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Veröffentlicht am 19.09.2025

Jahreshighlight, Prädikat Lieblingsbuch

Die Briefeschreiberin
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Es wurde mir von Buchcontact vorgeschlagen, und bei einem Briefroman musste ich sofort an eines meiner Lieblingsbücher, Gut gegen Nordwind, denken. Genau das hat letztlich ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Es wurde mir von Buchcontact vorgeschlagen, und bei einem Briefroman musste ich sofort an eines meiner Lieblingsbücher, Gut gegen Nordwind, denken. Genau das hat letztlich den Ausschlag gegeben, dieses Buch zu lesen. Ich hoffte auf kluge, berührende Briefe, eine besondere Nähe zu den Figuren und genau das habe ich auch bekommen.

🔎 Worum geht’s?

In "Die Briefeschreiberin" zeichnet Virginia Evans das Porträt einer 73-Jährigen, die ihr Leben in Briefen festhält. Mal witzig, mal nachdenklich, oft schonungslos ehrlich. Als ein anonymes Schreiben sie zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, entdeckt Sybil van Antwerp, dass es nie zu spät ist, sich den eigenen Geheimnissen zu stellen.

🧠 Meine Meinung:

Sybil van Antwerp ist für mich mehr als eine Romanfigur. Ich habe sie nicht einfach nur „gemocht“,  ich habe sie geliebt, tief in mein Herz geschlossen und mit ihr mitgefühlt, als wäre sie eine Freundin. Ihre Geschichte hat mich so stark berührt, dass sie mich weit über das Lesen hinaus begleitet hat, beim Aufstehen, beim Kochen, beim Schlafengehen. Sie war bei mir, immer.
Ja, Sybil ist scharfzüngig, manchmal kühl und distanziert und die handelt auch nicht immer nachvollziehbar. Aber genau das macht sie so echt, so menschlich. Hinter der Härte steckt Wärme, Verletzlichkeit und eine Frau, die das Leben mit all seinen Brüchen gezeichnet hat. Solche Protagonistinnen vergisst man nicht.
Besonders spannend war für mich, wie die Briefe aufgebaut sind. Man liest einen Brief, fiebert der Antwort entgegen, aber man bekommt sie nicht sofort. Stattdessen folgen erst ganz andere Briefe, die wieder eigene Wendungen mit sich bringen. Das hat sich oft wie kleine Cliffhanger angefühlt.
Dazu kam die permanente Frage: Warum hat Sybil kein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter? Wer schickt die annoymen Briefe? Und noch interessanter: An wen richtet sie die sehr persönlichen Briefe, die sie nie abgeschickt hat? Diese Geheimnisse gaben der Geschichte eine zusätzliche Tiefe und sorgten für diese ernorme Sogwirkung.
Wer Bücher liebt wie Gut gegen Nordwind, bei denen man durch Briefe eine ganze Welt entdeckt, oder starke Frauenfiguren wie Elisabeth Zott aus Eine Frage der Chemie, der wird auch Sybil lieben.
Was dieses Buch außerdem so besonders macht, es vereint eine Vielzahl an Themen, die mitten ins Leben greifen. Adoption, DNA-Test, Verlust, Trauer, Tod, Krankheit, Freundschaft, Diversität und vieles mehr. Es ist nicht nur eine Geschichte, sondern fast ein ganzes Leben zwischen den Seiten.
Kritisch anmerken muss ich, dass es mir zum Schluss alles ein wenig schnell ging, was ich wirklich schade finde, da wäre noch so viel Potenzial für große Gefühle gewesen. Aber selbst mit diesem kleinen Schönheitsfehler bleibt es für mich ein unvergessliches Leseerlebnis.
Und da es sich hier um ein Debüt handelt, ist eines für mich klar, diese Autorin habe ich abgespeichert! Virginia Evens hat mich mit Sybil so tief berührt, dass ich alles lesen werde, was sie künftig noch schreibt.
Das Personen-Glossar am Ende? Ganz ehrlich, nice to have, aber praktisch nutzlos. Zum Glück wusste ich früh, dass es existiert, sonst hätte ich es glatt übersehen, denn gerade zu Anfang kommen doch sehr viele Personen ins Spiel, wo ich ein bisschen brauchte, um sie zu verinnerlichen.

✅️ Fazit:

Die Briefeschreiberin ist ein Herzensbuch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen hat, mit einer Protagonistin, die für mich eine literarische Freundin geworden ist und deren Geschichte ich nie vergessen werde.

Es hat meine höchste Auszeichnung verdient:
🌟 Prädikat Lieblingsbuch
🌟 Ganz klar ein Jahreshighlight

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Nach unserer eigenen Art vorgelesen, gut!

Ahoi! Alle an Bord und Leinen los!
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Als erstes hat mich das Cover sofort angesprochen. In Kürze wird mein viertes Enkelkind geboren, und sein Zimmer steht ganz im Zeichen der Unterwasserwelt. Da passt ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Als erstes hat mich das Cover sofort angesprochen. In Kürze wird mein viertes Enkelkind geboren, und sein Zimmer steht ganz im Zeichen der Unterwasserwelt. Da passt das Buch optisch wie thematisch wunderbar hinein. Außerdem wollte ich es vor allem mit dem älteren Bruder (2,5 Jahre) gemeinsam lesen, da er schon jetzt eine erstaunliche Fantasie entwickelt. Alles, was rund und flach ist, wird bei ihm kurzerhand zum Rasen- oder Staubsaugerroboter. Diese Kreativität finde ich sehr gut und möchte sie auch bewusst fördern.

🔎 Worum geht’s?

Im Mittelpunkt steht ein Vater, der sich um den Haushalt kümmern muss, während dem Kind langweilig ist. Aus dieser Situation entspinnt sich ein fantasievolles Abenteuer. Der Kleine baut sich aus Möbeln und Dekoration ein Schiff. Bevor es in See sticht, braucht es natürlich eine Schatzkarte. Schnell sind die Rollen verteilt: Papa wird zum Matrosen, das Kind ist der Kapitän. Gemeinsam begegnen sie wilden Tieren, stellen sich Gefahren und meistern mutig alle Abenteuer.

🧠 Unsere Meinung:

Besonders überzeugt haben mich die wunderschönen Illustrationen. Sie sind detailreich, farbenfroh und begeistern nicht nur mich, sondern auch die Kinder. Schwieriger war allerdings das Vorlesen. Die Geschichte besteht nicht aus einem durchgehenden Fließtext, sondern  ausschließlich aus Sprechblasen. Diese sind recht kurz und manchmal abgehackt, was den Erzählfluss stört. Hinzu kommen Wörter wie z.B. Poopdeck, Klüver oder Wantenspanner. Zwar werden sie vorne erklärt, tauchen aber im Alltag eines Kleinkinds kaum auf. Meinem Enkel waren sie fremd und daher wenig zugänglich. Man merkte deutlich, dass ihm meine freie, ausgeschmückte Erzählweise mit Geräuschen, lebendigen Betonungen und eigenen Worten besser gefiel als das strikte Vorlesen. So wurde das Buch für uns schließlich zu einem interaktiven Erlebnis, das die Fantasie anregt und uns beide aktiv ins Spielen bringt.

✅️ Fazit:

Ahoi, alle an Bord und Leinen los ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das durch seine Illustrationen und die Möglichkeit zur kreativen Gestaltung besticht. Für kleine Zuhörer kann die Lektüre in der Originalform jedoch sperrig sein, gerade wegen der kurzen Sätze und ungewohnten Fachbegriffe. Es eignet sich daher besonders für Eltern und Großeltern, die Freude daran haben, Geschichten frei und lebendig zu erzählen, statt sich eng am Text zu halten. Dann kann es zu einem gelungenen Vorlese- und Mitmachbuch werden, das kleine Abenteurer begeistert. In der Form gefällt es uns sehr gut.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Überraschend gut

Von hier aus weiter
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Das Buch kam als Überraschungspost vom Verlag. Eigentlich hätte ich es vielleicht gar nicht zur Hand genommen, denn „Kat & Easy“ von Susann Pásztor hatte mich damals ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Das Buch kam als Überraschungspost vom Verlag. Eigentlich hätte ich es vielleicht gar nicht zur Hand genommen, denn „Kat & Easy“ von Susann Pásztor hatte mich damals nur mittelmäßig begeistert. Entsprechend war ich skeptisch. Aber manchmal sind es ja gerade die skeptisch gestarteten Bücher, die dann am Ende überraschen.

🔎 Worum geht’s?

In "Von hier aus weiter" geht es um Marlene, die nach dreißig Jahren Ehe plötzlich Witwe ist und das nicht unbedingt gut erträgt. Zwischen Wut, Rückzug und dem Gefühl, dass alles sinnlos ist, hängt sie fest. Erst, als ein alter Bekannter als Klempner wieder in ihr Leben tritt, kommt Bewegung ins Spiel.

🧠 Meine Meinung:

Mir gefiel besonders dieser Mix aus traurigem Thema und humorvollen Momenten. Schon die erste Szene auf der Toilette bei der Beerdigung ist herrlich absurd: eklig, ja, aber auch so lustig, dass ich lachen musste. Überhaupt mag ich es, wenn ernste Geschichten durch Humor leichter werden. Die angeheiratete Familie rund um Marlene ist zwar ziemlich eigen, aber trotzdem liebenswert, weil man im Laufe der Geschichte  merkt, dass sie es eigentlich nur gut meinen. Die zusätzliche Geschichte rund um Jack und Ida mochte ich auch und lädt förmlich dazu ein,  weitererzählt zu werden. Das Ende kam überraschend. War jetzt zwar kein echtes Highlight für mich,  aber dennoch sehr unterhaltsam und deutlich besser, als ich nach meiner Skepsis erwartet hatte.

✅️ Fazit:

Eine kleine Überraschung, die sich gelohnt hat. Warmherzig, skurril und mit genug Humor, um auch schwere Themen leicht(er) zu machen. Keine große Offenbarung, aber definitiv ein Buch, das man gerne liest und den Raum lässt, auch noch eine andere Geschichte (Jack & Ida) weiterzuerählen.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Langweilig und anders als erhofft

Eddie Winston sucht die Liebe
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Geschichten über ältere Menschen berühren mich meist auf besondere Weise, weshalb ich gerne zu solchen Büchern greife. Bei Eddie hatte ich das Gefühl, einem Charakter ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Geschichten über ältere Menschen berühren mich meist auf besondere Weise, weshalb ich gerne zu solchen Büchern greife. Bei Eddie hatte ich das Gefühl, einem Charakter zu begegnen, der das Potenzial zum neuen Lieblingsprotagonisten hat.

🔎 Worum geht’s?

Im Mittelpunkt steht Eddie, ein älterer Herr, der als Freiwilliger in einem Second-Hand-Laden arbeitet. Dort begegnet er Bella, einer jungen Frau, die gerade einen schweren Verlust verkraften muss. Zwischen den beiden entwickelt sich eine besondere Freundschaft. Während Bella versucht, ihre Trauer zu verarbeiten, erfährt sie, dass Eddie noch nie seinen ersten Kuss erlebt hat. Mit viel Einfühlungsvermögen setzt sie alles daran, ihn bei der Suche nach seiner längst verloren geglaubten Liebe zu unterstützen. Dabei wird nicht nur Eddies Vergangenheit lebendig, sondern auch Bellas Blick auf die Zukunft verändert.

🧠 Meine Meinung:

Ich war überzeugt, dass diese Geschichte um den alten Eddie, der noch nie geküsst hat, und die junge Bella, die einen schweren Verlust erlitten hat, etwas ganz Besonderes werden könnte. Vielleicht sogar ein Highlight, vielleicht ein neues Lieblingsbuch. Doch leider fehlte mir das Wichtigste, - die Emotionen.
Die Erzählweise wirkte sehr monoton, wodurch ich keinen echten Zugang zu den Figuren fand. Gerade in einem Roman dieser Art wünsche ich mir Gefühle und ich möchte mich in die Charaktere hineinversetzen können. Anfangs schien das noch möglich, doch schon bald geriet ich in eine zähe Erzählschleife, die mich eher ermüdete. Mein einziger Antrieb weiterzulesen, war die Frage, ob Eddie tatsächlich noch einmal die Frau (Bridie/Birdie, egal wie, habe ich sowieso drüber gelesen) wiedersehen würde, die er vor so vielen Jahren liebte.

Bella konnte mich dagegen etwas mehr berühren. Besonders ihre Briefe an Jake waren für mich der emotionalste Teil der Geschichte. Was ich allerdings merkwürdig fand, war die konsequent kleingeschriebene Form darin, obwohl bereits eine andere Schriftart genutzt wurde, um sie hervorzuheben. Das wirkte für mich irritierend und unnötig.
Insgesamt hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt. Das Ende war zwar in gewisser Weise überraschend, dennoch konnte es mich auch nicht so bewegen, wie ich es erhofft hatte.

✅️ Fazit:

Eine Geschichte mit einer schönen Grundidee, die jedoch viel an Wirkung verliert. Die Figuren hätten großes Potenzial gehabt, doch die emotionsarme Erzählweise ließ mich zu oft unbeteiligt zurück. Schade, denn ich hatte mir deutlich mehr Tiefgang und Gefühl erhofft.

2,5☆

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Authentisch und mit viel Wärme

Was du siehst
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❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Ich habe schon viele Bücher über die DDR gelesen, in denen es meist um Flucht, Kontrolle oder Manipulation ging. Mich hat interessiert, einmal eine andere Perspektive ...

❓️Warum wollte ich das Buch lesen?

Ich habe schon viele Bücher über die DDR gelesen, in denen es meist um Flucht, Kontrolle oder Manipulation ging. Mich hat interessiert, einmal eine andere Perspektive zu erleben. Menschen, die nicht nur unter den strengen Strukturen litten, sondern auch Angst vor dem Neuen hatten und das Altbekannte liebten. Genau diesen Gegensatz versprach das Buch aufzugreifen und das hat mich sehr neugierig gemacht.

🔎 Worum geht’s?

1967 in Ost-Berlin: Ruth bleibt schwanger zurück, als ihr Geliebter verschwindet. Mit ihrer Tochter Jule zieht sie in ein kleines Dorf in Mecklenburg, wo Jule gemeinsam mit Andi, dem Sohn der Nachbarin, aufwächst. Aus kindlicher Nähe wird eine Liebe, die stärker scheint als alles. Doch die Wende verändert ihr Leben. Jule sucht ihren Vater, Andi möchte in der Heimat bleiben. Zwischen Verlust, Sehnsucht und Hoffnung entwickeln sich nicht nur ihre Geschichten, sondern auch die der Dorfgemeinschaft.

🧠 Meine Meinung:

Das Buch hat mich sehr berührt, vor allem durch die liebevoll gezeichneten Charaktere. Jule und Andi habe ich gerne begleitet, aber auch die Dorfbewohner tragen mit ihren Eigenheiten dazu bei, dass die Erzählung Tiefe gewinnt. Die Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und füreinander da ist, verleiht der Geschichte eine besondere Wärme, fast so, als wäre man selbst Teil davon.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Liebe zum Detail. Das Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Kapitel. Jede Farbe spiegelt eine Stimmung oder Situation wider und gibt der Handlung eine ganz eigene Note.
Sehr wohltuend war für mich auch, dass dies keine typische DDR-Geschichte mit starren Mustern ist, wie man sie oft kennt. Stattdessen wird das Thema mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt. Trotzdem wird deutlich, dass es ganz unterschiedliche Perspektiven gab.  Menschen, die neugierig in den Westen blickten, und solche, die bleiben wollten, weil sie das Leben so akzeptieren, wie es war. Gerade das machte die Geschichte lebendig und nachvollziehbar.
Obwohl auch Konflikte eine Rolle spielen, wirkte die Handlung insgesamt hoffnungsvoll und voller Wärme. Die Liebesgeschichte wirkt authentisch, und die Gegensätze von Alt und Neu, Angst und Hoffnung sind fein herausgearbeitet. Am Ende flossen Tränen, nicht nur wegen des Geschehens, sondern auch, weil mir die Figuren ans Herz gewachsen sind.

✅️ Fazit:

Eine berührende Geschichte über Heimat, Freundschaft, Liebe und Geheimnisse.  Atmosphärisch, voller Wärme und mit starken Charakteren. Wer die Bücher von Barbara Leciejewski mag, wird auch dieses lieben. Für mich ein Lesetipp, besonders für die kommende Jahreszeit, wenn die Blätter fallen und man es sich mit einer heißen Schokolade gemütlich machen möchte, dann ist dieses Buch der perfekte Begleiter.

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