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Veröffentlicht am 17.05.2022

Unbedingt lesen!

Die sieben Schalen des Zorns
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Max Kellers sterbenskranke Tante Maria hat eine große Bitte an ihn. Sie benötigt Hilfe, um ihr Leben zu beenden. Obwohl Max Arzt ist, erfüllt er ihren Wunsch. Doch nur kurze Zeit später muss er sich für ...

Max Kellers sterbenskranke Tante Maria hat eine große Bitte an ihn. Sie benötigt Hilfe, um ihr Leben zu beenden. Obwohl Max Arzt ist, erfüllt er ihren Wunsch. Doch nur kurze Zeit später muss er sich für seine Hilfe rechtfertigen, denn ihm wird aktive Sterbehilfe vorgeworfen, wodurch er sich laut Gesetz strafbar gemacht hat.

Er bittet seinen alten Freund Jonas, der inzwischen Staatsanwalt ist, ihm vor Gericht zu helfen, was diesen in einen Gewissenkonflikt stürzt, steht die Staatsanwaltschaft doch auf Seiten der Anklage und nicht der Verteidigung.

In seinem neuen Buch greift der Autor Markus Thiele erneut ein schwieriges Thema auf, das vielfach tabuisiert wird und die meisten Leser damit wohl wenige Berührungspunkte haben. Tante Marias Bitte ist auf der einen Seite völlig nachvollziehbar und warum sollte sie nicht selbstbestimmt sterben dürfen? Das Problem liegt darin, dass sie nicht mehr in der Lage ist, ihr Leben selbst zu beenden. Auf der anderen Seite stehen der Arzt Max, der beim Leben und nicht Sterben helfen soll, sowie das Gesetz. Gewissenskonflikte und moralische Bedenken sind quasi vorprogrammiert. Markus Thiele gibt in seinem Roman viele Denkanstöße und zeigt, dass es nicht nur gedanklich, sondern auch rechtlich eine Art Grauzone gibt. Geschickt greift er - wie schon in seinen vorherigen Büchern – einen realen Fall auf und verwebt Teile davon mit der Geschichte seiner (fiktiven) Charaktere.

So wird nicht nur der durchaus sehr spannende Prozess geschildert, in Rückblenden werden auch die Lebensgeschichten von Max und Jonas erzählt, die erklären, weshalb die beiden an sich so unterschiedlichen Menschen dennoch eng miteinander verbunden sind.

Besonders gut hat es mir gefallen, dass es dem Autor gelingt das Thema Sterbehilfe von verschiedenster Seite zu zeigen und dabei Fragen aufzuwerfen, ohne jedoch in irgendeiner Form eine Wertung vorzunehmen. Unaufdringlich flicht er dabei auch das Thema Glauben und Religion ein.

Markus Thiele ist selbst Rechtsanwalt und daher sehr vertraut mit Gesetzen, deren Auslegungen und den Abläufen vor Gericht. Seinem Schreibstil und seinen Formulierungen merkt man diese Vertrautheit an, dadurch schildert er den Prozess sehr authentisch.

Insgesamt ein Buch, dass meine (durch die vorangegangenen Bücher) bereits hohen Erwartungen noch übertroffen hat. Es war spannend, aufwühlend und wird mir mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben. Daher eine ganz klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 15.05.2022

Anders als erwartet

Der chinesische Zwilling
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Bis vor wenigen Wochen war Eva mit ihrem Leben völlig zufrieden. Voller Vorfreude erwartete sie ihr erstes Kind, ihr Mann Steen ging mit seinen Freunden Fußball spielen, alles lief in gewohnten Bahnen. ...

Bis vor wenigen Wochen war Eva mit ihrem Leben völlig zufrieden. Voller Vorfreude erwartete sie ihr erstes Kind, ihr Mann Steen ging mit seinen Freunden Fußball spielen, alles lief in gewohnten Bahnen. Doch urplötzlich ist alles anders. Die Babysachen stehen herum, Steen liegt gelähmt im Bett und die Polizei kommt mit beunruhigenden Nachrichten. Ein Grab wurde geöffnet und der Leichnam gestohlen. Kurz darauf wird die kleine Lotus aus dem Kindergarten entführt. Und Eva, die nach den Ereignissen der letzten Wochen selbst völlig am Ende ihrer Kräfte ist, kommt nicht umhin, selbst Nachforschungen anzustellen. Zu viele Ungereimtheiten, zu viele Geheimnisse.

Der Thriller von Sarah Engell beginnt mit einer befremdlichen Situation, offenbar in der Vergangenheit spielend. In nachfolgenden Kapiteln wird die Szene fortgesetzt und ich wusste das Geschehen eine lange Zeit nicht wirklich einzuordnen, zumal der zweite Handlungsstrang um Eva zunächst einmal weit davon entfernt zu sein schien. Daher habe ich mich gerade im ersten Drittel des Buches mehrfach gefragt, worauf, zum Teufel, das alles eigentlich hinauslaufen soll. Nach und nach tauchten dann jedoch immer mehr Puzzlestücke auf, die sich zwar zunächst nicht genau positionieren ließen, aber dennoch immer mehr vom Bild erahnen ließen – auch wenn es sich am Ende etwas anders darstellte, als erwartet.

Sarah Engell schafft es wunderbar Spannung aufzubauen, indem sie eine Atmosphäre erschafft, die bedrohlich wirkt, auch wenn man nicht genau weiß, von wo aus die Bedrohung kommt. Düster und ein wenig gruselig wirkt das Buch an mancher Stelle. War ich anfangs hauptsächlich verwirrt, so war ich zunehmend neugierig, was denn nun genau passiert ist und wer warum der Täter/ die Täterin ist. Bis auf zwei Punkte haben sich meine Fragen am Ende alle geklärt und zumindest der letzte bleibt wohl schlichtweg der Phantasie der Lesenden überlassen.

Insgesamt ein Buch, das völlig anders war, als ich vom Klappentext her vermutet hätte, das mir aber trotzdem gut gefallen hat. Thrillerfans sollten ruhig mal einen genaueren Blick wagen…

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Veröffentlicht am 11.05.2022

Spannende Fortsetzung

Clarissa - Schöne Lügen (Band 2)
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Cody und Clarissa sind unzertrennlich und verbringen den Sommer gemeinsam mit den Takais, mit Codys Stamm. Doch die Sommerferien gehen zu Ende und noch immer haben sie ihre dringlichsten Ziele nicht annähernd ...

Cody und Clarissa sind unzertrennlich und verbringen den Sommer gemeinsam mit den Takais, mit Codys Stamm. Doch die Sommerferien gehen zu Ende und noch immer haben sie ihre dringlichsten Ziele nicht annähernd erreicht. Weder haben sie eine Spur der Lamins noch einen Hinweis auf Clarissas Vater.

Als Clarissa unbedingt ihrem alten Zuhause einen Besuch abstatten will, fällt ihr dort ein Foto in die Hände, das eine ganz neue (und nicht allzu willkommene) Entdeckung über Marie Lamin zu Tage fördert – die erste einer Reihe von Entdeckungen. Nach und nach setzten Lissa und Cody immer mehr Puzzleteile zusammen und lüften mehr als ein gut gehütetes Geheimnis.

Der zweite Band von Doreen Köhlers Dämonenwolf-Trilogie knüpft nahtlos an Teil 1 an. In diesem Teil lernen wir viel über das Codys Stamm und die Strukturen innerhalb der Gemeinschaft. Nicht alle begegnen Lissa freundlich, aber im Großen und Ganzen fühlt sie sich bei ihnen wohl. Insbesondere die kleine Moni ist nicht nur Lissa, sondern auch mir ans Herz gewachsen. Ein quirliges, kleines Mädchen, dass noch nichts vom Dämonenwolffluch weiß.

Neben Moni lernen wir auch einige andere Mitglieder der Takais genauer kennen, vor allem Codys Vater sowie seine Schwester, die beide mehr wissen, als sie zugeben. Sollten Cody und Lissa ihre Geheimnisse lüften, könnte dies das gesamte Stammesgefüge durcheinanderwirbeln. Doch würde es ihnen bei der Suche nach Lissas Vater und seinen Entführern, den Lamins, helfen oder eher alle Bemühungen zunichte machen?

Doreen Köhler schafft es scheinbar mühelos die Spannung auf allen Ebenen hoch zu halten. Da sind die Geheimnisse innerhalb der Takais, die Bedrohung durch die Lamins und Lissas entführter Vater, doch auch in der Schule läuft für Lissa nicht alles rund. Der ehemalige Fiesling und Erpresser David scheint seit den Ferien wie ausgewechselt, doch Lissa traut ihm nicht über den Weg – zu Recht, denke ich. Ich grübel die ganze Zeit, was er wohl im Schilde führt, aber bislang habe ich jede Theorie wieder verworfen.

Umso gespannter bin ich daher auf den Abschlussband „Traue niemandem“, der bereits Ende des Monats erscheinen wird. Ich fürchte, es wird noch die ein oder andere unangenehme Überraschung geben. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf und bin neugierig, wie Doreen Köhler alles auflösen wird.

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Veröffentlicht am 28.04.2022

Literarische Naturwissenschaft

Als die Giraffe noch Liebhaber hatte
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Étienne Geoffrey Saint-Hilaire, Antoine de Lavoisier, Claude Bernard und Louis Pasteur – vier Forscher und Wissenschaftler und vier Geschichten. Jedem der vier widmet der Autor Michael Lichtwarck-Aschoff ...

Étienne Geoffrey Saint-Hilaire, Antoine de Lavoisier, Claude Bernard und Louis Pasteur – vier Forscher und Wissenschaftler und vier Geschichten. Jedem der vier widmet der Autor Michael Lichtwarck-Aschoff eine Erzählung. Jeder von ihnen hat in seinem Bereich zum Fortschritt beigetragen und neue Erkenntnisse gewonnen. Waren sie immer so zielgerichtet und beabsichtigt, wie viele Entdeckungen im Nachhinein erscheinen?

Die erste der vier Geschichten ist Étienne Geoffrey Saint-Hilaire gewidmet. Doch – ebenso wie die anderen Erzählungen – wird sie nicht aus der Sicht des Forschers erzählt. Vielmehr ist es ein Tierpfleger im Jardin du roi der über den bekannten Zoologen und Entwicklungsbiologen und seine Ideen bezüglich der menschlichen Anatomie berichtet. Es ist auch die Erzählung, der das Buch seinen Namen verdankt. Besagte Giraffe war einmal der Liebling im Jardin du roi.

„An dem schmutzigen, kleinen Paket hing ein Zettel. »Zurück an die Witwe Lavoisier. Er wurde zu Unrecht verurteilt«, stand darauf.“ (S.49) Die zweite Erzählung beginnt 1794, als der Chemiker Antoine de Lavoisier von der Guillotine geköpft wurde. Unter anderem verfasste er mit Kollegen eine neue, chemische Nomenklatur. Doch diese Erzählung beschäftigt sich in erster Linie mit seiner Erforschung des Stoffwechsels. Lavoisiers Laborgehilfe Jean-Marie ist in diesem Fall derjenige, der uns berichtet und durch den wir erfahren, welche Rolle Madame Lavoisier und ein Fasan dabei spielten.

Joseph Meister ist eine zentrale Figur im dritten Teil, denn er ist der erste Mensch, der vollständig gegen Tollwut geimpft wurde – und zwar von niemand geringerem als Louis Pasteur. In dieser Erzählung – der längsten – geht es um die ersten Schritte im Bereich der Impfforschung, um Zeitgeschichte, aber auch um Macht und Verrat. Eine spannende Erzählung.

Claude Bernard ist die Hauptfigur der letzten Erzählung und der einzige im Bunde, mit dessen Namen ich auf Anhieb nichts verbinden konnte. Der Arzt und Physiologe war davon überzeugt, dass alle Theorien durch Fakten belegt werden müssten, wofür Experimente, auch Tierversuche, nötig seien. Auch beschrieb er die Bedeutung des „inneren Milieus eines Lebewesens“.

Der Erzähltondes Buches ist einerseits eher nüchtern, doch es gibt immer wieder Abschnitte, die schon beinahe poetisch zu nennen sind. Auffällig sind auch die teils sehr präzisen Beschreibungen, die sicherlich dem medizinischen Hintergrund des Autors geschuldet sind. Michael Lichtwarck-Aschoff ist ehemaliger Intensivmediziner und außerplanmäßiger Professor für Anästhesiologie und Intensivmedizin.

Mir hat es sehr gefallen, dass er eher unbeachtete Personen die Geschichten der vier Berühmtheiten erzählen lässt. Mal ist der Ton eher traurig, mal komisch aber immer voller Respekt für die beschriebenen Personen. Insgesamt ein Buch, das sicher nicht jeden gleichermaßen in seinen Bann schlagen wird, doch gerade für naturwissenschaftlich oder medizinisch interessierte Leser ein wunderbares Buch.

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Veröffentlicht am 26.04.2022

Schöne Ideen

Die magischen Buchhändler von London
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Susan Arkshaw ist gerade 18 geworden und verlässt ihren kleinen Heimatort, um Kunst zu studieren. Die Zeit bis zum Semesteranfang will sie mit der Suche nach ihrem Vater verbringen, den sie nie kennengelernt ...

Susan Arkshaw ist gerade 18 geworden und verlässt ihren kleinen Heimatort, um Kunst zu studieren. Die Zeit bis zum Semesteranfang will sie mit der Suche nach ihrem Vater verbringen, den sie nie kennengelernt hat und von dem ihre Mutter selten spricht.

Doch kaum ist sie in London eingetroffen, wird sie gemeinsam mit einem jungen Mann namens Merlin von einem übernatürlichen Wesen verfolgt. Nur dank Merlins Wissen können die beiden entkommen, denn Merlin gehört einer Gemeinschaft an, die regelmäßig Kontakt mit dem Übernatürlichen hat. Schon seit unzähligen Jahrhunderten hüten die Mitglieder ein unglaubliches Wissen, geben es an die nächste Generation weiter und beschützen die normalen Menschen. Sie sind die magischen Buchhändler von London.

Susan erregt ihre Aufmerksamkeit und bald ist die Suche nach Susans Vater nicht mehr nur ihre Privatangelegenheit.

„Die magischen Buchhändler von London“ ist mir als erstes durch sein wunderschönes Cover aufgefallen. Auch der Einstieg in das Buch hat mir sehr gefallen. Ich mochte Susan auf Anhieb, auch wenn ich denke, dass sie alles zu leicht und schnell akzeptiert. Davon abgesehen hat es Spaß gemacht gemeinsam mit Susan die Buchhändler und ihre Organisation kennen zulernen. Abgesehen vom tatsächlichen Bücherverkauf haben die Buchhändler noch weitere Aufgaben, die abhängig davon variieren, ob sie Rechts- oder Linkshänder sind. Merlin als Linkshänder gehört zur kämpfenden Fraktion.

In den Danksagungen am Ende verrät der Autor Garth Nix wie er auf rechts- und linkshändige Buchhändler gekommen ist. Ich liebe solche Hintergrundinformationen und bin immer wieder erstaunt, aus was für Begebenheiten Autoren manchmal die Grundideen für ganze Bücher entwickeln. Garth Nix beweist auf jeden Fall, dass er eine ganze Menge Kreativität und Fantasie besitzt. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings mehr Tiefe gewünscht. Ich habe das Gefühlt, dass vieles nur angerissen wurde, vielleicht dadurch, dass die Handlung oft schnell von einem Ort zum nächsten wechselt. Deswegen blieb für mich manches, leider auch einige Charaktere, recht oberflächlich.

Zudem hätte ich mir gewünscht, dass Bücher und der Buchhandel eine größere Rolle spielen und auch eine Erklärung, weshalb das Buch 1983 spielen soll, hätte mir gefallen. Abgesehen von der bloßen Erwähnung der Jahreszahl und dem Fehlen mancher Technik, die für uns zum Alltag gehört, gibt es keinen Hinweis, dass die Handlung knapp 40 Jahre zurückliegt. Es wäre schön gewesen, wenn ein paar typische Dinge der 80er (und ja, ich habe sie erlebt) ihren Weg in das Buch gefunden hätten.

Abgesehen von all dieser Kritik hat mir das Buch dennoch gut gefallen. Garth Nix schafft es einen Spannungsbogen aufzubauen und überrascht mit immer neuen Ideen.

Insgesamt ein Buch, dass mich zwar nicht rundum überzeugen konnte, das aber dennoch Spaß gemacht hat.

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