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Veröffentlicht am 07.12.2021

Fasars Intrigen und die ungnädige Wüste fordern ihren Tribut

Die Phileasson-Saga - Rosentempel
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Im siebten Band der Phileasson-Saga liefert sich Phileasson mit Beorn dem Blender ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die nächste Aufgabe auf ihrer Wettfahrt um den Titel „König der Meere“. Der Rosentempel soll ...

Im siebten Band der Phileasson-Saga liefert sich Phileasson mit Beorn dem Blender ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die nächste Aufgabe auf ihrer Wettfahrt um den Titel „König der Meere“. Der Rosentempel soll gefunden werden und die alten Artefakte der Elfengöttin Orima zurückgegeben werden. Ihre Reise führt über Fasar, eine Stadt, die viel zu geben, aber auch viel zu nehmen weiß…

Gab es vorweg zu Galaynes Vergangenheit bereits einige Verweise und Andeutungen, ist ihm diesmal der Prolog gewidmet und es wird nicht nur sein Verhältnis zu Pardona, sondern auch zu Galandel weiter ausgebaut.

Wieder einmal wirkt das Buch trotz der zwei Autoren wie aus einer Hand geschrieben. Die Übergänge sowohl zwischen den Ottajaskos als auch den einzelnen Figuren sind gut gewählt, jedoch lassen Fortschritte des namentlichen Hauptplots, der Suche nach dem Rosentempel, lange auf sich warten, sodass sich der Text stellenweise sehr in die Länge zieht.

Erster Teil der Aufgabe ist nämlich, den richtigen Propheten in Fasar zu finden, der den Weg zum Rosentempel weist. Doch in dieser Stadt wimmelt es von Menschen und erst recht von falschen Propheten, sodass die Aufgabe unlösbar scheint. Kaum in Fasar angekommen, geraten beide Gruppen darüber hinaus ins Netz der Erhabenen, der Machthaber Fasars, die über dem gemeinen Volk stehend (dies ist durchaus auch räumlich zu verstehen) ihre eigenen Ziele verfolgen und das nicht auf thorwal’sche Art, also nicht auf dem direkten Weg.

Andere, kleinere Geschichten finden dadurch ihren Platz und stellen alte sowie neue Charaktere gut heraus, dennoch wirken sie teils sehr abschweifend und sind vermutlich nicht für jeden Leser von Interesse.

Aventurien ist voll beladen mit genauen Beschreibungen von Orten und Kulturen, die in dem Roman wunderbar umgesetzt wurden. So gibt es sicher auch viele Fans der orientalischen Welt Festums, Fasars und der Wüste Khôm, die sich über die feinen Details freuen und auch über namhafte Persönlichkeiten, die ihren Auftritt haben. Dennoch bleibt alles deutlich hinter dem starken Ende zurück, welches sich wie schon bei Phileasson in „Schlangengrab“ (zu) kurzgefasst der Aufgabe widmet.

In üblicher Tradition werden auch in diesem Band wieder bestimmte Figuren in den Vordergrund gerückt. Dieses Mal sind es unter anderem Zidaine, Pardona, Mirandola, Praioslob und Abdul (neue Charaktere ausgeklammert). Der Charme der (je nachdem) liebenswerten oder hassenswerten Figuren, verliert sich auch im siebten Band nicht.

Im Vergleich mit den anderen Phileasson-Bänden ist mein persönliches Fazit, dass ich noch nie so langsam ein Phileasson-Buch gelesen habe. Es war teils derart langatmig, dass ich es zur Seite legte. Es entsprach vielleicht auch einfach nicht der Erwartung, denn ich hatte weniger mit städtischen Intrigen als mit einer langen Reise durch die Wüste gerechnet, mehr entsprechend Bild und Titel des Buches. Auch vermisste ich etwas den Humor aus früheren Teilen.

Auch wenn Rosentempel gefühlt für mich nicht der beste Roman aus der Reihe war: Am 09. März 2020 kommt mit „Elfenkrieg“ die Fortsetzung raus, die man sich trotzdem nicht entgehen lassen sollte, um zu erfahren, wie es mit unseren Abenteurern weitergeht.

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Veröffentlicht am 07.12.2021

Langes Warten auf ein unbefriedigendes Ende

Zeit zu sterben
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Säde hat es satt, ständig die Misshandlungen ihrer Besucher im Frauenhaus sehen zu müssen und deren Angst zu erleben, die nur zu oft verhindert, dass die Fälle zur Anzeige gebracht werden. Kurzentschlossen ...

Säde hat es satt, ständig die Misshandlungen ihrer Besucher im Frauenhaus sehen zu müssen und deren Angst zu erleben, die nur zu oft verhindert, dass die Fälle zur Anzeige gebracht werden. Kurzentschlossen beginnt sie, die Sache selber in die Hand zu nehmen.

Dieses Buch hat schon für einige Lacher gesorgt, jedoch weniger des Inhalts wegen, immerhin handelt es sich um einen Thriller. Sondern aufgrund der Tatsache, dass ich es – man beachte den Titel – von meiner Schwiegermutter geschenkt bekam. Hier soll aber nicht Gegenstand sein, ob meine Schwiegermutter mich nun mag oder nicht, sondern betrachtet werden, ob das Buch inhaltlich überzeugen konnte.

Immerhin ist Leena Lehtolainen eine der international erfolgreichsten, finnischen Autorinnen. Es handelt sich obendrein auch schon um den offiziell 11ten Band zur Buchreihe um Maria Kallio, eine Anwältin und Kommissarin. So wird diese auch auf dem Buchrücken explizit erwähnt. Es wird dabei aber eine falsche Erwartungshaltung geweckt. Es soll direkt gesagt sein, dass Maria Kallio, mag sie auch in vielen anderen Büchern die Hauptrolle spielen, hier eine Randfigur ist und die Geschichte stattdessen aus Sicht einer anderen Person erzählt wird, nämlich Säde, Sozialpädagogin im Frauenhaus.

Eine starke Idee, die Geschichte aus der Warte der Täterin aufzuziehen. Es wechselt zwischen ruhigen Passagen bei ihr Zuhause und in ihrem Alltag, in der ihr Verarbeitungsprozess zu Tage tritt und den sich zuspitzenden Situationen, in denen die mörderischen Pläne von ihr in die Tat umgesetzt werden wollen. Hauptspannung zieht das Buch dabei vor allem bei der Frage, wie lange das noch gutgehen kann. Früher oder später wird sie auffliegen. Mit ebenjener Überzeugung wartet man nur noch auf den Moment, in dem es soweit ist. Dabei schweben viele Fragen im Kopf herum: Wie wird es passieren? Wie wird ihr normales Umfeld darauf reagieren? Besteht noch die Möglichkeit, dass sie sich da irgendwie rausmanövriert?

Die ganze Zeit bleibt man nah an der Figur Säde, bekommt Einblicke in ihr Denken und Handeln, dass sich dennoch nicht immer nachvollziehen lässt. Säde will sich vieles nicht mehr gefallen lassen und wer hat sich das – so wie ich – nicht auch häufig genug geschworen. Sie schafft es damit, ordentlich Sympathiepunkte aufzubauen. Alle positiven Erlebnisse in ihrem grauen und nicht allzu lebhaften Dasein gönnt man ihr gerne, obwohl sie eine Mörderin ist. Das hat Frau Lehtolainen gut hinbekommen.

Ja, das Buch hätte richtig gut werden können, doch dann ist da eben noch das Ende und die schreckliche Enttäuschung, die man nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Thriller auf den letzten Seiten noch mit einer Überraschung aufwarten. Leider gab es schon vorher etliche, bis dahin nervig-unaufgelöste Andeutungen, sodass sie schon zu erahnen war und auch der große Knall, vor dem wir uns halb-neugierig, halb-gruselnd in Acht nahmen, tauchte eher in Gestalt einer zarten Flamme auf, die jemand auspustet, noch bevor sie an Kraft gewinnt. Bis auf den Schluss lesenswert, aber da man selten vor den letzten 50 Seiten stoppt, kann ich dieses Mal keine Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 23.03.2020

Starker Anfang, schwach im weiteren Verlauf

Die letzte Dichterin
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Geschichtenerzählerin Minna Fabelreich und Schatzsucher Finn Mienengräber haben ein gemeinsames Ziel: die legendäre Stadt Fernab, in der Künstler geschätzt werden und Magie noch existiert. Die Königin ...

Geschichtenerzählerin Minna Fabelreich und Schatzsucher Finn Mienengräber haben ein gemeinsames Ziel: die legendäre Stadt Fernab, in der Künstler geschätzt werden und Magie noch existiert. Die Königin Fernabs webt derweil ihr düsteres Netz und wartet darauf, dass sie sich darin verfangen.

Minna Fabelreich verbindet mit uns als Leser die Liebe zum Wort und lässt uns mit ihr wunderbar darin schwelgen. Leider haben die Menschen Phantopiens kaum Zeit für Künste, wie u.a. auch für Musik und Tanz. Hier reflektiert man schnell seine eigene Einstellung und die Wahrnehmung der Gesellschaft, was den Wert von Kunst anbelangt.

Die entworfenen Figuren haben eine ausführliche Hintergrundgeschichte. Ihre und überhaupt die Einführung der Geschichte ist sehr ausführlich und bildhaft gestaltet. Gerade deshalb fällt vielleicht im nächsten Teil besonders auf, wie schnell die Geschichte weiter abgehandelt wird, mit manchen Ungereimtheiten und/ oder Einfachheiten. Als könne man aus Platzmangel nicht alles im Buch unterbringen.

Die Kapitel haben neben dem Namen der Person, aus deren Sicht es geschrieben ist, zusätzlich eine Überschrift, die Ausblick auf den Inhalt gibt. Manchmal griffen sie zu viel vorweg und vielleicht wäre es besser gewesen, ganz auf sie zu verzichten.
Was etwas stört, ist eine häufige Wortwiederholung, bis dass es einen vom vielen Kribbeln selbst irgendwann kribbelt.

Das Verhalten der Charaktere ist nicht in allen Belangen nachvollziehbar. Wenn zum Beispiel jemand sich um einen anderen Menschen sorgt und dann keinerlei Handlung dies erkennen lässt. Dennoch sind die Figuren allesamt sehr schön beschrieben und haben alle ihren Charme, selbst die durchtriebenen. Der Personenkreis bleibt wie schon in Secks vorigem Roman „Tochter des dunklen Waldes“ überschaubar.


Dafür, dass eine komplett neue Welt, Phantopien, erschaffen wurde, wird diese nicht gerade viel bereist und man erfährt auch nicht viel über sie. Die Orte, die enthalten sind, sind gut vorstellbar und atmosphärisch gelungen.

Fazit: Schnelle Lektüre, die hauptsächlich durch die Atmosphäre und sympathische Figuren besticht, weniger durch Logik.

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Veröffentlicht am 15.03.2020

Exzellente Fortsetzung, noch spannender als der erste Teil

Nebeljagd
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Etwa ein Jahr nach Hofelichs erstem erfolgreichen Krimi um die Strafverteidigerin Linn Geller („Totwasser“) geht die Geschichte weiter mit einem neuen Fall, der von Anfang an entschieden wirkt: Ihr neuer ...

Etwa ein Jahr nach Hofelichs erstem erfolgreichen Krimi um die Strafverteidigerin Linn Geller („Totwasser“) geht die Geschichte weiter mit einem neuen Fall, der von Anfang an entschieden wirkt: Ihr neuer Mandant Jo Haug steht in zwei Fällen unter Mordverdacht. Hinzu kommt eine erdrückende Beweislast und ein Dorf, das Haug schon vor Prozessbeginn aburteilt und Linns Ermittlungen erschwert, die sich selber in Bezug auf ihren Mandanten nicht allzu sicher ist.

Leser des ersten Bandes werden sich gefragt haben, ob die Ereignisse aus diesem Linn verändert haben mögen. Wahrscheinlich schlugen sie aber nur in eine ohnehin schon bestandene Kerbe, sie ist also ganz die alte, mit ihrem versehrten Bein und ihrer steten Paranoia, die sie seit ihrem Unfall begleitet. Weiterhin ist sie ungemein sympathisch im Umgang mit ihrem Kanzleipartner Götz. Gerade in diesen Teil kommt ungeahnte Bewegung, authentisch und menschlich inszeniert.

Dieses Mal geht es Linn mehr an den Kragen. Alles setzt ihr mehr zu und die Spannung ist teilweise ein wildes Auf und Ab, das besser gelungen ist als im Vorgängerband. Auch Grusel und Ekel werden dieses Mal transportiert, alles ist deutlich düsterer und stellenweise muss man einfach weiterlesen, um den unheimlichen Moment hinter sich zu lassen. Eine wilde Geschichte wird gewoben, von der sicherlich niemand den Ausgang hätte kommen sehen.

Auf der gesamten Strecke rätselt man mit, ob Jo Haug ein armes unschuldiges Opfer ist, seit Jahren missverstanden oder ob er keine Verteidigung verdient, weil er wirklich getan hat, was ihm vorgeworfen wird. Es ist auf jeden Fall schwer, sich für „in dubio pro reo“ von all den Mutmaßungen freizumachen.

Linns Gedankengänge verschmelzen mit den eigenen. Der Schreibstil, auch wenn die ganze Zeit allein die Sicht von Linn eingenommen wird, ist genau richtig, um jede Spur mit ihr mitzuverfolgen, immer mit ihr auf gleichem Stand zu sein und ihre Eindrücke genau mitzuerleben. Stetig nimmt die Geschichte ihren Verlauf, wenig Beschreibungen, mehr Taten. Die Charaktere haben alle ihre besonderen Eigenheiten und bleiben damit gut im Gedächtnis, sodass es nicht zu Verwechslungen kommt.

Nur allzu gerne dürfte es mit einer dritten Geschichte weitergehen, doch die Autorin kündigte an, dass sie auch andere Genre ausprobieren möchte und Linn zumindest vorläufig den Rücken kehrt. Schade, aber warten wir ab, was Hofelich stattdessen für uns bereit hält und vielleicht können wir zu einem späteren Zeitpunkt Neues von Linn Geller lesen.

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Veröffentlicht am 26.01.2020

Rechtsanwältin Geller ermittelt

Totwasser
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Strafrechtsanwältin Linn Geller eröffnet mit einem Freund zusammen eine neue Kanzlei und holt direkt einen medienwirksamen, „fetten Fisch“ an die Angel. Ihre Mandantin Grace Riccardi soll ihren Ehemann, ...

Strafrechtsanwältin Linn Geller eröffnet mit einem Freund zusammen eine neue Kanzlei und holt direkt einen medienwirksamen, „fetten Fisch“ an die Angel. Ihre Mandantin Grace Riccardi soll ihren Ehemann, einen berühmten Schauspieler, umgebracht haben. Linn glaubt an ihre Unschuld, doch warum ist ihre Mandantin bereit, einen Mord zu gestehen, den sie nicht begangen hat? Die Ermittlungen führen Linn nach England und ins Fadenkreuz des Mörders.

Die Figur Linn Geller, die sich nach einem einschneidenden Unfall noch immer zurück in ihr Leben kämpft, kommt sehr sympathisch und glaubhaft rüber. Dass die Autorin selber Anwältin ist, führt zu Authentizität bis ins Detail, etwa den Bestandteilen des Arbeitsalltags eines Rechtsanwalt, zum Beispiel dem Überfliegen eines Fristenbuches. Zusammen mit Linn Geller geht man jeder Spur nach, rätselt mit ihr mit und ist dabei, wenn sie zusätzlich durch negative Entwicklungen in ihrem Alltag eingeholt wird (that’s life!). Auch eine kleine Tändelei, unaufdringlich und ebenfalls problembehaftet, findet ihren Platz im Roman und fügt ihm mit einer wunderschönen Auflösung am Ende eine weitere gelungene Note hinzu. Die Spannung wird durch das ständige Gefühl, beobachtet zu werden, hochgehalten. Das Finale kommt unerwartet und bringt extra Nervenkitzel. Das Motiv des Täters, hat mir persönlich zwar nicht gefallen, war aber in sich nachvollziehbar.

Die Geschichte liest sich sehr flüssig. Die Anteile in England bereichern den Roman enorm. Alte Mythologien und bereits frühere Kriminalfälle beschäftigen Linn Geller dort. Die direkte Rede wird meist mit einer englischen Floskel begonnen, manchmal auch beendet, was sehr stimmungsvoll ist und dem Einfühlen in die Erzählung stark zu Gute kommt. Die Charaktere kommen realistisch beim Leser an und besonders Linns Kollegen Götz schließt man wie sie gerne ins Herz.

Mittlerweile geht die Geschichte um Linn Geller mit „Nebeljagd“ in die zweite Runde. Nach dem ersten Band kann man sich eigentlich eine lange Buchreihe zur Protagonistin vorstellen. Angeblich soll es nach den beiden Bänden allerdings keine Fortsetzung mehr geben. Julia Hofelich äußerte, dass sie auch gerne mal einen romantischen Roman schreiben wolle. Bleibt zu hoffen, dass sie nach dem Genrewechsel vielleicht zu ihren Ursprüngen zurückkehrt.

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