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Veröffentlicht am 23.03.2020

Starker Anfang, schwach im weiteren Verlauf

Die letzte Dichterin
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Geschichtenerzählerin Minna Fabelreich und Schatzsucher Finn Mienengräber haben ein gemeinsames Ziel: die legendäre Stadt Fernab, in der Künstler geschätzt werden und Magie noch existiert. Die Königin ...

Geschichtenerzählerin Minna Fabelreich und Schatzsucher Finn Mienengräber haben ein gemeinsames Ziel: die legendäre Stadt Fernab, in der Künstler geschätzt werden und Magie noch existiert. Die Königin Fernabs webt derweil ihr düsteres Netz und wartet darauf, dass sie sich darin verfangen.

Minna Fabelreich verbindet mit uns als Leser die Liebe zum Wort und lässt uns mit ihr wunderbar darin schwelgen. Leider haben die Menschen Phantopiens kaum Zeit für Künste, wie u.a. auch für Musik und Tanz. Hier reflektiert man schnell seine eigene Einstellung und die Wahrnehmung der Gesellschaft, was den Wert von Kunst anbelangt.

Die entworfenen Figuren haben eine ausführliche Hintergrundgeschichte. Ihre und überhaupt die Einführung der Geschichte ist sehr ausführlich und bildhaft gestaltet. Gerade deshalb fällt vielleicht im nächsten Teil besonders auf, wie schnell die Geschichte weiter abgehandelt wird, mit manchen Ungereimtheiten und/ oder Einfachheiten. Als könne man aus Platzmangel nicht alles im Buch unterbringen.

Die Kapitel haben neben dem Namen der Person, aus deren Sicht es geschrieben ist, zusätzlich eine Überschrift, die Ausblick auf den Inhalt gibt. Manchmal griffen sie zu viel vorweg und vielleicht wäre es besser gewesen, ganz auf sie zu verzichten.
Was etwas stört, ist eine häufige Wortwiederholung, bis dass es einen vom vielen Kribbeln selbst irgendwann kribbelt.

Das Verhalten der Charaktere ist nicht in allen Belangen nachvollziehbar. Wenn zum Beispiel jemand sich um einen anderen Menschen sorgt und dann keinerlei Handlung dies erkennen lässt. Dennoch sind die Figuren allesamt sehr schön beschrieben und haben alle ihren Charme, selbst die durchtriebenen. Der Personenkreis bleibt wie schon in Secks vorigem Roman „Tochter des dunklen Waldes“ überschaubar.


Dafür, dass eine komplett neue Welt, Phantopien, erschaffen wurde, wird diese nicht gerade viel bereist und man erfährt auch nicht viel über sie. Die Orte, die enthalten sind, sind gut vorstellbar und atmosphärisch gelungen.

Fazit: Schnelle Lektüre, die hauptsächlich durch die Atmosphäre und sympathische Figuren besticht, weniger durch Logik.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Exzellente Fortsetzung, noch spannender als der erste Teil

Nebeljagd
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Etwa ein Jahr nach Hofelichs erstem erfolgreichen Krimi um die Strafverteidigerin Linn Geller („Totwasser“) geht die Geschichte weiter mit einem neuen Fall, der von Anfang an entschieden wirkt: Ihr neuer ...

Etwa ein Jahr nach Hofelichs erstem erfolgreichen Krimi um die Strafverteidigerin Linn Geller („Totwasser“) geht die Geschichte weiter mit einem neuen Fall, der von Anfang an entschieden wirkt: Ihr neuer Mandant Jo Haug steht in zwei Fällen unter Mordverdacht. Hinzu kommt eine erdrückende Beweislast und ein Dorf, das Haug schon vor Prozessbeginn aburteilt und Linns Ermittlungen erschwert, die sich selber in Bezug auf ihren Mandanten nicht allzu sicher ist.

Leser des ersten Bandes werden sich gefragt haben, ob die Ereignisse aus diesem Linn verändert haben mögen. Wahrscheinlich schlugen sie aber nur in eine ohnehin schon bestandene Kerbe, sie ist also ganz die alte, mit ihrem versehrten Bein und ihrer steten Paranoia, die sie seit ihrem Unfall begleitet. Weiterhin ist sie ungemein sympathisch im Umgang mit ihrem Kanzleipartner Götz. Gerade in diesen Teil kommt ungeahnte Bewegung, authentisch und menschlich inszeniert.

Dieses Mal geht es Linn mehr an den Kragen. Alles setzt ihr mehr zu und die Spannung ist teilweise ein wildes Auf und Ab, das besser gelungen ist als im Vorgängerband. Auch Grusel und Ekel werden dieses Mal transportiert, alles ist deutlich düsterer und stellenweise muss man einfach weiterlesen, um den unheimlichen Moment hinter sich zu lassen. Eine wilde Geschichte wird gewoben, von der sicherlich niemand den Ausgang hätte kommen sehen.

Auf der gesamten Strecke rätselt man mit, ob Jo Haug ein armes unschuldiges Opfer ist, seit Jahren missverstanden oder ob er keine Verteidigung verdient, weil er wirklich getan hat, was ihm vorgeworfen wird. Es ist auf jeden Fall schwer, sich für „in dubio pro reo“ von all den Mutmaßungen freizumachen.

Linns Gedankengänge verschmelzen mit den eigenen. Der Schreibstil, auch wenn die ganze Zeit allein die Sicht von Linn eingenommen wird, ist genau richtig, um jede Spur mit ihr mitzuverfolgen, immer mit ihr auf gleichem Stand zu sein und ihre Eindrücke genau mitzuerleben. Stetig nimmt die Geschichte ihren Verlauf, wenig Beschreibungen, mehr Taten. Die Charaktere haben alle ihre besonderen Eigenheiten und bleiben damit gut im Gedächtnis, sodass es nicht zu Verwechslungen kommt.

Nur allzu gerne dürfte es mit einer dritten Geschichte weitergehen, doch die Autorin kündigte an, dass sie auch andere Genre ausprobieren möchte und Linn zumindest vorläufig den Rücken kehrt. Schade, aber warten wir ab, was Hofelich stattdessen für uns bereit hält und vielleicht können wir zu einem späteren Zeitpunkt Neues von Linn Geller lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2020

Rechtsanwältin Geller ermittelt

Totwasser
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Strafrechtsanwältin Linn Geller eröffnet mit einem Freund zusammen eine neue Kanzlei und holt direkt einen medienwirksamen, „fetten Fisch“ an die Angel. Ihre Mandantin Grace Riccardi soll ihren Ehemann, ...

Strafrechtsanwältin Linn Geller eröffnet mit einem Freund zusammen eine neue Kanzlei und holt direkt einen medienwirksamen, „fetten Fisch“ an die Angel. Ihre Mandantin Grace Riccardi soll ihren Ehemann, einen berühmten Schauspieler, umgebracht haben. Linn glaubt an ihre Unschuld, doch warum ist ihre Mandantin bereit, einen Mord zu gestehen, den sie nicht begangen hat? Die Ermittlungen führen Linn nach England und ins Fadenkreuz des Mörders.

Die Figur Linn Geller, die sich nach einem einschneidenden Unfall noch immer zurück in ihr Leben kämpft, kommt sehr sympathisch und glaubhaft rüber. Dass die Autorin selber Anwältin ist, führt zu Authentizität bis ins Detail, etwa den Bestandteilen des Arbeitsalltags eines Rechtsanwalt, zum Beispiel dem Überfliegen eines Fristenbuches. Zusammen mit Linn Geller geht man jeder Spur nach, rätselt mit ihr mit und ist dabei, wenn sie zusätzlich durch negative Entwicklungen in ihrem Alltag eingeholt wird (that’s life!). Auch eine kleine Tändelei, unaufdringlich und ebenfalls problembehaftet, findet ihren Platz im Roman und fügt ihm mit einer wunderschönen Auflösung am Ende eine weitere gelungene Note hinzu. Die Spannung wird durch das ständige Gefühl, beobachtet zu werden, hochgehalten. Das Finale kommt unerwartet und bringt extra Nervenkitzel. Das Motiv des Täters, hat mir persönlich zwar nicht gefallen, war aber in sich nachvollziehbar.

Die Geschichte liest sich sehr flüssig. Die Anteile in England bereichern den Roman enorm. Alte Mythologien und bereits frühere Kriminalfälle beschäftigen Linn Geller dort. Die direkte Rede wird meist mit einer englischen Floskel begonnen, manchmal auch beendet, was sehr stimmungsvoll ist und dem Einfühlen in die Erzählung stark zu Gute kommt. Die Charaktere kommen realistisch beim Leser an und besonders Linns Kollegen Götz schließt man wie sie gerne ins Herz.

Mittlerweile geht die Geschichte um Linn Geller mit „Nebeljagd“ in die zweite Runde. Nach dem ersten Band kann man sich eigentlich eine lange Buchreihe zur Protagonistin vorstellen. Angeblich soll es nach den beiden Bänden allerdings keine Fortsetzung mehr geben. Julia Hofelich äußerte, dass sie auch gerne mal einen romantischen Roman schreiben wolle. Bleibt zu hoffen, dass sie nach dem Genrewechsel vielleicht zu ihren Ursprüngen zurückkehrt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2020

Zum "Erschaudern"

Tief unter die Haut
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Eben noch war die Ehe von Clay und Frankie geradezu perfekt, doch dann verschwindet Frankie ohne jede Spur, nur um zwei Jahre später plötzlich wieder aufzutauchen.

Für Clay bedeuteten die zwei Jahre einen ...

Eben noch war die Ehe von Clay und Frankie geradezu perfekt, doch dann verschwindet Frankie ohne jede Spur, nur um zwei Jahre später plötzlich wieder aufzutauchen.

Für Clay bedeuteten die zwei Jahre einen Gang durch die Hölle. Verdächtigungen wurden gegen ihn erhoben und die Ahnungslosigkeit, was mit Frankie passiert ist, zehrte an ihm. Außerdem stand er vor der Herausforderung, sein Leben nun wieder alleine bestreiten zu müssen, in einem Haus, in dem ihn alles an seine verschwundene Frau erinnerte.

Als sie dann plötzlich wieder auftaucht, weiß er nicht mehr, was er fühlen soll, zumal sich seine Frau nicht erinnern kann, was in der Zeit, in der sie weg war, vorgefallen ist. Sie versucht an das, was sie kennt, nahtlos wieder anzuknüpfen, als ob nichts gewesen wäre.

Langsam nähern sich die beiden einander an. Leider etwas zu unspektakulär und reibungslos. Es sind meist nur ihre eigenen Ängste, die sie zu bewältigen haben. Das hätte man etwas spannender gestalten können. Es fehlte beiden Figuren an Ecken und Kanten. Stattdessen entschied sich die Autorin, dass in ihrer Liebe offenbar kein Zacken herausgebrochen sein dürfe. Schließlich fällt der Roman in die Kategorie Romantic Suspense, da musste genug Raum für Romantik bleiben. Schade aber, wenn diese zu aufgesetzt rüberkommt.

Die ganze Storyline funktioniert nur, solange sich Frankie noch nicht genug erinnern kann, was in den zwei Jahren passiert ist und wer sie überhaupt entführt hat. Es ist schon in vielen Geschichten vorgekommen, dass mit Amnesie nötige Informationen zurückgehalten wurden. Ist es deswegen zu abgedroschen? Auch an anderer Stelle kann die Geschichte nur ihren Verlauf nehmen aufgrund der Unfähigkeit der gegnerischen Partei. Man muss sich schlicht mit beidem abfinden, wenn man das Buch lesen möchte.

Alles wird in sehr einfache Wörter gekleidet, was zu einem extrem raschen Lesefluss führt. Sollte man ein Trinkspiel daraus machen und jedes Mal einen Becher heben wollen, wenn das Verb „erschaudern“ fällt, läge man schnell unterm Tisch. Das ist nicht der „New York Times“-Bestsellerautorin Sharon Sala zu Lasten zu legen, sondern der Übersetzerin Emma Luxx. Es ist unbegreiflich, wie beim Übersetzen so häufig ein und dasselbe Wort gebraucht werden kann, ohne dass es auffällt.
Perspektivwechsel werden nicht kenntlich gemacht, aber klären sich schnell.

Die Spannungskurve erhält durch den Wissensvorsprung des Lesers, wer und was hinter der ganzen Sache steckt, einen herben Einbruch. Die Bedrohung, die von den Charakteren empfunden wird, stellt sich beim Lesen nicht ein, da die Schritte des Gegenspielers bekannt sind.

Das Ende ist übertrieben perfekt. Passt aber wiederum zur ganzen Machart des Romans.

Das Cover ist sehr gelungen und lud mich (ebenso wie der Titel) zum Kauf ein. Es passt auch zur Geschichte, wenn man davon absieht, dass Haut- und Haarfarbe nicht den Beschreibungen des Buches entsprechen.

Fazit: Wer eine leichte, schnelle Lektüre sucht, die wenig Spannung, dafür aber viele Bekundungen eines Liebespaars beinhaltet, der wird hier fündig.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2019

Mitten unter Göttern, Titanen, ihren Kreaturen und den Menschen

Ich bin Circe
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Circe, Tochter von Sonnengott Helios und Nymphe Perse sucht nach ihrem Platz in der Götterwelt, die sie aufgrund von menschlichen Eigenschaften nicht sonderlich Willkommen heißt. Schließlich wird sie verbannt, ...

Circe, Tochter von Sonnengott Helios und Nymphe Perse sucht nach ihrem Platz in der Götterwelt, die sie aufgrund von menschlichen Eigenschaften nicht sonderlich Willkommen heißt. Schließlich wird sie verbannt, was sie erst zu ihrer wahren Größe als begabte Hexe führt und letztlich zu der Frage, ob sie sich mehr den Menschen oder den Göttern verbunden fühlt.

Circe war schon immer eine meiner Lieblingsfiguren aus der griechischen Mythologie. Als fester Bestandteil der Fahrten des Odysseus war sie mir wohl bekannt und ob ihres wunderschönen Namens (auf Deutsch „Zirze“ ausgesprochen) oder ob ihrer Magie… vielleicht auch wegen beidem…hat sie mich schon immer fasziniert. So musste ich unbedingt ihre Geschichte neuinterpretiert von Madeline Miller kennenlernen.

Fünfeinhalb Jahre liegen zwischen Millers erstem, erfolgreichem Bestseller „Das Lied des Achill“ und diesem hier. Als langjährige Dozentin für Latein und Griechisch bringt Miller beste Voraussetzungen mit, um sich in der mythologischen Welt frei zu bewegen. Nicht zuletzt deswegen wirkt die Geschichte ausgereift bis ins letzte Detail.

Götter, die Menschen nur als Spielbälle betrachten und nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten leben. Menschen, die dem ewigen Ruhm hinterherjagen, der einzigen Unsterblichkeit, die sie kennen. Circe mittendrin und wir mit ihr. Alle Triumphe und Niederlagen, die sie erringt oder erleidet und die Wunder und Schrecken, denen sie ansichtig wird. Wir begleiten sie dabei und erleben hautnah, wie Circe aus ihrer anfänglichen Einfältigkeit lernt, aus ihren Erfahrungen klüger und stärker hervorgeht. Die Frage, ob sie letztlich selbständig und unabhängig ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Fest steht, dass Circe einen Weg bewandert, den keine andere je gegangen ist und die Einblicke und Gefühle, die wir von ihr als Halbgöttin, Hexe und Mutter bekommen, sind einmalig.

Die ganzen Namen, die zumindest anklingen und Geschichten, die durch Erwähnung wieder in Erinnerung geraten, sind ein wahrer Schatz. Circe ist in alle wunderbar eingebunden. Unzählige Sagengestalten werden um sie herum zum Leben erweckt und wirken in ihren Charakterzügen sehr frisch und glaubhaft. Es macht Spaß, die alten Figuren ganz neu mit ihren Sehnsüchten und Betrübnissen zu erleben.

Die Sprechstimmte von Ann Vielhaben, die mir bis dato unbekannt war, klingt weich und angenehm im Ohr. Ein wenig Gewöhnung benötigte mein Gehör schon, da die Leserin die Satzenden manchmal verschluckt und schon bei den ersten Sätzen musste ich noch einmal zurückgehen, weil ich nicht verstand, ob etwas gelungen oder nicht gelungen war. Im weiteren Verlauf fiel mir das aber nicht mehr negativ auf und es war alles zu verstehen. Ann Vielhabens Stimme ist sehr vielseitig und verändert sich je nach Sprechrolle. Ich liebe es, wenn sie etwas mehr Härte hineinlegt und dazu noch Spuren von Jähzorn und Wahnsinn. Zum immer wieder anhören!