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Veröffentlicht am 16.08.2022

Ein entschleunigter Krimi zum Wohlführen

Der talentierte Herr Varg
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Ein entschleunigter Krimi zum Wohlführen
Sympathischer Ermittler in gemütlicher Umgebung

Ulf „Wolf“ Varg, der Leiter des Dezernats für heikle Fälle, untersucht dieses Mal einen Fall von Erpressung, in ...

Ein entschleunigter Krimi zum Wohlführen
Sympathischer Ermittler in gemütlicher Umgebung

Ulf „Wolf“ Varg, der Leiter des Dezernats für heikle Fälle, untersucht dieses Mal einen Fall von Erpressung, in die ein bekannter schwedischer Schriftsteller verwickelt ist. Außerdem ist da noch ein Betrüger, der Hunde als Wölfe verkauft. Vor allem aber halten Herrn Varg sein Privatleben und seine Kollegen auf Trab, vor allem seine Liebe zur hübschen Kollegin Anna, die glücklich verheiratet ist und ihn um Hilfe in einer delikaten Angelegenheit bittet.

Auch der zweite Band trägt die Bezeichnung Cosy-Krimi zu Recht: Aufregung, Verfolgungsjagden oder gar Tote sucht man vergebens, dagegen begleitet man Herrn Varg, gelegentlich unterstützt von seinem nicht unkomplizierten Kollegen Blomquist, durch 15 Kapitel zu verschiedenen Personen, mit denen er sich unterhält, von Thema zu Thema wechselt und so auf mysteriöse Geheimnisse stößt und die skurrilen Fälle auf überraschende Weise löst.
Diese Erzählweise macht das Buch so außergewöhnlich, genauso wie die Gespräche immer wieder zu anderen Themen abgleiten, muss man als Leser selbst aufpassen, dass die eigenen Gedanken beim Lesen nicht abgleiten. Alexander McCall Smith bietet aber bei aller Gemütlichkeit ein sympathisches Personal mit liebenswürdigen Eigenheiten. Manchmal wirkt alles wie bei einer großen Familie, die einem schnell ans Herz wächst und bei der man sich wohl fühlt.

Wenn man sich an diese gemütliche Art des Romans gewöhnt hat, bietet „Der talentierte Herr Varg“ unterhaltsame Lesestunden.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Porträt zweier Außenseiter – humorvoll und hintergründig

Tschick
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Maik Klingenberg geht in die 8. Klasse eines Gymnasiums, ein recht guter Schüler, aber so langweilig, dass er nicht einmal einen Spitznamen hat und als einer der wenigen nicht auf die große Party seines ...

Maik Klingenberg geht in die 8. Klasse eines Gymnasiums, ein recht guter Schüler, aber so langweilig, dass er nicht einmal einen Spitznamen hat und als einer der wenigen nicht auf die große Party seines Schwarms Tatjana eingeladen wird. Auch der Neue in der Klasse, der einfach nur Tschick genannt wird, ist ein Außenseiter. Russischer Spätaussiedler und öfters mal betrunken im Unterricht.
Als Maiks Eltern ihn in den Sommerwochen allein in der Villa in Marzahn lassen (Vater muss mit seiner jungen Assistentin weg, die Mutter geht wieder mal in eine Entzugsklinik), sieht Maik einer entspannten, aber einsamen Zeit entgegen, bis Tschick plötzlich mit einem geklauten Lada kommt und ihn mit auf einen Trip in die Walachei nimmt. Ein Roadtrip der besonderen Art beginnt.

Wolfgang Herrndorf schafft eine tiefgründige Charakterisierung zweier Jugendlicher, bei denen man sich von den Klischees nicht blenden lassen darf. Maik, das einsame Kind aus einer (ehemals) wohlhabenden Familie, aber von den Eltern allein gelassen und in die Klassenschönheit unglücklich verliebt, lernt auf dem Trip, was wirklich wichtig ist im Leben. Tschick, der verwahrloste Sohn einer Aussiedlerfamilie, erweist sich immer wieder als sensibel und gefühlvoll. Diese Freundschaft lässt beide nicht nur räumlich aus ihrer Isolation ausbrechen.

Das Buch ist eine wundervolle Beschreibung über das Erwachsen werden, denn beide Jungen reifen auf die ein oder andere Weise heran. Vor allem aber erkennen sie, dass man bei allen Personen, denen sie auf ihrer Reise begegnen, hinter das Äußere schauen, und dass man Verantwortung übernehmen muss

Ein spannender Roman, wenn man aufmerksam auf die Zwischentöne hört.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Inhaltlich gute Fortsetzung – leider oft zu konfus

Todesrauschen
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Nach den Enthüllungen im 2. Auris-Band nähert sich im 3. Band nun Jula Ansorges Suche nach ihrem Bruder dem Höhepunkt. Nach einem (meiner Meinung nach mehr als dämlichen) Heiratsantrag muss Julas Freund ...

Nach den Enthüllungen im 2. Auris-Band nähert sich im 3. Band nun Jula Ansorges Suche nach ihrem Bruder dem Höhepunkt. Nach einem (meiner Meinung nach mehr als dämlichen) Heiratsantrag muss Julas Freund Paul mit ansehen, wie Jula und Hegel auf offener Straße entführt werden. Die Entführer wollen Julas angeblich toten Bruder Moritz finden, und dazu ist ihnen jedes Mittel recht.
Der Hauptteil des Buches spielt in einer verlassenen Anlage, in der Jula und Hegel dazu gezwungen werden, mit einer Nachricht von Moritz dessen Aufenthaltsort herauszufinden. Parallel dazu versuchen Paul und Julas 14-jähriger Halbbruder Elyas, Jula und Hegel zu finden und stoßen dabei auf einen Auftragskiller.
Klieschs Schreibstil ist gewohnt frisch und einfach zu lesen, so dass man oft durch die Seiten fliegt. Leider fehlt der Handlung eine feste Struktur, so dass die Personen von einer Handlung zur nächsten springen, ohne dass sie dabei wirklich weiterkommen. So baut sich lange auch keine wirkliche Spannung auf. Gut gefallen haben mir Hegels phonetischen Analysen, doch wieder (wie auch in den ersten beiden Bänden) bleibt er als (Haupt-)Person sehr profillos. Das Potential dieser Figur wird nicht wirklich ausgeschöpft. Besser gelingt dies bei Jula Ansorge und ihrem Bruder Elyas, allein dessen Gangsta-Sprache wirkt oftmals zu gewollt (Digga, safe, Alter, …). Andere Personen dagegen tauchen auf, verschwinden wieder und werden dann nur noch mal kurz erwähnt.
Das Ende bietet einen durchaus überraschenden Twist, was die Geschichte dann rettet. Das letzte Kapitel bereitet noch Band 4 vor. Ok, lassen wir uns überraschen, was jetzt folgt.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Ein Thriller, der kaum Zeit zum Atmen lässt

Der Heimsucher – Jedem seine Strafe
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Nach seinem Überraschungserfolg „Der Behandler“ legt Thomas Herzsprung mit „Der Heimsucher“ den zweiten Band vor, in dem Falk Bachmann, Jan Hendrick und Juliane Klawitter einen Serienmörder jagen, der ...

Nach seinem Überraschungserfolg „Der Behandler“ legt Thomas Herzsprung mit „Der Heimsucher“ den zweiten Band vor, in dem Falk Bachmann, Jan Hendrick und Juliane Klawitter einen Serienmörder jagen, der Menschen für ihre Verfehlungen grausam büßen lässt, ihnen aber eine letzte Chance gibt, sich zu retten. Aber kennen Sie auswendig die Handynummer ihrer Liebsten?
Titel und Umschlaggestaltung schaffen einen sofortigen Wiedererkennungswert und schon nach dem ersten Kapitel ist man mitten in der Geschichte. Thomas Herzsprung legt ab der ersten Seite ein rasantes Tempo vor, mit kurzen Kapiteln und Cliffhangern, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.
Die Jagd nach dem Serienmörder stürzt die Protagonisten von einer Gefahr in die nächste und führt von einem Twist zum nächsten. Bis zur letzten Seite kann man nicht sicher sein, ob nicht eine neue Gefahr oder eine neue Wendung auftaucht. Auch führen die Ermittlungen in viele Richtungen. Religiöse Motive und Russenmafia sind nur zwei von vielen Themen, die miteinander verwoben sind. Zudem spielen auch private Motive eine große Rolle. Vielleicht ist die eine oder andere Wendung nicht notwendig, aber erstaunlich ist es, wie diese zahlreichen Motive am Ende alle einen Sinn ergeben.
Auch die Charakterisierung der Hauptprotagonisten wird stark vorangetrieben, ihr Leben gerät mehr als einmal aus der Bahn und die Jagd fordert viele Opfer von allen. Besonders Juliane Klawitter bekommt hier einen größeren Raum als noch im ersten Band.
Auch hier gibt es wieder eine spannende Playlist, die das Buch perfekt ergänzt.
Eine klare Leseempfehlung auch für Band 2, gespannt sein darf man wohl auf Band 3.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Spannend bis zum Schluss - Top-Thriller eines ungewöhnlichen Autors

Der Behandler
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Thomas Herzsprung, der bisher als Tommy Herzsprung eher durch seine (Gay-)Romance Romane bekannt geworden ist, legt seinem „inneren Kompass folgend“ mit „Der Behandler“ seinen ersten Thriller vor. ...

Thomas Herzsprung, der bisher als Tommy Herzsprung eher durch seine (Gay-)Romance Romane bekannt geworden ist, legt seinem „inneren Kompass folgend“ mit „Der Behandler“ seinen ersten Thriller vor.
Hauptkommissar Falk Bachmann wird, als er bei seinem im Sterben liegenden Vater im Pflegeheim ist, zum Fundort einer Frauenleiche im Frankfurter Stadtwald gerufen. Der Anblick der Leiche setzt ihm und seiner Kollegin, der Polizeipsychologin Juliane Klawitter zu und weist auf einen psychopathischen Mörder hin. Und tatsächlich taucht schon bald eine zweite Leiche auf.
Thomas Herzsprung schafft es von der ersten Seite an, große Spannung und ein hohes Erzähltempo zu erzielen. Kurze Kapitel, Cliffhanger und mehr als ein überraschender Twist in der Handlung lassen es kaum zu, das Buch einmal aus der Hand zu legen. Überraschend ist es dabei, wie er es schafft, eine Vielzahl von Themen (Mobbing, Prostitution, Familiengeheimnisse, die Neue Rechte) zu einer vielschichtigen Handlung zu verweben, deren Fäden am Ende zusammenfinden. Zudem versteht er es, ohne lange Beschreibung den Charakteren (auch den Nebencharakteren) Tiefe und hohen Wiedererkennungswert zu geben. Natürlich ist gerade Falk Bachmann eine Person mit vielen Problemen, nicht immer sympathisch, was gerade sein neuer Partner Jan Hartwick zu spüren bekommt, aber auch dieser hat seine Geheimnisse.
Ein in den Grundzügen routinierter Thriller (erstaunlich bei einem Erstlingswerk), der es aber schafft, sich durch seine bildgewaltige und anschauliche Schreibweise von der Vielzahl der Thriller sich abzuheben. Ein gelungenes Cover sowie eine spannende, den Inhalt perfekt erweiternde Playlist machen das Buch zu einem Thriller-Highlight. Gespannt sein darf man auf den wohl Ende November erscheinenden zweiten Band.

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