit einem Serienhelden, dem man übergriffiges Verhalten nachsagt.

Nina hat einiges an Familie in der Nähe. Wir lernen ihre Mutter Karin, ihre Schwester Lena mit Familie sowie ihre Kinder Ben und Marie kennen. Dazu kommt ihr Ex-Mann Phil und während einer Geburtstagsparty für Phils neue Kinder begegnet sie David, einem knapp 30jährigen jungen Mann mit ganz viel Charme. Beide verlieben sich ineinander. Dem Himmelhochjauchzend folgt aber schon ganz bald das zu Tode betrübt sein, denn welche Chance hat denn bitte eine Liaison einer 50jährigen mit einem 30jährigen? Bei ihrem Ex hat sich das niemand gefragt. Dass er in seinem Alter noch einmal Chancen bei einer jungen Frau hatte und sogar noch Zwillinge gezeugt hat, das hat ihm sogar Respekt und Bewunderung eingebracht. Bei Nina regen sich alle nur auf, und Nina selbst macht da keine Ausnahme. Lediglich David scheint sich von Anfang an nichts aus dem Altersunterschied zu machen und ich würde seine Zuneigung zu Nina auch nicht als Ödipus-Komplex bezeichnen.

Diese Beziehung nimmt im Buch zwar viel Raum ein, mindestens genauso wichtig sind aber die Themen „Altern in der Familie“ und „Sexueller Missbrauch am Arbeitsplatz“. Es war bestürzend zu lesen, mit welchen Mitteln von den Filmproduzenten gegen Opfer von sexueller Gewalt vorgegangen wird. Auch wenn es sich um Fiktion handelt, so wird es doch Parallelen in der Wirklichkeit geben.

Die Geschichte ist jeweils aus der Sicht eines der Protagonisten geschrieben, hauptsächlich kommt die Familie zu Wort, weil es um sehr viel Ungesagtes, um lange zurückliegende Verletzungen geht. Erst als am Krankenbett der Mutter die Situation zwischen Kindern und Enkeln eskaliert und man zum ersten Mal ehrlich miteinander ist, ergibt sich dadurch auch eine neue Basis.

Anika Decker hat ein Buch mit viel Humor geschrieben, die Passagen rund um die Influencerin Lulu und ihre Followerinnen fand ich köstlich und habe mehrere Male laut gelacht. Aber auch Zeynep ist nicht auf den Mund gefallen. Mir ihr kann Nina so ehrlich sein, wie sie es sich mit ihrer Familie gewünscht hätte.

Für mich war das Buch mehr als nur eine Liebesgeschichte zweier Menschen mit einem großen Altersunterschied, gerade auch die anderen Themen gaben dem Buch Tiefe und Gehalt.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Sonnwendfeuer und andere Feuer

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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Es handelt sich hier um Band 5 der Reihe um Alexa Jahn und Bernhard Krammer, sie als Kommissarin auf der deutschen Seite der Grenze, er Österreicher, die im ersten Band zu beider Überraschung feststellten, ...

Es handelt sich hier um Band 5 der Reihe um Alexa Jahn und Bernhard Krammer, sie als Kommissarin auf der deutschen Seite der Grenze, er Österreicher, die im ersten Band zu beider Überraschung feststellten, dass sie Tochter und Vater sind.
Immer noch haben beide ihre Schwierigkeiten, eine engere Verbindung zueinander aufzubauen und tatsächlich wissen auch nur die engsten Kollegen der beiden von der verwandtschaftlichen Beziehung.
Dieses Mal geht es um Brandanschläge in der Zeit der Sonnwendfeiern in den Alpen. Sowohl bei einem Unfall als auch bei einem Hausbrand wurde dem Feuer nachgeholfen, bei beiden Anschlägen gab es Todesopfer. Auch auf der österreichischen Seite brennen Villen betuchter Bürger und so kommt es zu einer weiteren gemeinsamen Ermittlung, weil ein Zusammenhang vermutet wird.
In Einschüben „Zuvor“ erfährt der Leser mehr zum Hintergrund und hat damit gegenüber den Ermittlern einen Vorteil. Allerdings führte das auch dazu, dass ich ungefähr ab der Mitte klar sehen konnte, welches Motiv zu den Taten geführt hatte. Das nahm dem Krimi ein wenig die Spannung.
In diesem Band wird oft auf den Fall in Band 4 zurückgegriffen, es hilft, wenn man ihn gelesen hat. Die Beziehungen der Kommissare untereinander sowie mit ihren jeweiligen Partnern oder Ex-Partnern nahmen einen relativ großen Raum ein, was dem Krimi einige Längen bescherte. Für mich war es nicht der stärkste Band der Reihe. Trotzdem bin ich sicher auch bei Band 6 wieder dabei.

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