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Veröffentlicht am 17.12.2025

Der Geschmack nach Whisky und Hoffnung

Liebessturm in den Highlands
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Mit ihrem Buch „Liebessturm in den Highlands: Ein winterlicher Wohlfühlroman voller Liebe, Hoffnung und Leidenschaft (Highland Hearts - Eine Liebe in Schottland)“ schreibt Skye MacDonald einen wundervoll ...

Mit ihrem Buch „Liebessturm in den Highlands: Ein winterlicher Wohlfühlroman voller Liebe, Hoffnung und Leidenschaft (Highland Hearts - Eine Liebe in Schottland)“ schreibt Skye MacDonald einen wundervoll gefühlvollen Wohlfühlroman voller Romantik, Humor und Highland-Magie. Es ist der bereits vierte Roman der "Highland Hearts"-Serie, nachdem zuvor „Winterzauber in den Highlands“, „Herzenswärme in den Highlands“ und "Schneegestöber in den Highlands" veröffentlicht wurden. Das besondere an ihrem aktuellen Roman ist, dass auch die Protagonisten der vorherigen Romane mit in die Geschichte einbezogen werden.
Zum Inhalt ist zu sagen, dass Sally Lampion vor ihrem gewalttätigen Exfreund auf der Flucht ist, in einen Schneesturm gerät und Zuflucht bei Callum MacTavish findet, der ehemals Rettungspilot gewesen ist und hinter dessen Fassade düstere Schatten der Vergangenheit lauern. In seinem eingeschneiten Cottage, bei heißem Tee und flackerndem Kaminfeuer lernen beide sich kennen und stellen fest, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Aber mit der Ruhe ist es schnell vorbei und plötzlich läuft einiges aus dem Ruder.
Da bereits der Titel "Liebessturm in den Highlights" sowie das Cover mit dem eingeschneiten Haus, Tannen ringsherum, Schneefall und Herzen darauf hinweist, dass wir mit einer weihnachtlichen und winterlichen Atmosphäre rechnen können, werden alle Genrefans begeistert sein. Die Autorin versteht es mit Worten eine schottische Postkartenidylle zu beschreiben, wenn blasses Licht durch die Wollen sickert und den Schnee glänzen lässt, ebenso wie es ihr perfekt gelingt, in dem kleinen Cottage eine knisternde Atmosphäre mit sehnsüchtigen Blicken und leichten Versuchungen zu erschaffen. Außerhalb des Cottages wüstet ein Schneesturm, so dass eine Heimeligkeit und gefühlte Sicherheit entsteht, die im Laufe der Geschichte noch des Öfteren zum Thema wird. Aber manchmal ist eine Sicherheit auch trügerisch und genau das, müssen Sally und Callum erleben - und dabei wird es richtig spannend!
Skye MacDonald beschreibt die Protagonisten sehr gut, so dass die Leserschaft sich Sally, eine Finanzberaterin aus Aberdeen und Callum mit seinen starken und zupackenden Händen und den grauen Augen, die wie ein winterliches Meer wirken, breiten Schultern und einem Gesicht, wie aus Granit gemeißelt sehr gut vorstellen kann. Er ist auf diese raue Highland-Art schön. Aber unter der Fassade ist Verletzlichkeit zu spüren, Verletzlichkeit und eine große Angst. Und diese beherrschende Angst, dass Sally, die für ihn kostbar ist und die es wert ist, beschützt zu werden, nicht von ihm beschützt werden kann, macht es ihm fast unmöglich, sich in ihre Nähe zu begeben. Er möchte keine Angst um sie haben, dieser Gedanke zerreißt jeden Zauber, der ihrem Beisammensein innewohnt.
Bis es zu einer großen Wendung kommt und Sally sich beweisen muss, so dass Callum realisiert, dass sie in der Lage ist, zu kämpfen und zu überleben – trotz aller Schwierigkeiten, welche ihre Beziehung zu ihrem Ex-Freund mit sich gebracht hat, ist es ihr möglich zu kämpfen, für sich selbst zu sorgen, sich selbst zu beschützen. Sie ist eine Kriegerin, sie braucht niemanden, der es für sie übernimmt, denn sie ist unter ihrer Fassade eine starke Frau. Callum muss lernen, seine Vergangenheit loszulassen, um wieder lebendig zu sein und zu heilen, denn er muss nicht alles allein schultern und kann wieder jemanden in sein Herz lassen. Werden die beiden zerbrochenen Herzen zu einem zusammenwachsen und die große Liebe erleben?

Fazit: Eine tiefgründige und vielschichtige Geschichte, welche die Vergangenheit der Protagonisten aufgreift und aufzeigt und uns die Botschaft mitgibt, dass die Liebe einen Menschen findet, wenn dieser mutig genug ist, sich nicht mehr vor ihr zu verstecken und die Liebe in sein Herz zu lassen.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Wer loslässt, hat die Hände frei...

Das Schneeflockenmädchen
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"Das Schneeflockenmädchen" von Mara Andeck ist eine wunderschöne, mystische Winter- und Weihnachtsgeschichte, welche vor genau 100 Jahren in Süddeutschland spielt und diverse Märchen im Märchen für Erwachsene ...

"Das Schneeflockenmädchen" von Mara Andeck ist eine wunderschöne, mystische Winter- und Weihnachtsgeschichte, welche vor genau 100 Jahren in Süddeutschland spielt und diverse Märchen im Märchen für Erwachsene darbietet.
Das stimmungsvolle Buchcover, auf welchem ein Pferd vor einer Person in einem Schlitten in winterlicher Landschaft auf schneebedecktem Boden zu erkennen ist, passt in seiner filigranen hellen Farbe ganz wunderbar zur Geschichte. Eigentlich wollte die Autorin aufgrund einer wahren Begebenheit eine Biografie über Lisa Tetzner, einer Märchenerzählerin, die durch Dörfer und Städte wanderte und Kurt Kläber, einen angehenden Journalisten und Wandervogel, der sich später Kurt Held nennt, schreiben. Diese beiden inspirierten sie zu ihrem Buch über Marie und Carl, ein Märchen, welches unter anderem alte Märchen thematisiert.
Die beiden Hauptprotagonisten sind Marie und Carl, die sich auf einem Weihnachtsmarkt in Rothenburg ob der Tauber kennenlernen, während Carl sich auf den ersten Blick in Marie verliebt. Sie verzaubert ihn mit ihrer sanften und warmen Erzählstimme, mit ihrem weichen Timber sowie mit ihrer Wortwahl über den Winterwald, rosa glitzerndes Eis und ein Kaminfeuer im Schloss und lässt sein Herz dahinschmelzen. Sie hat es geschafft, in seinem Kopf lebendige Bilder hervorzurufen und ihn sensibler für seine Umgebung zu machen, so dass er den Schneezauber des mittelalterlichen Marktplatzes noch intensiver wahrgenommen hat und die Flocken im Kerzenlicht für ihn heller funkeln sowie den Duft von Vanille und Lebkuchen noch verführerischer werden lassen. Auch die Augen der Kinder, die ihren Märchen lauschen, hat sie zum Strahlen gebracht. Carl spürt, dass Marie die Gabe besitzt, mit Wörtern zu zaubern und auf diese Art ihre Mitmenschen zum Teil ihrer Geschichten werden lässt, denn sie findet für jeden Menschen das richtige Märchen.

Mara Andeck hat einen wundervollen Schreibstil, mit welchem sie diese wunderschöne, mystische Winter- und Weihnachtsgeschichte erzählt, die wie eine warme Umarmung wirkt und durch viel Liebe zum Detail besticht, wenn Marie mit ihrem umgebauten acht Quadratmeter Pferdewagen und ihrem Hund Jaro und ihrem Pferd Rosi von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt zieht und den Menschen, die ihr Obdach gewähren, zur Hand geht und Märchen als Gegenleistung erzählt.

Carl spürt, dass Marie mit der Zerbrechlichkeit in ihren Augen etwas mit ihm gemeinsam hat, und so wird der Leserschaft deutlich, dass beide ihre gut gehüteten Geheimnisse haben, die sie so schnell nicht preisgegeben werden. Und während Marie zunächst skeptisch Carl gegenüber ist, ihn als jungen Mann aus reichem Zuhause beschreibt, welcher nur teure Kleidung trägt, und Überheblichkeit ausstrahlt, merkt auch sie schon bald, dass sie etwas mit ihm verbindet. Carl wirkt auf Marie stets zauberhaft, lustig, klug und um sie besorgt und auch, wenn er sie neckt, provoziert und er ihr Grenzen aufzeigt, so stört es sie nicht mehr. Seine Art, wie er spricht, lächelt oder schweigt, wie er Marie ansieht, für sie zählt die Wärme in seinem Blick und die Innigkeit in seinen Augen, die ihr immer wieder auffällt. Carl ist ein guter Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat und die gleichen Werte vertritt, die auch für Marie elementar sind.

Auch, wenn die Story zu Anfang ihre Längen hat, so besticht sie immer wieder mit ihren wundervollen detailreichen und bezaubernden Beschreibungen, wie zum Beispiel vom Zirkuswagen der Carl beeindruckt und welcher von ihr selbst stabil und praktisch gebaut ist. Dieser wirkt auf Carl auf den ersten Blick zweckdienlich, aber auf den zweiten Blick verträumt und märchenhaft. Der Grund sind die liebevollen Details wie die gusseisernen Verzierungen und die konsequente Einrichtung in verschiedenen Blautönen. Auf Carl wirkt das Innere des Wagens wie der Palast einer Eisprinzessin, komplett mit orientalisch wirkenden Kissen, einem nachtblauen Vorhang mit silbernen Sternen am Oberlicht und einem Bücherregal mit alten, farbigen Büchern.

Maries Kindheitserinnerungen an Weihnachten werden geprägt von glänzendem Tannenduft, bunten Glaskugeln und Geschenken in blauem Papier. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die Klänge der Geige ihres Vaters und die Freude über ihre Puppenstube mit zarten Püppchen und feinen Möbeln. Nach dem Abendessen sammelte sie Lametta unter dem Baum auf, glättete es sorgfältig und schmückte damit ihr neues Spielzeug, bis es wie reines Silber schimmerte.

Mara Andeck beschreibt Szenen und Eindrücke höchst atmosphärisch, indem sie die Winterlandschaft mit zauberhafter Sprache lebendig werden lässt, sodass Schnee und Bäume wie von Diamanten übersät funkeln. Die Geschichte vermittelt die tiefere Botschaft, glückliche Erinnerungen bewusst mit allen Sinnen zu sammeln und festzuhalten. Maries sinnliche Wahrnehmungen – das Rauschen des Windes, der Geruch von schneekalter Luft – machen die Atmosphäre greifbar und unterstreichen ihren Entschluss, jeden Moment unvergesslich zu machen und gleichzeitig loszulassen. Die Autorin beschreibt Szenerien mit großer sprachlicher Finesse und einer lebendigen Sinnlichkeit, die alle Sinne anspricht. Die visuelle Pracht wird von ihr innerhalb einer Landschaft beschrieben, die unter dem blauen Himmel in der Morgensonne glitzert und schneebedeckte Bäume, die wie mit Diamanten übersät funkeln. Ein Brunnen mit zauberhaften Eisskulpturen fängt ebenfalls das Auge ein. Auch akustische Eindrücke werden erwähnt, wenn Marie dem Rauschen des Windes in den Bäumen lauscht, dem Glucksen des Wassers und dem Schrei eines Käuzchens, was der Stille eine gewisse Tiefe verleiht. Ebenso wird der Geruch von schneekalter Luft lebendig eingefangen und schafft eine unmittelbare Nähe zum Geschehen.

Fazit: Eine Botschaft in dieser Geschichte wird deutlich, als Marie den Entschluss fasst, jeden Glücksmoment mit all ihrer Kraft zu sammeln, zu sehen, zu fühlen, zu riechen, zu schmecken und zu hören, um ihn unvergesslich zu machen. Gleichzeitig möchte sie lernen, loszulassen und negative Erinnerungen zu vergessen, sobald sie verschmerzt sind. Auf diese Weise vermittelt der Text die tiefe Sehnsucht Maries nach einem Leben, das von glücklichen Erinnerungen geprägt ist, und unterstreicht die Botschaft, dass wahres Leben im Hier und Jetzt stattfindet. Die poetische und bildreiche Sprache der Autorin macht die geschilderten Momente für die Lesenden unmittelbar erfahrbar.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Weihnachten einfach genießen

Weihnachtswahnsinn
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Mit ihrem großformatigen, aufwändig gestalteten Hardcover Bildband, welcher auf hochwertigem Papier durch seine interessante Optik die Blicke auf sich zieht, hat Alissa Levy ihr Buch "Weihnachtswahnsinn" ...

Mit ihrem großformatigen, aufwändig gestalteten Hardcover Bildband, welcher auf hochwertigem Papier durch seine interessante Optik die Blicke auf sich zieht, hat Alissa Levy ihr Buch "Weihnachtswahnsinn" rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit publiziert.
Mit einer großen Portion Selbstironie beschreibt die Autorin, dass sie, nachdem sie aus ihrem kindlichen Glauben erwacht ist, festgestellt hat, dass Weihnachten gar nicht so ein Selbstläufer ist, wie sie stets glaubte. Anhand eigener Erfahrungen mit weniger Magie stattdessen viel mehr Terminvereinbarungen, statt einem Zauberstab gibt es jetzt den glitzernden Staubsaugerbeutel und Weihnachtszauber hat viel mehr mit Klebestiften und mentaler Energie zu tun als zunächst geglaubt. Deshalb hat sie den ultimativen Plan entwickelt, stressfrei durch die Weihnachtszeit zu kommen - oder viel mehr alles mit Humor zu nehmen und zu akzeptieren, dass das Einzige, was nach Plan läuft, die Tatsache ist, dass es nicht nach Plan laufen wird.
So ist dieses Buch vielmehr eine Hommage an ihre eigenen Erfahrungen und Überzeugungen, die sie selbst ausprobiert hat, so wie als Beispiel die Weihnachtszeit als eine einzige Achterbahnfahrt zu erleben, und trotzdem glücklich zu sein. Sie beschreibt in einer liebevollen Art und Weise, wie eine Wunschliste an mich selbst aussehen kann und bietet dazu im Anschluss an das jeweilige Kapitel stets Optionen zur Selbstreflexion, kleine Anti-Stress-Rituale oder „To Do Listen“ an, bei denen jeder selbst kreativ sein kann. Im gleichen Stil beschreibt sie auch die anderen Kapitel, wenn es z.B. um die Vorfreude geht und der Realitätsschock naht, dass das Träumen mit offenen Augen helfen kann.
Sie beschreibt, wie sie in ihrer eigenen Welt auf Hindernisse stößt und erklärt, wie sie diese für sich gelöst hat oder in Zukunft lösen wird. Dabei gibt sie u.a. Tipps, wie jemand das passende Geschenk für einen lieben Menschen stressfrei finden kann oder auch, dass wir uns nicht an anderen ein Beispiel nehmen sollten, immer besser zu sein und alles zu überbieten, sondern einfach zu uns selbst zu stehen - nicht nur in der schönsten Zeit des Jahres. Und auch, wie wir mit Kleinigkeiten so viel beitragen können ohne, dass es zu aufwendig wird. Sie gibt Rezept-Tipps und Ratschläge, wie wir fröhlich mit der Familie Weihnachten feiern.
Fazit: Dieses Buch in den Händen zu halten, die unglaubliche Haptik und der Geruch nach Papier, dabei die Illustrationen zu betrachten, macht mich immer wieder glücklich, wenn ich dieses Buch zur Hand nehme. Da Weihnachten noch bevor steht, kann ich nicht sagen, ob ich die Dinge, die ich umsetzen möchte, auch wirklich umsetzen werde, aber manche Ideen sind so einfach und doch grandios, dass der Versucht sich lohnt! Das Buch ist aufgrund seiner gesamten Aufmachung sehr gut als Geschenk geeignet.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Wohlfühlroman mit Highlands-Magie und Tiefgang

Schneegestöber in den Highlands
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Der winterliche Wohlfühlroman "Schneegestöber in den Highlands: Ein winterlicher Wohlfühlroman voller Liebe, Hoffnung und Leidenschaft (Highland Hearts - Eine Liebe in Schottland)" von Skye MacDonald hat ...

Der winterliche Wohlfühlroman "Schneegestöber in den Highlands: Ein winterlicher Wohlfühlroman voller Liebe, Hoffnung und Leidenschaft (Highland Hearts - Eine Liebe in Schottland)" von Skye MacDonald hat seinen Schauplatz im kleinen Örtchen Glencoe, in den wundervoll verschneiten schottischen Highlands. Es ist bereits der dritte Band der Highlands-Reihe, nachdem zuvor „Winterzauber in den Highlands“ und „Herzenswärme in den Highlands“ veröffentlicht wurden.
Wie bereits auf dem Cover ersichtlich ist, spielt ein Schneesturm eine Rolle, welcher die Stimmung im Haus romantisch und urig werden lässt. Auch die Beschreibung der Atmosphäre, welche durch die Highlands, den Schnee und der Blick aus dem Fenster geschaffen wird, ist einzigartig und vermittelt ein Gefühl von Verborgenheit.
Maisie Campbell gerät in einen Schneesturm, während sie auf dem Weg ist, einen Fotoauftrag, eine Reportage über abgelegene Landschaften, auszuführen. Sie landet im Graben und findet Unterschlupf bei dem großen und breitschultrigen Anwohner Finn MacLeod. Nach einer unterkühlten Begrüßung, aus der kein Lächeln und kein Willkommen hervorgeht, bemerkt Maisie jedoch schnell, dass unter der rauen Schale Ruhe, Sicherheit und Wärme verborgen sind. Sie selbst wirkt wie eine Frau, die nicht leicht aufgibt, aufmerksam ist und kluge Augen hat. Skye MacDonald beschreibt die Charaktere in einer ausführlichen Art und Weise, wobei im Laufe der Geschichte stets neue Aspekte sichtbar werden, die ein Gesamtbild ergeben.
Die Geschichte, die sich fast ausschließlich mit den beiden Charakteren Maisie und Finn befasst, ist ein Liebesroman, in welchem sich nicht nur die Beziehung langsam entwickelt, sondern auch die Erkenntnisse der beiden Protagonisten, ebenso wie das gegenseitige Verständnis füreinander. Finn sieht sein Cottage als seinen Zufluchtsort, der Ort, an dem er gelernt hat, mit der Stille in seinem Kopf zu leben und dort bleibt er von den Geistern der Vergangenheit verschont. Deshalb empfindet er Maisie als einen Eindringling, welcher seinen inneren Frieden stört. Finn braucht eine Beschäftigung für seine Hände, um Erinnerungen zu verdrängen. Jedes Möbelstück in seinem Cottage ist für ihn eine Art der Meditation, eine Möglichkeit, sich selbst zu beweisen, dass er etwas Gutes erschaffen kann, anstatt etwas zu zerstören. Er hat seit drei Jahren seine Routinen, mit denen er gut zu leben glaubt.
Schnell wird deutlich, dass beide ihre Geister aus der Vergangenheit mit sich tragen, so ist es für Maisie die letzte Chance einen guten Job zu machen, nachdem sie einen anderen so grundlegend vermasselt hat. Wenn der Sturm vorbei ist, wird sie in ihr Leben, ihre Karriere, ihre Welt aus Deadlines und Redakteuren zurückkehren, die allesamt den Wert der Einsamkeit nicht zu verstehen scheinen. Aber noch fühlt sie sich wie in einer Schneekugel, die jemand vergessen hat, zu schütteln.
Und dann kommt die Wendung der Geschichte, ein Jobangebot für Maisie, dass ihrem beruflichen Ziel sehr nahe ist. Aber auch zwischen den beiden Protagonisten hat sich ein Vertrauen entwickelt, wobei sie sich ihrer selbst und ihres Gegenübers bewusstwerden, eine Entscheidung muss schnell getroffen werden. In beeindruckender Sprachkunst und dem Verständnis für die jeweils passenden Worte gelingt es der Autorin, auf warmherzige Art und Weise, mit viel Geduld und Gespür für den richtigen Augenblick diese Geschichte in ihrer gesamten Entwicklung dazustellen und damit ein gelungenes Spannungsniveau aufrechtzuerhalten.
Fazit: Eine tiefgründige und vielschichtige Geschichte, die Sorgen und Nöte der Protagonisten aufgreift und aufzeigt, Wertschätzung und Erkenntnis, wie bereichernd es sein kann, den richtigen Menschen zu treffen, um die eigene Selbstwirksamkeit zu sehen und daraus die naheliegenden Konsequenzen zu ziehen.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Eine glitzernde Weite, in der das Licht sich bricht

Der Eispalast - Entscheidung aus Liebe
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"Der Eispalast - Entscheidung aus Liebe" von Rena Rosenthal ist der dritte Band innerhalb der "Eispalast-Reihe" und ist inspiriert von der ersten Eislaufbahn mit Kunsteis, durch die Wiener Eiskunstläuferinnen ...

"Der Eispalast - Entscheidung aus Liebe" von Rena Rosenthal ist der dritte Band innerhalb der "Eispalast-Reihe" und ist inspiriert von der ersten Eislaufbahn mit Kunsteis, durch die Wiener Eiskunstläuferinnen jahrelang Weltmeistertitel für sich beanspruchen konnten. Die Saga ist ins Genre historische Liebesromane einzuordnen. Hierbei werden Elemente des historischen Eiskunstlaufs mit tiefen emotionalen Handlungssträngen verknüpft, während die Leserschaft die Entwicklung der einzelnen Charaktere über die insgesamt drei Bände verfolgen kann. Der Schauplatz der Geschichte liegt in Wien.
Das wunderschöne Cover im winterlichen Ambiente mit Schlittschuhläufern vor einem Palast und einer Frau im Vordergrund eröffnet bereits einen ersten Einblick und deutet auf ein traumhaftes Ambiente hin.
Auch, wenn die Figuren fiktiv sind, so gibt es Inspirationsquellen, an denen sich die Autorin orientiert hat und nicht zuletzt dadurch einen sehr realitätsnahen Bezug zu der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, sondern ihre Protagonisten absolut authentisch wirken lässt.
Die Hauptprotagonistin Julianna ist durch zwei Ausnahmetalente im Eiskunstlauf entstanden. Leo, der auf dem Gelände der Tuchfabrik, welche im Familienbesitz lag, die erste künstliche Eislauffläche realisiert hat, wurde durch den Erschaffer der größten Kunsteisbahn in Europa inspiriert. Ebenso eine tragende Rolle spielt die beste Freundin von Julianna, Nikolett, die erkennen muss, dass es für eine Frau zu der Zeit nicht leicht war, literarische sowie politische Texte zu verfassen und damit anerkannt zu werden. Da um 1900 die Stadt Wien durch die Secession und den Jugendstil zu einem wichtigen Zentrum für Plakatkunst wurde, ist János innerhalb dieser Geschichte derjenige, der die künstlerische Seite repräsentiert und im Anhang des Buches finden sich einige Plakate aus der damaligen Zeit wieder. Auch gibt es im Anhang das Rezept der „Buchteln“, welche besonders Julianna so gern verzehrt.
Die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildet den gesellschaftlichen Hintergrund, welcher sich bei den Entscheidungen der einzelnen Protagonisten wiederfindet. Die Normen und Erwartungen dieser Zeit prägen die Konflikte und Handlungsstränge. In der Geschichte wird deutlich, wie wichtig es damals war, welcher gesellschaftlichen Schicht und welchem sozialen Stand jemand angehörte. Es wurde erwartet, dass junge Menschen sich innerhalb ihres Standes nach einem/r geeigneten Partner/Partnerin umsahen, alles andere war ein Skandal und das Resultat war in den meisten Fällen, in denen sich z.B. eine "höher geborene Tochter" in einen einfachen Arbeiter verliebte, dass sie aus der Familie ausgeschlossen und nicht mehr versorgt wurde. Die Arbeiter hatten ein schweres Leben, denn sie mussten in Fabriken schwere Arbeit leisten, wurden gering entlohnt und hatten einen langen Arbeitstag. In diesem Buch spielt ein Ziegeleibesitzer eine Rolle, welcher aufgrund der Recherche in verschiedenen Quellen diverser Großindustrieller inspiriert ist.
Die Autorin beherrscht die Kunst des Schreibens in der Art, dass alles logisch wirkt und eine einfache Schlussfolgerung die vorangegangenen Gegebenheiten erklärt. Es ist weder unpassend noch aufgesetzt oder gar einfach hineingefügt, sondern es macht alles seinen Sinn. Die Wortwahl ist der damaligen Zeit angemessen, auch wenn einige Begriffe in der heutigen Zeit keine Verwendung mehr finden, und wir dürfen bedenken, dass die Handlung in Wien spielt, was auch teilweise für eine Wortwahl entscheidend ist.
Die Storyline wird im Wechsel aus der Sicht der verschiedenen Charaktere erzählt, was ein geeignetes Stilmittel ist, um die Gedanken und Emotionen der einzelnen Protagonisten nachzuvollziehen. Geheimnisse, Intrigen und zum Teil auch Lügen auf der einen Seite wechseln sich ab mit Ehrlichkeit, Respekt und Güte. Es werden familiäre Bindungen, Loyalität und möglicherweise auch das Aufdecken lang gehüteter Geheimnisse innerhalb der Familie thematisiert. Ein wichtiges Thema in diesem Buch ist der Kampf um mehr Rechte für Frauen und die Arbeiterklasse und die Überwindung gesellschaftlicher Erwartungen. Über allem jedoch steht die einzig wahre und große Liebe. Eine Liebe, um die es sich trotz vielerlei Widrigkeiten zu kämpfen lohnt.
Fazit: Auch, wenn man so wie ich nur diesen dritten Band gelesen hat, ist die Geschichte so verfasst, dass die Leserschaft an jeder Stelle einsteigen kann. Trotzdem werde ich nach dieser Lektüre auch Band 1 und Band 2 dieser einzigartigen Saga lesen.

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