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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.12.2025

Unheimlich nah am perfekten Thriller

Verschließ jede Tür
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Ich konnte dieses Buch nicht weglegen. Das Haus wirkte zuerst harmlos, schön sogar, zu schön. Genau das machte mir früh ein ungutes Gefühl. Ich fühlte mich wie die Hauptfigur selbst, neugierig, misstrauisch ...

Ich konnte dieses Buch nicht weglegen. Das Haus wirkte zuerst harmlos, schön sogar, zu schön. Genau das machte mir früh ein ungutes Gefühl. Ich fühlte mich wie die Hauptfigur selbst, neugierig, misstrauisch und allein.

Die Regeln im Bartholomew sind simpel und sofort beängstigend. Keine Besucher, jede Nacht im Apartment verbringen, keine Kontakte zu den Bewohnern. Trotzdem bleibt Jules, aus Geldnot, Hoffnung und Trotz. Ich habe oft den Kopf geschüttelt, weil sie Warnzeichen ignoriert. Gleichzeitig konnte ich ihr nicht böse sein, da sich ihre Einsamkeit und ihr Druck so real angefühlt haben.

Der Aufbau mit Zeitwechseln steigerte die Spannung deutlich, jede einzelne Rückblende zog die noch Schlinge enger. Ich konnte das drohende Ende spüren, lange bevor es kam. Das machte das Lesen intensiv. Die Atmosphäre des Hauses war kalt, schwer und ständig präsent.

Thematisch geht es um Macht, um soziale Unterschiede und darum, wie leicht Menschen verschwinden können, wenn sie niemand vermisst. Das hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hatte. Es geht nicht nur um das Rätsel. Es geht um Verlust und um das Gefühl, nichts mehr zu haben.

Das Finale war für mich der einzige Schwachpunkt. Überraschend, ja. Für meinen Geschmack aber doch etwas zu konstruiert. Ein paar Abläufe wirkten unglaubwürdig.

Trotzdem bleibt ein sehr spannender Thriller mit starkem Sog. Düster, eng, beklemmend.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein freundlicher Rundgang durch den eigenen Körper

Organisch
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Ich habe mich beim Hören von Organisch gut unterhalten gefühlt. Man sitzt zusammen, hört zu, staunt und geht mit ein paar neuen Gedanken nach Hause. Giulia Enders nimmt ihre Leser mit zu Haut, Lunge, Muskeln, ...

Ich habe mich beim Hören von Organisch gut unterhalten gefühlt. Man sitzt zusammen, hört zu, staunt und geht mit ein paar neuen Gedanken nach Hause. Giulia Enders nimmt ihre Leser mit zu Haut, Lunge, Muskeln, Immunsystem und Gehirn. Sie erklärt, wie diese Organe arbeiten, wo sie herkommen und warum sie heute so reagieren, wie sie es tun. Das gelingt leicht verständlich und ohne belehrenden Ton.

Besonders gefallen hat mir, wie sie Funktionen mit verständlichen Bildern aus dem Alltag verknüpft. Die Entwicklung über viele Jahrmillionen bekommt dadurch Gewicht. Man merkt, wie klug diese Systeme gebaut sind. Neben der Biologie geht es auch um neue Forschung und um einfache Zusammenhänge, die man im Alltag spürt. Schlaf, Bewegung, Berührung, alles greift ineinander.

Ich habe das Hörbuch gehört. Giulia Enders spricht selbst und das macht es sehr persönlich. Man spürt, wie sorgfältig und zugewandt sie das Buch geschrieben hat. Die Zeichnungen ihrer Schwester Jill Enders hätte ich mir gerne angesehen. Ein eindeutiger Vorteil beim physischen Buch. Als Hörerin bleiben sie mir leider verborgen. An einigen Stellen hätte ich auch gern kurz angehalten und etwas nachgelesen. Dafür eignet sich das gedruckte Buch sicherlich besser.

Organisch ist ein sehr guter Einstieg in ein Sachthema, ohne dass es trocken wurde. Trotz meiner Medizinischen Vorkenntnisse, konnte auch ich einiges Neues mitnehmen. Zudem habe ich auch über mein eigenes Verhalten nachgedacht. Kleine eingeschlichene Gewohnheiten bekommen plötzlich eine neue Bedeutung. Vor allem aber ist eine große Wertschätzung für den eigenen Körper geblieben.

Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen. Es ist informativ, persönlich und gut zu hören. Ein rundum angenehmer Begleiter für alle, die ihren Körper etwas besser kennenlernen möchten.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Glück als Gefahr. Eine unbequeme Idee, die nachwirkt

All Better Now
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Dieses Buch spricht junge Leser an, bleibt aber nicht an der Oberfläche und ist somit für jeden etwas. Die Idee trifft (m)einen Nerv! Ein Virus breitet sich aus. Wer überlebt, verliert Angst, Wut, Stress ...

Dieses Buch spricht junge Leser an, bleibt aber nicht an der Oberfläche und ist somit für jeden etwas. Die Idee trifft (m)einen Nerv! Ein Virus breitet sich aus. Wer überlebt, verliert Angst, Wut, Stress und Depression. Zurück bleibt Zufriedenheit. Der Preis ist hoch. Einer von 25 stirbt.

Eine Frage hat mich durch das ganze Buch begleitet. Würde ich mich anstecken lassen?

Die Geschichte folgt drei Jugendlichen aus sehr unterschiedlichen Welten. Mariel lebt auf der Straße, Ron ist der Sohn eines Superreichen, Morgan erbt Macht und Geld von einer fanatischen Gegnerin des Virus. Alle drei treffen Entscheidungen, die man verstehen kann und die man trotzdem ablehnt. Genau das macht das Buch stark.

Es gibt keine einfache Seite, für die man eindeutig sein möchte. Beide Lager handeln aus Motiven, die nachvollziehbar sind, und richten dabei Schaden an. Das fühlt sich erschreckend real an.

Die gesellschaftlichen Folgen stehen klar im Fokus: Wirtschaft, Medien, Macht und Angst greifen ineinander. Wer von Unzufriedenheit lebt, kämpft gegen Heilung. Das ist hart, aber schlüssig.

Die Figuren sind nicht immer sympathisch. Sie sind oft egoistisch, machen Fehler. Gerade deshalb wirken sie sehr menschlich. Besonders Morgan hat mich beschäftigt. Ihr Weg zeigt, wie schnell Haltung kippen kann, sobald Einfluss ins Spiel kommt.

Das Buch ist lang, der Mittelteil zieht sich spürbar. Manche Passagen hätten straffer sein dürfen. Dafür sitzt das Ende umso stärker, endet (sehr) offen.

Was bleibt, sind viele Fragen. Wie viel Freiheit steckt in echtem Glück? Wie viel Kontrolle verträgt eine Gesellschaft? Und wer entscheidet, was heil ist?

Ich habe das Buch gern gelesen. Es hat mich geärgert, nachdenklich gemacht und begleitet. Genau das erwarte ich von guter dystopischer YA.

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Fünf Sterne für einen Sog aus Mord, Macht und Menschlichkeit

The Tainted Cup
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Dieses Buch hat mich sofort gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Ich habe es regelrecht verschlungen und wollte direkt wieder von vorn beginnen. So selten geht mir ein Roman noch lange ...

Dieses Buch hat mich sofort gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Ich habe es regelrecht verschlungen und wollte direkt wieder von vorn beginnen. So selten geht mir ein Roman noch lange nach dem Zuklappen nicht aus dem Kopf.

Im Kern ist es ein Mordfall in einer fremden Welt, doch daraus wächst noch so viel mehr! Eine Geschichte über ein Reich, das auf Kontrolle, Anpassung und Ausbeutung baut. Über Körper, die verändert werden, um zu funktionieren. Über Menschen, die ihren Platz in einem System finden müssen, das für sie eigentlich nie vorgesehen war. Besonders die Perspektive der neurodivergenten Figuren hat mich tief berührt. Anerkennung ist hier kein Geschenk, sondern harte Arbeit.

Die Dynamik zwischen dem Ermittlerin und ihrem Assistent trägt den Roman durch und durch. Scharf, schräg, stellenweise komisch, dann wieder still und schwer. Ich habe beide Figuren sofort in mein Herz geschlossen. Die Ermittlungen sind clever gebaut, mit echten Spuren, falschen Fährten und einem Ende, das alles neu einordnet.

Die Welt ist düster und lebendig zugleich. Mauerringe, Monster, Pflanzen als Technik, Körper als Werkzeuge. Nichts wirkt beliebig, alles greift ineinander. Die Bedrohung ist ständig spürbar, der politische Druck ebenso. sehr Vieles fühlt sich erschreckend nah an.

Besonders stark fand ich den Blick auf Macht und Klasse. Wer geschützt lebt und wer geopfert wird, ist klar verteilt. Und genau dagegen richtet sich der leise, aber beständige Widerstand dieser Geschichte.

Für mich ist das eine seltene Mischung aus Fantasy, Krimi und Gesellschaftsroman. Spannend, emotional, klug gebaut. Ich habe jede Seite genossen. Klare fünf Sterne, eigentlich sogar mehr, wenn möglich. Ich zähle die Tage bis zur Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Ich bin völlig fertig und will jetzt sofort Band zwei!

Blackspell
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Ich bin sprachlos. Dieses Buch hat mich komplett überrollt. Ich bin mit der Erwartung an eine typische Young-Adult-Story gestartet und habe doch etwas ganz anderes bekommen. Düster. Spannend. Unberechenbar!

Die ...

Ich bin sprachlos. Dieses Buch hat mich komplett überrollt. Ich bin mit der Erwartung an eine typische Young-Adult-Story gestartet und habe doch etwas ganz anderes bekommen. Düster. Spannend. Unberechenbar!

Die Geschichte aus Edens Sicht hat mich direkt gepackt. Die angenehm kurzen Kapitel haben dafür gesorgt, dass ich ständig weiterlesen musste. Die Wyndhouse Academy fühlt sich beim Lesen real an. Kalt. Geheimnisvoll. Bedrohlich. Ich hatte alles ständig vor Augen. Die Zeichnungen im Buch verstärken diese Stimmung enorm und passen perfekt zur Handlung.

Eden als Hauptfigur hat mich überzeugt. Sie wird mit Wahrheiten konfrontiert, die alles verändern. Sie fällt nicht auseinander. Sie kämpft, stellt Fragen, gibt nicht auf. Genau das hat mich emotional gebunden. Ich habe mit ihr gestockt, gezweifelt und gehofft.

Die Handlung lebt von Misstrauen, alten Familiengeheimnissen und einem Mordfall, der von Anfang an Fragen aufwirft. Jeder neue Hinweis bringt neue Zweifel. Ich wusste lange nicht, wem ich trauen soll. Die Wendungen haben mich mehrfach kalt erwischt. Das Ende hat mir kurz den Boden unter den Füßen weggezogen.

Dieser Cliffhanger ist fies, aber genau richtig gesetzt. Ich brauche Band zwei. Und zwar dringend.

Für mich ist Blackspell ein echtes Highlight. Düsteres Academy-Setting, starke Figur, durchgehend Spannung, kein Leerlauf. Dieses Buch hat mich komplett abgeholt und nicht mehr losgelassen.

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